Exzellenzinitiative

Vision & Mission

Machbarkeitsanalyse der PM: Grundlagenforschung im klinischen Umfeld

Gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät, dem Universitätsklinikum und der Plattform1 hat das ZPM Forschungsprojekte initiiert, die der Erzeugung von individuellen Patientendaten, der übergreifenden Datenintegration und insbesondere der Analyse von komplexen biologischen Informationen gewidmet sind. Das Ziel dieser Bemühungen ist es multimodale Krankheiten mit einer möglichst hohen Genauigkeit zu beschreiben und hierüber Ansatzmöglichkeiten für die Entwicklung neuer Therapien zu finden. Inhaltlich orientieren sich die Projekte an den etablierten klinischen Schwerpunkten der Universität Tübingen, also der Onkologie, Immunologie, der kardiovaskulären Erkrankungen, Neurobiologie und Infektionsbiologie.

Translation der PM in die Klinik: molekulare Krankheits-Boards

In Tumor-Boards zum Beispiel werden die Kompetenzen einer bestimmten Entität (dermatologische, gastrointestinale, gynäkologische Tumore, usw.) zusammengebracht um komplexe onkologischer Fälle zu besprechen. Dabei werden alle klinischen Daten des Patienten – von der Anamnese, über Röntgen-/MRT-Bilder bis hin zu den aktuellen Therapieergebnissen - besprochen um die nächsten Schritte für eine optimale Behandlungsstrategie für diesen Patienten zu finden.

In molekularen Boards setzt sich das Expertengremium nicht nur aus Medizinern einer bestimmten Fachabteilung zusammen. Der Mittelpunkt der Betrachtung ist nicht die spezifische Tumor-Art oder Krankheitssubtyp sondern die molekularen Charakteristika dieser. Experten aus den Bereichen der Genom- und Proteomanalyse sowie Bioinformatiker und Wirkstoffexperten analysieren die individuellen Fälle zusammen mit den behandelnden Ärzten um auf Basis der molekularen Ergebnisse des Patienten die bestmögliche Therapie zu finden.

Die Etablierung solcher molekularen Krankheits-Boards ist ein weitere wichtiger Schritt zur angewandten PM und deshalb ein wichtiges Aufgabengebiet des ZPMs. Als erstes wurde ein molekulares Tumorboard initiiert, das als Vorbild für weitere klinische Fachgebiete dienen wird. Die hieraus gewonnenen Erkenntnisse dienen als Wegbereiter für weitere Boards und integrieren bereits jetzt die PM in den Klinikalltag hier am UKT.

Umsetzung der PM in klinische Studien: N=1

Die personalisierte Medizin erfordert nicht nur im Klinikalltag ein Umdenken, auch die Durchführung und Konzeption klinischer Studien erfährt mehr und mehr einen Wandel; weg von riesigen Patientenkohorten hin zu individuellen Ansätzen, sogenannten N=1-Studien, bei denen für jeden Patienten auf Grundlage seines molekularen Profils die bestmögliche Therapie ausgewählt wird.

Neben diesem radikal anderen Studienansatz, der neben den Vorteilen der exakten Stratifizierung aber auch Hemmschwellen bietet (schwierige statistische Auswertung, lange Dauer bis signifikante Ergebnisse erzielt werden und damit geringe Akzeptanz bei den Krankenkassen und Pharmaunternehmen) haben sich neue Studienmodell entwickelt. Im klassischen Ansatz werden die Patienten anhand ihres Phänotyps, also ihrer Tumorart eingeteilt. So werden alle Patienten mit Mammakarzinom in der Studie mit dem dafür zugelassenen Medikament behandelt, unabhängig von den zugrundeliegenden genetischen Voraussetzungen.

In personalisierteren Studien - sogenannten „basket trials“ – wird die Behandlung hingegen auf Basis des molekularen Profils des Tumors entschieden. Dabei kann es auch vorkommen, dass ein Patient mit einem Gastrointestinalen-Tumor (GI) ein Medikament erhält, dass auf die spezifische Mutation seines Tumors ausgerichtet ist, aber eigentlich nur für Brust-Tumore zugelassen ist ("off-lable-use"). Dadurch entstehen nicht nur Probleme hinsichtlich der Medikamentensicherheit sondern auch im Hinblick auf Kostenübernahme durch die Krankenkassen. Um diese Hürden zu nehmen ist ist eine enge Zusammenarbeit von Klinik und Kasse bei der Entwicklung dieser innovativen Studienmodelle wichtig.