Evangelisch-Theologische Fakultät

Stellungnahme des Professoriums der Evangelisch-Theologischen Fakultät zur Broschüre „Was Gott nicht segnet, kann die Kirche nicht segnen!“ des Netzwerks Bibel und Bekenntnis

Der Arbeitskreis Württemberg des Netzwerks Bibel und Bekenntnis hat im Frühjahr 2020 unter dem, Titel  „Was Gott nicht segnet, kann die Kirche nicht segnen!“ eine „Handreichung für Kirchengemeinderäte“ zur Frage der Segnung staatlich geschlossener Ehen herausgegeben und darin in mehreren Beiträgen den von der Landessynode mit großer Mehrheit erarbeiteten Beschluss, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen, wenn die Gemeinde dies befürwortet, als Infragestellung des Bekenntnisstandes beschrieben, die die „gemeinsame geistliche Basis der Kirchengemeinschaft fraglich“ (S. 8) mache. Er hat deswegen sogar über mehrere Zwischenschritte hinweg die Bildung einer „Bekenntnissynode“ anvisiert (S. 60).

Die Evangelisch-Theologische Fakultät Tübingen ist der württembergischen Landeskirche verbunden. Hierzu gehört auch das Bewusstsein, dass diese Landeskirche Glaubende unterschiedlicher geistlicher Ausrichtung eint und in besonderem Maße von einem Pietismus geprägt ist, der dem Erbe Speners und Bengels verpflichtet ist und sich nicht gegen die Kirche profiliert, sondern in ihr entfaltet hat. Die genannte Broschüre hat nun aber, abweichend von dieser kirchlichen Prägung des württembergischen Pietismus, die Kirchengemeinschaft in Frage gestellt.

Weil es zum Auftrag einer Theologischen Fakultät gehört, solche Auffassungen zu prüfen und, wenn sie keinen ausreichenden Grund in Schrift und Bekenntnis haben, klar abzuweisen, hat das Professorium der Evangelisch-Theologischen Fakultät eine Stellungnahme zu der o.g. Broschüre vorgelegt und die darin erhobenen Forderungen als falsche Konsequenzen eines irrigen Ansatzes zur Wahrung des Glaubenszeugnisses, das in der Heiligen Schrift bezeugt ist, zurückgewiesen.