Christine Siegl

Gast - Raum - Kirche

 

Ausgangspunkt der Arbeit ist die wachsende Zahl an zur Disposition stehenden Kirchen in ländlichen wie städtishen Räumen und die Erkenntnis, dass neben Formen der kompletten Umnutzung seit rund zwar Jahrzehnten auch Nutzungserweiterungen, d.h. die Integration weiterer Nutzungsformen in eine als Gottesdienstraum weiter genutzte Kirche, als adäquate und praktikable Reaktion darauf praktiziert wird.

Ziel dieser Arbeit ist es daher zunächst, anhanf von vier empirisch untersuchten Fallbeispielen nutzungserweiterter Dorfkirchen in peripheren ländlichen Räumen (Dopf- und Kronkirche Nudow, Bibelerlebniswelt Schönbrunn e.V., Dorfkirche/Gemeindezentrum Rieben, Radwegekirche Kienitz/Oder) das Konzept und die Praxis von Nutzungserweiterungen aufzuzeigen. In der Einzeldarstellung der vier Projekt und deren Gesamtschau gelingt es, wesentliche Merkmale und erkenntnisse des Phänomens aufzuzeigen, um den Vorgang einer Nutzungserweiterung sowie deren Chancen und Grenzen transparent zu machen. Nutzungserweiterungen erweisen sich dabei als eine adäquate Transformation im Umgang mit Kirchenräumen, die sich hochgradig individuell gestalten, jedoch allesamt für einen gewissen Zeitabschnitt neue Nutzugnsformen im Kirchenraum erschließen udn damit den Bestand des Gebäudes auf längere Zeit hin sichern.

Daraüber hinaus geht diese Arbeit davon aus, dass sich die Praxis der Nutzungserweiterung als kirchliches Handeln verstehen lässt, das mit den Bedingungen, unter denen sich Kirchen in der Gegenwart wiederfindet, konstruktiv umzugehen vermag. Mit der theologischen Leitkategorie der Gastfreiheit können Nutzungserweiterungen nicht allein als Notbehelf im Umgang mit problematischem Gebäudebestand, sondern als besonders konnotiertes und innovatives kirchliches Handeln verstanden werden.