Praktische Theologie III

Kasualien als Familienfeste. Zur Konzeptualisierung von familiären Lebensgemeinschaften anlässlich von Passageriten

 

DFG-Projekt im Rahmen des Paketantrags: Kasualien als Feld und Konzept der Praktischen Theologie (PAK 876)

Laufzeit: 10/2014 - 06/2019

Büro: Haußerstraße 43, 72076 Tübingen

Kasualien sind Familienfeste. Taufe, Trauung, Konfirmation und Bestattung thematisieren nicht nur biographische Übergänge, die Individuen oder Paare betreffen, sondern sie bearbeiten auch die komplexen Veränderungen im Familiensystem, das von einem Kasus betroffen sind. Familienangehörige und Freunde konstituieren zu einem überwiegenden Teil die versammelte Gemeinde anlässlich von Kasualien und sie prägen den explizit familiären Teil der Festkultur im Anschluss an die gottesdienstliche Segenshandlung wesentlich mit.

Auf die Bedeutung von 'Familie' für Kasualien ist hingewiesen worden, wenn sozialisationstheoretische, familiengeschichtliche und familienreligiöse Aspekte benannt wurden. In der Regel rubriziert die 'Familie' jedoch als eine soziale Größe, die, anders als die in kirchentheoretischer Hinsicht entfaltete 'Gemeinde', dem Privaten zugeordnet wird, deren gesellschaftlich-institutioneller Charakter jedoch unberücksichtigt bleibt. Was 'Familie' ist, wie sie sich konstituiert und wie sie sich selbst versteht, wird anlässlich von Kasualien inszeniert und symbolisiert. Diese Fragestellung betrifft zum einen in empirischer Perspektive die Festfamilien, die sich zur Begehung der Kasualie versammeln. Zum anderen zielt sie auf die Symbolisierungsleistungen von Kasualien für familiale Lebensgemeinschaften. Ziel ist es, die Deutungsleistungen der Kasualien für das Konzept der Lebensgemeinschaft vor dem Hintergrund der Pluralisierung der Lebensformen zu erheben.

Die zentrale Forschungsfrage ist, welche (religiöse) Deutungen Kasualien für familiäre Lebensgemeinschaften leisten.

Es findet ein regelmäßiger Austausch mit anderen Teilprojekten statt, die zeitgleich zu Kasualien durchgeführt werden unter der Leitung von Ulrike Wagner-Rau (Marburg), Ursula Roth (Frankfurt am Main), Kristian Fechtner (Mainz), Jan Hermelink (Göttingen) und Christian Albrecht (München).