Praktische Theologie III

Dr. Manuel Stetter


Abstract
 
Reanimationen/Deanimationen. Eine ethnographische Untersuchung zum funeralen Umgang mit den Toten (Arbeitstitel)

Für den Protestantismus liegt der programmatische Akzent der Bestattungspraxis traditionell auf der diskursiven Adressierung der Lebenden. Mit dieser Zuspitzung rückt ein ganzer Komplex funeralen Handelns in den Hintergrund: der Umgang mit den Toten. Auf Grundlage konstruktivistischer Intuitionen gehe ich davon aus, dass dieser Umgang die Toten nicht unberührt lässt, sondern das, was sie sind, mithervorbringt. Insofern zielt das Projekt auf die Erforschung derjenigen Praktiken, die im Zusammenhang der Bestattung etwas mit den Verstorbenen machen und damit zugleich etwas aus ihnen machen. 

Ein Hauptaugenmerkt liegt dabei auf der Wahrnehmung sowohl konfessionell gebundender als auch konfessionell ungebundener Bestattungsrituale. Etisch eingespielte wie auch im Feld selbst produzierte Differenzkategorien wie ‚kirchlich/alternativ‘, ‚weltlich/religiös‘ oder ‚institutionell/frei‘ sollen forschungsstrategisch dazu zunächst einmal eingeklammert und das Feld der Bestattung als ein gemeinsames, ambiges Feld beforscht werden. 

Methodisch verlangt diese an rituellen Praktiken interessierte Fragestellung ein Spektrum an ethnographischen Verfahren der Beobachtung und Befragung, die die Orte, Räume, Körper, Dinge und Diskurse des Rituals zu erhellen erlauben sowie die Prozesse, die zu ihrer situativen „(An)Ordnung“ (Martina Löw) führen, analysierbar machen.

Ohne die Fragezusammenhänge, in denen die Ergebnisse im Forschungsverlauf Relevanz gewinnen können, vorab definieren zu können, erhoffe ich mir über einen Beitrag zur kasualtheoretischen Debatte um die Bestattungspraxis hinaus Einsichten auch für den kirchentheoretischen Diskurs sowie die Frage, in welchen Modi Religion unter den Bedingungen der Gegenwart hervorgebracht wird.