Katholisch-Theologische Fakultät

Alfons Auer Ethik-Preis für frühere irische Präsidentin Mary McAleese

Katholisch-Theologische Fakultät ehrt Politikerin für ihr Engagement zu Frauenrechten und zur moralischen Erneuerung der katholischen Kirche

Die frühere Präsidentin der Republik Irland, Professorin Mary McAleese, ist Ende Oktober mit dem diesjährigen „Alfons Auer Ethik-Preis“ der Universität Tübingen ausgezeichnet worden. Die Katholisch-Theologische Fakultät würdigte damit ihr Engagement als Christin und Wissenschaftlerin bei der Umsetzung ethischer Werte in der politischen Praxis. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich durch ethisches Engagement im religiösen, wissenschaftlichen und/oder gesellschaftlichen Bereich auszeichnen. 

Mary McAleese habe sich besonders am Schnittpunkt von Ethik und Politik engagiert und Impulse zur moralischen Erneuerung in der Katholischen Kirche gesetzt, so die Begründung des Kuratoriums. Nach ihren Möglichkeiten arbeite sie daran, das Evangelium in den Konflikten der Gegenwart als eine Botschaft der Nicht-Diskriminierung, der Versöhnung und des Friedens zu entfalten. 

Mary McAleese wurde 1951 im nordirischen Belfast geboren. Aufgewachsen mit einem Bürgerkrieg „vor der Haustür“ wurden Friedensbildung, Demokratisierung und Versöhnung zu ihren Lebensthemen. Sie studierte Jura an der Queen’s University Belfast und wurde 1975 Professorin für Criminal Law, Criminology and Penology am Trinity College Dublin. Ab 1987 war sie Professorin an der Queen’s University, wo sie 1994 als erste Frau das Amt der Prorektorin übernahm. 

Von 1997 bis 2011 amtierte Mary McAleese als 8. Präsidentin der Republik Irland. Danach studierte sie Katholisches Kirchenrecht an der Gregoriana in Rom und ist nach einer Promotion im Fach Kirchenrecht seit 2018 „Professor of Children, Law and Religion“ an der University of Glasgow, Scotland. Als Präsidentin verstand sie sich stets als Brückenbauerin: zwischen Nord- und Südirland, zwischen Gewinnern und Verlierern des wirtschaftlichen Aufschwungs und zwischen allen Teilen der Gesellschaft, in denen sich Spannungen und Brüche auftun. In ihrer Amtszeit wurden der „Employment Equality Act“ (1998) und der „Equal Status Act“ (2000) eingeführt, welche Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung verbieten. Heute gehört sie dem Council of Women World Leaders an, ein Netzwerk aus Premierministerinnen und Präsidentinnen, das sich für Frauenrechte einsetzt. 

Mit diesen Themen engagiert sie sich auch für Reformen in der Katholischen Kirche. Sie thematisiert Kinderrechte und die Diskriminierung von Frauen, fordert eine Anerkennung von LBGT-Lebensweisen und kritisiert den strukturellen Klerikalismus der Kirche. In den letzten Jahren tritt McAleese immer stärker für Veränderungen in der Bewertung der Sexualmoral ein: für die Korrektur der Enzyklika Humanae Vitae, für Veränderungen in der Bewertung von Homosexualität und für die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen. Diese Themen verbinden sie mit Alfons Auer, der Mitglied der päpstlichen Kommission zur Empfängnisregelung war. 

Antje Karbe