Religionspädagogik

Aktuelles

Internationales Elie Wiesel Symposium in Berlin

Die Forschungsstelle Elie Wiesel tagte zum internationalen Symposium vom 3. - 6. September 2019 in Berlin am Selma-Stern-Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg zum Thema „The Genesis of Night“. Unter der Leitung von Prof. Dr. Daniel Krochmalnik (Universität Potsdam) und Prof. Dr. Reinhold Boschki (Universität Tübingen) durften wir unseren Gast und Hauptreferenten Dr. Yoel Rappel, Direktor des Elie Wiesel Archive der Universität Boston, begrüßen. Im Fokus der ersten beiden Tage standen Austausch und Diskussion der Forschungsstelle Elie Wiesel (FEW) mit unserem Gast Yoel zur Entstehungsgeschichte des Überlebensberichtes Nacht. Das Symposium wurde zusätzlich durch begleitende Präsentationen einzelner Mitglieder der FEW zu deren aktuellen Forschungsstand ergänzt. Marion Eichelsdörfer präsentierte Auszüge aus ihrer Übersetzung von Un di Welt hot geshwignund Valesca Baert-Knoll präsentierte das editorische Vorgehen bezüglich der anstehenden Neuherausgabe der autobiographischen Schriften Wiesels innerhalb der geplanten Elie Wiesel Werksausgabe (EWW). Die Tagung schloss mit einem Besuch der Gedenkstätte Buchenwald, dem Ort an dem Elie Wiesel begann seinen Überlebensbericht zu verfassen.

 Yoel Rappel traf Elie Wiesel erstmals 1983 in New York. Dort wurde der Grundstein für ihr späteres wissenschaftliches Zusammenarbeiten - Rappel arbeitete lange als Wiesels Research Asisstant - und ihre enge Freundschaft gelegt. Später gründete Rappel dasElie Wiesel Archive an der Boston University und fungierte lange als dessen Direktor. Durch die enge Zusammenarbeit und die jahrelange berufliche Auseinandersetzung mit den Schriften Wiesels, als Journalist, Historiker und Autor, konnte Rappel uns einen neuen und vertiefenden Einblick in die Entstehungsgeschichte von Nacht vermitteln.

Dieser ist von großer Bedeutung für eines der aktuellen Hauptforschungsfelder der FEW, die Neu-Übersetzung und Edition von Nacht sowie die Erstübersetzung und Edition von Un di Welt hot geshwign, der unfangreicheren, jiddischen Version von NachtEine der zentralen Fragen die diskutiert wurden, betraf die Kontroverse um die Originalversion von Nacht.  Ist diese zuerst auf Hebräisch oder Jiddisch verfasst worden und welche entstehungsgeschichtlichen Interdependenzen können für diese angenommen werden? Daraus ergab sich eine weiterführende Frage, die für die Werkausgabe ebenso von Relevanz ist: Wie geht man mit Varianten einer Beschreibung, die in unterschiedlichen Versionen und Sprachen (jiddisch, hebräisch, französisch, englisch) zu finden sind, in Bezug auf die Frage der Authentizität um? Was können wir aus den Differenzen für Schlüsse ziehen? All diese Fragen werden für die anstehende Werkausgabe in Bearbeitung und Beurteilung von Interesse sein, besonders, da sich all seine Werke in konzentrischen Kreisen um Nacht bewegen

Tagung der FEW in Berlin

Am 20.06.2019 fand im Riverside Hotel Berlin die jährliche Tagung der Forschungsstelle Elie Wiesel (FEW) statt. Im Zentrum der Tagung stand die Planung der anstehenden Erstveröffentlichung der deutschen Übersetzung von "Un di Welt hot geshwign". Marion Eichelsdörfer, examinierte Jiddistin, welche im Zuge ihres Disserattionsprojekts "Un die Welt hot geshwign" ins Deutsche übersetzt, hat die FEW an ihren neuesten Forschungsergebnissen teilhaben lassen und Auszüge aus ihrer Übersetzung präsentiert. Im Team wurde besprochen, wie die anstehenden Neuveröffentlichungen des Gesamtwerks Elie Wiesels seitens der Forschungsstelle kommentiert und ediert werden.Diesbezüglich hat Prof. Reinhold Boschki den aktuellen Arbeitsstand der Neuübersetzung von "La Nuit" präsentiert. Wir hoffen mit den Veröffentlichungen der autobiographischen Schriften Elie Wiesels, eröffnend mit "Un di welt hot geshwign", im Herbst 2020 beginnen zu können.

Neben dem wissenschaftlich-inhaltlichen Austausch wurden noch zwei internationale Konferenzen für 2020 und 2021 geplant, welche die FEW in Berlin/Potsdam und Tübingen ausrichten wird.

 

Gastvortrag von Juliane Güler in Tübingen

Im Zuge des Hauptseminars "Begegnung mit dem heutigen Judentum - Zur Aktualität des Werks von Elie Wiesel" begrüßten Prof. Reinhold Boschki und Valesca Baert-Knoll die Gastreferentin Juliane Güler geb. Schnürle an der Universität Tübingen. Nach einem intensiven Austauch und Forschungskolloquium der Forschungsstelle Elie Wiesel hielt sie im Hauptseminar einen Vortrag zum Verhältnis der chassidischen Schriften Martin Bubers und Elie Wiesels. Als studierte Judaistin konnte sie den Tübinger Studierenden eine Perspektivweitung und inhaltliche Vertiefung der spezifisch jüdischen Motive in den chassidischen Schriften Wiesels aufzeigen.  Wir bedanken uns bei Juliane Güler für ihren Input und unseren Studierenden für die rege Teilnahme und die abschließende Diskussions- und Austauschrunde.

Textgrundlage zur Vorbereitung für die Studierenden war Bubers "Chassidismus und der abendländische Mensch" sowie das Themenheft der Zeitschrift für christlich-jüdische Begegnung zu Martin Buber. 

Wir freuen uns weiterhin Forschende zum Werk Elie Wiesels begrüßen zu dürfen und Kontakt zum gelebten Judentum herzustellen. So wird demnächst eine Skype-Sitzung mit dem Rabbiner Joe Kanofsky stattfinden. 

 

Konferenzschaltung Israel, Potsdam, Tübingen, Heidelberg

Dass man nicht immer am gleichen Ort sein muss, um eine Konferenz und Teambesprechung einer Forschungsstelle zu realisieren, zeigte sich beim letzten Skype-Termin der FEW am 12.12.18, an denen die Mitarbeiter_Innen aus Jerusalem, Tübingen, Heidelberg und Potsdam zugeschaltet waren. Prof. Reinhold Boschki war zu diesem Zeitpunkt in Israel, um mit Wissenschaftlern und Elie Wiesel-Experten über unsere geplante historisch-kritische Gesamtausgabe zu sprechen. Durch die vielen Gespräche wurde deutlich, dass unser Projekt großen Zuspruch und Unterstützung findet. Zu den Ergebnissen unseres Treffens gehört unter anderem die Planung einer Tagung Mitte/Ende des Jahres, zu der wir Expert_Innen nach Berlin und Potsdam einladen möchten, die sich mit dem Werk und dem Leben von Elie Wiesel beschäftigen. Dies nehmen wir auch zum Anlass, das Promotionsprojekt unserer Mitarbeiterin Marion Eichelsdörfer vorzustellen, die sich mit der Übersetzung des Werkes Un di Welt hot geschwign befasst. Nach Abschluss der Tagung soll ein Tagungsband entstehen, in dem wir die aktuellen Kenntnisse und Projekte der Expert_Innen aufnehmen wollen. So erzielen wir eine enge Zusammenarbeit aller Wissenschaftler_Innen und schaffen es die aktuellen Studien und Arbeiten transparent und zugänglich zu machen.

Kooperationsseminar an der Forschungsstelle Elie Wiesel

Am 26.06.2017 fand in der Hochschule für Jüdische Studien (HfJS) unter der Leitung von Prof. Reinhold Boschki (Universität Tübingen), Prof. Daniel Krochmalnik und Marion Eichelsdörfer, MA (beide HfJS) eine gemeinsame Seminarsitzung zum Thema Elie Wiesels Glaubenswelt statt. Insgesamt 60 Studierende aus Tübingen und Heidelberg beschäftigen sich in diesem Sommersemester mit Elie Wiesels Überlebensbericht Die Nacht unter Berücksichtigung aller Textversionen sowie weiterer Werkauszüge. In Tübingen steht die Veranstaltung von Prof. Boschki unter dem Titel: Begegnungen mit dem Judentum: Elie Wiesel, während an der HfJS die Veranstaltung Glauben unter dem Holocaust – Elie Wiesels Nacht im Spiegel seines autobiographischen Schreibens (M. Eichelsdörfer) abgehalten wird.


Die gemeinsame Seminarsitzung gab Gelegenheit einige Aspekte der jüdischen Glaubenswelt Elie Wiesels und ihr Widerhall in seiner Literatur zu diskutieren. Als Einstieg diente Wiesels Text Wiederbegegnung mit Auschwitz, der seine Gedanken und Gefühle beim Besuch der Gedenkstätte Auschwitz reflektiert, unter Berücksichtigung der korrespondierenden Textauszüge aus Die Nacht und aus dem jiddischen Urtext …un di welt hot geschwign.
 

Die Geselligkeit kam wie üblich bei diesen Treffen nicht zu kurz. Die 60 TeilnehmerInnen wurden wieder einmal vorzüglich von Mensachefin Frau Zierl koscher verköstigt und es gab währenddessen reichlich Gelegenheit zu lockerem wissenschaftlichen Austausch und zum Schmieden weiterer Pläne.