Autobiographische Schriften
In seinem Überlebensbericht Die Nacht (La Nuit, 1958) hält Wiesel seine Erinnerungen fest und legt Zeugnis über seine Erfahrungen während der Schoah ab. Doch bereits zuvor veröffentlichte Wiesel eine ausführlichere Vorversion auf Jiddisch unter dem Titel …und die Welt schwieg (…un di velt hot geshvign, 1956). Mit der deutschen Erstübersetzung dieses Werkes und einer Neuübersetzung von Die Nacht wird die wissenschaftlich kommentierte Publikationsreihe der EWW eröffnet. Wie ein roter Faden durchzieht Die Nacht Wiesels Schaffen:
„Wenn ich in meinem ganzen Leben nur ein einziges Buch zu schreiben gehabt hätte, wäre es dieses gewesen. So wie die Vergangenheit in der Gegenwart weiterlebt, so tragen alle meine Bücher, die auf Die Nacht folgten, dessen Stempel. Und das trifft auch auf diejenigen Bücher zu, die biblische, talmudische und chassidische Themen behandeln. Man wird sie nicht verstehen, wenn man dieses Buch nicht gelesen hat.“
(Elie Wiesel, Vorwort zur französischen Neuauflage von 2007)
Die autobiographischen Überlebens- und Lebensberichte Elie Wiesels bilden die Basis für das Verständnis des gesamten Werkes Wiesels.
Insbesondere die Erinnerungen an seine Kindheit in seiner Heimat Sighet und an dessen abruptes Ende durch die Zeit in den Konzentrationslagern von Auschwitz und Buchenwald, prägen Wiesels journalistische und literarische Arbeiten, aber auch sein großes humanitäres Engagement in aller Welt. Wiesels Texte sind eine wertvolle Quelle für die Bewahrung der Erinnerung an die durch die Schoah zerstörte Welt des vielfältigen und traditionsreichen osteuropäischen Judentums. Seine Heimatstadt Sighet blieb auch für Wiesel selbst immer Orientierungspunkt. Sein Sighet im Herzen tragend, begleitet es ihn auf seinem Lebensweg durch Europa, Israel und in die USA.
Aber auch Wiesels weitere autobiographische Schriften sind geprägt von den Erlebnissen in seiner frühen Kindheit und Jugend und ergänzen sein Zeugnis. Außerdem beleuchten sie wichtige Hintergründe zu Wiesels intellektuellem Werdegang, der sich in seinen Texten widerspiegelt. Diese und weitere biographische Kurztexte werden in der EWW neuediert, wissenschaftlich kommentiert, und sprachlich, politisch-historisch und judaistisch kontextualisiert.
Autobiographische Schriften:
- ... un di velt hot geshvign (...und die Welt schwieg), Buenos Aires 1956
- La Nuit, Paris 1958, 2007
- Neue deutsche Übersetzung durch die Elie Wiesel Forschungsstelle: Die Nacht, Freiburg 2022
- Engl.: Night, New York 2006; trans. Marion Wiesel
- Tous les fleuves vont à la mer: Mémoires, Paris 1994
- Deutsch: Alle Flüsse fliessen ins Meer: Autobiographie, Hamburg 1995
- Engl.: All Rivers Run to the Sea: Memoirs, New York 1995
- ... Et la mer n'est pas remplie: Mémoires, Paris 1996
- Deutsch: ... und das Meer wird nicht voll: Autobiographie, Hamburg 1997
- Engl.: And the Sea is Never Full: Memoirs, 1969–, New York 1999
- Au-delà du silence, in Silence et mémoire d'hommes, Paris 1989, 7–31
- Deutsch: Jenseits des Schweigens, in Das Gegenteil von Gleichgültigkeit ist Erinnerung: Versuche zu Elie Wiesel, Dagmar Mensink / Reinhold Boschki (Hrsg.), Mainz 1995, 9–37
- Cœur ouvert, Paris 2011
- Deutsch: Mit offenem Herzen, Freiburg 2012
- Engl.: Open Heart, New York 2012