Theologische Ethik/Sozialethik

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2021

Vorlesung: Fundamentale Sozialethik (digital-asynchron mit Kolloq.)

Prof. Dr. Möhring-Hesse

In den vergangenen Zeiten katholischen Naturrechtsdenkens konnte die theologische Sozialethik ihre theologischen und normativen Grundlagen noch über die Moraltheologie absichern und deshalb auf eine »Fundamentale Sozialethik« verzichten. Seitdem das einheitsstiftende Band des Naturrechts in der katholischen Theologie zerrissen ist, muss sie für ihre eigenen Grundlagen selbst Sorge tragen – und dabei insbesondere klären, welchen Gegenstand unter welchen Hinsichten auf welchem Wege sie als ein theologisches Fach bearbeitet. In der Vorlesung werden die notwendigen Klärungen einer »Fundamentalen Sozialethik« mit Bezug auf ein analoges Problem gesucht, nämlich auf das praktische Problem von Glaubenden, in Antwort auf Gottes Heilszusage das zugesagte Heil in ihren säkularen Gesellschaften anbrechen zu lassen und dazu »Politik aus dem Glauben« betreiben zu müssen. Auf diesem Wege lassen sich die theologischen und normativen Grundlagen der Sozialethik so sichern, dass ihr Anschluss an theologische, politisch-philo­sophische, gesellschaftstheoretische und religionssoziologische Diskurse gesichert werden kann.

Diese Veranstaltung findet grundsätzlich asynchron statt; allerdings wird gelegentlich ein digital-synchrones Kolloquium angeboten, für das das Zeitfenster mittwochs, 8-10 Uhr vorgesehen ist. Die konkreten Termine der Kolloquien erfahren Sie zu Semesterbeginn von dem/der Dozierenden. Bitte melden Sie sich deshalb mit der Belegen-Funktion rechtzeitig zur Teilnahme an der Veranstaltung an.

 

Vorlesung: Themenfelder Sozialethik: ... die andere Hälfte des Lebens. Sozialethische Erkundigungen über Arbeit in der Arbeitsgesellschaft (digital-asynchron mit Kolloq.)

Prof. Dr. Möhring-Hesse

Es hat keinerlei Neuigkeitswert, ist uns allen allzu selbstverständlich und beschäftigt uns deswegen nicht: In der Gesellschaft, in der wir leben, werden wir zur Erwerbsarbeit angehalten und unser Leben maßgeblich von dieser Erwerbsarbeit her bestimmt. Zumeist nehmen wir alle das so selbstverständlich, dass wir den Zwang in die Erwerbsarbeit gar nicht bemerken. Mehr als die Hälfte unserer Lebenszeit und mindestens die Hälfte unserer Tage und Wochen verbringen wir in und für die Erwerbsarbeit. Aber weil so banal und so selbstverständlich, kommt dieser Teil unseres Lebens weder in der kirchlichen Pastoral oder Liturgie, noch in der Theologie (und schon gar nicht im Studium der Theologie) vor – zumindest in der Regel nicht.
In früheren Zeiten war das in der theologischen Sozialethik anders. Seit der ersten großen Sozialenzyklika »Rerum novarum« (1891) hatte die Sozialethik Erwerbsarbeit als ihr Zentralthema; sie war über genau dieses Thema in der Theologie spezifiziert. Inzwischen hat man aber auch in der Sozialethik das Interesse an der Erwerbsarbeit zumeist verloren und hat die Sozialethik um ihr ehemaliges Zentralthema gebracht. Dies geschieht manchmal bewusst – und dann mit Beruf auf einen »erweiterten Arbeitsbegriff« und im Interesse an all der Arbeit jenseits der Erwerbsarbeit.
In der Vorlesung soll Erwerbsarbeit wieder in den Fokus der theologischen Sozialethik gerückt werden: Die Lebenswelten und -biografien der Menschen werden durch Erwerbsarbeit bestimmt, ebenso die ungleichen Lebenschancen und sozialen Positionen zwischen ihnen. Erwerbsarbeit bestimmt auch alle anderen sozialen Handlungsfelder, die sich an der Erwerbsarbeit der Menschen auszurichten haben, - und bestimmt so die Gesellschaft. Deswegen gilt es zu begreifen, was die Erwerbsarbeit mit den Menschen und was sie mit deren sozialen Verhältnissen »macht«. Und es gilt zu verstehen, dass Erwerbsarbeit vor allem ein soziales Verhältnis ist, das gesellschaftlich gemacht ist – und immer wieder neu gemacht werden muss. Deshalb ist Erwerbsarbeit nicht »selbstverständlich« sondern immer wieder Gegenstand politischer Aushandlungen. Sie kann anders gestaltet werden, als sie ist, – und sollte dies wohl auch.

Diese Veranstaltung findet grundsätzlich asynchron statt; allerdings wird gelegentlich ein digital-synchrones Kolloquium angeboten, für das das Zeitfenster dienstags, 8-10 Uhr vorgesehen ist. Die konkreten Termine der Kolloquien erfahren Sie zu Semesterbeginn von dem/der Dozierenden. Bitte melden Sie sich deshalb mit der Belegen-Funktion rechtzeitig zur Teilnahme an der Veranstaltung an.

 

Vorlesung: Pastoral- und Religionssoziologie (PrTh), (digital-asynchron mit Kolloq.)

Prof. Dr. Möhring-Hesse; Prof. Dr. Schüßler; Brugger

Was ist Religion? Verschwindet Religion im Laufe der Modernisierung von Gesellschaften oder kehrt sie wieder? Wie leben Menschen heute ihre Religiosität und wie verhalten sie sich zu traditionellen kirchlichen Religionsgemeinschaften? Wie verändern sich diese religiösen Institutionen gegenwärtig? Wie lässt sich Glaube und Religion überhaupt erforschen?
Das und noch mehr sind Grundfragen der Pastoral- und Religionssoziologie, in die diese Vorlesung einführen wird. Es werden zentrale Konzepte und aktuelle Themen der soziologischen Auseinandersetzung mit Religion dargestellt und diese anhand konkreter Textbeispiele illustriert bzw. erarbeitet.

Diese Veranstaltung findet grundsätzlich asynchron statt; allerdings wird gelegentlich ein digital-synchrones Kolloquium angeboten, für das das Zeitfenster donnerstags 10-12 Uhr vorgesehen ist. Die konkreten Termine der Kolloquien erfahren Sie zu Semesterbeginn von dem/der Dozierenden. Bitte melden Sie sich deshalb mit der Belegen-Funktion rechtzeitig zur Teilnahme an der Veranstaltung an.

 

Interdisziplinäre Kolloquium: Christliches Handeln in der Kultur und Gesellschaft (digital-synchron)

Prof. Dr. Möhring-Hesse; Prof. Dr. Schüßler; Prof. Dr. Boschki

Das Kolloquium vertieft modulbegleitend die Themen und aufkommenden Fragen der laufenden Lehrveranstaltungen im Modul MGP 7. Die Veranstaltung ist offen für Studierende aus anderen Studiengängen mit ähnlich gelagerter Modulstruktur.

Die Veranstaltung findet in digital-synchroner Form statt, dienstags um 12-13 Uhr.

 

Vorlesung: Grundbegriffe der Sozialethik (digital-asynchron mit Kolloq.)

Prof. Dr. Möhring-Hesse

Als ein wissenschaftliches Unterfangen arbeitet die theologische Sozialethik mit besonderen Begriffen, um ihrem Gegenstand, die richtige Ordnung gesellschaftlicher Verhältnisse, zu »begreifen«. Ihre zentralen muss die Sozialethik erstens mit anderen, vor allem mit den sozialwissenschaftlichen Wissenschaftsfächern teilen; zweitens muss sie als Ethik den Anschluss an die Erstnutzung ihrer Begriffe in den politischen Auseinandersetzungen halten. Mit einer doppelten Aufmerksamkeit auf die Begriffswelten »außerhalb« der Sozialethik sollen in der Vorlesung deren zentrale Begriffe, wie Gesellschaft und Gerechtigkeit, Inklusion und Solidarität, vorgestellt werden.

Diese Veranstaltung findet grundsätzlich asynchron statt; allerdings wird gelegentlich ein digital-synchrones Kolloquium angeboten, für das das Zeitfenster donnerstags, 10-12 Uhr vorgesehen ist. Die konkreten Termine der Kolloquien erfahren Sie zu Semesterbeginn von dem/der Dozierenden. Bitte melden Sie sich deshalb mit der Belegen-Funktion rechtzeitig zur Teilnahme an der Veranstaltung an.

 

Hauptseminar: »Arbeitsplätze«- Orte der Erwerbsarbeit erkunden (digital synchron)

Prof. Dr. Möhring-Hesse; Brugger

 »Arbeitsplätze« sind häufiger Gegenstand öffentlicher Diskussion. Thematisiert werden sie zumeist an ihren Rändern – wenn sie abgebaut, geschaffen oder gesichert werden sollen. Die alltäglichen Erfahrungen der Menschen an diesen Arbeitsplätzen kommen öffentlich eher selten in den Blick. Das verwundert, denn Orte der Erwerbsarbeit prägen durch ihre strukturellen Bedingungen und konkrete Ausgestaltung einen Gutteil des Lebens der meisten Menschen und damit in hohem Maße die gesellschaftlichen Verhältnisse. Die hohe individuelle und gesellschaftliche Relevanz der alltäglichen Erfahrungen der Menschen in Erwerbsarbeit gibt Anlass für eine sozialethische Thematisierung.
Im Seminar wollen wir uns den konkreten Bedingungen an den »Arbeitsplätzen« annähern und wahrnehmen, wie Menschen aktuell ganz alltäglich arbeiten (müssen). Wir besuchen dafür Orte der Erwerbsarbeit und lernen so die materiellen Bedingungen kennen, die hinter der häufig abstrakt verhandelten Kategorie der »Arbeitsplätze« stehen. Geplant sind Besuche auf der S21-Baustelle, dem Supermarkt, im digitalisierten Produktionsbetrieb oder beim ländlichen Mittelständler. Die konkreten Erfahrungen werden durch theoriegeleitete Reflexion flankiert.

Die Veranstaltung findet in digital-synchroner Form statt, mittwochs 14-16 Uhr, vier Exkursionen (Mi, 12-17 Uhr) vorgesehen.

 

Hauptseminar: »If you're white, it's alright«: Die Unsichtbarkeit des Weißseins als sozialethische Frage, (digital synchron)

Prof.'in Dr.'in Ammicht Quinn

Die Critical Whiteness Studies sind in Deutschland relativ wenig rezipiert. Dies liegt daran, dass bis vor kurzem anscheinend keine Notwendigkeit dafür bestand, weil Weiße ihr Weißsein nicht als entscheidende Kategorie empfinden. Auch Integrations- und Diversitätsansätze fokussieren immer wieder auf die »Anderen«, ohne die eigene Positionierung in den Blick zu nehmen. »Weiß« ist dabei keine biologische oder persönliche Eigenschaft. Sie ist eine historisch gewachsene sozial bedeutsame Konstruktion. Eine so entstandene Gruppe hat Privilegien, Deutungsmuster und Verhaltensweisen, die machtvoll und zugleich unsichtbar sind. Das größte Privileg ist, nicht gezwungen zu sein, sich mit Rassismus zu befassen.         
Das Seminar analysiert Weißsein im Kontext europäischer Aufklärung, die Gleichheit und Brüderlichkeit, zugleich aber die Bedeutung unterschiedlicher Rassen betont hat; kulturelle Modelle, die Weißsein als (implizite) Norm setzen; kritisches Weißsein als Intersektionalität; Kritik der Critical Whiteness Studies; Fragen der »Farbenblindheit«; Weißsein als Norm in unterschiedlichen Bereichen (Erziehung und Bildung, Religion, Medien, Technik, »white charity« usw.) Damit befasst sich das Seminar auf unterschiedlichen Ebenen mit der Problematik, dass »Weiße« nicht einfach »Menschen« sind, sondern »weiße Menschen«. Denn es gibt, so Grada Kilomba (Berlin), »keine machtvollere Position, als sich nur als Mensch zu sehen und die Norm zu bestimmen«.

Die Veranstaltung findet in digital-synchroner Form statt, montags 18-20 Uhr.

 

Grundkurs: Einführung in die Sozialethik: Menschenwürde – Gerechtigkeit – Solidarität

Michael Brugger

Ob in Fragen des Klimaschutzes, in der Positionierung zum Umgang mit „den Schwachen“ in der Gesellschaft, im weltkirchlichen Einsatz für globale Gerechtigkeit oder im Kampf für würdige Arbeit - Christinnen und Christen engagieren sich vielfältig in der Aushandlung und Mitgestaltung gesellschaftlicher Ordnungen. Sozialethik reflektiert als theologische Disziplin auf dieses Engagement und trägt zu dessen Orientierung bei.
Notwendigerweise bewegt sie sich dafür auch innerhalb politisch-philosophischer Diskurse, denn sie fragt normativ-theoretisch nach der »gerechten« oder »richtigen« Ordnung sozialer Beziehungen und gesellschaftlicher Verhältnisse.
Im Grundkurs wollen wir zunächst nach dem Verhältnis von christlichem Glauben und politischem Engagement fragen. Darauf aufbauend lernen wir anhand der sozialethischen Kernbegriffe Menschenwürde, Gerechtigkeit und Solidarität beispielhaft gesellschaftliche Konfliktfelder und anknüpfende politisch-philosophische Argumentationen kennen. Wir arbeiten dafür mit Texten und sind im Gespräch mit kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren.

Die Veranstaltung findet in dienstags 16-18 Uhr in S11 statt.

 

Oberseminar: Aktuelle Fragen der Theologischen Sozialethik

Prof. Dr. Möhring-Hesse

Findet als Blockseminar statt.