Urgeschichte und Naturwissenschaftliche Archäologie

The Evolution of Cultural Modernity (ECM)

Projektmitarbeiter:

Matthias BLESSING MA.

Die Forschung zu Mikrolithen war lange Zeit hauptsächlich mit dem Spätpaläolithikum und Mesolithikum Europas und des Nahen Ostens verknüpft. Während der letzten drei Jahrzehnte wurden mikrolithische Technologien in verschiedenen Gebieten überall auf der Welt bekannt. In manchen Regionen sind sogar mehrere Technokomplexe mit mikrolitischen Komponenten bekannt. Eine dieser Regionen ist das südliche Afrika, wo Mikrolithen Bestandteil des Howiesons Poort sind (möglicherweise auch schon früher auftreten), Hinweise auf Mikrolithen allerdings während des weiteren Verlaufs des MSA eher spärlich sind, bevor sie im Robberg-Komplex des Later Stone Age zur dominierenden Steintechnologie werden. In der Literatur wird das (Wieder-)Auftreten mikrolithischer Technologien zu verschiedenen Zeiten implizit vorausgesetzt beziehungsweise die mirkolithischen Technologien des MSA und LSA als nicht miteinander in Verbindung stehend betrachtet. Im Fall des südlichen Afrika ist dies eine problematische Annahme, da besonders das späte MSA sowie der Übergang zwischen MSA und LSA hinsichtlich der lithischen Technologien und Typologien nicht zufriedenstellen definiert sind – umso mehr, wenn es um mikrolithische Komponenten innerhalb größerer technologischer Systeme geht. Die Fundstellen Umbeli Belli und Sibudu (beide KwaZulu Natal), wobei erstgenannte Fundstelle Schichten des LSA und MSA enhält und letztere eine der detailreichsten Stratigraphien für das “post-Howiesons Poort”-MSA lieferte, soll mein Projekt Funde aus beiden Fundstellen einbeziehen, um sich der Frage zu nähern, inwiefern die mikrolithischen Technologien des östlichen Südafrika ein konvergentes Phänomen darstellen. Dafür werden die mikrolithischen Bestandteile aus ausgewählten Schichtendes LSA und MSA beider Fundstellen einer detaillierten lithischen Analyse unterzogen, dem Ansatz der Attributanalyse folgend. Ziel der Arbeit ist ein besseres Verständnis und klarere Definitionen von Veränderungen innerhalb der technologischen Systeme des „post-Howiesons Poort“ und des Übergangs zwischen MSA und LSA sowie der kulturellen Mechanismen, die diesen technologischen Veränderungen zugrunde liegt.

Eleonora GARGANI MSc.

Das Projekt befasst sich mit den organischen Werkzeuginventaren jüngerer, magdalénien-zeitlicher Schichten aus dem Hohle Fels, der Brillenhöhle, dem Geißenklösterle und dem Sirgenstein auf der Schwäbischen Alb. Das Ziel ist, Kontinuitäten oder aber Brüche während der Besiedlungen des Gravettiens zu erkennen, also mögliche Gemeinsamkeiten der materiellen Kultur und der technologischen Fähigkeiten zwischen den Bewohnern der verschiedenen Fundstellen aufzuzeigen. Aus archäozoologischer Sicht sollen die Artefakte in Bezug auf die verfügbaren Ressourcen beleuchtet werden, um technologische und ökonomische Aspekte zu erschließen. Des Weiteren sollen die Artefakte auf Gebrauchsspuren untersucht werden. Durch diese vielseitigen Untersuchungen ergibt sich die Möglichkeit, das Verhalten der Menschen in Bezug auf Ökonomie des Jungpaläolithikums auf der Schwäbischen Alb zu rekonstruieren. 

Diana MARCAZZAN MSc.

Projektbeschreibung ist derzeit nicht auf Deutsch verfügbar. Bitte wechseln Sie auf die englische Seite. 

Amy OECHSNER MSc.

Projektbeschreibung ist derzeit nicht auf Deutsch verfügbar. Bitte wechseln Sie auf die englische Seite. 

Mario Mata-González MSc.

Das Zagros-Gebirge liegt, in strategischer Position, nahe der Region, in der Afrika, Europa und Westasien zusammentreffen, die sehr wahrscheinlich für archaische und moderne Menschen eine natürliche Brücke zwischen den genannten Kontinenten bildete. Seit 2006 hat das Tübingen-Iranian Stone Age Research Project (TISARP) mehrere Prospektionen und Ausgrabungen in dieser Region durchgeführt, mit einem Fokus auf den Fundstellen Ghar-e Boof und Chogha Golan (beide Iran). Die spätpleistozänen Schichten aus Ghar-e Boof umfassen die Zeiten vom Mittelpaläolithikum bis zum späten Epipaläolithikum, während Chogha Golan ein akeramisches Neolithikum repräsentiert, das mehr als 2000 Jahre einschließt. Mit der Identifikation und Definition der Kulturgruppe Rostamanien hat die archäologische Forschung in Ghar-e Boof wertvolle neue Hinweise geliefert, die die kulturelle Diversität im Zagros-Gebirge während des frühen Jungpaläolithikums besonders hervorhebt. Darüber hinaus hat die Analyse botanischer Reste aus Chogha Golan den frühesten Nachweis für langfristiges Pflanzenmanagement erbracht. Die Rolle von Tieren in den paläolithischen und neolithischen Ökonomien dieser beiden Fundstellen ist dagegen bisher weitgehend unbekannt.

Daher fokussiert sich mein Forschungsprojekt auf die archäozoologische Analyse der Faunenreste, die vom TISARP-Team ausgegraben wurden, um die Subsistenzstrategien während des Spätpleistozän und Holozän im Zagros-Gebirge zu rekonstruieren. Das primäre Ziel meiner Forschung ist, die langfristigen Implikationen von Bevölkerungswachstum und Veränderungen in der Mobilität für die Tierhaltungspraxis zu untersuchen. Um dieses Ziel zu erreichen, werden diachrone Veränderungen in der Speziesrepräsentation und Besiedlungsintensität unter dem Paradigma der „evolutionary ecology“ erforscht, um eine Kontinuität oder Diskontinuität des Verhaltens vom Mittelpaläolithikum bis ins frühe Neolithikum feststellen zu können.

Elena Robakiewicz MSc.

Abgeschlossene Dissertationsprojekte:

Dr. Gregor D. BADER

Das Middle Stone Age (MSA) in Südafrikarepräsentiert eine Zeitperiode, die vor ca. 300.000 Jahren begann und bis ca. 30.000 Jahre vor heute andauerte. Diese Zeitperiode war Grundlage intensiver Forschung innerhalb des letzten Jahrhunderts und ganz besonders seit der Mitte der 80er Jahre. Dies stand im Zusammenhang mit der damals gewonnenen Erkenntnis, dass der Ursprung Anatomisch Moderner Menschen (AMM) innerhalb dieser Zeit und in Afrika anzusiedeln ist. Während die ältesten Hinweise auf AMM außerhalb Afrikas frühestens um 100.000 vor heute dokumentiert sind, sprechen neueste Erkenntnisse dafür, dass die ältesten Vertreter unserer Art bereits zwischen 200.000 und 300.000 Jahren vor heute den Afrikanischen Kontinent besiedelten. Innerhalb dieses Zeitraums erfuhr die Menschheitsgeschichte zahlreiche Innovationen. Darunter befinden sich frühe Hinweise auf Schmuck in Form von durchlochten Schnecken, Werkzeuge aus organischen Materialien wie etwa Knochen, Gravierungen auf Ocker und Straußeneierschalen sowie fortschrittliche Methoden der Steinbearbeitung. Oftmals wurden diese Artefakte in Verbindung mit dem Begriff der „Kulturellen Modernität“ gebracht. Die meisten dieser Innovationen traten innerhalb der letzten 100.000 Jahre auf. Da sich Steinartefakte über Jahrmillionen oftmals perfekt erhalten, stellen sie die wohl wichtigste archäologische Quelle dar. Durch das intensive Studium von Herstellungstechniken und deren unterschiedlichen Variationen sowohl auf räumlicher als auch zeitlicher Ebene werden Erkenntnisse über das Verhalten früher Jäger und Sammler ermöglicht. Sie lassen unter anderem Rückschlüsse über Mobilität und Anpassungsverhalten an unterschiedlichste interne und externe Faktoren zu und ermöglichen uns auf diese Weise erstaunliche Einblicke in frühe Jäger und Sammler Kulturen. Ebenso repräsentieren sie ein nützliches Werkzeug für das Verständnis kulturellen Wandels. In den letzten Jahrzehnten führte eine außergewöhnliche Häufigkeit der oben beschriebenen Innovationen zu einem zunehmenden Forschungsschwerpunkt auf zwei spezifische Periodeninnerhalb des MSA: das Still Bay (SB) und das Howiesons Poort (HP). Dies fand sowohl auf zeitlicher wie auch regionaler Ebene statt. So führte eine relative Häufigkeit an Fundstellen mit außerordentlich guten Erhaltungsbedingungen zu einer regionalen Fixierung auf die Süd- und Westküste Südafrikas. Andere Regionen wie KwaZulu-Natal (KZN) an der Ostküste und andere Zeitperioden erfuhren demnach vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit. Speziell Technokomplexe, die in die Marine Isotopenstufe 3 (MIS3) datieren, wurden eher stiefmütterlich behandelt. Obwohl insgesamt fünf Fundstellen mit MSA Schichten in KZN dokumentiert sind, erfuhr lediglich Sibudu außergewöhnlich viel Aufmerksamkeit. In geringerem Umfang rückten auch Border Cave und Umhlatuzana immer wieder in den Vordergrund. Die beiden verbleibenden Fundstellen Holley Shelter und Umbeli Belli hingegen wurden in der Vergangenheit teilweise ausgegraben und entweder unzureichend analysiert oder gar gänzlich vergessen. Die vorliegende Dissertation befasst sich mit eben dieser regionalen und zeitlichen Forschungslücke. Es ist das vorrangige Ziel, ein belastbares archäologisches Fundament für die Region KZN und die Zeit um MIS3 zu schaffen. Des Weiteren stehen die technologische Variabilität und damit der kulturelle Wandel innerhalb dieses Rahmens im Vordergrund. Als Forschungsgrundlage dienen Steinartefakt Inventare aus drei archäologischen Fundstellen: Umbeli Belli, Holley Shelter und Sibudu. Die Ergebnisse basieren sowohl auf Museumskollektionen im Falle von Holley Shelter als auch auf selbst durchgeführten Ausgrabungen in Umbeli Belli und Sibudu und damit einhergehenden Analysen unter Einbezug modernster wissenschaftlicher Methoden.

Tag der Verteidigung: 18.10.2017

Dr. Armando FALCUCCI

Das frühe Jungpaläolithikum stellt einen Wendepunkt in der Geschichte der menschlichen Evolution dar. Die kulturellen Veränderungen, die sich anhand der archäologischen Hinterlassenschaften an europäischen Fundstellen abzeichnen, hängen mit einem komplexen Zusammenspiel von Verhaltens-, Umwelt- sowie biologischen Komponenten zusammen, die zur endgültigen Durchsetzung des modernen Menschen und zur Ausrottung und/oder Assimilation autochthoner Neandertalerpopulationen führten. Von den Technokomplexen, die diese Periode charakterisieren, wurde dem Aurignacien die meiste Aufmerksamkeit zuteil, weil seine Entwicklung die Verankerung einer Reihe kultureller Eigenschaften, wie die Mobilitätsmuster auf weite Strecken, die Herstellung von standardisierten Steinwerkzeuge, diversen organischen Artefakten, figürlicher Kunst und persönlichen Schmuckgegenständen aus einer Vielzahl von Rohstoffen, kennzeichnet. Die in den letzten Jahrzehnten durchgeführte Forschung hat jedoch deutlich gezeigt, dass dieses Bild komplexer ist als bisher angenommen. Das Aurignacien selbst, das häufig als erster paneuropäischer Technokomplex beschrieben wird, zeichnet sich durch eine wichtige synchrone und diachrone Variabilität aus, die wahrscheinlich wegen ihrer direkten Verbindung mit der Ausbreitung des modernen Menschen nach Europa unterschätzt wurde. In diesem Rahmen sind regionale Studien und eine akkurate Neubewertung der zentralen Fundorte von grundlegender Bedeutung, um die Auffassung über das Aurignacien auseinanderzunehmen und eine bessere Auflösung prähistorischer Zeiten zu schaffen. Die Erforschung lithischer Inventare verbleibt die Hauptuntersuchungsmethode für diese historische Phase, obwohl durch den wachsenden Bereich der archäologischen Wissenschaften den Forschern erweiterte analytische Werkzeuge zur Verfügung gestellt werden, um eine ferne Welt besser zu interpretieren, die niemals in all ihren Facetten und Details aufgedeckt werden wird. Steinwerkzeuge stehen daher im Mittelpunkt dieser Arbeit, wobei auch andere Artefakte, wie Schmuckstücke und Knochen- sowie Geweihwerkzeuge, und die stratigraphische Verlässlichkeit der Funde berücksichtigt werden. Die Steinartefaktinventare aus fünf frühjungpaläolithischen Kulturschichten der Fundstelle Fumane- Höhle (Veneto, Italien) stellen die wichtigsten empirischen Grundlagen dieser Doktorarbeit dar. Darüber hinaus werden die Ergebnisse durch die Analyse von zwei weiteren Fundstellen, Isturitz (Baskenland, Frankreich) und Les Cottés (Vienne, Frankreich), und durch eine systematische Begutachtung aller Fundstellen, die frühe Hinweise auf Aurignacien-Besiedlungen umfassen, vervollständigt. Die Untersuchung von Steinartefaktinventaren folgt einem ganzheitlichen Ansatz, der darauf abzielt Methoden unterschiedlicher Forschungstraditionen, wie die chaîne opératoire-Methode und die Attributanalyse, zu integrieren und zu kombinieren. Die zentralen Forschungsfragen dieser Arbeit lassen sich in zwei Hauptthemen aufteilen, die in unterschiedlichen Forschungsprojekten behandelt wurden und hier zusammengefasst werden, um die Gültigkeit der verfügbaren Rekonstruktionen für den Beginn und die Entwicklung des Aurignacien zu testen. Das erste Forschungsziel verfolgte ausgehend von einer umfassenden Analyse der Steinartefaktinventare der Schichten A2-A1 aus Fumane die Definition des Proto-Aurignacien von einem technologischen Standpunkt neu zu bewerten und des Weiteren die Variabilität des Technokomplexes über sein geographisches Ausdehnungsgebiet hinweg zu untersuchen. Nachdem das Konzept des Proto-Aurignacien sorgfältig überarbeitet worden war, zielte die zweite Forschungsphase darauf ab, die Entwicklung des Aurignacien in Norditalien durch die Analyse der gesamten Aurignacien-Abfolge von Fumane zu beschreiben. Die Ergebnisse dieser Auswertung wurden mit dem so genannten "Aquitaine-Modell", das in Südwestfrankreich ausgearbeitet wurde, verglichen, um seine Anwendbarkeit auf den gesamten europäischen Erstreckungsbereich zu testen. Das erste Hauptthema bewertet somit die Beständigkeit der gemeinsamen Definition des Proto-Aurignacien-Technokomplexes. Die Ergebnisse der empirischen Untersuchung und der Vergleich von verschiedenen Fundstellen bestätigen, dass das Proto-Aurignacien eine Steinartefaktindustrie darstellt, die von Lamellen dominiert wird, wobei die Herstellung der Lamellen auf einem breiten Spektrum an Abbaustrategien beruht, die nicht mit verringerten Kerndimensionen fortgeschrittener Klingenproduktion in Zusammenhang stehen. Die Abgrenzung von Klingen- und Lamellenherstellung beschränkt sich somit nicht nur auf Aurignacien ancien-Inventare. Obwohl die beiden Technokomplexe von einem technologischen Standpunkt aus gesehen relativ homogen sind, unterstreicht die Variabilität der retuschierten Lamellen die Unterschiede, die zwischen den regionalen Gruppen des Proto-Aurignacien existieren. Diese treten erwartungsgemäß auf und müssen vor dem Ziehen voreiliger Schlüsse im Einklang mit den Daten aus multidisziplinären Studien besser eingeschätzt werden. Die Ergebnisse des zweiten Forschungsprojekts weisen die stark bei Archäologen aus der Altsteinzeitforschung etablierte Routine ab, ein regionales Modell auf geographisch weit entfernte Fallstudien zu übertragen. In Fumane bestehen die techno-typologischen Merkmale des Proto-Aurignacien eindeutig die gesamte stratigraphische Abfolge hindurch mit einigen graduellen Schwankungen, die jedoch verglichen mit anderen Sequenzen weniger ausgeprägt sind, fort. Daher besitzen sowohl das "Aquitaine-Modell" als auch die Idee, dass das Proto-Aurignacien zu Beginn des Heinrich 4-Event verschwunden ist, für Norditalien keine Gültigkeit.

Zusammenfassend kann diese Doktorarbeit als ein wichtiger Schritt zu einem dynamischeren Verständnis des Aurignacien gesehen werden. Die Neubewertung von Referenzfundstellen und die Definition von bestimmten regionalen Signaturen liefern neue Einblicke auf den Beginn und die Entwicklung des Jungpaläolithikums. Die große Menge an Arbeit, die noch getan werden muss, liegt an der Bereitschaft der Archäologen, die Gültigkeit der bisher vorgeschlagenen Rekonstruktionen zu testen; ausgehend von akkuraten Neubewertungen der verfügbaren Daten und der Identifizierung potenzieller Fundstellen, die durch einen ganzheitlichen Ansatz analysiert werden können, den die unaufhaltsam Entwicklung des Technium (das als ein miteinander vernetztes, um uns herum pulsierendes Technologiesystem verstanden wird: Kelly 2010, 11f.) mehr als je zuvor beansprucht.

Tag der Verteidigung: 19.12.2018

Dr. Viola C. SCHMID

In den letzten Jahrzehnten hat die Forschung mehr und mehr gezeigt, dass das Middle Stone Age (MSA) eine Schlüsselperiode der Entwicklung des modernen Menschen darstellt. Die Art der frühen Innovationen bedarf jedoch noch weiterer Klärung. Die Erforschung regionaler stratigraphischer Abfolgen und die Ausweitung des Forschungsschwerpunktes von als früh entwickelt angesehenen Phasen, dem Still Bay und dem Howiesons Poort, auf das gesamte MSA sind für die Vertiefung unseres Wissens unerlässlich. Die Fundstelle Sibudu-Höhle, Südafrika, umfasst eine lange und gut datierte Sequenz des MSA. Aktuelle Ausgrabungen der Universität Tübingen lieferten Steinartefaktinventare aus MIS 5, die zur Diskussion über die Auslösemechanismen sowie das Auftreten technologischer Neuerungen und die kulturelle Variabilität im MSA während MIS 5 beitragen. Basierend auf dem Chaîne opératoire-Ansatz führte ich eine technologische Analyse der Artefakte aus den Schichten C-A von Sibudu durch. Der Werkzeugbestand zeichnet sich durch bifazielle Technologie aus, aber bei dem größten Teil handelt es sich um unifazielle Spitzenformen. Die Bewohner von Sibudu entwickelten zu dieser Zeit eine spezielle Abbaustrategie, um laminare Grundformen zu erhalten, bei welcher Kerne mit einer lateral angelegten Kernkante gegenüber der breiteren, planaren lateralen Fläche, die zusammen ein dreieckiges asymmetrisches Volumen für den Abbau lieferten, involviert waren. Diagnostische Merkmale, welche sogenannte ‚serrated pieces‘ und das laminare Abbausystem einschließen, charakterisieren die C-A-Schichten. Vergleiche mit anderen Fundstellen aus MIS 5 zeigen Unterschiede in Bezug auf die Werkzeugtypen und die Organisation der Abbausequenz. Die regional abgegrenzten Populationen zielen jedoch auf ein ähnliches technologisches Ziel, nämlich Klingen, ab, womit ein starker Hinweis dafür vorliegt, dass sich die Menschen über Entfernungen mit komplexen Vernetzungssystemen organisierten. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die C-A-Schichten zu einer regionalen Anpassung in KwaZulu-Natal gehören, die das Aufkommen technologischer Neuerungen und die kulturelle Evolution innerhalb des MSA in MIS 5 belegt.

Tag der Verteidigung: 17.06.2019

Dr. Giulia TONIATO

Die Tradition archäologischer Forschung des Mittel- und Jungpaläolithikums der Schwäbischen Alb durch die Universität Tübingen reicht mittlerweile ein Jahrhundert zurück. Während der letzten Jahrzehnte wurden vor allem die archäologischen Hinterlassenschaften des Ach- und Lonetals intensiv beforscht. Die Fundstellen aus anderen, die alte Donau kreuzenden Flusstälern – im Besonderen im Südwesten der Schwäbischen Alb – sind dagegen schlecht erforscht und die archäologische Arbeit in diesen Tälern war auf Testgrabungen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beschränkt.

In diesem Rahmen, haben wir beschlossen, die Forschung am Felsüberhang Schafstall im Lauert-Tal wieder aufzunehmen. Die Fundstelle besteht aus zwei zusammenhängenden Arealen – Schafstall I und Schafstall II – die in den 1940er Jahren von Eduard Peters ausgegraben wurden und mittelpaläolithische sowie Artefakte aus dem Aurignacien lieferten. Unglücklicherweise ging die komplette Grabungsdokumentation sowie ein Teil der Artefakte während des Zweiten Weltkriegs verloren, aber eine neue Studie zu den verbliebenen lithischen Artefakten aus dem Schafstall II zeigte Werkzeuge aus dem Aurignacien und deren mögliche Vergesellschaftung mit menschlichen Überresten auf. Unser Ziel war, die Beurteilung des Umfangs der archäologischen Hinterlassenschaften, eine Einschätzung von Siedlungsumfang und -intensität sowie der von Hominiden des Mittel- und Jungpaläolithikums durchgeführten Aktivitäten in diesem Teil Schwabens.

Die Ergebnisse der archäozoologischen Untersuchung der großen Faunenüberreste der alten Ausgrabungen zeigte klare Unterschiede in der Zusammensetzung der Inventare und der Beschädigungsmuster zwischen Schafstall I und II, die bestimmte Aktivitäten in den beiden Arealen der Fundstelle reflektieren. Werkzeugtechnologie und Radiokohlenstoffdaten deuten auf eine starke mittelpaläolithische Signatur in Schafstall I an, die in starkem Kontrast zur Komponente des Aurignacien aus Schafstall II steht.

Die Untersuchung hebt außerdem offensichtlich Ungereimtheiten zwischen den archäologischen Daten der Alt- und Nachgrabung in Schafstall II hervor, die durch die präferierte Nutzung von Bereichen nahe der Felswand und einer unterschiedlichen hohen Exposition verschiedener Bereiche der Fundstelle hinsichtlich post-depositionaler und geologischer Prozesse erklärt werden könnten.

The University of Tübingen has a century old tradition of archaeological research on the Middle and Upper Palaeolithic sites of the Swabian Jura, in Southwestern Germany. Over the past decades extensive research has revolved around the rich archaeological record of the Ach and Lone valleys. However, the role played by other sites located along the river valleys that crossed the Danube, especially those in the southwestern part of the Swabian Jura, remains poorly understood and much of the archaeological work relative to this area is limited to pioneering excavations that were carried out during the first half of the 20th century.

Tag der Verteidigung: 24.07.2020

Dr. Gillian L. WONG

Die Schwäbische Alb ist seit langem als Schlüsselregion zur Erforschung der älteren Steinzeit bekannt. Im Vergleich zu anderen Abschnitten des Paläolithikums wurde das Magdalénien dieser Region allerdings bislang weniger intensiv untersucht. Fragen nach regionalen Subsistenzstrategien, Landnutzungsmustern oder Umweltbedingungen während des Magdalénien blieben daher lange Zeit offen. Moderne, quantitative Untersuchungen zu den Umweltbedingungen dieser Zeit in der Schwäbischen Alb liegen zudem kaum vor. Die vorliegende Arbeit beruht auf Analysen an Material aus der Langmahdhalde, einem Abri im Lonetal, das eine der wenigen Fundstellen darstellt, in denen in den vergangenen Jahrzehnten ungestörte Magdalenienschichten entdeckt werden konnten. Anhand der Faunenreste dieser Fundstelle lassen sich Rückschlüsse auf das Subsistenzverhalten, die Nutzung des Abris selbst, lokale Umweltbedingungen, sowie die Wiederbesiedlung der Schwäbischen Alb während des Spätglazials ziehen. Zu diesem Zweck wurden verschiedene methodologische Ansätze gewählt. Zum einen die traditionelle archäozoologische Analyse, um Hinweise auf das Jagdverhalten der Menschen zu gewinnen. Weiterhin wurden Untersuchungen an stabilen Isotopen an Collagen von Pferde-bzw. Rentierknochen aus der Langmahdhalde durchgeführt. Zudem wurde das Modell „ Bioclimatic Analysis“ zur Rekonstruktion vergangener Umweltbedingungen auf die Ergebnisse der Mikrofaunenanalyse angewandt. Abgerundet wurden die Untersuchungen durch eine taphonomische Untersuchung der Mikrofaunenreste. Die Ergebnisse der hier vorgestellten Methoden zeigen, dass das Verhalten der Menschen in der Langmahdhalde sich gut in das Bild einfügt, dass den derzeitigen Forschungsstand zum Mitteleuropäischen Magdalénien widerspiegelt. Die bevorzugte Jagdbeute während des Magdalénien besteht aus Hase (genus Lepus), kleineren Carnivoren, Rentier, Pferd und mittelgroßen Vögeln. Zudem konnte die Zerteilung der Karkassen, Gewinnung von Knochenmark, Verarbeitung von Geweih, die Häutung der Tiere, sowie dieHerstellung von Knochennadeln vor Ort belegt werden. Die Analyse der stabilen Isotope verweist auf eine höhere Anpassungsfähigkeit von Wildpferden auf lokale Umweltbedingungen hin als bei Rentieren. Die d13Ccoll und d15Ncoll Werte der Wildpferde eignen sich daher besser als Indikatoren für lokale Umweltbedingungen als die der Rentiere. Zudem konnte festgestellt

xiiwerden, dass sich die regionalen Umweltfaktoren entgegen des von Rentieren bevorzugten Habitats verändert haben.Die bioklimatische Analyse belegt eine eher offene Tundrenlandschaft in der Umgebung der Langmahdhalde zur Zeit des Spätglazials, jedoch unter dem Einfluss häufigerer Niederschläge, sowie kürzere und wärmere Winter und längere Wuchsperioden der Vegetation als es aus heutigen Tundrengebieten bekannt ist. Das Modell suggeriert jedoch auch ein mosaikartiges Muster in der Vegetation. Stellenweise ist auch von Bewaldung auszugehen, was auf eine heterogenere Landschaft schließen lässt, als bislang angenommen. Diese Heterogenität könnte auf eine höhere Diversität im Artenspektrum von Flora und Fauna hinweisen, als sie uns aus modernen Tundrenlandschaften bekannt ist. Die taphonomische Analyse der Mikrofaunenreste aus der Langmahdhalde lässt auf eine Einbringung überwiegende durch verschiedene Raubtiere bzw. -vögel, allen voran die Eule, schließen. Diese Raubtiere bzw. -vögel umfassen sowohl opportunistische als auch auf bestimmte Beutetiere spezialisierte Jäger. Die Mikrofauna aus der Langmahdhalde kann daher hauptsächlich dann zur stichhaltigen Rekonstruktion der Paläoumwelt herangezogen werden, wenn die Präsenz bzw. Absenz bestimmter Spezies als Parameter zur Umweltrekonstruktion dient und nicht etwa die Häufigkeit,mit der bestimmte Taxa vorkommen. Da die bioklimatische Analyse mit der Präsenz bzw. Absenz arbeitet, können die dadurch gewonnen Daten zur Umweltrekonstruktion als verlässlich angesehen werden. Weiterhin lassen die Jagdgebiete der Raubtiere bzw. -vögel, die in der Langmahdhalde nachgewiesen werden konnten,den Schluss zu, dass die hier gewonnenen Ergebnisse ebenso für das Lonetal und die angrenzenden Gebiete Gültigkeit besitzen. Zusammenfassend kann davon ausgegangen werden, dass die Jäger und Sammler des Magdalenien im Schwäbische Jura (bzw. im Lonetal) tendenziell eine größere Vielfalt an verfügbaren Ressourcen ausschöpfen konnten, als in anderen Regionen, insbesondere auch westlich des Schwäbischen Jura. Dies könnte unter Anderem den Grund für eine erfolgreiche Wiederbesiedlung im Spätglazial darstellen.

Tag der Verteidigung: 12.06.2020

Das Forschungsprojekt "The Evolution of Cultural Modernity" (ECM) wird von der Abteilung für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie durchgeführt und vom Wissenschaftsministerium des Landes Baden-Württemberg finanziert. Im Rahmen dieses Projekts untersuchen Wissenschaftler der Universität Tübingen die treibenden Kräfte hinter der Evolution menschlichen Verhaltens während des mittleren und späten Pleistozäns. Hierzu beschäftigen die Wissenschaftler sich mit dem alltäglichen Leben der damaligen Menschen und ihrem Sozialgefüge im Kontext der sich stark verändernden umweltlichen und klimatischen Bedingungen. Die kulturellen Hinterlassenschaften belegem, dass der Mensch nicht nur als erfolgreicher Jäger und Sammler überlebte, sondern eine komplexe Psyche entwickelte, die zu sozialem Zusammenhalt, Empathie und Spiritualität fähig war. 

The älteste fossile Beleg der anatomisch modernen Menschen (AMHs) ist etwa 300 000 Jahre alt und stammt aus Nordafrika. Aus Ostafrika sind weitere AMH Fossilien bekannt, die auf ca. 200 000 BP datieren. Ab 100 000 vor heute, während des Middle Stone Age (MSA), verändert sich die Zusammensetzung der Funde in Afrika. Der Mensch entwickelte neue Technologien, erweiterte sein Spektrum lithischer Rohmaterialien und demonstrierte seine Fähigkeit zur Symbolik, z.B. in Form von geritztem Ocker und Perlen aus Straußeneierschalen. Die Belege für viele dieser Innovationen stammen aus Südafrika. Daher wird der Forschung in dieser Region eine hohe Signifikanz zur Beantwortung der Fragestellungen, die sich mit dieser wichtigen Phase der kulturellen Entwicklung des Menschen befassen, zugewiesen. 

Die Projektmitarbeiter Gregor D. Bader, Matthias Blessing, Amy Oechsner, Viola C. Schmid, Regine E. Stolarczyk und Manuel Will befassen sich mit den Anfängen kultureller Moderne in Südafrika. Bader, Blessing, Schmid und Will untersuchen lithische Technologie, Oechsner spezialisiert sich auf archäobotanische Untersuchungen und Stolarczyk ist im Bereich der kognitiven Archäologie tätig. Schmid's Arbeiten konzentrieren sich auf die lithischen Inventare, die älter als 70000 Jahre sind. Sie stammen aus den untersten Schichten der Sibudu Cave, KwaZulu-Natal. Die Tatsache, dass sich in diesen Ablagerungen technologische Innovationen finden, wirkt sich auf unseren bestehenden chrono-kulturellen Rahmen und bestehende Modelle zur Entwicklung modernen Verhaltens aus. Bader und Will beschäftigen sich mit den kulturellen Veränderungen im MIS 3, also im Zeitrahmen von 60000 bis 40000 Jahren vor heute. Blessing bearbeitet die mikrolithischen Artefakte aus dem sehr fundreichen Umbeli Belli Rockshelter, KwaZulu-Natal, die eine Bewohnung während des MSA, aber auch des LSA, belegen, sowie Sibudu Cave. In Sibudu konnte eine hochauflösende Stratigraphie des MSA nach Howiesons Poort dokumentiert werden. Das Ziel seiner Arbeiten ist, zu klären, ob es sich bei der mikrolithischen Technologie im MSA und LSA in Ost-Südafrika um ein konvergentes Phänoment handelt und einen Beitrag zur Klärung der Veränderungen und der sie verursachenden Mechanismen innerhalb des technologischen Systems der post-Howiesons Poort MS und des MSA/LSA Übergangs zu leisten. 

Oechsner beschäftigt sich mit der Archäobotanik der untersten Schichten der Sibudu Cave um die paläolithischen Umweltbedingungen und den Zugang zu pflanzlichen Ressourcen zu rekonstruieren, um feststellen zu können, welche Pflanzen besonders häufig genutzt wurden und warum. Stolarczyk legt den Fokus ihrer Arbeiten auf die quantitative und qualitative Charakterisierung des innovativen Verhaltens während des MSA in Süden Afrikas. Hierzu will sie diejenigen Eigenschaften identifizieren, die den Menschen ermöglichte, innovativ zu denken und Neues zu entwickeln. Diese Aspekte rücken damit in den Fokus als essentieller Bestandteil der menschlichen Evolution und der Evolution des menschlichen Verhaltens. 
Die Forschung, die sich mit dem MSA in Afrika beschäftigt, stellt aufgrund der älteren Belege modernen menschlichen Verhaltens die Grundlage dar, die Entwicklungen des Menschen und kulturelle Moderne zu verstehen. 

AMHs erreichten Europa ca. 40 000 Jahre vor heute, zum Beginn des Jungpaläolithikums. Die Fundlage legt nahe, dass man Europa über den Nahen Osten erreichte und von dort an nach und nach Europa erschloss, aus räumlich und zeitlich verschiedenen Routen. Eine dieser Routen verlief wohl entlang dem Danube Korridor, wie eine große Anzahl an Funden aus den Höhlenfundstellen der Schwäbischen Alb belegen. Weiterführend brachten diese Fundstellen die bislang ältesten bekannten figürlichen Kunstwerke und Musikinstrumente hervor. Derartige Innovationen sind nirgends sonst bekannt, und sind auch nicht mit früheren Entwicklungen zu vergleichen. Diese drastische Veränderung der Fundinventare könnte mit verschiedenen beeinflussenden Faktoren, z.B. Wettbewerb mit anderen Gruppen, klimatische Veränderungen, oder soziokulturellem oder demographischem Kontext zusammenhängen. 

Die Ankunft des homo sapiens in Eurasien korreliert zeitlich mit dem Zurückgang der angestammten Neandertaler, die Europa während des Mittelpaläolithikums (ca. 300 000 - 40 000 BP) bewohnten. Das Ausmaß der Begegnungen der Neandertaler und der AMH, sowohl kulturell als auch biologisch gesehen, ist umstritten. Die Fundstellen der Schwäbischen Alb haben das Potential, Unterschiede zwischen den Populationen herauszuarbeiten. Giulia Toniato beschäftigt sich hierfür mit den faunischen Resten mehrerer Höhlenfundstellen aus dem Lauchert Tal, um Siedlungs- und Subsistenzstrategien der Übergangszeit vom Neandertaler zum AMH zu verstehen. Dabei legt sie auch Wert darauf, Kontinuitäten im Verhalten während des Mittel- und Jungpaläolithikums ausfindig zu machen um mögliche Unterschiede, kulturele Veränderungen und Anpassungen zu verstehen. Möglicherweise hatte das moderne Verhalten der AMHs großen Einfluss darauf, dass es ihnen gelang, sich an neue ökologische Bedingungen anzupassen. Armando Falcucci untersucht die Ursachen und Folgen technologischer Innovationen und kultureller Veränderungen während des Jungpaläolithikums, der Zeit, während der der AMH sich quasi ungehindert in Europa ausbreitete. Hierzu untersucht er wichtige lithische Invenare aus Süd- und Westeuropa, mit besonderem Augenmerk auf die technologische Variabilität unterschiedlicher kultureller Gruppen. Des Weiteren beschäftigt sich Diana Marcazzan mit der Pyrotechnologie dieser Menschen mittels mikrokontextueller Analysen, um neue Informationen zur Kontinuität des menschlichen Verhaltens zu erhalten. Sie untersucht zwei Befunde mit Hitzeeinwirkung, aus dem Hohle Fels und der Fumane Höhle um die Strategien und die Nutzung der Fundstelle der prähistorischen Populationen im Übergang vom Mittel- zum Jungpaläolithikum zu rekonstruieren. 

Eleonora Gargani beschäftigt sich mit kulturellen Veränderungen des Magdalénien im Ach Tal auf der Schwäbischen Alb. Sie stützt sich hierbei auf umfangreiche technologische und funktionelle Analysen organischer Werkzeuge vom Hohle Fels, Geißenklösterle, der Brillenhöhle und Helga Abri, um die Beziehung zwischen den Menschen des Magdalénien und den ihnen verfügbaren tierischen Ressourcen zu verstehen. Darüber hinausgehend vergleicht Gargani ihre Ergebnisse mit dem Magdalénien und dem Gravettien anderer Regionen, um technologische und ökonomische Veränderungen sowie die allgemeine Rolle der organischen Werkzeuge im Jungpaläolihtikum aufzuzeigen. 

Letztlich beschäftigt sich Gillian L. Wong mit den Veränderungen der Paläoökologie der Menschen während der letzten Kaltphase in der Region der Schwäbischen Alb, dem Magdalénien. In dieser Zeit wurden drastische Änderungen der menschlichen Kulturen und ihrer Demographie dokumentiert. Wong untersucht die faunischen Reste des Felsüberhangs Langmahdhalde, mit einem Fokus auf drei Komponenten der Paläoökologie während des spätern Pleistozän und des frühen Holozän: menschliches Subsistenzverhalten, menschliche und nicht-menschliche Nutzung der Fundstelle, sowie paläoumweltliche und klimatische Rekonstruktion. 

Die Mitglieder des Forschungsteams arbeiten zusammen, um verschiedene Aspekte des menschlichen Verhaltens zu verstehen. Hierzu werden diese Aspekte durch die Anwendung verschiedener Disziplinen und ein großes Spektrum regionaler und zeitlicher Unterschiede aus möglichst vielen Blickwinkeln beleuchtet. Dieser Ansatz stellt sicherlich einen wichtigen Schritt zur Beantwortung verschiedener Fragen zur Definition kultureller Moderne und deren Entstehung, die den Erfolg unserer Spezies gewährleisteten, dar.