Urgeschichte und Naturwissenschaftliche Archäologie

Tübingen-Iranian Stone Age Research Project (TISARP)

Prof. Nicholas J. Conard, Dr. Saman Heydari-Guran

Das Tübingen-Iranian Stone Age Research Project (TISARP) besteht seit dem Sommer 2004. Bis heute haben die Mitarbeiter des Projects mehrere Untersuchungen und Ausgrabungen in verschiedenen Regionen des Iran durchgeführt, darunter Central Plateau und Southern Zagros Mountains. 

Die Ziele des TISARP Projekt sind wie folgt:

  1. Rekonstruktion der palaeolithischen Landschaft des Iron, verbessertes Verständnis der Jäger-Sammer-Kulturen mithilfe eines geoökologischen Ansatzes, Erstellung aussagekräftiger Modelle
  2. Defintion der zeitlichen Abfolgen der alt- und mittelpaläolithischen Kulturen des Iran. 
  3. Verständnis der jungpaläolithischen Siedlungen und Kulturen der südwestlichen Zagros Mountains und am Central Plateau
  4. Verständnis der Neolithisierung und der Verbreitung der Landwirtschaft in den Zagros Mountains, neue Erkenntnisse zu Kazerun und Marvdasht, Fars Provinz im südwestlichen Iran. 

Central Plateau

Der Fokus der Wissenschaftler des TISARP Projekts lag auf dem Central Plateau der drei Regionen Zavyeh, Holabad und Qaleh Gusheh. 

Zavyeh

Südlich des Dorfes Zayveh in Zarand Basin, 80 km südwestlich von Tehran, befand sich einst eine Gruppe seichter Seen. Aufgrund halbtrockenen Klimas verfestigte sich der Schlamm der Seen zu halbfestem Tonstein. Durch tektonischen Auftrieb erhob sich das Sediment, bei Zayveh misst das erhöhte Sediment etwa 20m. Die lithischen Artefakte, die sich auf diesem Plateau finden, lagerten sich einst in den Seen ab und können daher genutzt werden, die Ablagerungen der Seen zu datieren und damit die Siedlungsgeschichte dieser zentralen Region des Iran zu verstehen. 

Holabad

An der travertinen Fundstelle Holabad finden sich Materialien aller Epochen, beginnend im Mittelpaläolithikum. Artefakte wurden aus verschiedenen vulkanischen Rohmaterialien gefertigt, die von den naheliegenden Latif Bergen im Nordosten stammen. 

 

Dasht-e Rostam

Die Dasht-e-Rostam (Rostam Ebene), die Erhöhungen zwischen 850-790 m a.s.l besitzt, liegt im Nordwesten der Fars Province. In allen Himmelsrichtungen wird die Ebene durch bis zu 700m hohem Kalkgebirge begrenzt. Das Gebiet unterteils sich in östliche und westliche Ebene, die über den Yagheh Sangar Pass miteinander verbunden sind. Im Verlauf der vier Jahreszeiten, das TISARP Team konnte 121 potenzielle Fundstellen, meist in Höhlen oder unter Felsüberhängen, in der Dasht-e-Rostam ausfindig machen, die wohl vom Alt- bis zum Jungpaläolithikum datieren. 

Ghar-e Boof

Ghar-e Bood ist eine nordausgerichtete Höhle im Yagheh Sangar Pass, die eine Grundfläche von etwa 100 m² besitzt.

2006 führte das TISARP Team Sondagen in der Höhle durch; die ersten Schnitte waren schließlich etwa 1,5 m tief. Beim ersten Meter handelte es sich primär um holozäne Ablagerungen von Asche, Schluff - ab 1 m Tiefe konnten die Archäologen eine Vielzahl von lithischem Material und faunischen und botanischen Resten bergen, die in einem hell gelb-braunem Schluff eingebettet waren. Diese Stratigraphie wurde 2007 weiter untersucht; man setzte sich zum Ziel, eine größere Fläche auszugraben und den Ablagerungen in der Ghar-e Boof in ihrer Tiefe, bis zum Grundgestein, nachzugehen, um die kulturellen und chronostratigraphischen Sequenzen verstehen zu können. Mit einer solchen Stratigraphie erhoffte man sich auch, die geborgenen Artefakte der Surveys bei Zagros datieren zu können und so ein besseres Verständnis der Siedlungsbewegungen in der Region zu gewinnen. Eine kürzlich durchgeführte Radiokarbonanalyse datiert Ghar-e Boof auf 36030+390/-370 BP. 

Insgesamt wurden in der Ghar-e Boof 37.676 Steinartefakte und eine Vielzahl von faunischen und botanischen Resten geborgen, die derzeit ausgewertet werden. 
Das TISARP Team sieht vor, in Zukunft weitere Arbeiten in der Höhle durchzuführen. 

Grabungsmannschaft

Nicholas J. Conard
Saman Heydari-Guran
Elham Ghasidian
Mohsen Zeidi
Rahmat Naderi


In Zusammenarbeit mit Alireza Fetrat, Cirous Barfi, Mahdi Danaei, Ali Ghasidian, Naser Heydari and Shirin Namazi.