Im Folgenden finden Sie eine Auswahl an Forschungsthemen, mit denen wir uns an unserem Arbeitsbereich beschäftigen.


Cognitive Offloading von Arbeitsgedächtnisprozessen

Mobile Endgeräte wie beispielsweise Tablets ermöglichen es Nutzern, Gedächtnisinhalte und Gedächtnisprozesse auszulagern. Dadurch bieten sie das Potential, die Beschränkungen des Arbeitsgedächtnisses zu überwinden und die kognitive Leistungsfähigkeit der Nutzer zu erhöhen. In diesem Projekt untersuchen wir die Potentiale, Vorteile und Risiken, die mit der Nutzung mobiler Endgeräte zur Auslagerung von Informationen einhergehen. Dabei untersuchen wir etwa, inwieweit die intuitive Steuerung mobiler Geräte die Interaktion zwischen internen und ausgelagerten Informationen erleichtern kann. Wir untersuchen auch die Potentiale der Mobilität solcher Geräte zur Auslagerung von Transformationsprozessen, die anderenfalls die internen Ressourcen zur Informationsverarbeitung massiv beanspruchen würden. Besonders stark interessiert uns zudem, inwieweit die Auslagerung interner Informationen den expliziten als auch den impliziten Erwerb von Langzeitgedächtnisrepräsentationen beeinflusst. Neben diesen allgemeinen Aspekten des Cognitive Offloadings untersuchen wir auch individuelle Unterschiede beim Auslagern von Arbeitsgedächtnisprozessen, indem wir den Einfluss von Metakognitionen auf das Cognitive Offloading erforschen.

Dieses Projekt wird durch den Leibniz WissenschaftsCampus Tübingen gefördert: www.wissenschaftscampus-tuebingen.de/www/de/forschung/forschungsbereiche/projekt10/index.html


Smartphones und Tablets: Potentiale für Lernen und soziale Identität?

Unser Tastsinn bestimmt maßgeblich die Interaktion mit unserer Umwelt. So erhalten wir Informationen über die Beschaffenheit und Temperatur von Objekten und Oberflächen und sind in der Lage, Objekte zu bewegen und zu verändern. Diese Interaktionen beeinflussen vor allem im Kindesalter den Wissenserwerb, prägen aber auch später noch unsere Einstellungen und unser Verhalten. In Smartphones und Tablets wird durch es ausgenutzt, dass die touch-basierte Steuerung auf besondere Weise unmittelbar und intuitiv ist. In unseren Studien vergleichen wir systematisch Touch-Technologien mit anderen Möglichkeiten der digitalen Interaktion, um zu untersuchen, inwiefern Prozesse des Wissenserwerbs und sozialer Identifikation in Folge einer touch-basierten Interaktion verändert werden. Dabei betrachten wir insbesondere Einflüsse auf das Gefühl der Zugehörigkeit, sog. „perceived ownership“. Auf Basis der Ergebnisse können Empfehlungen für Anwendungen gemacht werden, die das Lernen und die soziale Integration unabhängig von verbaler Information oder verbalen Kompetenzen ermöglichen.

Dieses Projekt wird durch den Leibniz WissenschaftsCampus Tübingen gefördert: https://www.wissenschaftscampus-tuebingen.de/www/de/forschung/forschungsbereiche/projekt14/index.html


Verarbeitung räumlicher Konfigurationen im visuellen Arbeitsgedächtnis

Räumliche Konfigurationen tragen entscheidend zur Organisation von Informationen im visuellen Arbeitsgedächtnis bei. So verarbeiten Betrachter die räumliche Konfiguration mehrerer Objekte automatisch, selbst wenn sie die Positionen von Objekte unabhängig voneinander memorieren sollen. Dieses Projekt trägt zur theoretischen Einordnung der Bedeutung von räumlichen Konfigurationen für das visuelle Arbeitsgedächtnis bei und soll damit unser Verständnis über die Struktur des visuellen Arbeitsgedächtnisses erweitern. Dabei fokussieren wir auf zwei Forschungsfragen: a.) Können räumliche Konfigurationen während der Memorierung aktualisiert werden? b.) Liegen den über paradigmengrenzen hinweg existierenden Konfigurations- und Kontexteffekten gemeinsame Verarbeitungsmechanismen zugrunde?

Dieses Projekt wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert: gepris.dfg.de/gepris/projekt/357136437


Das Selbst in der digitalen Welt

Die digitale Welt ist längst zentraler Bestandteil unseres Alltags, denn wir nutzen das Internet für unsere Arbeit ebenso wie für unsere Freizeit und es gibt eine Vielfalt an Apps – die einen zur Unterhaltung, die anderer zur Organisation unserer Freizeit, zur Motivation bei der Erreichung persönlicher Ziele, für soziale Interaktionen… - die uns ständig begleiten. Die Repräsentation unseres Selbst in dieser digitalen Welt ist vielfältig: Mal sind wir dargestellt als ein kleines Männchen wie bei GoogleMaps, mal wählen wir einen einfachen Avatar wie bei Netflix, mal stellen wir ein echtes Foto von uns ein wie in Facebook. Unser kognitives System scheint flexibel darin, diese verschiedenen Repräsentationen des Selbst zu integrieren. In unseren Studien beschäftigen wir uns mit der Frage, wie der Prozess der Selbst-Repräsentation und Integration in der digitalen Welt tatsächlich funktioniert und welche Rolle die Selbst-Darstellung und –Wahrnehmung in der digitalen Welt spielt. Dabei betrachten wir nicht nur Prozesse der Integration von Repräsentationen des Selbst, sondern auch ihre behavioralen Konsequenzen.

Dieses Projekt wird durch den Leibniz WissenschaftsCampus Tübingen gefördert: www.wissenschaftscampus-tuebingen.de/www/de/forschung/forschungsbereiche/projekt14/index.html


Ereigniskognition

Ereignisse bilden eine wichtige Grundlage für das Verständnis unserer dynamischen Umwelt. Betrachten Menschen dynamische Szenen wie beispielsweise Sportübertragungen, Spielfilme oder auch natürliche Handlungen, dann nehmen sie den kontinuierlichen Informationsstrom nicht gleichmäßig wahr, sondern gliedern ihn in bedeutungshaltige Einheiten, die sogenannten Ereignisse. Im Rahmen dieses Projektes untersuchen wir, wie Menschen Ereignismodelle generieren und wie sie diese Ereignismodelle über die Betrachtung dynamischer Szenen hinweg aktualisieren. Weiterhin erforschen wir die Konsequenzen der Konstruktion von Ereignismodellen auf die menschliche Wahrnehmung, wie beispielsweise die illusorische Wahrnehmung von Inhalten, die in der dynamischen Umwelt gar nicht vorhanden waren.


Einstellungsabhängige Rezeption und Bewertung von Argumenten

Menschen wenden sich vor allem solchen Informationen zu, welche die eigenen Ansichten stützen. Informationen, die der eigenen Meinung widersprechen, werden hingegen gemieden. Diese Art der Voreingenommenheit wird als Auswahlbias (selective exposure bias) bezeichnet. Überdies werden einstellungskonsistente Informationen eher positiv bewertet und einstellungsinkonsistente Informationen eher negativ. Diese Tendenz wird als einstellungsbezogener Bewertungsbias (attitudinal evaluation bias) bezeichnet. Dieser zeigt sich beispielsweise bei der Bewertung von Pro- und Contra-Argumenten zu kontroversen Themen. Der theoretische und methodische Schwerpunkt der Forschung liegt hierbei darauf, wie die Einstellungsabhängigkeit dieser Prozesse feingranular modelliert und empirisch geschätzt werden kann.


Sehen, Hören, Fühlen: Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Interaktionen zwischen unseren Sinnesmodalitäten

In fast jeder Situation in unserem Alltag strömen visuelle, auditive und taktile Signale auf uns ein. Unser kognitives System hat die Aufgabe, aus dieser Vielfalt an Informationen diejenigen zu fokussieren, die aktuell relevant sind um adäquates Handeln vorzubereiten. Dazu müssen meistens Reize aus verschiedenen Sinnesmodalitäten kombiniert werden – meist ist diese Kombination schlicht effizienter als es eine rein unisensorische Steuerung leisten könnte. In unseren Studien testen wir die Beschaffenheit solcher crossmodaler Interaktionen. Da die taktile Informationsverarbeitung in früherer Forschung häufig vernachlässigt wurde, nehmen wir diese ganz besonders in den Blick: Einerseits werden wir hierfür etablierte Paradigmen zur Erforschung visueller oder auditiver Wahrnehmungsphänomene an und untersuchen, inwiefern sie auf die taktile Sinnesmodalität übertragbar sind, andererseits testen wir Einflüsse visueller / auditiver Signale auf die taktile Informationsverarbeitung (ebenso wie umgekehrt Einflüsse taktiler Signale auf Informationsverarbeitung in anderen Sinnesmodalitäten). Diese Studien leisten einen wichtigen Beitrag für die Forschungsfrage, ob unser Aufmerksamkeitssystem modalitätsspezifisch vs. modalitätsübergreifend funktioniert.