Klinische Psychologie und Psychotherapie

Klinische Psychologie und Psychotherapie

Erfassung des Krankheitsverlaufs depressiver Störungen mit Apps: „SmartDepression – tracking depression with digital devices“

Die Depression ist eine komplexe psychische Erkrankung, wobei sich vor allem der Beginn einer depressiven Episode schwer erkennen lässt. Zum einen ist der Übergang vom psychisch gesunden in einen behandlungsbedürftigen depressiven Zustand in der Regel fließend und dem Betroffenen zunächst nicht bewusst. Zum anderen haben depressive Patienten Schwierigkeiten ihren Zustand „objektiv“ einzuschätzen. So ist das Denken depressionsbedingt negativ verzerrt und die korrekte Erinnerung an vergangene Ereignisse oftmals nicht möglich. Des Weiteren gestaltet es sich als sehr aufwändig den Krankheitsverlauf im Alltag und über längere Zeiträume detailliert zu erfassen (z.B. Wochenprotokolle, Life Charts). Dies wäre jedoch notwendig, um Rückfälle effektiv zu verhindern bzw. frühzeitig therapeutisch tätig zu werden.

Dank Smartphone-Apps ist es mittlerweile wesentlich komfortabler den eigenen psychischen Zustand (z.B. Stimmung) aufzuzeichnen. Dabei handelt es sich jedoch lediglich um „subjektive“ Parameter, d.h. die Einschätzung aus Patientensicht. Objektive Parameter wie Herzratenvariabilität oder Bewegungsbeschleunigung (gemessen mit Biosensoren) bleiben dabei außen vor, obgleich Veränderungen hierin Hinweise auf eine Depression liefern können. Zudem ist davon auszugehen, dass eine regelmäßige, mitunter tägliche Eingabe von Informationen zum eigenen psychischen Zustand über einen längeren Zeitraum, wie es für eine effektive Prävention eigentlich notwendig wäre, zu einem geringeren Committment des Patienten führt. Ferner kann die tägliche Beschäftigung mit dem eigenen psychischen Zustand v.a. bei depressiven Patienten mit Ruminationen (Grübelzwang) dazu führen, dass diese aus ihren negativen Gedankenschleifen nicht hinausfinden bzw. diese erst verstärkt werden.

Fazit: Es bedarf eines alltagsnahen, automatisierten Monitorings objektiver und ggf. subjektiver "Depressionsmarker" (Anm.: Informationen, die mit einer akuten Depression verknüpft sind).

Ziel des Projekts

Aus einer Vielzahl objektiver und subjektiver Depressionsmarker sollen diejenigen extrahiert werden, die eine hohe Sensitivität und Spezifität für die Vorhersage einer depressiven Episode aufweisen. In einem ersten Schritt sollen Probanden mit einer akuten Depression vs. gesunde Kontrollprobanden a) in einer Virtuellen Realität im Labor und b) in ihrem Alltag untersucht werden. Die Daten werden mittels Smartphone, Wearables und High-end Messinstrumenten erfasst. Die Werte der verschiedenen Depressionsmarker sollen später in einem einzigen Depressionsscore münden, der den aktuellen Depressionsstatus zuverlässig anzeigt. Ein selbst lernender Algorithmus soll die Trefferwahrscheinlichkeit sukzessive erhöhen. Dieses zuverlässigere „Monitoring“ soll die Diagnose, Therapie und Prävention depressiver Störungen verbessern.