Fachbereich Psychologie

Forschung am Fachbereich

Der Fachbereich Psychologie ist geprägt durch ein kognitionspsychologisches und kognitionswissenschaftliches Forschungsprofil. Derzeit laufen etwa 40 Forschungsprojekte und die Drittmitteleinwerbungen betragen etwa 2,5 Millionen Euro pro Jahr. Die Tübinger Psychologie steht deutschlandweit auf Platz 4 im DFG-Ranking 2018.

 

Die Forschungsschwerpunkte des Grundlagenbereichs sind soziale Kommunikations- und Interaktionsprozesse, Sprache, Handlungsplanung, Zahlenverarbeitung, Zeitkognition und Wahrnehmung. Der Anwendungsbereich umfasst die Klinische Psychologie, die Schulpsychologie sowie die Angewandte Kognitionspsychologie.

Die Forschungsarbeiten der Arbeitsbereiche finden dabei in einer interdisziplinären Forschungsumgebung statt. Der Fachbereich kooperiert eng mit der Linguistik und Informatik sowie mit dem Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM). Der Strang zur „Empirischen Bildungsforschung“ wird durch die Schulpsychologie ausgebaut. Weiterhin ist die Psychologie am SFB 833 „Bedeutungskonstitution“ und an der Exzellenz-Graduiertenschule LEAD beteiligt.

Forschungsbereiche

Angewandte Kognitions- und Medienpsychologie (Professor Hesse)

Unsere Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit Fragestellungen der Angewandten Kognitionspsychologie und Medienpsychologie. Dabei stehen Prozesse der Wissenskonstruktion sowie kollaborative und individuelle Prozesse bei der Wahrnehmung dynamischer Informationen im Mittelpunkt.

Das Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM), das eng mit den Arbeitsgruppen Angewandte Kognitions- und Medienpsychologie sowie Allgemeine Psychologie assoziiert ist, fokussiert in seiner Forschung die Rolle digitaler Medien für wissensbezogene Prozesse, insbesondere im Hinblick auf Erwerb, Konstruktion, Vermittlung und Austausch von Wissen.  

Biologische Psychologie (Professor Leuthold)

Professor Leuthold

Innerhalb des Arbeitsbereichs Biologische Psychologie sind wir an den mentalen Mechanismen interessiert, die (1) der sensomotorischen Verarbeitung und Kognitiven Kontrolle, (2) der Verarbeitung sozialer und affektiver Information und (3) dem Sprachverstehen zugrunde liegen.

(1) Sensorimotor processing and cognitive control

Humans have the ability to flexibly adapt behaviour according to current behavioural goals. When our goals change or when we are confronted with novel situations, we are able to adapt our behaviour in order to deal effectively with the changing situation. Such moment-to-moment behavioural adaptation encompasses a broad range of mental operations including goal representation and maintenance, strategic planning, resource allocation, mechanisms of attention, memory, and emotion. General questions include: How do we adapt our behaviour to changing task demands? How do we organise and select one of the many tasks that our environment affords? How do we selectively attend to relevant information and inhibit irrelevant information? How does emotion influence control processes? When does behaviour become automatic and when are control processes necessary?

(2) Verarbeitung sozialer und affektiver Information

Unser alltägliches Denken, Erleben und Handeln ist stark durch den sozialen Kontext geprägt. So suchen wir vermutlich eher die Nähe zu uns vertrauensvoll als zwielichtig erscheinenden Personen. Wie verarbeiten Menschen soziale Signale, um Emotionen, Ziele, und Absichten anderer Personen zu erschließen („Theory of Mind“)? Wie wird dadurch das eigene Verhalten beeinflusst? Konkrete Untersuchungsfragen sind: Wie wird die Identität von bekannten versus unbekannten Gesichtern und deren Ausdruck verarbeitet? Welche Rolle spielen Gesichter, Namen oder Textinformationen bei der Beurteilung der Vertrauenswürdigkeit und Kompetenz von Personen? Wie beeinflusst die Beobachtung Anderer unser eigenes Handeln? Wodurch werden Urteile über moralisches Verhalten bedingt?

(3) Sprachverstehen

Hier untersuchen wir die mentalen Mechanismen und Prinzipien, die der Verarbeitung von Sprache und ihrer Funktion als „Werkzeug“ zugrunde liegen. Folgende Fragen stehen im Vordergrund: Wie werden im Satzkontext plausible, aber in Konflikt mit unserem Weltwissen stehende Aussagen analysiert (zum Beispiel „Wie viele Tiere jeder Art nahm Moses mit auf die Arche?“)? Wie beeinflusst die Art und Weise, mit der bestimmte Dinge gesagt werden, unser Denken und Urteilen?

Diagnostik und Kognitive Neuropsychologie (Professor Nürk)

Unser Arbeitsbereich beschäftigt sich vorwiegend mit den neurokognitiven Grundlagen und der Entwicklung der Zahlenverarbeitung und des Rechnens, deren Störungen, sowie deren Diagnostik und deren Förderung. Wir versuchen zu verstehen, welche Prozesse beim Menschen bei der Zahlenverarbeitung und beim Rechnen ablaufen. Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit Sprachverarbeitung (funktioneller Analphabetismus) und Spracheinflüssen auf die numerische Kognition sowie Emotionsverarbeitung. Im Fokus stehen dabei zurzeit folgende Fragestellungen:

  1. Linguistic influences on numerical cognition

Several pieces of evidence indicate that grammatical constructions we use when referring to numbers influence how we process numbers itself. However this relatively novel field still requires several new studies. The research work is conducted within a German-Polish project aimed at investigating linguistic differences in numerical cognition. How language properties influence numerical development in kindergarteners and elementary schoolers? Polish and German have their specific nuances that preclude its direct comparisons. We need to have a “standard” that has no such nuances. English can be considered this way.

  1. Erforschung komplexen Rechnens mit Augenbewegungen

Augenbewegungen als Maß dafür, was (welche Zahl) zum Beispiel beim komplexen Rechnen wann und wie verarbeitet wird, sind auch bei Erwachsenen bisher noch wenig systematisch eingesetzt worden, um die psychologischen Prozesse des Rechnens besser zu verstehen. Gemäß der sogenannten „eye-mind-Hypothese“ erlaubt die Messung von Augenbewegungen einen Einblick über Reaktionszeiten hinaus, wie Zahlen verarbeitet und miteinander verrechnet werden. Mit Augenbewegungen untersuchen wir derzeit insbesondere Textaufgaben bei Kindern und Erwachsenen.

  1. Verkörperlichte Verarbeitung und verkörperlichtes Training von negativen Zahlen

In einem Kooperationsprojekt mit dem Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) befassen wir uns damit, wie negative Zahlen bei Kindern und Erwachsenen räumlich repräsentiert sind und ob verkörperlichtes Training von negativen Zahlen zu besserem Lernfortschritt führt. Dabei nutzen wir unter anderem ganzkörperliche Bewegungen im Raum (zum Beispiel nach vorne und hinten) und untersuchen, wie diese mit positiven und negativen Zahlen assoziiert sind oder assoziiert werden und wie sich diese Assoziation auf das Rechnen auswirkt.

  1. Funktionaler Analphabetismus

Einige Menschen können Basisfähigkeiten und -fertigkeiten im Alltag nicht benutzen (zum Beispiel: Verstehen von technischen Instruktionen und Ausfüllen von Bewerbungsformularen), obwohl sie in der Schule lesen, schreiben und rechnen erlernt haben. Wir untersuchen die zugrundeliegenden Lesefähigkeiten sowie mathematische und kognitive Fähigkeiten funktioneller Analphabeten.

  1. Räumliche Verarbeitung von Emotion

Aus der Zahlenverarbeitung ist bekannt, dass numerische Größe anhand des physischen Raums repräsentiert wird. Aktuelle Theorien postulieren die Generalisierbarkeit dieses Spatial-Numerical Associations of Response Codes (SNARC)-Effekts für weitere abstrakte Dimensionen von Größe oder für die Aufrechterhaltung jeglicher serieller Informationen im Arbeitsgedächtnis. Eine Ableitung für eine räumliche Repräsentation von emotionalem Erleben kann theoretisch motiviert werden, empirische Befunde können die entsprechende Theorie weiter differenzieren. Mittels transkranieller Gleichstromstimulation kann weiterhin die neurofunktionelle Grundlage der Koppelung von Emotion mit Raum untersucht werden. Es besteht eine Kooperation mit der psychiatrischen Klinik am Universitätsklinikum Tübingen.

Entwicklungspsychologie (Professorin Friedrich)

Die Entwicklungspsychologie beschäftigt sich mit der Erforschung der Entwicklung von Verhalten und Erleben. Am Arbeitsbereich interessiert uns die kognitive Entwicklung im Allgemeinen und im Speziellen die Sprachentwicklung von Kindern.

In unserem Baby- und Kinderlabor untersuchen wir, wie sich das Sprachverstehen in jungen Lebensjahren entwickelt. Zum einen erforschen wir, wie die ersten Schritte in der Muttersprache absolviert werden. Folgende Fragen wollen wir zum Beispiel beantworten: Wie erkennen Babys Wörter? Welche Merkmale im Sprachsignal nutzen sie dazu? Und wie kombinieren sie die Wörter mit Bedeutung? Dazu untersuchen wir 3-24 Monate alte Säuglinge und Kleinkinder.

Ein zweiter Schwerpunkt konzentriert sich darauf, wie sich die Sprachwahrnehmung im Kindesalter verändert. Beispielsweise wollen wir herausfinden, ob das Sprachverstehen genauer wird, wenn Kinder lesen und schreiben lernen. Dazu untersuchen wir Vorschulkinder die noch nicht lesen oder die schon lesen können und Schüler der ersten und zweiten Klasse. Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit dem Bedeutungsaufbau auf Wort- und Phrasenebene im Schulalter.

Evolutionäre Kognition (Professorin Rolke)

Anpassungen an Umweltbedingungen und Lebensumstände im Laufe der Evolution haben die Entwicklung und Etablierung gegenwärtig beobachtbarer kognitiver Fähigkeiten von Organismen geprägt. Vor dem Hintergrund der stammesgeschichtlichen Entwicklung befasst sich der Arbeitsbereich Evolutionäre Kognition mit den kognitiven Mechanismen menschlichen Verhaltens.

Wir verfolgen etwa die Fragen, welche Mechanismen es uns erlauben, unsere Umwelt eindeutig zu interpretieren und zu einer konsistenten Wahrnehmung zu kommen. Wir untersuchen, ob und wie wir kognitive Verarbeitungsressourcen bündeln können, um unsere Wahrnehmung und Handlung zu verbessern.

Wir wollen wissen, wie Sprache als Ausdruck unserer Gedanken im Kontext interpretiert wird und welche Gehirnstrukturen an diesem Prozess beteiligt sind.

Weiterhin interessiert uns, welche Eigenschaften zu dem ästhetischen Eindruck eines Objektes beitragen. Wir gehen diesen Fragestellungen mit unterschiedlichen experimentellen Methoden nach und nutzen elektrophysiologische sowie bildgebende Verfahren, die Messung von Augenbewegungen und Verhaltensbeobachtungen.

Forschungsmethoden und Mathematische Psychologie (Professor Heller)

Die Forschungsschwerpunkte des Arbeitsbereich Forschungsmethoden und Mathematische Psychologie liegen in den Bereichen Wahrnehmungspsychologie, sowie Repräsentation und Diagnose von Wissen.

Wir betreiben ein Labor zur Farbwahrnehmung, das eine Präsentation von Farbreizen unter kontrollierter Umgebungsbeleuchtung erlaubt. Mit diesem Versuchsaufbau untersuchen wir Effekte des räumlichen Umfelds wie auch der Beleuchtung auf die Wahrnehmung achromatischer (unbunter) Farben.

In einem weiteren Experimentallabor werden psychoakustische Untersuchungen durchgeführt. Uns interessierende Fragestellungen betreffen die Identifizierung der physikalischen Reizmerkmale, die bestimmten auditiven Wahrnehmungsqualitäten (zum Beispiel Lautheit, Schärfe, Rauhigkeit) zugrunde liegen, sowie die psychologische Messung von deren Ausprägung.

Die Möglichkeiten der Repräsentation von Wissen oder auch Persönlichkeitseigenschaften auf der Basis von Item-Response-Theorien und sogenannten Wissensstrukturen werden in verschiedenen inhaltlichen Bereichen ausgelotet. Insbesondere die Wissensstrukturen ermöglichen einen innovativen Zugang zu einer differenzierten Analyse von Daten aus psychologischen Tests.

Klinische Psychologie und Psychotherapie (Professor Hautzinger, Professorin Svaldi)

Der Schwerpunkt der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Svaldi liegt auf der Erforschung von Mechanismen, die an der Entstehung und Aufrechterhaltung pathologischen Essverhaltens und der Körperbildstörung beteiligt sind. Hierfür werden Risikopopulationen, übergewichtige Personen und Personen mit Essstörung mittels unterschiedlicher Methoden (Blickbewegungsmessung, EEG, fMRT, Psychophysiologie, Reaktionszeitmessungen, ambulatorisches Assessment) und Designs untersucht, die sich von experimenteller Psychopathologieforschung zu Feldforschung bis hin zur Interventionsforschung erstrecken.

 

Die Schwerpunkte der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Hautzinger umfassen Depressionsforschung, Alkoholismus- und Drogenabhängigkeit, Angst- und Belastungsstörungen, Psychoserisiko, Klinische Gerontopsychologie, Psychotherapieforschung, Psychophysiologische Störungen und Krankheitsbewältigung sowie klinische Kinderpsychologie.

Kognition und Handlung (Juniorprofessor Janczyk)

Unser Arbeitsbereich „Kognition und Handlung“ beschäftigt sich hauptsächlich mit den Prozessen die der Planung und Durchführung von Handlungen zugrunde liegen.

Der erste Forschungsbereich behandelt die Interaktion von Wahrnehmung und Handlung und die Rolle von Handlungszielen bei der Handlungsplanung und Handlungssteuerung. In diesem Rahmen werden auch Doppelaufgabensituationen untersucht, wobei ein Schwerpunkt auf Wechselwirkungen zwischen zwei gleichzeitig bearbeiteten Aufgaben liegt.

Ein zweiter Bereich untersucht prozessuale Grundlagen der Entscheidungspsychologie und geht der Frage nach, wie Menschen aus mehreren gleichwertigen Verhaltensmöglichkeiten eine auswählen.

Ein dritter Bereich befasst sich mit Aufmerksamkeitsprozessen bei der Auswahl von Arbeitsgedächtnisinhalten.

Methodisch werden vor allem labor-experimentelle Zugänge genutzt, in denen Verhaltensdaten wie Reaktionszeiten und Fehlermaße aber auch Maustrajektorien erhoben und ausgewertet werden.

Kognition und Sprache (Professorin Kaup)

Unser Arbeitsbereich beschäftigt sich mit dem Sprachverstehen. Speziell liegt der Forschungsschwerpunkt auf dem Prozess der Bedeutungskonstitution. Wir versuchen zu verstehen, wie Menschen die Bedeutung sprachlicher Reize erfassen und abspeichern, und insbesondere auch, wie sie die Bedeutung zusammengesetzter Ausdrücke aus der Bedeutung ihrer Elemente ableiten. Im Fokus steht dabei die Frage nach der Beziehung zwischen sprachlicher und nicht-sprachlicher Kognition: In der modernen Sprachverstehensforschung wird angenommen, dass beim Sprachverstehen, die beschriebenen Objekte, Ereignisse und Situationen mental simuliert werden, also ähnlich repräsentiert werden, wie bei der Wahrnehmung, Vorstellung und Handlungsplanung. Tatsächlich gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Befunden, die auf die besondere Bedeutung sensomotorischer Prozesse für die Bedeutungskonstitution hinweisen. Die zugrundeliegenden Mechanismen der mentalen Simulation beim Sprachverstehen, sowie deren funktionale Relevanz für das Verstehen sind jedoch weitgehend ungeklärt.

Weitere Forschungsthemen unseres Arbeitsbereichs sind die Verarbeitung von Negation, die Auflösung anaphorischer Bezüge, die Verarbeitung von semantischen versus konzeptuellen Verletzungen und das Erlernen grammatischer Regeln im Spracherwerb.

Kognition und Wahrnehmung (Professor Ulrich)

Der Forschungsschwerpunkt unseres Arbeitsbereichs ist die Zeitkognition und die Zeitwahrnehmung. Normalerweise beginnt die Wahrnehmung unserer Außenwelt damit, dass Sinneszellen physikalische Reize in die Sprache des Nervensystems umwandeln. Jedes Sinnessystem besitzt spezialisierte Zellen, die diese Umwandlung für die entsprechenden Reize effizient vollziehen (zum Beispiel Stäbchen und Zapfen in der Retina für die visuelle Wahrnehmung). Für die Wahrnehmung der Zeit trifft dieses jedoch nicht zu.

Da es keinen adäquaten physikalischen Reiz für Zeit gibt, gibt es folgerichtig auch keine Rezeptoren für die Zeitwahrnehmung. Somit ist die Wahrnehmung von Zeit neurobiologisch nicht vergleichbar mit der Wahrnehmung von Licht und Schall. Wie also kommt die Zeit in unseren Kopf? Eine Vermutung ist, dass Zeit über die räumliche Dimension vermittelt wird. So benutzen wir in der Regel räumliche Begriffe, um zeitliche Verhältnisse auszudrücken, beispielsweise: „Die Zukunft liegt vor mir“ oder „Die Prüfung habe ich hinter mich gebracht“.

In unserer Abteilung untersuchen wir nicht nur die Mechanismen der Zeitwahrnehmung, sondern auch die Beziehung von Zeit- und Sprachverarbeitung und die Beziehung von Zeit und Handlungsplanung. Ein weiteres Thema in diesem Bereich ist die Frage, ob wir den Zeitverlauf unserer geistigen Prozesse an uns selbst erkennen können. Schließlich interessieren wir uns dafür, wie die unterschiedlichen Sinnessysteme zeitlich gekoppelt sind und wie wir multisensorische Information aus diesen unterschiedlichen Systemen zu einem perzeptuellen Gesamteindruck integrieren.

Unsere experimentellen Untersuchungsverfahren umfassen chronometrische, psychophysische und psychophysiologische Methoden. Zudem entwickeln wir mathematische Modelle und statistische Analyseverfahren, um die Eigenschaften der untersuchten kognitiven Mechanismen besser zu verstehen. Im Anwendungsbereich wenden wir diese Kenntnisse an und erproben zum Beispiel neuartige Verfahren, um die Dunkelziffer für heikle Verhaltensweisen (Plagiat, Doping im Hochleistungssport, Hirndoping, Diebstahl) zu bestimmen.

Schulpsychologie (Professorin Gawrilow)

Im Arbeitsbereich Schulpsychologie werden kognitive, motivationale und neuronale Korrelate der Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen untersucht. Weitere Forschungen befassen sich mit der Entwicklung von ADHS (zum Beispiel beim Übergang vom Kindergarten in die Grundschule), dem Lernen von Kindern mit und ohne ADHS Symptomen in einem virtuellen Klassenzimmer, Selbstregulationsprozessen (zum Beispiel Delay of Gratification) und Selbstregulationsinterventionen (zum Beispiel Biofeedback).

Beispielsweise untersuchen wir in einem unserer Projekte, ob ein EMG- und ein NIRS-basiertes Biofeedback die ADHS-Symptome, exekutive Funktionen und die schulische Leistungsfähigkeit von Grundschülern mit ADHS verbessern und ob solche Trainings unterschiedliche Effekte haben, wenn sie in einer virtuellen Realität durchgeführt werden.

In einer weiteren Studie beschäftigen wir uns mit der Frage, wie Selbst- und Fremdberichtsdaten von ADHS-Symptomen mit ökologisch valideren Videoanalysen von Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität in Klassenraumsituationen zusammenhängen.

Soziale Kognition und Entscheidungsforschung (Professorin Hütter)

Unser Arbeitsbereich befasst sich vor allem mit Fragen der sozialen Kognition. Wenn menschliches Verhalten verstanden werden soll, ist es aber genauso wichtig auch über die Umwelten, in denen sich Menschen befinden und mit denen sie interagieren, nachzudenken. Aus diesem Grund geht es in unserer Arbeit auch um die systematische Manipulation und Analyse von Umweltfaktoren. Unsere Interessen gelten dabei insbesondere dem Erwerb und der Veränderung von Einstellungen sowie dem Urteilen und Entscheiden. Außerdem beschäftigen wir uns innerhalb der Wirtschaftspsychologie mit Arbeitszufriedenheit und -motivation.

Beispielsweise beschäftigen wir uns in Experimenten zur Einstellungsänderung mit Faktoren, die Einfluss darauf nehmen, über welche Mechanismen Einstellungen gebildet und geändert werden, wie wir auch in unsicheren Situationen optimale Entscheidungen treffen können, oder wie positive und negative Stimmung die Verarbeitung urteilsrelevanter Informationen beeinflussen. In neuerer Zeit beschäftigen wir uns auch mit der Frage, wie sprachliche und nicht-sprachliche (zum Beispiel die räumliche und zeitliche Anordnung) Komponenten der Kommunikation und Präsentation bei Einstellungserwerb und -änderung zusammenwirken.

Bezüglich des Urteilens und Entscheidens interessieren wir uns dafür, wie Urteile unter Unsicherheit durch wiederholtes Nachdenken oder Einholen von Ratschlägen verbessert werden können. Außerdem untersuchen wir situative Einflüsse auf moralische Urteile.

Visuelle und Kognitive Neurowissenschaften (Professor Bartels)

We study high-level visual perception, and its link to attention, memory and social interactions. Methodologically we have the privilege to use behavioural and all available non-invasive brain imaging tools (3T and 9.4T fMRI, EEG) to understand underlying neural processing in the human brain, and test for causal contributions using transcranial magnetic and electric (TMS and tCS) stimulation in our lab. We used state-of-the art methods including machine learning and deep neural networks for stimulus generation and data analysis. Our research questions boil down to three core areas:

  1. Bi-Stable Perception, Grouping, Scene Segmentation, Colour Constancy

When perception deviates from the physical visual input, it opens a unique way to study visual consciousness, decision-making and perceptual grouping. We use illusions, bi-stable stimuli and colour vision to examine these processes.

  1. Visual Motion, Space and Scene Processing

Despite the incessant motion of eyes, head and body, we perceive the world as stable. We examine how the brain integrates visual signals with body-related signals (efference copies of muscle-movements, proprioceptive and vestibular signals) to provide perceptual stability. Second, we study how the brain encodes and updates our position in the environment, and how it reconstructs the 3D-space around us based on visual input. Motion, space, and memory are tightly interlinked.

  1. Emotions and Dynamic Face Perception

Most social information is conveyed through visual perception of faces and human bodies. We study how dynamic changes of facial expressions are processed, and how visual and affective brain regions exchange information.