Institut für Klassische Archäologie

Sog. Haus des Augustus

Rekonstruktion und Bedeutung der Stuckdekoration des sogenannten Oecus

Vorarbeiten und Vorgehen

Mittig am Peristylhof befindet sich ein Raum, der gegenüber den übrigen Räumen durch seine außergewöhnliche Größe, Zuschnitt und Zugänglichkeit auffällt. Dieser Raum wird in der Forschung als Oecus bezeichnet. Während der Ausgrabungen wurden am Boden ca. 2000, hauptsächlich zur Decke gehörige, Stuckfragmente gefunden. Sie sind aufwendig mit ornamentalen, architektonischen und figürlichen Motiven verziert.

Die Stuckfragmente wurden in den 1970er Jahren vom Palatin in den Palazzo Altemps gebracht und konnten dort in den vergangenen Jahren durch Gianna Musatti (Restauratorin der Soprintendenza autonoma di Roma) restauriert werden. Sie wurden nach verschiedenen Ornamenttypen und Größen sortiert und in einem Katalog dokumentiert. Im Frühjahr 2009 wurden in einer dreimonatigen Kampagne vor Ort in Zusammenarbeit mit Francesca Renda und Daniela Gauss alle für die Rekonstruktion des Stuckdekors notwendigen Fragmente zeichnerisch und photographisch dokumentiert. Auf dieser Grundlage konnten im vergangenen Jahr am Institut für Klassische Archäologie der LMU bereits erste Teilrekonstruktionen erarbeitet und von Tobias Bitterer und Roy Hessing digital umgesetzt werden.

Da die genaue Fundlage der Fragmente bei der Ausgrabung nicht dokumentiert wurde, basiert die Rekonstruktion auf folgenden Anhaltspunkten:

  1. Erhaltene Fragmente eines dorischen Gebälkes, das nach dem Proportionskanon unter Einbeziehung mehrerer Fragmente rekonstruiert werden kann und vermutlich am Gewölbeansatz verlief. Dies liefert eine Vorstellung von der grundsätzlichen Gewölbe- und Wandgliederung.
  2. Ein heute noch im Oecus befindliches, größeres Fragment des Gewölbes, in dem ein Kassettenmuster im Umfang von knapp einem Quadratmeter erhalten ist, an welches sich weitere Fragmente anschließen lassen.
  3. Die Herstellungsweise des Stuckes. Die Stärke der an den Stuckfragmenten erhaltenen Mörtelschicht kann Auskunft darüber geben, an welcher Stelle im Gewölbe das betreffende Stück sich in etwa befunden haben muss.
  4. Anhand besser erhaltener, zeitgleicher Vergleichsbeispiele, wie sie etwa in Pompei und Herkulaneum überliefert sind, kann die Rekonstruktion anschließend durch die übrigen Fragmente vervollständigt werden.