Institut für Klassische Archäologie

Grabungsprojekt: Compsa in Irpinien

Die antike Stadt Compsa, das heutige Conza della Campania, liegt auf einem Hügel (608 m ü.M.) weit im Osten der Region Kampanien im Grenzgebiet zur Basilikata. Der moderne Ort wurde nach dem schweren Erdbeben vom 23. November 1980 verlassen und am Fuß des Hügels in der Ebene des Flusses Ofanto neu errichtet. Mit dem Verlassen des alten Siedlungshügels endete eine Siedlungskontinuität von der Antike bis in die Gegenwart.

Die antike Siedlung entwickelte sich in vorrömischer Zeit an einem wichtigen antiken Kommunikationsweg, der die adriatische Küste mit dem tyrrhenischen Meer über die Flüsse Ofanto und Sele verband. In den antiken Quellen taucht Compsa erstmalig im Zusammenhang mit dem hannibalischen Krieg und der Schlacht von Cannae auf, wo sie als Winterlager für Hannibal diente (Livius 23, 1, 1-3). Die ersten archäologischen Zeugnisse einer Besiedlung stammen jedoch bereits aus früherer Zeit. An den Abhängen des Hügels wurde in den 70er Jahren eine Nekropole des 6. – 4. Jhs. v. Chr. (Oliveto-Cairano-Kultur) ergraben und publiziert (Barbera 1994). Siedlungsspuren in Form von Häusern oder Hütten konnten aus dieser Zeit bisher noch nicht nachgewiesen werden.

Trotz einer Häufung antiker Quellen im 3. – 2. Jh. v. Chr. (Schlacht bei Cannae, gracchischen Reformen), existieren aus dieser Periode bisher nur wenige archäologische Funde. Einzelne Keramikscherben beweisen jedoch die Frequentierung des Hügels auch in dieser Zeit. Im 1. Jh. v. Chr. verdichten sich die archäologischen Hinterlassenschaften (Di Giovanni 2015). Um die Mitte des 1. Jhs. v. Chr. entsteht eine erste Forumsanlage mit zentralem Tempel, die in augusteischer Zeit gepflastert und ausgebaut wurde. Ebenfalls aus der frühen Kaiserzeit stammt ein Amphitheater, welches nur zu Teilen ergraben ist. Des Weiteren hat sich ein antiker Gebäudekomplex in Ziegeltechnik erhalten (sog. Thermen), dessen Funktion und Datierung jedoch noch unklar sind.

Das Grabungsprojekt verfolgt das Ziel, die Entwicklung der Stadt von vorrömischer bis in römische Zeit nachzuzeichnen. Nach einer vollständigen Erfassung der antiken Strukturen anhand von Drohnenbefliegung und Laserscanning im Sommer 2018, werden sich die Grabungen für das Jahres 2019 auf das Forumsareal konzentrieren, um die Nutzung der Platzanlage in vorrömischer Zeit klären zu können. Weitere Sondagen sind im Gebiet des Amphitheaters und in der Via Torrione geplant, wo Keramikfunde aus dem 4. – 3. Jh. v. Chr. eine frühere Besiedlung wahrscheinlich machen.  

Projektleitung: Dr. Christiane Nowak-Lipps (SFB 1070 RessourcenKulturen, Universität Tübingen), Dott. Riccardo Montalbano (Università di Venezia)

Kooperationspartner: Dott.ssa Silvia Pacifico (Soprintendenza Archeologica di Salerno e Avellino); Dr. Matthias Lang (eScience Center der Universität Tübingen)