Indologie & Vergleichende Religionswissenschaft

Verbsemantik und Argumentstruktur, Valenzwörterbuch der ladakischen Verben (Dr. Bettina Zeisler)

Das Ladakische ist eine tibetische Sprache, die in Nordindien (Jammu & Kashmir) gesprochen wird. Sie besteht aus zwei Hauptdialektgruppen, die sich in ihrer Grammatik deutlich unterscheiden, insbesondere hinsichtlich der verbabhängigen Kasusmarkierung.

Ziel dieses im April 2010 begonnenen DFG-Projektes ist die Beschreibung der Verbvalenz sowie der Kasusrahmen und deren Bezug zur Verbsemantik für jeweils einen repräsentativen Dialekt aus beiden Gruppen sowie die Publikation eines
entsprechenden Valenzwörterbuches. Kasusrahmen (oder Satzbaupläne)
spezifizieren die Anzahl und Art der Argumente (auch Aktanten oder
Partizipanten) eines Verbs, die Notwendigkeit ihres kontextunabhängigen Auftretens, die bevorzugte Position im Satz, die jeweiligen Kasus sowie mögliche Alternationen in Stellung und/oder Kasusmarkierung. Die Möglichkeit derartiger Alternationen, deren semantische oder pragmatische Implikationen sowie die Dokumentation von Kollokationen bilden besondere Schwerpunkte.


abgeschlossenes Projekt (2002-2008):

im Rahmen des SFB 441 'Linguistische Datenstrukturen: Theoretische und empirische Grundlagen der Grammatikforschung'Projekt B11: 'Semantische Rollen, Kasusrelationen und satzübergreifende Referenz im Tibetischen' (im Archiv: http://www.lingexp.uni-tuebingen.de/sfb441/b11/index.html)

Im Mittelpunkt des Projekts stand die Formulierung von Regeln für die Identifikation von Antezedentien leerer Argumente im Tibetischen. Dabei war im einzelnen auf die Verbsemantik einzugehen, d.h. auf die Argument- und Ereignisstruktur der Verben und auf die Einteilung der Verben nach ihrer Aktorenart ([±Kontrolle]). Die Perspektive des Projekts ist primär eine empirische und deskriptive, sekundär eine allgemein vergleichende und theoretische. Das Projekt basierte auf der Auswertung der zu erstellenden Textkorpora schriftlicher und mündlicher Erzählliteratur verschiedener Epochen, der Auswertung der durch Befragung und Elizitation gewonnen Daten sowie auf der einheimischen grammatischen Literatur. Durch die verschiedenen Datenklassen (Korpusdaten, Beurteilungsdaten, Elizitationsdaten, deskriptive historische und rezente Daten sowie normative Daten tibetischer Grammatiker) und durch die Zusammenführung verschiedener methodischer Ansätze (Philologie, Linguistik, historische Sprachwissenschaft und einheimische tibetische Grammatik) trug das Projekt zur Leitfrage des SFBs bei: der Klärung des Verhältnisses von Theorie und Empirie im Hinblick auf unterschiedliche Datentypen und deren Bewertung.

E-Mail: zeis[at]uni-tuebingen.de