Koreanistik

Geschichte der Koreanistik in Tübingen

Kurze Geschichte

Im Jahr 1964 wurde an der damaligen Fakultät für Altertums- und Kulturwissenschaften das „Seminar für Ostasiatische Philologie“ (SOP) in Tübingen durch den Sinologen Werner Eichhorn mit zwei Abteilungen gegründet, der Abteilung für Sinologie sowie der Abteilung für Japanologie und Koreanistik. Trotz der fehlenden personellen Ausstattung für den Bereich der Koreanistik wurden von Beginn an Sprachkurse sowie einführende Kurse angeboten. Mit der Besetzung des Lehrstuhls für Ostasiatische Philologie im Jahr 1974 durch Professor Tilemann Grimm erfolgte ein umfassender Ausbau der Ostasienwissenschaften. Dem bereits bestehenden Lehrstuhl an der Sinologie folgte im Jahr 1975 auch ein Lehrstuhl für Japanologie und 1979 der Lehrstuhl für Koreanistik mit der Berufung von Professor Dieter Eikemeier. Aufgrund von Umstrukturierungen formte die Koreanistik gemeinsam mit der Sinologie das Seminar für Sinologie und Koreanistik, dessen Leitung durch Prof. Eikemeier übernommen wurde. Im Laufe des WS 1981/82 wurden die Magisterstudiengänge der Koreanistik im Haupt- und Nebenfach eingerichtet.

Die Koreanistik verfolgte zwischen 1979 bis 2003 insbesondere einen ethnologischen Ansatz mit Schwerpunkt auf Dorfgemeinschaften und Volksglauben. Unter der Leitung von Prof. Eikemeier wurde eine umfangreiche koreanistische Fachbibliothek aufgebaut.

In dieser Zeit galt die Koreanistik als absolutes Nischenfach und wies selbst innerhalb der kleinen Fächer sehr geringe Studierendenzahlen auf. Im Wintersemester 1986/87 waren beispielsweise 153 Studierende in der Japanologie, 286 in der Sinologie, aber nur 21 in der Koreanistik eingeschrieben. Dies war einer der Gründe, die vor dem Hintergrund der durch den Solidarpakt des Landes geforderten Sparmaßnahmen zu der Entscheidung der damaligen Universitätsleitung führte, die Koreanistik in den Jahren nach 1997 zur Schließung vorzusehen. Mit der Emeritierung von Prof. Eikemeier im Jahr 2003 wurde das Fach Koreanistik abgeschafft.

Diese Entscheidung war allerdings von Anfang an umstritten und wurde insbesondere seitens der Sinologie und Japanologie kritisiert, die zur gleichen Zeit erheblich ausgebaut wurden. Unter der Leitung des geschäftsführenden Direktors des Seminars für Sinologie und Koreanistik, Professor Hans Ulrich Vogel (Sinologie), wurde beschlossen, auch nach dem Wegfall des koreanistischen Lehrstuhls das noch vorhandene Personal weiter zu beschäftigen, um zumindest die Koreanistik im Nebenfach anbieten zu können. Frau Dr. Moon-Ey Song hielt unter Einsatz einer Stelle aus dem sinologischen und japanologischen Bestand sowie durch Fördermittel der Academy of Korean Studies und der Korea Foundation ein kleines Lehrangebot im Bereich der Koreanistik aufrecht. Der Magisterstudiengang im Nebenfach wurde 2004 durch die Einführung des Bachelorstudiengangs im Nebenfach ersetzt.

Im Jahr 2008 wurde mit der Gründung des Asien-Orient-Instituts beschlossen, der intensivierten Zusammenarbeit der Asien- und Orientwissenschaften einen neuen institutionellen Rahmen zu geben. Die Sinologie und Koreanistik wurden als eine gemeinsame Abteilung in das neue Institut eingegliedert, das die Interessen ihrer Abteilungen als eigener Fachbereich in der Kulturwissenschaftlichen Fakultät vertritt. Im gleichen Jahr beschloss die Universitätsleitung, nicht zuletzt aufgrund der kontinuierlichen Initiativen aus dem Bereich der Ostasienwissenschaften, wieder eine Professur in der Koreanistik einzurichten. Diese Entscheidung erfuhr eine starke Unterstützung der Kulturwissenschaftlichen Fakultät und des Asien-Orient-Instituts. Es wurde zunächst eine Juniorprofessur eingerichtet, da Unsicherheit darüber bestand, inwieweit ein Studienangebot der Koreanistik angenommen werden würde.

Zum April 2010 wurde You Jae Lee auf die W1-Professur berufen. Als Historiker verfolgt er sowohl alltags- als auch globalgeschichtliche Ansätze in den Feldern Kolonialismus, Kalter Krieg, Migration und Diaspora. Direkt zum Wintersemester 2010/11 erarbeitete Prof. Lee ein Bachelorkonzept mit Fokus auf das Moderne Korea und einem integrierten Auslandsjahr in Korea. Er begann mit 8 Studierenden im neu eingerichteten Hauptfach. Das Programm wurde zum WS 2014/15 durch den konsekutiven Masterstudiengang und des Doppelmasters Korean European Studies (MAKES) mit Seoul National University ergänzt. Mit dem neuen Studienangebot wuchs die Zahl der Studierenden rasant. Die Zahl der Hauptfachstudierenden stieg von Null auf 198 innerhalb der ersten fünf Jahre und ist derzeit bei rund 306 Studierenden zum WS 2018/19 angelangt, bei einer Gesamtstudienanzahl von mittlerweile 399.

Durch zwei weitere Juniorprofessuren konnte die Koreanistik thematisch in Forschung und Lehre breiter aufgestellt werden. Professor Jong-Chol An verstärkt im Bereich Recht und Gesellschaft Koreas seit 2014, Professor Jerôme de Wit im Bereich der Literatur und Kultur Koreas seit 2015 die Koreanistik.

Auch der Mittelbau wurde durch Lektorenstellen und wissenschaftliche Mitarbeiterpositionen durch erhebliche Anstrengungen in der Drittmitteleinwerbung ausgebaut. Angesichts der erfolgreichen Entwicklung im Fach beschloss die Universitätsleitung 2017 die Einrichtung einer W3-Professur für Koreanistik, die You Jae Lee seit April 2018 besetzt.

Im Sommersemester 2018 ist das wissenschaftliche Personal auf 14 Personen angewachsen. Dies umfasst einen hauptamtlichen W3-Professor, zwei Juniorprofessoren, zwei Vollzeit-Lektorinnen und neun wissenschaftliche MitarbeiterInnen. Hinzu kommt das Sekretariat.

Zudem wurde 2018 zum ersten Mal seit ihrer Gründung das Fach Koreanistik zu einer selbständigen Abteilung. Mit dieser „Ausgründung“ werden die drei Ostasienwissenschaften zum ersten Mal in jeweils eigenen Abteilungen im Asien-Orient-Institut vertreten. Das gleichzeitig gegründete Center for Korean Studies führt Forschungsprojekte durch, wie z.B. das durch die Academy of Korean Studies geförderte Tübingen Global Korea Project im Rahmen des Core University Program for Korean Studies.

Neben dem Aufbau der Koreanistik wurde mit der Gründung des Tuebingen Center of Korean Studies at Korea University (TUCKU) im Jahr 2012 in Seoul an der Korea University die Infrastruktur für eine stabile Internationalisierung des Studiengangs im Rahmen der bestehenden Ostasienstrategie der Universität Tübingen geschaffen.

Im selben Jahr wurde zudem das King Sejong Institute Tübingen eröffnet, das an der Koreanistik angesiedelt ist. Das King Sejong Institute bietet als koreanisches Pendant zum deutschen Goethe-Institut einen breiten Zugang zur Sprache und Kultur Koreas.


Chronologie

1964
erste Koreanisch-Kurse an der Universität Tübingen

1979
Berufung Prof. Dr. Dieter Eikemeier zur C3 Professur für Koreanistik

1981/1982
Einführung des Magisterstudiengangs Koreanistik

2003
Abschaffung des Magisterstudiengangs Koreanistik

2004/2005
Einführung des Bachelor-Nebenfaches Koreanistik

2010
Berufung Prof. Dr. You Jae Lee zur Junior-Professur

2010/2011
Einführung des Bachelor-Hauptfaches Koreanistik

2012
Eröffnung des Tübingen Center for Korean Studies at Korea University (TUCKU)

2012
Eröffnung des King Sejong Institute Tübingen

2014
Einführung des Masterstudiengangs Koreanistik/Korean Studies und des Doppelmaster-Schwerpunktes Korean European Studies (MAKES) mit Seoul National University

2014
Berufung Prof. Dr. Jong Chol An zur Junior-Professur (Korea Foundation)

2015
Berufung Prof. Dr. Jerome de Wit zur Junior-Professur

2018
Berufung Prof. Dr. You Jae Lee zur W3-Professur für Koreanistik

2018
Gründung der Abteilung für Koreanistik

2018
Gründung des Center for Korean Studies


Zahlen