Koreanistik

Tübinger Reihe für Koreastudien

BAND 3

Heike Berner: "ISE"

Erzählungen von koreanischen Deutschen der zweiten Generation

Wie verortet sich die zweite Generation koreanischstämmiger Menschen („Ise“) in Deutschland?

In zehn Erzählungen, die aus Oral-History-Interviews mit Menschen entstanden sind, die zwischen 1969 und 1989 als Kinder koreanischer Einwanderer und Einwanderinnen geboren wurden, wird dieser Frage nachgegangen. Es sind sehr individuelle Geschichten, die vom Heranwachsen im Deutschland der 1970er- bis 1990er-Jahre handeln. Sie zeigen das stetige Aushandeln von fremd- und selbstbestimmten Identitäten und beschreiben, wie sich die inzwischen erwachsenen Ise zwischen Ausnahme und Normalität, zwischen „Ausländer“- und Deutschsein, zwischen Deutschland und Korea positionieren. Die Erzählungen stellen gefestigte Vorstellungen von „deutschen“ und„koreanischen“ Identitäten infrage und zeigen die Vielfalt der Erfahrungen der zweiten Generation. Zugleich dokumentieren sie eine bisher weitgehend unbekannt gebliebene Facette der koreanischen wie auch deutschen Migrationsgeschichte.


BAND 2

Tobias Scholl: "Konstruktion von Gleichheit und Differenz"

Der Kolonialdiskurs einer gemeinsamen Abstammung von Japanern und Koreanern, 1910-1945



Im Zuge der Kolonialherrschaft Japans über Korea wurden von japanischer Seite die Affinitäten zwischen Japanern und Koreanern hervorgehoben. Diese Betonung von Gemeinsamkeiten ist in der heutigen Wissenschaft als Diskurs über die gemeinsame Abstammung von Japanern und Koreanern (jap.: Nis-Sen dōsoron; kor.: Il-Sŏn tongjoron) bekannt. Das vorliegende Buch verortet den Affinitätsdiskurs historisch und untersucht ihn als eine Diskurs- und Herrschaftspraxis der japanischen Kolonialzeit. Sowohl die Kolonisierer als auch die Kolonisierten konstruierten im Rahmen und in Bezug auf den Affinitätsdiskurs Gleichheit und Differenz zum jeweils anderen, um die koloniale Ordnung entweder zu legitimieren oder zu bedrohen. In den Ausführungen wird dabei die besondere Stellung des Westens innerhalb dieser Prozesse ausführlich beleuchtet.

Der Blick auf den koreanischen Widerstand gegen die Theorie einer gemeinsamen Abstammung von Japanern und Koreanern wiederum verdeutlicht, dass die Kolonisierten hierbei in die widersprüchliche Situation gerieten, auf Argumente und Diskurse zurückgreifen zu müssen, die von der japanischen Kolonialmacht zur Rechtfertigung für die Herrschaft über Korea angeführt wurden.

 


BAND 1

Sun-ju Choi: "Vater Staat, Mutter Partei"

Familienkonzepte und Repräsentation von Familie im nordkoreanischen Film

Die Geschichte des nordkoreanischen Films ist eng mit der politischen und ideologischen Entwicklung des Landes verknüpft, für dessen Konstituierung die wiederholte Narration des historischen Erbes eine wichtige Rolle spielt. In dieser Hinsicht können alle nordkoreanischen Filme als Zeugnisse der geschichtlichen Ereignisse (Kolonialismus und Krieg) und als Willensversicherung einer gemeinsamen Zukunftsgestaltung (sozialistische Revolution) betrachtet werden. Dementsprechend fungiert Film als ein wichtiges, Kohärenz stiftendes Medium und hat einen hohen politischen Stellenwert. Je nach innen- und außenpolitischer Agenda der Partei verändern sich die jeweiligen Forderungen an die Filmemacher, aber die Grundprinzipien ideologischer Vermittlungsarbeit bleiben gleich – Familie und Staat werden als essentielle Einheit präsentiert und zur Konsolidierung staatlicher Macht herangezogen. Im Zentrum dieser politisierten Ästhetik stehen der Staatsgründer Kim Il Sung und dessen Sohn Kim Jong Il, die dem Staat als Vater und der von ihnen geschaffenen und beherrschten Partei zugleich als Mutter vorstehen.