Sinologie

Prof. Kuroda Akinobu

Im Porträt: Prof. Akinobu Kuroda 黑田明伸

Die Geldgeschichte Chinas und das historische Problem der Komplementarität von Münzwerten

von Rainer Klüting

Noch im 19. Jahrhundert trieben viele Bauern in Ländern wie England und Japan Tauschhandel. Man kannte sich untereinander, und man wusste, was man dem Anderen schuldete. Ganz anders in China. „Im Unterschied zu japanischen Bauern waren chinesische schon lange stärker marktorientiert“, sagt der japanische Historiker und Wirtschaftswissenschaftler Prof. Akinobu Kuroda. „Für diesen Handel brauchte man natürlich Münzen, allerdings kleine, passend zur Größe des Handels.“ Da Großhändler die Bauern aber oft mit Silbermünzen hohen Werts bezahlten, hatten die Bauern und der chinesische Staat schon früh zwei Probleme: Münzen mussten stets dort verfügbar sein, wo sie gebraucht wurden. Und der relative Wert zwischen großer und kleiner Währungen konnte beträchtlich fluktuieren. „Dann ist für den Bauern im Alltag ein Zwanzig-Euro-Schein eben nicht zwanzigmal so viel wert wie eine Ein-Euro-Münze“, sagt Kuroda. „Es ist ein Problem, das stark mit der Sozialstruktur eines Landes verknüpft ist.“
Prof. Akinobo Kuroda gilt als eine weltweit führende Kapazität auf dem Feld der vergleichenden Geldgeschichte in Ostasien. Das kommt derzeit auch den Studierenden in Tübingen zugute – und seinen Forscherkollegen am Asien-Orient-Institut (AOI) der Universität Tübingen. Denn die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat dem Wissenschaftler des Instituts for Advanced Studies on Asia der Tokyo-Universität eine Mercator-Gastprofessur zugesprochen. Eingeladen hat ihn Prof. Hans-Ulrich Vogel, der Leiter der Abteilung für Sinologie des Seminars für Sinologie und Koreanistik des AOI. Seit April ist Prof. Kuroda für elf Monate in Tübingen. Der 53-Jährige ist bereits der dritte Mercator-Professor am AOI nach Prof. Jane K. Leonard aus Akron, USA, (2008, zusammen mit Heidelberg) und Prof. Georg Brian Souza von der University of Texas in San Antonio (April 2009 bis März 2010). Mit den Mercator-Professuren finanziert die DFG deutschen wissenschaftlichen Hochschulen Einladungen an hoch qualifizierte im Ausland tätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Ziele sind gemeinsame Forschungsprojekte mit dem Gast und die Beteiligung des Gastes an der Lehre.
Prof. Kuroda war bereits mehrmals als Teilnehmer von internationalen Konferenzen der Forschergruppe „Monies, Markets and Finance in China and East Asia, 1600 – 1900“ in Tübingen. Zusammen mit Prof. Vogel und Prof. Souza hält er derzeit ein interdisziplinäres Hauptseminar ab, und im Wintersemester ist eine Vorlesung geplant. Zudem hat er sich zwei Forschungsprojekte vorgenommen. In Verbindung mit seiner Arbeit an einer umfassenden Geldgeschichte Chinas („A Comprehensive History of Chinese Monies“) interessiert ihn besonders die Komplementarität von Zahlungsmitteln, also die Stabilität der Beziehungen der Werte zwischen verschieden großen Geldeinheiten (Projekttitel: „Revisiting Global Monetary History from the Viewpoint of Complementarity among Monies and Reframing Theory of Monies“),
Das Tübinger AOI, sagt Kuroda, sei für seine Forschungen „das beste Institut“. „Es hat eine gute Sammlung chinesischer Klassik und ist sehr gut in der Forschung über China.“