Sinologie

Sinologie und Wirtschaftsethik (Jun.-Prof. Niedenführ)

Der Schwerpunkt der seit 2014 bestehenden Juniorprofessur von Dr. Matthias Niedenführ (Vizedirektor des China Centrum Tübingens) liegt auf der Untersuchung von Nachhaltigkeit und Werten in der Gesellschaft des gegenwärtigen China, mit besonderen Schwerpunkt auf Ethik im Geschäftsleben.
Die Lehrveranstaltungen decken Themen der kontemporären Wirtschaft (Wirtschaftskultur, Innovation, regionale Integration, Institutionenökonomie), der Gesellschaft (Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Zivilgesellschaft) sowie Politik (politische Ökonomie der Medien, Politisierung nationaler Geschichte, Wertediskussionen) ab.
Das derzeitige Kernprojekt untersucht Bemühungen chinesischer Unternehmen ethisch-richtige Entscheidungen im Management und bei den Firmenangehörigen zu fördern. Die rasante Entwicklung in der VR China stellen für die Umwelt und die Gesellschaft des Landes erhebliche Herausforderungen dar, wobei Unternehmen eine Rolle bei deren Lösung zukommt. Das Projekt untersucht den indigenen Ansatz des „konfuzianischen Unternehmers“ – auch „New Chinese Style Management“ genannt – der eine nachhaltige Unternehmensführung auf individueller und institutioneller Ebene in der Praxis umsetzen und eine Integration von traditionellem Denken und ökonomischer Rationalität anstreben will. Neben Konzepten der Corporate Social Responsibility (CSR) wird insbesondere humanistische Bildung, die Einbeziehung der Familien der Firmenangehörigen und Vertrauensbildung betont. In der empirischen Studie werden in ausgewählten Unternehmen vor Ort dutzende qualitative Interviews mit Unternehmern, Managern und Angestellten durchgeführt, um die Implementierung dieses Managementstiles und deren Akzeptanz kritisch zu analysieren und eine Theorie Confucian Entrepreneurs zu generieren. Das Phänomen wird im Kontext kontemporärer gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen in China verortet.