Orient- und Islamwissenschaft

Die Rezeption der Šuḏūr aḏ-ḏahab

Die breite Überlieferung der Šuḏūr aḏ-ḏahab zeugt von einem regen Interesse an diesem Gedichtband. In den letzten Jahren hat sich die islamwissenschaftliche Forschung vermehrt den Besitzerinnen und Besitzern, bzw. Leserinnen und Lesern okkulter arabischer Literatur gewidmet.
Ein Teilprojekt untersucht die Besitzervermerke und Lesernotizen in den erhaltenen Handschriften der Šuḏūr aḏ-ḏahab. Einer der bekanntesten Leser dieses Gedichtbandes war zweifellos der marokkanische Sultan Mūlāy al-Ḥasan I. (reg. 1873-1894). Der Sultan interessierte sich sehr für die Alchemie und holte sich Alchemisten an seinen Hof. In seinem Palast hatte er ein alchemistisches Labor einrichten lassen und seine Privatbibliothek verfügte über hunderte alchemistische Handschriften. Für die Šuḏūr aḏ-ḏahab hegte er ein besonderes Interesse. Der Sultan ließ Kopien des Diwans und einiger Kommentare zu den Šuḏūr anfertigen und kommentierte Verse gelegentlich selbst, in dem er mit Bleistift Notizen zwischen die Zeilen oder an den Rand schrieb.
Christopher Braun veröffentlicht demnächst einen Beitrag zur Rezeption der Šuḏūr aḏ­-ḏahab.