Orient- und Islamwissenschaft

Muwaššaḥ ṣanʿawī

Neben seinem dīwān hat Ibn Arfaʿ Raʾs mindestens ein Gedicht in strophischer Form (d.h. ein muwaššaḥ) über Alchemie verfasst. Dieses Gedicht ist in mehreren Manuskripten erhalten. Es wird zum Teil zusammen mit den Šuḏūr aḏ-ḏahab, zum Teil mit anderen alchemistischen Werken überliefert. Mindestens ein Leser hat an Ibn Arfaʿ Raʾs' Autorschaft gezweifelt. In einer in der Forschungsbibliothek Gotha aufbewahrten Handschrift merkt ein Leser an, dass der Stil des Gedichts nicht dem des Ibn Arfaʿ Raʾs entspricht und dass der spätere Kommentator al-Ǧildakī das Gedicht nicht erwähnt. Die Inkongruenz des Stils und die Unwissenheit al-Ǧildakīs über Ibn Arfaʿ Raʾs' muwaššaḥ-Dichtung könnten daher rühren, dass diese Form der Poesie als „niedrige“ und nicht als „hohe“ Literatur angesehen wurde. Al-Ǧildakī berichtet jedoch, dass Ibn Arfaʿ Raʾs muwaššaḥ-Dichtung verfasst hat, da er ein muḫammas-Gedicht zitiert, das er in seinem Miṣbāh dem ṣāḥib aš-Šuḏūr (d.h. „dem Autor der Goldsplitter“) zuschreibt. Es ist daher zumindest möglich, dass Ibn Arfaʿ Raʾs als Autor des muwaššaḥ-Gedichts betrachtet werden kann. Mit der Komposition von muwaššaḥ-Poesie hat Ibn Arfaʿ Raʾs vielleicht eine Familientradition fortgesetzt, falls er tatsächlich ein Nachkomme des toledanischen Hofdichters Muḥammad b. Arfaʿ Raʾs(a) war.
Regula Forster wird demnächst eine Studie zum muwaššaḥ ṣanʿawī veröffentlichen.