Sinologie

Geschichte und Gesellschaft Chinas II (Prof. Vogel)

Der Lehrstuhl für Geschichte und Gesellschaft Chinas wurde seit 1994 von Prof. Dr. Hans Ulrich Vogel eingenommen. Im März 2021 hat sich Prof. Vogel nach mehr als 25 Jahren aus der professoralen Lehre und Verwaltung zurückgezogen, um sich verstärkt der Forschung widmen zu können. Schwerpunkte seiner Recherchen waren und sind auch weiterhin die Wirtschafts- und Sozialgeschichte der frühen und mittleren Qing-Zeit, die Naturwissenschafts- und Technikgeschichte im traditionellen China als auch die Marco-Polo-Forschung. Zurzeit beschäftigen sich Prof. Vogel und seine Mitarbeiter/innen zudem in einem internationalen Forschungsprojekt mit der Übertragung von westlichem naturwissenschaftlichem, technischem und medizinischem Wissen durch die jesuitische Chinamission in das Reich der Mitte während der späten Ming-Zeit.

«Le livre des merveilles», 1410, das hier Khublai Khan, getragen von Elefanten in einer Sänfte, auf der Jagd zeigt. Siehe gallica.bnf.fr / Bibliothèque nationale, fr. 2810, fol. 42v.

Neben vielen anderen Genres von Primärquellen spielen Archivdokumente in Chinesisch und Mandschurisch eine große Rolle in der Forschung von Prof. Vogel. Eine solide textkritische und philologische Auseinandersetzung mit Primärquellen bildet die unabdingbare Voraussetzung für eine verlässliche geschichtswissenschaftliche Interpretation historischer Ereignisse und Diskurse. Von daher wurde während der aktiven Zeit der Lehre großer Wert auf die Beherrschung des Klassischen Chinesisch und der chinesischen Dokumentensprache des spätkaiserlichen Behördenverkehrs gelegt, was sich auch in Lehrveranstaltungen widerspiegelte, die auf eine Integration der Forschung innerhalb der Lehre abzielten.

Die Forschungsarbeiten von Professor Vogel und seiner Mitarbeiter/innen kombinieren mikrohistorische Analysen mit makrohistorischen und makrosoziologischen Herangehensweisen, wobei vergleichende Untersuchungen über China und Europa (Stichwort: Große Divergenz) und interzivilisatorische Begegnungen zwischen Ost und West auf dem zeitlichen Hintergrund der Geschichte der frühen Globalisierung im Mittelpunkt stehen.

Windfege mit Rotorblättern zum Trennen des Spreus vom Korn, photographiert von Hans Ulrich Vogel beim früheren Institut für Geschichte der Naturwissenschaften, Chinesische Akademie der Wissenschaften (Zhongguo kexueyuan Ziran kexueshi yanjiusuo 中国科学院自然科学史研究所), Beijing, 2001.