Neuere Geschichte

Ulrich Stober

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Infos

Kontakt

Fachbereich Geschichtswissenschaft der Universität Tübingen
Seminar für Neuere Geschichte
Wilhelmstr. 36
72074 Tübingen
ulrich-samuel.stoberspam prevention@uni-tuebingen.de.


Vita

12/2022
Abschluss des Promotionsprojekts
seit 07/2022
Wissenschaftlicher Mitarbeiter

im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms 2130 "Übersetzungskulturen der Frühen Neuzeit"

04/2019 - 03/2022
Promotionsstipendium

der Gerda Henkel Stiftung

05/2018 - 03/2019
Wissenschaftlicher Mitarbeiter

am Historischen Seminar, Abteilung für Neuere Geschichte, Universität Tübingen

seit 05/2018
Doktorand

der Geschichtswissenschaft an der Universität Tübingen (betreut durch Prof. Dr. Renate Dürr, Seminar für Neuere Geschichte)

04/2018
Erstes Staatsexamen

für das Lehramt an Gymnasien im Fach Deutsch

10/2017
Erstes Staatsexamen

für das Lehramt an Gymnasien im Fach Geschichte

07/2015 - 04/2018
Studentische Hilfskraft

am Seminar für Neuere Geschichte, Universität Tübingen (LS Prof. Dürr)

11/2014 - 06/2015
Studentische Hilfskraft

im SFB 923 „Bedrohte Ordnungen“, Teilprojekt A02 (Prof. Ridder)

04/2014 - 03/2015
Deutschlandstipendium

der Universität Tübingen

03/2014 - 12/2017
Studentische Hilfskraft

im Projekt „Edition und Kommentierung der deutschen Versnovellistik des 13. und 14. Jahrhunderts“ am Deutschen Seminar, Abteilung Germanistische Mediävistik, Universität Tübingen (LS Prof. Ridder)

10/2012 - 09/2014
Tutor

für das Proseminar I am Deutschen Seminar, Abteilung Germanistische Mediävistik, Universität Tübingen

2011-2018
Studium der Geschichte und Germanistik

an der Eberhard Karls Universität Tübingen

2010
Abitur

am Gymnasium am Romäusring Villingen-Schwenningen


Forschung

Schwerpunkte

  • Sprache und Kommunikation

  • Historische Praxeologie

  • Wissens- und Wissenschaftsgeschichte

  • Geschichte der Deutschen Literatur (bes. Literatur und Wissen)

Forschungsprojekt

Hin und Her. Sprachliche und kulturelle Übersetzungsprozesse in Spanischamerika und in Europa bei Florian Paucke SJ (1719-1780)

Im Zentrum der Untersuchung steht der handschriftliche, 1146 Seiten umfassende Bericht des Jesuiten Florian Paucke. Durch seinen beinahe zwanzigjährigen Aufenthalt bei den Mocobiern im nördlichen Teil des heutigen Argentiniens, stellt der Bericht für die Untersuchung interkultureller Übersetzungsprozesse in der Missionspraxis der Frühen Neuzeit eine außerordentlich aufschlussreiche und bis dato nur als Steinbruch genutzte Quelle dar. Bei der Analyse von Pauckes Bericht ist zwischen verschiedenen Phasen der Niederschrift zu unterscheiden, die – so die Ausgangsthese des Projekts – unterschiedliche Phasen des interkulturellen Kontakts widerspiegeln. Untersucht werden sprachliche und kulturelle Übersetzungsprozesse zwischen Europäer*innen und der lokalen Bevölkerung am Gran Chaco sowie zwischen Jesuiten und Nicht-Jesuiten in Europa. Damit möchte das Projekt einen Beitrag zur Frage, wie Kommunikation und damit wechselseitige Verständigung und wechselseitiges Verstehen von kulturell verschieden geprägten Menschen möglich ist, zu leisten

Übersetzung wird in der Arbeit als grundlegendes Element jeglicher Kommunikation, insbesondere in sprachlich und kulturell differenten Situationen verstanden. Gemäß der methodischen Verbindung von philologischen und historischen Forschungsansätzen stehen die wechselseitigen Verschränkungen dieser Übersetzungsprozesse im Fokus des Projektes. Sie werden in der Doktorarbeit vierfach untergliedert. Über die Untersuchung der in Pauckes Bericht aufscheinenden ‚sprachlichen Übersetzungsprozesse‘ (A) wird Spracherwerb und Übersetzung praxeologisch interpretiert. Damit werden auch die indigenen Akteure in den Blick genommen, die Sprache vermittelten und inhaltlich (um)prägten. Über die Interpretation der ‚kulturellen Übersetzungsprozesse‘ (B), wird das Gebiet der Mocobier als eine vielschichtig gegliederte ‚Kontaktzone‘ rekonstruiert, in der sich einfache Gegenüberstellungen von Spaniern und Indigenen im Sinne postkolonialer Studien auflösen. Weil im Zusammenhang mit der Mission ‚religiöse Übersetzungsprozesse‘ (C) auf einer besonders expliziten Verschränkung von sprachlichen und kulturellen Übersetzungsprozessen und einem beinahe unlösbaren hermeneutischen Zirkel beruhen, werden sie gesondert betrachtet. Dies impliziert auch die Untersuchung von tradierten und überformten Wissensbeständen in dieser Kommunikation. Schließlich werden ‚mediale Übersetzungsprozesse‘ (D) in den Blick genommen. Ein zentraler Bestandteil des Forschungsprojektes besteht darin, die über hundert aquarellierten Handzeichnungen Pauckes nach deren inneren Logik zu untersuchen und den jeweiligen Text-Bild-Zusammenhang zu interpretieren. Dies verknüpft sich auch mit der Frage, in welche (Bilder)Sprache Paucke die Kultur und Religion der Mocobier übersetzte, um sie den Europäer*innen in seinem Bericht verständlich zu machen.

 

Ulrich Stober wird von der Gerda Henkel Stiftung gefördert.

Publikationen

Rezensionen

  • Ulrich Stober: Rezension zu: Herrmann-Fertig, Lisa: Jesuita cantat!. »Musik« in der interkulturellen Kommunikation jesuitischer Mission in Südindien während des späten 17. und 18. Jahrhunderts. Würzburg 2020: ISBN 978-3-8260-6996-3 , , In: H-Soz-Kult, 12.07.2022, www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-114932.

  • Esther Schmid Heer / Nikolaus Klein / Paul Oberholzer (Hg.): Transfer, Begegnung, Skandalon? Neue Perspektiven auf die Jesuitenmissionen in Spanisch-Amerika, Basel/ Stuttgart 2019, in: Rottenburger Jahrbuch für Kirchengeschichte 38 (2019), S. 413-414.

Tagungsberichte

Vorträge

  • Zwischen Vorannahmen und eigener Erfahrung. Kulturkontakt in Paraguay am Beispiel des Jesuitenmissionars Florian Paucke (1719–1780), Vortrag im Rahmen der Sommerakademie für Stipendiat*innen des Cusanus-Werkes in der LVHS Freckenhorst, Warendorf, 21.08–02.09.2022, 29.08.2022
  • „…mit zahlreichen Cupfern untermenget“. Intermedialität im Manuskript und in den Editionen des Zwettler Codex 420 (ca. 1770-1779), Krems an der Donau, Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit (IMAREAL), Universität Salzburg, Tagung Transmedial - Digital, Potenziale aktueller Ansätze in der Forschung zu Bild und Text in der Vormoderne, 4.-5. November 2021.
  • Koalition und Konflikt in der Contact Zone. Kommunikation und Aushandlungsprozesse im Bericht Florian Pauckes (1719–1780), Vortrag im Forschungskolloquium Frühe Neuzeit des Seminars für Mittlere und Neuere Geschichte, Universität Göttingen, 01.06.2021
  • Gott schmecken in allen Dingen. Essenspraktiken zwischen Differenzerfahrung und Begegnung bei Florian Paucke SJ (1719–1780), Vortrag im Oberseminar des Arbeitsbereichs Europäische Geschichte, Universität Hamburg, 29.04.2021
  • Language acquisition, communication, and religious concepts in Florian Paucke’s SJ (1719-1780) missionary report, Hagen, FernUniversität Hagen, Historisches Institut, Workshop Defining Missionary Knowledge, 21.01.2021.
  • Hybrid Markers of Distinction? Florian Paucke’s S.J. Reflections on Clothing, Tübingen, 7th Cambridge-Tübingen Workshop in Early Modern Religious History: Encountering Religious and Ethnic Diversity: Practices, Petitions and the Production of Knowledge, 14.–15. September 2020.
  • There and Back again. Florian Paucke’s (1719-1780) Jesuit Missionary Report revisited, Cambridge, St. John’s College 6th Cambridge-Tübingen Workshop on the history of religion in the medieval and early modern world, 2.-3. September 2019.
  • Hin und Her. Sprachliche und kulturelle Übersetzungsprozesse in Spanischamerika und Europa bei Florian Paucke S.J. (1719–1780), Vortrag im Rahmen des Lehrstuhl-Retreats der Neueren Geschichte, Universität Tübingen, 18.–20.07.2019„Hätte ich mir die Hoffnung gemacht, einmahl wiederum Europa zu sehen, so hätte ich meine Notaten Feder nicht so unsorgfältig verwesen lassen“ – Praktiken des Schreibens im Reisebericht des Florian Paucke SJ (1719–1780), Vortrag im Rahmen des Lehrstuhl-Retreats der Neueren Geschichte, Universität Tübingen, 11.–12.07.2019
  • Über-setzung in die Reduktion. Darstellung und Funktion von Grenzen im Bericht Florian Pauckes SJ 1719-1780, Paris, Deutsches Historisches Institut (DHIP) Sommeruniversität Perceptions et représentations des frontières et des espaces frontaliers au Moyen Âge et à l’époque moderne (IXe-XVIIIe siècles) / Wahrnehmungen und Darstellungen von Grenzen und Grenzräumen in der Vormoderne (9.-18. Jahrhundert), 21.-24. Mai 2019.

Lehrveranstaltungen

Wintersemester 2018/19

Übung

Hin und Her. Sprachliche und kulturelle Übersetzungsprozesse im Reisebericht des Jesuiten Florian Paucke.

Archiv

  • WiSe 2012-SoSe2014: Tutorium zum Proseminar I der Germanistischen Mediävistik.
  • SoSe 2018: Übung Instauratio Magna. Eine Einführung in die neuere Wissensgeschichte der Frühen Neuzeit.