Osteuropäische Geschichte und Landeskunde

Dr. Sabina Ferhadbegović

Lehrbeauftragte

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Tribunale. Kriegsverbrechenprozesse im sozialistischen Jugoslawien

Im Mittelpunkt des Projekts steht der jugoslawische strafrechtliche und narrative Umgang mit Kriegsverbrechen nach dem Zweiten Weltkrieg. Ziel ist es, aktuell dominierende Betrachtungen jugoslawischer Nachkriegsjustiz allein aus der Perspektive der Retribution zu überwinden. Bei den Nachkriegsprozessen ging es um weit mehr als darum, mit ehemaligen und zukünftigen Gegnern abzurechnen. Sie sollten zum einen der Bewältigung von Kriegs- und Bürgerkriegsfolgen dienen und die Integration der gespaltenen jugoslawischen Gesellschaft vorantreiben. Zum anderen waren die Militärgerichte das Experimentierfeld für die Erprobung und Entwicklung des Konzepts der revolutionären Justiz und des sozialistischen Strafrechts. Bis zum Zweiten Weltkrieg partizipierten jugoslawische Rechtswissenschaftler an internationalen Diskussionen um die Entwicklung des Kriegsvölkerrechts. Wie kamen die jugoslawischen Kommunistinnen und Kommunisten aber zu ihrem Recht? Welche tradierten Auffassungen, revolutionäre Utopien und internationale Entwicklungen beeinflussten deren Ausformulierung rechtlicher Normen im Umgang mit Kriegsverbrechen? Im Fokus stehen daher unterschiedliche, zum Teil gleichzeitig ablaufende Entwicklungen: Der Übergang vom (Bürger-)Krieg zum Frieden, die kommunistische Machtübernahme, die Partizipation jugoslawischer Juristen an internationalen Diskussionen um das Völkerstrafrecht und die Entstehung neuer Institutionen zur Ahndung von Kriegsverbrechen.


seit Oktober 2016
Projektleitung

DFG-Projekt „Tribunale. Kriegsverbrecherprozesse im sozialistischen Jugoslawien“

seit Oktober 2010
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Friedrich-Schiller-Universität Jena, Imre Kertész Kolleg

2007 – 2010
Wissenschaftliche Koordinatorin

Universität Konstanz, Exzellenzcluster 16 „Kulturelle Grundlagen von Integration“

2006 – 2007
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Stabstelle Sozialplanung, Landeshauptstadt Stuttgart

2003 – 2006
Promotion

an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg in Neuerer und Osteuropäischer Geschichte, Thema: Die Selbstverwaltung der Distrikte im Jugoslawien der Zwischenkriegszeit

Ämter, Mitgliedschaften, Stipendien

 

Mitglied der SOG (Südosteuropa-Gesellschaft, München)

 

Mentorin der Friedrich-Ebert-Stiftung

01/2002 - 01/2006 Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung

Forschungsschwerpunkte

  • Geschichte Südosteuropas
  • International criminal law
  • Jugoslawien
  • Islam auf dem Balkan
  • Bürgerkriege
  • Staatlichkeit

Publikationen

Monographien

  • Prekäre Integration. Serbisches Staatsmodell und regionale Selbstverwaltung in Sarajevo und Zagreb 1918-1929, München 2008 (Südosteuropäische Arbeiten, Bd. 134).

Herausgeberschaften

  • Bürgerkriege erzählen. Zum Verlauf unziviler Konflikte, hg. zus. mit Brigitte Weiffen, Konstanz 2011.

  • Statehood. The Routledge history handbook of Central and Eastern Europe in the twentieth century, hg. zus. mit  Włodzimierz Borodziej und Joachim von Puttkamer, New York 2019.

Aufsätze (die letzten 5)

  • Projections and representations of statehood, in: Włodzimierz Borodziej, Sabina Ferhadbegović und Joachim von Puttkamer (Hg.): Statehood. The Routledge history handbook of Central and Eastern Europe in the twentieth century, New York 2019, S. 1–40.
  • "Vor dem Gericht des Volkes". Das Lager Jasenovac in den ersten jugoslawischen Kriegsverbrecherprozessen, in: Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland 19 (2019), S. 51–64.

  • Die verschwiegene Division. Die Kontroverse um die 13. Waffen-SS-Division (Handschar) in Bosnien-Herzegowina, in: Jan Erik Schulte und Michael Wildt (Hg.): Die SS nach 1945. Entschuldungsnarrative, populäre Mythen, europäische Erinnerungsdiskurse, Göttingen 2018, S. 361–380.

  • Der Prozess gegen Alojzije Stepinac, in: Kurt Groenewold, Alexander Ignor und Arnd Koch (Hg.): Lexikon der Politischen Strafprozesse.

  • Keine Wahl? Die Soldaten der Handschar-Division in Kriegsgefangenenprotokollen, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 65 (2017) 7/8, S. 657–672.

Lehrveranstaltungen (Auswahl)

  • Vor dem Gericht des Volkes: Jugoslawische Kriegsverbrecherprozesse 1943-1948 (im WiSe 2020/2021)

  • „Londoner Statut“ und die Kriegsverbrecherprozesse in Südosteuropa

  • Shoah und das Recht

  • Der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess

  • Die United Nations War Crimes Commission und die Ahndung von NS-Verbrechen