Prof. Dr. Doreen Bryant

Dramapädagogische Sprachförderung

finanziert durch die Stadt Tübingen, 2011-2017

Publikationen:

Bryant, D. (eingereicht) Formfokussierung im szenischen Spiel. Dramagrammatisch zu konzessiven Konnektoren. In: Tagungsband der 44. Jahrestagung Deutsch als Fremd- und Zweitsprache 2017 in Berlin, Göttingen: Universitätsverlag.

Bryant, D. & Rummel, S. (2015). Nachhaltige dramapädagogische Sprachförderung für Grundschulkinder mit DaZ. Ein durchgängiges Förderkonzept: Vom außerschulischen Ferien-Theatercamp zur fachsensiblen Sprachförderung in schulischer Theater-AG. Scenario – Zeitschrift für Drama- und Theaterpädagogik in der Fremd- und Zweit­sprachen­vermittlung 2015 (2), 7-36.

Bryant, D. (2013). Das Tübinger Theatercamp als Lehr-, Lern- und Forschungsplattform. Zeitschrift für Theaterpädagogik 63, 36-38.

Batzel, A., Bohl, T. & Bryant, D. (2013). Evaluation des Tübinger Theatercamps "Stadt der Kinder" - Ein Ferienprojekt zur Förderung von Sprache und sozialer Kompetenz. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.

Bryant, D. (2012). DaZ und Theater. Der dramapädagogische Ansatz zur Förderung der Bildungssprache. Scenario – Zeitschrift für Drama- und Theaterpädagogik in der Fremd- und Zweitsprachenvermittlung 2012 (1), 27-55.

Theatercamp 2015 mit Nachhaltigkeitskonzept

Nach dem zweiwöchigen Theatercamp für Grundschulkinder mit Sprachförderbedarf und der erfolgreichen Aufführung am 5. Juni 2015 werden gerade an drei zentralen Schulorten (Südstadt, Weststadt/Innenstadt, Nordstadt) Theater-AGs eingerichtet, um die Kinder auch weiterhin in ihrer sprachlichen Entwicklung zu unterstützen. Mit einer solchen Anschlussförderung kann es gelingen, die Nachhaltigkeit der im Camp erzielten Fördereffekte zu sichern und die im Camp gewonnenen positiven Einstellungen gegenüber Sprache und Schrift in den Schulalltag zu transferieren.

Die Kinder, die in den Pfingstferien 2015 die Klasse 2 besuchten, werden nach dem Camp zwei weitere Jahre gefördert, die Kinder der Klasse 3 mindestens ein Jahr. In einem solchen Förderzeitraum ist es möglich, systematisch die Sprachkompetenz aufzubauen und die Grundschüler auf die bildungssprachlichen Anforderungen der Sekundarstufe I vorzubereiten.

Im Rahmen der Theater-Arbeitsgemeinschaften wird methodisch in gleicher Weise vorgegangen wie im Camp. Auch hier werden Phasen der expliziten Sprachvermittlung und Reflexion in den dramapädagogischen Prozess integriert. Zudem sollen ganzheitlich und handlungsbegleitend konkrete Inhalte einzelner Schulfächer erarbeitet und inszeniert werden.

Die Theater-AGs werden durchgeführt und wissenschaftlich dokumentiert von Sophie Rummel, Mitarbeiterin und Doktorandin am Lehrstuhl für Germanistische Linguistik/Deutsch als Zweitsprache.

Dazu ein Artikel des Schwäbischen Tagblatts vom 05.06.2015:

Der Sprache auf der Spur


Nachhaltigkeitskonzept bewilligt

Das Tübinger Sprachcamp wird in den Pfingstferien 2015 zum dritten Mal stattfinden. Gefördert werden ca. 60 Schüler und Schülerinnen mit Migrationshintergrund und/oder mit Sprachförder­bedarf.

Im Oktober 2014 tagten der Ausschuss für Kultur, Bildung und Soziales und auch der Gemeinderat der Stadt Tübingen, um über das von Prof. Doreen Bryant vorgelegte Nachhaltigkeitskonzept zu beraten. Das Konzept zeigt Wege auf, wie die im Camp gewonnenen positiven Einstellungen gegenüber Sprache und Schrift in den Schulalltag transferiert werden können. Sowohl im Ausschuss als auch im Gemeinderat wurde das Konzept einstimmig angenommen. Das ist ein wirklich großer Erfolg und Vertrauensbeweis von Seiten der Community für unsere Arbeit im Bereich Deutsch als Zweitsprache. Das Nachhaltigkeitskonzept wird nun finanziell unterstützt, und zwar zunächst mit 65.300 Euro (für zweieinhalb Jahre). Damit können wir eine Mitarbeiterin/ Doktorandin einstellen, die das Projekt durchführt und wissenschaftlich dokumentiert.

Im Vergleich zu ähnlichen anderenorts stattfindenden Theaterprojekten lassen sich bezugnehmend auf die Sprachförderung für das Tübinger Theatercamp mindestens drei Herausstellungsmerkmale nennen:

(i) Einteilung der Gruppen nach Sprachstand zur entwicklungsproximalen Sprachförderung

(ii) Verknüpfung expliziter und impliziter Sprachförderung

(iii) systematischer Aufbau / Ausbau bildungssprachlicher Fähigkeiten

Für das Tübinger Theatercamp wurde ein dramapädagogisches Sprachförderkonzept entwickelt, das einerseits kindgerecht motivierend wirkt und andererseits versucht, den besonderen Ansprüchen von Kindern mit Deutsch als Zweitsprache (DaZ) gerecht zu werden. Unser Sprachförderkonzept führt (eingebunden in die Szenen­erarbeitung für das Theaterstück) syste­matisch an die sprachlichen Anforderungen der Schule heran. Bildungssprachlicher Wortschatz und bildungssprachliche Strukturen sind Voraussetzung um erfolgreich am Bildungssystem teilhaben zu können.

Es liegen bereits einige wissenschaftliche Abschlussarbeiten vor, die die sprachmotivierende und sprachbildende Wirkung unserer Methode dokumentieren. Durch die Berücksichtigung des Sprach­levels bei der Gruppeneinteilung gelingt es auch jene Kinder zum Sprechen, Lesen, Schreiben und Theaterspielen zu motivieren, die sich sprachbedingt in ihrer Schulklasse oft überfordert und ausgegrenzt fühlen. Besonders beeindruckend ist es zu erleben, wie Kinder, bei denen sich infolge negativer schulischer Erfahrungen bereits eine starke Abwehrhaltung gegenüber Text und Schrift ausgebildet hat, im Sprachcamp zu begeisterten Redenschreibern und -vorlesern avancieren und wie sie sich bemühen, ihre neu entdeckten Fähigkeiten weiterzuentwickeln.

Nachdem sich das Tübinger Theatercamp in zwei Durchläufen als Sprachförderkonzept bewährt hat und vom Gemeinderat aufgrund der positiven Evaluation bereits 2012 eine Verstetigung dieses Ferienangebots beschlossen wurde, bestand die nächste Herausforderung darin, die Nachhaltigkeit der Fördereffekte zu sichern und die im Camp gewonnenen positiven Einstellungen gegenüber Sprache und Schrift in den Schulalltag zu transferieren. Prof. Bryant hat ein entsprechendes Nachhaltigkeitskonzept entwickelt und der Stadt Tübingen vorgelegt.

Um die theaterpädagogische Sprachförderarbeit nach dem impulsgebenden und die Kinder für Sprache begeisternden Ferienprojekt fortzuführen, sollen künftig an drei Schulen Theater-AGn etabliert werden, und zwar an folgenden drei zentralen Standorten: Südstadt (Hügelschule), Weststadt/Innenstadt (Aischbachschule), Nordstadt (Grundschule WHO). Im Rahmen der Theater-AGn wird methodisch in gleicher Weise vorgegangen wie im Theatercamp. Auch hier werden Phasen der expliziten Sprachvermittlung und Reflexion in den dramapädagogischen Prozess integriert.


Stadt der Kinder - Pfingstcamp 2013

Ein Theaterprojekt zur Sprachförderung für Kinder mit Migrationshintergrund
in den Pfingstferien, 21. - 31. Mai 2013

19 Studierende des B.A.-Studiengangs "Deutsch als Zweitsprache - Sprachdiagnostik und Sprachförderung" fördern über einen Zeitraum von 9 Tagen 65 Kinder der Klassenstufen 1 bis 5 in ihrer sprachlichen Entwicklung. Die Sprach-förderung erfolgt unter Anwendung einer speziellen für Grundschulkinder mit DaZ entwickelten dramapädagogischen Methode, die implizite und explizite Sprachvermittlung verknüpft und in den Kontext von Szenenarbeit einbettet.

 

 

 

 

 

Die Kinder sind entsprechend ihres zuvor ermittelten Sprachentwicklungsstandes in sechs relativ homogene Gruppen aufgeteilt und können so optimal gefördert werden. Jeweils drei Studierende sind verantwortlich für eine Gruppe von ca. 10 Kindern. Übergeordnetes Ziel des Projekts ist die Heranführung an bildungssprachliche Strukturen, die man benötigt, um die Ausführungen des Lehrers und insbesondere Schulbuchtexte besser verstehen zu können. Die gesamte Arbeit am Theaterstück (mit der gemeinsamen Erschließung, Verdichtung und Modifizierung von Texten, dem Versprachlichen von Emotionen und Bildern, dem Schaffen imaginärer Welten durch Worte usw.) bietet hierfür ein ideales sprachbildendes und sprachmotivierendes Setting.

Dazu zwei Artikel aus dem Schwäbischen Tagblatt:

29.05.2013: Das Geheimnis der Glücklichen

11.5.2013: Hüttenbau zum Spracherwerb


Stadt der Kinder - Pfingstcamp 2011

Ein Theaterprojekt zur Sprachförderung für Kinder mit Migrationshintergrund
in den Pfingstferien, 14.06.-24.06. 2011

 

Etwa zwei Jahre Planung und Vorbereitung gingen dem Integrationsprojekt voraus. Kooperationspartner der Stadt Tübingen, des Landestheaters, internationaler Vereine und der Universität Tübingen erarbeiteten zusammen die Projektkonzeption, welche mit Hüttenbau, Freizeitpädagogik, Theater und Sprachförderung vier eng miteinander verwobene Komplexe vorsah. Geleistet wurde die ins Gesamtkonzept eingebundene Sprachförderung von 18 Studierenden des Deutschen Seminars der Universität Tübingen. Sie betreuten insgesamt 66 Kinder mit Sprachförderbedarf.

Im Rahmen mehrerer Lehrveranstaltungen, in denen linguistische, ontogenetische, sprachdidakti-sche, theaterpädagogische und sozialpädagogische Inhalte vermittelt wurden, bereiteten sie sich auf die Konzipierung und Durchführung von Sprachfördereinheiten im Kontext von Theaterspiel vor.

Mit diesem Projekt bot sich uns die Möglichkeit ein Lehrkonzept für Studierende (angehende Deutsch-lehrerInnen und DaZ-Sprachförderkräfte) zu entwickeln und zu erproben, das zum einen Theorie und Praxis verknüpft und dabei eine Brücke zwischen Universität und Community schlägt und zum anderen die Studierenden in den Forschungsprozess einbindet. Das übergeordnete Ziel bestand darin, gemeinsam ein auf die spezifischen Bedürfnisse von Grundschulkindern mit DaZ zugeschnittenes dramapädagogisches Sprachförderkonzept zu entwickeln, anzuwenden, zu evaluieren, gegebenenfalls zu modifizieren und zu publizieren. Derzeit befinden wir uns in der letzten Phase: Zehn der projektinvolvierten Studierenden arbeiten mit Prof. Dr. Doreen Bryant im Rahmen eines Forschungskolloquiums an der Publikation Das Tübinger Sprachförderkonzept: Explizite Sprachvermittlung im dramapädagogischen Kontext für Grund-schulkinder mit DaZ. Sprachfördereinheiten mit Anleitung für LehrerInnen und ErzieherInnen.