Prof. Dr. Dorothee Kimmich

Das ästhetische Konzept der Ähnlichkeit in surrealistischer Literatur und Kunst

Das Dissertationsprojekt Ähnlichkeit als ästhetisches Konzept der Moderne – an Beispielen aus Literatur und Kunst des Surrealismus (Arbeitstitel) untersucht den programmatischen Umgang einiger Texte, Bilder und Konzepte aus dem Umkreis des Surrealismus mit Denkfiguren des Ähnlichen. Dabei soll ein explizit interdisziplinärer Ansatz vor allem literaturwissenschaftliche und kunsthistorische bzw. text- und bildwissenschaftliche Fragestellungen vermitteln.

Dass Moderne und Ähnlichkeit zumeist als widersprüchlich wahrgenommen werden, zeigt sich besonders deutlich an antimimetischen Tendenzen der Ästhetik und avantgardistischen Polemiken gegen Realismus und Repräsentation. So richtet sich etwa André Bretons Kritik am Realismus als bloße Kopie des Wirklichen im ersten Manifest des Surrealismus und in seiner Introcudtion sur le peu de Réalité zugleich gegen eine rational zugerichtete Wirklichkeitsauffassung – die Integration des Unbewussten, Imaginären und Wunderbaren als „die durchdringendste, schärfste Realität, die es gibt“ (Carl Einstein) fordernd – und gegen das mimesistheoretische Erbe der Realismustheorien, das Kunst auf imitierende Nachahmung verpflichtet: „Nulle poésie se doit louer pour accomplie si elle ne ressemble la nature“ (P. de Ronsard: „Vorwort zu den Oden“, 1550).

Scheint so zunächst mit Mimesis und Realismus auch die Ähnlichkeit aus der surrealistischen Kunstpraxis ausgetrieben, geht sie doch weder in der Nachahmungsrelation noch einem simplen Realismuskonzept auf: Das Dissertationsprojekt analysiert, wie Ähnlichkeit in kritischem Anschluss an eine lange und variable ästhetisch-epistemologische Tradition der 'Ästhetik des Ähnlichen' in Verfahren syntaktisch-semantischer Relationierung und analogischen, metaphorischen, metamorphotischen, mimikrytheoretischen und simulacralen Konzeptionen als Ausdruck eines surrealistisch erweiterten mimetisch-epistemologischen Weltverhältnisses und als reflexiv-konstruktives Instrument einer Arbeit an Repräsentation und Form rekonzeptualisiert wird. Entgegen diverser auf Differenz und Unähnlichkeit in modernen ästhetischen Konzeptionen konzentrierter Forschungsthesen akzentuiert die Arbeit gerade die darin deutlich werdende spezifisch moderne 'Konjunktur' der Ähnlichkeit.

Im Zusammenhang mit dem Thema der Dissertation u.a. Teilnahme an der 6. Internationalen Konferenz des EAM: „Realismen der Avantgarde“ (5.-7.9.2018, Universität Münster), am CIERA- Kolloquium „Romantisme et Surréalisme. Eine Wahlverwandtschaft/Une affinité elective?“  (18.-19.3.2016, Lyon II), an der 4. Internationalen Sommerakademie des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung Berlin: Von der Spur zum Bild. Zur Theorie und Geschichte der Bildgebung (21-26.09.2014) und an dem Herbstkurs Einführung in die Wissenschaftssprache Französisch für KunsthistorikerInnen am Deutschen Forum für Kunstgeschichte Paris (14.-22.09.2015).