Prof. Dr. Dorothee Kimmich

Dissertationsprojekt

Die edition suhrkamp – eine Kultur der Kritik


Von der edition suhrkamp wird gesagt, dass sie „für das kritische Bewußtsein in Deutschland stand, mitformte am geistigen Klima der Zeit“ (U. Bugmann: Die Zeit abbilden und formen. Neue Luzerner Zeitung, 30. Juni 2000). Mit ihrem unverwechselbaren Äußeren wurde sie zu einer der bekanntesten Taschenbuchreihen der 1960er und frühen 1970er Jahre, Inbegriff der sogenannten „Suhrkamp-Kultur“. Der kritische Anspruch der Reihe, der seither immer wieder herausgestrichen wird, ist jedoch noch nicht systematisch untersucht worden. Hier setzt meine Dissertation an: Ausgehend von einer Untersuchung der Reihe selbst soll das Kritikkonzept der edition suhrkamp in den Blick genommen werden.
Die Kritik, die sich mit der edition suhrkamp verbindet, soll im Rahmen der Arbeit als ‚Kulturkritik‘ verstanden und damit stärker konturiert werden. Wird dieses Kritikkonzept jedoch allein anhand einer Analyse der publizierten Texte dieser Buchreihe erarbeitet, lässt es sich kaum hinreichend erklären: Nur, wenn auch die Autoren, Lektoren, der Verlag, die Rezensenten und Leser, Image und äußere Form der Reihe (Design, Format) sowie evtl. sogar externe Faktoren wie das politisch-kulturelle Umfeld in Frankfurt am Main in einem ausreichenden Maß mitberücksichtigt werden, kann die in der und durch die edition suhrkamp zum Ausdruck kommende Kulturkritik wirklich erfasst werden. Diese vielfältigen Faktoren und ihre Vernetzung untereinander sollen als eine „Kultur der Kritik“ verstanden werden.
Indem die Kritik der es intensiver in den Blick genommen wird, ihre Themenfelder, Topoi und Argumentationen ebenso wie ihre Akteure identifiziert und analysiert werden, wird nicht nur ein Beitrag zur Buchgeschichte oder zur Programmgeschichte des Suhrkamp Verlags geleistet, sondern vor allem ein Kritikverständnis historisch verortet und kontextualisiert. Damit ergibt sich ein enger Zusammenhang dieser Arbeit mit ideen- und kulturgeschichtlichen Arbeiten zur frühen BRD.

Die Arbeit entsteht im Rahmen des Suhrkamp-Forschungskollegs im Deutschen Literaturarchiv Marbach.