Prof. Dr. Jörg Robert

Christiane Baur

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Projektbeschreibung

Gottfried Benn nach 1945

Der Arzt und Autor Gottfried Benn (1886–1956) hat mehrere politische Systeme erlebt - die Monarchie des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II., die Jahre der Weimarer Republik, die NS-Diktatur und schließlich die Demokratie der Adenauer-Ära. Dabei kann er als ein am Zeitgeschehen stets partizipierender bzw. dieses kritisch beobachtender Intellektueller gelten, der sich in seinen essayistischen wie literarischen Werken, hier gerade in seiner Prosa, mit tagespolitischen Entwicklungen genauso wie mit wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Neuerungen beschäftigt. Tatsächlich findet auch in der Realität zwischen Benn und dem geistigen Umfeld des neuen Deutschlands ein reger Austausch statt. Er selbst stilisiert sich dennoch zum einsamen Intellektuellen, der aufgrund seiner Geschichte vom literarischen Kreis ausgegrenzt wird. Diese Doppelrolle, auf der einen Seite die selbstzugeschriebene Position des einsamen Stoikers, auf der anderen Seite die tatsächliche Rolle des am intellektuellen Alltag der jungen Bundesrepublik partizipierenden Autors ist Gegenstand der Arbeit. Im Zentrum soll somit die Analyse der literarischen Wechselwirkungen von Benns Prosa mit den Werken anderer zeitgenössischer deutscher Schriftsteller und Philosophen stehen.

Bislang setzte die Wissenschaft Schwerpunkte im Bereich der frühen Lyrik Benns; vor allem sein Morgue-Zyklus (1912) wurde intensiv erforscht. Auf literatursoziologischer bzw. biographischer Ebene standen Benns Verstrickungen in den Nationalsozialismus im Fokus. Die Bedeutung des Autors im literarischen und gesellschaftlichen Leben der neuen Bundesrepublik der Nachkriegszeit ist bis dato kaum Gegenstand einschlägiger, monographischer Forschungsarbeiten gewesen. Das Dissertationsprojekt will anhand der späten Prosa Benns einen Beitrag dazu leisten, diese noch bestehende Lücke in der Benn-Forschung zu schließen.

Die Arbeit ist interdisziplinär ausgerichtet und wird sich auf den Feldern der Literaturwissenschaft, der Soziologie und der Geschichtswissenschaft bewegen.

Das Grobziel der Arbeit wird sein, das prosaische Spätwerk Benns, das bis dato in der Wissenschaft eher ein Randdasein geführt hat, mehr in die aktuelle Forschung zu integrieren.