Anne-Sophie Renner

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Projektbeschreibung

Schiller und das Andere der Autonomieästhetik

Ziel des Projektes ist es, zentrale Aspekt der so genannten ‚Autonomieästhetik’ um 1800 kritisch im Hinblick auf das Werk Friedrich Schillers zu hinterfragen. Ausgangspunkt ist die paradoxe Beobachtung, dass gerade die Formulierung einer Autonomieästhetik nur innerhalb des Kunstwerkes selbst erfolgen kann, da ihm jede vorgängige Norm und Theorie inkommensurabel sein muss. Das Konzept der Kunstautonomie geht auf Karl Philipp Moritz zurück, der das Kunstwerk als ein „in sich selbst Vollendetes“ sowie als „ein in sich Ganzes“ beschreibt, welches dem Menschen „um seiner selbst Willen Vergnügen gewährt“ (Moritz, S. 226). Wie Moritz, so spricht auch Immanuel Kant dem Kunstwerk jegliche Zweckverbindung ab. In seiner Kritik der Urteilskraft beschreibt er das Schöne als „Form der Zweckmäßigkeit eines Gegenstandes, sofern sie, ohne Vorstellung eines Zwecks, an ihm wahrgenommen wird“ (Kant, S. 319). Demnach ist das Kunstwerk um seiner selbst willen schön, es ist autonom. In der Nachfolge Kants greift Schiller den Begriff der Autonomie auf und erhebt diesen – zunächst in den an Kant ausgerichteten Kallias-Briefen (1793) – zum Leitparadigma der Kunst. Schönheit wird jetzt definiert als „Freiheit in der Erscheinung“. Autonomie wird zum Signum des Schönen. Gerade in diesem Postulat liegt jedoch die Voraussetzung dafür, dass das Programm des Kunstwerks nur mehr einer impliziten Ästhetik zugänglich sein kann. Gleichzeitig distanziert sich Schiller ab 1795 von der Autonomieästhetik. Das Konzept eines transzendentalen ästhetischen Autonomiebegriffs wird zugunsten einer evolutionären und kultur-anthropologischen Ableitung des Schönen aufgegeben (Vgl. Ueber naive und sentimentalische Dichtung). Das Dissertationsprojekt Schiller und das Andere der Autonomieästhetik zielt darauf, eine implizite Ästhetik der Autonomie in Schillers Werk aufzudecken. Materialbasis ist ein Querschnitt durch zentrale Gattungen und Texte der klassischen Periode. Anhand der Ballade Die Kraniche des Ibykus, des lyrischen Werkes Das Lied von der Glocke, des Briefwechsels, der Dramenfragmente und der klassischen Dramen soll das herausgearbeitet werden, was Schiller selbst seine „praktische Theorie“ der Dichtkunst nennt – im Gegensatz zur „Metaphysic“ der Kunst, wie sie die idealistischen Ästhetiken Kants oder Schellings zeitgleich repräsentieren. Diese „andere Ästhetik“ zieht sich nun in das Werk selbst ein und verweigert die Auskunft über ihre theoretischen Prämissen. Der klassische Schiller fasst Dichtung entschieden als „Poiesis“: als ein Handwerk, das im Rückgriff auf Aristoteles einerseits und die Biologie andererseits ausgelotet wird. Was bleibt sind Bilder des organischen Kunstwerks: die Knospe, das punctum saliens u.a.