Timo Stahlkopf

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Projektbeschreibung

Religiöses Wissen und Naturwissenschaft im Werk Friedrich Gottlieb Klopstocks

Die religiös motivierte Lyrik Friedrich Gottlieb Klopstocks steht im Spannungsfeld von religiösem Wissen und naturwissenschaftlicher Erkenntnis. Die Dissertation beschäftigt sich mit der Frage, wie jenes religiöse Wissen, das im 18. Jahrhundert noch selbstverständlich zur Weltdeutung herangezogen wird, mit Thesen, Methoden und Erkenntnissen einer ‚neuen‘ Naturwissenschaft verbunden wird. Ferner soll untersucht werden, wie insbesondere kosmologische Fragestellungen, die aufgrund der empirisch-induktiven Methoden der Naturwissenschaften zunehmend seriös diskutiert werden konnten und die zunächst einmal im partiellen Widerspruch zum religiös-tradierten Wissen stehen, im Werk Klopstocks assimiliert werden. In diesem Zusammenhang geht die Arbeit der Frage nach, welche Transfer- und Transformationsprozesse sich in der Dichtung Klopstocks identifizieren lassen, die der sich anbahnenden Ausdifferenzierung von Natur- und Geisteswissenschaften widerstreben. Die Arbeitshypothese lautet dahingehend, dass das durch die gesamte frühe Neuzeit handlungsleitende religiöse Wissen keineswegs einfach von den ‚neuen‘ Naturwissenschaften verdrängt und im Zuge der Säkularisation obsolet wird. Anhand der Dichtung Klopstocks soll vielmehr gezeigt werden, wie sich die Literatur des 18. Jahrhunderts gerade darum bemüht, das phänomenal Neue der naturwissenschaftlichen Erkenntnis mit bekannten Narrativen des kulturellen und religiösen Wissens zu erzählen und so zu erklären. Dabei steht gleichsam die Frage im Fokus des Interesses, wie Literatur in einer zunehmend disparater werdenden Welt produktive Sinnstiftung leisten kann, indem sie eine religiöse Deutung eben jener naturwissenschaftlichen Erkenntnisse unternimmt. Ich frage in diesem Zusammenhang nach Dynamisierungsprozessen, die durch die Korrelation von Offenbarungswissen, religiösem Wissen und zeitgenössischer Naturwissenschaft produktiv auf die einzelnen Komplexe zurückwirken und so zur Herausbildung einer modernen Wissensgesellschaft beitragen.