Klassische Romantik - Schiller und Italien

7.-10. November 2016 in der Villa Vigoni

Leitung: Prof. Dr. Jörg Robert (Tübingen) und Dr. Francesco Rossi (Pisa)

Im Kontext der deutschen Italienliteratur und -rezeption um 1800 scheint Friedrich Schiller kaum mehr als eine Nebenrolle zu spielen. Anders als Goethe hat er Italien nie gesehen, auch wenn Pläne zu einer römischen Reise offenbar bis zuletzt erwogen wurden. Dennoch hat sich Schiller kontinuierlich mit der realen und imaginären Topographie Italiens beschäftigt. Die italienischen Schauplätze der Dramen und Romane (Fiesco, Die Braut von Messina) sind dabei Teil einer differenzierten Analyse der italienischen Geschichte und Kultur. Schon im Geisterseher-Roman ist die Italienrezeption mit der Glaubens- und Konfessionsfrage eng verbunden: Bei aller antikatholischen Polemik (jesuitische Verschwörung) ist Italien auch das gelobte Land der Kunst, der Katholizismus die Kunstreligion schlechthin. Dieser „ästhetische Katholizismus“ (W. Braungart) steht bei Schiller im Zusammenhang einer ambivalenten ‚Rehabilitierung der Sinnlichkeit‘: Das Kunstland Italien ist wie die „schöne Welt“ der klassischen Antike ein klassischer Sehnsuchtsraum, ein Raum erfüllter Sinnlichkeit oder sinnlicher Erfüllung. Daneben tritt ein zweiter Bereich, der um das Konzept des Romantischen zentriert ist. Schillers Italien-Rezeption ist vor allem Teil einer Debatte um das Klassische und das Romantische: In den 1790er Jahren entwickelt Schiller das Projekt einer ‚anderen‘, ‚klassischen Romantik‘, das in den Auseinandersetzungen mit den Jenaer Frühromantikern literaturpolitischen Nachdruck gewinnen wird. Für diesen Entwurf spielen Italien und die italienische Literatur (z. B. der romanzo in der Tradition Ariosts und Tassos) eine bedeutsame Rolle.
Der Blick auf diese in der Forschung selten beachteten Italien-Bezüge soll dazu beitragen, das Konzept des Klassischen bei Schiller neu zu konturieren. Antike und Moderne, deutsche, klassische und romanische Traditionen werden in spannungsvollen Synthesen verschmolzen. Man kann von einer hybriden Klassik sprechen, in der das Romantische stets den Gegenpol der Antikenrezeption darstellt. Mit ihr nimmt Schiller wesentliche Aspekte des frühromantischen Literaturprogramms im Jenaer Kreis um Friedrich Schlegel und Novalis vorweg. Im Zentrum des Kolloquiums steht die Arbeit an den Texten bzw. Kontexten, in denen sich unmittelbar Schillers Rezeption italienischer Kunst und Kultur als Diskurselement greifen lässt.


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