Prof. Dr. Jörg Robert

Projekte

Autorinnen im Europa des 17. und 18. Jahrhunderts – Auswahledition der Werke Christiana Mariana von Zieglers

(Fonte-Stiftung, Berlin)

Projektbeschreibung

Christiana Mariana von Ziegler (1695-1769) ist eine der bedeutendsten und zugleich faszinierendsten Autorinnen der deutschen Frühaufklärung. Im Leipziger Romanushaus führte sie nach französischem Vorbild einen mondänen Salon, in dem sich die intellektuelle Elite der Stadt regelmäßig einfand. Bald erlangte sie Anerkennung als dame de lettre und dame savante, wobei ihr Status über den einer angesehenen Salondame weit hinausging. 1733 wurde sie auf Bestreben Gottscheds von der Universität Wittenberg zur Poeta Laureata promoviert. Offensiv argumentiert sie für Frauenbildung und naturrechtliche Gleichheit der Geschlechter. Als Übersetzerin, Lyrikerin und Verfasserin von ästhetischen und politischen Abhandlungen reichte ihre Prominenz weit über die Grenzen Leipzigs hinaus. Als Gelehrte, begabte Musikerin sowie als Organisatorin gesellschaftlicher Interaktion drängte sich bei den Zeitgenossen der Vergleich mit Madeleine de Scudéry auf, deren Conversations Morales Ziegler auch übersetzte (Der Mad. Scudéry Scharfsinnige Unterredungen, von Dingen 1735).

Im Rahmen des Projekts werden die Texte Zieglers in einer repräsentativen Auswahl erstmals editiert und Fachpublikum sowie einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht, in denen die emanzipatorische, selbstbewusste Haltung der Autorin besonders deutlich wird. Hierfür bieten sich die essayistischen Texte aus der Sammlung Moralische und vermischte Sendschreiben: an einige Ihrer vertrauten und guten Freunde gestellet (Leipzig 1731) an. Vehement tritt Ziegler hier für die Bildung und das Studium von Mädchen und Frauen ein, aber auch in ästhetischen Fragen bezieht sie eigenständig Stellung – z.B. als Verteidigerin der Oper, die ihr Förderer Gottsched scharf ablehnte. Flankiert werden sollen diese Texte durch ausgewählte Lyrik, z.B. die satirischen Gedichte Das männliche Geschlechte, im Namen einiger Frauenzimmer besungen und Lob des weiblichen Regimentes sowie die Ode Als die gelehrte Laura Maria Catharina Bassi in Bologna den Doctorhuth erhielt, das auf ein Aufsehen erregendes, zeitgenössisches Ereignis in Italien Bezug nimmt.

Mitarbeiterin: Marisa Irawan, M.A.
Beginn des Projekts: 01. Mai 2019

http://fonte-stiftung.de/

Liedkultur des 17. Jahrhunderts als Übersetzungskultur

Projekt im Rahmen des DFG Schwerpunktprogramms

"Übersetzungskulturen der Frühen Neuzeit"

(Projektstart Oktober 2018)

Das Projekt widmet sich aus literatur- und musikwissenschaftlicher Perspektive der Liedkultur des 17. Jahrhunderts im deutschen Sprachraum. Ziel ist es, die deutschsprachige Liedproduktion erstmals in ihrem gesamteuropäischen Horizont und unter Rückgriff auf neue kulturwissenschaftliche Ansätze (translational turn, Kulturtransferforschung) zu erschließen. Trotz eines verstärkten Interesses an der Liedforschung (Braun 2004, Aurnhammer/Martin 2004, Krämer/Jahn 2004, Dröse 2015) ist nämlich bislang zu wenig bedacht worden, dass die deutschen Liedautoren (Komponisten, Dichter und Doppelbegabungen wie Rist, Voigtländer, Greflinger, H. Albert, Zesen) in ihren Sammlungen auf ein in ganz Europa kursierendes Repertoire an Texten, Melodien und Tonsätzen zurückgreifen, das sie auf textlicher und musikalischer Ebene adaptieren und/oder modifizieren. Lieder sind somit wesentliche Medien des europäischen Kulturtransfers dieser Epoche. Aus philologischer/linguistischer und musikologischer Perspektive sind (1) die Transformationen der Lexik, Metrik und musikalischen Gestaltung einzubeziehen. (2) Zum anderen sind die kultursoziologischen Rekontextualisierungen – z.B. der höfische Kontext der französischen Air de cours vs. die Musikkultur des protestantischen, städtischen Bürgertums in (Nord-)Deutschland – zu analysieren. Das Projekt verfolgt vor diesem Hintergrund konkret zwei Ziele: Auf das Forschungsdesiderat einer Geschichte des deutschen Barockliedes im europäischen Kontext reagiert das Projekt in einer Explorationsphase durch einen interdisziplinären Sammelband mit exemplarischen Fallstudien. In einer zweiten Phase wird ein „Repertorium des deutschen Barockliedes im europäischen Kontext“ erarbeitet, das systematisch die „musikalische Lyrik“ (Danuser 2004) des ‚langen 17. Jh‘ erschließt und für die weitere Forschung aufbereitet (u.a. durch Aufbau einer Online-Datenbank DELIBA).