Institut für Medienwissenschaft

Kristina Henning, M.A.

Kontakt

Titel der Dissertation

Des Rätsels Lösung – oder warum Kontingenz kein Zufall ist. Die determinierte Überraschung und ihre intermediale Wirkungsweise anhand des final twist im unzuverlässig erzählten Film. Der mimetisch teilweise unzuverlässig erzählte Film als Rätselfilm
 

Forschungsvorhaben

Die Dissertation befasst sich mit der Veränderung der Rezeptionsweisen in Unterhaltungstexten durch die Einführung der medialen Möglichkeiten des Web 2.0 (Social Media) gemäß des Grundsatzes, dass ein neues Medium zwar nicht die Welt verändert, aber durchaus die Sicht auf die Welt verändern kann.

Im Zentrum der Untersuchung steht die werkinternfilmnarratologische Analyse von unzuverlässig erzählten Filmen, da deren Forschungsstand es erlaubt, ohne empirische Erhebungen Aussagen über das Rezipientenverhalten zu treffen. Die werkinternfilmnarratologische Definition und Typologisierung des Untersuchungsgegenstandes auf der Basis eines zuvor erarbeiteten Merkmalkatalogs liefert die Voraussetzung für den Nachweis einer Kontingenzillusion und damit verbundenen Anteilen interaktiver Rezeption in den Filmen.

Basistheorie der Arbeit ist das mediensoziologische Konzept der Luhmann-Schülerin Elena Esposito, demzufolge die „determinierte Überraschung“ charakteristisch für eine durch das Internet veränderte, interaktive Rezeptionsweise ist. Forschungsfrage der Arbeit ist, ob sich die Wirkungsweise der „determinierten Überraschung“ bereits vor Einführung des Web 2.0 in filmnarratologischen Strukturen niedergeschlagen haben und ob sie durch unzuverlässig erzählte Filme in den 1990er und 2000er Jahren vorweggenommen worden sein könnte. Insgesamt erhoffe ich mir Aussagen darüber treffen zu können, was Rezipienten bzw. Nutzer zu einer bestimmten Zeit an Unterhaltung fasziniert und welchem Wandel Unterhaltungstexte durch die Einführung neuer Medien unterworfen sind. Zudem ist von Interesse, ob es eine bestimmte, spannungsgenerierende „unterhalterische Kernstruktur“ gibt, die eventuell stabil bleibt und die durch die Möglichkeiten des jeweils neuen Mediums variiert wird. So soll hinterfragt werden, ob und inwiefern das Internet neuer Ort der für Unterhaltungstexte so wichtigen zuschauerbindenden Rätselstrukturen geworden ist und ob dies ein Grund für die Abwanderung der jungen, werberelevanten Zielgruppe von älteren Medien zu den Unterhaltungsmöglichkeiten des Internets ab 2000 gewesen sein könnte. Poetologisches Stichwort und anthropologische Folie für diese aufmerksamkeitsbindende Kernstruktur und ihre intermedialen und transgenerischen Variationen ist das Rätsel, dessen kleinster gemeinsamer Nenner in allen Medien durch die Spannungserzeugung in der Wissensrestriktion gebildet wird. 

Curriculum Vitae

Kristina Henning studierte Filmwissenschaft und Anglistik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der University of Bristol und beschäftigte sich in ihrer Magisterarbeit mit der Ästhetik des Unheimlichen im Kino David Lynchs (Abschluss M.A. 2005). Sie arbeitete von 2005 bis 2016 als Lektorin, Producerin und Produzentin von Serien und Reihen für ZDF, ARD und Sat.1. Seit 2011 verfolgt sie ein medientheoretisch-filmnarratologisches Dissertationsvorhaben bei Prof. Dr. Susanne Marschall in Tübingen und Prof. Dr. Markus Kuhn in Kiel.