Philosophisches Seminar

Das Bildfries in der Burse

Zum "Jahr der Geisteswissenschaften 2007" hat die Adolf Würth GmbH & Co. Kg mit Sitz in Künzelsau dem Philosophischen Seminar einen Bildfries des Stuttgarter Künstlers Ulrich Bernhardt gestiftet. Das persönliches Engagement des Unternehmers Reinhold Würth und das seines Unternehmens zeigen sich erneut in der Spende eines philosophisch-künstlerischen Werkes von Ulrich Bernhardt an die Universität Tübingen, das von der Kuratorin der Sammlung Würth, C. Sylvia Weber, übergeben wurde.



Prof. Dr. Michael Heidelberger, stellvertretender Direktor des Philosophischen Seminars, eröffnete die feierliche Enthüllung mit den Worten: "Ein gutes Kunstwerk hat immer auch mehrere Dimensionen zu bieten." In der Tat wirkt das Werk auf mehreren Ebenen. Der Betrachter steht einer neun Meter langen Fotografie gegenüber, die als Grundlage einen 360°-Blick auf eine karge und doch bewohnte Landschaft bietet und die zudem das gegenüberliegende Neckarufer zu spiegeln scheint. Darüber sind sozialutopische Texte von Abbé Morelly über Karl Marx bis Jean-Jacques Rousseau gelegt, die die Internationalität der Sozialutopie unterstreichen. Als dritte Lage erscheinen Texte und Fotografie hinter verschiedenfarbigen Filtern. Ein kräftiges Rot etwa oder ein blasses Blau.
Der in Stuttgart lebende Künstler und Autor Ulrich Bernhardt musste einen langen Weg gehen, bis er die Idee zu diesem Bildfries hatte. Von einem Freund in das kleine griechische Bergdorf Ambelakia gelockt, entdeckte er dort die Wiege eines demokratisch-sozialistischen Gesellschaftsmodells. Vor etwa 200 Jahren gründeten die vielen kleineren Färbereibetriebe des Ortes eine Genossenschaft, um sich als ein Betrieb gegen Konkurrenz von außen zu schützen. Die Gemeinschaft bot erstmals ihren Arbeitern Gewinnbeteiligung durch Aktien an und förderte so den Zusammenhalt untereinander. Die Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit bestimmten das Konzept einer freien und gerechten Wirtschaft. Das Stadtbild profitierte und es entstanden Kirchen, ein Bischofspalast, Theater, eine Bibliothek und eine eigene Universität, die im Laufe der Zeit berühmte Wissenschaftler, Dichter und Politiker hervorbrachte. Die Recherche nach dieser Lebensform und ihrer Verfassung gestaltete sich nach Angeben des Künstlers als kompliziert. Bernhardt suchte in griechischen, französischen und Wiener Archiven und stellte zu seinem Erstaunen fest, dass er der Erste war, der die Siegel der gebündelten Dokumente aufbrach. Fasziniert von der Idee der Ambelakioten, interessieren ihn als Künstler jedoch nicht nur die historischen Zusammenhänge dieser sozialen Utopie, sondern vor allem die Form die Form deren Darstellung in der heutigen Gesellschaft. So sollten Texte verschiedener Sozialutopisten vor dem Hintergrund der Ambelakischen Landschaft zu einem Ganzen zusammenwachsen.