Philosophisches Seminar

Sommersemester 1999

Eventuelle Änderungen gegenüber dem Vorlesungskommentar werden aktuell angeschlagen!

Soweit nicht anders im Kommentar vermerkt, ist die Anmeldung zu den Veranstaltungen nicht erforderlich.

Die Teilnahme an Proseminaren von Studierenden, die die Zwischenprüfung bereits abgelegt haben, bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Seminarleiters

Semestertermine:

  • Beginn der Vorlesungen: 12. April 1999
  • Ende der Vorlesungen: 10. Juli 1999

    Vorlesungsfreie Tage:

  • 01. Mai 1999 (Tag der Arbeit)
  • 13. Mai 1999 (Himmelfahrt)
  • 24. Mai 1999 (Pfingstmontag)
  • 25. Mai 1999 (Dienstag nach Pfingsten)
  • 03. Juni 1999 (Fronleichnam)

    Freisemester:

  • Prof. Dr. Eve-Marie Engels
  • Prof. Dr. Thomas Szlezák

    Freistellung:

  • PD Dr. Heidrun Hesse
    Einführungsabend für Studienanfänger: 19. April 1999, 18 Uhr c.t., Alte Burse, Raum X

    Vorlesungen

    Brachtendorf:

    Einführung in das Denken Augustinus’
    Di 9 - 11, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 13.04.
    Augustin gehört zu den Schlüsselfiguren der abendländischen Geistesgeschichte. Seine Aufarbeitung der antiken Philosophie im Geist des Christentums bestimmte nicht nur das Denken des Mittelalters, sondern hatte auch maßgeblichen Einfluß auf Grundpositionen der neuzeitlichen und modernen Philosophie (Descartes, Heidegger). Die Vorlesung soll in die wichtigsten Werke Augustins einführen (Cassiciacum-Dialoge, De libero arbitrio, Confessiones, De doctrina christiana, De civitate dei, De trinitate) und dabei einen Einblick geben in Hauptthemen aus den Bereichen Metaphysik, Ethik, Sprachphilosophie und Subjektivitätstheorie. Die Vorlesung richtet sich an Studierende der Philosophie und der Theologie.
    Vorbereitende Literatur:
    Brown, Peter, Augustinus von Hippo, 21982
    Flasch, Kurt, Augustin. Einführung in sein Denken, Stuttgart 1980 (Reclam)
    Horn, Christoph, Augustinus, München 1995 (Beck)

    Figal: Grundbegriffe der antiken Philosophie
    Mi 16 - 18, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 14.04.

    In der Vorlesung möchte ich mit zentralen Fragen und Problemen der griechischen Philosophie bekannt machen, so daß sie als eine Einführung in diese gehört werden kann. Dabei werde ich nicht chronologisch vorgehen, sondern mich an den klassischen Konzeptionen von Platon und Aristoteles orientieren. So scheint mir auch das Denken der sogenannten Vorsokratiker besser, weil im Problemzusammenhang, zu erörtern zu sein. In der Vorlesung werden u.a. die Begriffe "Logos", "Ousia" (Sein), "Eidos", Theoria" und "Praxis" behandelt werden.

    Frank: Eine Einführung in Jean-Paul Sartres Philosophie (1933-1943)
    Di 16 - 18, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 13.04.

    Hier sollen die frühen phänomenologischen Schriften in ihrer Entwicklung bis hin zu "Das Sein und das Nichts" vorgestellt werden. Die Texte sind in teilweise fraglichen Übersetzungen bei Rowohlt erhältlich, die französischen Originale jedenfalls vorzuziehen.

    Höffe: Philosophische Ethik (Rechtsphilosophie II)
    Di 10 - 12, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 13.04.

    Die Vorlesung stellt zunächst Grundmodelle philosophischer Ethik vor: Aristoteles, Kant und den Utilitarismus. Sie überlegt sodann, warum die Wissenschafts- und Umweltethik philosophische Fragen aufwirft und welcher Art diese Fragen sind. Behandelt werden außerdem Methodenprobleme angewandter Ethik. – Die Themen reichen in die Rechtsphilosophie hinein, weil für Fragen der Wissenschafts- und Umweltethik öffentlich verbindliche Entscheidungen zu treffen sind.

    Nähere Literaturhinweise in der Vorlesung.
    Zur Einführung: O. Höffe, Moral als Preis der Moderne. Ein Versuch über Wissenschaft, Technik und Umwelt, Frankfurt/M. 31995
    Nachschlagewerk: O. Höffe (Hrsg.), Lexikon der Ethik, München 51997

    Keuth: Wissenschaftstheorie II
    Do 10 - 12, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 15.04.

    Die Vorlesung "Wissenschaftstheorie I" wird fortgesetzt. Zu den Themen werden zählen: die Interpretation der Wahrscheinlichkeitskalküle, das Determinismus-Indeterminismus-Problem, zur Logik der Entdeckung, die Kritik im "Positivismusstreit" an der Methodologie der empirischen Wissenschaften, der Werturteilsstreit.

    Rapp: Einführung in die Logik
    Mi 14 - 16, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 14.04.

    Die Vorlesung gibt eine elementare Einführung in die Logik für Philosophen. Zentrale Themen der Vorlesung: Was ist ein logisch gültiger Schluss? Argumente und Deduktionen. Satzanalyse. Aussagenlogik. Quantorenlogik. Tableaukalküle. Wie übersetzt man einen normalsprachlichen Satz in eine formale Sprache? Unterschiede zwischen traditioneller (syllogistischer) und moderner (Frege’scher) Logik.
    Begleitend zur Vorlesung soll ein Tutorium eingerichtet werden. Am Ende des Semesters findet eine Klausur statt, deren Bestehen notwendige und zugleich hinreichende Bedingung für den Erwerb des "Logikscheins" ist.

    Schroeder-Heister:
    Lambda-Kalkül und kombinatorische Logik
    Mi 8.30 - 10, Morgenstelle, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 14.04.

    Der von A. Church entwickelte Lambda-Kalkül ist wie der Prädikatenkalkül nicht nur technisch, sondern auch begrifflich fundamental für die Logik. In ihm wird der Begriff der Funktion auf eine Weise expliziert, die auch für bestimmte sprachphilosophische Überlegungen interessant ist (Frege!). Letztlich geht es um die Formalisierung der Beziehung zwischen Funktionen bzw. Prädikaten als "offenen" Operatoren und als "geschlossenen" Gegenständen. Die Vorlesung ist für die Informatik konzipiert, sollte aber auch von interessierten Studierenden der Philosophie mit Gewinn besucht werden können. Für letztere wird bei hinreichendem Interesse eine spezielle Übungsgruppe angeboten.
    Voraussetzung: Logik-Kenntnisse
    Scheinvergabe: Pro- bzw. Hauptseminarscheine werden aufgrund der Bearbeitung von Übungsaufgaben vergeben.

    Wieland:
    Philosophie des Mittelalters I. Von Boethius bis Thomas von Aquin
    Mo 11 - 13, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 19.04.

    Diese Veranstaltung setzt die Reihe der philosophiegeschichtlichen Vorlesungen fort. Sie ist allerdings so angelegt, daß sie unabhängig von den vorhergehenden Antike-Vorlesungen gehört und verfolgt werden kann. In dieser Vorlesung geht es um den Zeitraum von Boethius (5. Jhd.) bis zu Thomas von Aquin (13. Jhd.). Die inhaltlichen Schwerpunkte liegen bei folgenden Denkern und Problemfeldern: Eriugena, Anselm von Canterbury, Abaelard, die Aristotelesrezeption und die Entwicklung des mittelalterlich scholastischen Wissenschaftssystems, Albert der Große, Bonaventura, Thomas von Aquin.

    Literatur:
    Richard Heinzmann, Philosophie des Mittelalters, Stuttgart 1992
    Peter Schulthess, Ruedi Jahrbuch, Die Philosophie im lateinischen Mittelalter. Ein Handbuch mit einem biobibliographischen Repertorium, Zürich 1996

    Übung zur Vorlesung

    Schroeder-Heister:
    Übung zur Vorlesung
    nach Vereinbarung



    Einführungsveranstaltung


    Koch, D.:
    Einführung in das Studium der Philosophie
    Di 11 - 13 Uhr, Alte Burse, Raum X, Beginn: 13.04.

    Die Einführungsveranstaltung dient der umfassenden Grundorientierung im Philosophiestudium. Sie ist reserviert für Erst- und Zweitsemester im Fach Philosophie.
    Aufgabe der Veranstaltung ist es, Kenntnisse zum Studienablauf und zur Studienorganisation zu vermitteln, grundlegende Literatur bekannt zu machen, eine Anleitung zu wissenschaftlichem Arbeiten zu geben, vor allem jedoch in geschichtlich wie systematisch bedeutsame Grundprobleme und Grundbegrifflichkeiten philosophischen Denkens einzuführen. Dies geschieht anhand von Textauszügen zentraler philosophischer Werke von Parmenides bis Heidegger. (Die Textauszüge werden ausgegeben.)



    Proseminare




    Figal: Heidegger, Sein und Zeit – Interpretationskurs II
    Di 14 - 16, Alte Burse, Raum X, Beginn: 13.04.

    In diesem zweiten Teil des Interpretationskurses wird die Lektüre von Sein und Zeit mit dem zweiten Abschnitt, Dasein und Zeitlichkeit, fortgesetzt. Da die Arbeit des ersten Teiles vorausgesetzt wird, ist die Teilnahme im allgemeinen nur möglich, wenn auch dieser besucht worden ist. Ausnahmen davon kann es nur nach Rücksprache mit mir geben.
    Scheinvergabe: Hausarbeit und Klausur.

    Frank:
    Eine Einführung in Sartres L’être et le néant
    Di 14 - 16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 13.04.

    Sartres phänomenologisches Hauptwerk soll in close reading erschlossen werden – mit einem Akzent auf Sartres ontologischer Grundoperation, der Theorie des Selbstbewußtseins und seiner Zeittheorie. Wenn die Zeit reicht, kann auch die Theorie der Intersubjektivität behandelt werden. Scheine werden für die schriftliche Ausarbeitung einer kurzen Einführung in den Gegenstand der jeweiligen Sitzung vergeben.

    Texte:
    Jean-Paul Sartre, Das Sein und das Nichts. Übersetzt von Traugott König, Rowohlt Verlag (besser, bei entsprechenden Sprachkenntnissen, ist die Benutzung des französischen Originals)
    Gerhard Seel, Sartres Dialektik zur Moderne und Begründung seiner Philosophie unter Berücksichtigung der Subjekt-, Zeit- und Werttheorie, Bonn (Bouvier) 1971
    Manfred Frank, Zeitbewußtsein, Pfullingen (Neske) 1991

    Grundmann: Wittgenstein – Interpretationskurs I
    Di 10 - 12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 13.04.

    Wittgenstein gilt als "Vater" der sprachanalytischen Philosophie. Seine beiden Hauptwerke legen den bis heute verbindlichen Rahmen für die sprachphilosophischen Positionen des 20. Jahrhunderts fest. Im Tractatus (1922) wird die Natur der Sprache als Abbildung der Wirklichkeit verstanden. Um diese aufzuklären, bedient sich Wittgenstein einer idealisierenden Analyse der logischen Form von Sätzen. In den Philosophischen Untersuchungen (posthum 1953) ist Wittgenstein von dieser Position deutlich abgerückt. Im Mittelpunkt seines Interesses steht nunmehr die ganze Vielfalt und Komplexität unserer natürlichen Sprache. Dabei stellt sich heraus, daß die Sprache im Kontext menschlicher Lebensformen neben der Abbildung der Wirklichkeit auch ganz andere, vor allem pragmatische Funktionen hat. Wittgenstein stellt aber auch neue Fragen: Wodurch wird die Bedeutung von Zeichen festgelegt? Wie kann die Fähigkeit des Sprechens und sprachlichen Verstehens erklärt werden? Auf diesem Wege findet er zu seiner Sprachspielkonzeption. Die Lektüre Wittgensteins eignet sich hervorragend für den Einstieg in die Sprachphilosophie, aber auch in die Philosophie im allgemeinen, und zwar aus zwei Gründen: Erstens dokumentieren seine Texte ein Denken im Vollzug, in dem die Alternativen sichtbar bleiben und es nicht um abgeschlossene Theorien geht. Zweitens sind Wittgensteins Überlegungen im höchsten Grade originell und radikal, so daß sie unmittelbar das eigene philosophische Nachdenken herausfordern.
    Im Mittelpunkt des ersten Semesters wird die Lektüre des Tractatus und verwandter Schriften stehen. Im zweiten Semester werden wir uns dann mit den Philosophischen Untersuchungen beschäftigen. Um die Kontinuität in Wittgensteins Denken nachzuvollziehen, werden wir aber auch Wittgensteins Notizen und Vorlesungen heranziehen.
    Scheinbedingung: Referat und Hausarbeit.

    Literatur:
    Textgrundlage: L. Wittgenstein, Werkausgabe, Bd. 1, Franfurt/M. 1984 ff. (stw)
    Zur Einführung:
    Monk, Ray, Ludwig Wittgenstein, The Duty of Genius, London 1990 (Biographie, inzwischen auch dt. übersetzt)
    Vossenkuhl, W., Wittgenstein, Beck 1995 (Reihe: Große Denker)


    Höffe:
    Aristoteles, Die Nikomachische Ethik
    Mi 14.30 - 16.00, Alte Burse, Raum X, Beginn: 14.04.

    Aristoteles’ Nikomachische Ethik ist ein zentrales, nicht nur für die Antike maßgebendes Werk. Gerade in neuerer Zeit ist es wieder zu einem wichtigen Bezugstext ethischer, handlungstheoretischer und rationalitätstheoretischer Debatten geworden. Beginnend mit Buch I diskutieren wir ausgewählte Teile. Griechisch-Kenntnisse sind nicht erforderlich, jedoch willkommen.
    Ein benoteter Schein wird für schriftlich ausgearbeitete Referate und Hausarbeiten ausgestellt. In den Semesterferien sind eine Literaturliste und eine Gliederung im Sekretariat (Zi. 317) erhältlich.

    Textgrundlage: Aristoteles, Nikomachische Ethik, Übers. O. Gigon, dtv, München 1991
    Literatur: O. Höffe (Hrsg.), Aristoteles, Nikomachische Ethik (= Klassiker Auslegen, Bd.2), Berlin 1996. – Zur Einführung: O. Höffe, Aristoteles, München 1996, bes. Teil IV

    Hofmann
    : Die Philosophie Bertand Russells
    Do 18 - 20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 15.04.

    Bertrand Russell gehört zu den Schlüsselfiguren in der Philosophie des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Ansätze, die er zu verschiedensten Fragestellungen entworfen hat, bestimmen noch heute ganz maßgeblich Diskussionen in der Sprachphilosophie, der Philosophie des Geistes und der Metaphysik. Diese Bereiche hat Russell auf systematische Weise zu einem kohärenten Ganzen zusammenzufügen versucht, das durch Klarheit, Folgerichtigkeit und auch Anschaulichkeit besticht. Als Ergebnis seiner Bemühungen galt Russell (für eine lange Zeit wenigstens) die Position des `Logischen Atomismus‘.
    Wir wollen uns in diesem Proseminar die Grundzüge von Russells Philosophie aneignen, die er in seiner Arbeit "Die Philosophie des Logischen Atomismus" bündig und systematisch vorgestellt hat. Russell entwickelt darin seine Position von Anfang an und erklärt seine Begrifflichkeit von Grund auf. Daher sind seine Überlegungen auch sehr gut für Anfänger(innen) zugänglich und verständlich. Russell erläutert u.a., was er unter Einzeldingen, Eigenschaften und Tatsachen versteht und wie man über sie sprechen kann. Er entwickelt dann eine dazu passende Erkenntnistheorie. Dabei geht er von einem – zuerst ganz plausibel klingenden – empiristischen Skrupel aus: Erkenntnis besteht zunächst nur von dem, was in der Erfahrung gegeben ist. Was aber ist in der Erfahrung gegeben? Durch eine konsequente Analyse gelangt Russell hier nun zu der erstaunlichen Ansicht, daß es auf jeden Fall nicht die uns vertrauten Alltagsdinge wie Tische, Wachs oder Personen sind, sondern nur ein spärliches Destillat von sinnlichem Material, die sog. `Sinnesdaten‘. Dieses reicht aber leider nicht aus, um die Ansprüche der alltäglichen Erfahrung einzuholen, so daß schließlich nur eine radikale Revision unserer Sicht von der Welt und unserer Erfahrung von ihr übrigbleibt. Wir werden Russells Gedankengang nachzuvollziehen und kritisch zu beurteilen versuchen.
    Das Proseminar richtet sich besonders an Neueinsteiger(innen) in der Philosophie. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
    Scheinerwerb: Klausur, schriftlich ausgearbeitetes Referat oder Hausarbeit für benotete Scheine.

    Literatur:
    Russell, Bertrand, "Philosophie des logischen Atomismus", in: Bertrand Russell: Die Philosophie des Logischen Atomismus, ausgewählt, übersetzt und eingeleitet von J. Sinnreich, München, Nymphenburger Verlagsbuchhandlung, 1976
    Englischer Originaltext:
    Russell, Bertrand, "The Philosophy of Logical Atomism", in: Bertrand Russell, Logic and Knowledge, London, George Allen & Unwin Ltd., 1956

    Horn:
    Kant, Kritik der reinen Vernunft: Ausgewählte Texte
    Mi 18 - 20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 14.04.

    Besonders für philosophische Anfänger ist die Lektüre der Kritik der reinen Vernunft in der Regel wenig erfreulich: Die Gesamtanlage des Werks wirkt verworren und undurchsichtig, Kants Terminologie dunkel, die Vielzahl der Probleme und Thesen ist verwirrend, und die Argumentation scheint häufig widersprüchlich und unklar. Das Proseminar dient daher dem Zweck, einen ersten Überblick über einige der zentralen Themen und Absichten Kants zu bieten. Dazu sollen nicht möglichst viele und möglichst lange Textstücke gelesen werden; günstiger scheint mir, kurze, prägnante, pointierte Textpassagen herauszugreifen und diese im Blick auf die gegenwärtige Forschung zu diskutieren. Auch schwierige Abschnitte wie etwa die Urteilstafel, die transzendentale Deduktion oder die Antinomienlehre, sollen dabei nicht umgangen werden; trotzdem sind Vorkenntnisse nicht erforderlich.
    Scheinvergabe: Hausarbeit.

    Text: Alle Ausgaben, die die A- und die B-Version der ersten Kritik enthalten.
    Literatur:
    Baumgartner, H.M., Kants `Kritik der reinen Vernunft'. Anleitung zur Lektüre, Freiburg/München 41996
    Höffe, O., Immanuel Kant, München 41996 (Reihe `Denker')
    Mohr, G./Willascheck, M. (Hgg.), Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, Berlin 1998 (Reihe `Klassiker Auslegen')
    Wilkerson, T.E., Kant's Critique of Pure Reason. A Commentary for Studentes, Oxford 1976


    Keuth:
    David Hume, Untersuchungen über den menschlichen Verstand
    Do 14 - 16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 15.04.

    Humes "Tractat über die menschliche Natur" bildet den Abschluß des klassischen Empirismus. Die daraus entstandene Kurzfassung "Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand" soll Gegenstand des Seminars sein. Neben dem Humeschen Text werden wir einen Teil der erläuternden Kommentare in Kulenkampffs Sammelband besprechen.
    Zum Erwerb eines benoteten Scheines muß ein Referat angefertigt werden.

    Literatur:
    David Hume, "Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand", Meiner, Hamburg 1984, PhB 35
    Jens Kulenkampff (Hg.), "David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand", (Akademie) Berlin 1997, "Klassiker auslegen" Bd. 8
    E. Topitsch, G. Steminger, "Hume", Darmstadt 1981, (Wiss. Buchges.)

    Koch, A.F.:
    Aristoteles, De Anima – Interpretationskurs I
    Di 16 - 18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 13.04.

    In dem Interpretationskurs werden wir ausgewählte Passagen aus den drei Büchern der Aristotelischen Schrift Über die Seele interpretieren. Im ersten Teil des Kurses sollen der Anfang von Buch I und die Kapitel 1-7 von Buch II, im kommenenden Wintersemester die Kapitel 1-8 des dritten Buches behandelt werden. Als Textgrundlage sei die von Horst Seidl herausgegebene zweisprachige Ausgabe (griechischer Text nach W. Biehl und O. Apelt, Übersetzung nach W. Theiler), Hamburg 1995, und als Kommentar derjenige von D. Ross in seiner Ausgabe: Aristotle, De anima, with introduction and commentary, Oxford 1961, empfohlen. Weitere Literatur wird im Seminar angegeben. Teilnahmebedingung ist die Bereitschaft, ein Stundenprotokoll und ein Textreferat zu übernehmen.
    Benoteter Schein: jeweils eine Hausarbeit pro Semester (eine der beiden Hausarbeiten kann durch ein Referat plus Protokoll ersetzt werden).

    Koch, D.:
    Platons Dialog Lysis – Lektürekurs für Erst- und Zweitsemester
    Di 9 - 11, Alte Burse, Raum X, Beginn: 13.04.
    In der ersten Sitzung findet eine Vorbesprechung statt.

    Der Umgang mit philosophischen Schriften bedarf bestimmter "handwerklicher" Voraussetzungen: der Fähigkeit eines begrifflich genauen Lesens, des Vermögens, die spezifische Problemstellung eines Textes herauszupräparieren, der Beherrschung der charakteristischen Begrifflichkeit eines Autors, zudem der steten Beachtung der Differenz von Textauslegung und eigener Sachinterpretation und anderes mehr.
    Der Lektürekurs für Erst- und Zweitsemester will über die Demonstration dieser Umgangsweisen hinaus zusammen mit Platons frühem Dialog Lysis auch in die Eigenart und in den Reichtum philosophischer Probleme und philosophischen Denkens einführen.
    Platons Lysis handelt von der Frage nach dem Wesen der Freundschaft. Wir werden den Antwortversuchen Platons auf diese Frage nachgehen. Bei den verschiedenen Bemühungen um die Klärung des Phänomens Freundschaft kommt Sokrates mit seinen Dialogpartnern auch auf das Gute zu sprechen, das um seiner selbst willen geliebt wird. Was es mit diesem Guten und vor allem mit der Idee des Guten auf sich hat, soll in einem Exkurs in Auseinandersetzung mit dem Sonnen-, Linien- und Höhlengleichnis in Platons Politeia aufgenommen werden. In einem weiteren Exkurs wenden wir uns – in einer Art Kontrastierung und Ergänzung zum Lysis – dem berühmten Bestimmungsversuch des Aristoteles zum Wesen der Freundschaft in der Nikomachischen Ethik zu.
    Die Veranstaltung ist ausschließlich für Erst- und Zweitsemester im Studienfach Philosophie bestimmt. Griechischkenntnisse sind nicht vorausgesetzt.
    Leistungsnachweise für einen unbenoteten Schein: Übernahme eines Literaturberichts oder eines Protokolls (Umfang: 2-3 Seiten) oder die mündliche Einführung in eine Textstelle. Eine Vorschlagsliste wird zu Beginn des Semesters ausgegeben.
    Leistungsnachweis für einen benoteten Schein: Hausarbeit (Höchstumfang: 15 Seiten; Abgabetermin: bis 30. September 1999). Eine Vorschlagsliste wird zu Beginn des Semesters ausgegeben.

    Textgrundlage für das Seminar:
    Platon, Werke. Übersetzung und Kommentar. Band V 4: Lysis (übersetzt und kommentiert von Michael Bordt). Göttingen 1998

    Mirbach:
    Ewigkeit, Zeit und Augenblick in der antiken und spätantiken Philosophie
    Fr 10 - 12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 16.04.

    "Das Rätsel des Seins und des Seienden enthüllt sich im Bewußtsein der Zeit." (W. Dupré)
    Diesem Rätsel wollen wir im Seminar nachgehen. Wie ist das Phänomen der Zeit philosophisch begründbar? Wie verhalten sich Sein und Werden zu Ewigkeit und Zeit? Wie hängen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammen? Ist der Augenblick ein "Fenster" zur Ewigkeit? Grundlegende Texte für die Diskussion des Zeitproblems und der damit verbundenen metaphysischen und erkenntnistheoretischen Fragestellungen in der antiken und spätantiken Philosophie sind im Seminar: Platon: Timaios; Aristoteles: Physik, 4. Buch; Plotin: Enneade III 7; Augustinus: Confessiones, XI. Buch; Boethius: Consolatio Philosophiae, 5. Buch.
    Benoteter Schein: Schriftliche Ausarbeitung eines Sitzungsprotokolls oder Referats oder Hausarbeit.

    Texte:
    Es wird ein Textreader erstellt, der Anfang März in meiner Sprechstunde abgeholt werden kann.

    Pinzani:
    Einführung in das politische Denken Machiavellis
    Di 16 - 18, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 13.04.

    Kaum ein anderer Denker hat so viele leidenschaftliche Debatten, so viel Bewunderung und so viel Abneigung wie Machiavelli verursacht. Und kaum ein anderer Denker wurde so mißverstanden und mißbraucht. In diesem Seminar muß versucht werden, sich dem politischen Schriftsteller Machiavelli frei von allen Vor- und Mißdeutungen anzunähern. Besonders berücksichtigt werden dabei Aspekte wie Machiavellis Republikanismus, seine Beziehung zur Antike und zur mittelalterlichen Philosophie, seine Aufassung der "virtù", die gleichzeitig Tugend und Tüchtigkeit bedeutet. Durch schriftlich ausgearbeitete Referate und Hausarbeiten kann ein benoteter Schein erworben werden.

    Textgrundlage:
    Politische Schriften, hrsg. von H. Münkler, Fischer (Taschenbuch), Frankfurt/M. 1990
    Literatur:
    Kersting, Wolfgang, Machiavelli, C.H. Beck (Reihe-Denker), München 21998
    Münkler, Herfried, Machiavelli, Fischer (Taschenbuch), Frankfurt/M. 1984

    Quarch:
    Nikomachische Ethik – Interpretationskurs II
    Mi 20 - 22, Alte Burse, Raum X, Beginn: 14.04.

    Im zweiten Teil des Interpretationskurses zur Nikomachischen Ethik des Aristoteles wird es naturgemäß darum gehen, die bislang erarbeitete Deutung des Textes fortzuführen. Das bedeutet jedoch nicht, daß die Veranstaltung ausschließlich als Fortsetzung konzipiert ist. Studentinnen und Studenten, die sich Grundkenntnisse der aristotelischen Moralphilosophie aneignen wollen, sind auch dann im Seminar gern gesehen, wenn sie den ersten Teil des Kurses nicht besucht haben.
    Der Interpretationskurs II wird sich vorwiegend mit der aristotelischen Theorie der praktischen Klugheit (phronesis), der Freundschaft und des philosophischen Lebens beschäftigen (Bücher VI, VIII+IX, X). Dabei soll es nicht allein darum gehen, theoretische Kenntnisse über die "Lehre" des Aristoteles zu vermitteln. Ziel des Kurses ist es ebenso herauszufinden, inwiefern die praktische Philosophie des Aristoteles für die unmittelbare Lebenswirklichkeit ihrer Leserinnen und Leser relevant ist.
    Benotete Scheine können am Ende des Semesters durch die erfolgreiche Teilnahme an einer Klausur erworben werden. Griechischkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

    Textausgaben:
    Aristoteles, Nikomachische Ethik, hg. von Günter Bien, Felix Meiner Verlag PhB 5, 4. Auflage, Hamburg 1985
    ders., Nikomachische Ethik, übers. und kommentiert von Franz Dirlmeier, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 6. Auflage, Darmstadt 1974
    ders., Die Nikomachische Ethik, übers. und hg. von Olof Gigon, Deutscher Taschenbuch Verlag, 6. Auflage, München 1986

    Rinderle:
    Ethik und Politik bei John Stuart Mill
    Do 10 - 12, Alte Burse, Raum X, Beginn: 15.04.

    Anhand der beiden Abhandlungen Utilitarismus und Über die Freiheit wollen wir uns im Proseminar ein Bild zuerst von Mills utilitaristischer Grundlegung der Ethik und anschließend von seinem Freiheits- und Politikbegriff verschaffen. Im Mittelpunkt unserer Diskussion soll dabei die Frage nach der Vereinbarkeit von Mills Moraltheorie und Mills Sozialphilosophie stehen: Ist seine utilitaristische Ethik mit seinem liberalen Politikverständnis in Einklang zu bringen? Oder steht eine auf dem Kriterium des größtmöglichen Gesamtnutzens gegründete Moral in einem unversöhnlichen Widerspruch zur Wertschätzung individueller Freiheitsrechte? Teilnahmevoraussetzung: Übernahme eines Referats.
    Erwerb eines benoteten Scheins: Hausarbeit.

    Literatur:
    Mill, John Stuart, Utilitarismus, Reclam, Stuttgart 1976
    ders., Über die Freiheit, Reclam, Stuttgart 1974

    Schick
    : David Hume, Ein Traktat über die menschliche Natur – Interpretationskurs II
    Di 18 - 20, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 13.04.

    Im zweiten Teil unseres Interpretationskurses werden wir uns besonders drei Themen zuwenden: a) Humes Theorie personaler Identität (Buch I, Teil 4, Abschnitt 6), b) seiner Affektenlehre - mit Schwerpunkt auf der Frage der Willensfreiheit (Buch II, Teil 3) - und c) seiner Moraltheorie - mit Schwerpunkt auf der allgemeinen Annahme eines moralischen Sinnes (Buch III, Teil 1). Abschließend werden wir die Frage diskutieren, wie sich die erkenntnistheoretischen Befunde des ersten Buches zu den affekten- und moraltheoretischen Überlegungen des zweiten bzw. dritten Buches verhalten.
    Neue Teilnehmer(inn)en sind willkommen; über die Ergebnisse des letzten Semesters informiere ich gerne in meinen Feriensprechstunden (siehe Aushang). Im Fall eines Neueinstiegs kann ein Proseminarschein erworben werden.
    Benoteter Schein: a) für den ganzen Interpretationskurs: zwei der folgenden Leistungen: mündliches Referat, schriftliche Hausarbeit, Klausur; b) für ein einsemestriges Proseminar: schriftlich ausgearbeitetes Referat.

    Text: David Hume: Ein Traktat über die menschliche Natur (orig.: A Treatise of Human Nature), in zwei Bänden, hrsg. v. Reinhard Brandt, Hamburg 1989
    Sekundärliteratur: Norman Kemp Smith: The Philosophy of David Hume. A Critical Study of its Origins and Central Doctrines, London 1941
    S. Tweyman (ed.): David Hume. Critical Assessments, Vol. IV, London/New York 1995

    Schick: Eigennamen
    Mi 16 -18, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 14.04.

    "Der Name einer Sache ist ihrer Natur ganz äußerlich. Ich weiß nichts vom Menschen, wenn ich weiß, daß ein Mensch Jakobus heißt." In dieser Bemerkung von Karl Marx faßt sich eine gängige Intuition zusammen: Ein Eigenname bezeichnet ein Individuum, und er sagt nichts darüber, was oder wie beschaffen dieses Individuum ist. An diesem Punkt setzen die sprachphilosophischen Fragen ein: Wie beziehen sich Eigennamen jeweils auf ein bestimmtes Individuum? Ist dieser Bezug unmittelbar, besonders ohne Vermittlung von prädikativem Wissen, zu denken? Und was unterscheidet Eigennamen von anderen singulären Termini – Kennzeichnungen und deiktischen Ausdrücken –, die doch auch je ein Einzelnes meinen? Diese Fragen sind im 20. Jahrhundert Gegenstand einer kontinuierlichen Diskussion geworden, deren Pole durch zwei entgegengesetzte Positionen markiert sind: zum einen die Beschreibungstherorie der Eigennamen, die in der Version Bertrand Russells besagt, daß unsere gewöhnlichen Eigennamen als Abbreviaturen von Kennzeichnungen analysiert werden müssen; zum anderen die sogenannte kausale Theorie der Eigennamen (Saul Kripke), die ihnen eine Beziehung auf individuelle Träger zu-, aber eine Bedeutung im gewöhnlichen Sinn abspricht. Beschreibungswissen, das nach der ersten Theorie konstitutiv für Eigennamen ist, geht nach der zweiten nicht in den Namen ein und bestimmt auch nicht seine Verwendung. Im Seminar werden wir wichtige Stationen dieser Diskussion verfolgen, aber auch Positionen zu Wort kommen lassen, die Alternativen zu beiden Positionen entwickeln (z.B. die Peter Strawsons).
    Benoteter Schein: Schriftlich ausgearbeitetes Referat oder Sitzungsprotokoll.

    Textgrundlage ist der von Ursula Wolf herausgegebene Sammelband "Eigennamen. Dokumentation einer Kontroverse", Frankfurt/M. 1993 (stw 1057). Ein Reader mit ergänzenden Terxten wird ab Semesterbeginn zur Verfügung stehen.

    Schmidt:
    Nicolas Malebranche, Von der Erforschung der Wahrheit, 3. Buch
    Di 12 - 14, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 13.04.

    Wie schon Descartes geht Nicolas Malebranche in diesem Text von 1674/75 – seinem Hauptwerk – von der dualistischen These aus, der Geist sei eine immaterielle denkende Substanz, während der Körper eine materielle ausgedehnte Substanz sei; er verbindet diesen Gedanken aber mit einer ungewöhnlichen anticartesianischen Ideentheorie, nach der Ideen keine mentalen Gegenstände sind, sondern abstrakte Entitäten, die als die primären Objekte der Erkenntnis dienen. Da diese Ideen in Gott (nicht in uns) zu lokalisieren sind, ist Erkenntnis gleichbedeutend mit einer `Schau der Dinge in Gott' – eine These, zu der Arnauld und Leibniz kritisch Stellung genommen haben. Im Seminar soll diese theozentrische Theorie der Erkenntnis des Geistes anhand ausgewählter Texte genauer untersucht werden.
    Benoteter Schein: schriftliche Hausarbeit.

    Text: Die Texte werden in Kopien zur Verfügung gestellt. Textbasis: Nicolas Malebranche, Von der Erforschung der Wahrheit, 3. Buch, übersetzt v. Alfred Klemmt, Hamburg: Meiner 1968 (z.Zt. beim Verlag vergriffen) und ders., Von der Wahrheit (...), 4 Bde, Halle: I.C. Hendel, 1776-1780

    Schmidt:
    G.W.F. Hegel, Phänomenologie des Geistes – Interpretationskurs I
    Fr 14 - 16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 16.04.

    Hegels Phänomenologie des Geistes von 1807 ist eine Bildungsgeschichte, die die Entwicklung des Geistes zur vollkommenen Selbsterkenntnis beschreibt. Der Geist ist jedoch nicht das Bewußtsein; er ist vielmehr ein Prinzip jenseits des Bewußtseins, das auch in der Welt zum Ausdruck kommt. Wie es dem Bewußtsein gelingt, sich selbst aus dem Zentrum zu rücken, um sich als
    Vermittler des Geistes wiederzufinden, davon handelt die Phänomenologie. Im Seminar soll der Text kontinuierlich gelesen und interpretiert werden.
    Benoteter Schein: Hausarbeit oder ein Referat pro Semester.

    Text: G.W.F. Hegel: Phänomenolgie des Geistes, Hamburg: Meiner 1988

    Wimmer:
    Die vorsokratische Philosophie
    Mi 16 - 20, Alte Burse, Raum 308, Beginn: 14.04. Vorbesprechung

    Ob mit den sog. `Vorsokratikern' die Philosophie begonnen hat, mag strittig sein. Unstrittig ist aber, daß viele wesentliche Themen und Probleme der Philosophie und der Wissenschaften erstmals von ihnen formuliert und bearbeitet wurden. Leider sind uns nur Fragmente ihres Schaffens überliefert. Deshalb und aufgrund des mentalen Abstandes ist ihr Denken oft schwer zu verstehen. Trotzdem lohnt eine Beschäftigung, da viele Fragen sehr frisch gestellt und manche Antworten wirkungsgeschichtlich von großer Bedeutung sind. – Im Proseminar sollen die wichtigsten Texte behandelt und zugleich das dafür notwendige methodische Instrumentarium an die Hand gegeben werden. Nicht behandelt wird Parmenides. Als Textsammlung empfehle ich die zweisprachige Auswahl von Jaap Mansfeld, erschienen bei Reclam, Stuttgart.
    Seminartermine: 14.04., 28.04., 19.05., 26.05., 9.06., 23.06., 7.07.
    Scheinerwerb: schriftlich ausgearbeitetes Referat oder Hausarbeit.



    Seminare


    Braun: Horkheimer, Adorno: Dialektik der Aufklärung – Kompaktseminar
    Heinrich-Fabri-Haus, Auf dem Rucken 35, 89143 in Blaubeuren, Tel.: 07344/4529
    Fr 02.07., 15 Uhr - So 04.07.1999, Vorbesprechung: 20.04.1999, 15 Uhr, Alte Burse, Raum 308

    Die Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente – ein Opus, das Max Horkheimer und Theodor W. Adorno gemeinsam verfaßten - erschien in Buchform 1947 im Amsterdamer Querido Verlag, der in den Dreißiger Jahren für Emigrant(inn)en deutscher Zunge gegründet wurde. Das Werk ist, nach der Erkenntnis des Herausgebers der Gesammelten Schriften Horkheimers, Gunzelin Schmid Noerr, "der wichtigste Text der Kritischen Theorie und zugleich eines der klassischen Werke der Philosophie des 20. Jahrhunderts." Thema ist die kritische Aufklärung über die Aufklärung, deren Anfänge für die zwei Verfasser bereits in der Antike bei Homer zu suchen sind.
    Die beiden kritischen Philosophen gebrauchen den denkbar weitesten Begriff von `Aufklärung'. Das Werk spannt einen ganz unkonventionell weiten historischen Bogen. Die Dialektik der Aufklärung opponiert gegen die offizielle akademische Geschichtsschreibung der Philosophie: Der "Fortschritt im Bewußtsein der Freiheit", wie in Hegels Geschichtsphilosophie verkündet, entpuppt sich als Zerfallsgeschichte der Perfektion der Herrschaft, die im Faschismus sich zu Kenntlichkeit entstellt. Das ist die kritische, negative Geschichtsphilosophie dieser Fragmente. Im Seminar ist beabsichtigt, einen strukturellen wie geschichtlichen Einblick in die eigenwilligen Prämissen dieser fatalen Herrschaftgeschichte zu gewinnen im reflektierten Vergleich zu anderen Positionen: Marx, Lukács' Geschichte und Klassenbewußtsein, Nietzsche, der Neukantianismus eines Ernst Cassirer und anderer etwa. Referate können die Debatten im Seminar sehr beleben. Auch Hausarbeiten sind möglich.
    Text:
    Horkheimer, Max, Adorno, Th.W., Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, Fischer Taschenbuch, limitierte Sonderausgabe, Frankfurt/M. 1998 ISBN 3-596-50127-X DM 18,--
    Literatur:
    Birzele, Rainer, Mythos und Aufklärung. Adornos Philosophie gelesen als Mythos. Versuch einer kritischen Rekonstruktion, Würzburg 1977
    Brunkhorst, Hauke, Theodor W. Adorno, Piper, München 1986


    Figal:
    Platon, Kratylos
    Do 16 - 18, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 15.04.

    Der Kratylos gilt als Platons Dialog über die Sprache. Hier wird die Frage nach dem Wesen der Sprache behandelt, indem gefragt wird, ob die Namen der Dinge willkürlich oder von der Sache, die sie bezeichnen, her notwendig sind. Am Ende wird keine dieser beiden Positionen als überzeugend angesehen und aus ihren Schwierigkeiten die Möglichkeit einer dritten verständlich gemacht.
    Im Seminar soll der Dialog gründlich gelesen und erörtert werden. Griechischkenntnisse sind natürlich von großem Vorteil, aber keine Teilnahmevoraussetzung. Literatur gebe ich zu Anfang des Semesters bekannt. Als Text empfehle ich die zweisprachige Ausgabe von Platons Werken, die von der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft veröffentlicht worden ist.
    Scheinvergabe: Hausarbeit.

    Frank/Grundmann:
    Begründung und Rechtfertigung
    Mi 18 - 20, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 14.04.

    In der erkenntnistheoretischen Tradition hat man Rechtfertigung und Begründung meistens für ein und dasselbe gehalten. Jemand ist danach gerechtfertigt, etwas zu glauben, wenn er Gründe für seine Meinung angeben kann. Es genügt nicht, daß seine Meinung tatsächlich durch adäquate Methoden erworben wurde. Dem Subjekt müssen die rechtfertigenden Faktoren auch subjektiv bekannt sein. Diese "internalistische" Konzeption der Rechtfertigung hat entscheidende Konsequenzen in der Geschichte der Erkenntnistheorie gehabt: Sie steht hinter dem berüchtigten Agrippinischen Rechtfertigungstrilemma (heute auch gerne "Münchhausentrilemma" genannt), das besagt, daß jede Rechtfertigung letzten Endes am Problem des Regresses, Zirkels oder illegitimen Abbruchs scheitert.
    Im Seminar werden wir uns mit den historischen und systematischen Gründen für den Internalismus beschäftigen und uns verschiedene historische Lösungsvorschläge für das Regreßproblem (Fundamentalismus, Kohärenztheorie) ansehen. Nach einer kurzen systematischen Einführung werden wir Texte von Aristoteles, Sextus Empiricus, aus der Grundsatzdiskussion im Umkreis des Deutschen Idealismus (u.a. Jacobi, Fichte, Schlegel) und von neueren Autoren (Blanshard, BonJour) lesen. Ein Reader mit den erforderlichen Texten kann zu Beginn des Semesters von den Teilnehmern erworben werden.
    Scheinbedingung: Referat und Hausarbeit

    Literatur:
    Zur systematischen Einführung empfehlen wir besonders:
    J. Greco/E. Sosa, The Blackwell Guide to Epistemology, Oxford 1999 (besonders die Texte von Williams und BonJour)
    L. BonJour, The Structure of Empirical Knowledge, Cambridge 1985

    Hägler:
    Willensfreiheit Kompaktseminar
    Termin: voraussichtlich 8.07. - 11.07.1999
    Vorbesprechung: 15.05., 20 Uhr, Raum 308

    Das alte Problem der Willensfreiheit mag eine Frage sein, die nicht lösbar ist und wenig mit dem zu tun hat, wofür Menschen zu allen Zeiten im Namen der Freiheit gekämpft haben. Gleichwohl gibt es kaum ein philosophisches Problem, das nicht nur Fachphilosophen mehr beunruhigt hätte als dieses. Doch vielleicht fürchten wir uns nur vor Gespenstern!
    Dabei besteht typischerweise nicht einmal Einigkeit darüber, wie das Problem der Willensfreiheit angemessen zu formulieren ist und welche Konsequenzen aus der einen oder anderen Antwort drohen. Selbst elementare Fragen im Zusammenhang mit unserer Rede von "N.N. hätte anders handeln können", "N.N. hätte so handeln sollen" etc. sind umstritten. Was meinen wir eigentlich, wenn wir so reden? Sind moralische Normen und rechtliche Sanktionen sinnlos, falls die Deterministen recht hätten? Löst die Annahme von Zufall oder Kontingenz das Problem?
    Wir wollen uns im Kompaktseminar um einen nüchternen Zugang zu diesem Fragenkomplex bemühen. Neben einer Literaturliste soll in der Vorbesprechung zu Semesterbeginn auch ein `Reader` mit klassischen Texten verteilt werden.
    Teilnahmevoraussetzungen: die Bereitschaft, ein Referat zu übernehmen oder ein Thema vorzubereiten. Scheine können durch Referate oder Hausarbeiten erworben werden.

    Literatur zur Einführung:
    Nagel, Th., Was bedeutet das alles? Kap. 6
    Dennett, D.C., Ellenbogenfreiheit
    Watson (ed.), Free Will

    Höffe:
    Kant, Moral und Recht
    Mi 16 - 18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 14.04.

    In der Metaphysik der Sitten zieht Kant eine klare Trennlinie zwischen Recht und Moral, Legalität und Moralität, Rechts- und Tugendpflichten. Im Seminar untersuchen wir, wo genau diese Unterscheidungen verlaufen, welche Beziehungen zwischen den Bereichen bestehen und welche Bedeutung Kants Unterscheidungen noch heute haben können.
    Wir lesen nicht nur Kants Rechtslehre, sondern auch z.B. Teile aus der Idee zu einer Geschichte in weltbürgerlicher Absicht und aus Zum ewigen Frieden.
    Ein benoteter Schein wird für schriftlich ausgearbeitete Referate und Hausarbeiten ausgestellt. In den Semesterferien sind eine Literaturliste und eine Gliederung im Sekretariat (Zi. 317) erhältlich.

    Textgrundlage: I. Kant, Metaphysik der Sitten: Metaphysische Anfangsgründe der Rechtslehre (hrsg. von B. Ludwig, Meiner, Hamburg ²1998). I. Kant, Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht. I. Kant, Zum ewigen Frieden
    Literatur: O. Höffe (Hrsg.), I. Kant, Metaphysische Anfangsgründe der Rechtslehre (= Klassiker Auslegen, Bd. 19), Berlin 1998
    Zur Einführung: O. Höffe, Recht und Moral: ein kantischer Problemaufriß, in: Neue Hefte für Philosophie 17 (1979), 1-36

    Hofmann: Hilary Putnam
    Di 18 - 20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 13.04.

    Hilary Putnam gehört zu den originellsten und einflußreichsten Gestalten der Gegenwartsphilosophie. Zahlreiche neuere Entwicklungen wurden entscheidend von ihm angeregt: der Funktionalismus in der Philosophie des Geistes, der Externalismus in der Semantik (`Gehirne im Tank`), die Diskussion um den Realismus und das realistische Wahrheitsverständnis u.a. In seiner Frühphase beschäftigte Putnam sich vor allem mit den Themen Bedeutung und Intentionalität, und zwar auf der Grundlage dessen, was Putnam später `metaphysischen Realismus` nannte. Wahrheit sollte realistisch verstanden werden als eine echte, nichtepistemische Eigenschaft von Sätzen. Eine Kritik an dieser Grundlage führte Putnam dann in eine kantianische Position, den `internen Realismus`.
    Im Seminar wollen wir die wichtigsten Teile aus Meaning and the Moral Sciences und Reason, Truth and History lesen und besprechen, die eine Grundlage für alle weiteren Überlegungen Putnams darstellen. Dazu kommen ergänzend einige zentrale Aufsätze hinzu, die für den weiteren Gang Putnams über eine Kritik des `metaphysischen Realismus` in den `internen Realismus` stehen.
    Scheinerwerb: Hausarbeit für benotete Scheine.

    Literatur:
    Putnam, Hilary, Meaning and the Moral Sciences, London, Routledge & Kegan, 1978
    Putnam, Hilary, Reason, Truth, and History. Cambr., Cambr. University Press, 1981; auf deutsch: Vernunft, Wahrheit und Geschichte, übers. von J. Schulte, Frankfurt/M., Suhrkamp, 1982
    Putnam, Hilary, Representation and Reality, Cambr., MIT Press, 1988
    Putnam, Hilary, Realism with a Human Face, Cambr., Harvard University Press, 1990
    Burri, Alex, Hilary Putnam, Frankfurt/M., Campus, 1994 (als allgemeine Einführung zu Putnam)

    Jüngel:
    Schleiermacher, Hermeneutik und Kritik
    Mi 18 - 20, Raum: siehe Aushang, Beginn: 14.04.

    Die Arbeit des Seminars gilt dem Studium der Texte Schleiermachers zur Hermeneutik.

    Keuth:
    Carnap, Die philosophischen Grundlagen der Physik
    Mi 14 - 16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 14.04.

    Rudolf Carnap war einer der bedeutendsten Logiker und Wissenschaftsheoretiker dieses Jahrhunderts. Aus einer Reihe von Seminaren, die er unter dem Titel "Philosophical Foundations of Physics" oder "Concepts, theories and methods of the physical sciences" anbot, entstand ein Buch mit dem Titel "Philosophical Foundations of Physics". Es wird den Kern unseres Seminars bilden. Er gliedert es in sechs Kapitel: 1. Gesetze, Erklärungen und Wahrscheinlichkeit, 2. Messung und quantitative Sprache, 3. Die Struktur des Raumes, 4. Kausalität und Determinismus, 5. Theoretische Gesetze und theoretische Begriffe und 6. Jenseits des Determinismus. Dieses Buch bietet mit geringem formalem Aufwand eine hervorragende Einführung in die Methodologie der empirischen Wissenschaften.
    Zum Erwerb eines benoteten Scheines muß ein Referat angefertigt werden.

    Literatur:
    Sowohl das englische Original "Philosophical Foundations of Physics" als auch die deutsche Übersetzung "Die philosophischen Grundlagen der Physik" sind vergriffen. Die deutsche Übersetzung steht aber im Seminarapparat zur Verfügung.

    Klinger:
    Nietzsche wiedergelesen. Postmoderne und feministische Perspektiven – Kompaktseminar: Do 24.06., 10 Uhr - Sa 26.06.1999, Alte Burse, Raum 211. Anmeldung im Sekretariat bei Frau Ott.

    Die Theorien von Marx, Freud und Nietzsche gelten als die drei wirkungsmächtigsten Ansätze zur Kritik des abendländischen Denkens und der westlichen Kultur. Während sich feministische Theoriebildung in ihrem Streben nach Veränderung der überlieferten, männlich dominierten Denk- und Gesellschaftsordnung bereits früh und intensiv sowohl an Marx als auch an Freud orientiert hat, ist das Verhältnis zu Nietzsches Denken äußerst komplex und ambivalent. Obwohl die Frauenbewegung um die Jahrhundertwende sich lebhaft mit Nietzsche auseinandergesetzt hat, hat sein entschiedener Anti-Feminismus einer breiteren theoretischen Rezeption im neueren Feminismus lange entgegengestanden. Erst im Zuge der Nietzsche-`Renaissance' im Kontext postmoderner Theorie (in der Nachfolge Foucaults bis zu Derrida und Deleuze) entsteht ein neues feministisches Interesse an Nietzsches radikaler Wissens- und Moralkritik, ebenso wie an seinem "Stil" und seiner Schreibweise.
    Leistungsnachweis: Referat oder Hausarbeit.

    Literaturhinweise:
    Quellen:
    Friedrich Nietzsche: Zur Genealogie der Moral, in: Sämtliche Werke, Hg. v. G. Colli/M. Montinari. Krit. Studienausgabe, München/Berlin: dtv, De Gruyter 1980, Bd. 5, S. 245-412. [Oder andere Ausgabe]
    Klaus Goch (Hrsg.): Friedrich Nietzsche, Über Frauen, Insel Verlag, Frankfurt/M. 1992

    Forschung:
    Peter Burgard (Ed.): Nietzsche and the Feminine. Charlottesville, University Press of Virginia 1994
    Carol Diethe: Nietzsche's Women, Beyond the Whip. (Monographien und Texte zur Nietzsche-Forschung, Bd.31) Berlin: De Gruyter 1996
    Jaques Derrida: Sporen. Die Stile Nietzsches, in: W. Hamacher (Hrsg.): Nietzsche aus Frankreich, Frankfurt/Berlin 1986, S. 129-168
    Gilles Deleuze: Nietzsche und die Philosophie, Hamburg: Europäische Verlagsanstalt 1991
    Michel Foucault: Nietzsche, die Genealogie, die Historie, in: M. Foucault, Von der Subversion des Wissens, hrsg. v. W. Seitter, Frankfurt/M., Fischer TB 1993
    Kelly Oliver: Womanizing Nietzsche, Philosophy's Relation to the `Feminine'. London/New York: Routledge 1995
    Paul Patton (Ed.): Nietzsche, Feminism and Political Theory, London/New York: Routledge 1983

    Koch, A.F.:
    Die Hegelsche Begriffslogik: Objektivität
    Di 20 - 22, Alte Burse, Raum X, Beginn: 13.04.

    Thema des Seminars ist der zweite Abschnitt der Hegelschen Begriffslogik: "Die Objektivität". Wir werden in genauer, von Referaten angeleiteter Lektüre den Text des Abschnittes durchgehen. Für einen benoteten Schein ist eine schriftliche Hausarbeit anzufertigen.

    Kümmel:
    Parmenides
    Do 10 - 12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 15.04.

    Bis heute ist das Lehrgedicht von Parmenides ein gedanklich schwer zu durchdringender Text und hört nicht auf, Gegenstand endloser Kontroversen zu sein. Ich habe im Seminar vor, die komplexe Sachlage von der logischen Seite her zu beleuchten. Parmenides' erster "Weg des Denkens" wird von vornherein unter dem Gesichtspunkt logischer Erfordernisse durchdacht: Ausschluß des Widerspruchs aus dem "Sein"; Selbstwidersprüchlichkeit und damit `Undenkbarkeit' des "Nichts"; verbleibende, aber nicht aporetisch werdende Gegensatzstruktur in der "Welt des (vielen) Seienden".
    Das Verhältnis des "ersten" Weges zum "dritten" bezeichnet eine logische Differenz in der Behandlung des Gegensatzes. Auch wenn das Denken des "Seins" eine zur Monas bzw. zur bruchlosen Einheit hin führende Wendung nimmt und die zweiwertige Logik vorbereitet, bleibt der Weg des Denkens bezüglich der "Welt des Vielen" mit der mythologisch vorgebildeten, im "Zwei Wege"-Schema auskristallisierten Logik der Gegensätze konfrontiert. Der "dritte" Weg der Welterklärung bringt die Gegensatzstruktur in einer sehr interessanten, das ausschließende Entweder-Oder von "Licht" und "Nacht" nicht-alternativ verstehenden Weise zur Anwendung: "Licht" und "Nacht" werden als getrennt-verbunden betrachtet und streng symmetrisch zueinander gestellt. Unaufhebbare und unvermittelbare Gegensätze dieser Art belassen aber auch den kontradiktorischen Widerspruch in einer doppelten Beleuchtung, einmal von der Entscheidbarkeit, das andere Mal von der Nichtentscheidbarkeit her gesehen. Eine "Logik der Symmetrie/Asymmetrie", wie sie in Protagoras Fragment 6 a und b skizziert wird, könnte an dieser Stelle das missing link zwischen logisch-seinstheoretischer (kontradiktorischer) und kosmologisch-gegenstandsbezogener (konträrer) Gegensatzbildung bilden.
    Aber auch das Verhältnis der beiden ersten, "Sein" und "Nichts" betreffenden Wege stellt ein logisch schwer aufzulösendes Problem dar. Die Zeitgenossen hatten ihre Schwierigkeit mit dem mit einem Verdikt verbundenen Ausschluß des "zweiten" Weges: dem Denken des "Nichts", denn zweifellos ist er (allerdings nur in einer das Nichts zur Negation abschwächenden Form) irgendwie gangbar (siehe schon Zenons Problem der unendlichen Teilbarkeit von Kontinua) und muß auch von Platon bei der Bestimmung des Seienden eingeräumt werden (vgl. den Sophistes). Von dieser Seite her wird ein starkes Argument gegen Parmenides geltend gemacht: Ein Denken, das nicht über die Negation verfügt, könne auch sich selber gar nicht mehr bewegen und keine bestimmte Aussage machen. Weil es keine Unterscheidungen treffen könne, bliebe ein solches Sein-Denken zwangsläufig leer. Zugleich aber ist unübersehbar die Aufforderung: "Denke das Undenkbare!" damit verbunden.
    Wie immer man zu dieser Kontroverse Stellung nimmt: "Sein" (Einheit) und "Seiendes" (Pluralität) lassen sich von daher nicht mehr ohne weiteres zur Gleichung bringen, so daß zur oben angesprochenen "logischen Differenz" eine "ontologische Differenz" hinzukommt und beider Verhältnis zur Frage wird. Bezüglich "Sein" und "Nichts" redet Parmenides von einer anderen Unbezüglichkeit bzw. Unverträglichkeit der Wege als bei "Licht" und "Nacht", die zwar "keinen Anteil aneinander haben", aber trotzdem unauflösbar zusammengehörig sind. Es gibt hier eine (wenn schon gegensätzlich strukturierte) Relation, die von Parmenides bezüglich "Sein" und "Nichts" gerade bestritten wird. Auch hinsichtlich der beiden fundamentalen Differenzen muß folglich das Verhältnis von Symmetrie und Asymmetrie in Anschlag gebracht werden.
    Benoteter Schein: Hausarbeit.

    Maluschke:
    Globalisierung als rechtliche und politische Herausforderung –
    Kompaktseminar
    Do 1.07. - So 4.07.1999, 9 - 12 Uhr; 14 - 18 Uhr, Alte Burse, Raum 211, Beginn: 1.07.

    Das vielschichtige Phänomen der Globalisierung zu analysieren heißt, jene auf den Finanzmärkten, im internationalen Wirtschaftsverkehr und in den Hochrisikotechnologien beobachtbaren Aktionsformen aufzeigen, die Zustandsveränderungen auf der ganzen Welt bewirken. Die globale Ausdehnung der insbesondere durch die neuesten Informationstechnologien ermöglichten Aktions- und Produktionsweisen erschwert ihre Kontrolle erheblich. Diese rasanten technologischen sozialen und juridischen Veränderungen stellen die Politik vor ganz neue Aufgaben. Verfügt der demokratische Verfassungsstaat über die Mittel, diesen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen?
    Zu Beginn des Sommersemesters werden im Aushang die Referatthemen bekanntgegeben.

    Literatur:
    Albrow, Martin, Abschied vom Nationalstaat, Frankfurt/M. 1998
    Beck, Ulrich, Was ist Globalisierung? Frankfurt/M. 1997
    Ders. (Hrsg.), Politik und Globalisierung, Frankfurt/M. 1998
    Ders. (Hrsg.), Perspektiven der Weltgesellschaft, Frankfurt/M. 1998
    Biskup, Reinhold (Hrsg.), Globalisierung und Wettbewerb, Bern 21996
    Featherstone, Mike (Hrsg.), Global Culture, Nationalism, Globalization and Modernity, London 1990
    Flassbeck, Heiner/Dressler, Rudolf, Globalisierung und nationale Sozialpolitik, Berlin/Bonn 1996
    Münch, Richard, Globale Dynamik, lokale Lebenswelten, Frankfurt/M. 1998
    Reich, Robert B., Die neue Weltwirtschaft. Das Ende der nationalen Ökonomien, Frankfurt/M. 1997
    Strange, Susan, The Retreat of the State, Oxford 1996
    Stein, Ursula, Lex Mercatoria. Realität und Theorie, Frankfurt/M. 1995

    Rapp:
    Aristoteles' Topik – Kompaktseminar
    Vorbereitungssitzung: Do 15.04.1999, 14.15 - 15.45 Uhr; Termine: Sa 8.05., Sa 5.06., Sa 3.07., jeweils 9.15 - 12.30 Uhr und 14.30 - 18.00 Uhr, Alte Burse, Raum X

    Die Topik des Aristoteles gehört zu jenen Texten, die häufig zitiert, aber offenbar nur selten gelesen werden. Aristoteles entfaltet darin seine "Dialektik", eine Methode, durch die es möglich sein soll, jedes vorgelegte Problem aus jedem beliebigen Sachbereich zu erörtern. Ein System von sogenannten "Topoi" – Argumentationsmustern – soll den Dialektiker dazu befähigen, zu jedem Problem anerkannte Sätze als Prämissen aufzufinden und daraus eine angestrebte Schlussfolgerung deduktiv herzuleiten. Wer dieses dialektische Verfahren beherrscht und sich darauf versteht, eine jede Sache "nach beiden Seiten hin" zu prüfen, der sieht auch besser, was eine philosophische These Haltbares an sich hat. Umstritten ist in der Forschung, ob Aristoteles dieses Verfahren als hinreichend für die Etablierung philosophischer Sätze ansieht oder ob es sich nur um eine Vorübung zur eigentlichen Philosophie handelt.
    Griechischkenntnisse werden nicht vorausgesetzt. Benotete Scheine werden aufgrund eines Referats und einer schriftlichen Hausarbeit vergeben.
    Eine griechische Ausgabe des Textes liegt in der Reihe "Oxford Classical Texts" vor. Eine deutsche Übersetzung ist in der Philosophischen Bibliothek, Verlag F. Meiner, Hamburg, erhältlich.
    Teilnehmer des Seminars können eine in Tübingen entstandene, bisher noch unpublizierte Neuübersetzung der Topik zum Kopienpreis erwerben.

    Schneider:
    Moses Maimonides und die aristotelische Tradition im lateinischen Mittelalter
    Mo 16 - 18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 19.04.

    Moses Maimonides – Rabbi Mose bei Maimon, wie er auch genannt wird – gehört zu den bedeutendsten jüdischen Philosophen und Theologen nicht nur des lateinischen Mittelalters, sondern der jüdischen Tradition als ganzer. Am 30.3.1135 in Cordova/Spanien geboren und am 13. Dezember 1204 in Fostat bei Kairo/Ägypten gestorben, hat er fast ein ganzes Jahrhundert mit seinen Ideen begleitet. Er ist derjenige gewesen, der die aristotelische Philosophie in das jüdische Denken eingebracht und fruchtbar gemacht hat.
    Das Seminar verfolgt das Ziel, die Affinitäten zwischen Moses Maimonides und der lateinischen Tradition der Aristotelesrezeption im 13. Jahrhundert aufzuhellen, die mannigfaltigen Bezüge herauszustellen, die es etwa zwischen Maimonides und Thomas von Aquin gibt. Das betrifft die Metaphysik, aber auch die Ethik und die Theologie. Es wird ein Gesamtbild der Beziehungen zwischen jüdischer und christlicher Philosophie im lateinischen Mittelalter geboten. Das Seminar gehört thematisch zur mittelalterlichen Wirkungsgeschichte des Aristoteles; und ist daher für ein angemessenes Aristotelesverständnis unentbehrlich.
    Ein qualifizierter Seminarschein kann aufgrund regelmäßiger Teilnahme und einer Hausarbeit erworben werden.

    Textgrundlage:
    Moses Maimonides, Führer der Unschlüssigen, hrsg. und ins Deutsche übers. v. A. Weiss, 2 Bde., Hamburg (PhB. 184a-c) 1972
    Moses Maimonides, The Guide of the Perplexed, transl. and with Introd. by Shlomo Pines, Indroductory Essay by Leo Strauss, 2 Bde., Chicago/London 1963
    Weitere Literatur wird in der ersten Seminarsitzung bekanntgegeben.Schroeder-Heister: Bedeutungstheorie und Logik
    Do 8 - 10, Alte Burse, Raum X, Beginn: 15.04.

    Behandlung von Begründungsfragen der Logik, wie sie im Rahmen neuerer sprachphilosophischer Diskussionen vorgetragen werden. Es werden unter anderem wahrheitstheoretische, spieltheoretische und begründungstheoretische (beweistheoretische) Ansätze zur Begründung der Logik sowie der Zusammenhang zwischen Logik und Metaphysik behandelt. Dabei wird auch diskutiert, inwieweit es eine "Begründung" der Logik überhaupt geben kann, und ob es Möglichkeiten gibt, bestimmte Logiken vor anderen philosophisch auszuzeichnen.
    Vorbesprechung: Mi 10.2.1999, 13 Uhr in meinem Zimmer (Sand 13, Erdgeschoß).Vergabe von Referaten, insbesondere für die ersten Sitzungen des Sommersemesters.
    Voraussetzung: Logik-Kenntnisse.
    Scheinvergabe: Benoteter Schein aufgrund von Referat mit schriftlicher Ausarbeitung. Teilnahmeschein aufgrund von Referat.

    Soldati:
    Husserl – Kompaktseminar
    Do 29.04.99 - Sa 1.05.99, Raum: siehe Aushang

    Husserl gilt als einer der einflußreichsten Philosophen dieses Jahrhunderts. Dennoch wird er wegen seines umständlichen Stils wenig gelesen. In diesem Seminar werden einige tragende Themen in Husserls Philosophie an Hand von ausgewählten Textstellen behandelt. Zu den behandelten Themen gehören: (i) Intentionalität; (ii) Die Beziehung zwischen Phänomenologie und Psychologie; (iii) Urteilstheorie; (iv) Ontologie; (v)Empirische und transzendentale Subjektivität; (vi) Intersubjektivität. Besondere Aufmerksamkeit wird der Entwicklung von Husserls Ansichten von der frühen, naturalistischen zur späteren, transzendentalen Phänomenologie geschenkt. Zur Vorbereitung: Bell, David 1990: Husserl. London: Routledge, und Soldati, Gianfranco 1994: Bedeutung und psychischer Gehalt. Paderborn: Schöningh.
    Genauere Auskünfte über den Verlauf des Kompaktseminars sind Anfang des Sommersemesters 1999 am Schwarzen Brett des Philosophischen Seminars zu finden.

    Waibel:
    Kant, Kritik der reinen Vernunft. Deduktion der reinen Verstandesbegriffe
    Mi 10 - 12, Alte Burse, Raum X, Beginn: 14.04.

    Die Deduktion der reinen Verstandesbegriffe gehört zu denjenigen Teilen von Kants erster Kritik, die er für die zweite Auflage von 1787 einer umfassenden Neukonzeption unterzog. Da die Deduktion nach Kants eigenem Verständnis den Schlüssel zum ganzen Werk bietet, sollte gerade dieser Teil von den vielfach beklagten Dunkelheiten bereinigt und der Hauptgedanke faßlicher dargestellt sein. Dessen ungeachtet bevorzugten ganze Generationen von Interpreten die Deduktion bald der ersten, bald der zweiten Auflage. Selten aber suchte man, wie es im Seminar geschehen soll durch eine vergleichbare Analyse der beiden Deduktionen den Zugang zu Kants Werk, obwohl gerade dieser Weg systematisch erhellend ist.
    Benoteter Schein: Kurzreferat als Vorbereitung einer Sitzung und Hausarbeit (10 – 15 Seiten).

    Literaturauswahl:
    Baum, Manfred, Deduktion und Beweis in Kants Transzendentalphilosophie. Untersuchungen zur Kritik der reinen Vernunft, Königstein/Taunus 1986
    Brandt, Reinhard, Die Urteilstafel. Kritik der reinen Vernunft A 67-76; B 92-201, Hamburg 1991
    Carl, Wolfgang: Die Transzendentale Deduktion der Kategorien in der ersten Auflage der Kritik der reinen Vernunft. Ein Kommentar, Frankfurt/M. 1992
    ders., Der schweigende Kant. Die Entwürfe zu einer Deduktion der Kategorien von 1781. Göttingen 1989
    Cramer; Konrad, Über Kants Satz. Das: Ich denke, muß alle meine Vorstellungen begleiten können. In: Theorie der Subjektivität. Hrsg. von Konrad Cramer/Hans Friedrich Fulda/Rolf Peter Horstmann, Ulrich Pothast. Frankfurt/M. 1990, 167-202
    Guyer, Paul, Kant and the Claims of Knowledge, Cambridge 1987
    Heinrich, Dieter, Identität und Objektivität. Eine Untersuchung über Kants transzendentale Deduktion. Heidelberg 1974
    ders., Die Beweisstruktur von Kants transzendentaler Deduktion. In: Kant. Zur Deutung seiner Theorie von Erkennen und Handeln. Hrsg. von Gerold Prauss, Köln 1973, 90-104
    Tuschling, Burkhard, Probleme der Kritik der reinen Vernunft. Kant-Tagung Marburg 1981. Berlin/New York 1984


    Oberseminare


    Figal:
    Philosophische Interpretation (Forschungsseminar für Doktoranden und Examenskandidaten) – Kompaktseminar
    Fr 7.05. – So 9.05.1999 in Blaubeuren


    In diesem Seminar sollen verschiedene Konzeptionen der Interpretation von Nietzsche bis zur Gegenwart vorgestellt und erörtert werden. Das Oberseminar ist für Doktoranden und Examenskandidaten gedacht.
    Teilnahme nur aufgrund persönlicher Einladung.

    Frank: Diskussion neuester Publikationen in der Philosophy of Mind: Oberseminar für Doktorand(inn)en und Examenskandidat(inn)en
    Mi 20 - 22, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 14.04.

    Welche Texte gelesen werden, wird von den Teilnehmer(inn)en, wie üblich, in einer rechtzeitig angekündigten Vorbereitungssitzung oder in der ersten Sitzung des neuen Semesters gemeinsam festgelegt.

    Höffe:
    Demokratietheorien: Doktorandenkolloquium
    Do 15.30 - 19.00 Uhr, Gästehaus der Universität, Lessingweg 3 – voraussichtliche Termine: 29.04., 20.05., 17.06., 1.07. (persönliche Anmeldung in der Sprechstunde)

    Höffe/Jüngel/Vitzthum: Aristoteles' Theorie der Gerechtigkeit und Freundschaft
    Di 19 - 21, 14-tägl. – voraussichtl. Termine: 27.04., 11.05., 1.06., 29.06., 6.07., Raum: s. Aushang

    Auf der Grundlage der Nikomachischen Ethik diskutieren wir Fragen der Ethik und der Politischen Philosophie: die Abhandlungen über die Gerechtigkeit (Buch V) und über Freundschaft (Buch VIII-IX). Persönliche Anmeldung in der Sprechstunde von einem der Seminarleiter ist erforderlich. Für schriftlich ausgearbeitete Referate und Hausarbeiten kann ein benoteter Schein erworben werden.

    Textgrundlage: Aristoteles, Nikomachische Ethik
    Literatur: O. Höffe (Hrsg.): Aristoteles, Nikomachische Ethik (=Klassiker Auslegen, Bd. 2), Berlin 1996
    Zur Einführung: O. Höffe, Aristoteles, München 1996, bes. Teil IV

    Keuth:
    Evolutionäre Erkenntnistheorie
    Mi 10 - 12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 14.04.

    Die Evolutionstheorie besagt, daß Sinnesorgane und Gehirn sich wie die anderen körperlichen Eigenschaften entwickelt haben. Daraus wird auf eine evolutionäre Anpassung unserer Erkenntnis (unseres Wissens) an die Wirklichkeit geschlossen. Diese Folgerung ist u.a. deshalb kontrovers, weil sie einen erkenntnistheoretischen Realismus involviert. Das Seminar wird sich auf neuere Beiträge stützen, vor allem auf Zeitschriftenaufsätze, die hier nicht im einzelnen aufgeführt werden können.
    Zum Erwerb eines benoteten Scheines muß ein Referat angefertigt werden.
    Einführende Literatur:
    Volker Gadenne, "Bewußtsein, Kognition und Gehirn", (Huber) Bern/Göttingen/Toronto/Seatle 1996, ISBN 3-456-82594-3



    Kolloquien


    Fahrenbach: Kolloquium
    nach Vereinbarung

    Kümmel:
    Hermeneutische Philosophie
    Fr 18 - 20, Alte Burse, Raum 308, Beginn: 23.04.

    Schroeder-Heister:
    Logik und Sprachtheorie
    Di 17 - 19, Sand 13, Raum 117, Beginn: 13.04.

    Vorträge von fortgeschrittenen Studierenden sowie Gastvorträge, unter anderem im Rahmen der Forschergruppe "Logik in der Philosophie". Einladungen werden jeweils per e-mail verschickt. Interessierte können sich auf den Einladungsverteiler setzen lassen (bitte e-mail an psh@informatik.uni-tuebingen.de oder kahle@informatik.uni.tuebingen.de).

    Wimmer
    : Doktorandenkolloquium
    Do 9.30 - 13.00; 14-täglich, Ethikzentrum, Keplerstraße 17, Beginn: 15.04.


    Arbeitskreis


    Hoering:
    Lernprogramme (insbesondere für Logik)
    Di 19 - 21, Alte Burse, Computer-Pool, Beginn: 13.04.

    Seit einiger Zeit gibt es ein Tutor-Programm zum Einüben des logischen Ableitens in Formalismen der Aussagen-, Prädikaten- und Modallogik, das im Rahmen dieses Arbeitskreises entwickelt worden ist. Dieses Programm wurde zunächst in Pascal für IBM-kompatible Rechner geschrieben; für seine Portierung auf andere Plattformen stellen wir Versionen in TCL/TK her. Neue Mitglieder, die bereits Kenntnisse in diesen Sprachen besitzen, sind herzlich willkommen.