Philosophisches Seminar

Sommersemester 2001

Inhalt:

  • Vorlesungen
  • Einführungsveranstaltung
  • Proseminare
  • Seminare
  • Oberseminare
  • Kolloquien
  • Arbeitskreis
  • Zusätzliche Lehrveranstaltungen (aktuelle Änderungen)

Sprechstunden der Dozenten

Allgemeine Studienberatung: Dietmar Koch, Fakultätsassistent

Di 10-12, Raum 214

Semestertermine:

Beginn der Vorlesungen: 23. 04.

Ende der Vorlesungen: 21. 07.

Freistellung: Prof. Dr. Günther Maluschke, PD Dr. Dimas Figueroa

Einführungsabend für Studienanfänger:
Mo 30. 04., 18 Uhr c.t., Alte Burse, Raum X

Vorlesungen

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Brachtendorf: Die Philosophie Johann G. Fichtes

Do 16-18, Ort: siehe Aushang, Beginn: 26. 4.

 

 

Fichte verstand sein Denken als konsequente Fortsetzung der Kantischen Philosophie, geht dabei aber in zwei Hinsichten über Kant hinaus, die sich mit den Stichworten "Immanenz" und "Transzendenz" charakterisieren lassen. Zum einen verwirft er Kants Konzeption eines Dinges an sich und leugnet somit die eigenständige Existenz der Außenwelt. Diese wird ganz in die Immanenz des Bewußtseins hineingenommen. Zum anderen eröffnet die Analyse des Bewußtseins den Blick auf einen Grund, der jeder Reflexion vorausliegt. Die traditionelle Rede von einem höchsten Sein, die Kant aus der theoretischen Philosophie verbannen wollte, restituiert Fichte durch eine Analyse von Subjektivität. Damit ebnet Fichte den Weg für die aus dem Boden der Transzendentalphilosophie hervorgewachsene, spekulative Metaphysik, die im Zentrum des ganzen Deutschen Idealismus steht. Während seiner Jenaer Zeit (1794-1800) dominierte Fichte die neue deutsche Philosophie sein Einfluß auf Hölderlin und die Romantiker, auf Schelling und Hegel ist unbestritten. Nach 1800 findet eine Auffächerung der idealistischen Bewegung statt, in der Fichtes späte Philosophie eine Richtung neben anderen darstellt.

Die Vorlesung soll einen Überblick über das Gesamtwerk Fichtes geben. Sie wird in den transzendentalen Ansatz Fichtes einführen und die Grundlinien seiner spekulativen Metaphysik darstellen.

 

 

Literatur:

Rohs, P.: Johann Gottlieb Fichte (Becksche Reihe Große Denker). München 1991.

Baumanns, P.: J. G. Fichte. Kritische Gesamtdarstellung seiner Philosophie. Freiburg 1990.

Brachtendorf, J.: Fichtes Lehre vom Sein. Eine kritische Darstellung der Wissenschaftslehren von 1794, 1798/99 und 1812. Paderborn 1995.

 

 

Engels: Grundpositionen der philosophischen und biologischen Anthropologie

Di 11-13, Kleiner Botanischer Hörsaal (N 11), Beginn: 24. 4.

 

 

In seinem Phil. Lexikon beschreibt J. G. Walch zu Beginn des 18. Jahrhunderts im Artikel "Anthropologie" den Menschen als "aus einer gedoppelten Natur, einer physischen und moralischen" bestehend. Der Doppelaspekt der menschlichen Existenz hat das philosophische und naturwissenschaftliche Denken seit der Antike beschäftigt und wurde in Abhängigkeit vom zeitgeschichtlichen Kontext und vom naturwissenschaftlichen Kenntnisstand in seiner Gewichtung und inhaltlichen Ausprägung jeweils unterschiedlich charakterisiert.

In der Vorlesung sollen wichtige Positionen der philosophischen und biologischen Anthropologie vorgestellt und diskutiert werden.

 

 

Einführende Literatur:

Michael Landmann: Philosophische Anthropologie. 5. Aufl. Berlin/New York: de Gruyter 1982.

Gerd Haeffner: Philosophische Anthropologie. 3. vollst. neu bearbeitete Aufl. Stuttgart/Berlin/Köln: Kohlhammer 2000.

Max Scheler: Schriften zur Anthropologie. Stuttgart: Reclam 1994.

W. W. Mühlmann: Geschichte der Anthropologie. 3. Aufl. Wiesbaden: Aula 1984.

 

 

Figal: Die Philosophie Martin Heideggers II (Heideggers späteres Denken)

Mi 16-18, Hörsaal: Alte Physik, Beginn: 25. 4.

 

 

Mit dieser Vorlesung setze ich auf Wunsch der Teilnehmer die im Wintersemester 2000/2001 begonnene Einführung in Heidegger fort. Aber ich werde neu ansetzen, so daß der Vorlesung auch gefolgt werden kann, wenn man den ersten Teil nicht gehört hat. Während dieser nämlich den philosophischen Anfängen Heideggers in den frühen zwanziger Jahren gewidmet war und seine philosophische Entwicklung bis zum Hauptwerk Sein und Zeit (1927) verdeutlichen sollte, möchte ich mich im Sommer mit Heideggers Denken in den dreißiger Jahren, besonders mit seinen umfangreichen Beiträgen zur Philosophie (1936-1938) beschäftigen. Dabei interessiert mich die Kontinuität der Fragestellung ebenso wie der Neuanfang, den Heidegger sich nach Sein und Zeit erarbeitet. Heideggers Auseinandersetzung mit der technischen Prägung der modernen Welt und sein Versuch, anders als die philosophische Tradition, aber im Gespräch mit ihr zu philosophieren, werden dabei im Zentrum stehen.

 

Höffe: Demokratie im Zeitalter der Globalisierung

Di 10-12, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 24. 4.

 

 

Die Globalisierung findet nicht nur in der Wirtschaft statt. Sie erstreckt sich auch auf die Politik, die Wissenschaften, das Bildungswesen und die Kultur, nicht zuletzt auf die organisierte Kriminalität und die Bedrohung der Umwelt. Aus diesen neuartigen Aspekten ergibt sich ein globaler Handlungsbedarf, der mit der hergebrachten Struktur souveräner Einzelstaaten nur begrenzt zu bewältigen ist. Selbst die Instrumente der klassischen Diplomatie und des Völkerrechts, die zwischenstaatlichen Bündnisse und die bestehende Weltorganisation, die Vereinten Nationen, erweisen sich als unzulänglich. Erforderlich ist eine globale Rechts- und Staatsordnung, die sich ihrerseits den Bedingungen der freiheitlichen Demokratie unterwirft und die andererseits, weil Einzelstaaten legitim bleiben, lediglich einen komplementären, nämlich subsidiären und föderalen Rang, beansprucht.

 

 

Literatur:

O. Höffe: Demokratie im Zeitalter der Globalisierung. München 1999.

(Hörerscheine erhältlich im Sekretariat, Alte Burse, Zi. 317).

 

 

 

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Keuth: Wissenschaftstheorie II

Do 10-12, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 26. 4.

 

 

Die Vorlesung "Wissenschaftstheorie I" wird fortgesetzt. Zu den Themen werden zählen: die Interpretation der Wahrscheinlichkeitskalküle, das Determinismus-Indeterminismus-Problem, zur Logik der Entdeckung, die Kritik im "Positivismusstreit" an der Methodologie der empirischen Wissenschaften, der Werturteilsstreit.

 

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Koch, A. F.: Einführung in die Philosophie I: Grundlagen

Do 18-20, Ort: siehe Aushang, Beginn: 26. 4.

 

 

Mit dieser Vorlesung möchte ich eine über mehrere Semester fortzusetzende Einführung in die Philosophie eröffnen, die unter der Leitfrage nach der Möglichkeit und dem Inhalt einer Ersten Philosophie stehen soll. Historisch ist die Erste Philosophie als Frage nach dem Seienden als Seiendem, d. h. als Metaphysik (Aristoteles), als Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit synthetischer Urteile a priori, d. h. als Transzendentalphilosophie (Kant), als Frage nach Wahrheit und Bedeutung von Sätzen, d. h. als philosophische Semantik (Frege, Russell, Wittgenstein), aufgetreten um wenigstens diejenigen ihrer Ausformungen zu erwähnen, die in den kommenden Semestern ausführlich behandelt werden sollen. Im gegenwärtigen Semester geht es darum, ein begriffliches Fundament für die geplanten Darstellungen zu gewinnen: Die Erste Philosophie soll vorläufig charakterisiert werden als Theorie des Begriffs und Faktums der Wahrheit, und dieses Faktum wird einerseits mit dem Phänomen der Subjektivität und andererseits mit der fundamentalen Antinomie verknüpft, die den Diskurs als solchen bedroht (vgl. die Lügnerantinomie). Nebenher soll in die Grundbegriffe und Grundoptionen der philosophischen Semantik eingeführt werden (semantischer Realismus und Antirealismus; Fregesche versus Russellsche Semantik; Tarskis Definitionsverfahren für Wahrheitsprädikate usw.)

Im Handapparat der Seminarbibliothek wird ein Skriptum der Vorlesung zugänglich gemacht.

 

 
Schroeder-Heister: Formale Logik II: Modal- und Zeitlogik

Mo 13-15, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 23. 4.

 

 

Die Modallogik gehört seit der Antike zum Kernbestand der philosophischen Logik. Vom modernen Standpunkt ist sie eine zentrale Erweiterung der Junktorenlogik und der Quantorenlogik erster Stufe, die die Grundlage vieler weiterer Logikformalismen darstellt. In der Vorlesung wird die Mögliche-Welten-Semantik der Modallogik vorgestellt, wie sie von S. Kripke entwickelt worden ist, sowie Tableau-Verfahren zur syntaktischen Auswertung von Formeln. Als Formalismus, der mit dem der Modallogik eng verwandt ist, wird die Zeitlogik eingeführt. Dies bietet sich aber nicht nur aus formalen Gründen an, sondern auch deshalb, weil das Problem der logischen Behandlung zeitlicher Beziehungen eine große philosophische Tradition hat und sich besonders eignet, das Problem der Adäquatheit alternativer logischer Modellierungen aufzuwerfen und zu diskutieren.

Voraussetzung: Erfolgreiche Teilnahme an der Veranstaltung Logik I oder gleichwertige Logik-Kenntnisse.

Ein Seminarschein wird vergeben aufgrund des Besuchs der Übungen und erfolgreicher Bearbeitung von Übungsaufgaben.

 

 

Übungen zur Vorlesung: Formale Logik I: Modal- und Zeitlogik

nach Vereinbarung

 

 

Wieland: Philosophie der Neuzeit I: von Descartes zu Hume
FÄLLT AUS!!!

Mo 11-13, Mi 11-12, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 25. 4.

 

 

Erläuterungen zur Vorlesung: siehe Aushang.

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Einführungsveranstaltung

D. Koch: Einführung in das Studium der Philosophie

Mo 10-12; Alte Burse, Raum X, Beginn: 23. 4.

Die Einführungsveranstaltung dient der umfassenden Grundorientierung im Philosophiestudium. Sie ist reserviert für Erst- und Zweitsemester im Fach Philosophie.

Aufgabe der Veranstaltung ist es, Kenntnisse zum Studienablauf und zur Studienorganisation zu vermitteln, grundlegende Literatur bekannt zu machen, eine Anleitung zu wissenschaftlichem Arbeiten zu geben, vor allem jedoch in geschichtlich wie systematisch bedeutsame Grundprobleme und Grundbegrifflichkeiten philosophischen Denkens einzuführen. Dies geschieht anhand von Textauszügen zentraler philosophischer Werke von Parmenides bis Heidegger. (Die Textauszüge werden ausgegeben.)

 

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Proseminare

Düwell: Einführung in die Ästhetik Theodor W. Adornos - (Veranstaltung des Interfakultären Zentrums für Ethik in den Wissenschaften)

 

Mo 18-20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 30. 4.

Lange Zeit galten die Schriften Adornos als Pflichtlektüre für alle, die sich für philosophische Ästhetik interessieren. Spätestens seit den 80er Jahren ist Adornos "Ästhetische Theorie" jedoch stark in den Hintergrund getreten. Gleichwohl zählt dieser Text mit Recht zu den Klassikern der philosophischen Ästhetik und leistet einen wichtigen Beitrag zum Verständnis des Ästhetischen und der Kunst. Der bisweilen hermetische Charakter von Adornos Texten verspricht allerdings keine leichte Lektüre. Das Seminar soll anhand von kürzeren Texten und einer Auswahl aus der "Ästhetischen Theorie" in zentrale Gedanken von Adornos Ästhetik einführen. Es ist ein Proseminar, weil Adornos Texte auch einen guten Einblick in die philosophische Ästhetik vermitteln. Gleichwohl ist das Proseminar nicht für Erstsemester geeignet. Ein benoteter Schein wird aufgrund eines Referats und einer schriftlichen Ausarbeitung vergeben.

 

 

Zur Vorbereitung:

Adorno, Theodor W.: Rede über Lyrik und Gesellschaft. In: Ders.: Noten zur Literatur. Herausgegeben von Rolf Tiedemann. Frankfurt/M. 1981. S. 49-68. (stw 355)

Ders.: Ästhetische Theorie. Hrsg. von Gretel Adorno und Rolf Tiedemann. Frankfurt/M. 1970. (stw 2)

Wiggershaus, Rolf: Theodor W. Adorno, München: Becksche Reihe Denker 1998.

 

 

Düwell/Graumann: Einführung in die Wissenschafts- und Technikethik - Kompaktseminar - (Veranstaltung des Interfakultären Zentrums für Ethik in den Wissenschaften)

 

6.-8. 7. 2001, Verpflichtende Vorbesprechung: 2. 5., 13 c.t.

Ort: Konferenzraum im Interfakultären Zentrum für Ethik in den Wissenschaften

Gentechnologie, Atomkraft oder Informationstechnologie: Wissenschafts- und Technikethik hat es mit den komplexen Problemen zu tun, die sich im Zusammenhang mit (natur-)wissen-schaftlichem Arbeiten sowie mit den Folgen von wissenschaftlich-technischen Innovationen stellen. Eine der Aufgabe der Wissenschafts- und Technikethik ist es, die Begriffe und Prinzipien für die ethische Reflexion dieser Probleme bereitzustellen. Im Seminar sollen daher Grundbegriffe und Grundprinzipien der Wissenschafts- und Technikethik erarbeitet werden. Dabei wird es neben Begriffen wie Verantwortung und Risiko auch um Rollenverpflichtungen von Wissenschaftlern gehen.

Bei der Behandlung wissenschafts- und technikethischer Probleme ist in aller Regel wissenschaftlich-technisches, sozialwissenschaftliches und philosophisches Wissen gefragt. Die Wissenschafts- und Technikethik ist also ein interdisziplinäres Unternehmen. Daher sollen Wege für ein interdisziplinäres Vorgehen zur Behandlung wissenschaftsinduzierter Probleme anhand einiger Beispiele aufgezeigt werden.

Entsprechend dem interdisziplinären Charakter der Wissenschafts- und Technikethik richtet sich das Seminarangebot an Hörer aller Fakultäten und berücksichtigt außerdem die Themen des "Ethisch-philosophischen Grundlagenstudiums" im Rahmen der Lehramtsstudiengangsreform. Bei der Vorbesprechung werden Referatsthemen und Texte zur Vorbereitung abgesprochen. Ein benoteter Schein wird aufgrund eines Referats und einer schriftlichen Ausarbeitung vergeben.

 

 

Engels: Grundpositionen der philosophischen und biologischen Anthropologie - Begleitseminar zur Vorlesung

 

 

Di 16-18, Konferenzraum des IZEW, Keplerstr. 17, Beginn: 24. 4.

In diesem Seminar sollen einige der in der Vorlesung behandelten Themen vertiefend bearbeitet werden.

Bedingung für den Erwerb eines unbenoteten Leistungsnachweises ist ein Seminarvortrag, für einen benoteten Leistungsnachweis eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit.

Eine Literaturliste wird zu Beginn des Semesters in der ersten Seminarsitzung verteilt.

 

 

Frank: Kant, Kritik der reinen Vernunft - Interpretationskurs II

Di 14-16, Alte Burse, Raum X, Beginn: 24. 4.

 

 

Der im vergangenen Wintersemester begonnene Kurs wird einfach fortgesetzt und steht grundsätzlich nur den Teilnehmern und Teilnehmerinnen des 1. Teils offen.

Scheinvergabe: Schriftliche Ausarbeitung einer mündlichen Stunden-Einführung.

 

 

 

Höffe: Kant, Zum ewigen Frieden

Mi 14-16, Alte Burse, Raum X, Beginn: 25. 4.

 

 

Kants Schrift "Zum ewigen Frieden" stellt den bis heute wichtigsten klassischen Text zu einer der vordringlichsten, von der Philosophie aber häufig vernachlässigten Aufgaben der Politik dar. Kant entfaltet die philosophischen Grundlagen für eine internationale Rechts- und Friedensgemeinschaft und stellt sich auch die Frage nach einer Vermittlung von normativer Theorie und politischer Praxis.

Einen Teilnahmeschein erhält man für ein Protokoll, einen benoteten Schein für ein Referat und dessen schriftliche Ausarbeitung. Eine Literaturliste und das Programm sind ab Anfang April im Sekretariat (Zi. 317) erhältlich.

 

 

Text:

Kant: Zum ewigen Frieden.

 

 

Literatur:

O. Höffe (Hg.): I. Kant: Zum ewigen Frieden. Reihe: Klassiker Auslegen. Berlin 1995.

 

 

Hofmann: Einführung in die Erkenntnistheorie

Do 18-20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 26. 4.

 

 

In der Erkenntnistheorie beschäftigen wir uns mit dem Begriff und der Struktur des Wissens und der (epistemischen) Rechtfertigung. Ist Wissen identisch mit wahrer gerechtfertigter Meinung? Oder muß noch etwas hinzukommen? Und was ist überhaupt Rechtfertigung? Zwei Grundsätze zur Rechtfertigung haben sich herauskristallisiert: die Kohärenztheorie und der Fundamentalismus. Nach der Kohärenztheorie besteht die Rechtfertigung einer Meinung in ihrer Kohärenz mit anderen Meinungen. Kohärenz soll dabei mehr als nur logische Konsistenz sein. Aber was mehr, ist nicht leicht zu sagen. Nach dem Fundamentalismus gibt es dagegen Meinungen, die basal gerechtfertigt sind, d. h. Meinungen, die nicht durch andere Meinungen gerechtfertigt sind, sondern durch andere Faktoren wie z. B. Wahrnehmungen. (Die Rechtfertigung kann dabei sehr wohl fehlbar sein. Der Ausdruck 'Fundamentalismus' ist also vielleicht etwas irreführend und darf nicht im Sinne des Infallibilismus verstanden werden.) Wahrnehmungen werden dabei als hinreichend (aber nicht perfekt) zuverlässige Prozesse angesehen, die zu gerechtfertigten Meinungen führen. Dies verspricht eine 'lokalere' Möglichkeit der Rechtfertigung von Meinungen (während die Kohärenztheorie zum Holismus neigt) und hat außerdem weitere Vorteile, wie z. B. den Vorteil, daß der Zusammenhang zwischen Rechtfertigung und dem Erkenntnisziel der Wahrheit transparent wird.

Eine zweite wichtige Grundfrage der Erkenntnistheorie, die wir studieren wollen, besteht darin, ob alles Wissen empirisch ist oder ob es auch apriorisches Wissen gibt. Ein apriorisches Wissen ist dabei als ein Wissen anzusehen, dessen Rechtfertigung nicht von speziellen Wahrnehmungen geleistet wird. Der Begriff und der Umfang des apriorischen Wissens, die schon in der klassischen Auseinandersetzung zwischen Rationalismus und Empirismus zentral waren, sind neuerdings wieder zu einem Top-Thema in der Erkenntnistheorie geworden. In diesem Zusammenhang bietet es sich natürlich auch an, einen Blick auf die Natur der Wahrnehmung zu werfen.

Das Proseminar soll eine systematische Einführung in Grundlagen der Erkenntnistheorie sein und ist für Anfängerinnen und Anfänger in der Philosophie geeignet.

Zur Vorbereitung empfehle ich die Einführung von Dancy und Aufsätze aus Bieri (Hg.) (s.u.). Die im Proseminar behandelten Texte werden zu Beginn als Textsammlung zur Verfügung gestellt.

Scheinerwerb: Schriftlich ausgearbeitetes Referat oder Hausarbeit.

 

 

 

Literatur:

Jonathan Dancy: Introduction to Contemporary Epistemology. Blackwell, Oxford 1985.

Peter Bieri (Hg.): Analytische Philosophie der Erkenntnis. Frankfurt: Athenäum 1987.

 

 

Keuth: Wissenschaft und Skeptizismus

Do 14-16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 26. 4.

 

 

Gibt es sicheres Wissen? Gibt es überhaupt Wissen? Kann man Meinungen rechtfertigen? Gibt es ein Kriterium der Wahrheit? Die Skepsis antwortet auf alle oder zumindest einige dieser Fragen mit "nein". Das Seminar wird sich vor allem mit einem bestimmten modernen Text auseinandersetzen, der solche Antworten prüft, beginnend mit der antiken Skepsis und endend mit aktuellen Positionen.

Ein benoteter Schein kann aufgrund eines Referats erworben werden.

 

 

Literatur:

Alan Musgrave: Alltagswissen, Wissenschaft und Skeptizismus. Tübingen 1993. (UTB 1740)

 

 

 

 

Koch, A. F.: Platon, Parmenides - Interpretationskurs I

Do 16-18, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 26. 4.

 

 

Im ersten Teil des Interpretationskurses wollen wir den ersten Teil des Platonischen Dialogs Parmenides (126a-137c) lesen, in dem es, grob gesprochen, um gewisse Schwierigkeiten der Ideenlehre geht. Im zweiten Teil des Dialogs (137c-166c), der zu Recht als überaus schwierig gilt, werden antinomische Schlußfolgerungen zunächst aus der Voraussetzung: "Eins ist" bzw. "Das Eine ist", dann aus der gegenteiligen Voraussetzung: "Eins (bzw. das Eine) ist nicht", gezogen. Da man mit den Schwierigkeiten in der Philosophie nicht bis zum Hauptstudium warten kann, werden wir im kommenden Wintersemester diesen zweiten Teil, wenigstens auszugsweise, zu interpretieren versuchen.

Als Textgrundlage empfiehlt sich eine griechisch-deutsche Ausgabe, etwa die der Philosophischen Bibliothek des Meiner Verlags oder diejenige in: Platon, Werke, Band 5, hrsg. von Gunther Eigler (Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt). In der Seminarbibliothek wird noch in der vorlesungsfreien Zeit ein Handapparat mit Forschungsliteratur eingerichtet. Einen ersten Zugang verschafft Andreas Graeser: "Wie über Ideen sprechen?: Parmenides", in: Theo Kobusch und Burkhard Mojsisch (Hrsg.): Platon. Seine Dialoge in der Sicht neuer Forschungen, Darmstadt 1996, 146-166.

Teilnahmevoraussetzung: Bereitschaft zur Übernahme von Stundenprotokollen und Kurzreferaten. Erwünscht (aber nicht vorausgesetzt) sind Griechischkenntnisse.

Scheinerwerb: eine schriftliche Hausarbeit pro Semester.

Koch, D.: Die Philosophie Martin Heideggers (Periode des Ereignis-Denkens) - Interpretationskurs II

Di 18-20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 24. 4. (in der ersten Sitzung findet eine Vorbesprechung statt)

 

 

In diesem Interpretationskurs setzen wir uns - will man eine grobe Kennzeichnung verwenden - mit der zweiten Periode der Philosophie Martin Heideggers auseinander, d. h. mit der geschichtlichen Konzeption des Verhältnisses von Denken und Sein, wie sie seit Mitte der dreißiger Jahre maßgebend war. Im Zentrum steht die Klärung des Schlüsselbegriffs "Ereignis". Dies geschieht anhand von mehreren, meist kleineren Publikationen, also nicht anhand des erst 1989 veröffentlichten Manuskripts "Beiträge zur Philosophie. Vom Ereignis" (1936-1938). Dieses Manuskript stellt eine erste Ausarbeitung der Ereignis-Konzeption dar, hat aber noch nicht den ausgereiften Charakter und Stil, wie spätere, zur Veröffentlichung bestimmte Schriften.

Wir haben begonnen mit dem Vortrag "Was ist das - die Philosophie?". Die Arbeit wurde fortgesetzt mit den Schriften "Die Frage nach der Technik", "Gelassenheit", "Überlieferte Sprache und technische Sprache" und in einem Auszug "Über den Humanismus". In diesem zweiten Semester werden folgen "Was heißt Denken?" (Vortrag), "Der Satz der Identität", "Die onto-theologische Verfassung der Metaphysik" usw.

Gäste für dieses zweite Semester, die bereits Kenntnisse über das Werk Martin Heideggers mitbringen, sind willkommen.

Scheinerwerb: eine Hausarbeit pro Semester (Umfang: 10 bis 15 Seiten à 2000 Anschläge). Eine Hausarbeit kann durch ein Protokoll (Umfang: vier bis fünf Seiten) und ein Kurzreferat (Einführung in eine Textpassage) ersetzt werden. Eine Vorschlagsliste von Hausarbeitsthemen wird zu Beginn ausgegeben. Bitte beachten Sie, daß in einem zweisemestrigen Interpretationskurs nur benotete Scheine erworben werden können.

 

 

Koch, D.: Lektürekurs für Erst- und Zweitsemester: Platon, Lysis

Mi 18-20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 25. 4. (in der ersten Sitzung findet eine Vorbesprechung statt)

 

 

Der Umgang mit philosophischen Schriften bedarf bestimmter "hand-werklicher" Voraussetzungen: Die Fähigkeit eines begrifflich genauen Lesens, das Vermögen, die spezifische Problemstellung eines Textes herauszupräparieren, die Beherrschung der charakteristischen Begrifflichkeit eines Autors, zudem die stete Beachtung der Differenz von Textauslegung und eigener Sachinterpretation und anderes mehr.

Der Lektürekurs für Erst- und Zweitsemester will über die Demonstration dieser Umgangsweisen hinaus zusammen mit Platons frühem Dialog "Lysis" auch in die Eigenart und in den Reichtum philosophischer Probleme und philosophischen Denkens einführen.

Platons "Lysis" handelt von der Frage nach dem Wesen der Freundschaft. Wir werden den Antwortversuchen Platons auf diese Frage nachgehen. Bei den verschiedenen Bemühungen um die Klärung des Phänomens Freundschaft kommt Sokrates mit seinen Dialogpartnern auch auf das Gute zu sprechen, das um seiner selbst willen geliebt wird. Was es mit diesem Guten und vor allem mit der Idee des Guten auf sich hat, soll in einem Exkurs in Auseinandersetzung mit dem Sonnen-, Linien- und Höhlengleichnis in Platons "Politeia" aufgenommen werden. In einem weiteren Exkurs wenden wir uns - in einer Art Kontrastierung und Ergänzung zum "Lysis" - dem berühmten Bestimmungsversuch des Aristoteles zum Wesen der Freundschaft in der "Nikomachischen Ethik" zu.

Die Veranstaltung ist ausschließlich für Erst- und Zweitsemester im Studienfach Philosophie bestimmt. Griechischkenntnisse sind nicht vorausgesetzt.

Leistungsnachweise für einen unbenoteten Schein: Übernahme eines Protokolls (Umfang: 2 bis 3 Seiten) oder die mündliche Einführung in eine Textstelle. Eine Vorschlagsliste wird zu Beginn des Semesters ausgegeben.

Leistungsnachweis für einen benoteten Schein: Hausarbeit (Höchstumfang: 15 Seiten; Abgabetermin: bis 30. September 2001). Eine Vorschlagsliste wird zu Beginn des Semesters ausgegeben.

 

Textgrundlage:

Platon Werke. Übersetzung und Kommentar. Band V 4: Lysis (übersetzt und kommentiert von Michael Bordt). Göttingen 1998.

 

Merle: Einführung in die Rechtsphilosophie

Di 10-12, Alte Burse, Raum X, Beginn 24. 4.

 

 

In dieser Einführung werden wir uns zunächst mit den beiden entgegengesetzten Positionen der Rechtsphilosophie befassen. Die naturrechtlichen Theorien des Rechts versuchen, das Recht normativ zu begründen und beinhalten daher immer ein dem positiven Recht gegenüber kritisches Potential. Die rechtspositivistischen Rechtstheorien lehnen eine andere Rechtfertigung als die durch eine legitime Gewalt ab: gerecht sind Gesetze und Rechtsurteile eines autorisierten Herrschers ohne Ansehen deren Inhalts (sog. These der Trennung von Recht und Moral). Weitere Rechtheorien - z. B. Harts Theorie der Grundnorm oder Dworkins interpretativer Rechtsbegriff - versuchen, beide Positionen zu vereinen.

Ausgewählte Texte zu diesen Theorien samt einer Themenliste werden am Anfang der Semesterferien vorliegen. Für einen benoteten Schein sollte ein Referat mit Thesenpapier gehalten und eine Hausarbeit (wahlweise eine Ausarbeitung des Referats oder eine Arbeit über ein anderes Thema) geschrieben werden.

 

 

Literatur:

M. Kaufmann: Rechtsphilosophie. Freiburg i. Br. 1996.

D. Patterson: A Companion to Philosophy of Law and Legal Theory. Oxford 1996.

 

 

Mirbach: Der Begriff der 'inneren Form' von der Antike bis zum 18. Jahrhundert

Fr 10-12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 27. 4.

 

 

"Und wie kann der Baumeister das Haus draußen nach der Idee des Hauses in seinem Innern abstimmen und es dann als schön ansprechen? Nun, weil das äußere Haus, wenn man die Steine ausscheidet, eine Teilung der inneren Idee vermöge der äußeren Masse der Materie bedeutet, eine Sichtbarwerdung des Unteilbaren in der Vielheit." (Plotin, Enn. I 6, 3, 6-10)

Der Begriff selbst - 'endon eidos', 'inward form' oder 'innere Form' - wird selten genannt, in seinem Gehalt und seinem Bedeutungsspektrum selten expliziert und kann oft nur aus dem jeweiligen Kontext 'rekonstruiert' werden. Dennoch läßt sich, eng verbunden mit der Tradierung neuplatonischer Philosophie, insbesondere in der philosophischen Lehre vom Schönen und der Kunstphilosophie von der Antike bis ins beginnende 19. Jahrhundert ein Denken 'innerer Form' nachweisen.

Als Begriff scheinbar paradox, ist die 'innere Form' immer ein geistiges Prinzip, das, zurückgebunden an die Idee, die sinnlich wahrnehmbare Gestalt der einzelnen Erscheinung bestimmt. Verschieden ist in der Geschichte der 'inneren Form' allerdings die Auffassung aller dieser drei 'Koordinaten': Was ist ein 'geistiges Prinzip'? Was ist die 'Idee' und wo ist sie zu verorten? Wie zeigt sich in der äußeren Gestalt der einzelnen Erscheinung die 'innere Form' und worauf weist sie zurück?

Mit diesen Fragestellungen wollen wir im Seminar die Geschichte der 'inneren Form' an ausgewählten Texten verfolgen. Schwerpunkte bilden dabei der Formbegriff Plotins, die 'inward form' bei Harris und Shaftesbury sowie die 'Wiederentdeckung' der 'inneren Form' in der Ästhetik und Kunsttheorie des 18. Jahrhunderts bei Winckelmann, Goethe und Herder.

Benoteter Schein: Schriftliche Ausarbeitung eines Sitzungsprotokolls oder Referats oder Hausarbeit.

 

 

Texte:

Es wird ein Textreader erstellt, der im Seminar erworben werden kann.

 

 

 

 

Rinderle: Antiker Hedonismus

Fr 10-13, 14-täglich, Alte Burse, Raum X, Beginn: 5. 4.

 

 

Der Hedonismus gibt eine der frühesten Antworten auf die Grundfrage der philosophischen Ethik nach dem Wesen des Guten; und die beiden Hauptthesen dieser Doktrin werden bis heute kontrovers diskutiert: 1. Alles Gute ist Lust, und alles Schlechte besteht in der Unlust. 2. Jede Lust ist gut, und jedes Leid, jede Unlust ist schlecht. Im Proseminar wollen wir uns mit den wichtigsten Hedonisten der Antike (v. a. Epikur, außerdem Aristipp, Lukrez, in den Augen mancher: auch Sokrates) und einigen Kritikern (Platon, Cicero, Plutarch) folgenden Fragen zuwenden: Was ist unter der Lust zu verstehen? Gibt es verschiedene Arten von Lust, und lassen sich verschiedene Varianten des Hedonismus unterscheiden? Welche Überlegungen sprechen für den Hedonismus? Welche dagegen? Gibt es neben der Lust nicht andere Güter wie Moral, Freundschaft, Wissen? Welcher Stellenwert kommt der Philosophie im antiken Hedonismus zu? Und welches Gottes- und Todesverständnis findet man dort? Im Verlauf des Seminars wollen wir ab und zu auch einen vergleichenden Blick auf den modernen Hedonismus werfen.

Teilnahmevoraussetzung: Übernahme eines Referats.

Erwerb eines benoteten Scheines: Hausarbeit.

 

 

Zur Vorbereitung:

Epikur: Briefe, Sprüche, Werkfragmente. Griech./Dt. Stuttgart: Reclam 1980.

Malte Hossenfelder: Epikur. 2. Aufl. München: Beck (Reihe Große Denker) 1998.

 

 

Schick: Bertrand Russells theoretische Philosophie, Teil 1: Frühe Schriften Bertrand Russells zu Metaphysik, Erkenntnis und Bedeutung - Interpretationskurs I

Di 18-20, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 24. 4.

 

 

Im ersten Semester dieses Interpretationskurses werden wir uns mit Russells Weg zum Logischen Atomismus und - gegen Ende - mit dieser Position selbst auseinandersetzen, die sich kurz durch die folgenden programmatischen Thesen umreißen läßt: Die Wirklichkeit ist analysierbar in logisch einfache Elemente - voneinander unabhängige Elementartatsachen, Individuen, Eigenschaften, Relationen. Die Resultate solcher Analyse sind eindeutig darstellbar in einer logischen Idealsprache, und die Analyse selbst verhält sich kritisch gegen eine ganze Reihe geläufiger Existenzannahmen. Um Russells Gründe für dieses Programm im allgemeinen als auch die Gründe für seine speziellen Revisionen des ontologischen Inventars zu verstehen, werden wir mit seinen logischen und semantischen Ausgangspunkten beginnen, d. h. mit den Anfangsgründen der Typentheorie (Mathematical logic as based on the theory of types, 1908) und mit der Theorie der Beschreibung (On denoting, 1905). Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

Benoteter Schein: Ein Schein für den ganzen Kurs kann a) durch ein mündliches Referat mit kurzer schriftlicher Ausarbeitung und eine Hausarbeit oder b) durch zwei Referate erworben werden.

 

 

Literatur:

Ab Mitte März wird eine Kopiervorlage mit allen Aufsätzen Russells, die dieses Semester behandelt werden sollen, in meinem Handapparat ausliegen. Die meisten davon finden sich in deutscher Übersetzung in dem Band: Bertrand Russell: Die Philosophie des Logischen Atomismus. Aufsätze zur Logik und Erkenntnistheorie 1908-1918, übers. v. J. Sinnreich, München 1976/79. Als ergänzende Lektüre empfiehlt sich Russells intellektuelle Autobiographie "My philosophical development" (1959), dt.: München 1973.

 

 

Schick: Universalien

Di 10-12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 24. 4.

 

 

In Platons Dialog Parmenides gerät der junge Sokrates in ernste Schwierigkeiten, als er den Status von Ideen und ihr Verhältnis zu Einzeldingen, die mittels der Ideen begriffen werden, erklären soll. Als besonders schwierig erweist sich ihm die Frage, wie das Allgemeine einerseits von seinen Einzelfällen unterschieden und andererseits als in seinen Fällen präsent gedacht werden kann. Wie kann ein Allgemeines ungeteilt und streng mit sich identisch in einer Pluralität raum-zeitlich getrennter Fälle instantiiert sein? Die Antworten, die seit der Antike auf diese Frage gegeben wurden, reichen von der Verselbständigung des Allgemeinen zu einer eigenen ontologischen Sphäre bis hin zur vollendeten Negation des Allgemeinen. Mit solchen Antworten und mit der Frage selbst werden wir uns in diesem Proseminar auseinandersetzen. Dabei ist nicht ein vollständiger historischer Überblick über Universalien-Theorien angestrebt; das Ziel ist vielmehr, anhand exemplarischer Texte einen Einblick in die systematischen Alternativen - von realistischen über konzeptualistische bis zu nominalistischen Auffassungen - und in die zentralen Argumente zu geben.

Benoteter Schein: Mündliches Referat mit kurzer schriftlicher Ausarbeitung oder Hausarbeit.

 

 

Literatur:

Ab Mitte März wird eine Kopiervorlage mit ausgewählten Texten im Handapparat zur Verfügung stehen. Zur Einführung in das Thema und damit zur Seminarvorbereitung gut geeignet ist der von Michael J. Loux herausgegebene Sammelband: "Universals and particulars: readings in ontology", Notre Dame 1976.

 

Schmidt: René Descartes, Meditationes de prima philosophia - Interpretationskurs I

Fr 14-16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 27. 4.

Sprechstunde: Fr 16-17, Raum 307

 

 

Mit den Meditationen von 1641 verfolgt Descartes das Projekt einer Neufundierung der Wissenschaften. Im Rahmen des sog. 'methodischen Zweifels' werden zunächst alle Überzeugungen des natürlichen Bewußtseins in Frage gestellt, um dann aber zu zeigen, daß über die Existenz des denkenden Subjekts kein Zweifel bestehen kann (cogito ergo sum). Ausgehend von dieser grundlegenden Gewißheit versucht Descartes, erstens die Existenz Gottes zu beweisen, der als Garant des Grundsatzes dienen soll, daß alles wahr sein muß, was man 'klar und distinkt' einsehen kann, zweitens das Wesen der Körper zu bestimmen und drittens ihre Existenz zu beweisen. Das Ergebnis dieser Theorie ist eine dualistische Position, nach der Körper und Geist zwei realiter voneinander unterschiedene Substanzen sind; jedoch ist das Verhältnis des Geistes zum eigenen Körper von einem 'speciale quoddam ius' gekennzeichnet, das Descartes am Ende der Meditationen sowie in einigen Briefen behandelt. Im Seminar soll dieser grundlegende Text unter Einbeziehung der (im Anhang der Meditationen veröffentlichten) 'Einwände und Erwiderungen' sowie weiterer Paralleltexte gelesen und diskutiert werden.

Scheinerwerb: Je eine Hausarbeit oder ein Referat pro Semester

 

 

Text:

René Descartes: Meditationes de prima philosophia. Hamburg: Meiner 1977.

 

Schmidt: Alvin Plantinga, The Nature of Necessity

Mi 12-14, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 25. 4.

Sprechstunde: Fr 16-17, Raum 307

 

 

Mit diesem Buch von 1974 hat Alvin Plantinga maßgeblich dazu beigetragen, daß die Metaphysik der Modalitäten, die in der philosophischen Tradition eine so wichtige Rolle spielte, heute wieder zu einem vieldiskutierten Thema geworden ist. Plantinga versucht in seinem Buch, die Rede von de-re-Modalitäten zu erklären und zu rechtfertigen, d. h. die Idee, daß einem Gegenstand Eigenschaften notwendig oder wesentlich zukommen. Ausgehend davon behandelt er ein weites Spektrum von einschlägigen Fragen: was mögliche Welten sind; ob es individuelle Wesenheiten gibt; ob ein und derselbe Gegenstand in mehreren möglichen Welten existieren kann; ob es Gegenstände gibt, die nicht existieren. Schließlich wendet Plantinga seine Überlegungen zur Metaphysik der Modalitäten auf zwei klassische Themen der philosophischen Theologie an: er diskutiert das Problem der Theodizee und versucht eine Reformulierung des ontologischen Gottesbeweises Anselms von Canterbury.

Scheinerwerb: schriftliche Hausarbeit

 

 

Text:

Alvin Plantinga: The Nature of Necessity, Oxford: Clarendon Press 1974.

 

Steinmann: Edmund Husserl, Ideen zu einer reinen Phänomenologie - Interpretationskurs I

Do 18-20, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 26. 4.

 

 

Die von Edmund Husserl begründete Phänomenologie versteht sich als Versuch einer radikalen Neufundierung der Philosophie: Ohne den Rekurs auf Begriffe oder Positionen der Tradition soll sich das Denken nur auf Phänomene, die mit ursprünglicher Evidenz gegeben sind, beziehen. Phänomen im eigentlichen Sinn sind dabei die Gegebenheitsstrukturen, denen alle Gegenstände unterliegen. Dieser Ansatz wird in den "Ideen", von denen zu Lebzeiten Husserls nur der erste Band erschienen ist, systematisch ausformuliert. Das Werk schreitet von der Analyse formaler Gegenstandsbestimmungen zur Sphäre des transzendentalen Bewußtseins fort. Dieses Bewußtsein ist jedoch kein isoliert gegebenes Prinzip, sondern als intentionales je schon Bewußtsein von etwas. So führt die phänomenologische Methode zugleich auf die Beschreibung allgemeiner Bedeutungsstrukturen und zur Einsicht in die Wechselbeziehung von Vernunft und Wirklichkeit. In dem Seminar gilt es u. a., die methodischen Spannungen im Verhältnis von Evidenz und theoretischer Reflexion sowie zwischen den formalen Bewußtseinsstrukturen und ihrer konstitutiven Funktion für die Erfahrung von Welt zu thematisieren. Husserls Ansatz hat in vielfältiger Weise gewirkt: Auf seinen Schüler Heidegger, aber auch auf die französische Philosophie in Gestalt von Sartre, Merleau-Ponty und Derrida. Parallelen zur Analytischen Sprachphilosophie, etwa bei Frege, werden ebenfalls diskutiert.

Die Argumentation in den "Ideen" kann gegebenenfalls durch Bezug auf andere Texte ergänzt und erläutert werden.

Benoteter Schein für den gesamten Kurs: Hausarbeit und Referat.

 

 

Zur Einführung:

Oskar Becker: Die Philosophie Edmund Husserls (1930), in: Husserl, hrsg. v. Hermann Noack. Wege der Forschung, Band XL, Darmstadt 1973, S. 129-167.

Elisabeth Ströker: Husserls Werk. Zur Ausgabe der Gesammelten Schriften, (Ergänzungsband zu den Gesammelten Schriften), Hamburg 1992.

 

Wimmer: Platons mittlere Dialoge - Interpretationskurs II

Do 8.30-10, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 26. 4.

 

 

Fortsetzung der im Wintersemester begonnenen Veranstaltung.

Leistungsnachweis: Referat oder Prüfungsgespräch sowie Hausarbeit.

 

Wimmer/Dietrich/Mandry: Einführung in die Ethik (für Studierende aller Fächer)

Do 10.30-12.00, Alte Burse, Raum X, Beginn: 26. 4.

 

 

Ethik geht jede und jeden an: Wir alle kennen die Debatten um die moralischen Fragen der Naturwissenschaften, wie sie in letzter Zeit insbesondere durch die Gentechnik gestellt wurden. In den Politikwissenschaften sind z. B. Fragen der internationalen Gerechtigkeit oder der Konfliktregelung gar nicht ohne ethische Bezüge denkbar. Und auf ihre Weise thematisiert auch die Literatur Fragen der Lebensführung und der Verantwortung oder übernimmt gesellschaftskritische Funktionen. Diese Schnittstellen zur Ethik möchten wir verdeutlichen und aus ethischer Perspektive reflektieren.

Das Seminar richtet sich an Studierende aller Fächer und möchte in einem interdisziplinären Rahmen in die grundlegenden Begriffe und Argumentationsweisen der Ethik einführen. Anhand von konkreten Fragestellungen aus den Literatur-, Sozial- und Naturwissenschaften möchten wir u. a. folgenden Fragen nachgehen:

Wie erkenne ich ethische Fragestellungen? Wie kann ich sie gezielt erschließen und bearbeiten? Welche Grundbegriffe und -theorien der Ethik gibt es? Welche Rolle spielt die Ethik in den verschiedenen Wissenschaften und wie kann ich sie als Studierende(r) bzw. als Wissenschaftler(in) berücksichtigen?

Das Seminar orientiert sich an den Themen des "Ethisch-Philosophischen Grundlagenstudiums" (EPG) im Rahmen der Lehramtsstudiengangsreform.

Voraussetzungen: keine

Benoteter Schein: Abschlußklausur oder Hausarbeit.

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Seminare

Braun: Georg Lukács, Zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins - Kompaktseminar

6. 7.-8. 7., Heinrich-Fabri-Haus, Auf dem Rucken 35, 89143 Blaubeuren, Tel.: 07344/4529

Vorbesprechung: 8. 5., 14 Uhr c.t., Melanchthon-Zimmer (Raum 308)

 

 

Georg Lukács arbeitete in seinen letzten Lebensjahren am Großprojekt einer Ethik, die eine Theorie der Gesellschaft als Totalität zur Grundlage hat. Es wurde sein systematisches, wiewohl fragmentarisches Meisterwerk. Endlich sollte Gestalt werden, was als Theorie der Verdinglichung nur als aphoristischer Versuch blieb. Ausgearbeitet hat der Autor nur den ersten Teil Zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins, das sich zu einem Werk verselbständigte. Es bereitet den gesellschaftlichen Grund zur Ethik, bildet lediglich den Vorhof, ist aber nicht der eigentliche Hauptteil, die Ethik selbst. So blieb es beim überdimensionierten Fragment. Die praktische Philosophie sollte zur Ethik im System der menschlichen Aktivitäten vollendet werden. Die Prolegomena sind nicht bloß eine Einleitung in die Ontologie des gesellschaftlichen Seins, Reflexionen über Gegenstand und Methode des Werks. Frank Benseler, der Herausgeber, bemerkt: "Im Wettlauf mit seiner Krankheit, über die er keinen Zweifel hatte, versuchte er auf rund 5000 Seiten eine Zusammenfassung des Wesenskerns seiner Ansichten. Diese Prolegomena, die den starren Dualismus von geschichtlichem und methodologischem Teil vermeidet, ist in Wirklichkeit kein Vorwort zur 'Ontologie', ja überhaupt kein Vorwort: es ist die Summe eines nicht mehr geschriebenen (vielleicht gar nicht schreibbaren) Werkes." (Bd. 14, S. 737) Das Wesentliche aber bleibt: seine Ethik ist eine Philosophie der gesellschaftlichen Freiheit - das ist die emphatische Kernthese des Verfassers. Lernziel des Seminars ist es, einen Überblick über dieses fragmentarische Riesenwerk zu gewinnen. Drei Gruppen von Themen schlage ich vor:

1. Die Gruppe Prolegomena zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins. Die Spezialthemen ließen sich noch spezifizieren.

2. Immanent systematische Themen:

Die Arbeit - die Reproduktion - das Ideelle und die Ideologie - die Entfremdung - Was sind Gegenstand und Methode der Ontologie des gesellschaftlichen Seins?

3. Kontrastierender Vergleich mit anderen Philosoph(inn)en: Ernst Bloch, Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Kritische Theorie (Zeitschrift für Sozialforschung), Karl Korsch, Marx, Hegel, Heidegger, Nicolai Hartmann, Kierkegaard, Philosophen der Aufklärung, Goethe, Epikur u. a. Als Ergebnis wünsche ich mir eine kritisch wertende Einschätzung dieses meisterlichen Projekts. Ist Lukács Projekt einer gesellschaftskritischen Ethik noch aktuell?

 

 

Texte:

Georg Lukács: Zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins, Bd. 13 und 14, Darmstadt/Neuwied: Luchterhand Verlag 1984 und 1986.

Bd. 1: Prolegomena zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins Erster Teil: Die gegenwärtige Problemlage.

Bd. 2: Zweiter Teil: Die wichtigsten Problemkomplexe, Nachwort von Frank Benseler, S. 731 - 748.

 

 

Literatur:

Rüdiger Dannemann: Lukács zur Einführung. Hamburg: Junius Verlag 1997.

Rüdiger Dannemann (Hrsg.): Georg Lukács - Jenseits der Polemiken. Beiträge zur Rekonstruktion seiner Philosophie: A. Heller, A. Honneth, M. Löwy, G. Markus, N. Tertullian, M. Vajda. Frankfurt/Main: Sendler Verlag 1986.

Rüdiger Dannemann/Werner Jung (Hg.): Objektive Möglichkeit. Beiträge zu Georg Lukács´ 'Zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins'. Frank Benseler zum 65. Geburtstag. Opladen 1995.

Gvozden Flego und Wolfdietrich Schmied-Kowarzik (Hrsg.): Georg Lukács - Ersehnte Totalität. Bochum: Germinal Verlag 1986.

 

 

Eberhard Braun: Ein Lokalpatriot der Kultur. In: Ders.: Grundrisse einer besseren Welt. Beiträge zur politischen Philosophie der Hoffnung. Mössingen-Talheim: Talheimer Verlag 1997. S. 226-237.

Internationale Georg-Lukács-Gesellschaft e. V. Paderborn.

Frank Benseler und Werner Jung (Hrsg.): Vier Jahrbücher der Internationalen Georg-Lukács-Gesellschaft.

 

 

Engels: David Hume, Eine Untersuchung über die Prinzipien der Moral

Mi 8-10, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 25. 4.

Sprechstunde: Mi 11-13, Sigwartstraße 20, 1. Etage

 

 

David Hume gehört zu den Stützpfeilern des englischen Empirismus. Sein Ziel war es, Erkenntnistheorie, Natur- und Moralphilosophie auf eine empirisch fundierte Grundlage zu stellen. Humes Name fällt meist im Zusammenhang mit der Kritik am sog. "naturalistischen Fehlschluß", obgleich dieser Begriff nicht von ihm stammt. Hume gehört zu den Mitbegründern einer Gefühlsethik, die ihren Einfluß auch im 19. Jahrhundert in evolutionstheoretisch begründeten Menschenbildern und ihren Moralvorstellungen geltend macht. Seine Enquiry Concerning the Principles of Morals (1751) gehört zu den klassischen Texten der Ethik. Im Seminar sollen die zentralen Fragestellungen der Ethik Humes anhand dieses Textes erarbeitet und diskutiert werden.

Bedingungen für den Erwerb eines unbenoteten Leistungsnachweises ist ein Seminarvortrag, für einen benoteten Leistungsnachweis eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit. Zugrundegelegt wird die Ausgabe:

 

 

Text:

David Hume: Eine Untersuchung über die Prinzipien der Moral. Übers., hrsg. und mit einer ausführlichen Einleitung versehen von Gerhard Streminger. Stuttgart: Reclam 1984.

 

 

Literatur:

Gerhard Streminger: David Hume. 2. Aufl. Paderborn u. a.: Schöningh 1994.

Jens Kulenkampff: David Hume. Becksche Reihe Große Denker. München: Beck 1989.

 

 

Figal: Heidegger, Unterwegs zur Sprache

Di 14-16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 24. 4.

 

 

Heidegger hat sich seit seinen philosophischen Anfängen mit dem Problem der Sprache beschäftigt: Schon in den frühen zwanziger Jahren interessiert ihn der Status religiöser Rede, wie sie mit den Briefen des Apostels Paulus dokumentiert ist, er setzt sich mit der Aristotelischen Konzeption des Aussagesatzes und mit der klassischen Rhetorik auseinander. Trotzdem kann man sich sagen, daß der "frühe" Heidegger von der Sprache her philosophiert. Diese ist ihm eher Verdeckung der authentischen Erfahrung des Lebens, die im Zentrum seines Denkens steht, und entsprechend sind die entsprechenden Abschnitte in Sein und Zeit von eigentümlicher Ambivalenz. Heideggers Verhältnis zur Sprache ändert sich erst in den dreißiger Jahren. Nun versteht er die Kunst, vor allem die Poesie als Bedingung der transparenten Erfahrung von Welt und welthaftem Leben und versucht, entsprechend, das Wesen der Sprache an der Dichtung orientiert zu verstehen. Die wichtigsten Texte dazu sind in den fünfziger Jahren entstanden und von Heidegger selbst unter dem Titel "Unterwegs zur Sprache" zu einem Band zusammengestellt worden. Es sind Texte, die zwischen einfacher Klarheit und Unbegreifbarkeit schillern, oft einleuchtend sind und doch eigentümlich unfaßbar. Sie erfordern ein gründliches und geduldiges Lesen. Doch dann können sie Aufschlüsse zum Verständnis des Phänomens Sprache geben, die man bei anderen Philosophen so nicht finden kann.

Scheinvergabe: Hausarbeit

 

Frank/Hofmann: Hector-Neri Castañedas "The Phenomeno-Logic of the I"

Mi 18-20, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 25. 4.

 

 

Castañeda ist der Hauptanreger der neueren analytischen Selbstbewußtseins-Diskussion. Im Zentrum seiner Überlegungen zur Sprache, Epistemologie und Ontologie des Selbstbewußtseins steht die These, daß Selbstbewußtsein irreduzibel ist - eine These, die nach wie vor aktuell ist. Wir wollen im Seminar seine wegweisenden Überlegungen nachvollziehen und im Detail kritisch diskutieren.

James Hart und Tomis Kapitan, zwei Schüler von Castañeda, haben eine Aufsatzsammlung von Castañeda zusammengestellt, die wir größtenteils studieren wollen, zusammen mit einigen weiteren Beiträgen u. a. von John Perry. (Eine Textsammlung wird zu Beginn zu Verfügung gestellt.)

Scheinerwerb: Schriftlich ausgearbeitetes Referat oder Hausarbeit.

 

 

Literatur:

James Hart und Tomis Kapitan (Hrsg.): "The Phenomeno-Logic of the I". Blommington/Indianapolis: Indian University Press 1999.

Manfred Frank (Hrsg.): "Analytische Theorien des Selbstbewußtseins". Frankfurt/M.: Suhrkamp 1994.

 

 

Hägler: Kosmologie zwischen Philosophie und Wissenschaft - Kompaktseminar

Vorbesprechung: Mo, 30. 4., 13.00 Uhr, Melanchthon-Zimmer (Raum 308)

Der genaue Termin wird nach Absprache mit den Teilnehmern festgelegt.

 

 

Zu allen Zeiten und in allen Kulturen haben Menschen versucht, sich ein Bild von der Welt im Ganzen zu machen - zuerst in ihren Mythen und Religionslehren, später dann in philosophischen Spekulationen über Ursprung und Aufbau des Kosmos. Der Versuch, rationale Kosmologie zu betreiben - d. h. allein mit Mitteln der Vernunft über Fragen wie 'Hat die Welt einen Anfang in der Zeit?', 'Hat die Welt Grenzen im Raum?' zu entscheiden - schien jedoch mit Kants Antinomien der reinen Vernunft endgültig erledigt zu sein.

Spätestens seit Mitte des 20. Jahrhunderts haben Kosmologie und Kosmogonie jedoch viel von ihrer alten Anrüchigkeit verloren. Durch die immensen Fortschritte auf theoretischem und technischem Gebiet sind wir zum ersten Mal in der Lage, präzise und im Prinzip testbare Weltmodelle zu entwerfen.

Wir wollen im Kompaktseminar versuchen, einige Etappen auf dem Weg zur Kosmologie unserer Tage nachzuzeichnen und die dabei auftretenden wissenschaftstheoretischen Probleme zu beleuchten.

Teilnahmevoraussetzungen: keine - außer Interesse und der Bereitschaft, ein Referat zu übernehmen. Ein benoteter Schein wird durch ein ausgearbeitetes Referat oder eine Hausarbeit erworben.

 

 

Hesse: Kant, Kritik der teleologischen Urteilskraft
FÄLLT AUS!!!

Mo 15-18, 14-täglich, Alte Burse, Melanchthon-Zimmer (Raum 308), Beginn: 23. 4.

Erläuterungen zum Seminar: siehe Aushang.

Höffe: Aristoteles, Die Nikomachische Ethik

Mi 16-18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 25. 4.

 

 

Aristoteles Nikomachische Ethik ist ein zentrales, nicht nur für die Antike maßgebendes Werk. Gerade in neuerer Zeit ist es wieder zu einem wichtigen Bezugstext ethischer, handlungstheoretischer und rationalitätstheoretischer Debatten geworden. Beginnend mit Buch I diskutieren wir ausgewählte Teile. Griechisch-Kenntnisse sind nicht erforderlich, jedoch willkommen. Einen Teilnahmeschein erhält man für ein Protokoll, einen benoteten Schein für ein Referat und dessen schriftliche Ausarbeitung. Eine Literaturliste und das Programm sind ab Anfang April im Sekretariat (Zi. 317) erhältlich.

 

 

Text:

Aristoteles: Nikomachische Ethik. Übers. O. Gigon. München: dtv 1991.

 

 

Literatur:

O. Höffe (Hrsg.): Aristoteles: Nikomachische Ethik (= Klassiker Auslegen, Bd. 2): Berlin 1996.

Zur Einführung: O. Höffe: Aristoteles. München 1996. Bes. Teil IV.

 

 

Jüngel: M. Luther, De servo arbitrio - unter besonderer Berücksichtigung von Luthers Hermeneutik
FÄLLT AUS!!!

Mi 18-20, Raum: siehe Aushang, Beginn: 25. 4.

Sprechstunde: Mo 16.30 Uhr nach vorheriger Anmeldung, Liebermeisterstr. 12, Zi. 321.

 

 

Das Seminar wird ausgewählte Texte aus Luthers Schrift De servo arbitrio erörtern. Im Mittelpunkt werden Luthers Hermeneutik und sein Gottesverständnis stehen. Die Lektüre der von Luther bestrittenen Schrift des Erasmus De libero arbitrio wird vorausgesetzt. Für die erste Sitzung des Seminars sollte vorbereitet sein: Die Eingangspassage von De servo arbitrio, Clemen (Bonner Ausgabe) III, S. 94-100.

 

 

Keuth: Carnap: Einführung in die Philosophie der Naturwissenschaft

Mi 14-16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 25. 4.

 

 

Rudolf Carnap war einer der bedeutendsten Logiker und Wissenschaftstheoretiker des 20. Jahrhunderts. Aus einer Reihe von Seminaren, die er unter dem Titel "Philosophical Foundations of Physics" oder "Concepts, theories and methods of the physical sciences" anbot, entstand ein Buch mit dem Titel "Philosophical Foundations of Physics", herausgegeben von Martin Gardner. Seit 1995 ist es als Dover-Taschenbuch unter dem Titel "An Introduction to the philosophy of science" (ISBN 0-486-28318-6 Pick It! ) verfügbar. Die deutsche Übersetzung "Die philosophischen Grundlagen der Physik" der Erstausgabe ist vergriffen, aber im Seminar vorhanden. Dieses Buch wird den Kern unseres Seminars bilden. Es ist in sechs Kapitel gegliedert: 1. Gesetze, Erklärungen und Wahrscheinlichkeit, 2. Messung und quantitative Sprache, 3. Die Struktur des Raumes, 4. Kausalität und Determinismus, 5. Theoretische Gesetze und theoretische Begriffe und 6. Jenseits jedes Determinismus. Es bietet bei geringem formalem Aufwand eine hervorragende Einführung in die Methodologie der empirischen Wissenschaften.

Ein benoteter Schein kann aufgrund eines Referats erworben werden.

 

 

Klinger: Themen ästhetischer Theorie im 20. Jahrhundert: Die wiederkehrende These vom Ende der Kunst - Kompaktseminar

28. 6.-30. 6., 10 Uhr, Alte Burse, Raum 211 - Voranmeldung bei Frau Ott

 

 

Seit Hegels Behauptung des Vergangenheitscharakters der Kunst ist die Rede vom Ende der Kunst nicht wieder verstummt; zuweilen wurde sie sogar regelrecht zum Programm der Abschaffung von Kunst zugespitzt. In der Gegenwart wird die Frage wiederum mit großem Nachdruck diskutiert. Dazwischen liegt das Zeitalter der Moderne im allgemeinen und das Zeitalter der ästhetischen Moderne, des Modernismus und der Avantgarden im besonderen. Ziel der Lehrveranstaltung ist es, die verschiedenen Thesen und Theorien über den Tod der Kunst zu analysieren und anhand dieser Überlegungen Fragen nach dem Wesen von Kunst, nach dem Verhältnis von Kunst und Philosophie, von Kunst und Geschichte und nach dem Charakter der Epoche der Moderne zu stellen.

Leistungsnachweis: Referat oder Hausarbeit

 

 

Literatur (Auswahl):

Belting, Hans: Das Ende der Kunstgeschichte. Eine Revision nach zehn Jahren. München: Beck 1995.

Burgin, Victor: The End of Art Theory. Atlantic Highlands: Humanities Press International 1986. S. 140-204.

Danto, Arthur: After the End of Art: Contemporary Art and the Pale of History. Princeton University Press 1997.

Hegel, G. W. F.: Vorlesungen über die Ästhetik I. Werke in zwanzig Bänden. Bd. 13. Frankfurt: Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 1986. Erster Teil: Die Idee des Kunstschönen oder das Ideal: Stellung der Kunst im Verhältnis zur endlichen Wirklichkeit und zur Religion und Philosophie. S. 127-144.

Jameson, Fredric: 'End of Art' or 'End of History'? In: Ders.: The Cultural Turn. Selected Writings on the Postmodern 1983-1998. London: Verso 1998. S. 73-92.

Jauß, Hans Robert: Das Ende der Kunstperiode - Aspekte der literarischen Revolution bei Heine, Hugo und Stendhal. In: Ders.: Literaturgeschichte als Provokation. Frankfurt: Suhrkamp 1970. S. 107-143.

Lang, Berel (Hrsg.): The Death of Art. New York: Haven Publishers 1984.

Paz, Octavio: Der Tod der Avantgarde. In: Ders.: Die andere Zeit der Dichtung. Frankfurt: Suhrkamp 1989. S. 188-206.

Seubold, Günter (Hrsg.): Was macht die Kunst heute nach dem Ende der Kunst? Würzburg: Königshausen & Neumann 2000.

Vattimo, Gianni: Das Ende der Moderne. Stuttgart 1990. Teil II: Die Wahrheit der Kunst. S. 55-119.

Weintraub, Linda; Arthur Danto und Thomas McEvilley: Art on the Edge and Over: Searching for Arts Meaning in Contemporary Society 1970s-1990s. Litchfield, CT: Art Insights Inc. 1996.

 

 

Koch, A. F.: Fichte, Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre

Di 16-18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 24. 4.

 

 

In dem Seminar sollen der erste Teil ("Grundsätze der gesamten Wissenschaftslehre") und ausgewählte Abschnitte des zweiten Teils ("Grundlage des theoretischen Wissens") der Fichteschen Wissenschaftslehre von 1794/95 besprochen werden. Für das kommende Wintersemester plane ich ein Seminar über ihren dritten Teil ("Grundlage einer Wissenschaft des Praktischen").

Der Text liegt in verschiedenen, leicht zugänglichen Ausgaben vor (z. B. in der Philosophischen Bibliothek des Meiner Verlags). In der Seminarbibliothek wird noch in der vorlesungsfreien Zeit ein (kleiner) Handapparat mit Forschungsliteratur eingerichtet.

Scheinerwerb: Hausarbeit.

 

 

Kümmel: Heraklit

Do 10-12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 26. 4.

 

 

Heraklits Metapher vom "Kampf" (polemos) in einer Welt der Gegensätze und sein Bild der "gegenwendigen Zusammengefügtheit" (palintropos harmonia; Fr. 51) sind zwar dialektisch reichlich in Anspruch genommen worden, nicht aber in ihrer logischen Struktur hinreichend ausgelotet worden. Auf einer genaueren logischen Analyse derartiger Konzepte soll der Akzent des Seminars liegen. Am deutlichsten wird dieses Erfordernis hinsichtlich des Heraklitschen Fluß-Denkens, das nach allgemein herrschender Ansicht keiner logischen Analyse zugänglich zu sein scheint. Als erster hat Platon einen logisch-skeptischen Vorbehalt gegen das panta rhei im Sinne seiner Selbstwidersprüchlichkeit geltend gemacht (vgl. den Theaitetos 154e 8 ff. und 179d 6 ff.) und einen analogen Vorbehalt auch gegenüber dem parmenideischen "Sein" ausgespielt (vgl. die Argumentationen im Dialog Parmenides), wobei er in seiner sophistischen Argumentationskunst Gorgias an Schärfe noch übertrifft. Eine solche Rechnung geht aber nur solange auf, als im Sinne des bestimmten Unterschieds das "Nicht-Sein" mit dem "Sein" auf gleiche Stufe gestellt und beides im Sinne der Logik der Alternativen verrechenbar gemacht wird.

Von der Klärung der logischen Frage hängt weiterhin ab, wie die durch Interpolation von "ist gleich" (Diels/Kranz) zur Gleichung gemachte protagoräische Formel "Sein ist gleich jemandem Erscheinen" (Fr. 1) weiterbehandelt werden will: im heraklitischen Fluß-Kontext als ein verschwindender Unterschied oder - mit Parmenides - als ein in disjunktiver Beziehung allererst aufgerichteter und vermöge der Disjunktion wahrhaft absolut gesetzter Unterschied. Um den Spielraum der hier gegebenen logischen Möglichkeiten auszuloten, ziehe ich es vor, die vorgebliche "Gleichung" im Sinne der Doppel-Begriffe Heraklits (wie z. B. "Leben | Tod", "Wachen | Schlafen" "Oben | Unten" usw.) mit einem Disjunktionsstrich bzw. einem Doppelpunkt zu schreiben und auch die beiden Seiten der Formel von Protagoras im disjunktiv-verbundenen bzw. paradox-verschränkten Sinn zu lesen: "Sein : Erscheinen" bzw. "Erscheinen sive Sein".

Heraklits als paradox empfundene, durch eine disjunktive Struktur gekennzeichnete Gleichung "Unsterbliche : Sterbliche" (vgl. Fragment 62: athanatoi thnêtoi, thnêtoi athanatoi; als Unsterbliche sind sie sterblich, als Sterbliche unsterblich ... in der Übersetzung von Jaap Mansfeld) und Parmenides durch eine Disjunktion bestimmte Verbindung von "Sein" (estin, to eon) und "Erscheinen" (doxa qua 'Weltsein') umschreibt gleichermaßen das disjunktive Geschieden-und-Verbundensein (beides zusammenfassend kann man auch sagen: "Verschränktsein") eines ineins Absoluten-und-Relativen. Die in den so gelesenen "Gleichungen" liegende Disjunktion besagt einerseits, daß die disjunktiv verbundenen Seinszustände sich nicht ineinander auflösen bzw. aufeinander zurückführen lassen (insofern handelt es sich um eine "Ungleichung"); sie verhindert auf der anderen Seite aber auch, daß beide Seiten im Sinne einer Alternative voneinander getrennt und/oder zum austauschbaren quid pro quo herabgestuft werden können. In diesem Sinne ist die Disjunktion scheidend und verbindend, nicht aber wie die Alternative gleichsetzend und/oder trennend bzw. ausschließend.

Den Vorteil der so gefaßten Strukturformeln sehe ich darin, daß sowohl die heraklitischen als auch die parmenideischen Hintergrundsannahmen mit ihnen verträglich sind und die Stellung der Sophisten zwischen beiden Antipoden verständlich wird. Sowohl die parmenideische doxa als auch das heraklitische panta rhei macht die von Platon angestrebte Absicherung einer auf dem Allgemeinen aufbauenden Erkenntnis schon aus rein logischen Gründen unmöglich. Der wesentliche Vorteil liegt darin, daß das "Sein" ebensowenig wie der "Fluß" (die "Zeit") dem Skeptizismus ausgeliefert sind, es sei denn, dieser manövriere sich mit einer unangemessenen logischen Analyse dieser grundlegenden ontologischen Kategorien selber ins Abseits.

 

 

Merle: Rechtstheorie der Frankfurter Schule

Di 20-22, Alte Burse, Raum X, Beginn 24. 4.

 

 

Erst mit J. Habermas Faktizität und Geltung (1992) nimmt das Recht eine zentrale Rolle in der Theorie eines Hauptvertreters der Frankfurter Schule ein, obwohl schon ein Mitglied des Instituts für Sozialforschung, F. Neumann in Rule of Law (1936), die Funktion des Rechts im modernen Staat untersuchte. Dafür gab es seit Neumann mindestens zwei Gründe: 1. politisch-theoretisch kritisierte die Frankfurter Schule die Trennung zwischen staatlicher bzw. autoritärer Volkssouveränität und individualistischem bzw. liberalistischem Naturrecht in der modernen Staatsphilosophie; 2. politisch-geschichtlich sah die Frankfurter Schule das moderne Rechtssystem im allgemeinen und diese Trennung insbesondere als eine Pathologie der bürgerlichen Gesellschaft. Nur die Demokratie, nicht der Rechtsstaat garantiere die Herrschaftsfreiheit.

Das Interesse der Frankfurter Schule für das Recht ergab sich aus mindestens zwei Umständen: 1. Mit Habermas Theorie des Kommunikativen Handelns und seiner Diskursethik beschränkte sich die Frankfurter Schule nicht mehr auf eine negative Kritik der sozialen Pathologien: sie entwarf eine eigene praktische Philosophie; 2. Juristen wie R. Alexy und K. Günther sahen im Rechtssystem einen Fall, und zwar einen besonders interessanten Sonderfall der Anwendung derDiskursethik. Auf dieser Basis entwickelte Habermas eine prozeduralistische Rechtsauffassung, in der es - im Gegensatz zum Naturrecht und zum Rechtspositivismus - dem Recht zukommt, zwischen Faktzität und Geltung auf eine demokratische Weise zu vermitteln.

Für einen benoteten Schein sollte ein Referat mit Thesenpapier gehalten und eine Hausarbeit (wahlweise eine Ausarbeitung des Referats oder eine Arbeit über ein anderes Thema) geschrieben werden.

Ein Reader und eine Themenliste werden am Anfang der Semesterferien erhältlich sein.

 

 

Literatur:

R. Alexy: Theorie der juristischen Argumentation. Die Theorie des rationalen Diskurses als Theorie der juristischen Begründung, Frankfurt/M. 1978, Teil C: S. 259-359.

R. Alexy: Begriff und Geltung des Rechts, Freiburg i. Br. 1992.

K.-O. Apel: Diskursethik vor der Problematik von Recht und Politik. In: K.-O. Apel. und M. Kettner (Hrsg.): Zur Anwendung der Diskursethik in Politik, Recht und Wissenschaft. Frankfurt/M. 1992. S. 29-61.

K. Günther: Der Sinn für Angemessenheit: Anwendungsdiskurse in Moral und Recht Frankfurt/M. 1988, Teil IV. S. 309-353.

J. Habermas: Faktizität und Geltung. Beiträge zur Diskurstheorie des Rechts und des demokratischen Rechtsstaats. Frankfurt/M. 1992.

J. Habermas: Die Einbeziehung des Anderen. Frankfurt/M. 1996. Kap. 10.

J. Habermas: Der interkulturelle Diskurs über Menschenrechte. In: B. Brunkhorst, W. R: Köhler u. M. Lutz-Bachmann. S. 216-227.

F. Neumann: Demokratischer und autoritärer Staat: Studien zur politischen Theorie. Hrsg. v. H. Marcuse. Frankfurt/M. 1967. Kap. 2-3.

F. Neumann: Die Herrschaft des Gesetzes: eine Untersuchung zum Verhältnis von politischer Theorie und Rechtssystem in der Konkurrenzgesellschaft. Frankfurt/M. 1980.

 

 

Sekundärliteratur:

M. Rosenfeld und A. Arato (Hrsg.): Habermas on Law and Democracy: Critical Exchanges. Berkeley CA 1998.

 

 

Rapp: Aristoteles, Metaphysik Z
FÄLLT AUS!!!

Mi 10-12, Alte Burse, Raum X, Beginn: 25. 4.

 

 

Im Mittelpunkt der Aristotelischen Ontologie steht Aristoteles Lehre von der Substanz. Das Verständnis dieser Theorie wird dadurch erheblich erschwert, daß Aristoteles auf den ersten Blick zwei ganz unterschiedliche Theorien der Substanz zu vertreten scheint: In der einfachen und vermutlich frühen Schrift Kategorien vertritt er die Auffassung, konkrete Einzeldinge seien die ersten Substanzen und somit die grundlegenden Entitäten in der Welt. In der komplexeren Abhandlung Metaphysik Z nimmt er diese Auffassung zwar nicht ausdrücklich zurück, behauptet nun aber, das eidos (griechisch für "Form, Spezies, Idee") sei die erste Substanz.

Das Seminar wird versuchen, die vieldiskutierten Ausführungen dieses Buches zu analysieren und in eine verständliche Form zu bringen. Dazu ist es nützlich, die abstrakten Diskussionen von Metaphysik Zeta (Buch VII) in einem etwas weiteren Kontext zu lesen: Im Seminar sollen daher neben dem Haupttext auch Ausschnitte aus Kategorien (Kap. 1-5), aus Metaphysik Alpha (Buch I, Kap. 2), Metaphysik Beta (Buch III), Metaphysik Gamma (Buch IV, 1-2), Metaphysik Delta (Buch V, 8), Metaphysik Epsilon (Buch VI) und Metaphysik Eta (Buch VIII) berücksichtigt werden.

Das Seminar wendet sich ausdrücklich auch an Studenten ohne Griechischkenntnisse. Jeder Teilnehmer sollte eine Gesamtausgabe der Metaphysik zur Hand haben; eine gute deutsche Übersetzung findet sich in: H. Bonitz: Aristoteles: Metaphysik, neu ediert von U. Wolf, Hamburg 1994.

Speziell zu Metaphysik Z sind die folgenden kommentierten Ausgaben empfehlenswert:

(griechisch/deutsch) M. Frede und G. Patzig: Aristoteles: Metaphysik Z, München 1988.

(englisch) D. Bostock: Aristotle: Metaphysics Books Z and H, Oxford 1994.

Zur einführenden Lektüre sind u. a. folgende Texte nützlich:

S. M. Cohen: plato.stanford.edu/entries/aristotle-metaphysics/

"Einleitung" in: Ch. Rapp (Hrsg.): Aristoteles: Die Substanzbücher der Metaphysik, Berlin 1996.

 

Salgado: Die Idee der Gerechtigkeit bei Kant und Hegel

Do 16-18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 26. 4.

 

 

Erläuterungen zum Seminar: siehe Aushang.

 

 

Schneider: Ewigkeit der Welt? Bonaventura, Thomas v. Aquin, Boethius
FÄLLT AUS!!!

Mo 16-18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 23. 4.

 

 

Das Problem der Ewigkeit der Welt ist ein altes Problem philosophischen Denkens; es reicht von Platon und Aristoteles bis hin zu Kants Antinomien der reinen Vernunft. Im lateinischen Mittelalter wird unter dem Titel "Ewigkeit der Welt" das Verhältnis von Philosophie und Theologie erörtert. Das Seminar widmet sich vor allem den Diskussionen über die Ewigkeit der Welt im lateinischen Mittelalter.

Ein qualifizierter Seminarschein kann auf Grund regelmäßiger Teilnahme und Mitarbeit und einer Hausarbeit erworben werden.

 

 

Textgrundlage:

Über die Ewigkeit der Welt. Texte von Bonaventura, Thomas von Aquin, Boethius von Dacien, mit einer Einleitung von R. Schönberger, Übersetzung und Anmerkungen von P. Nickl, Frankfurt/M. 2000.

 

 

Schroeder-Heister: Erweiterungen der Logikprogrammierung

Do 17-19, Raum: siehe Aushang bzw. Internet-Ankündigungen der Fakultät für Informatik,

Beginn: 26. 4.

 

 

Dieses Seminar wird im Rahmen meiner Tätigkeit an der Fakultät für Informatik durchgeführt. Studierende der Philosophie sind jedoch willkommen, wenn sie entsprechende Logik-Vorkenntnisse und Kenntnisse im Bereich der Logikprogrammierung haben und sich z. B. für Aspekte der Definitionstheorie oder Induktionstheorie interessieren. Für solche Interessierten kann ein Seminarschein aufgrund eines ausgearbeiteten Seminarvortrags vergeben werden.

 

 

Wieland: Politische Theorien des Mittelalters: Thomas v. Aquin, Dante, Ockham, Marsilius von Padua
FÄLLT AUS!!!

Di 16-18, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 24. 4.

 

 

Erläuterungen zum Seminar: siehe Aushang.

 

 

Wiesing/Marckmann: Philosophische Theorien der Medizinethik II

Do 14-16, Alte Burse, Raum X, Beginn: 26. 4.

Sprechstunde: nach telefonischer Vereinbarung, Tel.: 07071/29-78015.

 

 

Das Seminar setzt die Thematik fort, die im Wintersemester begonnen wurde. Es werden weitere philosophische Theorien der Medizinethik besprochen. Zudem soll der Schwerpunkt auf die Frage gelegt werden, inwieweit die Probleme in der Medizin Änderungen in der philosophischen Ethik hervorgerufen haben, gemäß der Aussage von Stephen Toulmin, How medicine saved the life of ethics! Ein Neueinstieg ist möglich nach vorheriger Rücksprache.

Literatur wird in der ersten Sitzung bekanntgegeben.

 

Wimmer/Eser: Feministische Vernunft- und Wissenschaftskritik

Mi 16-18, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 25. 4.

 

 

Das Seminar wird anhand ausgewählter Texte einen Überblick über unterschiedliche Ansätze feministischer Vernunft- und Wissenschaftskritik bieten. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob und gegebenenfalls wie das Geschlecht der Forschenden Einfluß auf Fragestellungen, Methoden und Ergebnisse der Naturwissenschaften hat. Ausgehend von 'klassischen' Positionen und der feministischen Wissenschaftsforschung soll versucht werden, zentrale Begriffe zu klären und wesentliche systematische Gesichtspunkte herauszuarbeiten.

Benoteter Schein: Diskussionseinführung und Hausarbeit.

 

 

Literatur zur Vorbereitung:

Women in Science-Gender and Science. Ansätze feministischer Naturwissenschaftskritik im Überblick. In: B. Orland und E. Scheich (Hrsg.): Das Geschlecht der Natur. Frankfurt/M. 1995. S. 13-63 (Suhrkamp-Taschenbuch 1727).

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Oberseminare

 

Figal: Neuere Forschungen zu Themen hermeneutischer Philosophie - Kompaktseminar

Für Doktoranden und Examenskandidaten. Die Teilnahme ist nur nach Rücksprache möglich.

 

Frank: Oberseminar für Doktoranden und Doktorandinnen

Mi 20-22, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 25. 4.

 

 

Diskussion neuester Texte aus dem Bereich der Philosophy of Mind.

 

 

Höffe: Neuerscheinungen zur politischen Philosophie und Vorstellung eigener Projekte - Oberseminar/Doktorandenkolloquium

Do 15-19, Termine und Ort werden noch bekanntgegeben

Sprechstunde: Mi 18-19, Raum 320

 

 

Es werden eigene Projekte vorgestellt und neue Literatur zur politischen Philosophie diskutiert. Neuteilnahme nur nach Rücksprache in der Sprechstunde möglich.

 

Keuth: Erkenntnistheorie

Mi 10-12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 25. 4.

 

 

Auch das Oberseminar gilt erkenntnistheoretischen Fragen. Es setzt sich aber mit einer Sammlung neuer Beiträge auseinander. Sie lassen sich in vier Gruppen unterteilen. Die erste gilt "traditionellen Problemen" der Erkenntnistheorie. Die zweite gilt der "Natur epistemischer Beurteilung"; hier geht es um "epistemische Normativität". Die dritte, "Arten des Wissens", behandelt Sinneserfahrungen, A priori-Wissen, moralisches und religiöses Wissen. Die vierte, "Neue Entwicklungen", ist trendy, hier geht es um feministische, soziale und prozedurale Erkenntnistheorie und schließlich um Hermeneutik als Erkenntnistheorie. (Kein Beitrag enthält eine Formel.)

Ein benoteter Schein kann aufgrund eines Referats erworben werden.

 

 

Literatur:

Greco, John und Ernest Sosa (Hrsg.): "The Blackwell Guide to Epistemology". Mass.: Malden. 1999. ISBN 0-631-20291-9 Pick It! .

 

 

Koch, A. F.: Neueste analytische Literatur

Di 20-22, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 24. 4.

 

 

In diesem Oberseminar sollen Aufsätze analytischer Provenienz zu verschiedenen Themen, die frisch von der Presse kommen, diskutiert werden. Um die Textauswahl unabhängig von meinen eigenen theoretischen Interessen zu machen und der Möglichkeit von Überraschungen Raum zu geben, schlage ich für den Anfang vor, schlicht den Editoren des Journal of Philosophy zu folgen und die Lektüre bzw. Diskussion mit dem jüngsten Heft des Journal, was immer sein Inhalt sein mag, zu beginnen. Über Fortsetzungsmöglichkeiten (auch über das gegenwärtige Semester hinaus) werden wir uns im Seminar verständigen.

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Kolloquien

 

Engels/Schumann: Kolloquium für Examenskandidat(inn)en und Doktorand(inn)en

Do 10-12, LS Ethik in den Biowissenschaften, Sigwartstr. 20, Beginn: 3. 5.

 

 

In diesem Kolloquium sollen Examenskandidat(inn)en und Doktorand(inn)en die Gelegenheit haben, ihre Arbeiten vorzustellen und zu diskutieren. Die Vorbesprechung findet am 3. 5. statt.

 

 

Fahrenbach: Kolloquium

nach Vereinbarung

 

 

Kümmel: Gedächtnis und Erinnerung

Fr 18-20, Alte Burse, Melanchthon-Zimmer (Raum 308), Beginn: 4. 5.

 

 

Schroeder-Heister: Logik und Sprachtheorie

Mi 18-20, nach Vereinbarung

 

 

Besprechung neuerer wissenschaftlicher Arbeiten sowie Gastvorträge. Es ergehen Einladungen. Interessierte mögen sich per e-mail an kahlespam prevention@informatik.uni-tuebingen.de wenden und um Aufnahme in den Verteiler bitten.

 

 

Szlezák: Aristoteles, De anima, Buch II-III

Di 18-20, Philologisches Seminar, Konferenzzimmer, Beginn: 24. 4.

Sprechstunde: Fr 9-10, Philologisches Seminar, Wilhelmstr. 26, Raum 10

 

 

Ausgegangen wird vom griechischen Text, der - mit einigen Kürzungen - kontinuierlich gelesen werden soll. Kenntnis des Griechischen mindestens auf der Stufe des Graecums ist daher Voraussetzung für die Teilnahme. Erörtert wird u. a. das Verhältnis von De anima zum verlorenen 'Aristoteles' (dazu die neue Deutung der Seelendefinition von A. P. Bos, z. B. in Hermes 128, 2000, S. 20-31), vor allem aber der aristotelische Begriff des Nus und seine problematische Verbindung mit den anderen 'Teilen' oder Funktionen der Seele.

 

 

Text:

Aristoteles: De anima, ed. with introd. an comm. by Sir David Ross. Oxford 1961.

 

 

Wimmer: Doktoranden/Doktorandinnen-Kolloquium

Do 14-17.30, 14-täglich, Ethikzentrum, Keplerstr. 17, Beginn: 26. 4.

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Arbeitskreis

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Hoering: Lernprogramm (insbesondere für Logik)

Di 19-21, Alte Burse, Computerpool, Beginn: 24. 4.

 

Seit einiger Zeit gibt es ein Tutor-Programm zum Einüben des logischen Ableitens in Formalismen der Aussagen-, Prädikaten- und Modallogik, das im Rahmen dieses Arbeitskreises entwickelt worden ist. Dieses Programm wurde zunächst in Pascal für IBM-kompatible Rechner geschrieben; für seine Portierung auf andere Plattformen stellen wir Versionen in TCL/TK her. Neue Mitglieder, die bereits Kenntnisse in diesen Sprachen besitzen, oder stark motiviert sind, sich einzuarbeiten, sind herzlich willkommen.

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Zusätzliche Lehrveranstaltungen

Heidelberger: Einführung in die Logik - Vorlesung

Mi 10-12

Die Veranstaltung bietet eine Einführung in die Aussagen- und Prädikatenlogik, nebst einigen Ausblicken in die induktive Logik. Es wird viel Wert auf die Formalisierung von Argumentationen gelegt. Da zum Philosophieren das Begründen gehört und das Begründen argumentativ geschieht, ist eine Reflexion auf Möglichkeiten und Grenzen des Argumentierens für die Philosophie unerlässlich.

Literatur: Paul Hoyningen-Huene, Formale Logik. Eine philosophische Einführung, Stuttgart: Reclam 1998, DM 16,-.

Materialien im Internet.

Heidelberger: Pierre Duhem: Ziel und Struktur der physikalischen Theorien - Proseminar

Di 14-16, Alte Burse, Melanchthon-Zimmer (Raum 308), Beginn: 24.04.

Pierre Duhem ist einer der Begründer der modernen Wissenschaftstheorie der Naturwissenschaften. Sein Buch von 1906 bietet immer noch eine hervorragende Möglichkeit, sich dem Thema systematisch zu nähern. Auf der anderen Seite ist das Buch reich an aufbereiteten Beispielen aus der Geschichte der Naturwissenschaften, die gutes Anschauungsmaterial liefern.

Literatur (anschaffen): Pierre Duhem: Ziel und Struktur der physikalischen Theorien, Hamburg: Meiner 1998, DM 36,-.

Heidelberger: Neue wissenschaftsphilosophische Literatur: Schwerpunkt Neukantianismus und Logischer Empirismus - Kolloquium

Di 18-20, Alte Burse, Melanchthon-Zimmer (Raum 308), Beginn: 24.04.

Das Seminar widmet sich dem neukantianischen Kontext, aus dem die Philosophie des Logischen Empirismus erwachsen ist. Die einzelnen Themen werden am Beginn des Semesters in Abhängigkeit von den Wünschen und Voraussetzungen der Teilnehmer gemeinsam abgesprochen. Denkbar wäre auch eine Beschäftigung mit dem "Logischen Aufbau der Welt" von Rudolf Carnap. Das Seminar ist für alle offen, inkl. Studierende aus anderen Fächern, die sich für die Philosophie der Wissenschaften und der Mathematik interessieren. (Niemand soll sich durch den Begriff "Kolloquium" abgeschreckt fühlen.)

Literatur: Ronald N. Giere & Alan W. Richardson (hrsg.), Origins of Logical Empiricism, Minneapolis: University of Minnesota Press 1996; Michael Friedman, Reconsidering Logical Positivism, Cambridge: Cambridge University Press 1999.

Heidelberger: Der wissenschaftliche Realismus - Hauptseminar

Mi 10-12, Alte Burse, Melanchthon-Zimmer (Raum 308), Beginn: 25.04.

Die Kontroverse Realismus/ Antirealismus ist eines der zentralen Themen der gegenwärtigen Wissenschaftsphilosophie. Ein wissenschaftlicher Realist glaubt, dass Erfolge einer empirischen Theorie gute Gründe dafür darstellen, dass die theoretischen (unbeobachtbaren) Gegenstände, von denen die Theorie spricht, tatsächlich existieren. Der Antirealist lehnt dies ab und hält theoretische Begriffe für bloße Hilfsmittel, die unsere Beobachtungsdaten geschickt organisieren, ohne sich auf theoretische Gegenstände zu beziehen. Es werden die verschiedenen Positionen diskutiert und, je nach Vorwissen der Teilnehmer, auch Fallstudien zu wissenschaftshistorischen Episoden behandelt (z.B. Einstein vs. Bohr).

Literatur: David Papineau (hrsg.), The Philosophy of Science, Oxford: Oxford University Press 1996; Stathis Psillos, Scientific Realism: How Science Tracks Truth, London: Routledge 1999.