Philosophisches Seminar

Sommersemester 2002

Inhalt:

  • Vorlesungen
  • Einführungsveranstaltung
  • Proseminare
  • Seminare
  • Oberseminare
  • Kolloquien
  • Arbeitskreise

Allgemeine Studienberatung: Dietmar Koch, Seminarassistent, Di 10-12, Raum 214

Soweit nicht anders im Kommentar vermerkt, ist die Anmeldung zu den Veranstaltungen nicht erforderlich.

Die Teilnahme an Proseminaren von Studierenden, die die Zwischenprüfung bereits abgelegt haben, bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Seminarleiters.

Semestertermine:

  • Beginn der Vorlesungen: 15.04.
  • Ende der Vorlesungen: 20.07.

Freistellung: Prof. Dr. Günther Maluschke

Einführungsabend für Studienanfänger:
Mo 15.04., 18 Uhr c.t., Alte Burse, Raum X

Vorlesungen

Engels: Menschenbilder in Philosophie und Biologie

Di 11-13, Kleiner Botanischer Hörsaal (N 11), Beginn: 16.04.

Die Frage nach der menschlichen Natur und nach den Beziehungen zwischen Natur und Kultur gehört zu den wichtigsten Problemstellungen der Philosophie und derjenigen biologischen Disziplinen, die sich mit dem menschlichen Verhalten und Handeln beschäftigen. Die Beantwortung dieser Frage hat auch Konsequenzen für die Ethik. In der Vorlesung soll in die verschiedenen Menschenbilder in Philosophie und Biologie und ihre spezifischen Besonderheiten auch unter Berücksichtigung ihrer Konsequenzen für andere philosophische Disziplinen (Ethik, Erkenntnistheorie) eingeführt werden.

Frank: Selbstbewusstsein und Selbstgefühl. Theorien von Descartes und Leibniz bis Novalis

Di 16-18, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 16.04.

Selbstbewusstsein war so sehr ein Thema der philosophischen Moderne, dass man die ganze Epoche durch dies Interesse hat charakterisieren können. Die Vorlesung nimmt Descartes und Leibniz nur zum Ausgangspunkt einer Erkundung von Positionen des (endenden) 18. Jahrhunderts. Ein Augenmerk liegt auf der Frage, warum neben 'Selbstbewusstsein' in der empirisch-psychologischen Tradition bald auch der Ausdruck 'Selbstgefühl' aufkam zur Bezeichnung der Kenntnis mentaler Zustände, ihres Trägers (des Subjekts) und seiner Existenz. Novalis ist darum Zielpunkt der Befragung, weil er die im Selbstgefühl vorliegende Kenntnis zuerst als ungegenständlich gedeutet und damit eine neue Tradition eröffnet hat. Zur Vorbereitung geeignet ist der von mir bei Suhrkamp (stw 964, 1991) herausgegebene Reader "Selbstbewußtseinstheorien von Fichte bis Sartre", obwohl die Sammlung mit den Theorien beginnt, bei denen meine Vorlesung endet. Der ausführliche Interpretationsteil fragt aber auch in die post-cartesianische Geschichte zurück.

Heidelberger: Zufall und Kausalität - Chaos und Wahrscheinlichkeit

Mi 10-12, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 17.04.

Seit dem frühen 19. Jahrhundert ist eine schleichende Erosion des kausalen Determinismus in den Natur- und Sozialwissenschaften festzustellen. Welche Folgen hat diese Entwicklung für unsere Weltauffassung und unser Menschenbild? Nach gründlicher Vorbereitung, die den Begriffen der Kausalität, des Zufalls, der Wahrscheinlichkeit und des Determinismus gewidmet ist, sollen diese Fragen für Physik und Biologie und evtl. noch andere Wissenschaften angegangen werden.

Literatur: Gerd Gigerenzer et al., Das Reich des Zufalls, Heidelberg: Spektrum 1998.

Höffe: Kant, Kritik der reinen Vernunft II

Do 10-12, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 18.04.

Auf dem Höhepunkt der europäischen Aufklärung entfaltet Kant eine neue Art des Denkens, die kritische Transzendentalphilosophie. Sie hat bis heute eine nicht lediglich historische, sondern auch systematische Bedeutung. Die auf zwei Semester angelegte Vorlesung will in das neue transzendentale Denken einführen, in ihre erste Darstellung, die Kritik der reinen Vernunft. Sie befaßt sich zwar auch mit der berühmten transzendentalen Deduktion der Kategorien, legt aber ebenso Wert auf die transzendentale Ästhetik, die metaphysische Deduktion, die Grundsätze und die transzendentale Dialektik. Es geht um Fragen wie: Ist die Welt mathematisch verfaßt? Gibt es transzendentale Prinzipien für die Naturwissenschaft? Was sagt die Erkenntnistheorie zur Freiheit? Kants gesamtes Denken, nicht etwa nur die Schrift Zum ewigen Frieden, ist kosmopolitisch ausgerichtet. Die Vorlesung stellt sich auch der Frage, ob Kants kritische Transzendentalphilosophie ein Muster ist für die Philosophie im Zeitalter der Globalisierung.
In der Auseinandersetzung mit Kant lernt man, überhaupt zu philosophieren. Die Vorlesung wendet sich daher auch an Anfänger.
Zu Beginn werden die wichtigsten Gedanken der Vorlesung im Wintersemester zusammengefaßt. Man kann deshalb auch neu "einsteigen".

Zur Vorbereitung: Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft, Vorreden zur 1. und 2. Auflage sowie die Einleitung
Zur Einführung: O. Höffe: Kant. Leben-Werk-Wirkung, München 52000; ders.: "Königliche Völker", Frankfurt/M. 2001, Kap. 12: "Kritik der reinen Vernunft: Eine kosmopolitische Lektüre".
Weitere Literaturangaben zu Beginn und im Verlauf der Vorlesung.

Keuth: Wissenschaft und Werturteil

Do 10-12, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 18.04.

Sind politische Wertungen auf dem Katheder zulässig? Können Wertungen wissenschaftlich sein? Soll man, falls man wertet, zumindest Aussagen und Werturteile deutlich trennen? Um diese Fragen wurde der Werturteilsstreit (1871-1914) geführt. Der Positivismusstreit in der deutschen Soziologie (1961-1968) war insofern eine Neuauflage des Werturteilsstreits, als es im wesentlichen um den Anspruch der Frankfurter Schule ging, aus der Geschichtsphilosophie ethisches Wissen zu gewinnen. Ähnliche Ansprüche werden in philosophischen Seminaren, in Ethikzentren und von Kulturstaatsministern auch heute noch gern erhoben. Die Vorlesung wird sich mit solchen Formen politischer Einflußnahme auseinandersetzen.

Koch, A. F.: Einführung in die Philosophie III: Die griechische Metaphysik

Do 18-20, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 18.04.

Mit dieser Vorlesung möchte ich eine mehrsemestrige Einführung in die Philosophie fortsetzen, die unter der Leitfrage nach der Möglichkeit und dem Inhalt einer Ersten Philosophie steht. Historisch ist die Erste Philosophie in verschiedenen Formen vorgekommen, ursprünglich als Frage nach dem Seienden als Seiendem, d.h. als Metaphysik (Aristoteles), später u.a. als Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit synthetischer Urteile a priori, d.h. als Transzendentalphilosophie (Kant), zuletzt als Frage nach der Wahrheit und Bedeutung von Sätzen, d.h. als philosophische Semantik (Frege, Russell, Wittgenstein).
Im gegenwärtigen Semester soll die klassische griechische Metaphysik erörtert werden, und zwar in ihren beiden Hauptströmen, der Platonischen und der Aristotelischen Philosophie, die als konkurrierende und zugleich verwandte Antworten auf die eleatische Herausforderung präsentiert werden sollen. Begonnen wird zu diesem Zweck mit einer Interpretation des Lehrgedichts des Parmenides von Elea, durch die dessen scheinbar weit hergeholte und kontraintuitive Lehren (Leugnung der Vielheit und des Werdens) als natürliche Folgen aus elementaren Prämissen empfohlen werden. Die Platonische Ideenlehre, wie wir sie aus Platons mittleren und späten Dialogen und aus den Berichten des Aristoteles kennen und die Lehren des Aristoteles über die Wahrheit, die Substanz und die Bewegung werden sodann als Versuche dargestellt und gewürdigt, die Phänomene (der Vielheit und des Werdens) gegen das eleatische Verdikt zu retten.
Im Handapparat der Seminarbibliothek wird ein Skriptum der Vorlesung zugänglich gemacht.

Schneider: Naturästhetik, Änderung!

Mo 10-12, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 15.04.

Die Vorlesung richtet sich an die Studierenden aller Fakultäten, insbesondere jedoch an die Studierenden der Philosophie und auf Grund ihres Gegenstands auch an die der Theologie. Ausgehend von den verschiedenen Naturdeutungen bei Platon und Aristoteles und deren Transformationen im lateinischen Mittelalter wird in der Vorlesung zur Sprache gebracht, wie angesichts der fortschreitenden Verobjektivierung der Natur zu einem bloßen verfügenden Gegenstand eine Ästhetik der Natur möglich ist, welche die wissenschaftlichen Probleme mit der Natur wenn nicht zu lösen, so doch wenigstens aufzufangen vermag. Dabei kommt den Lehren von J.-J. Rousseau, F. H. Jacobi, I. Kant und J. Ritter hohe Bedeutung zu. Die Vorlesung versteht sich in erster Linie als eine eingehende Auseinandersetzung mit der an Hegel orientierten Auffassung von Joachim Ritter, der von einer ästhetischen Erfahrung der Natur als Landschaft sprach, die der verobjektivierenden wissenschaftlichen Naturdeutung zur Seite zu stellen sei.

Szlezák: Aristoteles' Metaphysik

Do 9-11, 14-täglich, Hörsaal: Hegelbau, Philologisches Seminar, KÜR, Beginn: 18.04.

Das Ziel der Vorlesung ist ein doppeltes: Einmal soll der innere Zusammenhalt der unter dem Titel "Meta ta physika" überlieferten Schriften erörtert und der Aufbau der einzelnen Bücher geklärt werden. Zweitens gilt es, die Struktur der metaphysischen Reflexion des Aristoteles zu erhellen, dies mit stetem Bezug auf seinen Ausgangspunkt bei Platon und dessen Konzeption der intelligiblen Wesenheiten und deren Prinzipien.

Text:
Aristoteles Metaphysica recognovit W. Jaeger, Oxford 1957 (Repr.).

N.N.: Einführung in die Logik

Zeit, Hörsaal und Kommentar: siehe Aushang.

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Einführungsveranstaltung

D. Koch: Einführung in das Studium der Philosophie

Mo 10-12, Alte Burse, Raum X, Beginn: 15.04.

Die Einführungsveranstaltung dient der umfassenden Grundorientierung im Philosophiestudium. Sie ist reserviert für Erst- und Zweitsemester im Fach Philosophie.
Aufgabe der Veranstaltung ist es, Kenntnisse zum Studienablauf und zur Studienorganisation zu vermitteln, grundlegende Literatur bekannt zu machen, eine Anleitung zu wissenschaftlichem Arbeiten zu geben, vor allem jedoch in geschichtlich wie systematisch bedeutsame Grundprobleme und Grundbegrifflichkeiten philosophischen Denkens einzuführen. Dies geschieht anhand von Textauszügen zentraler philosophischer Werke von Parmenides bis Heidegger. (Die Textauszüge werden ausgegeben.)

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Proseminare

Aschenberg: Textformen der Philosophie
(Fachdidaktisches Proseminar für Studierende des Lehramtsstudiengangs Philosophie/Ethik)

Mo 8-10, Alte Burse, Raum X, Beginn: 15.04.

Die Lehrveranstaltung soll Zugang zur Analyse der Funktionalität philosophischer Textformen (wie Textsorte, Stil, Kompositionsart) eröffnen: Es könnte einen Unterschied ausmachen, ob z.B. ein Gottesbeweis in der Form des Gebets oder des Lehrbuchs oder der Meditation auftritt. Damit verbindet sich jedoch kein primär philologisch-historisches Interesse. Vielmehr geht es darum, zu prüfen, ob und inwieweit die textuelle Organisation für den doktrinalen Gehalt und die Argumentationsstruktur einer jeweiligen philosophischen Position charakteristisch und sachrelevant ist.
Das kann im Rahmen eines Proseminars natürlich nur exemplarisch, und es sollte möglichst anhand deutlich kontrastierender Beispiele geschehen. Ich halte die Konzentration auf sog. Klassiker der Philosophie' für empfehlenswert. In der Auswahl der Beispiele ebenso wie der Gestaltung der Seminarsitzungen werden Wünsche, Interessen und Vorkenntnisse der Teilnehmer berücksichtigt. Die Auswahl erfolgt in den ersten Seminarsitzungen.

Das Proseminar dient zugleich der Einführung in Fragen der Fachdidaktik, und zwar:

  1. weil es textorientierte, auch im Rahmen des Gymnasialunterrichts geeignete Zugangsweisen zu philosophischen Theorien bzw. Problemen eröffnet;
  2. weil in ihm Verfahren der didaktisch-methodischen Vermittlung der jeweils erörterten Theorieposition bzw. Sachproblematik mitbedacht werden sollen;
  3. weil derartige Verfahrensmöglichkeiten in der Seminararbeit selbst praktiziert und erprobt werden können.

Zur Einführung und Vorbereitung empfehle ich den unten genannten Aufsatz von Reinhard Brandt "Die literarische Form philosophischer Werke". Die Sammelbände Gabriel/Schildknecht und Nagl/Silverman enthalten umfangreiche Bibliographien.

Bedingungen für den Erwerb eines qualifizierten Scheins:

  1. regelmäßige Teilnahme,
  2. eine mündliche Präsentation, z.B. ein Kurzreferat, aber auch weniger konventionelle Möglichkeiten sind denkbar,
  3. eine schriftliche Hausarbeit.

Literaturhinweise:

Brandt, Reinhard: Die Interpretation philosophischer Werke. Stuttgart/Bad Canstatt: fromman-holzboog, 1984.
Ders: "Die literarische Form philosophischer Werke", Universitas 40 (1985), 545-56.
Gabriel, Gottfried & Christiane Schildknecht (Hg.): Literarische Formen der Philosophie. Stuttgart: Metzler, 1990.
Nagl, Ludwig & Hugh J. Silverman (Hg.): Textualität der Philosophie - Philosophie und Literatur. Wien: Oldenbourg, 1994.
Ernst-Wolfgang Orth (Hg.): Zur Phänomenologie des philosophischen Textes. Freiburg/München: Alber, 1982.
Schildknecht, Christiane: Philosophische Masken. Literarische Formen der Philosophie bei Platon, Descartes, Wolff und Lichtenberg. Stuttgart: Metzler, 1990.

Dietrich: Einführung in die Allgemeine Ethik (für Studierende aller Fächer)

Di 10-12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 16.04.

Das Seminar richtet sich an Studierende aller Fächer und führt in einem interdisziplinären Rahmen in die grundlegenden Begriffe und Argumentationsweisen der Ethik ein. Das Ziel ist es, anhand von konkreten 'Fällen' und von Beispielen aus den Natur-, Sozial- und Literaturwissenschaften

  • einen Überblick über Grundbegriffe und -theorien der Ethik zu gewinnen,
  • mit ihrer Hilfe ethische Fragestellungen gezielt zu erschließen und
  • Ansätze der ethischen Urteilsbildung kennenzulernen.

Das Seminar ist auch als Veranstaltung zu ethisch-philosophischen Grundfragen im Rahmen des Ethisch-Philosophischen Grundlagenstudiums (EPG) der Lehramtsstudiengänge anrechenbar.

Voraussetzungen: keine.
Benoteter Schein: Aktive Mitarbeit und Abschlussklausur oder Hausarbeit.

Engels: Grundpositionen der Tierethik

Mi 8-10, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 17.04.

Die Tierethik ist eine Bereichsethik der anwendungsbezogenen Bioethik, die das Verhältnis von Mensch und Tier in den verschiedensten Kontexten (Wissenschaft und Forschung, Medizin, Lebenswelt) zum Gegenstand hat. In Abhängigkeit von den jeweiligen philosophischen und anthropologischen Annahmen über die Stellung des Menschen in der Natur variieren auch die tierethischen Grundpositionen. Unter Einbeziehung historischer Texte soll ein Überblick über die wichtigsten tierethischen Ansätze gegeben werden.

Bedingung für den Erwerb eines unbenoteten Leistungsnachweises ist neben regelmäßiger Teilnahme ein Seminarvortrag mit Thesenpapier, für einen benoteten Leistungsnachweis eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit.
Eine Liste der im Seminar zu behandelnden Literatur wird zu Beginn des Semesters verteilt.
Das Seminar ist anrechenbar für das EPG 1 und 2.

Heidelberger: Grundprobleme der Wissenschaftsphilosophie

Do 14-16, Alte Burse, Raum X, Beginn: 18.04.

Die Naturwissenschaften sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken und bestimmen viele Bereiche in unserer Gesellschaft. Jeder von uns bekommt in seiner Ausbildung Grundzüge des naturwissenschaftlichen Weltbildes vermittelt. Weniger gut steht es aber mit dem Wissen darüber, was Wissenschaft eigentlich ausmacht, wie sie so gut funktionieren kann, worauf ihre Geltung beruht und wo ihre Grenzen liegen. Im Proseminar werden die wichtigsten Probleme und Themen der gegenwärtigen Wissenschaftsphilosophie behandelt, die zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den Wissenschaften notwendig sind.

Scheinerwerb durch Referat und Hausarbeit - evtl., nach Absprache mit den Teilnehmern - auch Klausur.
In dieser Veranstaltung kann ein Schein im Rahmen des Ethisch-Philosophischen-Grundlagenstudiums (EPG) erworben werden. (Scheintyp EPG 1).

Einführende Literatur zur Vorbereitung: Ian Hacking, Einführung in die Philosophie der Naturwissenschaften, Stuttgart: Reclam 1996 (Nr. 9442); Karel Lambert, Gordon G. Brittan, Eine Einführung in die Wissenschaftsphilosophie, Berlin: de Gruyter 1991 (Sammlung Göschen).

Höffe: Nietzsche, Zur Genealogie der Moral - Interpretationskurs II

Mi 14-16, Alte Burse, Raum X, Beginn: 25.04.

Der zweisemestrige Interpretationskurs ist einer Grundschrift der nachkantischen Moralphilosophie und der Moralkritik gewidmet.

Einen Teilnahmeschein erhält man für ein Protokoll, einen benoteten Schein für ein Referat und dessen schriftliche Ausarbeitung. Ein "Neu-Einstieg" ist nur nach Rücksprache möglich.

Textgrundlage: Nietzsches Schrift, z.B. in der Kritischen Studienausgabe, Band 5, Berlin 1988 (und spätere Auflagen).

Hofmann: Einführung in die Philosophie Kants

Do 18-20, Alte Burse, Konferenzraum X, Beginn: 18.04.

Der Kurs soll einen Überblick über die Philosophie Kants geben, er ist kein Lektürekurs. Er soll den Einstieg zu Kant ermöglichen und ist durchaus für Erstsemester geeignet. Dementsprechend werden wir uns grundlegende Begriffe und Thesen aneignen, die bei Kant von zentraler Bedeutung sind: die Idee synthetisch-apriorischer Erkenntnis, die Unterscheidung zwischen Ding an sich und Erscheinung, die Lehre von Sinnlichkeit und Verstand als den zwei Erkenntnisstämmen u.a. Wir werden dazu vor allem Stellen aus Kants Werk Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik heranziehen und diese unter systematischen Gesichtspunkten interpretieren. Als Vorbereitung empfehle ich, in diesem Werk zu lesen.

Scheinerwerb: Schriftlich ausgearbeitetes Referat oder Hausarbeit.

Literatur:
Kant, I., Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, 1783, Meiner, Hamburg.
Höffe, O., Immanuel Kant, Beck, München, 1988, 2. Aufl.

Keuth: Max Weber und der Werturteilsstreit

Do 14-16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 18.04.

Mit dem Beginn des zweiten Reiches (1871) begann auch die Werturteilsdiskussion in der Nationalökonomie. Sie erreichte 1914 ihren Höhepunkt in der Werturteilsdiskussion im Verein für Sozialpolitik. Es ging um einen Komplex von Fragen, die von der Zulässigkeit der Kathederwertung bis zur Möglichkeit wissenschaftlicher Werturteile reichte. Inzwischen liegen alle Beiträge zur 'Werturteilsdiskussion im Verein für Sozialpolitik' in einem kleinen kommentierten Band vor. Sie bilden den Kern des Seminars. Aus den zahlreichen später erschienenen Stellungnahmen zum Werturteilsstreit können wir nur eine Auswahl berücksichtigen. Wir werden auch einige weitere Aufsätze von Max Weber heranziehen.

In dieser Veranstaltung kann ein Schein im Rahmen des Ethisch-Philosophischen-Grundlagenstudiums (EPG) erworben werden. (Scheintyp EPG 1).
Literatur:

Heino Heinrich Nau (Hg.), Der Werturteilsstreit. Die Äußerungen zur Werturteilsdiskussion im Ausschuß des Vereins für Sozialpolitik (1913), Marburg 1996.
Hans Albert und Ernst Topitsch (Hg.), Werturteilsstreit, Darstadt 1971.
Max Weber, Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, J. Winckelmann (Hg.), Tübingen 1982, bzw.
Max Weber, Methodologische Schriften, Frankfurt 1968.

Koch, A.F.: Platon, Symposion

Do 16-18, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 18.04.

In Platons Dialog "Symposion" werden - bei einem Gastmahl - Reden über den Gott Eros gehalten, zunächst von Phaidros, Pausanias, Eryximachos, Aristophanes und dem Gastgeber Agathon. Es folgt eine Rede des Sokrates, in der er über ein Gespräch mit der Seherin Diotima von Mantineia berichtet, die ihn über die Natur des Eros und sein Verhältnis zur Idee des Schönen belehrt habe. Sokrates gibt diese Einweihung nun weiter. Der Dialog endet mit einem Auftritt des Alkibiades, der in einer Lobrede auf Sokrates dessen innere Schönheit rühmt. Wir werden versuchen, den ganzen Dialog zu behandeln, dabei aber der Rede des Sokrates bzw. der Belehrung durch Diotima besondere Aufmerksamkeit schenken.

Als Textgrundlage empfiehlt sich eine griechisch-deutsche Ausgabe, etwa die der Philosophischen Bibliothek des Meiner Verlags (übersetzt von Otto Apelt und neubearbeitet von Annemarie Capelle) oder diejenige in: Platon, Werke, Band 3, hg. von Gunther Eigler (Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt). In der Seminarbibliothek wird ein Handapparat mit Forschungsliteratur eingerichtet.

Teilnahmevoraussetzung: Bereitschaft zur Übernahme von Stundenprotokollen und Kurzreferaten. Erwünscht (aber nicht vorausgesetzt) sind Griechischkenntnisse.

Scheinerwerb: Hausarbeit.

Koch, D.: Fragmente der Vorsokratiker - Lektürekurs für Erst- und Zweitsemester

Di 18-20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 16.04. (in der ersten Sitzung findet eine Vorbesprechung statt).

Der Umgang mit philosophischen Schriften bedarf bestimmter "handwerklicher" Voraussetzungen: Die Fähigkeit eines begrifflich genauen Lesens, das Vermögen, die spezifische Problemstellung eines Textes herauszupräparieren, die Beherrschung der charakteristischen Begrifflichkeit eines Autors, zudem die stete Beachtung der Differenz von Textauslegung und eigener Sachinterpretation und anderes mehr.
Der Lektürekurs für Erstsemester will über die Demonstration dieser Umgangsweisen hinaus anhand der überlieferten Fragmente von Parmenides, Heraklit, Anaximander im Blick auf den geschichtlichen Anfang des abendländischen Philosophierens in die Eigenart und in den Reichtum philosophischer Probleme und philosophischen Denkens einführen.
Die Veranstaltung ist ausschließlich für Erst-und Zweitsemester im Studienfach Philosophie bzw. Philosophie/Ethik bestimmt, Studierende in einem höheren Fachsemester können keine Aufnahme finden. Griechischkenntnisse sind nicht vorausgesetzt.
Leistungsnachweise für einen unbenoteten Schein: Übernahme eines Protokolls (Umfang jeweils 2-3 Seiten); eine Vorschlagsliste wird zu Beginn des Semesters ausgegeben.
Leistungsnachweis für einen benoteten Schein: Hausarbeit (Höchstumfang: 15 Seiten; Abgabetermin: bis 30 September 2002); eine Vorschlagsliste wird zu Beginn des Semesters ausgegeben.

Textgrundlage für das Seminar:
Heraklit. Fragmente. Griechisch und deutsch. Hrsg. von Bruno Snell, München/Zürich 1989.
Parmenides. Text, Übersetzung, Einführung und Interpretation von Kurt Riezler. Frankfurt am Main 1970.
Die Vorsokratiker I. Griechisch und deutsch. Übersetzung von Jaap Mansfeld. Stuttgart 1983.

Koch, D.: Martin Heidegger: Sein und Zeit - Interpretationskurs II

Do 16-18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 18.04.

Fortsetzung des Interpretationskurses vom Wintersemester 2000/2001.
Studierende, die neu hinzukommen wollen und die Intention haben, einen Schein zu erwerben, können leider nicht mehr aufgenommen werden.

Textgrundlage: Martin Heidegger: Sein und Zeit (Einzelausgabe; Niemeyer Verlag, Tübingen, beliebige Auflage).

Scheinerwerb: eine Hausarbeit pro Semester (Umfang: 10 bis 15 Seiten à 2000 Anschläge). Bitte beachten Sie, daß in einem Interpretationskurs nur benotete Scheine erworben werden können.
Eine Vorschlagsliste für Hausarbeitsthemen wird ausgeben.

Merle: Kant, Kritik der Urteilskraft: Die teleologische Urteilskraft - Interpretationskurs II

Di 16-18, Alte Burse, Konferenzraum X, Beginn 16.04.

Kants Kritik der Urteilskraft erhebt den Anspruch, die Einheit des Systems der reinen Vernunft darzustellen, die in der Kritik der reinen Vernunft und in der Kritik der praktischen Vernunft nur behauptet wurde. Das Prinzip, das dabei die Reflexion der Urteilskraft leitet, ist die Zweckmäßigkeit der Natur. Die Rolle der Urteilskraft als eines reflexiven "Verbindungsmittels" der Moralphilosophie und der theoretischen Philosophie ist aber selber eine doppelte: als ästhetische Urteilskraft bezieht die Urteilskraft die Zweckmäßigkeit der Natur auf das Moralische in uns; als teleologische Urteilskraft bezieht sie sich auf den Zusammenhang der Dinge der Natur miteinander und mündet in eine auf einen Naturzweck gegründete Moraltheologie. Schon im frühen deutschen Idealismus und in der Romantik wurde die dritte Kritik als Kants Hauptwerk bzw. als die Erschließung eines neuen philosophischen Themenbereichs und als gleichzeitig in ihrem Einheitsanspruch unzureichend wahrgenommen.

Wir werden uns in diesem Semester mit dem zweiten Teil der Kritik der Urteilskraft ("Kritik der teleologischen Urteilskraft") befassen. Der Interpretationskurs wendet sich vornehmlich an die Teilnehmer des ersten Teils; bei besonderem Interesse und mit einigen Kenntnissen der Kritik der reinen Vernunft ist er für neue Teilnehmer offen.
Für einen benoteten Proseminarschein sind ein Kurzreferat und eine Hausarbeit erforderlich. Für einen benoteten Interpretationskursschein sind diese Leistungen in beiden Semestern zu erbringen.

In dieser Veranstaltung kann ein Schein im Rahmen des Ethisch-Philosophischen-Grundlagenstudiums (EPG) erworben werden. (Scheintyp EPG 1).

Texte:
I. Kant: Kritik der Urteilskraft.
Ausgaben: Akademie Ausgabe Bd. V. oder Hg. K. Vorländer, Hamburg.
Zur Einführung in Kant:
O. Höffe, Immanuel Kant, München.

Literatur:
K. Düsing: Die Teleologie in Kants Weltbegriff, Bonn 1968.
R. Löw: Philosophie des Lebendigen. Der Begriff des Organischen bei Kant, sein Grund und seine Aktualität, Frankfurt/M. 1980.
J.D. McFarland: Kant's Concept of Teleology, Edinburgh 1970.
J.H. Zammito: The Genesis of Kant's Critique of Judgement, Chicago 1992.
V. Zanetti: La Nature a-t-elle une Fin? Le Problème de la Téléologie chez Kant, Brüssel 1994, Teil II u. III.
C. Zumbach: The Transcendent Science. Kant's Conception of Biological Methodology, Den Hagen 1984.

Merle: Nozick, Anarchie, Staat und Utopie

Di 20-22, Alte Burse, Raum X, Beginn: 16.04.

Kritik an dem egalitaristischen Liberalismus, der seit John Rawls' Theorie der Gerechtigkeit (1971) einen Neuanfang erlebte, haben hauptsächlich der Libertarianismus und der Kommunitarismus geübt; gegen den Rawlschen Liberalismus wandte sich der erste aus individualistischeren Prämissen, der zweite unter Berufung auf die Identität stiftende Gemeinschaft. Robert Nozicks Anarchie, Staat und Utopie (1974) ist weder das erste noch das radikalste (dies war Murray Rothbards For a new Liberty. The Libertarian Manifesto, 1973), wohl aber das bekannteste Werk des Libertarianismus. Auf eine durch das Naturrecht und die Vertragstheorien inspirierte Weise versucht Nozick zunächst einen Minimalstaat und die Grenze seiner Kompetenzen zu begründen und zu rekonstruieren. Dann stellt er seine die Gerechtigkeit in der Gesellschaft historisch definierende Theorie (eine Verteilung ist gerecht, wenn alle Schritte, die zu ihr geführt haben, gerecht waren) den Theorien der Umverteilung gegenüber, die die Gerechtigkeit strukturell definieren (eine Verteilung ist gerecht, wenn sie einem idealen Modell der Verteilung entspricht) und zu denen Rawls' Theorie der Gerechtigkeit gehört. Nozick sieht dann im Minimalstaat ein Alternativmodell der politischen Utopie zu diesen egalitaristischen Modellen der Verteilungsgerechtigkeit. Nozicks Anarachie, Staat und Utopie stellt eine der wichtigen Positionen in der heutigen Debatte über die Gerechtigkeit dar.
Für einen benoteten Schein sind ein Kurzreferat und eine Hausarbeit erforderlich.

Text:
R. Nozick: Anarchie, Staat, Utopia, München 1976 (vergriffen; eine Kopie wird zur Verfügung gestellt).
(Original: Anarchy, State, and Utopia, Oxford 1974).

Literatur:
A. Corlett (Hg.): Equality and Liberty. Analyzing Rawls and Nozick, London 1991.
O. Höffe: L'Etat et la Justice: John Rawls et Robert Nozick, Paris 1988.
R. Kley: Vertragstheorien der Gerechtigkeit, Stuttgart 1989.
J. Paul (Hg.): Reading Nozick, Oxford 1982.
J. Wolff: Robert Nozick. Property, Justice and the Minimal State, Cambridge 1991.

Mirbach: Philosophie der Philosophiegeschichtsschreibung zwischen Aufklärung und Deutschem Idealismus

Fr 10-12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 19.04.

'Man sieht nur, was man weiß' - oder: 'Man weiß nur, was man sieht'.
Spätestens seit Beginn des 18. Jahrhunderts bedeutet das Schreiben von Philosophiegeschichte nicht mehr die polyhistorische Kompilation vergangener philosophischer Anschauungen, sondern zugleich die explizite Auseinandersetzung mit dem jeweils eigenen Begriff von Philosophie.
Im philosophischen Diskurs über geschichtliche Stationen des Philosophierens entsteht ein Spannungsfeld, in dem sich einerseits das philosophische Selbstverständnis in der Reflexion auf bereits Vorfindliches konturiert, andererseits das Verständnis des Vorfindlichen durch die je eigene Position maßgeblich bestimmt wird. Entsprechend verändern sich Gegenstand, Methode, Ziel und Medium der praktizierten Philosophiegeschichte.
Wir wollen im Seminar einige der einflußreichsten Philosophiegeschichten zwischen Anfang des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts herausgreifen. Der Bogen reicht von den aufklärerischen Werken Chr. A. Heumanns und J. Bruckers über D. Tiedemann und Kantianische Positionen, u. a. von W. G. Tennemann, bis zu den von Schellings Philosophie bestimmten Arbeiten F. Asts. Die meist sehr umfangreichen Werke sollen anhand ausgewählter Textstellen auf den ihnen zugrundeliegenden Anspruch, ihr Verständnis von Subjekt und Gegenstand der Geschichte der Philosophie, auf Vorgehensweise, verwendete Gliederungsschemata, Klassifikationen und Topoi untersucht werden. Am Fallbeispiel der jeweiligen Darstellungen der (neu-)platonischen Philosophie kann ein aus dem skizzierten Spannungsfeld resultierender, philosophisch bedeutsamer Paradigmenwechsel in dem von uns untersuchten Zeitraum verfolgt werden.
Schein: Hausarbeit oder schriftliche Ausarbeitung eines Referats.

Texte: Es wird ein Seminarreader erstellt, der in der 1. Sitzung erworben werden kann.
Zur Vorbereitung: Lucien BRAUN: Geschichte der Philosophiegeschichte, Darmstadt 1990.

Scarano: Die Sprache der Moral

Mo 18-20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 22.04.

Wir alle sind gewohnt, moralische Forderungen zu erheben, und normalerweise bemühen wir uns darum, die moralischen Erwartungen anderer Personen zu erfüllen. Aber was sind eigentlich moralische Forderungen? Was ist überhaupt Moral? Wie lassen sich moralische Erwartungen begründen? Und wie kann im Bereich der Moral rational argumentiert werden?
Eine Möglichkeit, diese Grundfragen der Moraltheorie zu thematisieren, besteht darin, sich ihnen indirekt zu nähern, über eine Analyse der von uns in solchen Zusammenhängen verwendeten Sprache. In welchen Arten von Aussagen drücken sich moralische Forderungen oder Bewertungen aus? Kann bei moralischen Aussagen überhaupt von Wahrheit und Falschheit gesprochen werden, oder ähneln sie nicht vielmehr Befehlen, die prinzipiell weder wahr noch falsch sind? Eine genaue Analyse unserer sprachlichen Ausdrucksformen kann nicht nur einen Zugang zu den Formen moralischer Kommunikation und Argumentation eröffnen. Sie gewährt auch interessante Einblicke in allgemeine Fragstellungen der Sprachphilosophie, insbesondere zum Verhältnis von philosophischer Semantik und Pragmatik.
Im Mittelpunkt des auch für Anfänger geeigneten Proseminars wird das Werk von Richard M. Hare "Die Sprache der Moral" aus dem Jahr 1952 stehen. Wir werden diesen sowohl für die Moraltheorie als auch die Sprachphilosophie des 20. Jahrhunderts grundlegenden Text miteinander lesen, diskutieren und, soweit möglich, auch auf die nachfolgenden Entwicklungen eingehen.
Einen benoteten Schein erhält man durch ein Thesenpapier und eine schriftliche Hausarbeit. (Hinweis für Lehramtskanditaten: Es besteht die Möglichkeit, einen EPG 1-Schein zu erwerben.)

Literatur:
R. M. Hare: Die Sprache der Moral, Frankfurt/M. 1983.
R. M. Hare: Universeller Präskriptivismus, in: Ch. Fehige/G. Meggle (Hgg.), Zum moralischen Denken, Bd. 1, Frankfurt/M. 1995, 31-53.
N. Scarano: Moralische Überzeugungen. Grundlinien einer antirealistischen Theorie der Moral, Paderborn 2001.

Schick: Johann Gottlieb Fichte: System der Sittenlehre (1798) - Interpretationskurs I

Mo 12-14, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 15.04.

Fichtes Sittenlehre gehört zu jenen ethischen Theorien, die eine apriorische Begründung der Moral aus Freiheit unternehmen. Angelpunkt des Werks ist das praktische Gesetz, sich selbst nach dem Begriff absoluter Selbständigkeit zu bestimmen. Fichte sucht dieses Gesetz zum einen im Rückgang auf die Bedingungen des Selbstbewußtseins zu fundieren (1. Hauptstück), zum anderen seine Realisierbarkeit (2. Hauptstück) und seine Konkretisierung in einer Pflichtenlehre (3. Hauptstück) zu erweisen. Im ersten Teil des Kurses werden wir uns nach einführenden Überlegungen zu Programm und Umfeld des Werks vor allem mit dem ersten Hauptstück auseinandersetzen. Inhaltlich erwarten uns dabei drei elementare Fragen: Was ist eigentlich Freiheit des Willens? Wie verhalten sich Wollen und Denken zueinander? und: Ist der Freiheit ein Sollen, eine Art Selbstbindung, einbeschrieben?
Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.
Benoteter Schein (für den ganzen Interpretationskurs): Zwei mündliche Referate oder ein mündliches Referat und eine schriftliche Hausarbeit.
In dieser Veranstaltung kann ein Schein im Rahmen des Ethisch-Philosophischen-Grundlagenstudiums (EPG) erworben werden. (Scheintyp EPG 1).

Text:
Johann Gottlieb Fichte: Das System der Sittenlehre nach den Prinzipien der Wissenschaftslehre (1798), Einleitung von H. Verweyen, Hamburg 1995.
Sekundärliteratur zur Einführung: Peter Rohs: Johann Gottlieb Fichte. München 1991.

Schick: Induktion und Deduktion

Di 12-14, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 16.04.

Deduktion und Induktion werden einander oft als zwei Weisen des Schließens so gegenübergestellt: Während die erste logisch gültige Schlüsse ergibt, ohne unsere Erkenntnis inhaltlich zu erweitern, vollzieht die zweite Schlußweise die Erweiterung unserer Erkenntnis, aber um den Preis, nicht logisch gültig oder zwingend zu sein. Eben deshalb wurde und wird Induktion als Problemfall des Schließens angesehen - das Spektrum der Einschätzungen reicht mittlerweile von Versuchen, ihr Gültigkeit beizubringen, über Neufassungen ihrer eigentlichen Funktion im Erkenntnisgang bis hin zur eindeutigen Verabschiedung. Da sich das Problem der Induktion im direkten Messen an der Deduktion erschließt, lohnt es sich, die beiden einmal im Zusammenhang zu betrachten. Wir werden uns dabei hauptsächlich an Texten der älteren Tradition orientieren (Auszüge aus Aristoteles, Hume, Mill, Kant, Hegel). Das Seminar ist zur Einführung gedacht und setzt keine einschlägigen Vorkenntnisse voraus.
Benoteter Schein: Mündliches Referat oder Hausarbeit.

Texte:
Die Textsammlung wird während der Semesterferien als Kopiervorlage im Handapparat zur Verfügung stehen.
Ergänzende SekundärLiteratur:
Zur ersten Orientierung eignet sich Alan Musgrave: Alltagswissen, Wissenschaft und Skeptizismus (UTB 1740), Tübingen 1993, Kap. 8-10.

Schiemann: Einführung in die Naturphilosophie - Interpretationskurs I

Do 12-14, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 18.04.

Nur wenige Begriffe nehmen in der europäischen Philosophiegeschichte eine so zentrale Stellung ein wie der Begriff der Natur. Als Leitidee philosophischer Systeme, Grundbegriff unterschiedlicher Naturphilosophien, Gegenstand zahlreicher theoretischer Kontroversen und Objekt wissenschaftlicher Untersuchungen ist der Begriff in beachtlicher Bedeutungsmannigfaltigkeit aufgetreten. Seit dem letzen Jahrhundert haben dann vor allem zwei Motive der Naturphilosophie zur erneuten Aktualität verholfen: Die stürmische Entwicklung der naturwissenschaftlichen Erkenntnis und die Entstehung der lebensbedrohenden Umweltproblematik. So sehr neue Dimensionen der Naturthematik schon das philosophische Interesse beschäftigen, so unverkennbar ist, daß die Ursprünge heutiger Naturvorstellungen bis weit in die Vergangenheit der europäischen Philosophiegeschichte zurückreichen.
Das zweisemestrige Seminar führt in herausgehobene Traditionslinien der Naturphilosophie an Hand von ausgewählten Schlüsseltexten ein.
Scheinvergabe: Zwei Referate und Hausarbeiten.

Textgrundlage: G. Schiemann (Hg.), Was ist Natur? Klassische Texte zur Naturphilosophie. München : Deutscher Taschenbuchverlag 1996.

Schmidt: Alvin Plantinga, reformierte Epistemologie

Mi 12-14, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 17.04.

Was macht eine Überzeugung zu Wissen? Mit dieser klassischen Frage der Erkenntnistheorie hat sich Alvin Plantinga in drei aufeinander aufbauenden Arbeiten von neuem systematisch auseinandergesetzt. In Warrant: The Current Debate (1993) untersucht und kritisiert Plantinga aktuelle Theorien epistemischer Berechtigung (Deontologismus, Kohärenztheorie, Externalismus), in Warrant and Proper Function (1993) stellt er seine eigene Theorie vor, die um den Begriff des korrekten Funktionierens eines auf Wahrheit ausgerichteten kognitiven Apparats zentriert ist, und wendet sie auf verschiedene Problemfelder der Epistemologie an (Wahrnehmung, Wissen a priori, Induktion etc.). Im letzten Band dieser Trilogie, Warranted Christian Belief (2000) versucht Plantinga, daraus Konsequenzen für die Religionsepistemologie zu ziehen und entwickelt hier eine an Calvin sich anschließende Theorie des (durch die Sünde beeinträchtigten) sensus divinitatis. Plantingas Arbeiten gehören zu den wichtigsten, die zu diesem Thema in den letzten Jahren veröffentlicht wurden, und haben eine breite und lebendige Diskussion im Bereich der Erkenntnistheorie und der Religionsphilosophie ausgelöst. Im Seminar sollen diese Arbeiten auszugsweise gelesen und diskutiert werden. Vorkenntnisse sind nicht nötig, vielmehr soll das Seminar dazu dienen, in die aktuelle epistemologische Diskussion einzuführen.

Scheinerwerb: Hausarbeit oder Referat.
Sprechstunde: Fr 16-17 Uhr, Zi. 307.

Schmidt: Kant, Kritik der reinen Vernunft - Interpretationskurs I

Fr 14-16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 19.04.

Unter dem Titel 'Transzendentalphilosophie' kündigt Kant eine 'Revolution der Denkart' an, die darin bestehen soll, 'daß wir annehmen, die Gegenstände müssen sich nach unserem Erkenntnis richten' und nicht umgekehrt. Kant entwickelt auf dieser Grundlage eine Theorie, die erstens gegen den Skeptizismus gerichtet ist, indem gezeigt wird, daß objektive Geltungsansprüche durchaus berechtigterweise erhoben werden können, zweitens gegen den bloßen Empirismus, indem argumentiert wird, daß empirisches Wissen nur möglich ist unter Voraussetzung von nichtempirischem Wissen a priori, und drittens gegen eine dogmatische Metaphysik, indem aufgezeigt wird, daß Erkenntnis nicht über die Grenzen möglicher Erfahrung hinausgehen kann. In diesem Interpretationskurs soll der schwierige Text der Kritik der reinen Vernunft gemeinsam Schritt für Schritt gelesen und diskutiert werden. Im Zentrum dieses ersten Teils des zweisemestrigen Kurses soll insbesondere die sog. 'transzendentale Deduktion' in der Fassung der B-Auflage stehen.
Scheinerwerb: je eine Hausarbeit oder ein Referat pro Semester.

Schneider: Platon, Theaitetos, Neu!

Do 10-12, Alte Burse, Raum X, Beginn: 18.04.

Das Proseminar richtet sich an die Studierenden der Philosophie im Grundstudium. Der Theaitetos ist ein Dialog Platons, der bald nach 369 (v. Chr.) geschrieben sein muß, da Platon in ihm den Mathematiker Theaitetos, der 369 im Krieg zwischen Athen und Theben fiel, ehren wollte. Anspielungen auf das Kernstück der platonischen Philosophie, die Ideenlehre, kommen zwar vor; aber in erster Linie befaßt sich der Dialog mit einem erkenntniskritischen Thema: mit der Frage nach dem Wesen des Wissens. Dabei wird ein großer Teil des Dialogs der kritischen Abgrenzung des Wissens von der Wahrnehmung und der Meinung gewidmet. Desgleichen werden Probleme der Erkenntnisgewißheit, der Wahrheit und des Irrtums besprochen. Verknüpft man die Frage nach dem Wissen mit der Frage nach dem, was Philosophieren bedeutet, so ist der Theaitetos nicht nur ein guter Einstieg in die Philosophie Platons, sondern eben auch in das Studium der Philosophie.
Ein qualifizierter Seminarschein kann aufgrund regelmäßiger, aktiver Teilnahme und einer Hausarbeit erworben werden.

Textgrundlage:
Platon, Theaitetos, in: Platon, Werke in acht Bänden, griech. und deutsch, ed. G. Eigler, Darmstadt 1990, Bd. 6 Weitere Literatur wird in der ersten Seminarsitzung bekannt gegeben.

Wimmer: Platon: Politeia - Interpretationskurs II

Do 8.30-10, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 18.04.
Fortsetzung des im Wintersemester begonnenen Kurses.

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Seminare

Brachtendorf: Meister Eckhart - Metaphysik und Mystik

Do 16-18, Raum: siehe Aushang, Beginn: 18.04.

Meister Eckhart (ca. 1260 - ca. 1328) gehört zu denjenigen Denkern des Mittelalters, deren Name nicht nur Mediävisten geläufig ist. Durch ihren mystischen Charakter sind vor allem seine deutschen Werke über die Jahrhunderte hinweg bis in die Gegenwart hinein eine Quelle der Inspiration geblieben. Zentral sind Eckharts Konzepte der geistigen Armut, der Gelassenheit, der Gottesgeburt in der Seele sowie schließlich der Identität von Gott und Mensch.
Die theoretischen Grundlagen dieser Konzepte formuliert Eckhart in seinen technisch präzisen, lateinischen Werken. Hier läßt sich beobachten, wie Eckhart etwa in der Bestimmung des Gottesbegriffs, des Verhältnisses von Denken und Sein sowie von Glauben und Wissen die Auffassungen seines großen Ordensbruders Thomas von Aquin zurückläßt und dabei die metaphysischen Fundamente seiner Mystik legt.
Das Seminar wird zuerst zentrale Themen der Metaphysik Eckharts aufgreifen, um von da aus seine Mystik verständlich zu machen.
Teilnahmevoraussetzung ist die Bereitschaft zur Erstellung eines Sitzungsprotokolls und/oder eines Kurzreferates.
Scheinerwerb durch Hausarbeit.

Literatur:
Meister Eckhart, Die deutschen und lateinischen Werke, hg. im Auftrag der deutschen Forschungsgemeinschaft, Stuttgart 1936 ff. (Die lateinischen Schriften liegen darin auch in deutscher Übersetzung vor.)
Ruh, K., Meister Eckhart. Theologe, Prediger, Mystiker, München 1985.
Mojsisch, B., Meister Eckhart. Analogie, Univozität und Einheit, Hamburg 1983.
Zum Brunn, E. et al. (Hgg.), Maître Eckhart à Paris. Une critique médiévale de l'onto-théologie, Paris 1984.
Als Taschenbuch erhältlich im Diogenes-Verlag:
Meister Eckehart. Deutsche Predigten und Traktate (herausgegeben und übersetzt von Josef Quint).
Einen ersten Einblick in Eckharts Denkweise gibt die darin enthaltene Predigt 32: "Beati pauperes spiritu".

Braun: Jean Paul Sartre: Das Sein und das Nichts - Kompaktseminar

19.07.-21.07., Beginn: 15 Uhr, Heinrich-Fabri-Haus, Auf dem Rucken 35, 89143 Blaubeuren, Tel.: 07344/4529
Vorbesprechung: 23.04., 14 Uhr c.t., Melanchthonzimmer (Raum 308).

Das Wesen des Menschen, "das Sein des für-sich", in der Sprache Sartres, "läßt sich definieren als seiend, was es nicht ist, und als nicht seiend, was es ist." Ganz offenkundig ein Paradox. Das ist die philosophische Kernthese des frühen Hauptwerks "Das Sein und das Nichts. Versuch einer phänomenologischen Ontologie". Hierin ist aber die Freiheit verankert, wozu der Mensch verurteilt ist. In der Tradition Husserls, Heideggers und Hegels entwickelt der Philosoph seinen Kerngedanken systematisch, Schritt für Schritt. Eines aber unterscheidet den Philosophen von Anfang an: Sartre pocht auf den Vorrang der Praxis, einer Philosophie im Dienst des Lebens.
Sartre publizierte sein frühes Hauptwerk 1943, zur Zeit der demokratischen résistance gegen den Einfall der Nationalsozialisten in die Republik Frankreich. Die Rezeption war von Anfang an kontrovers. Sie reicht von jubelnder Begeisterung und existenzialistischer Mode bis zur Verdammung als "nihilistischer Strohmann Heideggers". (Ernst Bloch kannte das Werk allenfalls oberflächlich.)
Lernziel des Kompaktseminars ist es, Grundzüge des Werks zu erarbeiten. Was genau unter die Lupe genommen wird, können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestimmen. Referate sind erwünscht. Referentinnen und Referenten können Spezielles aus dem Werk besprechen wir etwa die 'Einleitung', wo Grundlegendes einführend angeschlagen wird, den Ersten Teil über das Problem des Nichtens und der Weigerung, sich dem Nichts auszusetzen, der Unaufrichtigkeit (mau-vaise foi), den zweiten Teil über das Sür-sich-sein (die Strukturen des Für-sich, der existentiale Ursprung der Zeit (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in ihrer spezifischen Rangordnung), den Dritten Teil über das Für-Andere, der ohne die Situation der résistance kaum verständlich bliebe, den Vierten Teil über Haben, Handeln und Sein, der zusammenfassende letzte Teil über das menschlichste aller Themen, die Freiheit. Ein besonders interessantes Problem ist das Verhältnis von "L'etre et le Néant" zur Pychoanalyse.
Themen des Vergleichs können sein: Das Verhältnis von Das Sein und das Nichts zur Kritik der dialektischen Vernunft oder das gespannte Verhältnis zum Marxismus; Das Sein und das Nichts und Sein und Zeit; Das Sein und das Nichts und Hegel; Das Sein und das Nichts und Das Nichts und Michael Foucault; Darte und Simone de Beauvoir und anderes mehr.
Hausarbeiten sind auch möglich.

Ausgaben:
Jean-Paul Sartre: Das Sein und das Nicht. Versuch einer phänomenologischen Ontologie, in: Jean-Paul Sartre: Gesammelte Werke. In Zusammenarbeit mit dem Autor und Arlette Elkaïm-Sartre, begründet von Traugott König, hrsg. von Vincent von Wroblewsky, Philosophische Schriften I, Rowohlt Taschenbuch Verlag Reinbek 1994.
Jean-Paul Sartre: L'etre et le néant. Essay d'ontolgiephénomenoloque, nrf Librairie Gallimard Paris 1948 u.ö.

Literatur:
Gadamer, Hans-Georg: Das Sein und das Nichts, in: Traugott König (Hg.): Sartre. Ein Kongreß, Rowohlt Reinbek 1988.
Haug, Wolgang Fritz: Jean-Paul Sartre und die Konstruktion des Absurden, Suhrkamp Frankfurt/Main 1966; zweite, überarbeitete Auflage unter dem Titel: Kritik des Absurdismus, Pahl-Rugenstein Köln 1976.
Honneth, Axel: Kampf um Anerkennung: Zu Sartres Theorie der Intersubjektivität, in: Traugott König (Hg.): Sartre. Ein Kongreß, a.a.O.
Cohen-Solal, Annie: Sartre 1905-1980, Büchergilde Gutenberg Frankfurt/Main/Wien 1990.

Dietrich, Clement, Wagner, Gönnenwein: Energie und Umwelt. Herausforderung für Wissenschaft und Ethik (für Studierende aller Fächer im Hauptstudium)

Mo 14-16, Auf der Morgenstelle 14, Gebäude D, Raum A 19, Beginn: 15.04.
Vorbesprechung: 4.02., 17-19 Uhr, Auf der Morgenstelle 14, Gebäude D, Raum A 19

Wie kann unsere Energieversorgung in Zukunft gesichert werden? Welche Techniken stehen zur Verfügung? Wie kann zwischen ihnen abgewogen werden? Welche ethischen Fragen sind dabei zu berücksichtigen? Zur Beantwortung dieser Fragen bedarf es sowohl empirisch-naturwissenschaftlicher als auch ethischer Kenntnisse bzw. Kompetenzen. Am Beispiel der Energieversorgung führt das Seminar daher in die Grundbegriffe und Methoden der Angewandten Ethik ein und macht mit einschlägigen Ansätzen aus der Technikfolgenabschätzung und der Umweltethik vertraut. Dabei soll auch thematisiert werden, welche Rolle Wissenschaftler(innen) im Rahmen einer umfassenden gesellschaftlichen Debatte zukommen kann. Auf diesem Hintergrund wird die gegenwärtige Situation der Energieversorgung im Hinblick auf Ressourcen, Nachhaltigkeit und Gefährdung der Umwelt analysiert und es werden mögliche Zukunftsszenarien diskutiert. Dabei werden neben der konventionellen Energieversorgung durch fossile Brennstoffe und Kernspaltung vor allem alternative Konzepte wie die Nutzung regenerativer Energieträger ("Solarenergie'') vorgestellt und diskutiert.
Das Seminar ist auch als Veranstaltung zu fach- bzw. berufsethischen Fragen im Rahmen des Ethisch-Philosophischen Grundlagenstudiums (EPG) der Lehramtsstudiengänge anrechenbar (Scheintyp EPG 2).

Benoteter Schein: Kurzreferat und Hausarbeit.

Einführende Literatur:
Nennen, Heinz-Ulrich, Hörning, Georg (Hg.) (1999): Energie und Ethik: Leitbilder im philosophischen Diskurs. Frankfurt a.M. u.a.: Campus.
Heinloth, K. (1997): Die Energiefrage: Vieweg.
Diekmann, B., Heinloth, K. (1997): Energie: Teubner.

Engels: Aktuelle Probleme der Bioethik

Mo 14-16, Konferenzraum, Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW), Keplerstraße 17, 3. Etage, Beginn: 15.04.

Auf der Grundlage ausgewählter Texte sollen im Seminar aktuelle Probleme aus den wichtigsten Bereichsethiken der Bioethik identifiziert, analysiert und diskutiert werden. Hierzu gehören Fragestellungen der biomedizinischen Ethik (Transplantationsmedizin: Xenotransplantation, "therapeutisches Klonen", Forschungen an embryonalen Stammzellen), der ökologischen Ethik, der Tierethik, ethische Probleme der Gentechnologie im Bereich von Landwirtschaft, Tierzucht und Ernährung u.a.

Bedingung für den Erwerb eines unbenoteten Leistungsnachweises ist neben regelmäßiger Teilnahme ein Seminarvortrag mit Thesenpapier, für einen benoteten Leistungsnachweis eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit.
Eine Liste der im Seminar zu behandelnden Literatur wird zu Beginn des Semesters verteilt.
Das Seminar ist anrechenbar für das EPG 1 und 2.

Figueroa: Weltgesellschaft - Kompaktseminar

14.06.-22.06., Beginn: 15.06.; 14-18, Raum: siehe Aushang.

Das Kompaktseminar sieht vor, im Rahmen der gegenwärtigen Gesellschaftstheorie sich primär mit der Klärung des Begriffs "Weltgesellschaft" und dann im Kontext des philosophisch-anthropologischen Ansatzes mit den Möglichkeitsbedingungen zur Regulierung ihrer Deformationen auseinanderzusetzen. Darum werden die Behandlung von Begriffen wie 'societas civilis'/'bürgerliche Gesellschaft', 'spätmoderne' Gesellschaft und 'postkoloniale Gesellschaft' einerseits und die 'anthroplogisch-ethisch zentrierte Philosophie kommunikativer Vernunft' andererseits eine zentrale Rolle spielen.
Für die Vorbereitung ist wünschenswert, das Buch von Theresa Bobbe 'Weltgesellschaft' und die Abhandlung von Helmut Fahrenbach 'Philosophie kommunikativer Vernunft - in weltbürgerlicher Absicht und sozialistischer Perspektive' aufmerksam zu lesen und zu analysieren. Eine vollständige wissenschaftliche Literatur über die Thematik und die zu behandelnden Einzelthemen werden zu Anfang des Kompaktseminars angegeben.

Literatur:
Bobbe, Theresa, Weltgesellschaft, Bielefeld 2000.
Fahrenbach, Helmut, Philosophie kommunikativer Vernunft - in weltbürgerlicher Absicht und sozialistischer Perspektive, in: Heinz Eidam und Wolfdietrich Schmied-Kowarzik (Hg.), Kritische Philosophie gesellschaftlicher Praxis, Würzburg 1995, S. 35-53.
Habermas, Jürgen, der interkulturelle Diskurs über Menschenrechte, in: Hauke Brunkhorst u.a. (Hg.), Recht auf Menschenrechte, Demokratie und internationale Politik, Frankfurt/Main 1999, 216-227.

Frank: Brentano, Husserl und Sartre über Zeitbewusstsein

Di 14-16, Alte Burse, Raum X, Beginn: 16.04.

Husserl nennt die Phänomenologie des ('inneren') Zeitbewusstseins "ein geschlossenes Untersuchungsgebiet von ausnehmender Schwierigkeit"; dies Gebiet umfasst jedoch "die wichtigsten Sachen der ganzen Phänomenologie". Das Seminar soll einen Diskussionszusammenhang in der Generationenfolge der Hauptautoren der Bewusstseins-Phänomenologie nachvollziehen. Dabei zeigt sich, dass Husserl und Sartre an das Problemerbe ihres jeweiligen Vorläufers anknüpfen und es in immer komplexeren Theorien zu bewältigen suchen. (Heideggers Beitrag schlage ich vor zu überspringen, weil er nicht die detailbesessene Präzision des Sartreschen hat, aber in ihm enthalten ist.)

Textgrundlage sind

  1. Franz Brentano, "Psychologie vom empirischen Standpunkt", Dritter Band (Meiners Phil. Bibl. 207, Hamburg 1928, Neudruck 1973; hier: bes. I.5 ["Über Wahrnehmung und Zeitwahrnehmung"] und II.2 ["Vom Abstraktionsprozeß"]);
  2. Edmund Husserl, "Zur Phänomenologie des inneren Zeitbewußtseins (1893-1917)", in: Husserliana Bd. X, Haag: Nijhoff, 1966 (darin die Vorlesungen S. 1-98, die Beilagen I, VI, IX und XII sowie der ergänzende Text Nr. 50) (die Ausgabe der Phil. Bibl. [Meiner] ist unvollständig, evtl. durch Fotokopien zu ergänzen);
  3. Jean-Paul Sartre, "L'être et le néant. Essai d'ontologie phénoménologi-que", Paris: Gallimard 1943, auch als Taschenbuch, auch in deutscher Übersetzung (Rowohlt) (hier vor allem Teil II, Kap. II ("La temporalité/Die Zeitlichkeit").


Die drei Textkomplexe sind von mir interpretiert worden in: "Zeitbewußtsein", Neske (jetzt: Klett) Verlag 1990 (opuscula Nr. 50).

Gerber: John R. Searles Theorie der Konstruktion sozialer Wirklichkeit

Mi 16-18, Alte Burse, Melanchthonzimmer (Raum 308), Beginn: 17.04.

Man tut der zeitgenössischen Philosophie sicher unrecht, wenn man behauptet, daß die soziale oder gesellschaftliche Wirklichkeit als solche bisher kein besonders wichtiges Thema für sie war. Dabei stellen sich in diesem Zusammenhang durchaus im eigentlichen Sinne philosophische Fragen. Deren Beantwortung bereitet gewissermaßen der Soziologe, die sich als Wissenschaft vom sozialen Handeln versteht, aber auch der sogenannten Sozialphilosophie allererst den Boden. Wie beispielsweise, so fragt John R. Searle, wird aus einem Stück Papier mit diesen oder jenen physikalischen Eigenschaften, ein Zahlungsmittel mit den bestimmten sozialen Funktionen, die es hat? Wir würden intuitiv sagen, daß wir uns eben irgendwie darauf verständigt haben, diesem Stück Papier einen bestimmten Sinn und damit eine bestimmte Funktion zuzuschreiben. Aber was geschieht hier genau? Auf der Grundlage welcher geistiger Fähigkeiten und sozialen Mechanismen wird aus einer physikalischen eine soziale Tatsache? Und inwiefern sind soziale Phänomene überhaupt Tatsachen? Diese sozialontologischen Fragen stehen im Mittelpunkt von Searles 1995 erschienenem Buch "The Construction of Social Reality", das wir im Seminar diskutieren wollen.
Die Grundlage von Searles Theorie einer Konstruktion sozialer Wirklichkeit bilden seine Sprachphilosophie, das heißt seine Sprechakttheorie, und vor allem seine Philosophie des Geistes, das heißt seine Theorie der Intentionalität. Bevor wir uns im Seminar der Lektüre von "The Construction of Social Reality" zuwenden können, müssen wir uns zunächst mit diesen geist- und sprachphilosophischen Grundlagen beschäftigen. Das Seminar kann deshalb auch als eine Einführung in die gesamte Philosophie von Searle angesehen werden. Als vorbereitende Literatur dazu ist das Buch "Mind, Language and Society", in dem Searle selbst beschreiben wollte, "wie das alles zusammenhängt", zu empfehlen.
Ein benoteter Schein kann aufgrund eines Referats beziehungsweise einer Stundenvorbereitung und einer Hausarbeit erworben werden.

Literatur:
John R. Searle, Speech Acts, Cambridge 1969.
Ders., Intentionality. An Essay in the Philosophy of Mind, Cambridge 1983.
Ders., The Construction of Social Reality, London 1995.
Ders., Mind, Language and Society. Philosophy in the Real World, London 1998.

Hägler: Religion und Kritik - Kompaktseminar

Termin: voraussichtlich letzter Donnerstag im Semester. Raum: siehe Aushang.

Die Frage nach der Vereinbarkeit von religiösem Glauben und Vernunft gehört fraglos zu den zentralen Problemen der Religionsphilosophie und Theologie. Seit dem Scheitern der 'rationalen Theologie' des 17. Jahrhunderts und dem Siegeszug der Naturwissenschaft gerieten religiöse Weltbilder zusehends in die Defensive.
Normalerweise glauben wir an Dinge, die wir aus mehr oder weniger guten Gründen für wahr halten. Was zeichnet einen religiösen Glauben gegenüber gewöhnlichen Formen des Glaubens aus? Ist die religiöse Sprache eine spezielles Sprachspiel, für das die üblichen Kriterien vernünftiger Rede nicht gelten? Läßt sich ein religiöser Glaube rational verantwortbar vertreten oder beruht er auf irrationaler Entscheidung? Dies sind einige Fragen, mit denen wir uns im Kompaktseminar beschäftigen wollen.
Voraussetzungen für die Teilnahme: Die Bereitschaft, ein Referat zu übernehmen oder ein Thema vorzubereiten.
Benotete Scheine werden nur für schriftlich ausgearbeitete Referate oder Hausarbeiten vergeben.
Die Themen für Referate werden durch Aushang am Schwarzen Brett bekanntgegeben.

Literatur:
Albert Hans, Traktat über kritische Vernunft.
Ders., Das Elend der Theologie.
Kaufmann, Walter, Religion und Philosophie.
Küng, Hans, Existiert Gott?.
Ders., Christ sein.
Kutschera, Franz v., Vernunft und Glaube.
Mackie, John L., Die Wunder des Theismus.
Putnam, Hilary, Für eine Erneuerung der Philosophie.
Wittgenstein, Ludwig, Vorlesung über den religiösen Glauben.

Heidelberger: Neue Entwicklungen der Wissenschaftsphilosophie: Philosophie der Psychologie

Do 18-20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 18.04.

Das Seminar will ein Forum für die wissenschaftsphilosophische und interdisziplinäre Diskussion bieten. Die Themen werden zu Beginn des Semesters gemeinsam mit den Teilnehmern abgesprochen. Gedacht ist für das SS daran, sich mit neuerer Literatur aus der Philosophie der empirischen Psychologie auseinanderzusetzen. Aber andere Vorschläge sind ebenso willkommen. Das Seminar steht auch Studierenden anderer Fächer offen, die sich für die Philosophie der Wissenschaften interessieren. Interessenten werden zu frühzeitiger Kontaktaufnahme und Äußerung von Wünschen ermuntert: michael.heidelberger@uni-tuebingen.de.

Literatur: Paul E. Griffiths, What Emotions Really Are. The Problem of Psychological Categories, Chicago 1997.

Höffe: Kants "Kritik der reinen Vernunft" II

Mi 16-18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 17.04.

In dem auf zwei Semester angelegten Hauptseminar wird Kants Schrift sowie neuere Publikationen zur theoretischen Philosophie Kants diskutiert.
Einen Teilnahmeschein erhält man für ein Protokoll, einen benoteten Schein für ein Referat und dessen schriftliche Ausarbeitung. Ein "Neu-Einstieg" ist nur nach Rücksprache möglich.

Hofmann: David Lewis

Di 18-20, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 16.04.

In memoria David Lewis' wollen wir uns im Seminar mit einer der prägendsten Gestalten der Gegenwartsphilosophie auseinandersetzen. Sein Denken ist konzentriert, originell, von beeindruckender Breite und vor allem: im höchsten Grade systematisch. Seine Philosophie können wir nur in Ausschnitten studieren. Wir wollen uns im Seminar auf Lewis' Ontologie und dabei insbesondere seine Theorie der möglichen Welten konzentrieren, die als eine Theorie der Modalitäten gedacht ist, aber darüber hinaus von Lewis zur Behandlung vieler verschiedener Probleme herangezogen wird. Sie macht einen Kern seiner Ontologie aus und gehört außerdem zu seinen provozierendsten Auffassungen. Was ist also dran an der These, dass es andere konkrete Universen -andere mögliche Welten - neben dem unseren gibt? Natürlich werden wir Lewis auch mit Kritikern konfrontieren, die alternative ontologische Theorien entwickelt haben (Armstrong, Kripke, Stalnaker, Plantinga).
Ich empfehle die Anschaffung von Lewis' zentralem Werk On the plurality of Worlds (1986a), das einen größeren Teil des Seminar ausmachen wird. Eine Textsammlung der übrigen Aufsätze wird zu Beginn des Seminars bereitgestellt. Ab April kann man von mir genauere Auskunft über die Texte bekommen. Als Vorbereitung könnte man außerdem in Loux (s.u.) lesen (insbesondere Kap. 5).
Scheinerwerb: Gut ausgearbeitetes Referat oder schriftliche Hausarbeit.

Literatur:
Lewis, D. (1986a), On the plurality of Worlds, Blackwell, Oxford.
Lewis, D. (1986b), Philosophical Papers, Vol. II, OUP, Oxford.
Lewis, D. (1983), Philosophical Papers, Vol. I, OUP, Oxford.
Loux, M.J. (1998), Metaphysics. A contemporary introduction, Routledge, London.

Keuth: Der logische Positivismus

Mi 14-16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 17.04.

Der logische Positivismus ist schon von manchen Gegnern besiegt worden, in Deutschland vor allem von der Frankfurter Schule, deren Mitglieder mit Logik wenig im Sinn hatten, aber auch von Karl Popper. Doch die neoempiristischen Thesen von Autoren wie Carnap, Reichenbach, Schlick und (dem frühen) Wittgenstein sind offenbar interessant genug, um heute als Reformation Kantischer Prinzipien a priori reinterpretiert zu werden. Das Seminar wird sich mit einigen der 'klassischen' Beiträge zum Neopositivismus, vor allem mit Aufsätzen aus der Zeitschrift Erkenntnis, auseinandersetzen und prüfen, ob transzendentalphilosophische Reinterpretationen ihnen gerecht werden.

Literatur:
A. J. Ayer, Logical Positivism, New York 1959.
Rudolf Haller, Neopositivismus, Darmstadt 1993.
Richard v. Mises, Positivism, Harvard UP 1951.
Michael Friedmann, Reconsidering Logical Positivism, Cambridge, Mass. 1999.
Thomas Uebel, Vernunftkritik und Wissenschaft, Wien 2000.

Klinger: Familie - bürgerliche Gesellschaft - Staat. Hegels politische Philosophie, wiedergelesen in feministischer Perspektive - Kompaktseminar

27.06.-29.06., 10 Uhr, Alte Burse, Raum 211 - Voranmeldung bei Frau Ott.

Hegels Bestimmung der Stellung der Familie im Kontext seiner Rechtsphilosophie steht auf der Schwelle zwischen der alteuropäisch-patriarchalen Tradition und der Moderne, ebenso wie Spannungsfeld zwischen den Vertragskonzeptionen der Aufklärung (Kant) und den romantischen Ideen von Liebe und Entfaltung der Subjektivität (vgl. Friedrich Schlegel). Ziel des Seminars ist es, Hegels Auffassung der Familie aus dem Zusammenhang seines dialektischen Denkansatzes heraus zu verstehen, inbesondere im Verhältnis zu den folgenden Stufen der Dialektik, d.h. der bürgerlichen Gesellschaft als Negation und Entzweiung und seiner Vorstellung von Synthese und Versöhnung auf der Stufe des Staates. Darüberhinaus soll nach der Bedeutung des Hegelschen Familienkonzepts für die Entwicklung der bürgerlichen Familienideologie des 19. (und 20.) Jahrhunderts gefragt werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den Fragen nach der Rolle der Familie im Funktionszusammenhang der Gesellschaft, nach dem Verhältnis zwischen Gesellschaft und Individuum und nach dem Verhältnis zwischen den Geschlechtern und Generationen.
In dieser Veranstaltung kann ein Schein im Rahmen des Ethisch-Philosophischen-Grundlagenstudiums (EPG) erworben werden. (Scheintyp EPG 1).
Leistungsnachweis: durch Referat und/oder Hausarbeit.

Quellentexte:
G.W. F. Hegel, Phänomenologie des Geistes.
(BB) Der Geist. VI A. a. Die Sittliche Welt. Das menschliche und göttliche Gesetz, der Mann und das Weib.
G.W. F. Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts.
III. Teil, Erster Abschnitt: Die Familie §§ 158-181.
vgl. Philosophie des Rechts. Die Vorlesung von 1819/20. Nach einer Handschrift hg.v. D. Henrich. Frankfurt 1983. S. 128-147
G.W. F. Hegel, Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse.
Teil 2: Die Naturphilosophie. Dritte Abteilung: Cc: Der Gattungsprozeß §§ 367-376
G.W. F. Hegel, Vorlesungen über die Ästhetik II
Dritter Abschnitt, erstes Kapitel: Der religiöse Kreis der romantischen Kunst, 2. Die religöse Liebe; Dritter Abschnitt, zweites Kapitel: Das Rittertum, 2. Die Liebe
Immanuel Kant, Metaphysik der Sitten. Gesammelte Schriften. Hg.v.d. Preußischen Akademie der Wissenschaften Berlin. Bd. VI Rechtslehre Erster Teil: Das Privatrecht. 2. Hauptstück. III. Abschnitt, §§ 22-29. 1. und 2. Titel: Eherecht, Elternrecht, Rechtslehre Zweiter Teil: Das öffentliche Recht, erster Abschnitt: Das Staatsrecht. § 46.
Friedrich Schlegel, Theorie der Weiblichkeit. Hrsg.v. Winfried Menninghaus. Frankfurt 1983.

Forschungsliteratur:
Seyla Benhabib, Hegel, die Frauen und die Ironie. In: Denken der Geschlechterdifferenz. Neue Fragen und Perspektiven der feministischen Philosophie. (= Reihe Frauenforschung Bd. 14) Hg. v. Herta Nagl-Docekal/ Herlinde Pauer-Studer. Wien (Wiener Frauenverlag) 1990. S. 19-39.
Joanna Hodge, Women and the Hegelian State. In: Women in Western Political Philosophy. Ed. by Jean Bethke Elshtain. Brighton 1982. S. 127-158.
Joan B. Landes, Hegel's Conception of the Family. In: The Family in Political Thought. Ed. by Jean Bethke Elshtain. Brighton 1982. S. 125-144 Patricia J. Mills (Ed.), Feminist Interpretations of G.W.F. Hegel. University Park: Pennsylvania State University Press 1996.
Gisela Bock, Frauen in der europäischen Geschichte. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. München: Beck 2000. bes. Kap. II und III
Ute Frevert, Mann und Weib und Weib und Mann. Geschlechterdifferenzen in der Moderne. München: Beck'sche Reihe 1995.
Cornelia Klinger, Die Ordnung der Geschlechter und die Ambivalenz der Moderne. In: Das Geschlecht der Zukunft. Zwischen Frauenemanzipation und Geschlechtervielfalt. Hg.v. Sybille Becker/ Gesine Kleinschmidt/ Ilona Nord/Gury Schneider-Ludorff. Stuttgart: Kohlhammer 2000. S. 29-63.

Koch, A.F.: Fichte, Wissenschaftslehre 1804 (2. Vortrag)

Di 16-18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 16.04.

Es sollen die ersten Abschnitte der Wissenschaftslehre 1804 behandelt werden. Angesichts des hohen Schwierigkeitsgrades des Textes wird man sich für das (vergleichsweise kurze) Sommersemester nicht mehr als die ersten zehn Paragraphen (Einzelvorträge) vornehmen können, die in der kommentierten Teilausgabe von Wolfgang Janke (Ffm 1966) in folgende Abschnitte eingeteilt wurden: Prolegomena (§§ 1-3); 1. Kapitel: Die Genesis des Lichtes (§§ 4,5); 2. Kapitel: Die Genesis des Urbegriffs und der Urrealität (§§ 7, 8); 3. Kapitel: Die Genesis der Einheit von wahrem Sein und Begriff (§§ 9, 10). Der Text liegt in verschiedenen, leicht zugänglichen Ausgaben vor (z.B. in der Philosophischen Bibliothek des Meiner Verlags, hg. von R. Lauth und J. Widmann unter Mitarbeit von P. Schneider, Hamburg 1986). In der Seminarbibliothek wird ein kleiner Handapparat mit Forschungsliteratur eingerichtet.
Scheinerwerb: Hausarbeit.

Koch, A.F.: Neueste analytische Literatur

Di 20-22, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 16.04.

Im Hauptstudium sollte u.a. die Fähigkeit erworben werden, die Fachliteratur mit Verständnis zu lesen. Was jedoch die analytische Literatur betrifft, so sind - nicht nur und nicht vornehmlich der fremden Sprache wegen (die meisten Texte kommen aus dem englischen Sprachraum) - gewisse Defizite zu konstatieren. Dem will das Seminar nach Kräften abhelfen. Es sollen Aufsätze analytischer Provenienz zu verschiedenen Themen, die frisch von der Presse kommen, gelesen und diskutiert werden. Um die Textauswahl unabhängig von meinen eigenen theoretischen Interessen zu halten und der Möglichkeit von Überraschungen Raum zu geben, werden wir den Editoren des Journal of Philosophy folgen und die Lektüre bzw. Diskussion im Märzheft des Jahrgangs 2002 dieser Zeitschrift, was immer sein Inhalt sein mag, beginnen. Die Aufsätze im Journal of Philosophy sind im allgemeinen gehaltreich und subtil, also keine leichte Lektüre. Die Rolle des Seminarleiters wird zu guten Teilen darin bestehen, Lesehilfen und Hintergrundinformationen zu geben.
Scheinerwerb: Hausarbeit.

Kümmel: Platon, Sophistes

Do 10-12, Alte Burse, Melanchthonzimmer (Raum 308), Beginn: 18.04.

Platon geht es im Sophistes um die Frage, wie Sein/Seiendes und Nichts/Nichtseiendes ins Verhältnis zu setzen sind. Eine solche Verhältnisbestimmung muß unerachtet der von Parmenides festgestellten Disjunktion möglich sein, weil ohne sie viele Phänomene (wie das Bild und die Täuschung) nicht verstanden werden können. Vor allem aber kann der dem Urteil zugrundeliegende Bestimmungsprozeß ohne den Vergleich und eine Abgrenzung nicht auskommen, denn jede Bestimmung schließt etwas in sich ein und grenzt etwas anderes von sich aus. Man kann darin mit Platon und Aristoteles den logischen Grundvorgang sehen. Was so erreicht wird, ist eine teilweise "Gemeinschaft der Begriffe", während die Annahme einer Verbindung von allem mit allem ebenso wie die Annahme einer gänzlichen Unbezüglichkeit eines jeden sich einer solchen begrifflichen Fassung entziehen.
Die Frage ist jedoch, ob auf diese Weise den beiden Ausgangsthesen von Parmenides (Sein ist und Nichtsein ist nicht) und Heraklit (Alles fließt und ist in durchgängiger Bezugsrelativität) in der Tat Genüge getan ist. Sie als in sich widersprüchlich abzutun, setzt schon eine Logik voraus, die diesen Thesen möglicherweise gar nicht gerecht werden kann. Geht es hier um den Grundgegensatz von "Ruhe" und "Bewegung", der in der Tat vermittelt werden muß und einen Ausgleich verlangt, und ist "Dieses" und "Anderes" durch ein vergleichend-aufteilendes Verfahren wirklich erschöpfend zu erfassen und zu bestimmen? Die grundsätzliche Frage ist jedoch, ob der Widerspruch bzw. Widerstreit als solcher dadurch aus der Welt geschafft werden kann, daß man ihn auf eine rational bestimmbare Verschiedenheit herabstuft. Analoges gilt für die Täuschung und ihre Aufhebung und damit für die Wahrheitsfrage überhaupt.
Wie man sieht: Der von Platon eingeschlagene Weg verspricht eine durchaus überzeugende Lösung von sonst aporetisch werdenden Sachlagen, dies aber um den Preis, daß die Aporien an anderer Stelle wieder auftauchen und eine Form von Widersprüchen heraustreiben, die auf die von Platon vorgeschlagene Weise nicht mehr lösbar sind. Es gibt also offensichtlich bezüglich derselben Fragen verschiedene Niveaus, die auch bereits logisch und nicht erst praktisch eine unterschiedliche Behandlung verlangen, so daß keine der in Anschlag gebrachten Lösungsstrategien behaupten kann, für alles gut zu sein. Erst von dieser Einsicht her läßt sich der sophistische Weg, an den dieser Dialog ja adressiert ist, angemessen würdigen.

Mirbach: Søren Kierkegaard: Furcht und Zittern - Die Wiederholung - Drei erbauliche Reden

Kompaktseminar am Sa/So 29./ 30.06. und Sa/So 6./7.07.2002
Vorbesprechung: Do 25. 04., 10 Uhr , Alte Burse, Melanchthonzimmer (Raum 308)

"Wenn man auch imstande wäre, den ganzen Inhalt des Glaubens in die Form des Begriffs umzusetzen, so folgte daraus nicht, daß man den Glauben begriffen hat, begriffen, wie man in ihn hineinkam oder wie er in uns hineinkam" (Kierkegaard, Furcht und Zittern).
Im Oktober 1843 veröffentlicht Kierkegaard beinahe gleichzeitig drei Schriften: Furcht und Zittern. Dialektische Lyrik unter dem Pseudonym Johannes de Silentio, Die Wiederholung. Ein Versuch in der experimentierenden Psychologie unter dem Pseudonym Constantin Constantinus und Drei erbauliche Reden unter eigenem Namen. Alle drei Publikationen führen - in einer jeweils auf den ersten Blick ganz unterschiedlichen Weise - die bereits in Entweder-Oder wesentlich angelegte Auseinandersetzung Kierkegaards mit dem Problem der Ganzheit der Existenz, der Vereinbarkeit von ästhetischer, ethischer und religiöser Lebensform fort. Furcht und Zittern behandelt anhand der biblischen Erzählung von Abraham und der von Gott geforderten Opferung Isaaks die Frage nach der Möglichkeit einer 'teleologischen Suspension des Ethischen'. Rechtfertigt der persönliche und nicht begrifflich mitteilbare religiöse Glaube ein Überschreiten allgemein anerkannter ethischer Normen? Und - so andererseits der Wiederholung zugrundliegende Fragestellung - gibt es die 'Ausnahme'-Möglichkeit eines äshetischen Unterschreitens der ethischen Existenz? Kann, und wenn, in welcher Form, der existentielle Glaube an das absolute, göttliche 'Paradox' die ästhetische und ethische Lebensform gegenseitig integrieren und in sich umfassen? Wie die in Form der 'indirekten Mitteilung' pseudonym herausgegebenen beiden Schriften versuchen auch die Erbaulichen Reden, darauf eine Antwort zu finden.
In dieser Veranstaltung kann ein Schein im Rahmen des Ethisch-Philosophischen-Grundlagenstudiums (EPG) erworben werden. (Scheintyp EPG 1).
Persönliche Anmeldung zum Seminar in der Vorbesprechung.
Schein: Hausarbeit oder schriftliche Ausarbeitung eines Referats.

Texte:
Søren KIERKEGAARD: Furcht und Zittern. 2. Aufl. 1986 (KIERKEGAARD, S.: Gesammelte Werke. Hg. von Emmanuel HIRSCH u. Hayo GERDES, Abt. 4, Gütersloher Taschenbücher Siebenstern; 604), oder: DERS.: Furcht und Zittern. [] Üb. [] u. hg. von Liselotte RICHTER. Hamburg, Europäische Verlagsanstalt, 1998. - Søren KIERKEGAARD: Die Wiederholung. Drei erbauliche Reden 1843. 3. Aufl. 1998 (KIERKEGAARD, S.: Gesammelte Werke. Hg. von Emmanuel HIRSCH u. Hayo GERDES, Abt. 5/ 6, Gütersloher Taschenbücher Siebenstern; 605).

Misselhorn: Rationale Intuitionen

Di 10-12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 16.04.

Das Problem des infiniten Begründungsregresses ist ein zentrales Problem der Philosophie: Wenn eine Meinung aufgrund eines Schlusses aus anderen Meinungen gerechtfertigt ist, so fragt sich, woher diese ihre Rechtfertigung erhalten. Aus einem weiteren Schluss mit weiteren Prämissen? Wie sind diese ihrerseits gerechtfertigt? Wenn wir dieses Problem nicht lösen können, laufen alle unsere Begründungsansprüche letztlich ins Leere. Philosophie als Unternehmen rationaler Begründungssuche wäre damit kompromittiert. Um den Regress zu vermeiden, muss die Kette der Gründe irgendwann an ein Ende kommen. Eine Möglichkeit der Beendigung besteht in der Annahme von Intuitionen. Diese sollen als Rechtfertigungsbasis dienen können, ohne selbst einer inferentiellen Rechtfertigung zu bedürfen. Doch was sind Intuitionen und was macht ihre Rationalität aus? Sind sie a priori? Selbstevident? Oder gar infallibel? - Wir werden unsere Intuitionen prüfen!
Benoteter Schein: Textvorbereitung mit Thesenpapier und schriftliche Hausarbeit.
Ein Reader mit den Texten ist zu Beginn des Semesters erhältlich.

Scarano: Moral und Recht

Fr 11-13 Uhr, Alte Burse, Raum X, Beginn: 19.04.

Es gibt vielfältige Zusammenhänge zwischen Moral und Recht. Einerseits werden in allen Gesellschaften zentrale Bereiche der Moral ins Rechtssystem aufgenommen, andererseits kann das Recht aber auch einer moralischen Kritik unterzogen werden. Wie das komplexe Verhältnis zwischen Moral und Recht genauer analysiert werden muß, ist eine der zentralen Fragen der Rechtsphilosophie. In den beiden letzten Jahrhunderten ist die Debatte zumeist unter dem Titel "Rechtspositivismus versus Naturrecht" äußerst kontrovers geführt worden.
Das zugrundeliegende Problem ist leicht zu erkennen: Sowohl die Moral als auch das Recht stellen normative Forderungen an uns. Zuweilen kann es zu unversöhnlichen Spannungen zwischen beiden kommen. Das Sollen, das von der Rechtsordnung ausgeht, und das Sollen, das von der Moral ausgeht, können miteinander in Konflikt geraten. Und in einem solchen Fall gibt es scheinbar nur zwei Alternativen. Entweder muß die Geltung des positiven Rechts oder es muß die Geltung der Moral in Frage gestellt werden. Der sogenannte "Rechtspositivismus" wählt in der Regel eher die erste, das "Naturrecht" eher die zweite Alternative. Beides hat schwerwiegende Folgen. Der Rechtspositivismus scheint nicht anerkennen zu können, daß das positiv geltende Recht zuweilen durch moralische Erwägungen eingeschränkt werden muß. Und das Naturrecht kann nicht verständlich machen, warum von der Rechtsordnung ein eigenständiger Geltungsanspruch ausgeht.
In dem Hauptseminar werden wir den Beziehungen zwischen Moral und Recht nachgehen. Im Mittelpunkt steht die Lektüre und Diskussion eines der einflußreichsten Werke der Rechtstheorie des 20. Jahrhunderts, H. L. A. Harts "Der Begriff des Rechts" aus dem Jahr 1961. In diesem Buch formuliert Hart mit Hilfe sprachanalytischer Methoden eine rechtspositivistische Theorie, die den wichtigsten gegnerischen Einwänden zu entgehen versucht.
Für die Teilnahme an dem Hauptseminar sind Vorkenntnisse entweder aus dem Bereich der Moraltheorie oder der Rechtstheorie erwünscht. Einen benoteten Schein erhält man durch ein Thesenpapier und eine schriftliche Hausarbeit. (Hinweis für Jurastudenten: Es besteht die Möglichkeit, entweder einen Grundlagenschein oder einen Seminarschein zu erwerben. Hinweis für Lehramtskanditaten: Es besteht die Möglichkeit, einen EPG 2-Schein zu erwerben. Um Rücksprache mit dem Seminarleiter wird gebeten.)

Literatur:
G. Radbruch: Gesetzliches Unrecht und übergesetzliches Recht, in: Gesamtausgabe, Bd. 3, Heidelberg 1990, 83-93.
H. L. A. Hart: Der Positivismus und die Trennung von Recht und Moral, in: Recht und Moral. Drei Aufsätze, Götingen 1971, 14-57 u. 105-110.
H. L. A. Hart: Der Begriff des Rechts, Frankfurt a. M. 1973.
H. Eckmann: Rechtspositivismus und sprachanalytische Philosophie, Berlin 1969.
R. Dworkin: Bürgerrechte ernstgenommen, Frankfurt a. M. 1984, Kap. 2-3.
W. Ott: Der Rechtspositivismus, Berlin 21992.
R. Alexy: Begriff und Geltung des Rechts, Freiburg/München 1992.

Schiemann: "René Descartes: Passions de l'Âme"

Do 20-22, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 18.04.

In virtuoser Anwendung seiner dualistischen Metaphysik diskutiert Descartes, angeregt durch seinen Briefwechsel mit Prinzessin Elisabeth von Böhmen, die Beziehungen zwischen Leib und Seele sowie seine Klassifikation der verschiedenen Arten von Affekten ("Passions"). Das Interesse an der experimentellen Erforschung des Menschen und der Wille zu vernunftkontrollierter Selbstbeherrschung führen zur Formulierung der Grundzüge einer Ethik, die die moderne Identität nachhaltig bestimmt haben und auch heute noch Orientierung zu geben vermögen.
Scheinvergabe: Referat und Hausarbeit.

Textgrundlage:
René Descartes, Die Leidenschaften der Seele. Hg. und üb. v. Klaus Hammacher. Hamburg : Meiner 1984 oder 1996 (Philosophische Bibliothek Bd. 345; 64,- DM).

Schneider: Die Idee der Toleranz im Mittelalter

Mo 16-18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 22.04.

Die immer noch verbreitete Einschätzung, das lateinische Mittelalter biete das Paradigma einer 'geschlossenen' Gesellschaft, in welcher die Toleranz des Fremden und Anderen keinen Platz zu haben scheint, trügt. Zwar steht das Denken des Mittelalters im Horizont einer christlichen Intellektualität, die den Anspruch auf Einheit, d. h. auf eine umfassende einheitliche Weltdeutung, erhebt; dieser Anspruch auf Einheit ist aber de facto nur in der Vielfalt der Perspektiven auf das Eine zu realisieren. Insofern wird das Mittelalter zu einer 'offenen' Gesellschaft, die sich dem Fremden durchaus aufgeschlossen zeigt, z. B. in der Rezeption der antiken Philosophie, einschließlich ihrer arabischen Transformation. Ein solches rezeptives und an die Nachwelt tradierendes Verhalten fordert geradezu zu einer Reflexion über das eigene Selbstverständnis heraus, das sich seinerseits nur im partnerschaftlichen Dialog mit fremden Kulturwelten zu bewähren vermag. Zu diesem notwendigen interreligiösen Diskurs gibt es im Mittelalter eine Reihe von Texten; wobei das Seminar zwei von ihnen: Petrus Abailard, Dialogus (12. Jh.) und Nikolaus von Kues, De pace fidei (15. Jh.) zum Gegenstand einer eingehenden Interpretation macht.
Ein qualifizierter Seminarschein kann aufgrund regelmäßiger Teilnahme und einer Hausarbeit erworben werden.

Textgrundlage:

  1. Petrus Abaelard, Gespräch eines Philosophen, eines Juden und eines Christen, ed., trad. H.-W. Krautz, Frankfurt a. M./Leipzig 1995.
  2. Nikolaus von Kues, De pace fidei, in: Philosophisch-theologische Schriften, lat.-dt. 3 Bde., ed. L. Gabriel, übers. und kommentiert v. D. und W. Dupré, Wien 1982, Bd. 3, 705-797.


Schneider: Hans-Georg Gadamer, Wahrheit und Methode, Neu!

Mi 18-20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 17.04.

Das Hauptwerk von Hans-Georg Gadamer, Wahrheit und Methode, führt den Untertitel: "Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik". Es kann mit Fug und Recht gleichsam die moderne Gründungsurkunde der philosophischen Hermeneutik genannt werden. Wahrheit und Methode ist ein umfangreiches Buch mit weitverzweigten Themen: Ästhetik, Philosophie der Kunst, das Problem des Verstehens in den Geisteswissenschaften, Sprache, Geschichtlichkeit usw., wobei jedes der genannten philosophischen Problemfelder selbstverständlich einer eigenen deutenden Zuwendung würdig wäre und auch ist. Ziel des Seminars ist es jedoch, einmal Wahrheit und Methode als ein ganzes vorzustellen. Dieses Ziel läßt sich nur realisieren, wenn die Teilnehmer des Seminars bereit sind, ein Referat zu übernehmen. Einzelnes darüber wird in der ersten Seminarsitzung besprochen.
Ein qualifizierter Seminarschein kann aufgrund regelmäßiger, aktiver Teilnahme und einer Hausarbeit bzw. eines ausgearbeiteten Referats erworben werden.

Textgrundlage:
Hans-Georg Gadamer, Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik, Tübingen (3. erweiterte Aufl.) 1972 u. ö. oder eine andere, auf dieser Aufl. basierende Ausgabe

Schroeder-Heister / Wehmeier: Kripkes modales Argument, Neu!

Mo 18-20, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 15.4.2002

Während es hätte sein können, dass Oswald Kennedy nicht ermordet hätte, scheint es keine möglichen Umstände zu geben, unter denen der Mörder Kennedys Kennedy nicht ermordet hätte - obwohl doch Oswald der Mörder Kennedys ist. Unter anderem mit Überlegungen dieser Art versucht Kripke (1980) die Beschreibungstheorie der Eigennamen zu widerlegen, laut welcher der semantische Inhalt jedes Eigennamens auf den Inhalt einer geeigneten Beschreibung (oder Kennzeichnung) zurückzuführen sein soll.
Kripke argumentiert, dass wir uns mit Eigennamen wie "Oswald" immer auf dasselbe Individuum beziehen, unabhängig davon, über welche wirklichen oder kontrafaktischen Umstände gesprochen wird (in Kripkes Terminologie: Eigennamen sind "starre" Bezeichnungsausdrücke). Hingegen bezeichnen wir laut Kripke beim Sprechen über eine nichtwirkliche Situation mit einer Kennzeichnung "der/die/das x mit F(x)" in der Regel den Gegenstand, der in jener Situation als einziger die Kennzeichnungsbedingung F(x) erfüllt hätte (sofern es einen solchen dort überhaupt gegeben hätte); Kennzeichnungen sind also (in der Regel) nicht-starr. Damit scheint aber zu folgen, dass Eigennamen und Kennzeichnungen im allgemeinen nicht synonym sind.
In den letzten Jahren hat sich wieder eine lebhafte Debatte über die Gültigkeit dieses modalen Arguments entwickelt. Im Seminar wollen wir uns zunächst mit den Feinheiten der Kripkeschen Analyse beschäftigen, um dann in neuere Arbeiten zur Thematik einsteigen zu können.
Voraussetzung zur Teilnahme sind ausreichende Logikkenntnisse. Bekanntschaft mit modallogischen Systemen ist nützlich, aber nicht Bedingung; die in diesem Bereich erforderlichen Grundkenntnisse werden im Seminar vermittelt. Bedingungen für den Erwerb eines benoteten Leistungsnachweises sind ein Seminarvortrag mit Thesenpapier, eine schriftliche Hausarbeit sowie aktive Mitarbeit in den Seminarsitzungen.

Literatur:
Graeme Forbes, Essentialism, in Hale und Wright, pp. 515-533.
Bob Hale und Crispin Wright (Hrsg.), A Companion to the Philosophy of Language, Blackwell, 1997.
Bob Hale, Modality, in Hale und Wright, pp. 487-514.
Saul Kripke, Naming and Necessity, Harvard University Press, 1980.
Scott Soames, The Modal Argument: Wide Scope and Rigidified Descriptions, Noûs 32:1 (1998), pp. 1-22.
David Sosa, Rigidity in the Scope of Russell's Theory, Noûs 35:1 (2001), pp. 1-38.
Robert Stalnaker, Reference and Necessity, in Hale und Wright, pp. 534-554.
Jason Stanley, Names and Rigid Designation, in Hale und Wright, pp. 555-585.
Edward N. Zalta, Logical and Analytic Truths that are Not Necessary, Journal of Philosophy 85:2 (1988), pp. 57-74.

Utz: Aristoteles' Theorie der Freundschaft

Mo 14-16, Alte Burse, Raum X, Beginn: 15.04.

"Für das Leben das Notwendigste" ist laut Aristoteles die Freundschaft. Nachdem das Thema in der ethischen Diskussion lange Zeit ein Schattendasein führte, ist es in den vergangenen Jahren wiederentdeckt worden. Die Freundschaftslehre des Aristoteles ist die erste umfassende und systematisch ausgearbeitete und bleibt zugleich bis heute in wesentlichen Grundzügen unüberboten.
Textgrundlage des Seminars sind zunächst die Bücher acht und neun der Nikomachischen Ethik. An ihnen soll die interne Bestimmung der Freundschaft erarbeitet werden. Daraufhin sollen die Bezüge zu anderen Themen der praktischen Philosophie diskutiert werden, wie sie Aristoteles zum Teil selbst expliziert: das Verhältnis von Freundschaft und Tugend, insbesondere der Gerechtigkeit, von Freundschaft und Glück sowie von Freundschaftsordnungen, Familienverhältnissen und Staatsformen. Darüber hinaus soll die Frage des anthropologischen Hintergrunds beleuchtet werden. Zu diesen Themen werden weitere Texte des Aristoteles herangezogen. Nebenher soll so die Möglichkeit gegeben werden, über das Seminarthema hinaus einen allgemeinen Überblick über die aristotelische Ethik zu gewinnen.

Literatur:
Ahmad Berwari, Die Theorie der Freundschaft bei Aristoteles, Marburg 1997.
Otfried Höffe, Praktische Philosophie. Das Modell des Aristoteles, Berlin 21996.
Anthony W. Price, Love and friendship in Plato and Aristotle, Oxford 1989.
Ders., Friendship (Bücher VIII und IX), in: Otfried Höffe, Hg., Aristoteles. Die Nikomachische Ethik (Klassiker Auslegen, Bd. 2), Berlin 1995, 229-251.
Peter Schulz, Freundschaft und Selbstliebe bei Platon und Aristoteles. Semantische Studien zur Subjektivität und Intersubjektivität, Freiburg i. Br., München 2000.
Suzanne Stern-Gillet, Aristotle's philosophy of friendship, Albany 1995.

Wimmer: Feuerbachs anthropologischer Ansatz in der Religionsphilosophie

Mi 16-18, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 17.04.

Für die nachkantische philosophische Religionskritik stellt Ludwig Feuerbachs Religionsphilosophie einen Kristallisationspunkt dar. Auf der Basis einer Christentums- und Philosophiekritik an intellektualistischen und monologistischen Vereinseitigungen, die die genuinen Ansprüche der Sinnlichkeit und der Dialogizität des Menschen missachten, führt Feuerbach die Entstehung der Religion einschließlich der christlichen in einer umfassenden anthropologischen Argumentation auf einen Vorgang der menschlichen Selbstprojektion zurück: Der Mensch projiziert sein 'unendliches Wesen' auf einen der eigenen Verfügung entzogenen Gegenstand (Gott). Im religiösen Inhalt schaut der Mensch sein eigenes Wesen an; deshalb kommt der Religion im Selbsterkennungsprozess des Menschen eine besondere Bedeutung zu. In dem Maße, in dem der Mensch diesen Zusammenhang von Religion und eigenem Selbst durchschaut, schreitet der Aufklärungsprozess der menschlichen Gattung fort, dessen Ziel die Aneignung des (nach außen projizierten) eigenen Wesens ist.
Das Seminar hat zwei Teile: Im ersten Teil soll die leib- und sprachbezogene Anthropologie Feuerbachs in ihren Grundzügen erarbeitet, im zweiten Teil seine Projektionsthese geprüft werden.
In dieser Veranstaltung kann ein Schein im Rahmen des Ethisch-Philosophischen-Grundlagenstudiums (EPG) erworben werden. (Scheintyp EPG 2).
Leistungsnachweis: ausgearbeitetes Referat oder Hausarbeit.

Wimmer/Groß: Der Dekalog - moralphilosophische und theologische Aspekte

Mi 14-16, Raum: siehe Aushang, Beginn: 17.04.

Der Dekalog ist einerseits zentraler Bundestext des Sinai- bzw. Horeb-Bundes und bezieht sich z. B. mit Sabbbat-Gebot und Bilder-Verbot auf Besonderheiten der israelitischen Religion. Andererseits wird der Dekalog im Neuen Testament zustimmend zitiert und nicht in die Gesetzespolitik einbezogen. Das deutet auf eine Ausweitung seines Geltungsbereiches hin. Schließlich wird er in jüngster Zeit zunehmend als Dokument einer Religionen übergreifenden Ethik und, soweit natur- oder vernunftrechtlich argumentiert wird, als universales natur- bzw.vernunftrechtliches Dokument präsentiert.
Auf diesem Hintergrund soll sich das Seminar - aus den unterschiedlichen Perspektiven alttestamentlicher Exegese und moderner philosophischer Reflexion - mit den Fragen beschäftigen, ob bzw. wie und inwieweit die im Dekalog aufgestellten Normen universalisierbar sind und wie sich speziell unter dieser Rücksicht die Frage nach Theonomie und menschlicher Autonomie stellt. Was bleibt von der alttestamentlichen Inszenierung des Dekalogs, wenn dessen Gebote als vernunftgemäß einsichtige und aus sich heraus verpflichtende Normen interpretiert werden? Diese Thema soll in Kooperation zwischen den Fächern Altes Testament und Philosophische Ethik behandelt werden. Das Seminar entspricht nach Inhalt wie Fragestellung und Methode den Anforderungen für Seminare im Rahmen des Ethisch-Philosophischen Grundlagenstudiums (EPG 2). Es ist also für alle Staatsexamenskandidaten und Staatsexamenskandidatinnen geeignet, steht aber auch jenen Studierenden offen, die für den Magisterstudiengang Philosophie oder den Diplomstudiengang Katholische Theologie immatrikuliert sind.

Leistungsnachweis: ausgearbeitetes Referat oder Hausarbeit.

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Oberseminare

Frank: Neuerscheinungen zur Philosophy of Mind - Oberseminar für Doktoranden und Doktorandinnen

Mo 20-22, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 15.04.

Welchen Text wir lesen wollen, wird traditionell auf Vorschlagsgrundlage in der ersten Sitzung gemeinsam entschieden. (Der Termin musste von Mittwoch auf Montag verlegt werden, weil fortan mittwochs abends die Sitzungen des Fakultätsrats stattfinden müssen.)
Diskussion neuester Texte aus dem Bereich der Philosophy of Mind.

Höffe: Neuerscheinungen zur Transzendentalphilosophie und Vorstellung eigener Projekte - Oberseminar/Doktorandenkolloquium

Fr 15-19, Termine und Ort werden noch bekanntgegeben
Sprechstunde: Mi 18-19, Raum 320.

Es werden eigene Projekte vorgestellt und neue Literatur zur politischen Philosophie diskutiert. Neuteilnahme nur nach Rücksprache in der Sprechstunde möglich.

Keuth: Die "Offene Gesellschaft" und ihre Wirkung

Mi 10-12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 17.04.

Die Rede von der 'offenen Gesellschaft' gehört zum politischen Standardrepertoire, und von liberaler Seite wird sie oft ausdrücklich mit Poppers Namen verknüpft, so in den Leitartikeln "Die offene Gesellschaft und das Böse" (Thomas Schmid, FAZ, 17.9.01, S. 1) und "... und ihre Feinde" (Volker Zastrow, FAZ, 24.9.01, S. 1), die den Folgen der Terroranschläge vom 11.09.2001 auf New York und Washington gelten. Auch Kulturstaatsminister Nida-Rümelin nennt einen Vortrag "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" (FAZ, 14.11.01, S. 10) und zeigt sich als falscher Prophet, wenn er als erstes Strukturelement der offenen Gesellschaft allgemeingültige ethische Prinzipien postuliert. Es gibt aber auch seriösere Auseinandersetzungen mit Poppers "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde". Im Mittelpunkt des Seminars wird eine Aufsatzsammlung stehen:
Ian Jarvie und Sandra Pralong, Popper's Open Society after 50 Years, London/New York 1999.

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Kolloquien

Engels: Kolloquium für Examenskandidat(inn)en und Doktorand(inn)en

Di 16-18, Konferenzraum Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW), Keplerstr. 17, 3. Etage, Beginn: 16.04.

Dieses Kolloquium bietet Studierenden der Philosophie und Biologie die Möglichkeit, ihre geplanten und laufenden Arbeiten vorzustellen und zu diskutieren. Gäste sind herzlich willkommen.

Fahrenbach: Kolloquium

nach Vereinbarung

Kümmel: Gedächtnis und Erinnerung

Fr 18-20, Alte Burse, Melanchthonzimmer (Raum 308), Beginn: 26.04.

Wimmer: Doktoranden/Doktorandinnen-Kolloquium

nach Vereinbarung

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Arbeitskreise

Hoering: Lernprogramm (insbesondere für Logik)

Di 19-21, Alte Burse, Computerpool, Beginn: 24.04.

Seit einiger Zeit gibt es ein Tutor-Programm zum Einüben des logischen Ableitens in Formalismen der Aussagen-, Prädikaten- und Modallogik, das im Rahmen dieses Arbeitskreises entwickelt worden ist. Dieses Programm wurde zunächst in Pascal für IBM-kompatible Rechner geschrieben; für seine Portierung auf andere Plattformen stellen wir Versionen in TCL/TK her. Neue Mitglieder, die bereits Kenntnisse in diesen Sprachen besitzen oder stark motiviert sind, sich einzuarbeiten, sind herzlich willkommen.

Koch, D.: Hermeneutische Phänomenologie

Mi 12-14 Uhr, Alte Burse, Melanchthonzimmer, (Raum 308) Beginn: 17.04.

Der Arbeitskreis "Hermeneutische Phänomenologie" geht auf eine Initiative von Studierenden zurück. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der hermeneutischen Phänomenologie, so wie sie sich in der ersten systematischen Ausarbeitung in Martin Heideggers "Sein und Zeit" darstellt, vor allem aber mit der Weiterentwicklung bzw. der Veränderung dieses philosophischen Ansatzes in der gereiften Periode der Heideggerschen Philosophie - dem sogenannten "Ereignis-Denken" - von Mitte der dreißiger bis zu Beginn der siebziger Jahre.
Im Sommersemester beschäftigen wir uns mit dem in "Vorträge und Aufsätze" (Pfullingen 1954 oder spätere Auflage) abgedruckten Beitrag "Was heißt denken?" und anschließend mit den fünf Freiburger Vorträgen aus dem Jahr 1957 "Grundsätze des Denkens" (Gesamtausgabe Bd. 79, S. 81 - 176).
Der Arbeitskreis ist für alle an der Sache der hermeneutischen Phänomenologie interessierten und engagierten Studierenden offen.