Philosophisches Seminar

Sommersemester 2004

Inhalt:

Allgemeine Studienberatung: Dietmar Koch, Fakultätsassistent

Di 10-12, Raum 214

Soweit nicht anders im Kommentar vermerkt, ist die Anmeldung zu den Veranstaltungen nicht erforderlich.

Die Teilnahme an Proseminaren von Studierenden, die die Zwischenprüfung bereits abgelegt haben, bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Seminarleiters.

Semestertermine: Beginn der Vorlesungen: 19.04.

Ende der Vorlesungen: 24.07.

Einführungsabend für Studienanfänger:

Mi 21.04. 18 Uhr c.t., Burse, Raum X

Vorlesungen

Engels: Ethische Aspekte der Gentechnik bei Pflanze, Tier und Mensch

Di 11-13, Kleiner Botanischer Hörsaal, N11, Auf der Morgenstelle 1, Beginn: 20.04.

Die Gentechnik umfasst alle Methoden der Charakterisierung und Isolierung der Gene eines Organismus sowie deren gezielte Veränderung und Neukombination mit fremdem Erbgut ("rekombinante DNA") auch über die Artgrenzen hinweg, wie sie unter natürlichen Bedingungen oder mittels klassischer Züchtungsmethoden nicht vorkommen. Der direkte Eingriff in das Erbgut von Organismen (Herstellung "transgener" Organismen) erfolgt mit dem Ziel, bestimmte vom Menschen erwünschte Wirkungen hervorzurufen. Die öffentliche Akzeptanz der Gentechnik ist in den einzelnen Anwendungsbereichen sehr unterschiedlich. Während Gentechnik in einigen Bereichen zur Selbstverständlichkeit geworden ist (Pharmazie, z.B. gentechnische Herstellung von Insulin), ist sie in anderen Bereichen umstritten (z.B. Gentechnik in der Landwirtschaft, "gene farming"; z.B. Herstellung transgener Tiere für die Arzneimittelproduktion, "gene pharming", und für die Transplantationsmedizin, Xenotransplantation) oder stößt allgemein auf Ablehnung bis hin zum gesetzlichen Verbot (z.B. Keimbahntherapie beim Menschen). Mit der Gentechnik verbinden sich utopische Hoffnungen wie Schreckensvisionen, die eine Einschätzung der realistischen Möglichkeiten der Gentechnik und ihre sachliche Auseinandersetzung damit erschweren. In der Vorlesung werden verschiedene, bereits realisierte sowie erhoffte Anwendungsbereiche der Gentechnik bei Pflanze, Tier und Mensch vorgestellt und unter ethischen Aspekten reflektiert und diskutiert. Die Vorlesung richtet sich an Studierende der Philosophie, Biologie, Informatik, Bioinformatik und andere Interessierte.

Sprechstunde im SoSe:

Mi 10.15-12, Verfügungsgebäude, Wilhelmstraße 19, Raum 0.33, Voranmeldung bei Frau Mustafa, Raum 0.31. Tel. 07071 29-77191; Fax: 07071 29 5211. E-Mail: eve-marie.engelsspam prevention@uni-tuebingen.de

Frank: Immanuel Kant: 1724-1804 (Ringvorlesung)

Do 18-20, Hörsaal und Beginn: siehe Aushang zu Beginn des Semesters.

Heidelberger: Philosophie der Biologie

Di 10-12, Hörsaal: siehe Aushang zu Beginn des Semesters, Beginn: 20.04.

Philosophie stand schon immer am Ursprung der empirischen Wissenschaften und ist umgekehrt von den Wissenschaften beeinflußt worden. Die Vorlesung beschäftigt sich mit der Biologie der Gegenwart in zweierlei Hinsicht: einerseits mit der spezifischen Eigenart der Biologie als Wissenschaft, der Art ihrer Begriffs- und Theorienbildung, ihrer Erklärungsweise und ihrem besonderen Bezug zur Erfahrung, andererseits mit möglichen Folgerungen aus der Biologie, die unsere Überzeugungen von der menschlichen Natur, der Ethik, der Kultur und Gesellschaft betreffen. Die Vorlesung ist sowohl für Philosophen gedacht, die ihre Kompetenz im interdisziplinären Dialog verbessern möchten als auch für Biologen/Naturwissenschaftler, die erfahren wollen, wie Philosophen sich zu biologischen Themen stellen. Begleitend zur Vorlesung findet auch ein Seminar statt. (Im Kommentar dazu finden Sie Literaturhinweise.)

Höffe: Immanuel Kant. Eine Einführung in die Philosophie der Neuzeit mit Übungen

Do 10-12, Hörsaal siehe Aushang zu Beginn des Semesters, Beginn 22.04.

Übungen nach Vereinbarung

Auf dem Höhepunkt der europäischen Aufklärung entfaltet Kant eine neue Art des Denkens, die kritische Transzendentalphilosophie. Sie hat bis heute eine nicht lediglich historische, sondern auch systematische Bedeutung. Auf ihrer Grundlage werden fast sämtliche Felder der Philosophie revolutionär neu bestellt, und die Landschaft des abendländischen Denkens erhält ihr modernes Gesicht. Die Vorlesung will in Kants Denken einführen, namentlich in die "Kritik der reinen Vernunft", in die Moralphilosophie und die Philosophie von Recht und Staat, einschließlich der Theorie einer globalen Rechts- und Friedensordnung.

Literatur zur Vorbereitung:

O. Höffe, Immanuel Kant. Leben - Werk - Wirkung, München 62004.

O. Höffe, Kants Kritik der reinen Vernunft. Die Grundlegung der modernen Philosophie, München 32004. Dort und in der Vorlesung weitere Literatur.

Keuth: Erkenntnis oder Entscheidung: Zur Ethik der Frankfurter Schule

Do 10-12, Hörsaal: siehe Aushang zu Beginn des Semesters, Beginn: 22.04.

Die Frankfurter Schule postulierte zunächst, aus der Geschichtsphilosophie ethisches Wissen zu gewinnen. Später entwarfen Apel und Habermas kommunikationsphilosophische bzw. sozialphilosophische Nachfolger der geschichtsphilosophischen Thesen. - Auch andere Formen 'kognitiver Ethiken' werden noch gern propagiert, sei es in philosophischen Seminaren, in Ethikzentren oder auch von Politikern. Die Vorlesung wird sich mit solchen Formen politischer Einflußnahme auseinandersetzen.

Koch, A. F.: Über Subjektivität, Zeit und Freiheit

Do 18-20, Hörsaal: siehe Aushang zu Beginn des Semesters, Beginn: 22.04.

Mit dieser Vorlesung möchte ich eine mehrsemestrige Einführung in die Philosophie abschließen, die unter der Leitfrage nach der Möglichkeit und dem Inhalt einer Ersten Philosophie steht. Im gegenwärtigen Semester soll die These begründet werden, daß es Raum und Zeit sowie einzelne Dinge und Ereignisse in Raum und Zeit nur gibt, wenn irgendwo und irgendwann in Raum und Zeit Subjektivität (als Pluralität von Personen) verkörpert ist. Im Anschluß an diese Subjektivitätsthese werden Probleme der Unterscheidung der Zeit von den räumlichen Dimensionen und der Ausrichtung (des "Pfeiles") der Zeit erörtert. Diese Probleme lassen sich nur lösen, wenn man neben der Kausalität nach Gesetzen der Natur eine konkurrierende Kausalität aus Freiheit annimmt. Einige Probleme und Folgen dieser Annahme werden zum Schluß der Vorlesung behandelt. - Im Handapparat der Seminarbibliothek wird ein Skriptum der Vorlesung zugänglich gemacht.

Newen: Einführung in die Philosophie des Geistes

Mi 10-12, Hörsaal: siehe Aushang zu Beginn des Semesters, Beginn: 21.04.

Die Philosophie des Geistes ist eine der Grunddisziplinen der theoretischen Philosophie, die in der gegenwärtigen philosophischen und gesellschaftlichen Debatte eine zentrale Rolle spielt. Zu den Grundfragen, die auf eine Bestimmung des Verhältnisses von Körper und Geist zielen, gehören die folgenden:

Was ist Bewusstsein? Was zeichnet unser subjektives Empfinden aus?

Was ist Selbstbewusstsein?

Wie ist das Verhältnis von geistigen Zuständen und Hirnzuständen beim Menschen genau zu bestimmen?

Was ist eine Person?

Haben wir einen freien Willen?

Können Tiere oder Computer Wünsche oder Überzeugungen haben?

Die Philosophie und auch die Kognitionswissenschaften sind auf der Suche nach neuen Antworten auf diese Grundfragen der Philosophie, denn die empirischen Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie und der Hirnforschung stellen die Diskussion in einen neuen Rahmen. Die Vorlesung möchte die Grundlinien der Philosophie des Geistes ausgehend von Gilbert Ryle ("The concept of mind") bis zur Gegenwart aufzeigen und dabei alle wesentlichen Diskussionen vorstellen.

Literatur:

Ansgar Beckermann: Analytische Einführung in die Philosophie des Geistes, Berlin: de Gruyter 1999.

Michael Pauen: Grundprobleme der Philosophie des Geistes. Eine Einführung, Frankfurt: Fischer Taschenbuchverlag 2001.

Wimmer: Kants Lehre vom Menschen und die philosophische Anthropologie heute

Do 10.30-12.00, Burse, Raum X, Beginn: 22.04.

Die Vorlesung gibt eine systematische Darstellung der phänomenologischen und der transzendentalphilosophischen Anthropologie Kants und bezieht sie auf gegenwärtige philosophische Problemlagen. Sachlich ergänzt wird diese Veranstaltung durch ein Proseminar zu Kants Kritik der praktischen Vernunft.

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Einführungsveranstaltung

Koch, D.: Einführung in das Studium der Philosophie

Mo 10-12, Burse, Raum X, Beginn: 19.04.

Die Einführungsveranstaltung dient der umfassenden Grundorientierung im Philosophiestudium. Sie ist reserviert für Erst- und Zweitsemester im Fach Philosophie.

Aufgabe der Veranstaltung ist es, Kenntnisse zum Studienablauf und zur Studienorganisation zu vermitteln, grundlegende Literatur bekannt zu machen, eine Anleitung zu wissenschaftlichem Arbeiten zu geben (Tutorium), vor allem jedoch in geschichtlich wie systematisch bedeutsame Grundprobleme und Grundbegrifflichkeiten philosophischen Denkens einzuführen. Dies geschieht anhand von Textauszügen zentraler philosophischer Werke von Parmenides bis Heidegger. (Die Textauszüge werden ausgegeben.)

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Proseminare

Aschenberg: Globalisierung - philosophische und didaktische Aspekte der Thematik

(Fachdidaktisches Proseminar für Studierende des Lehramtsstudiengangs Philosophie/Ethik und andere an der Thematik Interessierte.)

Mo 8.00-9.30 (!!!), Burse, Raum X, Beginn: 26.04.

Die Lehrveranstaltung soll in philosophische und ethische, speziell in rechts- und politikphilosophische Aspekte des Problems der Globalisierung einführen. Das kann durch gemeinsame Lektüre ausgewählter Kapitel des Buches Demokratie im Zeitalter der Globalisierung von O. Höffe geschehen. Die Einbeziehung weiterer Literatur ist je nach Interessen der Teilnehmer selbstverständlich möglich.

Zugleich sollen didaktische Perspektiven der Thematik im Rahmen des Gymnasialunterrichts berücksichtigt werden: Die Thematik betrifft sowohl Unterrichtseinheiten bzw. Bildungsstandards des Schulfachs Ethik wie Möglichkeiten des sog. fächerverbindenden bzw. -übergreifenden Unterrichtens.

Qualifizierter Schein: (1) regelmäßige Teilnahme, (2) eine mündliche Präsentation, (3) eine schriftliche Hausarbeit.

Literaturhinweise:

Otfried Höffe: Demokratie im Zeitalter der Globalisierung, München, Becksche Reihe, 2002 (aktualisierte Taschenbuchausgabe der ersten Auflage, München 1999).

Matthias Lutz-Bachmann & James Bohman (edd.): Weltstaat oder Staatenwelt, Frankfurt am Main, Suhrkamp, 2002.

Stefan Gosepath & Jean-Christophe Merle (edd.): Weltrepublik - Globalisierung und Demokratie, München, Beck, 2002.

Dietrich: Einführung in die Allgemeine Ethik (EPG 1)

Mi 18-20, Verfügungsgebäude Wilhelmstr. 19, Raum 1.01, Beginn: 21.04.

Das Seminar führt in einem interdisziplinären Rahmen in die Grundlagen der Allgemeinen Ethik ein. Das Ziel ist es, am Beispiel von aktuellen ethischen Fragen aus den Natur-, Sozial- und Literaturwissenschaften

Voraussetzungen: keine

Benoteter Schein: Aktive Mitarbeit und Abschlussklausur oder Hausarbeit

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1.1., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu ethisch-philosophischen Grundfragen erworben werden (EPG 1).

Dörge: Was ist Sprache? - das Grice'sche Projekt

Mo 18-20, Burse, Melanchthonzimmer, Beginn: 26.04.

H. Paul Grice ist der Erfinder des so genannten "Grice'schen Projekts". Dessen Ziel ist es, adäquat zu bestimmen, was menschliche Sprache ist - genauer: was es heißt, dass etwas in einer Sprache Bedeutung hat. Grice's Vorschlag, ins Unreine geschrieben, hat zwei Stufen: (1) Was ein Satz im Deutschen bedeutet, ist nichts anderes als was die Deutschen meinen, wenn sie diesen Satz zur Kommunikation benutzen. (2) Und was heißt es, etwas zu "meinen"? - Grice schlägt vor, dass es heißt, bestimmte kommunikative Absichten zu haben bei dem, was man tut.

Wenn es daran geht, diese Begriffe auszuformulieren, taucht aber eine Reihe von Problemen auf. Ziel des Seminars ist es, einige von diesen zu verstehen und zu diskutieren. Vorbereitung auf die Sitzungen: gründliche Vorbereitung relativ kurzer (zumeist englischer) Textpassagen. Referenten, die sich schon vor Beginn des Semesters die coolsten Referate abgreifen wollen, sind willkommen: (07071) 255906 oder christoph.doergespam prevention@web.de.

Scheinerwerb: Referat und Hausarbeit.

Literatur: H. Paul Grice: "Meaning". In (ders.) Studies in the Way of Words, Cambridge/London 1989, 213-223. Weitere Literatur in der ersten Sitzung.

Engels: Einführung in die Bioethik (EPG 2)

Mi 8-10 Uhr, Verfügungsgebäude, Wilhelmstraße 19, Seminarraum 1.01, Beginn: 21.04.

Die Bioethik ist ein Hauptgebiet der interdisziplinären, anwendungsbezogenen Ethik und hat die Aufgabe, eine normative Verständigung über Spielräume und Grenzen menschlichen Handelns im Umgang mit der lebendigen Natur einschließlich der Natur des Menschen herbeizuführen. Seit ihrer Entstehung vor gut dreißig Jahren hat sich die Bioethik in verschiedene Bereichsethiken (biomedizinische Ethik, Tierethik, Naturethik, ökologische Ethik u.a.) ausdifferenziert. Da der Gegenstand der Bioethik häufig Entitäten sind, die entweder in völlig neuen Kontexten als in ihren natürlichen Zusammenhängen auftreten (z.B. die Erzeugung von Embryonen in vitro statt Zeugung in vivo) oder selbst neuartig sind (Klone bei Organismen, die sich unter natürlichen Bedingungen zweigeschlechtlich vermehren; Chimären usw.), beinhaltet die Bioethik notwendigerweise auch naturphilosophische, anthropologische und wissenschaftstheoretische Überlegungen. Gibt es ethisch verbindliche Grenzen zwischen Natürlichkeit und Künstlichkeit (Bio-Technik) beim Menschen, bei Tieren und Pflanzen, wo verlaufen diese Grenzen und wie werden sie begründet? Diese und andere Fragen sollen im Seminar diskutiert werden.

Die Bedingungen für den Erwerb eines unbenoteten Leistungsnachweises sind neben regelmäßiger Teilnahme ein Seminarvortrag mit Thesenpapier, für einen benoteten Leistungsnachweis eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit.

Ein Seminarplan mit der zu behandelnden Literatur wird zu Beginn des Semesters verteilt.

Das Seminar richtet sich an Studierende der Philosophie, Biologie, Informatik, Bioinformatik und andere Interessierte.

Frank: Kants Kritik der Urteilskraft - Interpretationskurs II

Mo 18-20, Burse, Raum X, Beginn: 19.04.

Auf der Grundlage des 2. Bandes der Suhrkamp-Taschenbuch-Ausgabe (stw 1517) wird der zweite Teil des Werks, die "Kritik der teleologischen Urteilskraft", gelesen. Ein Stunden- und Themenplan wird rechtzeitig an der Tür meines Arbeitszimmer hängen. Frühe Eintragungen von Referent(inn)en sind besonders erwünscht.

Dem Charakter der Veranstaltung entsprechend, sind Neuzugänge nicht vorgesehen. Gegegebenenfalls bitte ich um Anmeldung in der Sprechstunde.

Scheinvergabe: Für die schrichtliche Ausarbeitund eines Stundenprotokolls.

Geiger: Thomas Hobbes - Leviathan

Di 10-12, Alte Burse, Raum X, Beginn: 20.04.

Der Leviathan gehört zu den bedeutendsten und wirkungsmächtigsten Texten in der Geschichte der politischen Philosophie. Wir wollen den Text, auch in seinen weniger bekannten Teilen, gründlich lesen. Zugrundegelegt wird dafür die Suhrkampausgabe in der Übersetzung von W. Euchner. Wer sich auch mit dem Original beschäftigen möchte, kann dies sehr gut mit der Ausgabe tun, die Richard Tuck für die "Cambridge Texts in the History of Political Thought" herausgegeben hat. Einen benoteten Schein erhält man für die Übernahme eines Thesenpapiers und das Verfassen einer schriftlichen Hausarbeit.

Heidelberger: Philosophie der Biologie

Mi 10-12, Burse, Raum X, Beginn: 21.04.

Begleitendes Seminar zur gleichlautenden Vorlesung. Die Teilnahme an der Vorlesung ist nicht Bedingung, wird aber nachdrücklich empfohlen. Es werden voraussichtlich Themen aus folgenden beiden Büchern behandelt: Kim Sterelny & Paul Griffiths, Sex and Death: An Introduction to the Philosophy of Biology, Chicago: University of Chicago Press 1999; Janet Radcliffe Richards, Human Nature After Darwin, London: Routledge 2000. Themenvorschläge von Teilnehmerseite werden gerne in Betracht gezogen (michael.heidelbergerspam prevention@uni-tuebingen.de).

Benoteter Schein: Hausarbeit.

Keul: Wissenschaft und Verantwortung. Eine Einführung in die philosophische Ethik (EPG 1) -
Kompaktveranstaltung 27.07.-29.07., 9.30.-18 Uhr, Vorbesprechung 21.04., 12-13 Uhr, Burse, Raum X

Zu einem der Schlüsselbegriffe philosophischer Ethik zählt der Begriff der Verantwortung. Nach einer mehrfachen Relation ausdifferenziert: dem Subjekt, dem Gegenstand, dem Gegenüber der Verantwortung und nicht zuletzt einer Instanz, vor der man sich zu verantworten hat, bildet dieser Begriff einen neuralgischen Punkt im intersubjektiven Gewebe menschlicher Angelegenheiten. Zugleich verweist er auf ein anspruchsvolles Konzept menschlicher Freiheit, das nicht allein die Folgen des Handelns mitbedenkt, sondern sich auch über den Bereich des Individuellen hinaus auf den kooperativen Aspekt der Institutionen erstreckt.

Anhand des Begriffs Verantwortung will dieses Proseminar in die philosophische Ethik einführen. Ausgehend von der philosophischen Tradition, namentlich von Aristoteles und Kant, werden anhand ausgewählter Texte gegenwärtige Theorien der Verantwortung (Weber, Jonas, Höffe, Lenk und Bayertz) gemeinsam gelesen und diskutiert. Im letzten Teil des Seminars werden wir auf einige Probleme der angewandten Ethik eingehen, wobei die Frage nach dem Verhältnis von Wissenschaft und Verantwortung im Zentrum stehen wird.

Benoteter Schein: Mitarbeit und Abschlussklausur.

Das Seminar wendet sich an Studierend aller Fächer. In der Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1.1., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu ethisch-philosophischen Grundfragen erworben werden (EPG1).

Keuth: David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand

Do 14-16, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 22.04.

Humes Traktat über die menschliche Natur bildet den Abschluß des klassischen Empirismus. Die daraus entstandene Kurzfassung Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand enthält die empiristische Erkenntnistheorie. Sie soll Gegenstand des Seminars sein.

Bedingung für einen benoteten Schein: Referat.

Literatur:

David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand, Meiner, Hamburg 1984, PhB 35.

David Hume: Ein Traktat über die menschliche Natur, Buch I: Über den Verstand, Buch II und III: Über die Affekte, Über Moral, Meiner, Hamburg 1989/1978, PhB 283a,b.

Jens Kulenkampff, Hg., David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand , Akademie, Berlin 1997, 'Klassiker auslegen' Bd. 8.

E. Topitsch, G. Streminger, Hume, Darmstadt 1981.

Koch, A.F.: Platon, Der Staat - Interpretationskurs II

Di 16-18, Burse, Raum X, Beginn: 20.04.

In diesem zweisemestrigen Kurs lesen und interpretieren wir ausgewählte Passagen aus Platons Politeia. Im ersten Teil des Kurses wurden Abschnitte aus den Büchern II-VI behandelt, jetzt sollen Abschnitte aus den Büchern VI-X behandelt werden, beginnend mit der Problematik der Idee des Guten. - In der Seminarbibliothek wurde ein Handapparat mit Forschungsliteratur eingerichtet. Für den Scheinerwerb sind aktive Mitarbeit (Bereitschaft zur Übernahme eines Stundenprotokolls) und eine Hausarbeit pro Semester erforderlich, von denen eine durch ein Referat ersetzt werden kann.

Koch, D.: Aristoteles, Nikomachische Ethik - Lektürekurs für Erst- und Zweitsemester

Di 18-20, Burse, Raum X, Beginn: 20.04. In der ersten Sitzung findet eine Vorbesprechung statt.

Der Umgang mit philosophischen Schriften bedarf bestimmter »hand-werklicher« Voraussetzungen: Die Fähigkeit eines begrifflich genauen Lesens, das Vermögen, die spezifische Problemstellung eines Textes herauszupräparieren, die Beherrschung der charakteristischen Begrifflichkeit eines Autors, zudem die stete Beachtung der Differenz von Textauslegung und eigener Sachinterpretation und anderes mehr.

Der Lektürekurs für Erst- und Zweitsemester will über die Demonstration dieser Umgangsweisen hinaus anhand eines der Grundbücher der philosophischen Ethik des Abendlandes - der »Nikomachischen Ethik« des Aristoteles - in die Eigenart und in den Reichtum philosophischer Probleme und philosophischen Denkens einführen. Die »Nikomachische Ethik« ist kein enges fachphilosophisches Buch über eine bestimmte Disziplin namens »Ethik«, sondern eine Erörterung dessen, was das »gute Leben« im Lichte philosophischen Wissens ist. Dieses Wissen schließt die Bemühung um das Ganze und um das Höchste ein.

Die Veranstaltung ist ausschließlich für Erst-und Zweitsemester im Studienfach Philosophie bestimmt. Griechischkenntnisse sind nicht vorausgesetzt.

Leistungsnachweis für einen unbenoteten Schein: Übernahme eines Protokolls (Umfang: 2-3 Seiten)

Leistungsnachweis für einen benoteten Schein: Hausarbeit (Umfang: 10 bis 15 Seiten; Abgabetermin: spätestens bis 31. Oktober). Eine Vorschlagsliste wird zu Beginn des Semesters ausgegeben.

Textgrundlage für das Seminar:

Aristoteles: Nikomachische Ethik. Nach der Übersetzung von Eugen Rolfes bearbeitet von Günther Bien. Felix Meiner Verlag (Hamburg 1995 oder spätere Auflage) oder Wissenschaftliche Buchgesellschaft (Darmstadt 1995, Lizenzausgabe).

Koch, D.: Martin Heidegger, Die Frage nach der Technik - Interpretationskurs II

Do 18-20, Burse, Raum X, Beginn: 22.04.

In diesem Interpretationskurs beschäftigen wir uns mit einer von Martin Heideggers Schlüsselschriften »Die Frage nach der Technik« sowie mit den Abhandlungen »Bauen Wohnen Denken« und das »Ding«.

Die Frage nach dem Wesen der Technik wird von Heidegger im Horizont eines technisch-funktionalen Welt-Verständnisses bzw. In-der-Welt-Seins behandelt, so wie es sich im europäischen Denken mit Beginn der frühen Neuzeit explizit entwickelte und dann seit Beginn des 20. Jahrhunderts explosionsartig die Verhältnisse des Menschen zu sich, zur Natur sowie zu seiner gewesenen und zukünftigen Geschichte in allen gesellschaftlichen und politischen Bezügen global bestimmt. Wir fragen in Auseinandersetzung mit Heideggers Schrift nach den seinsgeschichtlichen Voraussetzungen der modernen Entfremdung des Menschen gegenüber sich und seinem In-der-Welt-Sein (z. B. das Selbstverständnis des Menschen als defizitäres Produkt im Vergleich zu seinen eigenen technischen Produkten), und das heißt, wir fragen nach der Herkunft und nach der genauen Bestimmung der herrschenden Auslegungsweise, nachdem alles, was »ist«, zunehmend nur noch als funktionaler Bestand gedeutet und behandelt wird, der zugleich einem zunehmenden Beschleunigungs- und Ersetzungsprozeß unterliegt, in dem kein Raum für das Eigengewicht und Eigenwesen des Menschen und der Dinge bleibt. Im Sommersemester beschäftigen wir uns mit der Kehrseite der technisch-funktionalen Weltauslegung, das heißt mit dem sogenannten »schonenden Entbergen«.

Scheinerwerb: eine Hausarbeit pro Semester (Umfang: 10 bis 15 Seiten à 2000 Anschläge). Eine Vorschlagsliste von Hausarbeitsthemen wird zu Beginn ausgegeben. Bitte beachten Sie, daß in einem Interpretationskurs nur benotete Scheine erworben werden können.

Textgrundlage im Sommersemester: Martin Heidegger, »Bauen Wohnen Denken« und »Das Ding«, in: Vorträge und Aufsätze, Verlag Klett-Cotta, Stuttgart (irgendeine Auflage)

Ein Reader der einschlägigen Schriften wird zum Semesterbeginn erhältlich sein.

Merle: Wie kann ein Krieg gerecht sein? Eine Einführung in die politische Ethik (EPG 1)

Fr 16-18, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 23.04.

Dieses Proseminar versucht, die wichtigsten Prinzipien, Fragen und Methoden der Ethik für Anfänger dadurch leichter zugänglicher zu machen, dass sie mit einer konkreten moralischen Fragestellung verbunden werden.

Für die Bewertung von Einzelfällen greift man auf allgemeine moralische Forderungen zurück, und diese stehen in einem engen Zusammenhang mit ethischen Prinzipien unterschiedlicher Allgemeinheitsgrade. Auch das, was in den traditionellen Theorien des gerechten Kriegs zunächst als ein Katalog von mittleren Prinzipien und Regeln auftritt (Verhältnismäßigkeit, ultima ratio, causa iusta, legitime Autorität usw.), beruht auf allgemeineren moralischen Forderungen. Lassen sich solche Beschränkungen legitimer Kriegsführung auf das eine Ziel zurückführen, dass ein gerechter Friede auf einem möglichst kurzen Weg erreicht wird? Vom mittelalterlichen und frühmodernen Naturrecht bis zur heutigen Diskussion bei Walzer, Rawls und Habermas entwickelt und vertieft sich ein gemeinsames Denkmuster der Beschränkung des Krieges; allerdings lassen sich auch signifikante Unterschiede erkennen. Wir werden in dem Proseminar, das für Studierende aller Fachrichtungen geeignet ist, die wichtigsten dieser Ansätze gemeinsam erarbeiten und diskutieren.

Ein Reader der einschlägigen Schriften wird zum Semesterbeginn erhältlich sein.

Zum Erwerb eines benoteten Scheins sind ein Kurzreferat und eine Hausarbeit erforderlich.

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1.1., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu ethisch-philosophischen Grundfragen erworben werden (EPG 1).

Mirbach: Plotin

Fr 12-14, Burse, Raum X, Beginn: 23.04.

Die Philosophie Plotins (um 204 - 270 n. Chr.), dargelegt in insgesamt 54 durch seinen Schüler Porphyrios zusammengestellten Enneaden, hat ihren Grund und ihr Ziel im "Denken des Einen" (W. Beierwaltes, 1985). Das Eine als über allem Sein und Denken befindliches höchstes Prinzip ist der Grund und die Quelle der stufenweise aus ihm sich entfaltenden geistigen, seelischen und sinnenfälligen Wirklichkeit und es ist das Ziel, in dem der Mensch im Aufstieg über die sinnliche Wahrnehmung und die begriffliche Erkenntnis seine höchste und eigentliche Bestimmung erreicht. Zugleich kann man Plotin "als den eigentlichen Denker der Ganzheit" (R. Harder, 1958) bezeichnen: Das Eine, die geistigen Wesenheiten und die sichtbare Welt sind untrennbar miteinander verbunden, das Sinnenfällige ist nicht nur untereste Stufe der Wirklichkeit, sondern auf dieser auch bestmöglicher Ausdruck des höchsten Prinzips. So ist es nicht zuletzt Plotins Ästhetik, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht allein Goethes Freund Zelter zu der Auffassung führt: "Er" - Plotin - "gehört in jedem Falle zu den Unseren" (Brief an Goethe, 5. 9. 1805).

Das Seminar, das eine Textauswahl aus dem Gesamt der Enneaden zugrundelegt, ist konzipiert als Einführung in die plotinische Philosophie. Es soll damit auch paradigmatisch einen Zugang zu einem Verständnis dessen eröffnen, was in seinen philosophiegeschichtlichen Ausformungen und seiner geistesgeschichtlichen Relevanz überhaupt unter "Neuplatonismus" zu verstehen ist.

Benoteter Schein: Kurzreferat und schriftliche Hausarbeit.

Textgrundlage:

Plotin: Ausgewählte Schriften. Hg., übersetzt und kommentiert von Christian Tornau. Stuttgart: Reclam, 2001 (Universal-Bibliothek Nr. 18153).

Misselhorn: Nelson Goodmans Philosophie der Kunst

Di 10-12, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 20.04.

Nelson Goodman gehört zu den Klassikern der analytischen Philosophie. Die Wurzeln seines Denkens liegen im logischen Empirismus, doch er hat zugleich diesen Rahmen gesprengt, indem er die Kunst zum Gegenstand seiner Untersuchungen machte. Dabei eröffnet er auch eine neue Perspektive für die Ästhetik. Er will nicht die alten und seiner Meinung nach unfruchtbaren Fragen dieser Disziplin über den Begriff der Schönheit oder die Bewertung von Kunst lösen. Statt dessen nimmt er die Untersuchung der Funktionsweise künstlerischer Symbolsysteme zum Ausgangspunkt. Diese Analyse resultiert in der Bestimmung wichtiger Begriffe wie künstlerischer Ausdruck, Exemplifikation, Fiktion, Realismus, Fälschung, Repräsentation, Notation, Partitur etc. Von besonderer Bedeutung ist für Goodman die Erkenntnisfunktion der Kunst. Wir wollen uns in diesem Proseminar mit Goodmans Theorie auseinandersetzen und insbesondere diskutieren, ob und wie sie auf der einen Seite für die Philosophie und auf der anderen für die Kunstwissenschaften und den Umgang mit Kunst fruchtbar gemacht werden kann.

Benoteter Schein: Hausarbeit und Referat.

Literatur: Goodman, Nelson: Sprachen der Kunst. Entwurf einer Symboltheorie, Frankfurt am Main 1995 (Bitte diese Ausgabe in der Übersetzung von Bernd Philippi verwenden)

Müller-Koch: Einführung in die Angewandte Ethik (EPG 2)

Do 11-13, Verfügungsgebäude, Wilhelmstr. 19, Seminarraum 1.01, Beginn: 22.04.

Während sich die Allgemeine Ethik auf die Klärung, Prüfung und Begründung der ethischen Grundlagen konzentriert, geht es in der Angewandten Ethik vorrangig um die ethische Reflexion konkreter Handlungskonflikte. Das Seminar führt in einem interdisziplinären Rahmen und anhand von Beispielen aus den Natur-, Sozial- und Literaturwissenschaften in die grundlegenden Begrifflichkeiten und Argumentationsweisen der Angewandten Ethik ein.

Die Angewandte Ethik hat sich mittlerweile in verschiedene Bereichsethiken - etwa die Medizinethik, die Bioethik, die Naturethik, - ausdifferenziert; anhand von konkreten Beispielen oder aktuellen Streitfragen sollen im Seminar Probleme der Angewandten Ethik bearbeitet werden. In einzelne Sitzungen sollen Gastreferent(inn)en aus den verschiedenen Wissenschaften eingeladen werden.

Benoteter Schein: Aktive Mitarbeit und Klausur (EPG 2-Schein) bzw. Hausarbeit (Fachschein Philosophie).

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1.2., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu fach- berufsethischen Fragen erworben werden.

Newen: Einführung in die Philosophie Gottlob Freges - Lektürekurs für Erst- und Zweitsemester

Di 12-14, Burse, Raum X, Beginn: 20.04.

Dieses Proseminar richtet sich besonders an Erstsemester: Der Aufbau der Lehrveranstaltung macht einerseits inhaltlich keine Voraussetzungen und sieht andererseits vor, dass auch auf wesentliche formale Hilfsmittel des Philosophiestudiums systematisch hingewiesen wird. Ein weiter Blick auf die Philosophie soll dadurch garantiert werden, dass die Philosophie Freges immer wieder mit Grundpositionen der neuzeitlichen Philosophie kontrastiert wird.

Gottlob Frege (1848-1925) ist einer der Großväter der Analytischen Philosophie, die die Weichen für die Philosophie des 20. Jahrhunderts gestellt haben. Gleichzeitig ist sein Werk durch mehrere systematische Perspektiven geprägt, so dass eine Einführung in die Philosophie Freges gleichzeitig eine Einführung in die Sprachphilosophie, in die Ontologie, in die Philosophie der Mathematik sowie in die Erkenntnistheorie liefert.

Ziel des Proseminars ist es, die Grundthesen Gottlob Freges aus den verschiedenen systematischen Perspektiven zusammenzustellen, die zentralen Argumentationen für die Thesen genau herauszuarbeiten und im ausgewählten Vergleich zu bewerten. Damit sollen die Grundfertigkeiten des Philosophiestudiums, die Interpretation, Rekonstruktion und Bewertung philosophischer Argumente, eingeübt werden.

Leistungsnachweis für unbenoteten Schein: Übernahme eines Protokolls (2-3) Seiten.

Leistungsnachweis für benoteten Schein: Hausarbeit 10-15 Seiten.

Im Vordergrund der Lektüre stehen die folgenden Schriften:

Frege, G., Logische Untersuchungen, hg. von G. Patzig, Göttingen: Vandenhoeck u. Ruprecht, 3. Aufl. 1986 (oder neuere Aufl.).

Frege, G., Funktion, Begriff, Bedeutung. Fünf logische Studien, hg. von G. Patzig, Göttingen: Vandenhoeck u. Ruprecht, 6. Aufl. 1986 (oder neuere Aufl.).

Rinderle: John Rawls, Eine Theorie der Gerechtigkeit

Fr 10s.t.-13, 14täglich, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 23.04.

Zwei Fragen stehen im Mittelpunkt von John Rawls' "Theorie der Gerechtigkeit": 1. Mit welchem Verfahren lassen sich Prinzipien der sozialen Gerechtigkeit begründen? 2. Welche Gerechtigkeitsprinzipien sind das Ergebnis dieses Verfahrens? Im Proseminar wollen wir zuerst Rawls' Antworten auf diese beiden Fragen kennenlernen und anschließend prüfen, ob seine Argumente überzeugend sind. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, Englischkenntnisse wären allerdings sehr vorteilhaft. In der ersten Sitzung behandeln wir Kapitel 1: "Gerechtigkeit als Fairneß".

Teilnahmevoraussetzungen: Regelmäßige Teilnahme und Übernahme eines Referats.

Erwerb eines benoteten Scheins: Schriftliche Hausarbeit bis zum Ende des Sommersemesters.

Rinderle: Der Utilitarismus. Eine Einführung in die philosophische Ethik (EPG 1) mit Kompaktveranstaltung Do 16-18, 14täglich, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 22.04.

Kompaktveranstaltung: 18.06-19.06, Beginn: 14 Uhr

Der Utilitarismus ist eine der wichtigsten Positionen in der philosophischen Ethik der Moderne. Er begründet die Forderungen von Moral und Gerechtigkeit im Prinzip der Nützlichkeit: Wenn wir Handlungen und gesellschaftliche Institutionen moralisch bewerten wollen, sollten wir uns fragen, ob und wie sie zur Vermehrung des größten Glücks (bzw. zur Vermeidung des Unglücks) aller lust- und leidensfähigen Lebewesen beitragen können. Anhand der gemeinsamen Lektüre und Diskussion klassischer und zeitgenössischer Utilitaristen sowie einiger Utilitarismus-Kritiker soll den Teilnehmern die Fähigkeit zur Analyse der Grundbegriffe, zur Identifikation verschiedener Argumentationstypen und zur Klärung und Bewertung von Alternativpositionen in der Ethik vermittelt werden.

Das Proseminar wendet sich an Studierende aus allen Fachbereichen und setzt keine philosophischen Kenntnisse voraus. Im Rahmen der Lehrveranstaltung können daher auch allgemeine Fragen zu den Aufgaben, den Arbeitsmethoden und den möglichen Anwendungen der Philosophie diskutiert werden. Teilnahmevoraussetzung ist die regelmäßige Teilnahme und die Übernahme eines Referats. Für einen benoteten Schein ist zusätzlich das Verfassen einer Hausarbeit notwendig.

In der Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1.1., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu ethisch-philosophischen Grundfragen erworben werden (EPG 1).

Literatur:

John Stuart Mill, Der Utilitarismus, Stuttgart: Reclam 1976.

Peter Singer, Praktische Ethik, Neuausgabe, Stuttgart: Reclam 1994.

Zur Vorbereitung empfehle ich die Lektüre dieser beiden Bücher.

Weitere Literatur wird in der ersten Sitzung angegeben.

Scarano: Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten - Interpretationskurs I

Fr 10-12, Burse, Raum X, Beginn: 23.04.

In dem zweisemestrigen Interpretationskurs werden wir uns diesen Grundtext der modernen Moralphilosophie vornehmen: Wir werden gemeinsam versuchen, die Hauptthesen und die Argumentationsstruktur zu rekonstruieren, dabei auch einen Blick auf neuere Forschungsliteratur werfen und uns fragen, wo Kants Verständnis von Moralphilosophie von heutigen Ansätzen abweicht und wo Gemeinsamkeiten feststellbar sind.

Einen benoteten Schein erhält man durch die Erstellung von zwei Thesenpapieren und einer schriftlichen Hausarbeit.

Textgrundlage:

Wir werden im Seminar mit der Edition von Kraft/Schönecker arbeiten, die 1999 bei Meiner erschienen ist.

Schick: Edmund Husserl, Cartesianische Meditationen und andere Schriften - Interpretationskurs I

Di 12-14, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 20.04.

In den auf Vorträgen aus dem Jahr 1929 basierenden Cartesianischen Meditationen unternimmt Husserl eine Letztbegründung des philosophischen und des Wissens überhaupt, im Ausgang von, aber auch in kritischer Überbietung der subjektivitätstheoretischen Wende der Meditationen zur Ersten Philosophie von René Descartes. Diesen Versuch werden wir in genauer und kritischer Lektüre zwei Semester lang verfolgen. Zum besseren Verständnis des Programms von Husserls Phänomenologie und besonders der Methode der "phänomenologischen Reduktion" werden wir in diesem Semester auch frühere Werke Husserls, vor allem die Ideen zu einer reinen Phänomenologie, heranziehen. Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

Scheinerwerb: Ein Stundenprotokoll plus ein Referat oder eine Hausarbeit.

Texte:

Haupttext: Edmund Husserl: Cartesianische Meditationen. Eine Einleitung in die Phänomenologie, hg. v. E. Ströker, Hamburg 31995.

Ergänzend: Edmund Husserl: Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie, Tübingen 62002.

Sekundärliteratur: Elisabeth Ströker: Husserls transzendentale Phänomenologie, Frankfurt a. M. 1987.

Schick: Ist der Wille frei? Eine Einführung in Theorien des Determinismus und Indeterminismus

Di 18-20, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 20.04.

Die Frage, ob der Wille frei ist, suggeriert eine einfache Alternative von zwei möglichen Antworten: Entweder man bejaht die Frage und ist damit Indeterminist, oder man verneint sie und hat sich damit für den Determinismus entschieden. Während der Determinist daran festhält, daß die Genese bestimmter Willensinhalte nicht anders als natürliche Ereignisse eine Erklärung durch vorausliegende innere und äußere Bedingungen verlangt, votiert der Indeterminist für die durch keine Bedingung erklärbare, insofern unbestimmte, Freiheit der Wahl zwischen möglichen praktischen Optionen. Doch es ist gar nicht so klar, ob hier eine eindeutige Entscheidung widerspruchsfrei möglich ist: Wenn beispielsweise der Indeterminismus unser Handeln einfach als grundlos erscheinen läßt - wodurch unterscheidet es sich dann noch vom Zufälligen? Solche und ähnliche Überlegungen haben in der Geschichte der Frage nach der Willensfreiheit zum einen zur Ausarbeitung von Positionen der Vereinbarkeit (Kompatibilismus) geführt, zum anderen zur Erneuerung der Frage, was es eigentlich heißt, dem Wollen Freiheit zu- oder abzusprechen.

An einigen ausgewählten Texten des 17. bis 20. Jahrhunderts wollen wir im Seminar a) die einfache Opposition von Determinismus und Indeterminismus betrachten, b) Varianten der Position der Vereinbarkeit und c) Theorien, die sich mit den in a) und b) unterstellten Definitionen von Wille und Freiheit auseinandersetzen.

Scheinwerb: Mündliches Referat mit kurzer schriftlicher Ausarbeitung oder Hausarbeit.

Texte: Ein Reader mit den ausgewählten Texten wird in den Semesterferien im Handapparat bereitgestellt.

Zur Einführung empfohlen: Ulrich Pothast (Hg.): Seminar: Freies Handeln und Determinismus, Frankfurt a. M. 1978.

Peter Bieri: Das Handwerk der Freiheit. Über die Entdeckung des eigenen Willens, München/Wien 2001.

Schiemann: Einführung in die Wissenschaftstheorie: Bestimmungen und Grenzen der Naturwissenschaft

Di 14-16, Burse, Raum X, Beginn: 20.04.

Das moderne Leben wird immer stärker von den Naturwissenschaften bestimmt. Doch was verbindet eigentlich die vielen unterschiedlichen Disziplinen, die unter dem Begriff "Naturwissenschaft" zusammengefasst werden? Die Wissenschaftstheorie fragt nach der methodischen Einheit der Naturwissenschaften. Gibt es begriffliche Voraussetzungen, experimentelle Vorgehensweisen, grundlegende Theorietypen usw., die für die Naturwissenschaften allgemein kennzeichnend sind? Welche Rolle spielen methodische und inhaltliche Differenzen zwischen den und in den Disziplinen? Indem die Wissenschaftstheorie die formalen Grundlagen für die Geltung des Wissens über die Natur zu klären sucht, schafft sie auch Voraussetzungen für eine kritische Bewertung der Naturwissenschaften. Gibt es Phänomene, auf die sich die naturwissenschaftliche Methodik im Prinzip nicht anwenden lässt? Wie verhält es sich z. B. mit dem Denken? Gehört auch das Denken - etwa über die Naturwissenschaften - in den Gegenstandsbereich der Naturwissenschaften?

Das Proseminar führt in die gegenwärtige wissenschaftstheoretische Diskussion ein und sucht Probleme an konkreten Fragestellungen zu klären.

Qualifizierter Schein: Referat und Hausarbeit.

Literatur:

Alan F. Chalmers, Wege der Wissenschaft. Einführung in die Wissenschaftstheorie. Berlin/Heidel-berg: Springer 1989.

Ian Hacking, Einführung in die Philosophie der Wissenschaften. Stuttgart: Reclam 1996.

M. Cura and J. A. Cover (Hg.), Philosphy of Science. The Central Issues. New York/London 1998.

Schmidt: Wittgenstein: Tractatus logico-philosophicus - Interpretationskurs I

Fr 14-16, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 30.04.

In diesem trotz seiner Kürze und äußersten Dichte sehr einflußreichen Text von 1921 entwickelt Wittgenstein eine originelle Bildtheorie der Satzbedeutung, aus der sich weitreichende Konsequenzen für zentrale Fragen der Philosophie der Logik, der Ontologie und der Ethik ergeben. Bevor wir mit der Lektüre des Tractatus beginnen, werden wir im ersten Semester längere Zeit auf die Lektüre von Texten Freges und Russells verwenden, um den Diskussionskontext kennenzulernen, in dem der Tractatus sich positioniert. Auf dieses Weise kann das Seminar auch als Einführung in die frühe analytische Philosophie dienen.

Scheinerwerb: je eine Hausarbeit oder ein Referat pro Semester.

Schroeder-Heister/Wieckowski: Einführung in die Logik

Di 16-18, Ort: siehe Aushang zu Beginn des Semesters, Beginn: 20.04.

Als Philosophinnen und Philosophen sind wir darauf bedacht, unsere jeweilige Position bezüglich einer philosophischen (z.B. einer ethischen oder einer erkenntnistheoretischen) Fragestellung möglichst klar und verständlich zu formulieren, sie mit Hilfe von Argumenten möglichst gut zu begründen und dafür Sorge zu tragen, dass sie nicht widersprüchlich ist.

Die Logik erlaubt uns, diese Anliegen umzusetzen, insofern sie uns hilft, Mehrdeutigkeiten in philosophischen Behauptungen ausfindig zu machen und insofern sie uns Methoden an die Hand gibt, mit deren Hilfe wir zum Beispiel überprüfen können, ob ein philosophisches Argument gültig oder ob eine philosophische Theorie widerspruchsfrei ist.

Im Seminar werden wir uns unter anderem mit der Syntax und der Semantik der Aussagenlogik und der Prädikatenlogik beschäftigen, mit der Paraphrase und der Symbolisierung umgangssprachlicher Sätze, mit logischen Eigenschaften und Beziehungen (z.B. logische Wahrheit, Konsistenz, Folgerung), mit einigen Methoden zur Ermittlung dieser Eigenschaften und Beziehungen (Wahrheitstafelverfahren, Tableauverfahren), mit dem Kalkül des natürlichen Schließens und mit einigen wichtigen metalogischen Resultaten (z.B. funktionale Vollständigkeit, Korrektheit und Vollständigkeit).

Das Proseminar, das im Stil einer (von B. Wieckowski gehaltenen) Vorlesung ablaufen wird, wird auf einem Skript basieren. Ein Seminarschein kann aufgrund einer erfolgreichen Teilnahme an einer Abschlussklausur erworben werden. Das Skript und weitere Kursinformationen werden auf der Internet-Seite

http://www-ls.informatik.uni-tuebingen.de/psh/lehre/aktuellelehre.html

zu finden sein.

Begleitlektüre:

Seebohm, Thomas M.: Elementare formalisierte Logik, Alber, Freiburg i. B., 1991.

Schröder: Freiheit als Grundbegriff der Ethik (EPG 1)

Mi 18-20, Burse, Melanchthonzimmer, Beginn: 22.04.

"Freiheit" im praktischen Verständnis ist die Fähigkeit zu zurechenbarem Handeln. Sie setzt vor allem zweierlei voraus: neben der Abwesenheit von Zwang ("Freiheit von") auch das Gegebensein der Möglichkeit, Ziele setzen und Mittel wählen zu können ("Freiheit zu").

In welchem Bezug solche Freiheit zur Theorie des guten Handelns steht, ist eine Grund- und Leitfrage der philosophischen Ethik. Deutlicher als manche andere Themen der Ethik ist die Freiheitsproblematik auch ein Fragenkomplex von fächerübergreifender Relevanz. Im Blick hierauf empfiehlt sich ein Ausbuchstabieren der Grundfrage nach dem Zusammenhang von Freiheit und gutem Handeln in besonderer Weise als Ansatz zur Einleitung in die Ethik für Hörer aller Fakultäten.

Eine solche Einführung im Ausgang von ethischen (d.h.: moralisch qualifizierten) Freiheitsbegriffen und Freiheitsordnungsmodellen, die Philosophiegeschichte gemacht haben, ist das Ziel des Seminars. Analysiert werden entsprechende Texte von Aristoteles, Augustinus, Kant, Schelling und Mill.

Einen benoteten Schein erwirbt man durch eine Hausarbeit zu einem zentralen Aspekt der Seminarthematik.

In der Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1.1., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu ethisch-philosophischen Grundfragen erworben werden (EPG1).

Textgrundlagen sowie eine ausführliche Literaturliste werden zu Beginn des Semesters bereitgestellt.

Waibel: Fichtes Wissenschaftslehre von 1804

Di 18-20, Burse, Melanchthonzimmer, Beginn: 20.04.

2004 ist das Jahr, in dem Johann Gottlieb Fichtes wohl herausragendste Fassung der Wissenschaftslehre, nämlich die von 1804, die gemeinhin als sein Meisterwerk betrachtet wird, den 200. Geburtstag feiert. Noch in dieser Fassung zeigt sich Fichte entschieden der Kritischen Philosophie Kants verpflichtet, auch wenn sein Denken nicht nur Kant, der sich 1799 öffentlich von Fichte distanziert hat, sondern auch dem heutigen Kantianer befremdlich scheinen mag. Bloße Logik, so Kant, sei die Wissenschaftslehre. Fichte kontert, ja, transzendentale Logik, Logik des Wissens vom Wissen, Struktur des innersten Kerns alles Wissens. Der reine oder absolute Begriff vom Wissen stellt sich Fichte als ein hochkomplexes Wechselverhältnis von unhintergehbarem intuitivem Wissen und einem Selbsterfassen durch das begreifende Wissen dar. Die Wissenschaftslehre von 1804 ist als eine zweifache Bewegung angelegt, nämlich zuerst als Aufstieg zum Begreifen des absoluten Wissens (1.-15. Vortrag) und dann als Abstieg des erscheinenden Wissens (16.-28. Vortrag). Aufgrund des schwierigen Textes werden wir im Seminar wohl kaum den gesamten Text durcharbeiten können. Vielmehr wird sich das Vorankommen nach dem Interesse und der Zeitinvestition der Teilnehmer richten.

Voraussetzung für benoteten Schein: Kurzreferat und schriftliche Hausarbeit (15 Seiten).

Literatur:

Fichte, Johann Gottlieb: Die Wissenschaftslehre 2. Vortrag im Jahre 1804. Hrsg. von Reinhard Lauth und Joachim Widman, Hamburg: Meiner (1986).

Asmuth, Christoph (1999): Begreifen des Unbegreiflichen. Philosophie und Religion bei Fichte 1800- 1806. Stuttgart.

Gueroult, Martial 1930: L´Evolution de la Structure de la Doctrine de la Science chez Fichte (2 Bde). Paris.

Henrich, Dieter 1967: Fichtes ursprüngliche Einsicht. Frankfurt am Main.

Janke, Wolfgang (1996): Die Wissenschaftslehre von 1804 (1.-15. Vortrag). Text und Kommentar. Frankfurt.

Schlösser, Ulrich 2001: Das Erfassen des Einleuchtens. Fichtes Wissenschaftslehre von 1804. Berlin: Philo Verlagsgesellschaft.

Waibel: Hölderlin und Kant

Mi 17-20, Hölderlin-Turm Bursagasse 6, 14täglich, Beginn: 21.04.

Das Kant-Gedenkjahr 2004 soll Anlaß sein, einmal auch die Aufmerksamkeit auf Hölderlins weniger beachtete Kant-Rezeption zu richten, die sich schon in Briefen aus der Studienzeit in Tübingen dokumentiert, im Studienabgangszeugnis ausdrücklich und lobend erwähnt wird, um auch in den folgenden Jahren Hölderlins philosophisches Nachdenken bis zur Jahrhundertwende und darüber hinaus zu begleiten. Es darf mit Gründen angenommen werden, daß Hölderlin alle drei Kritiken Kants, die Religionsschrift und einige der kleineren Schriften mehr oder weniger genau studiert hat. Im Seminar konzentrieren wir uns auf frühe theoretische Fragmente Hölderlins, auf ausgewählte Briefe und auf den Hyperion und untersuchen, wie sich in diesen Texten Kants Theorie der Freiheit (im theoretischen und praktischen Sinne, sowie als Antinomien der Freiheit nach den drei Kritiken), und seine Konzeption des Schönen und Erhabenen manifestiert. Kant-Kenntnisse sind erwünscht, aber nicht vorausgesetzt. Ausgewählte Textpassagen aus Werken Kants werden wir im Hinblick auf Hölderlins Rezeption gemeinsam studieren.

Voraussetzung für benoteten Seminarschein: Kurzreferat und schriftliche Hausarbeit (15 Seiten).

Literatur:

Hölderlin: Sämtliche Werke und Briefe. 3 Bände, hrsg. von Michael Knaupp. Darmstadt: Wissenschaft-liche Buchgesellschaft 1998 (oder eine andere Ausgabe der Werke Hölderlins).

Kant: Kritik der reinen Vernunft (1781 und 1787).

Kant: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785).

Kant: Kritik der Urteilskraft (1790).

Kreuzer, Johann (Hrsg.) 2002: Hölderlin-Handbuch. Leben - Werk - Wirkung. Stuttgart: Metzler.

Strack, Friedrich 1976: Ästhetik und Freiheit. Hölderlins Idee von Schönheit, Sittlichkeit und Geschichte in der Frühzeit.

Taminaux, Jacques 1967: La Nostalgie de la Grèce à l´Aube de l´Idealisme Allemand. Kant et les Grecs dans l´Itinéraire de Schiller, de Hölderlin et de Hegel. La Haye.

Waibel, Violetta L. 2000: Hölderlin und Fichte. 1794-1800. Paderborn: Schöningh (darin Passagen zu Hölderlin und Kant).

Wimmer: Kants Kritik der praktischen Vernunft

Mi 16-18, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 21.04.

Ziel ist eine gründliche Kenntnis der argumentativen Strukturen des Kantschen Textes. Sie werden erarbeitet mit Hilfe des Kommentars von Lewis White Beck, der in deutscher Übersetzung als UTB Nr. 1833 erschien: Kants "Kritik der praktischen Vernunft".

Leistungsnachweis: ausgearbeitetes Referat oder Hausarbeit.

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Seminare

Braun: Adorno: Negative Dialektik - Kompaktveranstaltung

Heinrich-Fabri-Haus, Auf dem Rucken, 89143 Blaubeuren, Tel. 0 73 44/45 29, Fr 23.07., 15 Uhr - So 25.07. Mittagessen. Vorbesprechung: Di 21.04., 14 Uhr, Burse, Melanchthonzimmer

Zwei Werke bestimmten nachhaltig die deutsche Philosophie des 20. Jahrhunderts, und sei es in Form eiserner Abwehr: die Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente von 1947, Adornos und Horkheimers gemeinsames Werk des Exils, und die Negative Dialektik von 1966, Adornos Vermächtnis aus dem Jahr 1966, wo der kritische Philosoph, in eigenen Worten des Autors, "noch einmal alles in die Waagschale warf".

Das Hauptseminar möchte Einblick in die Gehalte des Meisterwerks, in ihre Funktion und Bedeutung gewinnen. Die Schwerpunkte können die Teilnehmer/Innen selbst bestimmen, in Gestalt von Referaten. Auch Hausarbeiten sind willkommen.

Literatur:

Theodor W. Adorno: Negative Dialektik, stw 113, Frankfurt/Main 1975.

Friedemann Grenz: Adornos Philosophie in Grundbegriffen. Auflösung einiger Deutungsprobleme, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main 1974.

Susan Buck-Morss: The Origin of Negative Dialectics. Theodor W. Adorno, Walter Benjamin, and the Francfort Institute, The Free Press Division of Macmillan Publishing Co. New York 1977.

Michael Löbig, Gerhard Schweppenhäuser (Hrsg.): Hamburger Adorno-Symposion, mit Beiträgen von Hermann Schweppenhäuser, Günther Mensching, Wolfgang Pohrt, Friedrich-Wilhelm Pohl, Rolf Tiedemann, Heinz-Klaus Metzger, Christoph Türcke, Hans-Ernst Schiller, Peter Bulthaup, Wolfgang Hofer und Claudia Kalász, (Dietrich zu Klampen Verlag Lüneburg 1984).

Theodor W. Adorno, hrsg. Von Ludwig Arnold, Beiträge von Peter von Haselberg, Carlo Pettazzi, Hans-Hartmut Kappner, Olaf Hansen, Burkhardt Lindner, Hartmut Scheible, Friedemann Grenz, Jürgen Trabant, Martin Lüdke, Dolf Boehler, Herbert Kaiser, Hans-Klaus Jungheinrich: Kommentierte Bibliographie zu Th. W. Adorno, (text + kritik GmbH München 1977).

Adorno-Konferenz 1983, herausgegeben von Ludwig von Friedeburg und Jürgen Habermas. 1983.stw 460. 471 S.

Willem van Reijen: Adorno zur Einführung, überarbeitete Neuausgabe mit Beiträgen von Peter Schiefelbein und Hans-Martin Lohmann, (Edition SOAK im Junius Verlag Hamburg 1990).

Engels: Grundpositionen der Wissenschaftstheorie des 20. Jahrhunderts

Di 16-19, Verfügungsgebäude, Wilhelmstraße 19, Seminarraum 1.01, Beginn: 20.04.

Die Wissenschaft ist zwar seit jeher ein Gegenstand der philosophischen Reflexion gewesen, doch entstand Wissenschaftstheorie als eigenständige philosophische Disziplin erst im 20. Jahrhundert. Moritz Schlick, einer ihrer Begründer, sprach ihr die Bedeutung einer "Wende der Philosophie" zu. In bewusster Abkehr von ihren bisherigen Bestimmungen wurde Philosophie zunächst als "Methode" oder "Tätigkeit" definiert und ihre Aufgabe als Klärung der Begriffe und Sätze der Wissenschaft durch deren logische Analyse bestimmt. Ausgehend von der Philosophie des Wiener Kreises (Logischer Empirismus) sollen in diesem Seminar die wichtigsten Stationen der Wissenschaftstheorie des 20. Jhs. anhand ausgewählter Texte diskutiert werden und die Entwicklung der Wissenschaftstheorie nachgezeichnet werden. Themen sind Logischer Empirismus, Kritischer Rationalismus, Lakatos' Theorie wissenschaftlicher Forschungsprogramme ("raffinierter Falsifikationismus"), die Theorie wissenschaftlicher Revolutionen von Thomas Kuhn sowie die Lehre von den Denkstilen seines Vorläufers Ludwik Fleck und andere.

Die Bedingungen für den Erwerb eines unbenoteten Leistungsnachweises sind neben regelmäßiger Teilnahme ein Seminarvortrag mit Thesenpapier, für einen benoteten Leistungsnachweis eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit.

Ein Seminarplan mit der zu behandelnden Literatur wird zu Beginn des Semesters verteilt.

Das Seminar richtet sich an Studierende der Philosophie, Biologie, Informatik, Bioinformatik und andere Interessierte.

Geiger/Scarano: Aristoteles, Nikomachische Ethik II

Mo 16-19, Burse, Schellingzimmer, Beginn 26.04.

Das Seminar wird fortgesetzt. Wir werden in diesem Semester die Bücher V bis X der Nikomachischen Ethik untersuchen und, wie im vorigen Semester, neuere Forschungsliteratur in die Diskussion mit einbeziehen. Ein Neueinstieg ist nach Rücksprache mit den Dozenten möglich.

Einen benoteten Schein erhält man durch die Übernahme eines Thesenpapiers und das Verfassen einer Hausarbeit.

Heidelberger: Neue Literatur zur Wissenschaftstheorie der Biologie und Psychologie

Di 16-18, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 20.04.

In diesem Hauptseminar werden Themen an der Schnittstelle der Philosophie der Biologie und Psychologie behandelt, wie z.B. die Philosophie der Gefühle. Ich möchte mich in diesem Seminar besonders nach dem Interesse der Teilnehmer richten. Es wäre schön, wenn Sie sich während der Semesterferien ein Projekt ausdenken könnten und dann an mich herantreten würden (michael.heidelbergerspam prevention@uni-tuebingen.de). Das Seminar ist sowohl für Philosophen gedacht, die ihre Kompetenz im interdisziplinären Dialog verbessern möchten als auch für Biologen/ Psychologen/Naturwissenschaftler, die erfahren wollen, wie Philosophen sich zu Themen stellen, die an der Schnittstelle von Biologie und Psychologie liegen.

Als Literatur könnte in Frage kommen:
Valery G. Hardcastle (ed.), Where Biology meets Psychology, Cambridge, Ma.: MIT Press 1999 oder
W. Bechtel, P. Mandik, J. Mundale, R. S. Stufflebeam (eds.), Philosophy and the Neurosciences: A Reader. Oxford: Blackwell, oder
Literatur zur evolutionären Psychologie wie z.B. das neue Buch von Kim Sterelny, Thought in a Hostile World: The Evolution of Human Cognition, London Blackwell 2003.
Ich möchte versuchen, die Überlappung zu den Themen des Proseminars so niedrig wie möglich zu halten.

Hesse: Husserl, Cartesianische Meditationen

Mo 15-18, 14täglich, Melanchthonzimmer, Beginn: 26.04.

Husserls Denken findet wie kaum ein zweites in den verschiedensten Traditionen heutigen Philosophierens von der analytischen Philosophie des Bewußtseins einerseits bis zu Levinas und Derrida andererseits Anerkennung und Anknüpfung. Seine eigenen Texte aber haben in diesem Rezeptionsvorgang nur wenig von ihrer Sprödheit und Schwierigkeit verloren. Denn Husserls Phänomenologie versteht sich nicht als ein wohlfeiles deskriptives Unternehmen, das beliebige Phänomene in den Blick nehmen könnte, sondern als prima philosophia und somit als Versuch einer neuen Letztbegründung unserer Selbst- und Weltverhältnisse. Dieses Programm bestimmt auch die Argumentation der Cartesianischen Meditationen, in denen Husserl sein Konzept einer transzendentalen Phänomenologie ausdrücklich zu Descartes' Metaphysik der Subjektivität in Bezug setzt. Intentionalität, Objektivität und Fremderfahrung sind dabei die entscheidenden Stichwörter. Im Seminar soll Husserls Text in gründlicher Diskussion erarbeitet werden.

Ein benoteter Schein kann durch eine schriftliche Hausarbeit, eine Klausur oder eine mündliche Prüfung erworben werden.

Text: Husserl, Cartesianische Meditationen (Meiner).

Höffe: Immanuel Kant: Metaphysische Anfangsgründe der Rechtslehre

Mi 15.15-17.30, Burse, Raum X, Beginn 21.04.

Im ersten Teil der "Metaphysik der Sitten", den "Metaphysischen Anfangsgründen der Rechtslehre", entwickelt Kant auf der Grundlage seiner neu konzipierten Moralphilosophie eine systematische Rechtstheorie. Er bestimmt den Begriff des Rechts, stellt ein oberstes Prinzip auf, begründet das Privatrecht (Eigentumstheorie) und das Öffentliche Recht (in den drei Teilen von Staatsrecht, Völkerrecht und Weltbürgerrecht). In dem dreistündigen Intensivseminar werden wir uns Kants Gedanken gemeinsam erarbeiten, die Stichhaltigkeit der Argumentation prüfen und auch auf ausgewählte Texte der Sekundärliteratur eingehen.

Bloße Teilnehmer schreiben ein Protokoll; wer einen benoteten Schein erwerben will, hält ein Referat, das eine Woche vorher in zwei Exemplaren abgegeben und nach der betreffenden Sitzung schriftlich ausgearbeitet wird.

Literatur zur Vorbereitung:

O. Höffe (Hrsg.): Immanuel Kant. Metaphysische Anfangsgründe der Rechtslehre, Berlin 1999 (Klassiker Auslegen Bd. 19).

O. Höffe: Kategorische Rechtsprinzipien. Ein Kontrapunkt der Moderne, Frankfurt/M. 31995

O. Höffe: "Königliche Völker". Zu Kants kosmopolitischer Rechts- und Friedenstheorie, Frankfurt/M. 2001.

Hofmann: Freiheit und Wille: Neuere Diskussionen um die Rolle des Willens für die Freiheit

Mi 18-20, Burse, Melanchtonzimmer, Beginn: 21.04.

Neuerdings geht ein Aufschrei durch die deutsche Intellektuellenszene: "Angriff auf das Menschenbild" (so etwa der Titel eines neueren Hefts von Gehirn und Geist). Neuro- und Kognitionswissenschaftler haben sich angeblich philosophischer Fragen angenommen und legen nun erste und direkte Antworten vor: das Selbst ist eine Illusion und auch der freie Wille. Das Hauptargument für letzteres lautet bei dem Psychologen Wolfgang Prinz etwa: Die Wissenschaft muss von einem Determinismus ausgehen, und da bleibt für einen Willensakt, der keine Ursachen hat, kein Platz mehr. - Wer aber vom freien Willen spricht, tut gut daran, zuerst einmal Begriffsklärung vorzunehmen. Erst dann kann überprüft werden, ob freier Wille und Determinismus kompatibel sind oder nicht. Wir wollen dementsprechend verschiedene Begriffe von Freiheit unterscheiden und einen kritischen Blick auf einige zentrale Argumente werfen, die für oder gegen die eine oder andere Art von Freiheit sprechen.

Zur Vorbereitung empfehle ich einen Blick in das genannte Heft von Gehirn und Geist (von dem ab sofort eine Kopie in einem Ordner im Seminarapparat liegt) oder eines der Werke, die unten angegeben sind.

Scheinerwerb: Referat und Hausarbeit für benoteten Schein, Referat für unbenoteten Schein.

Literatur:

Aufsätze in Gehirn und Geist, "Angriff auf das Menschenbild", Heft Nr. 1/2003.

Bieri, P., Das Handwerk der Freiheit, Hanser, 2001.

Hondrich, T., Wie frei sind wir? Das Determinismus-Problem, Reclam, 1995.

Kane, R., The Significance of Free Will, Oxford University Press, 1998.

van Inwagen, P., An Essay on Free Will, Clarendon, 1983.

Ekstrom, L.W., Free Will, Westview, 2000.

Beckermann, A., "Willensfreiheit in einer natürlichen Weltordnung",

(www.uni-bielefeld.de/philosophie/personen/beckermann/wille_gap_v2.pdf).

Keuth: Karl Popper: Logik der Forschung

Mi 14-16, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 21.04.

Rudolf Carnap zählte Poppers Logik der Forschung schon im Erscheinungsjahr 1935 "zu den wichtigsten gegenwärtigen Arbeiten auf dem Gebiet der Wissenschaftslogik", denn sie überwindet den "Absolutismus der Ursätze" (den Glauben, daß bestimmte Beobachtungssätze gewiß sind). Heute darf man die Logik der Forschung zu den wichtigsten wissenschaftstheoretischen Arbeiten des 20. Jhd. zählen. Sie überwindet auch den Absolutismus einer Erkenntnistheorie in der Form der Transzendentalphilosophie. Bedingung für einen benoteten Schein: Referat.

Literatur:

Karl Popper, Logik der Forschung, Tübingen

Karl Popper, Realism and the Aim of Science, London 1983 (Realismus und das Ziel der Wissenschaft, Tübingen 2002).

Karl Popper, Vermutungen und Widerlegungen, Tübingen 1994.

Klinger: Philosophische Geschlechtertheorien von der Antike bis zur Gegenwart - Kompaktveranstaltung 24.06.-26.06., 10 Uhr, Raum 211, Anmeldung bei Frau Ott, Sekretariat.

Grundlage des Seminars ist die gleichnamige Textsammlung: Philosophische Geschlechtertheorien. Ausgewählte Texte von der Antike bis zur Gegenwart. Hg. v. S. Doyé/M. Heinz/F. Kuster. Stuttgart: reclam 2002. Die gemeinsame Lektüre ist Ausgangspunkt für einen Streifzug durch die Philosophiegeschichte, verbunden mit einer ausdrücklichen Einladung zum Selber-Denken.

Referate zu den in der Sammlung vertretenen Autoren und Autorinnen bzw. zu den einzelnen Kapiteln sind willkommen.

Koch A. F.: Wittgenstein über Regelfolgen und Privatsprache

Do 16-18, Burse, Raum X, Beginn: 22.04.

In der Philosophiegeschichte ist die Erste Philosophie in verschiedenen Formen aufgetreten, als Frage nach dem Seienden als Seiendem, d.h. als Metaphysik (Aristoteles), als Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit synthetischer Urteile a priori, d.h. als Transzendental-philosophie (Kant), zuletzt als Frage nach der Wahrheit und Bedeutung von Sätzen, d.h. als philosophische Semantik (Frege, Russell, Wittgenstein). Wittgenstein hat in seiner Frühphilosophie den semantischen Ansatz in reiner Form durchzuführen, d.h. Bedeutung und Wahrheit ohne Rekurs auf bewußtseins- oder erkenntnistheoretische Begriffe theoretisch zu fassen versucht und ist damit nach eigener Einschätzung gescheitert. In seiner zweiten, späten Philosophie wendet er sich jedoch weder klassischen Formen Erster Philosophie noch dem Naturalismus zu, sondern entwickelt eine ganz eigene Methode des Philosophierens, die sich an der Vorstellung orientiert, daß die Bedeutung eines sprachlichen Ausdrucks sein Gebrauch ist. - Im Sprachgebrauch folgen wir Regeln, die mit Bezug auf äußere Objekte formulierbar sind. Eine Sprache über logisch private ("innere") Objekte ist Wittgensteins Einsicht zufolge unmöglich. Wir wollen im Seminar die Probleme des Regelfolgens (§§ 137-242 der Philosophischen Untersuchungen, Teil I) und die Probleme einer Privatsprache (§§ 243ff.) erörtern und dabei die Interpretation Saul Kripkes als Leitfaden benutzen (S.A. Kripke, Wittgenstein über Regeln und Privatsprache. Eine elementare Darstellung, Ffm 1987.) - In der Seminarbibliothek wird ein kleiner Handapparat mit Forschungsliteratur eingerichtet.

Scheinerwerb: Hausarbeit.

Koch A. F.: Hegel, Wesenslogik III: Erscheinung und Wirklichkeit

Di 20s.t.-22.30, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 20.04.

Dieses Hauptseminar ist das dritte in einer Reihe von Seminaren, in denen Hegels Lehre vom Wesen, also das mittlere der drei Bücher der Wissenschaft der Logik, behandelt wird. Die Seminare sind so konzipiert, daß jedes auch für sich besucht werden kann. Eine gewisse Vertrautheit mit der idealistischen Philosophie (Kant, Fichte, Hegel) ist sicher nützlich, soll aber keine Teilnahmevoraussetzung sein. - Die ersten beiden Seminarstunden (20.00-21.30) dienen der gemeinsamen Arbeit am Text, die dritte Stunde (ca. 21.35-22.20) der Diskussion von Problemen und Möglichkeiten der Hegelschen Logik und der (Hegelschen) Philosophie im allgemeinen. - In der Seminarbibliothek wurde ein kleiner Handapparat mit Forschungsliteratur eingerichtet.

Scheinerwerb: Hausarbeit.

Koslowski: Nikolaus von Kues und der Kampf um die Herrschaft in Kirche und Welt -

Kompaktveranstaltung

13.04.-16.04., 9-12 Uhr, 13-16.30 Uhr, Burse, Raum X, Beginn: 13.04.

Nikolaus von Kues gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des Neuplatonismus im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Er steht für den heute noch geltenden verfassungsrechtlichen Grundsatz der Konkordanz, die Entdeckung der Koinzidenz einander widersprechender Ereignisse und Prinzipien in Zeit und Raum wie für die Überwindung des Widerspruchprinzips, und damit für die Aufhebung der scholastischen ratio zu den sublimeren Fähigkeiten des intellectus. Sieht man in ihm einerseits einen Höhepunkt der neuplatonistischen Philosophie, wird andererseits die Kühnheit seines philosophischen Neuansatzes bewundert: Der Kardinal aus Kues gilt als Wegbereiter Giordano Brunos und Baruch de Spinozas, aber auch als ein lange zu Unrecht vernachlässigter Vorläufer von Nikolaus Kopernikus und Gottfried Wilhelm Leibniz wie des Deutschen Idealismus.

Wir werden die Entstehung von Schlüsselsätzen der Philosophie des Kirchenfürsten im Kontext der politischen und theologischen Auseinandersetzungen seiner Zeit verfolgen: Dabei werden die vordergründige Modernität und Radikalität seiner philosophischen Suche ideengeschichtlich geklärt und mit dem politischen und theologischen Positionswechsel des Cusaners zwischen dem Konzil und dem Papst verbunden. Der Wandel vom überzeugten Konziliaristen zum Herkules Papst Eugen IV. (Aeneas Silvio Piccolomini, der spätere Papst Pius II.) wirft ein Schlaglicht auf die ideengeschichtliche Bedeutung des Kampfes zwischen der Konzilsbewegung und dem Papst, und zwischen den Reichsständen und dem Kaiser am Vorabend der Reformation.

Misselhorn: Politische Philosophie des Sozialstaats

Di 10-12, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 20.04.

Der Sozialstaat ist in der Diskussion. Die Vorschläge zu seinem Umbau übertrumpfen einander und wo manche eine Wandlung des Sozialstaats sehen, befürchten andere seinen Abbau. Um auf diesem unübersichtlichen Terrain Orientierung zu erlangen, gilt es zunächst, die Gerechtigkeitsvorstellungen herauszuarbeiten, die den unterschiedlichen Auffassungen der sozialen Aufgaben des Staates zugrunde liegen. Wir werden uns u.a. mit libertären, egalitären, naturrechtlichen und kommunitaristischen Begründungsansätzen des Sozialstaats auseinandersetzen. In einem zweiten Schritt sollen die Implikationen dieser Ansätze für einzelne Problemfelder untersucht werden, beispielsweise für die Frage, ob es einen begründbaren Anspruch auf Erwerbsarbeit gibt, für das Modell der Sozialversicherung oder die Probleme der Gesundheitsversorgung.

Benoteter Schein: Referat und Hausarbeit

Literatur: Kersting, W. (Hg.): Politische Philosophie des Sozialstaats, Göttingen 2000.

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1.2., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu fach- bzw. berufsethischen Fragen erworben werden (EPG 2).

Newen: Sprache, Referenz und Bedeutung. Neuere Bedeutungstheorien für Eigennamen, Kennzeichnungen und indexikalische Ausdrücke

Mo 14-16, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 19.04.

Im Hauptseminar werden zunächst einige grundlegende Theorien der Eigennamen besprochen (s. Sammelband Wolf 1985). Darauf aufbauend soll dann ein Überblick über die Debatte erarbeitet werden, und zwar zum einen durch Lektüre einer Darstellung der Diskussion (Newen 1996) sowie durch die Lektüre ausgewählter neuerer Aufsätze, die in der ersten Sitzung vorgestellt werden. Die Grundfragen zur Bedeutungstheorie von singulären Termen lassen sich wie folgt grob gliedern:

Was ist die Bedeutung eines Namens, einer Kennzeichnung bzw. eines indexikalischen Ausdrucks?

Wie wird das Referenzobjekt des singulären Terms festgelegt?

Wie verhalten sich die Antworten zur Bedeutung und zur Referenzfestlegung zueinander?

Die Beantwortung dieser Fragen erlaubt uns eine erste Einordnung der vielfältigen Bedeutungstheorien. Sodann soll anhand der Diskussion der Bedeutung singulärer Terme die aktuelle Frage, wie sich Semantik und Pragmatik sprachlicher Ausdrücke abgrenzen lassen, ausführlicher besprochen werden. Es wird sich zeigen, dass die Frage nach der Bedeutung singulärer Terme sich nicht ohne ein klares Konzept der Beziehung zwischen Semantik und Pragmatik beantworten lässt.

Scheinerwerb: mündliches Referat und Hausarbeit.

Literatur (sowie weitere neuere Aufsätze):

Wolf, U. (Hg.), Eigennamen. Dokumentation einer Kontroverse, Frankfurt: Suhrkamp 1985.

Newen, A., Kontext, Referenz und Bedeutung. Eine Bedeutungstheorie singulärer Terme, Schöningh-Verlag, Paderborn 1996.

Newen, A., E. von Savigny: Analytische Philosophie. Eine Einführung, Fink-Verlag, UTB-Taschenbuch, München 1996, Kap. 11.

Pinzani: Habermas' Theorie des kommunikativen Handelns - Kompaktseminar - fällt aus

Schick: Das Urteil und seine Elemente in der Theorie Gottlob Freges

Do 12-14, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 22.04.

Dass mit Freges Urteilstheorie eine für alle weitere Logik und Semantik einschneidende Wende vollzogen wurde, ist ein Gemeinplatz, der hier zum Anlass genommen werden soll, die Hauptzüge dieser Theorie und ihre Begründungen im Zusammenhang zu studieren. Schwerpunkte unserer Betrachtung werden sein: Freges Unterscheidung zwischen Denken, Urteilen und Behaupten; seine Konzeption der Zweigliedrigkeit des elementaren Urteils in Termini von Gegenstand und Begriff; die Anwendung seiner Unterscheidung von Sinn und Bedeutung auf das Urteil; und seine Auffassung von der Bildung komplexer aus elementaren Urteilen.

Scheinerwerb: mündliches Referat mit kurzer schriftlicher Ausarbeitung oder Hausarbeit.

Texte Freges:

Begriffsschrift, Teil I (u. a. in: Gottlob Frege: Begriffsschrift und andere Aufsätze, hg. V. I. Angelelli, Hildesheim/Zürich/New York 1998, 1-24).

Funktion und Begriff; Über Sinn und Bedeutung; Über Begriff und Gegenstand (alle u. a. in: Gottlob Frege: Funktion, Begriff, Bedeutung, hg. v. G. Patzig, Göttingen 1980, 18-39, 40-65, 66-80).

Der Gedanke; Die Verneinung. Eine logische Untersuchung; Gedankengefüge (alle u. a. in: Gottlob Frege: Logische Untersuchungen, hg. v. G. Patzig, Göttingen 1976, 30-53, 54-71, 72-91).

Ausführungen über Sinn und Bedeutung (u. a. in: Gottlob Frege: Schriften zur Logik und Sprachphilosophie. Aus dem Nachlaß, hg. v. G. Gabriel, Hamburg 1990, 25-34.

Schiemann: Leben - Töten - Essen. Aspekte der Pflanzen- und Tierethik

Di 20-22, Burse, Raum X, Beginn: 20.04.

Um zu leben, muss der Mensch essen; um zu essen, tötet er andere Organismen. Dieser naturphilosophisch relevante Zusammenhang hat auch immer ethische Bedeutung. Wenn dem Leben nichtmenschlicher Organismen ein eigener Wert zukommt, kann ihr Töten nicht mehr selbstverständlich hingenommen werden. Die moralische Problematik der Zerstörung anderen Lebens tritt bei der Ernährung auch auf, wenn das Verhältnis zu diesen Organismen in das humane Selbstverständnis eingeht. In technischen Zivilisationen verschärft sich die Thematik vor dem Hintergrund der zunehmenden Variationsmöglichkeiten in der Organisation der Ernährung. Welche Gründe und Möglichkeiten haben die Menschen in der Moderne, die zu Ernährungszwecken nötige Schädigung von Pflanzen und Tieren zu minimieren? Im Seminar werden an der Leitlinie der drei Grundbegriffe Fragen des Wertes und des Schutzes von Pflanzen und Tieren diskutiert.

Qualifizierter Schein: Referat und Hausarbeit.

Literatur:

Heike Baranzke, Franz-Theo Gottwald und Hans Werner Ingensiep (Hg.), Leben - töten - essen: anthropologische Dimension. Stuttgart/Leipzig: S. Hirzel 2000.

Schmidt: Was ist Existenz?

Mi 12-14, Burse Raum X, Beginn: 21.04.

Was ist Existenz? Von der Antwort auf diese Frage hängt einiges ab: etwa die Gültigkeit des ontologischen Gottesbeweises oder die Frage, was eigentlich die ontologischen Konstituentien von Einzeldingen sind. Die prima facie vielleicht nächstliegende Antwort ist: Existenz ist eine Eigenschaft der Dinge - und zwar eine reichlich allgemeine und uninformative Eigenschaft. Lange Zeit war man der Ansicht, diese Antwort sei seit Frege (und vielleicht schon seit Kant, ja sogar seit Gassendi) obsolet; Existenz sei vielmehr eine Eigenschaft von Eigenschaften, nämlich die Eigenschaft, instantiiert zu sein. Diese Ansicht ist seit einiger Zeit aber ebenfalls in die Kritik geraten, und es wurden neue Vorschläge in die Diskussion gebracht. Im Seminar sollen einige neuere und ältere Positionen zu dieser Grundfrage der Ontologie besprochen werden. Scheinerwerb: Hausarbeit oder Referat.

Als Leitfaden für das Seminar wird (voraussichtlich) William Vallicella: A Paradigm Theory of Existence. Onto-Theology Vindicated, Dordrecht etc.: Kluwer, 2002 dienen. Näheres zur Lektüreliste in der ersten Stunde.

Schneider: Thomas von Aquin: De ente et essentia

Mo 16-18, Burse, Raum X, Beginn: 26.04.

Mein Seminar zu Thomas von Aquins Jugendschrift De ente et essentia. Vom Seienden und Wesen richtet sich an die Studierenden der Philosophie (aber auch der Theologie), die ein Interesse an mittelalterlicher Philosophie haben. Obwohl eine Jugendschrift und von geringem Umfang, ist De ente et essentia keineswegs eine leichte Lektüre; vielleicht deshalb, weil sie Thomas im Alter von ungefähr 25/30 Jahren schrieb. Sie ist aber eine unglaublich gute Einführung in das Studium der Philosophie und - wenn denn Metaphysik ihre eigentliche Optik ist, wie M. Heidegger meint - in das Studium der Metaphysik.

Die Schrift liest sich wie eine sehr stark komprimierte Darstellung der (und hier ist in der Tat der bestimmte Artikel angebracht) Metaphysik aus des Thomas Hand. Sie greift die Aristotelischen Grundbegriffe der Metaphysik auf (Form und Materie, Akt und Potenz, Sein und Wesen) und versucht diese begriffslogisch einzuordnen: wie sie sich zum Begriff der Gattung, der Art und der artspezifischen Differenz verhalten. Weiter legt sie einen Entwurf von Metaphysik vor, der bei der Analyse der sogenannten zusammengesetzten Substanzen (wie Mensch, Tier, Pflanzen usw.) einsetzt und bis zu den einfachen Substanzen (wie reine Geistwesen (= Engel) und Gott) führt; sie enthält also auch so etwas wie einen Beweis des Daseins Gottes; und ist im ganzen gesehen eine "Metaphysik von unten" (Peter F. Strawson): insofern eben ein Entwurf von Metaphysik, der bei unserer Erfahrung einsetzt und darüber hinaus das thematisiert, was unsere Erfahrungsgrenzen "übersteigt", dennoch aber in den Horizont der Erfahrung unseres Denkens vom Seinsganzen gehört.

Das Seminar verfolgt das Ziel, durch intensive Interpretation dieser Schrift des Thomas in sein metaphysisches Denken einzuführen. Insofern steht die Teilnahme allen Studierenden offen, die von Thomas, der mittelalterlichen Philosophie und Metaphysik sich einen Erkenntnisgewinn für sich selbst versprechen.

Ein qualifizierter Seminarschein kann durch regelmäßige Mitarbeit und eine Hausarbeit erworben werden. Lateinkenntnisse sind erwünscht, werden aber nicht vorausgesetzt. Literatur wird in der ersten Seminarsitzung bekannt gegeben.

Textgrundlage:

Thomas von Aquin, De ente et essentia. Das Seiende und das Wesen, lat.-dt. v. F. L. Beeretz, Stuttgart (Reclam) 1998.

Schroeder-Heister/Wieckowski: Philosophie der Modalität

Di 14-16, Ort: siehe Aushang zu Beginn des Semesters, Beginn: 20.04.

Sowohl im Alltag als auch in unseren philosophischen Überlegungen greifen wir auf eine ganze Reihe modaler Begriffe zurück. Zu diesen Begriffen gehören unter anderen: Möglichkeit ('Es ist möglich, dass alles aus Materie besteht', 'Ich bin möglicherweise ein Genie'); Notwendigkeit ('Es ist notwendig, dass Junggesellen unverheiratet sind'; 'Sokrates ist notwendigerweise ein Mensch'); kontrafaktische Konditionale ('Wenn sich der Zug nicht verspätet hätte, dann wäre ich pünklich zur Stelle'). Modale Begriffe wie diese spielen in philosophischen Analysen eine wichtige Rolle, z.B. in der Metaphysik (Essentialismus, Kausalität), in der philosophischen Theologie (modale ontologische Gottesbeweise), oder in der Philosophie des Geistes (anti-materialistische Argumente).

Modale Begriffe geben aber auch ihrerseits Anlass zu philosophischen Fragestellungen: Welche Arten von Möglichkeit und Notwendigkeit gibt es? Woher wissen wir, was möglich oder notwendig ist, wenn alles, was wir beobachten können, tatsächlich der Fall ist? Welcher Aspekt der Realität ist dafür verantwortlich, dass eine modale Aussage wahr ist? Wie können wir annehmen, dass es mehr Dinge hätte geben können als es tatsächlich gibt, wenn alles, was existiert, wirklich ist? Wie könnte eine semantische Analyse modaler Aussagen aussehen, die das logische Verhalten modaler Ausdrücke angemessen wiedergibt, ohne sich skurrile metaphysische und erkenntnistheoretische Annahmen zu genehmigen?

Im Seminar werden wir uns mit Fragen wie diesen beschäftigen. Am Anfang wird ein Überblick zur modelltheoretischen Semantik der modalen Prädikatenlogik gegeben werden, der uns einen fokussierten Einstieg in die Behandlung der oben formulierten Fragen erlauben wird. Ein Reader (voraussichtlich mit Texten von S. Kripke, R. Marcus, A. Plantinga, K. Fine, R.M. Adams, A. McMichael, C. Chihara, E. Zalta, D.M. Armstrong, D.K. Lewis, G. Rosen, A. Sidelle und C. Peacocke) wird zu Semesterbeginn bereitgestellt. Das Seminar wird ein (auf Referaten basierendes) Diskussionsseminar sein. Ein Seminarschein kann aufgrund eines ausgearbeiteten Referats oder einer Hausarbeit erworben werden. Weitere Kursinformationen werden auf der Internet-Seite

http://www-ls.informatik.uni-tuebingen.de/psh/lehre/aktuellelehre.html

zu finden sein.

Einführende Literatur:

Hale, Bob: 'Modality', in: B. Hale/C. Wright (eds.), A Companion to the Philosophy of Language, S. 487-514, Blackwell Publishers, 1997.

Wiesing: T. Beauchamp, J. Childress: Principles of Biomedical Ethics

Do 14-16, Burse, Raum X, Beginn: 22.04.

Das Seminar will sich in einem Lektürekurs dem derzeit wohl bekanntesten und einflussreichsten Werk der biomedizinischen Ethik widmen, den "Principles of Biomedicals Ethics" von Beauchamp und Childress. Einzelne Kapitel werden in Form von Referaten vorgestellt und diskutiert.

Wimmer: Platon und Parmenides, Teil I

Do 8.30-10.00, Schellingzimmer, Beginn: 22.04.

In diesem auf zwei Semester angelegten Seminar werden das Lehrgedicht des Parmenides und Platons Dialog Parmenides zunächst für sich und dann in ihrem gegenseitigen Bezug behandelt. Parmenides ist neben Heraklit und Demokrit der bedeutendste der sogenannten 'vorsokratischen Philosophen'. Ihre Texte sind leider nur fragmentarisch überliefert; aber von Parmenides finden sich relativ umfängliche zusammenhängende Stücke, die seine Lehre mit einiger Sicherheit zu rekonstruieren erlauben.

Im ersten Teil des Seminars wird in Aufbau und Fragestellung von Parmenides' Lehrgedicht eingeführt. Dies geschieht u.a. anhand von Kommentaren, zu denen Referate gehalten werden.

Am einfachsten sind die Grundtexte bei Reclam, jeweils zweisprachig, zugänglich: Parmenides, Über das Sein, Reclam Nr. 7739; Platon, Parmenides, Reclam Nr. 8386. Andere Ausgaben sind ebenso willkommen. Zu Beginn des Seminars werden eine Literaturliste ausgegeben und ein Semesterapparat eingerichtet.

Leistungsnachweise sind für jeden der beiden Teile des Seminars erforderlich. Sie können in Form von ausgearbeiteten Referaten oder Hausarbeiten erbracht werden.

Wimmer/Badura/Höhenrieder/Vogel: Kultureller Pluralismus und ethischer Universalismus - China und Europa im Vergleich - Kompaktveranstaltung und Workshop

Vorbesprechung: 21.04., 18 Uhr, Seminar für Sinologie und Koreanistik, Wilhelmstr. 133.

Das Seminar besteht aus (a) einer Kompaktveranstaltung (11.06-13.06.) und (b) einem Workshop (8.07.-10.07.), der den Titel trägt: Pluralität der Universalismen? Die europäische und chinesische Universalismus-Tradition im Vergleich und zu dem Referenten von auswärts geladen werden.

Die zu behandelnden Einzelthemen sowie Räumlichkeiten und genaue Uhrzeiten für die Blockveranstaltung und den Workshop werden bei der Vorbesprechung bekannt gegeben.

Als 'Universalismus' kann eine Auffassung bezeichnet werden, die die vernünftige Allgemeingültigkeit bestimmter moralischer Begriffe und Prinzipien annimmt und zu rechtfertigen versucht. Während es eine Vielzahl von Untersuchungen dazu gibt, welche Begriffe und Prinzipien in diesem Sinne universale Geltung beanspruchen können, hat die Idee der Universalität selbst bislang weniger Aufmerksamkeit gefunden. Vor allem für die Auseinandersetzung mit ethischen Fragen im interkulturellen Kontext erscheint die Unterstellung rationaler universaler Geltung von moralischen Prinzipien als problematisch. Deshalb ist in dieser Hinsicht vor allem zu klären, ob in den jeweils untersuchten Kulturen überhaupt von einem interkulturell gemeinsamen Universalitätsverständnis ausgegangen werden kann.

Diese Klärung wird im Seminar mit zwei verschiedenen Veranstaltungstypen versucht: (a) einer Blockveranstaltung mit einführender Literatur und deren Diskussion und (b) einem öffentlichen Workshop mit teils auswärtigen Referenten. Beide Teile des Seminars zielen darauf ab, mit der europäischen (am Beispiel der kantischen) und der chinesischen (am Beispiel der konfuzianischen) Ethiktradition zwei voneinander unabhängige, aber gleichermaßen prominente und kulturell jeweils prägende ethische Auffassungen miteinander zu vergleichen. Dabei soll geprüft werden, ob die jeweils leitenden Universalitätsverständnisse miteinander kompatibel sind. In einem zweiten Schritt werden die Ergebnisse an einem aktuellen, konfliktgeladenen interkulturellen Diskurs, nämlich dem der Menschenrechte, konkretisiert. Auch hier soll neben ideen- und mentalitätsgeschichtlichen Unterschieden vor allem die Frage nach begrifflichen und normativen Differenzen gestellt werden, die die Schwierigkeiten interkultureller Verständigung begreiflicher machen, um mit ihnen besser umgehen zu können.

Anforderungen: Zur Vorbereitung auf die Kompaktveranstaltung werden bei der Vorbesprechung einführende Texte zur Verfügung gestellt, deren Lektüre für alle Teilnehmenden verpflichtend ist. Außerdem werden Texte angeboten, die in Form von Referaten zur Diskussion gestellt werden. Für den Erwerb eines unbenoteten Teilnahmescheins ist die Teilnahme an beiden Teilen des Seminars obligatorisch. Ein benoteter Schein erfordert die Ausarbeitung eines Referats oder die Anfertigung einer Hausarbeit.

Zenkert: Hegels "Phänomenologie des Geistes" - Kompaktveranstaltung

14.04.-16.04., 10-18 Uhr, Schellingzimemr, Beginn: 10 Uhr

Mit der Phänomenologie sucht Hegel die Schwierigkeit zu meistern, seinem System der Philosophie eine systematische Einleitung voranzustellen, ohne das System bereits vorauszusetzen. Dazu stellt er das Individuum in einem Bildungprozeß dar, dessen unterschiedliche Gestalten so entwickelt werden, daß die Notwendigkeit des Übergangs zu einer anderen Gestalt deutlich wird. Dadurch ergibt sich trotz der schwindelerregenden Fülle von ineinander verschlungenen logischen, metaphysischen, moralischen und geistesgeschichtlichen Themen, die Hegel verarbeitet, ein Zusammenhang. Die Schrift stellt ihre Leser indes vor besondere Probleme, da sich ihr Systemprinzip nicht in eine allgemeine Formel fassen läßt und doch die einzelnen Gestalten mehr als nur assoziativ verknüpft sind. Das gemeinsame Studium ausgewählter Kapitel soll diesem Anspruch Rechnung tragen und zugleich in Erfahrung bringen, inwiefern der Blickwinkel der Phänomenologie Einsichten in Sachfragen vermittelt, die auch heute noch von Bedeutung sind.

Scheinerwerb: Hausarbeit.

Lektüre-Schwerpunkte: Vorrede und Einleitung

I. Die sinnliche Gewißheit; oder das Diese und das Meinen.

IV. Die Wahrheit der Gewißheit seiner selbst; A. Selbständigkeit und Unselbständigkeit des Selbstbewußtseins; Herrschaft und Knechtschaft.

V. Gewißheit und Wahrheit der Vernunft; B. Die Verwirklichung des vernünftigen Selbstbewußtseins durch sich selbst; a. Die Lust und die Notwendigkeit; b. Das Gesetz des Herzens und der Wahnsinn des Eigendünkels.

V. C. Die Individualität, welche sich an und für sich selbst reell ist; a. Das geistige Tierreich und der Betrug, oder die Sache selbst.

VI. B. Der sich entfremdete Geist. Die Bildung; I. a. Die Bildung und ihr Reich der Wirklichkeit; II. Die absolute Freiheit und der Schrecken.

VI. C. c. Das Gewissen, die schöne Seele, das Böse und seine Verzeihung.

Textausgabe: G. W. F. Hegel, Phänomenologie des Geistes, hrsg. von H.-F. Wessels und H. Clairmont. Mit einer Einleitung von W. Bonsiepen, Verlag Hamburg 1988 (Meiner Verlag).

Literatur:
H. F. Fulda, D. Henrich (Hrsg.), Materialien zu Hegels "Phänomenologie des Geistes", Frankfurt a. M. 1973.
T. Pinkard, Hegel's Phenomenology, Cambridge 1994.
D. Köhler, O. Pöggeler (Hrsg.), G. W. F. Hegel. Phänomenologie des Geistes, Berlin 1998.
L. Siep, Der Weg der Phänomenologie des Geistes, Frankfurt a. M. 2000.

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Oberseminare

Frank/Hofmann/Newen: Neuere Theorien des Selbstbewusstseins aus analytischer und kognitionswissenschaftlicher Perspektive - Oberseminar für Doktoranden und Doktorandinnen

Mo 20-23, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 19.04.

Selbstbewusstsein gilt spätestens seit Descartes als das Merkmal, das den Menschen als Vernunftwesen auszeichnet. Nur wer nicht "selbstblind" ist, hat Zugang zur Sphäre des Rationalen (Shoemaker). Das gilt nicht nur für die Theorie, sondern auch fürs Handeln: Ein nicht selbstbewusstes Wesen würde die motivierende Kraft von Vernunftgründen nicht 'unmittelbar' auf sich selbst anwenden können (Burge). Selbstbewusstsein ist daher ein zentraler Begriff zur Charakterisierung unseres Selbstverständnisses von Menschsein. Es ist somit eine der zentralen Aufgaben der theoretischen Philosophie, eine Theorie des Selbstbewusstseins zu entwickeln. Diese Herausfor-derung stellt sich in der Gegenwart radikal und neu, wenn man sie auf dem Hintergrund eines Naturalismus bzw. Physikalismus in der Philosophie des Geistes zu bewältigen sucht.

Ziel des Oberseminars ist es, zentrale Bücher und Artikel zu diskutieren, die in den letzten zehn Jahren als Hauptbeiträge zur Erforschung menschlichen Selbstbewusstseins bewertet werden können. Mitte März wird eine Liste der Texte im Handapparat vorgelegt, die als Arbeitsgrundlage für das Oberseminar dienen können. Diese Liste ist als ein Vorschlag für die Seminarliteratur aufzufassen, der gemäß den Wünschen der Seminarteilnehmer(innen) modifiziert werden kann. Zu den Vorschlägen gehören Auszüge aus den nachfolgend genannten Büchern sowie weitere philosophische und kognitionswissenschaftliche Aufsätze:

Literatur:

Bermúdez, J. L., Marcel., A., Eilan, N. (Hrsg.), 1995, The Body and the Self, Cambridge.

Bermúdez, J. L., 1998, The Paradox of Self-Consciousness, Cambridge.

Metzinger, T., 2003, Being No One, Cambridge Mass: MIT Press.

Newen, Vogeley (Hrsg.), 2. Aufl. 2001, Selbst und Gehirn. Menschliches Selbstbewusstsein und seine neurobiologischen Grundlagen, Paderborn: mentis.

Kognitionswissenschaftliche Aufsätze im Sonderheft von Consciousness & Cognition, 12, 2003.

Höffe: Neuerscheinungen zur Politischen Philosophie und Vorstellung eigener Projekte (Doktorandenkolloquium) Termin nach Vereinbarung

Es werden eigene Projekte der Teilnehmer vorgestellt und neue Literatur zur Politischen Philosophie diskutiert. Neuteilnahme nur nach rechtzeitiger Rücksprache in der Sprechstunde möglich.

Keuth: Klassiker der Wissenschaftstheorie

Mi 9-12, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 21.04.

Das Seminar wird sich mit Beiträgen von Wissenschaftlern und Wissenschaftstheoretikern zu den Themen: 'Wissenschaft und Philosophie', 'Erklärung, Verursachung und Gesetze', 'wissenschaftliche Theorien und Begriffsbildung', 'Wissenschaftlicher Realismus' und 'Prüfung und Bestätigung von Theorien' auseinandersetzen.

Die wichtigsten Beiträge finden sich in:

Yuri Balashov and Alex Rosenberg, eds., Philosophy of Science. Contemporary Readings, London and New York, Routledge 2002, ISBN 0-415-25782-4 Pick It! (pbk).

Bedingung für einen benoteten Schein: Referat.

Szlezák: Texte zur platonischen Dialektik

Do 18.15-20.30, Philologisches Seminar, Konferenzzimmer, Beginn: 22.04.

In Platons Dialogen gibt es keinen Passus, der in der Absicht geschrieben wäre, ein umfassendes Bild der dialektike techne zu bieten. Wer also Platons Dialektikbegriff kennenlernen möchte, ist auf verstreute Texte angewiesen, deren Kompatibilität nicht auf den ersten Blick einleuchtet. Selbst die Frage, ob es ein genuin platonisches kriterion für die Auswahl solcher Texte gibt, wird kontrovers diskutiert - ganz zu schweigen von der Frage, wie sie zu einem sinnvollen Ganzen zu koordinieren wären. - Wir werden uns zunächst mit Texten befassen, die von der Art des rechten Umgangs mit Dialektik und von ihrem generellen Anspruch handeln, danach mit solchen, die die Methodik und die angestrebten Erkenntnisinhalte zum Thema haben. Hierbei wird Kenntnis des jeweiligen dialogischen Zusammenhangs vorausgesetzt.

Dies und die ungewöhnliche sprachliche Schwierigkeit der Dialektik-Passagen bringt es mit sich, daß die bisher übliche Formel: "Kenntnisse des Griechischen auf dem Niveau des Graecums sind erforderlich" leider nicht mehr genügt - ich bitte die Interessenten, sich vor der ersten Sitzung in einem persönlichen Gespräch vorzustellen (Sprechstunde: Freitag 9-10 und nach Vereinbarung, Tel. 297 85 28, vormittags.)

Kolloquien

Fahrenbach: Kolloquium

nach Vereinbarung

Hesse/Proellß: Interdisziplinäres Kolloquium: Carl Schmitts Theorie der Souveränität -

Kompaktveranstaltung 25.06.-27.06.

Den "klügsten und bedeutendsten deutschen Staatsrechtler" hat Jürgen Habermas Carl Schmitt einmal genannt. Jedenfalls aber entfalten die Thesen Schmitts, der bis heute zu den strittigsten Theoretikern des Rechts und seiner Beziehung zum Politischen gehört, immer wieder provozierende Kraft. Das gilt nicht zuletzt für seine Theorie der Souveränität.

Das Kolloquium will Gelegenheit zur Diskussion von Carl Schmitts Souveränitätslehre geben. Wir wollen zu diesem Zwecke nicht nur auf die Vier Kapitel zur Lehre von der Souveränität eingehen, die unter dem Titel "Politische Theologie" (1922) veröffentlicht sind, sondern insbesondere auch auf einschlägige Passagen der Verfassungslehre von 1928. Weitergehende Kenntnis der Schriften Schmitts wie der Schmitt-Rezeption sind sehr erwünscht.

Wir bitten um persönliche Anmeldung bei Dr. jur Proellß oder bei PD Dr. phil Hesse.

Texte: C. Schmitt, Politische Theologie - Vier Kapitel zur Lehre von der Souveränität, Berlin 1990 Duncker & Humblot) und Verfassungslehre, Berlin (Duncker & Humblot) 1993, insbesondere: §§ 1-4 (Verfassungsbegriffe), § 8 (Die verfassunggebende Gewalt), §9 (Legitimität einer Verfassung), aus § 11 (Verfassungsänderungen, S. 99-112), § 13 (Der rechtsstaatliche Gesetzesbegriff) u. § 18 (Das Volk und die demokratische Verfassung).

Kümmel: Gedächtnis und Erinnerung

Fr 18-20, Burse, Melanchthonzimmer, Beginn: 30.04.

Schroeder-Heister: Logik und Sprachtheorie

Zeit und Ort: nach Vereinbarung

Besprechung von neuerer Literatur, Vorstellung von Examensarbeiten sowie gelegentlich Gastvorträge. Interessierte mögen sich per e-mail an arndtspam prevention@informatik.uni-tuebingen.de in den Einladungsverteiler aufnehmen lassen.

Für weitere Informationen vgl. die homepage http://www-ls.informatik.uni-tuebingen.de/psh.

Wimmer: DoktorandInnenkolloquium

Ort und Zeit: nach Vereinbarung.

Arbeitskreise

Hoering: Lernprogramme (insbesondere für Logik)

Di 19-21, Burse, Computerpool, Beginn: 27.04.

Seit einiger Zeit gibt es ein Tutor-Programm zum Einüben des logischen Ableitens in Formalismen der Aussagen-, Prädikaten- und Modallogik, das im Rahmen dieses Arbeitskreises entwickelt worden ist. Dieses Programm wurde zunächst in Pascal für IBM-kompatible Rechner geschrieben; für seine Portierung auf andere Plattformen stellen wir Versionen in C++ mit Hilfe von UML her. Neue Mitglieder, die bereits Kenntnisse in diesen Sprachen besitzen oder stark motiviert sind, sich einzuarbeiten, sind herzlich willkommen.

Koch, D.: Hermeneutische Phänomenologie

Mi 12-14, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 21.04.

Der Arbeitskreis »Hermeneutische Phänomenologie« geht auf eine Initiative von Studierenden zurück. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der hermeneutischen Phänomenologie, so wie sie sich in der ersten systematischen Ausarbeitung in Martin Heideggers »Sein und Zeit« darstellt, vor allem aber mit der Weiterentwicklung bzw. der Veränderung dieses philosophischen Ansatzes in der gereiften Periode der heideggerschen Philosophie - dem sogenannten »Ereignis-Denken« - von Mitte der dreißiger bis zu Beginn der siebziger Jahre.

Im Sommersemester beschäftigen wir uns mit Heideggers Abhandlung »Der Satz vom Grund« (Textgrundlage: M. Heidegger, Der Satz vom Grund, Klett-Cotta, Stuttgart, irgendeine Auflage). Diese Schrift - hervorgegangen aus einer Vorlesung aus dem Wintersemester 1956/57 - ist Heideggers kritische Auseinandersetzung mit der Antwort der neuzeitlichen Philosophie, auf die Begründungsfrage, so wie sie sich im 'Satz vom Grund' manifestiert. Der Arbeitskreis ist für alle an der Sache der hermeneutischen Phänomenologie interessierten und engagierten Studierenden offen.

Computer Pool

Das Philosophische Seminar teilt sich mit dem Kunsthistorischen Institut (KHI), dem Institut für Erziehungswissenschaften (IFE), dem Seminar für Indologie und dem Orientalischen Seminar einen Computer-Pool. Dieser befindet sich im 2. Stock der Alten Burse, Raum 208. Ein Account kann bei Frau Ott, Raum 213, beantragt werden.