Philosophisches Seminar

Sommersemester 2005

Inhalt:

Allgemeine Studienberatung: Dietmar Koch, Fakultätsassistent: Di 10-12, Raum 214

Soweit nicht anders im Kommentar vermerkt, ist die Anmeldung zu den Veranstaltungen nicht erforderlich.

Die Teilnahme an Proseminaren von Studierenden, die die Zwischenprüfung bereits abgelegt haben, bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Seminarleiters.

Sommersemester 2005 (11. April 2005 - 16. Juli 2005)

Semestertermine: Beginn der Vorlesungen: 11.04.2005

Ende der Vorlesungen: 16.07.2005

Vorlesungsfreie Tage: 5.05.2005 (Christi Himmelfahrt)

16.05.2005 (Pfingstmontag)

17.05.2005 (Dienstag nach Pfingsten)

26.05.2005 (Fronleichnam)

&nbsp

Orientierungsnachmittag für Studienanfänger im Fach Philosophie

Montag, den 11.04., 15-19 Uhr, Burse, Raum X

Alle Erstsemester und Studienortwechsler im Studienfach Philosophie sind herzlich eingeladen zur Orientierungsveranstaltung. Ziel der Veranstaltung ist es, den Studierenden einen Überblick über die formalen Anforderungen des Philosophiestudiums zu geben und darüber hinaus wichtige Hinweise für das erfolgreiche Studieren und eine vorausschauende Organisation des Studiums zu liefern.

15-16 Uhr Kurzvorträge zu formalen Studienbedingungen und zu allgemeinen Empfehlungen für das Philosophiestudium in Tübingen.

16-18 Uhr Informelle und individuelle Beratung in studentischen Kleingruppen, die von fortgeschrittenen Studierenden geleitet werden.

18-19 Uhr Dozentenvorstellung

gez.: Prof. Dr. Manfred Frank (Studiendekan)

Vorlesungen

Brachtendorf: Was ist der Mensch? Philosophische Anthropologie

Mo 10-12, Mi 11-12, Hörsaal: siehe Aushang zu Beginn des Semesters, Beginn: 13.04.

Die Frage nach dem Wesen des Menschen bewegt die Philosophie seit ihren Anfängen. Vor dem Hintergrund gegenwärtiger gentechnischer Möglichkeiten und neurophysiologischer Erkenntnisse ist sie noch dringender geworden. Die Vorlesung wird zunächst den Antworten der philosophischen Tradition nachgehen, die das Eigentümliche des Menschen vor allem im Geistbesitz gesehen hat. Über die Deutung der Geistigkeit als Subjektivität wird sich eine Verbindung zu neueren Bewusstseinstheorien ergeben. Schließlich ist die aktuelle Diskussion um das Verhältnis von Geist und Gehirn vorzustellen, die um die Frage kreist, ob der Mensch als eine bloße Informationen verarbeitende Maschine in Analogie zu einem Computer denkbar ist, oder ob es Argumente dafür gibt, an den traditionellen Ideen des Bewusstseins und der Freiheit festzuhalten.

Literatur: Thies, Ch., Einführung in die philosophische Anthropologie, Darmstadt 2004.

Pauen, M., Grundprobleme der Philosophie des Geistes, Frankfurt 2001.

Engels: Ethik und Wissenschaftstheorie der Biowissenschaften

Di 11-13, Kleiner Botanischer Hörsaal, N11, Auf der Morgenstelle 1, Beginn: 12.04.

Die Vorlesung soll in einige der wichtigsten und gegenwärtig meistdiskutierten Gebiete der Bioethik einführen. Bioethische Fragen betreffen uns alle, sie stellen sich in unserem Alltag im Umgang mit dem Lebendigen, bei unserer Ernährung, vor allem aber auch in Wissenschaft und Technik. In der Vorlesung werden nicht nur Fragestellungen der biomedizinischen Ethik (Embryonenforschung, Klonen von Menschen, Gentests, Biobanken als Sammlung, Speicherung und Nutzung menschlicher Körpersubstanzen und der damit verknüpften Informationen usw.), sondern auch solche der Tierethik, der ökologischen Ethik und der Grünen Gentechnik behandelt. In der Tierethik steht das Verhältnis des Menschen zum Tier im Vordergrund, wie es sich in verschiedenen Kontexten darstellt (Tiere in der Forschung, für die Ernährung, transgene Tiere für die Medikamentenproduktion, Haustiere). In der ökologischen Ethik im weiteren Sinne werden Fragen des Natur- und Umweltschutzes behandelt. In eine bioethische Beurteilung gehen immer auch naturphilosophische, philosophisch-anthropologische, wissenschaftstheoretische u. a. Vorannahmen ein, die ebenfalls Gegenstand der Vorlesung sein werden.

Frank: Grundprobleme der Phänomenologie: Bedeutung, Bewusstsein, Zeit

Di 16-18, Hörsaal: siehe Aushang zu Beginn des Semesters, Beginn: 12.04.

Die genannten Probleme erschöpfen natürlich nicht, sind aber repräsentativ für das Spektrum der von Franz Brentano, Alexius Meinong, Edmund Husserl u. a. angestoßenen Denkbewegung. Die Phänomenologie grub dem Neukantianismus in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts allmählich das Wasser ab und wurde neben Frege, Wittgenstein und dem Wiener Kreis als einziger philosophischer Beitrag deutscher Sprache jenseits des Kanals ernst genommen. Ich werde die drei Problemkomplexe nicht nur fasslich vorstellen, sondern mit analytischer Kritik konfrontieren, freilich auch in der Absicht, die Stärken Husserls ihr gegenüber hervortreten zu lassen.

Zur Vorbereitung empfohlen:

Die I. und die V. von Husserls Logischen Untersuchungen (in einer marktgängigen Ausgabe: Niemeyer oder Meiner).

Franz Brentano: "Vom inneren Bewusstsein" (= II. Buch, II. Kapitel des 1. Bandes der Psychologie vom empirischen Standpunkt), PhB192: Meiner 1924 (Nachdrucke).

ders.: "Über Wahrnehmung modo recto, modo obliquo und die Zeitwahrnehmung" (= Erster Abschnitt, Erstes Kapitel, § 5. der Dritten Bandes der Psychologie vom empirischen Standpunkt);

Manfred Frank: Zeitbewußtsein, Pfullingen: Neske, 1990.

Ernst Tugendhat: Vorlesungen zur Einführung in die analytische Philosophie, Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1976 (stw 45), vor allem die Vorlesungen 8.-11.

Heidelberger: Erkenntnistheorie (auch für Psychologiestudenten)

Di 10-12, Hörsaal: siehe Aushang zu Beginn des Semesters, Beginn: 12.04.

Die Erkenntnistheorie stellt die Frage, was Wissen ist und wie wir dazu gelangen. Die Vorlesung nähert sich diesen Problemen auf zwei Wegen: historisch und systematisch. Nach einer Einführung in wichtige historische Positionen wird die analytische Erkenntnistheorie der Gegenwart entwickelt. Hier ist die Unterscheidung zwischen internalistischen und externalistischen Theorien der Rechtfertigung entscheidend. Ein weiterer Themenbereich werden philosophische Wahrnehmungs-theorien sein. (Für die Psychologiestudenten wird am Ende des Semesters eine Klausur angeboten.)

Literatur: Peter Baumann, Erkenntnistheorie, Stuttgart: Metzler 2002.

Höffe: Philosophische Ethik: Prinzip Glück

Do 10-12, Hörsaal: siehe Aushang zu Beginn des Semesters, Beginn: 13.04. (Übung: Do 12.30-14)

In der Geschichte der Philosophie haben sich verschiedene Formen prinzipienorientierter Ethik herausgebildet. Grundsätzlich lassen sich zwei Modelle unterscheiden, von denen das eine von einer Autonomie des Willens als einem Prinzip der Moral ausgeht, während das andere den Titel eines Prinzips für dasjenige reserviert, was als höchstes Gut und als letztes Ziel aller Handlungen gilt: das menschliche Glück (Eudaimonia). In diesem Semester beschäftigen wir uns mit der Ethik des Glücks. Wir untersuchen sowohl den Begriff des Glücks als auch die Voraussetzungen, die man für einen gehaltvollen und doch hinreichend formalen Begriff des Glücks benötigt, nicht zuletzt die Reichweite einer Glücksethik. In der aristotelischen Tradition etwa werden in diesem Zusammenhang der Begriff des Handelns (in seinem Unterschied zum Begriff des Herstellens) und der grundlegende Begriff des Strebens erörtert. In der Vorlesung und der sie begleitenden Übung werden zu dieser zentralen moralphilosophischen Debatte die wichtigsten Positionen vorgestellt und einer kritischen Prüfung unterzogen.

Erster Literaturhinweis: Aristoteles: Nikomachische Ethik, Buch I und Buch X. Kap. 6-9

Kant: Kritik der praktischen Vernunft, 1. Buch, §§ 3 und 8, 2. Buch, 1. und 2. Hauptstück.

Keuth: Erkenntnis oder Entscheidung: Zur Ethik der Frankfurter Schule

Do 10-12, Hörsaal: siehe Aushang zu Beginn des Semesters, Beginn: 14.04.

Die Frankfurter Schule postulierte zunächst, aus der Geschichtsphilosophie ethisches Wissen zu gewinnen. Später entwarfen Apel und Habermas kommunikationsphilosophische bzw. sozialphilosophische Nachfolger der geschichtsphilosophischen Thesen. Auch andere Formen kognitiver Ethiken werden noch gern propagiert, sei es in philosophischen Seminaren, in Ethikzentren oder auch von Politikern. Die Vorlesung wird sich mit solchen Formen politischer Einflussnahme auseinandersetzen.

Koch, A. F: Über Wahrheit, Diskurs und Schein

Do 18-20, Hörsaal: siehe Aushang zu Beginn des Semesters, Beginn: 14.04.

In dieser Vorlesung möchte ich einige Thesen zu Fragen des Realismus und Antirealismus, zum Begriff und zum Faktum der Wahrheit und zu der Struktur und dem Weltbezug der Sprache (des Diskurses) vortragen und begründen. Im Handapparat der Seminarbibliothek wird ein Skriptum der Vorlesung zugänglich gemacht, das freilich mehr Materialien enthält, als in der Vorlesung behandelt werden können. Mein Plan ist es, die Paragraphen 1, 5-13, 18-26 und 35-42 des Skriptums vorzutragen und zu erklären.

Studium Generale

Schroeder-Heister: Mathematische Logik

Di 15-17 (Sand 6, Hörsaal 1), Do 17-19 (Sand 6, Hörsaal 2), Beginn: 12.04.

Es werden die grundlegenden Konzepte und Resultate der Aussagenlogik und der Prädikatenlogik erster Stufe behandelt: Syntax, Semantik, Beweistheorie, einschließlich des Vollständigkeitssatzes für die Logik mit Identität. Die Vorlesung ist für Studierende der Informatik im Hauptstudium konzipiert. Sie kann von Studierenden der Philosophie gehört werden, die hinreichende Interessen an Formalismen und gewisse mathematische Grundkenntnisse mitbringen. Spezielle Vorkenntnisse aus dem Gebiet der Logik sind nicht erforderlich. Es werden wöchentlich Übungsaufgaben ausgegeben, die zu bearbeiten und abzugeben sind und in der obligatorischen Übungsgruppe (2-stündig) besprochen werden. Es ist geplant, eine separate Übungsgruppe für Studierende der Philosophie einzurichten, falls entsprechende Nachfrage besteht. Wer daran interessiert ist, möge dies möglichst frühzeitig durch e-mail an mich bekunden (pshspam prevention@informatik.uni-tuebingen.de).

Literatur: D. van Dalen, Logic and Structure, Springer: Berlin (div. Auflagen).

"Durch den Besuch der Übungen können Studierende der Philosophie einen Seminarschein erwerben. Als Leistungsnachweis wird die Bearbeitung einer bestimmten Anzahl von Übungsaufgaben gefordert."

Zurück zum Seitenanfang

Zurück zur Startseite der Philosophischen Fakultät

Übungen zu den Vorlesungen

Höffe: Philosophische Ethik: Prinzip Glück

Do 12.30-14, Burse, Melanchthonzimmer, Beginn: 13.04.

Schroeder-Heister/Arndt: Mathematische Logik

Termin wird in der Vorlesung bekannt gegeben.

Die Übungen zur Vorlesung "Mathematische Logik" zählen für Studierende der Philosophie als Seminar. Aufgrund erfolgreicher Bearbeitung von Übungsaufgaben wird ein benoteter Seminarschein vergeben.

Zurück zum Seitenanfang

Zurück zur Startseite der Philosophischen Fakultät

Einführungsveranstaltungen

Newen: Einführung in die Philosophie mit dem Schwerpunkt Analytische Philosophie

Einführungsvorlesung für Erstsemester

Mi 10-12, Hörsaal: siehe Aushang zu Beginn des Semesters, Beginn: 13.04.

Analytische Philosophie ist eine wegweisende Hauptströmung der Gegenwartsphilosophie. Sie hat ihre Wurzeln in Europa bei den Philosophen Bolzano, Frege, Russell und Wittgenstein. Ausgehend von der sprachphilosophischen Betrachtung entwickelte sich in den dreißiger Jahren mit dem Wiener Kreis die wissenschaftstheoretische Perspektive (Carnap, Popper). In den vierziger Jahren entstanden die ersten Grundzüge der Philosophie des Geistes (Ryle). Schließlich erweiterte sich Ende der sechziger Jahre das Spektrum der Analytischen Philosophie radikal: Zum einen entwickelte sich eine neuere Sprachphilosophie (Quine, Davidson, Grice, Kripke), die direkte Konsequenzen für allgemeine Probleme der Philosophie hat, indem neue Antworten auf alte Fragen entwickelt wurden:

(a) Können wir eine Unterscheidung von analytisch und synthetisch aufrecht erhalten?

(b) Was heißt es, einer Regel zu folgen?

(c) Was sind die Grundlagen einer Interpretation von sprachlichen Zeichen?

Darüber hinaus sind klassische Disziplinen der Philosophie ganz wesentlich von analytischen Philosophen weiterentwickelt worden, z. B. die Erkenntnistheorie durch Putnam, die Handlungs-theorie durch Davidson, die Ontologie durch Quine und Lewis, die Moralphilosophie durch Rawls und Parfit, die Ästhetik durch Goodman. Schließlich ist in den letzten beiden Jahrzehnten die sprachliche Wende (linguistic turn) in der Analytischen Philosophie durch eine kognitive Wende abgelöst worden, indem Fragen des Bewusstseins, der mentalen Fähigkeiten des Menschen zunehmend alle Bereiche des systematischen Philosophierens durchdringen und eine eigene neue Teilströmung entstanden ist, die Philosophie der Kognition.

Die Vorlesung richtet sich insbesondere an Erstsemester, aber sie ist selbstverständlich für alle Studierenden offen. Ziel der Vorlesung ist, einen Überblick über die Entwicklung der Analytischen Philosophie im 20. Jahrhundert zu liefern und außerdem möglichst die Weiterentwicklung der genannten systematischen Disziplinen exemplarisch vorzustellen. Dabei werden keine spezifischen Voraussetzungen gemacht.

Literatur:

Newen, von Savigny: Einführung in die Analytische Philosophie, München 1996.

Koch, D.: Einführung in Grundprobleme und Grundbegriffe der Geschichte philosophischen Denkens für Studienanfänger

Mo 10-12, Burse, Raum X, Beginn: 11.04.

Die Einführungsveranstaltung dient der umfassenden Grundorientierung im Philosophiestudium. Sie ist reserviert für Erst- und Zweitsemester im Fach Philosophie.

Aufgabe der Veranstaltung ist es, Kenntnisse zum Studienablauf und zur Studienorganisation zu vermitteln, grundlegende Literatur bekannt zu machen, eine Anleitung zu wissenschaftlichen Arbeiten zu geben, vor allem jedoch in Grundprobleme und Grundbegriffe philosophischen Denkens einzuführen. Dies geschieht anhand von Textauszügen zentraler philosophischer Werke von der Antike bis ins 20. Jahrhundert.

Zurück zum Seitenanfang

Zurück zur Startseite der Philosophischen Fakultät

Proseminare

Bojanowski/Höffe: Heidegger: Sein und Zeit

Mi 18-20, Burse, Melanchthonzimmer, Beginn: 20.04. Zusätzliche Lehrveranstaltung

Martin Heideggers Sein und Zeit gehört unbestritten zu den einflussreichsten philosophischen Texten des 20. Jahrhunderts. Über den philosophischen Wert und die Reichweite dieses Textes besteht dagegen nach wie vor Uneinigkeit. Wie kaum ein anderer Text ist Sein und Zeit ein Dokument der Spaltung zwischen hermeneutischer und analytischer Philosophie. Ein Teil der Ablehnung ist durch die äußerst eigenwillige Terminologie selbstverschuldet. Heidegger verlangt von seinem Leser ein hohes Maß an Übersetzungsarbeit. Dies zu leisten und anhand einiger ausgewählter Textstücke in das Projekt von Sein und Zeit einzuführen, ist das Ziel dieses Seminars. Wir wollen zunächst Heideggers Kritik an Kant und Descartes rekonstruieren, um von dort aus seinen fundamentalontologischen Neuansatz in Sein und Zeit auszuarbeiten. Auf dieser Grundlage wird es schließlich möglich sein, den Wert von Heideggers Theorieentwurf zu erörtern.

Für den Erwerb eines qualifizierten Scheines müssen während des Semesters drei kurze Essays geschrieben werden.

Text:
Martin Heidegger: Sein und Zeit. Tübingen, Aufl. 17, 1993.

Dietrich: Einführung in die Allgemeine Ethik (EPG 1)

Mi 14-16, Verfügungsgebäude, Wilhelmstr. 19, Raum 1.01, Beginn: 13.04.

Das Seminar führt in einem interdisziplinären Rahmen in die Grundlagen der Allgemeinen Ethik ein. Das Ziel ist es, einen systematischen Überblick über Grundbegriffe und Begründungsansätze der Allgemeinen Ethik zu geben, das Verhältnis von Ethik zu den (anderen?) Wissenschaften zu reflektieren und eine theoretische Grundlage für die Bearbeitung konkreter ethischer Fragen zu gewinnen. In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1.1., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu ethisch-philosophischen Grundfragen erworben werden (EPG 1).

Voraussetzungen: keine.

Benoteter Schein: Aktive Mitarbeit und Abschlussklausur oder Hausarbeit.

Dörge: Sprechakte How to Speak about Words

Mo 16-18, Burse, Melanchthonzimmer, Beginn: 18.04.

Der wohl prominenteste Begriff der pragmatisch orientierten Sprachphilosophie ist der des "illokutionären Aktes". Um die Vorzüge dieses Begriffs einschätzen und nutzen zu können, ist es trivialerweise notwendig, zu wissen, worauf er referiert. Es gibt nun allerdings verschiedene mehr oder weniger starke Strömungen in der Sprechakttheorie, deren Vorstellung über die Intension des Begriffs und damit wohl auch über den Gegenstandsbereich der Theorie "illokutionärer Akte" beträchtlich differieren. Das Ziel des Seminars ist ein differenzierter Überblick über die wichtigsten Auffassungen darüber, worauf das Wort "illokutionärer Akt" referieren kann. Behandelt und verglichen werden sollen die Definitionen (Charakterisierungen) von Austin (1962) und Kemmerling (2001). Die meisten Texte sind nur in Englisch verfügbar. Wer sich im Vorhinein ein lustiges Referat sichern möchte, kontaktiert mich unter christoph.doerge@web.de.

Regelmäßige ernsthafte Lektüre wird erwartet.

Benoteter Schein: Referat und Hausarbeit.

Engels: Ausgewählte Probleme der Bioethik Begleitseminar zur Vorlesung (EPG 2)

Mi 10-12, Verfügungsgebäude, Wilhelmstr. 19, Raum 1.01, Beginn: 13.04.

Das Proseminar dient der Vertiefung von Themenstellungen der Vorlesung. Für Studierende der Philosophie, Biologie und des EPG 2-Studiums ist die Bedingung für den Erwerb eines unbenoteten Leistungsnachweises neben regelmäßiger Teilnahme ein Seminarvortrag mit Thesenpapier, für einen benoteten Leistungsnachweis eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit. Die Anforderungen für Studierende anderer Fächer richten sich nach deren Studienbedingungen.

Eine Liste der im Seminar zu behandelnden Literatur wird zu Beginn des Semesters verteilt.

In diesem Seminar kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1.2., WPO für das Lehramt an Gymnasien erworben werden (EPG 2).

Geiger: Platon, Phaidon

Di 10-12, Burse, Raum X, Beginn: 12.04.

Der Phaidon ist ganz zu Recht einer der berühmtesten Platonischen Dialoge. Der Dialog, der die letzten Stunden von Sokrates im Kreise seiner Schüler darstellt, vermittelt einen Einblick in zentrale Themen der Platonischen Philosophie (Unsterblichkeit der Seele, Ideenlehre, dialektische Methode, Philosophie als Lebensform u. a.), die wir uns durch eine genaue Lektüre gemeinsam erarbeiten wollen.

Wir lesen den Text in der Übersetzung von Schleiermacher, die in verschiedenen preisgünstigen Ausgaben erhältlich ist. Die schriftliche Leistung, für die man einen benoteten Schein erhält, besteht in zwei Interpretationsessays, die während des Semesters zu verfassen sind.

Heidelberger: Einführung in die Wissenschaftsphilosophie

Mi 10-12, Burse, Raum X, Beginn: 13.04.

Die Philosophie hat sich in ihrer Geschichte immer wieder auch mit den Erfahrungswissenschaften auseinandergesetzt und sich an ihnen orientiert. Dies ist in der Gegenwart nicht anders. Zu einem Philosophiestudium gehört also auch eine grundlegende und gründliche Auseinandersetzung mit den Wissenschaften. Im Proseminar werden die wichtigsten Probleme und Themen der gegenwärtigen Wissenschaftsphilosophie behandelt, die zu einer kritischen philosophischen Beschäftigung mit den Wissenschaften notwendig sind.

Scheinerwerb durch Referat und Hausarbeit.

Hoffmann, V.: Existenz, Analytizität, Bedeutung. Einführung in die Philosophie Quines

Di 14-16, Burse, Raum X, Beginn: 12.04.

Willard Van Orman Quine (1908-2000) war einer der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. In seinen Werken hat er klassische Auffassungen über Sprachbedeutung, Epistemologie und Ontologie einer radikalen Kritik unterzogen und damit die Analytische Philosophie der Gegenwart entscheidend geprägt. Seine Position lässt sich an verschiedenen provokanten Thesen festmachen: Bedeutungen sprachlicher Ausdrücke bleiben stets bis zu einem gewissen Grade unbestimmt. Daher können verschiedene Sprecher unterschiedliche Meinungen darüber haben, welche Objekte in ihrer Umwelt existieren. Die klassische Unterscheidung zwischen synthetischen und analytischen Sätzen resultiert aus einem fehlgeleiteten Bedeutungsbegriff und ist nicht haltbar. Die Aussagen unserer wissenschaftlichen Theorien können nicht einzeln verifiziert oder falsifiziert werden; vielmehr müssen Theorien als Ganze unseren Beobachtungen standhalten.

Ziel des Seminars ist es, einen einführenden Überblick über die wichtigsten Aspekte der Quineschen Philosophie zu geben, wobei auch diejenigen Positionen der traditionellen Philosophie zur Sprache kommen sollen, die Quine kritisiert. Wir wollen somit anhand ausgewählter Texte nachvollziehen, gegen welche Thesen Quine sich abgrenzt und wie er seinen eigenen Gegenentwurf entwickelt.

Das Seminar richtet sich an Philosophiestudierende im Grundstudium. Grundlage für einen unbenoteten Schein ist ein Referat, für einen benoteten Schein ein Referat und eine schriftliche Ausarbeitung (10-12 Seiten).

Einführende Literatur:

Keil, G. (2002): Quine zur Einführung, Hamburg: Junius Verlag.

Gibson, R. F. (Hrsg.) (2004): The Cambridge Companion to Quine, Cambridge: Cambridge University Press.

Keul: Verantwortung und Wissenschaft. Einführung in die philosophische Ethik (EPG 1)

Kompaktveranstaltung: 18-07.-20.07.2005, 10-18 Uhr, Burse, Raum X

Vorbesprechung: 19.04., 12-13 Uhr, Burse, Melanchthonzimmer

Zu einem der Schlüsselbegriffe philosophischer Ethik zählt der Begriff der Verantwortung. Nach einer mehrfachen Relation ausdifferenziert: dem Subjekt, dem Gegenstand, dem Gegenüber der Verantwortung und nicht zuletzt einer Instanz, vor der man sich zu verantworten hat, bildet dieser Begriff einen neuralgischen Punkt im intersubjektiven Gewebe menschlicher Angelegenheiten. Zugleich verweist er grundsätzlich auf ein anspruchsvolles Konzept menschlicher Freiheit, das nicht allein die Folgen des Handelns mitbedenkt, sondern sich über den Bereich des Individuellen hinaus auch auf den kooperativen Aspekt der Institutionen erstreckt.

Anhand des Begriffs Verantwortung will dieses Proseminar in die philosophische Ethik einführen. Ausgehend von der philosophischen Tradition, namentlich von Aristoteles und Kant, werden Texte zu gegenwärtigen Theorien der Verantwortung (Jonas, Höffe, Lenk und Bayertz) gemeinsam gelesen und diskutiert. Im letzten Teil des Seminars werden wir auf einige Probleme der angewandten Ethik eingehen, wobei die Frage nach dem Verhältnis von Wissenschaft und Verantwortung im Zentrum stehen soll.

Das Seminar wendet sich an Studierende aller Fächer. In der Veranstaltung kann ein Leistungs-nachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1.1., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu ethisch-philosophischen Grundfragen erworben werden (EPG 1).

Benoteter Schein: Mitarbeit und Abschlussklausur.

Keuth: Alltagswissen, Wissenschaft und Skeptizismus

Do 14-16, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 14.04.

Gibt es sicheres Wissen? Gibt es überhaupt Wissen? Kann man Meinungen rechtfertigen? Gibt es ein Kriterium der Wahrheit? Die Skepsis antwortet auf alle oder zumindest einige dieser Fragen mit "nein". Das Seminar wird sich mit einem modernen Text auseinandersetzen, der solche Antworten prüft, beginnend mit der antiken Skepsis und endend mit aktuellen Positionen.

Literatur: Alan Musgrave, Alltagswissen, Wissenschaft und Skeptizismus, Tübingen 1993, UTB 1740.

Ein benoteter Schein kann aufgrund eines Referats erworben werden.

Koch, A. F. Aristoteles, Zweite Analytik Interpretationskurs I

Do 16-18, Burse Raum X, Beginn: 14.04.

In diesem zweisemestrigen Kurs lesen und interpretieren wir die Analytica posteriora des Aristoteles, in denen er seine Theorie der wissenschaftlichen Erkenntnis vorträgt. Im ersten Teil des Kurses soll der größte Teil des ersten Buches (etwa die Kapitel 1-22) behandelt werden. In der Seminarbibliothek wird ein Handapparat mit Forschungsliteratur eingerichtet. Für den Scheinerwerb sind aktive Mitarbeit (Bereitschaft zur Übernahme eines Stundenprotokolls) und eine Hausarbeit pro Semester erforderlich, von denen eine durch ein Referat ersetzt werden kann. Griechischkenntnisse sind erwünscht, aber keine notwendige Bedingung der Teilnahme.

Koch, D.: Fragmente der Vorsakratiker Lektürekurs für Erst- und Zweitsemester

Di 18-20, Burse, Raum X, Beginn: 12.04. (In der ersten Sitzung findet eine Vorbesprechung statt.)

Der Umgang mit philosophischen Schriften bedarf bestimmter "handwerklicher" Voraussetzungen: die Fähigkeit eines begrifflich genauen Lesens, das Vermögen, die spezifische Problemstellung eines Textes herauszupräparieren, die Beherrschung der charakteristischen Begrifflichkeit eines Autors, zudem die stete Beachtung der Differenz von Textauslegung und eigener Sachinterpretation und anderes mehr.

Der Lektürekurs für Erstsemester will über die Demonstration dieser Umgangsweisen hinaus anhand der überlieferten Fragmente von Parmenides, Heraklit, Anaximander im Blick auf den geschicht-lichen Anfang des abendländischen Philosophierens in die Eigenart und in den Reichtum philosophischer Probleme und philosophischen Denkens einführen.

Die Veranstaltung ist für Erst- und Zweitsemester im Studienfach Philosophie bzw. Philosophie/Ethik bestimmt. Griechischkenntnisse sind nicht vorausgesetzt.

Leistungsnachweis für einen unbenoteten Schein: Übernahme eines Protokolls (Umfang: 2-3 Seiten). Eine Vorschlagsliste wird zu Beginn des Semesters ausgegeben.

Leistungsnachweis für einen benoteten Schein: Hausarbeit (Höchstumfang: 15 Seiten; Abgabetermin: bis 30. September 2005). Eine Vorschlagsliste wird zu Beginn des Semesters ausgegeben.

Textgrundlage:

Heraklit. Fragmente. Griechisch und deutsch. Hrsg. von Bruno Snell, München/Zürich 1989.

Parmenides. Text, Übersetzung, Einführung und Interpretation von Kurt Riezler. Frankfurt/Main 1970.

Die Vorsokratiker I. Griechisch und deutsch. Übersetzung von Jaap Mansfeld. Stuttgart 1983.

Koch, D.: Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra Interpretationskurs II

Do 18-20, Burse, Raum X, Beginn: 14.04. In der ersten Sitzung findet eine Vorbesprechung statt.

In diesem zweisemestrigen Interpretationskurs beschäftigen wir uns mit Friedrich Nietzsches philosophischer Dichtung bzw. dichterischer Philosophie "Also sprach Zarathustra". Wir werden den Versuch machen, uns an die Grundthemen des Denkens Nietzsches das heißt "Wille zur Macht", "Übermensch", "Ewige Wiederkehr des Gleichen" und "Amor Fati" bzw. "Nihilismus" und "Überwindung des Nihilismus" heranzutasten und ihren gegenseitigen Zusammenhang zu erkunden. Zugleich wird es stets mit darum gehen, das Verhältnis von Philosophie und Dichtung ausgehend von Nietzsches Werk zu bestimmen.

Scheinerwerb: eine Hausarbeit pro Semester (Umfang: 10 bis 15 Seiten à 2000 Anschläge). Eine Vorschlagsliste von Hausarbeitsthemen wird zu Beginn ausgegeben. Bitte beachten Sie, dass in einem Interpretationskurs nur benotete Scheine erworben werden können.

Textgrundlage: Friedrich Nietzsche: Sämtliche Werke in Einzelbänden. Kritische Studienausgabe: Band 4: Also sprach Zarathustra (I-IV). Herausgegeben von Georgio Colli und Mazzino Montinari. München 1999 [Deutscher Taschenbuchverlag dtv].

Kreß: Hegels Phänomenologie des Geistes Interpretationskurs II

Di 12-14, Burse, Raum X, Beginn: 12.04.

Im zweiten Teils des Interpretationskurses sollen das Kapitel Selbstbewusstsein sowie zentrale Stellen aus der Vorrede und dem Vernunftkapitel teils in Referaten vorgestellt, teils gemeinsam interpretiert werden.

Scheinerwerb für den gesamten Interpretationskurs: Ein Sitzungsprotokoll sowie ein schriftlich ausgearbeitetes Referat oder eine Hausarbeit.

Literatur:

G. W. F. Hegel: Phänomenologie des Geistes (vorzugsweise die Meiner-Ausgabe; die Suhrkamp- und die Reclam-Ausgabe sind ebenfalls verwendbar).

Hans-Georg Gadamer: Hegels Dialektik des Selbstbewußtseins; in: H.F. Fulda/D. Henrich (Hrsg.): Materialien zu Hegels "Phänomenologie des Geistes", Frankfurt 1973.

Werner Marx: Das Selbstbewußtsein in Hegels Phänomenologie des Geistes, Frankfurt 1986.

Robert Pippin: Hegels Idealism. The Satisfactions of Self-Consciousness, Cambridge 1989.

Weitere Literaturhinweise finden sich im Seminarordner im Handapparat.

Kreß: Kant: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. Einführung in die philosophische Ethik

(EPG 1) Mo 14-16, Burse, Raum X, Beginn: 11.04.

Kants Begründung des Sittengesetzes aus reiner praktischer Vernunft gehört zu den bedeutendsten Konzepten der Moraltheorie. Auch für viele gegenwärtige Ethiken, die sich vom "gesinnungs-ethischen" Ansatz Kants distanzieren, bildet sie den zentralen theoretischen Bezugspunkt. Das Seminar soll in den ersten Sitzungen einen groben historischen und systematischen Überblick über die Grundfragen der Ethik vermitteln. In gemeinsamer Lektüre und Interpretation soll dann die Struktur der Kantischen Überlegungen in der "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" erarbeitet werden.

Scheinerwerb: Je nach Teilnehmerzahl Kurzreferat mit schriftlicher Ausarbeitung oder Klausur.

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagen-studium nach Anlage C, 1.1., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu ethisch-philosophischen Grundfragen erworben werden (EPG 1).

Literatur:

Immanuel Kant: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785). (Verwendbar ist jede vollständige Ausgabe; im Felix Meiner Verlag ist 1999 eine neue Ausgabe von B. Kraft und D. Schönecker erschienen).

Als zur Einführung geeignete Kommentare seien genannt:

H. J. Paton: Der Kategorische Imperativ, Berlin 1962.

D. Schönecker/A. Wood: Kants "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten". Ein einführender Kommentar. Paderborn 2002.

Weitere Literaturhinweise werden in der ersten Sitzung gegeben.

Loewe: John Rawls The Law of Peoples

Do 18-20, Burse, Melanchthonzimmer, Beginn: 21.04.

Der Geltungsbereich von John Rawls Theorie der Gerechtigkeit (in seinen Werken Theorie der Gerechtigkeit (1971) und Politischer Liberalismus (1993)) findet seine Grenzen an den politischen Grenzen staatlich organisierter Gesellschaften. Schon Ende der 70er und in den 80er Jahren haben einige Autoren dafür argumentiert, dass diese selbst auferlegte Beschränkung im Widerspruch zu den zentralen Annahmen der Theorie stehe (vgl. Beitz 1979; Pogge 1989). Aus dieser Perspektive sollte Rawls Theorie die Grundlage für eine kosmopolitische Theorie bilden. Rawls The Law of Peoples (1993, 1999) ist meistens als die globale Fassung seines politischen Liberalismus, der zunächst innerhalb von Staaten konzipiert wurde, verstanden worden. Dabei macht Rawls jedoch seine Position deutlich: Er entwickelt ein "Recht der Völker" und keine Theorie globaler Gerechtigkeit. Gegen diese Sichtweise der moralischen Aspekte internationaler Beziehungen wurden zahlreiche Kritikpunkte geäußert. Wie überzeugend und kohärent ist Rawls Theorie, sowohl von innerhalb seiner gesamten Gerechtigkeitstheorie als auch von außerhalb betrachtet? Was ist seine Antwort auf die kosmopolitischen Kritikpunkte? Ziel des Seminars ist es, Rawls The Law of Peoples (dt. Übersetzung vorhanden) zu erarbeiten. Dabei werden wir auch einige wichtige Aufsätze über Rawls Theorie heranziehen.

Es wird ein Reader mit Aufsätzen erstellt. Scheinerwerb: Referat mit Ausarbeitung oder Hausarbeit.

Merle: Einführung in die Moralphilosophie: Kant, Schopenhauer, Nietzsche (EPG 1)

Fr 16-18, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 15.04.

Die schottische Moralphilosophie sah den Ursprung der Moral und zwar sowohl das Prinzip der Moral als auch das Motiv moralischen Handelns in einem moralischen Sinn (moral sense). Kant bricht radikal mit dieser Tradition: die Moral besteht in einem Gesetz a priori; als kategorischer Imperativ soll sich dieses Gesetz gegen die Neigungen durchsetzen. Als einziges moralisches Gefühl gilt nur noch der Respekt, der mit einer Unterdrückung der sinnlichen Neigungen verbunden ist. Schopenhauer, dann Nietzsche sehen nicht nur den Ursprung der Moral im Gefühl, sondern erklären die Kantische Moral auch unter diesem Gesichtspunkt und verwerfen sie. Für Schopenhauer besteht der Gegensatz zur Selbstsucht nicht im kategorischen Imperativ, sondern im Mitleid mit dem Schmerz der anderen. Der kategorische Imperativ wird als theologisches Muster eines autoritären Gottes "entlarvt". Für Nietzsche stammt die Moral aus der biologisch verwurzelten Unterscheidung zwischen "Gut" und "Böse", als Verhalten der Starken bzw. der Schwachen. Erst eine durch die Schwachen als Ressentiment durchgeführte Umkehrung der Moral sprich: der Verhaltensregeln zu einer asketischen bzw. Kantischen Moral ermöglicht es, die Moral der Starken als "böse" und die der Schwachen als "gut" zu bezeichnen.

Das Ziel des Proseminars besteht darin, anhand der Moraltheorien von Kant, Schopenhauer und Nietzsche eine Einführung in Begriffe, Theorien und Argumentationsformen der philosophischen Ethik zu geben. Das Seminar ist für Studierende aller Fakultäten geeignet.

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1.1., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu ethisch-philosophischen Grundfragen erworben werden (EPG 1).

Benoteter Schein: Referat und Hausarbeit.

Werke:

Kant, Immanuel (1785): Grundlegung zur Metaphysik der Sitten.

Schopenhauer, Arthur (1839): Über die Grundlage der Moral.

Nietzsche, Friedrich (1887): Zur Genealogie der Moral.

Mirbach: Theorien des Schönen und der Kunst in der Philosophie der Antike

Interpretationskurs II Fr 12-14 Änderung!, Burse, Raum X, Beginn: 15.04.

Im zweiten Semester des Interpretationskurses wollen wir uns, nach Abschluss und auf der Grundlage unserer Platon-Lektüre vor allem mit Plotin (Enneaden I 6, III 8 und V 8), aber auch mit der Weiterentwicklung der platonischen/plotinischen Lehre vom Schönen in der spätantiken Philosophie bei Augustinus (Confessiones) und Dionysius Areopagita (De divinis nominibus) befassen.

Benoteter Schein: Pro Semester eine schriftliche Hausarbeit.

Textgrundlage:

Es wird ein Textreader zusammengestellt, der zu Beginn des Semesters erworben werden kann.

Misselhorn: Logischer Empirismus Wiener Kreis

Di 10-12, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 12.04.

Die Keimzelle des logischen Empirismus bildet der sog. Wiener Kreis, ein loser Zusammenschluss einer Gruppe von Wissenschaftlern, die sich etwa ab 1925 in Wien damals ein pulsierendes Zentrum neuer Entwicklungen in Wissenschaft und Kunst zusammenfanden. Zu den Mitgliedern der Gruppe gehörten u. a. Moritz Schlick, Rudolf Carnap, Kurt Gödel, Hans Hahn und Otto Neurath. Ludwig Wittgenstein und Karl Popper gehörten zwar nicht zum Wiener Kreis, waren aber wesentlich davon beeinflusst. 1929 wurde der Anspruch des Wiener Kreises zum ersten Mal programmatisch in der Schrift Wissenschaftliche Weltauffassung der Wiener Kreis formuliert. Hiermit wurde in Abgrenzung, insbesondere zu den Ausläufern des Idealismus im 19. Jahrhundert, eine radikale Neubestimmung der Philosophie und ihres Verhältnisses zu den Wissenschaften eingeleitet. Dieser lag eine empiristische Konzeption zugrunde, der gemäß es nur eine Art der Wissenschaft gibt, die im wesentlichen empirisch vorgeht. Doch was für eine Funktion kann in diesem Rahmen die Philosophie übernehmen? Ihre Aufgabe besteht in der logischen Analyse der Sprache, deren Unklarheiten der vollständigen Realisierung der angestrebten Einheitswissenschaft im Weg standen. Darüber hinaus sollte die Begriffsanalyse die philosophischen Geister der vergangenen metaphysischen Systeme endgültig austreiben, die die Menschheit lange genug in Verwirrung gestürzt hatten. Kein Wunder, dass diese radikalen Ansichten bei den eher schöngeistig orientierten Zeitgenossen auf wenig Sympathie stießen. Und auch die Vertreter des aufkommenden Faschismus bliesen zum Kampf gegen den ideologiekritischen logischen Empirismus, dessen Vertreter in Folge dessen in den dreißiger Jahren emigrieren mussten. Danach entfaltete sich der Einfluss dieser Strömung vorwiegend in den angelsächsischen Ländern, wo sie zur Herausbildung der sog. analytischen Philosophie beitrug, die in Deutschland lange Zeit als "Importprodukt" wahrgenommen wurde, obwohl es sich eigentlich um einen "Reimport" handelt. Ein Grund, sich einmal mit den Wurzeln dieser Tradition zu beschäftigen, zumal deren Grundannahmen zentrale Debatten in der analytischen Philosophie bis heute beeinflussen. Weil der logische Empirismus einen radikalen Neuansatz in der Philosophie anstrebte und sich vom Ballast der Tradition befreien wollte, ist das Seminar für einen Einstieg in das Philosophiestudium besonders geeignet.

Scheinvergabe: Referat und Hausarbeit.

Textgrundlage:

Schleichert, H.: Logischer Empirismus Wiener Kreis, München 1975.

Misselhorn: Wittgenstein Interpretationskurs I

Do 10-12, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 14.04.

Ludwig Wittgenstein (1889-1951) gehört zu den wenigen philosophischen Figuren des 20. Jahrhunderts, die einen traditionsübergreifenden Einfluss auf die Entwicklung der Philosophie ausübten, sei es im Rahmen der sog. sprachanalytischen Philosophie, sei es im Bereich des hermeneutischen Philosophierens oder sogar der Ästhetik. Einen Angelpunkt von Wittgensteins Denken bildet die Sprache, doch über die Sprachphilosophie im engeren Sinn hinaus führen seine Überlegungen zu zentralen Fragen der Erkenntnistheorie, der Philosophie des Geistes, der Ontologie, der Logik, aber auch der Ethik und Ästhetik. Zu seinen Lebzeiten erschien nur der Tractatus logico-philosophicus (1922), mit dem Wittgenstein zunächst meinte, die philosophischen Probleme "im Wesentlichen endgültig gelöst zu haben". Mit diesem epochemachenden Werk und seinem philosophischen Hintergrund beschäftigt sich der erste Teil des Interpretationskurses. Zentral ist hierbei Wittgensteins Gedanke, dass die Natur der Sprache in der Abbildung der Wirklichkeit besteht. Die geeignete Methode, um dieses Programm durchzuführen, sieht er in der idealisierenden Analyse der logischen Form von Sätzen. Freilich blieb Wittgenstein nicht bei der selbstbewussten Einschätzung des Tractatus stehen. So wendet er sich in seinen ebenso zu Berühmtheit gekommenen Philosophischen Untersuchungen (posthum, 1953) den Funktionen der Sprache im Kontext zwischenmenschlicher Beziehungen und Lebensformen zu. Dieses Werk und ggf. sein Verständnis ergänzende Texte werden wir im zweiten Teil des Interpretationskurses behandeln, der im Wintersemester 2005/06 stattfindet. Was Wittgensteins Denken so reizvoll und auch für Studienanfänger/innen geeignet macht, ist, dass man das Gefühl hat, nicht nur fertige Resultate vorgesetzt zu bekommen, sondern "in der Werkstatt" eines Denkers dabei zu sein, der sich immer wieder um ein ganz grundlegendes Verständnis der Dinge bemüht.

Scheinvergabe: Referat und Hausarbeit.

Textgrundlage: L. Wittgenstein, Werkausgabe, Bd. 1, Franfurt/M. 1984 ff. (stw).

Zur Einführung:

Monk, Ray: Ludwig Wittgenstein. The Duty of Genius, London 1990 (die Biografie ist auch in deutscher Übersetzung erhältlich).

Vossenkuhl, W.: Wittgenstein, Beck 1995 (Reihe: Große Denker).

Müller-Koch: Einführung in die angewandte Ethik, mit Diskussionen aktueller Beispiele (EPG 2)

Do 11-13, Verfügungsgebäude, Wilhelmstr. 19, Seminarraum 1.01, Beginn: 21.04.

Während sich die Allgemeine Ethik auf die Klärung, Prüfung und Begründung der ethischen Grundlagen konzentriert, geht es in der Angewandten Ethik vorrangig um die ethische Reflexion konkreter Handlungskonflikte. Das Seminar führt in einem interdisziplinären Rahmen und anhand von Beispielen aus der Medizin, den Natur-, Sozial- und Literaturwissenschaften in die grundlegenden Begrifflichkeiten und Argumentationsweisen der Angewandten Ethik ein.

Die Angewandte Ethik hat sich mittlerweile in verschiedene Bereichsethiken etwa die Medizinethik, die Bioethik, die Naturethik ausdifferenziert; anhand von konkreten Fällen oder aktuellen Streitfragen sollen im Seminar Probleme der Angewandten Ethik bearbeitet werden.

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1.2., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu fach- berufsethischen Fragen erworben werden.

Anforderungen für einen benoteten Schein: Aktive Mitarbeit und Klausur (EPG 2-Schein) bzw. Hausarbeit (Fachschein Philosophie).

Neuber: Einführung in die Logik
Mo 16-18, Raum X Änderung!, Beginn: 18.04. Zusätzliche Lehrveranstaltung!

Die Lehrveranstaltung bietet eine Einführung in die Aussagen- und Prädikatenlogik. Auf der Grundlage des Kalküls des natürlichen Schließens wird die formale Struktur von Argumentationen behandelt, überdies ein Überblick über die grundlegenden Techniken der Formalisierung von Argumentationen vermittelt. Als Begleittext sei das Buch von Hoyningen-Huene (s. u.) empfohlen. [Tutorium?].

Zusätzlich zur Lehrveranstaltung wird ein Tutorium angeboten

Scheinerwerb durch bestandene Klausur am Semesterende.

Text (wenn möglich anschaffen):
Hoyningen-Huene, Paul: Formale Logik. Eine philosophische Einführung, Stuttgart: Reclam 1998 (Nr. 9692).

Newen: David Hume, Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand

Interpretationskurs I Mi 12-14, Burse, Raum X, Beginn: 13.04.

David Hume (1711-1776) ist einer der wichtigsten Philosophen des 18. Jahrhunderts, der Haupt-vertreter des Britischen Empirismus und ein zentraler Vorläufer der Transzendentalphilosophie Kants. Er zeichnet sich durch eine radikal empiristische Erkenntnistheorie aus, die den Ausgangs-punkt für alle seine Thesen bildet. Zu den einflussreichen Thesen gehören:

1. sein Verständnis von Kausalität als bloß auf Gewohnheit basierenden Assoziationen. Bis heute ist es eine aktuelle Option, kausale Beziehungen im Sinne der Humeschen Deutung zu verstehen.

2. seine Unterscheidung von Tatsachen (matter of facts) und Beziehungen zwischen Vorstellungen (relations of ideas). Damit wird die Unterscheidung von a priori und a posteriori grundgelegt.

3. seine Theorie der Substanz. Zu den Provokationen seines Denkens gehört die These, dass ein Denkakt keines Trägers bedarf, womit er die entscheidende Voraussetzung des Cartesischen Cogito-Arguments leugnet.

4. seine Theorie der Identität und der Existenz, mit der die Sonderstellung dieser zentralen philosophischen Begriffe schon deutlich herausgearbeitet wird.

5. seine Theorie des Ich als ein Bündel von Perzeptionen: Einige moderne Theorien des Ich greifen diese Grundidee auf.

Hume hat in diesen und vielen anderen Aspekten das philosophische Denken bis heute nachhaltig beeinflusst. Im Sommersemester wird die theoretische Philosophie ganz im Zentrum des Proseminars stehen. Im Wintersemester soll dann die theoretische Philosophie vertieft und die praktische Philosophie ergänzend mit einbezogen werden. Für einen Scheinerwerb sind beide Semester zu besuchen.

Für einen unbenoteten Schein ist ein Referat zu halten. Für einen benoteten Schein ist zusätzlich eine Hausarbeit (ca. 12 Seiten) zu verfassen. Abgabefrist für die Hausarbeiten, die zum ersten Teil des Seminars verfasst werden, ist der 31. Oktober 2005.

Literatur:

David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand, Hamburg: Meiner, 1993, Philosophische Bibliothek 35. (Original 1748).

Noveanu: Einführung in die philosophische Hermeneutik Kompaktveranstaltung

20.05.-22.05. und 27.05.- 29.05.2005, 14-18 Uhr, Burse, Raum X

Die angemessene Deutung von Sinnhaftem stellt als ,,philosophische Hermeneutik" eine der wichtigsten Denkrichtungen des 20. Jahrhunderts dar. Die lange Geschichte der Hermeneutik ist jedoch eine besondere, da ihr Status innerhalb verschiedener Epochen extrem unterschiedlich ist: für J. C. Dannhauer, der mit seinem Ansatz an Aristoteles' Schrift Peri hermeneias anknüpft, ist die Wissenschaft der Hermeneutik noch ein zur Logik gehöriges ,,Werkzeug" der Interpretation. Diese Ansicht ändert sich radikal mit der Romantik: Schleiermacher hält an einem Unverfügbarkeitsmoment im Verfahren des Interpretierens fest, indem er über Divination, das Erahnen der letzten Intention des Autors spricht. Zugleich soll die Hermeneutik mehr ,,Methode" aufweisen, so auch W. Dilthey, der die Hermeneutik ins Zentrum der methodologischen Debatte rückt. Anders in Heideggers frühen Vorlesungen zur Hermeneutik der Faktizität: Hermeneutik meint mehr eine Einstellung, eine Möglichkeit des Daseins, ,,für sich selbst verstehend zu werden und zu sein"; anschließend unterstreicht H.G. Gadamer in seinem Hermeneutikprojekt unter Anknüpfung an die Wahrheitserfahrung der Kunst den praktischen Aspekt: hermeneutische Philosophie hat ,,kunstvolle Praxis", mehr ,,praktische Fertigkeit als Wissenschaft" zu sein.

Unter Berücksichtigung der offensichtlichen Diversität der Ansätze setzt sich die Veranstaltung zum Ziel, eine ,,Konstante" der hermeneutischen Beschäftigung überhaupt, nämlich die aus der Rhetorik gewonnene ,,Lehre vom Ganzen und Teil", die unter dem Namen ,,Zirkel des Verstehens" bekannt geworden ist, zu verfolgen. Obwohl die im Verstehen vorliegende ,,Zirkularität" unterschiedliche Valenzen bei verschiedenen Autoren erfährt, wird der Anfangsgedanke, der ,,Kern" dieser Lehre vom Ganzen und Teil beibehalten. Auf welche Weise dies geschieht, das erfahren wir anhand einer Textauswahl, die in einem "Reader" zur Verfügung gestellt wird. Unsere Aufmerksamkeit gilt dabei vor allem den Ansätzen von Schleiermacher, Dilthey, Heidegger und Gadamer.

Scheinerwerb für einen unbenoteten Schein: Anfertigung eines Protokolls.

Scheinerwerwerb für einen benoteten Schein: Hausarbeit (Höchstumfang 15 Seiten; eine Vorschlagsliste wird zu Veranstaltungsbeginn ausgegeben).

Textgrundlage: Anfang März wird ein Reader als Kopiervorlage bei den Handapparaten in der Seminarbibliothek zur Verfügung stehen.

Rinderle: Freundschaft und Liebe bei Platon

Fr 9-12, 14täglich, Burse, Raum X, Beginn: 15.04.

Freundschaft (philia) und Liebe (eros) stehen bei Platon in einem engen Zusammenhang zu den Grundbegriffen seiner Philosophie: dem Wahren, dem Guten und dem Schönen. Anhand der gemeinsamen Lektüre seiner Dialoge Lysis, Symposion, Phaidros sowie einiger Passagen aus der Politeia sollen seine Auffassungen über Freundschaft und Liebe diskutiert und eventuell kritisiert werden. Das Proseminar ist für Studierende im Grundstudium konzipiert, die an der Vertiefung eines Spezialthemas interessiert sind. Besondere Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt, Grundkenntnisse des Griechischen sowie gute Kenntnisse des Englischen wären allerdings nützlich. Zur Vorbereitung der 1. Sitzung empfehle ich die Lektüre des Lysis.

Teilnahmevoraussetzungen: Übernahme eines Referats.

Scheinvergabe: Hausarbeit

Literatur:

Ferrari, G. R. F.: "Platonic Love"; in: R. Kraut (Hrsg.), The Cambridge Companion to Plato, Cambridge 1992, 248-276.

Price, A. W., Love and Friendship in Plato and Aristotle, Oxford 1989.

Vlastos, Gregory: "The Individual as an Object of Love in Plato"; in: ders., Platonic Studies, Princeton, 1. Aufl. 1981, 3-42.

Rinderle: Theorien der Gerechtigkeit. Einführung in die philosophische Ethik (EPG I)

Do 15-18, 14täglich, Burse, Melanchthonzimmer, Beginn: 14.04.

Einer philosophischen Theorie der Gerechtigkeit stellen sich drei Fragen: 1) Wie sieht eine gerechte Verteilung von Gütern (und Lasten) aus? Ist nur die Gleichheit gerecht, oder gibt es auch gerechtfertigte Ungleichheiten? 2) Welche Güter sollen überhaupt (gleich oder ungleich) verteilt werden: Geld, Glück, oder vielleicht nur Freiheiten und Chancen? 3) Aus welchen Gründen sollten wir diese oder jene Verteilung von Gütern als gerecht ansehen? Gibt der größte Gesamtnutzen den Ausschlag (Utilitarismus)? Ist die Zustimmung aller Betroffenen das relevante Kriterium (Vertragstheorie)? Oder sind die Grundlagen der Gerechtigkeit in den Traditionen einer Gemeinschaft verwurzelt (Kommunitarismus)? Im Seminar sollen die Antworten wichtiger Klassiker aus der Gegenwart und der Geschichte der Philosophie diskutiert werden: John Rawls (Eine Theorie der Gerechtigkeit), J. St. Mill (Utilitarismus), Thomas Hobbes (Leviathan) und Aristoteles (Nikomachische Ethik).

Das Proseminar wendet sich an Studierende aus allen Fachbereichen und setzt keine philosophischen Kenntnisse voraus. In der 1. Sitzung wird das 1. Kapitel "Gerechtigkeit als Fairneß" aus Rawls Eine Theorie der Gerechtigkeit behandelt. Zur Vorbereitung empfiehlt sich die Lektüre dieses Kapitels.

Teilnahmevoraussetzungen und Scheinerwerb: Ein Referat und ein Essay.

Anmeldung bitte per E-mail bis zum 11.04.2005 bei peter.rinderle@t-online.de

Die Zahl der Teilnehmer ist auf 25 begrenzt.

Schick: Thomas Hobbes, Leviathan Interpretationskurs I

Di 12-14, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 12.04.

Thomas Hobbes Leviathan, nach seinem Erscheinen 1651 in England als aufrührerisch, religions- und staatsgefährdend verurteilt, hat mittlerweile in der Geschichte der neuzeitlichen Staats-, Rechts- und Gesellschaftstheorie längst den Status des Klassikers inne. Im öffentlichen Gedächtnis lebendig geblieben ist vor allem die darin vorgestellte Begründung des Staats des "Leviathan" durch das vertragsförmig verbindlich gemachte gemeinsame aufgeklärte Eigeninteresse der Individuen. Die Voraussetzungen dieser Begründung, sie selbst und ihre Konsequenzen sollen auch in diesem Interpretationskurs im Mittelpunkt der gemeinsamen Untersuchung stehen. Im ersten Teil des Kurses werden Hobbes materialistisch grundierte Anthropologie und die auf dieser Basis entwickelte Theorie des außerstaatlichen Naturzustands im ersten Teil des Leviathan unser Hauptthema sein, ergänzt durch historische Seitenblicke.

Der Interpretationskurs setzt keine spezifischen Vorkenntnisse voraus; Studienanfänger(innen) sind herzlich willkommen.

Erwerb eines benoteten Scheins: Übernahme eines kurzen Textreferats plus (wahlweise) eines längeren Referats oder einer Hausarbeit.

Text: Thomas Hobbes: Leviathan, herausgegeben und eingeleitet von Iring Fetscher, übersetzt von Walter Euchner, Frankfurt a. M. (Suhrkamp) 1984 (und öfter).

Schick: Die Pyrrhonische Skepsis nach dem Grundriß von Sextus Empiricus

Di 18-20, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 12.04.

Auf den ersten Blick scheint ein pyrrhonischer Skeptiker, ein Skeptiker nach Sextus Geschmack, einfach jemand zu sein, der Wahrheitsansprüche nicht entscheiden mag. Dennoch ist er nicht mit jemandem verwechselbar, der sich um Wahrheit nicht kümmert. Von einer solchen Haltung unterscheidet sich der Skeptiker nicht zuletzt dadurch, dass er zu zeigen versucht, dass und wie Wahrheitsansprüche und ihre Begründungen tatsächlich jeweils auf ihre Gegenteile stoßen. In unserem Proseminar werden wir an ausgewählten Passagen aus den drei Teilen dieses spätantiken Werks zentrale skeptische Argumentationsweisen, die Kritik an der Lehre eines Kriteriums der Wahrheit, an Beweistheorien und an Grundelementen antiker Naturlehren studieren. Der Akzent wird dabei weniger auf der philosophiehistorischen Einbettung liegen als auf der Frage, was das philosophische Nachdenken von der Skepsis im Allgemeinen und der pyrrhonischen im Besonderen übernehmen oder nicht übernehmen sollte.

Wir werden den Text in deutscher Übersetzung lesen; Vorkenntnisse des Griechischen und der antiken Philosophie werden nicht vorausgesetzt.

Ein benoteter Schein kann durch ein mündliches Referat oder eine Hausarbeit erworben werden.

Text: Sextus Empiricus: Grundriß der pyrrhonischen Skepsis, eingeleitet und übersetzt von Malte Hossenfelder, Frankfurt a. M. (Suhrkamp) 1968. Ergänzend: Benson Mates: The Skeptic Way: Sextus Empiricuss Outlines of Pyrrhonism, übersetzt, eingeleitet und kommentiert von Benson Mates, New York und Oxford 1996.

Schröder, W. M.: Genealogie der Moral und Moralbegründungen. Einleitung in die philosophische Ethik (EPG 1) Mi 19-21, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 13.04.

Wie entsteht Moralität? Und welcher Begründung(en) ist Moral fähig? Entlang dieser Leitfragen und am Beispiel ausgewählter Texte aus Nietzsches Zur Genealogie der Moral versucht das Seminar, Moralität gründlich und das heißt: von Grund auf für Hörer aller Fakultäten philosophisch verständlich zu machen.

Eine ausführliche Literaturliste wird zu Beginn des Semesters bereitgestellt. Einen benoteten Schein erwirbt man durch eine Hausarbeit zu einem zentralen Aspekt der Seminarthematik.

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagen-studium nach Anlage C, 1.1., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu ethisch-philosophischen Grundfragen erworben werden (EPG 1).

Zurück zum Seitenanfang

Zurück zur Startseite der Philosophischen Fakultät

Seminare

Brachtendorf: Immanuel Kant: Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft

Di 16-18, Raum: siehe Aushang, Beginn: 12.04.

Die sogenannte Religionsschrift stellt eines der letzten großen Werke Immanuel Kants dar. Nach Abschluss seiner drei Kritiken, in denen er die traditionelle Metaphysik, Ethik und Ästhetik kritisiert und in seinem Sinne neu begründet, wendet Kant sich dem Thema "Religion" zu. Es geht ihm um die Frage, inwieweit zentrale Themen des Christentums wie Sünde, Rechtfertigung, Kirche und Reich Gottes auf der Basis der kritischen Philosophie verständlich gemacht und rekonstruiert werden können.

Wir werden Kants Schrift gemeinsam lesen und diskutieren.

Teilnahmevoraussetzung: Bereitschaft, ein Referat und/oder ein Sitzungsprotokoll anzufertigen. Benotete Scheine setzen eine Hausarbeit voraus.

Literatur: Ricken, F. / Marty, F. (Hgg.), Kant über Religion, Stuttgart 1992.

Wimmer, R., Kants kritische Religionsphilosophie, Berlin 1990.

Braun: Jürgen Habermas: Theorie des kommunikativen Handelns Kompaktveranstaltung 15.07.-17.07.2005, Heinrich-Fabri-Haus, Auf dem Rucken, 89143 Blaubeuren,

Vorbesprechung: 19.04.2005, 15 Uhr, Burse, Melanchthonzimmer

Jürgen Habermas, der führende Vertreter der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule, gilt als der unbestritten bedeutendste deutsche Philosoph und Soziologe. Mit seinem ersten Hauptwerk Theorie des kommunikativen Handelns, das 1981 das Licht der Öffentlichkeit erblickte, begründete er systematisch die sprachphilosophische Wende der Kritischen Theorie der Gesellschaft, in seinem zweiten opus magnum Genesis und Geltung, das er 1991 publizierte, konkretisierte er sie zur Theorie des demokratischen Rechtsstaats. Thema des Hauptseminars ist das erste Hauptwerk.

Ich möchte in die zweibändige Theorie des kommunikativen Handelns einführen. Die Teilnehmer/innen können einen ebenso systematischen wie geschichtlichen Einblick über interdisziplinäre Formen des "linguistic turn" der Kritischen Theorie der Gesellschaft gewinnen.

Referate haben die Aufgabe, in Gestalt von Thesen die Seminardebatten zu wecken und zu beleben. Sie könnten kurz gefasste Stellungnahmen sein, die das Verhältnis des ausgewählten Gegenstands zum Ganzen bedenken. Beiträge können thesenförmig sein. Sollten sie zu thetisch geraten, können Teilnehmer/innen nachfragen. Erwünscht ist eine Richtgröße von etwa 10 Seiten. Ich bewerte das Mündliche mit. Hausarbeiten sollten einige Seiten länger sein und in erkennbarem Zusammenhang mit dem Thema des Seminars stehen.

Als mögliche Themen stelle ich mir vor:

Vorwort. Das Konzept eine Kritische Theorie der modernen Gesellschaft in 2 Stufen, Lebenswelt und System

Das Konzept des (kommunikativen) Handelns

Die Sprechaktheorie (Austin, Searle)

Das Fundament: die Geltungsansprüche. Begriff, Sinn und Funktion

Die Geltungsansprüche: deskriptive (theoretische), normative (praktische) und evaluativ-expressive Rationalität und Rationalisierung

Weltbilder. Begriff und Differenzierung: vormoderne, mythische und moderne, rationale

Max Webers Konzept der Rationalität

Georg Lukács: Rationalität als Verdinglichung

Theodor W. Adorno: Rationalität als Verdinglichung

Horkheimers und Adornos kritische Theorie der Massenkultur

Zwecktätigkeit und kommunikatives Handeln: George Herbert Mead

Zwecktätigkeit und kommunikatives Handeln: Émile Durkheim

Habermas Gesellschaftstheorie: das zweistufige Modell von System und Lebenswelt

Themen des Vergleichs könnten sein:

Habermas und Kant

Habermas gespanntes Verhältnis zu Hegel

Habermas und Schelling

Habermas und Fichte

Habermas und der Neukantianismus

Habermas, Platon, Aristoteles

Text: Jürgen Habermas: Theorie des kommunikativen Handelns. Bd. 1: Handlungsrationalität und gesellschaftliche Rationalisierung, Bd. 2: Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft, stw 1175, Frankfurt/Main 1995 (1174 Seiten), 22, 50.

Jürgen Habermas: Faktizität und Geltung. Beiträge zur Diskurstheorie des Rechts und des demokratischen Rechtsstaates, stw 1361 Frankfurt/M. 1998 (704 Seiten), 20,-.

Ich empfehle, die Theorie des kommunikativen Handelns anzuschaffen.

Literatur:

Kommunikatives Handeln. Beiträge zu Jürgen Habermas´ Theorie des kommunikativen Handelns, hrsg. von Axel Honneth und Hans Joas, stw 225 Frankfurt/M. 1988, (419 Seiten) Nachauflage 2001.

Stefan Müller-Dohm (Hrsg.) Das Interesse der Vernunft. Rückblicke auf das Werk von Jürgen Habermas seit "Erkenntnis und Interesse", stw 1464 Frankfurt/M. 2000, (404 Seiten) 18,-.

Detlev Horster: Jürgen Habermas. 2 Auflage der Neufassung, Junius Verlag Hamburg, 13,50.

Engels: Mensch und Tier bei Charels Darwin (EPG 2) Kompaktveranstaltung

Termine werden in der Vorbesprechung: 21.04.05, Wilhelmstr. 19, Raum 0.25 bekannt gegeben.

Der Naturforscher Charles Darwin (1809-1882) hat mit seiner "theory of descent with modification by variation and natural selection" auf unser Menschen- und Naturbild in Alltag und Wissenschaft entscheidenden und nachhaltigen Einfluss ausgeübt. Zur Hervorhebung seiner revolutionären Bedeutung wurde er bereits zu seinen Lebzeiten immer wieder mit so bedeutenden Denkern und Wissenschaftlern wie Kopernikus und Newton verglichen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der von Darwin vertretenen Abstammung des Menschen von nichtmenschlichen, affenähnlichen Vorfahren zu, die auch die Erklärung kognitiver und sozialer Fähigkeiten und Dispositionen des Menschen aus tierlichen Ursprüngen mit einschließt. Im Seminar soll das Verhältnis von Mensch und Tier in seiner Relevanz für verschiedene Kontexte (Anthropologie, Ethik, Erkenntnistheorie, Soziobiologie u. a.) bearbeitet werden. Einschlägig für diesen Zusammenhang sind die zu Darwins Lebzeiten erschienenen Hauptwerke sowie seine posthum veröffentlichten metaphysischen Notizbücher.

Für Studierende der Philosophie, Biologie und des EPG 2-Studiums ist die Bedingungen für den Erwerb eines unbenoteten Leistungsnachweises neben regelmäßiger Teilnahme ein Seminar-vortrag mit Thesenpapier, für einen benoteten Leistungsnachweis eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit. Die Anforderungen für Studierende anderer Fächer richten sich nach deren Studien-bedingungen.

Eine Liste der im Seminar zu behandelnden Literatur wird zu Beginn des Semesters verteilt.

Als Lektüre zur Einführung wird empfohlen:

Eine Autobiographie: Charles Darwin. Mein Leben 1809-1882. Hrsg. Von seiner Enkelin Nora Barlow. Aus dem Engl. übers. von Christa Krüger. Frankfurt: Insel Verlag 1993.

Mark Ridley (Hrsg): Darwin lesen. Eine Auswahl aus seinem Werk. München: dtv 1996 (A Darwin Selection. Fontana Press 1987).

Eve-Marie Engels: "Darwins Popularität im Deutschland des 19. Jahrhunderts: Die Herausbildung der Biologie als Leitwissenschaft", in: Achim Barsch und Peter M. Hejl (Hrsg.): Menschenbilder. Zur Pluralisierung der Vorstellung von der menschlichen Natur (1850-1914). Frankfurt: Suhrkamp 2000, S. 91-145. E-Mail: eve-marie.engelsspam prevention@uni-tuebingen.de

Geiger: Aristoteles Topik

Mo 14-16, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 11.04.

Die Topik enthält die Aristotelische Theorie der Dialektik. Unter Dialektik versteht Aristoteles eine universelle Kunst der Argumentation, die in einem regelgeleiteten Gespräch zwischen einem Fragenden und einem Antwortenden durchgeführt wird. Die Topik gehört zu den frühesten Abhandlungen des Aristoteles und ist vermutlich noch während seiner Zeit an der Platonischen Akademie begonnen worden. Viele der Argumentationsregeln und der dafür angeführten Beispiele erinnern dementsprechend deutlich an Diskussionen in den Platonischen Dialogen. Der Wert der Topik für eine methodisch genaue Interpretation der Platonischen Dialoge ist kaum zu überschätzen. Auch zu diesem Zweck wollen wir uns die Aristotelische Theorie der Argumentation gemeinsam erarbeiten.

Wir lesen den Text in der Übersetzung von Wagner und Rapp, die gerade bei Reclam erschienen ist. Die schriftliche Leistung, für die man einen benoteten Schein erhält, besteht in zwei Interpreta-tionsessays, die während des Semesters zu verfassen sind.

Gerber: Philosophie der Zeit

Mo 18-20, Alte Burse, Schellingzimmer, Beginn: 11.04.

Die Zeit gehört zu jenen Phänomenen, die uns als alltägliche Erfahrung sehr vertraut sind und die gerade deshalb als philosophisches Problem sehr hartnäckig und schwierig zu sein scheinen. Schon Augustinus hat diesen Sachverhalt in die viel zitierten Worte gefasst: "Was also ist die Zeit? Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich es; wenn ich es einem Fragenden erklären will, weiß ich es nicht." Die verschiedenen Positionen, die zum Begriff der Zeit im Laufe der philosophischen Tradition entwickelt wurden, stehen in einem engen Zusammenhang mit naturwissenschaftlichen beziehungsweise naturphilosophischen, aber auch erkenntnistheoretischen Problemen was die Sache nicht unbedingt einfacher macht.

Wir wollen im Seminar in einer Auseinandersetzung mit ausgewählten Positionen sowohl der Tradition wie auch der Gegenwartsphilosophie versuchen, die Zeit so weit wie möglich als ein Phänomen sui generis zu diskutieren und uns dabei auf zwei Problembereiche konzentrieren: Zum einen auf die eigentümliche Rätselhaftigkeit der Zeit, die darin besteht, dass sie existiert, indem sie vergeht. Existiert die Zeit überhaupt in irgendeinem Sinne dieses Wortes? Zum anderen soll es, damit zusammenhängend, um die Frage gehen, ob die Zeit ein von subjektiven Erfahrungen unabhängiger Bestandteil der Realität ist. Ist Zeit eine reale, unabhängig von unseren Erfahrungen existierende Struktur? Oder ist sie, wie Kant meinte, eine subjektive Bedingung all unserer Erfahrungen?

Ein benoteter Schein kann aufgrund einer Stundenvorbereitung und einer Hausarbeit erworben werden.

Literatur:

A. Augustinus: Was ist Zeit? (Confessiones XI), Hamburg 2000.

P. Bieri: Zeit und Zeiterfahrung. Exposition eines Problembereichs, Frankfurt a. M. 1972.

J. Faye / U. Scheffler / M. Urchs (Eds.): Perspectives on Time, Dordrecht 1997.

M. Frank: Zeitbewußtsein, Pfullingen 1990.

D. H. Mellor: Real Time II, London 1998.

W. Ch. Zimmerli / M. Sandbothe (Hg.): Klassiker der modernen Zeitphilosophie, Darmstadt 1993.

&nbsp

Hägler: Eine Eiführung in die Philosophie der Biologie (E. Mayer, D. C. Dennett)

Kompaktveranstaltung 14.07.-17.07.2005, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 14.07., 20c.t.

Wir wollen im Kompaktseminar einige philosophische Aspekte der Biologie, speziell der Evolutions-biologie betrachten. Dabei wird es zunächst darum gehen, ein angemessenes Verständnis der darwinschen Theorie in ihrer modernen Gestalt zu gewinnen.

Scheinvergabe: Hausarbeit.

Literatur:

Ch. Darwin, Der Ursprung der Arten.

R. Dawkins, Das egoistische Gen.

Ders: Der blinde Uhrmacher.

D. C. Dennett: Darwins gefährliches Erbe.

E. Mayer, Das ist Evolution.

Ders., Eine philosophische Biologie.

Heidelberger/Nieder: Der Mensch als (zahl-)symbolisches Wesen: Philosophische, biologische und kognitionswissenschaftliche Aspekte

Di 18-20, Raum siehe Aushang zu Beginn des Semesters, Beginn: 12.04.

Vor ca. 200.000 Jahren begannen die Menschen mit Hilfe von Symbolen zu kommunizieren. Zuerst entstanden die gesprochenen Symbole der Sprache, die sich in jeder Kultur finden. Eine andere Art von Symbolen, nämlich die mathematischen, ist nicht so universell unter Menschen verbreitet; entweder weil die Notwendigkeit, Mathematik weiterzuentwickeln, nicht von der Umwelt gefordert war, oder weil sich mathematische Neuerungen nur erst in einzelnen Kulturen nach der Zerstreuung der Urmenschen über die Erde herausgebildet haben. Beide Arten von Symbolgebrauch basieren auf kognitiven Fähigkeiten, die in Ansätzen bei den biologischen Verwandten des Menschen zu finden sind. Erst dem Menschen aber ist es aufgrund seiner Sprachbegabung gelungen, echten Symbolgebrauch zu entwickeln und zu tradieren.

Im Seminar soll der menschliche Symbolgebrauch im Allgemeinen und der mathematische im Besonderen aus verschiedenen Blickwinkeln behandelt werden: aus neurobiologischer, entwicklungs-psychologischer und logisch-mathematischer Perspektive. Dabei sollen natürlich auch philoso-phische Fragen leitend sein und zu einer begrifflichen Einheitlichkeit dieses Gebiets beitragen. Das Seminar wird interdisziplinär sein: Der eine Dozent (Heidelberger) ist (Wissenschafts-)Philosoph, der andere (Nieder) ist (Neuro-)Biologe. Interessenten werden ermutigt, sich frühzeitig mit (mindestens) einem der Dozenten in Verbindung zu setzen und evtl. schon ein Referatthema abzusprechen.

Scheinerwerb: Referat und Hausarbeit.

Literatur zur Vorbereitung: Allgemein zur Rolle der Symbole in menschlicher Kultur: Michael Tomasello, Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens, Frankfurt/M: Suhrkamp 2002. Zum Zusammenhang von Sprache und Mathematik: Heike Wiese, Numbers, Language and the Human Mind, Cambridge University Press 2003. Zur kognitiven Neurobiologie: Stanislas Dehaene, The Number Sense: How the Mind Creates Mathematics, Oxford University Press 1997 (auch auf Deutsch erhältlich).

Höffe: Moralprinzip Glück: Platon, Aristoteles, Kant, Utilitarismus

Mi 16-17.30, Burse, Raum X, Beginn: 13.04.

Nach "Vorarbeiten" von Platon ist Aristoteles der erste Theoretiker, der genau begründet hat, warum das Glück als höchstes Gut und als letztes Ziel aller Handlungen gelten kann. Wenn man verstehen will, inwiefern das Glück (Eudaimonia) eine Art Moralprinzip darstellt und inwieweit sich eine Ethik darauf gründen kann, ist die Auseinandersetzung mit Platon und vor allem Aristoteles grundlegend. Wir werden uns danach dem wohl wichtigsten Kritiker der eudämonistischen Ethik zuwenden, nämlich Immanuel Kant, demzufolge das Glück für eine prinzipielle Begründung der Moral ungeeignet ist. Der Utilitarismus wiederum erkennt die Bedeutung des Glücks zwar an, nimmt dafür aber einschneidende Veränderungen am traditionellen Begriff des Glücks vor. In unserem Seminar wollen wir uns diese vier klassischen Positionen erarbeiten und ihre Tragfähigkeit überprüfen.

Bloße Teilnehmer werden gebeten, ein Protokoll zu übernehmen; wer einen benoteten Schein erwerben will, hält ein Referat, das eine Woche vorher in zwei Exemplaren abgegeben und nach der betreffenden Sitzung schriftlich ausgearbeitet wird. Ab Ende Februar liegen eine Themen-/Referatsliste und eine Literaturliste aus.

Keuth: Carnap: Philosophie der Naturwissenschaft

Mi 14-16, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 13.04.

Rudolf Carnap war einer der bedeutendsten Logiker und Wissenschaftstheoretiker des 20. Jahrhunderts. Aus einer Reihe von Seminaren, die er unter dem Titel "Philosophical Foundations of Physics" oder "Concepts, Theories and Methods of the Physical Sciences" anbot, entstand ein Buch mit dem Titel "Philosophical Foundations of Physics", herausgegeben 1966 von Martin Gardiner. Seit 1995 ist es als Dover-Taschenbuch unter dem Titel "An Introduction to the Philosophy of Science" (ISBN 0-486-28318-6 Pick It! ) verfügbar. Die deutsche Übersetzung "Die philosophischen Grundlagen der Physik" ist vergriffen, aber im Seminar vorhanden. Dieses Buch wird den Kern des Seminars bilden. Es ist in sechs Kapitel gegliedert: 1. Gesetze, Erklärungen und Wahrscheinlichkeiten, 2. Messung und quantitative Sprache, 3. Die Struktur des Raumes, 4. Kausalität und Determinismus, 5. Theoretische Gesetze und theoretische Begriffe, und 6. Jenseits des Determinismus. Es bietet bei geringem formalem Aufwand eine hervorragende Einführung in die Methodologie der empirischen Wissenschaften.

Ein benoteter Schein kann aufgrund eines Referats erworben werden.

Klinger: Der Begriff Kultur. Von der Kulturphilosophie zu den cultural studies Kompaktveranstaltung

30.06.-2.07.2005, 10 Uhr, Burse, Raum 211, Voranmeldung: klingerspam prevention@iwm.at oder bei Frau Ott


In den letzten Jahren ist das Interesse an Fragen der Kultur und der kulturellen Identität von Gesellschaften und Individuen erneut so sehr in den Vordergrund getreten, dass vielfach von einem "cultural turn" gesprochen wird. So leicht sich der Zweck von Kultur in einem Satz zusammenfassen lässt ("Zur menschlichen Kultur gehört alles, ... wodurch die Mitglieder eine Gruppe ihren Handlungen Sinn und Bedeutung geben", A. O'Hear), so schwierig ist eine Definition des Begriffs. Denn das Spektrum der Sinn- und Bedeutungsherstellung umfasst die Glaubens-, Wissens-, und Darstellungssysteme einer Gesellschaft; es reicht von Mythologie und Religion, über Philosophie und
Sprache, Kunst und Literatur bis hin zu den Alltagspraxen. Ziel der Lehrveranstaltung ist es, unter Rückgriff auf die Tradition der Kulturphilosophie und Kulturkritik seit dem späten 18. Jahrhundert zu einem genaueren Verständnis dieses Konzepts zu gelangen und darüber hinaus nach den Gründen seiner gegenwärtigen Aktualität zu fragen.

Textgrundlage:
Ralf Konersmann (Hg.), Kulturphilosophie. Leipzig: reclam 1982.

Ralf Konersmann (Hg.), Kulturkritik. Reflexionen in einer veränderten Welt. Stuttgart: reclam 2001.
Simon During, (Ed.), The Cultural Studies Reader. London/ New York: Routledge 1996.

Teilnahmebedingungen:
Wer ohne Referat/Hausarbeit am Seminar teilnehmen möchte, sollte die beiden reclam-Textsammlungen zu den Sitzungen mitbringen und möglichst einige Kapitel, mindestens aber die Einleitung des Herausgebers als Vorbereitung auf die Lehrveranstaltung gelesen haben.

Referate/Hausarbeiten:
Das Inhaltsverzeichnis der Textsammlungen ist zugleich die Referatliste. Wer ein Referat (und/oder eine Hausarbeit) übernehmen möchte, kann einen Textauszug bzw. einen Autor/Autorin zur Bearbeitung auswählen. Zur Anmeldung für ein Referat, bitte per e-mail, werden auf Wunsch eine Auswahlbibliographie und Bearbeitungshinweise zur Verfügung gestellt.

Koch, A. F. Hegel, Wesenslogik IV: Die Wirklichkeit

Di 16-18, Burse, Raum X, Beginn: 19.04.

Dieses Hauptseminar ist (nach einsemestriger Unterbrechung) das vierte und letzte in einer Reihe von Seminaren, in denen Hegels Lehre vom Wesen, also das mittlere der drei Bücher der Wissenschaft der Logik, behandelt wird. Gegenstand ist diesmal der dritte Abschnitt ("Die Wirklichkeit"), näher dessen zweites und drittes Kapitel ("Die Wirklichkeit" bzw. "Das absolute Verhältnis"). Die Seminare sind so konzipiert, dass jedes auch für sich besucht werden kann. Eine gewisse Vertrautheit mit der idealistischen Philosophie (Kant, Fichte, Hegel) ist sicher nützlich, soll aber keine Teilnahmevoraussetzung sein. In der Seminarbibliothek wurde ein kleiner Handapparat mit Forschungsliteratur eingerichtet.

Scheinerwerb: Hausarbeit.

Koslowski: Fichte, "Grundlage des Naturrechts nach Principien der Wissenschaftslehre 1796"

Kompaktveranstaltung 18.07.- 22.07.2005., 9-12, 13-16.30 Uhr, Burse, Schellingzimmer

Vorbesprechung: 22.04.2005, 12 Uhr, Burse, Melanchthonzimmer

J. G. Fichte übertrug in seiner "Grundlage des Naturrechts nach Principien der Wissenschaftslehre" von 1796 und "Der geschlossene Handelsstaat" (1800) die von der Französischen Revolution angestoßenen Umwälzungen der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse auf die idealistische Philosophie: Seine "Grundlage des Naturrechts" findet aus den Aporien der Kantischen Vernunftkritiken, indem sie die "Vernunft in das Ich, die einzelne Persönlichkeit verlegt und damit den konsequenten Gedanken aufstellt: Ich will frei sein, das heißt ich will mich zu dem machen, was ich seyn werde ein Satz so inhaltsreich, wie wenige andere in dieser Epoche, -..." (L. v. Stein). Das Recht und die Rechtsordnung gründen hier in einem Akt der freiwilligen Selbstbeschränkung der Individuen, die quasi "...die Welt, als Sphäre ihrer Freiheit, gleichsam unter sich theilten"(J. G. Fichte, "Naturrecht", Einleitung II, S. 9). "Der geschlossene Handelsstaat fußt dagegen auf dem Grundsatz: Ein Eigentum des Bodens findet nach unserer Theorie gar nicht statt... Die Erde ist des Herrn; des Menschen ist nur das Vermögen, sie zweckmäßig anzubauen und zu benutzen ("Handelsstaat", S. 442). Vorbehaltloses Vertrauen in die Willenskraft des Einzelnen, wie religiöse Begeisterung kennzeichnen beide Werke als Emanzipationsversuche aus religiösen, philosophischen und politischen Fesseln: "Napoleon und Fichte repräsentieren das große unerbittliche Ich, bei welchem Gedanke und That eins sind, und die kolossalen Gebäude, welche beide zu konstruieren wissen, zeugen von einem kolossalen Willen. Aber durch die Schrankenlosigkeit jenes Willens gehen jene Gebäude gleich wieder zu Grunde,...." (Heinrich Heine). Das Seminar möchte am Text der "Grundlagen des Naturrechts" das Schwanken Fichtes zwischen individualethischem Rechtsprinzip und autoritärer (wohlfahrtsstaatlicher) Rechtspraxis festmachen, sowie der Frage nachgehen, ob der Vergleich und das Urteil H. Heines über die Titanen der Politik und des Geistes zutreffend ist.

Scheinerwerb: Schriftlich ausgearbeitete(s) Hausarbeit/Referat.

Quelle: Fichte, Johann G.: Grundlage des Naturrechts nach Principien der Wissenschaftslehre 1796; Der geschlossene Handelsstaat 1800, Beides in: Fichte, I. H. (Hrsg.): Fichtes Werke Bd. III, Zur Rechts- und Sittenlehre I, Berlin (Walter de Gruyter) 1971.

Sekundärliteratur: Brachtendorf, Johannes: Fichtes Lehre vom Sein. Eine kritische Darstellung der Wissenschaftslehren von 1794, 1798/99 und 1812, Paderborn, München, Wien, Zürich 1995.

Janke, Wolfgang: "Anerkennung. Fichtes Grundlegung des Rechtsgrundes, in: Girndt, Helmut (Hrsg.): "Selbstbehauptung und Anerkennung. Spinoza, Kant, Fichte, Hegel, St. Augustin 1990, 95-117.

,- Fichte. Sein und Reflexion Grundlagen der kritischen Vernunft, Berlin 1970.

,- Vom Bilde des Absoluten. Grundzüge der Phänomenologie Fichtes, Berlin New York 1993

Koslowski, S.: Sozialstaat, in: HWP, Bd. 9, Sp. 1245-1249, Vom socialen Staat zum Sozialstaat. Aufstieg und Niedergang einer Vision, in: "Der Staat", 34. Bd. 1994, S. 221 241; Zur Philosophie von Wirtschaft und Recht Lorenz von Stein im Spannungsfeld zwischen Idealismus, Historismus und Positivismus, Berlin (Duncker & Humblot) 2005.

Stadler, Christian Maria, Freiheit in Gemeinschaft. Zum transzendental-philosophischen Rechtsbegriff Johann Gottlieb Fichtes, Cuxhaven & Dartford (Traude Junghans) 2000.

Weber, Marianne: "Fichtes Sozialismus und sein Verhältnis zur Marxschen Doktrin, Tübingen/ Freiburg i. Brsg./Leipzig 1900, Nachdruck in: Baumgartner/Jacobs (Hrsg.): Fichteana. Nachdrucke zur Philosophie J. G. Fichtes, Hildesheim/Zürich/New York 1987.

Willms, Bernhard: Die totale Freiheit. Fichtes politische Philosophie, Köln und Opladen 1967

Zazyk, Rainer: "Die Struktur des Rechtsverhältnisses (§§ 1-4) im Naturrecht Fichtes", in: Kahlo, Wolf, Zazyk (Hrsg.): Fichtes Lehre vom Rechtsverhältnis. Die Deduktion der §§ 1-4 der Grundlage des Naturrechts und ihre Stellung in der Rechtsphilosophie, Frankfurt/M. 1992, 9-27.

Kreß: Ethisch-ästhetische Diskussionen im Anschluss an Adorno

Mi 14-16, Burse, Melanchthonzimmer, Beginn: 13.04.

Während Ethik seit den 80er Jahren einen immer breiteren Raum in den philosophischen Lehrplänen einnahm und sich dabei in immer weitere Spezialgebiete aufgliederte, wurde zugleich die traditionelle Verbindung von Metaphysik, Ethik und Ästhetik aufgelöst. Aus der Perspektive der Ethik wurden Fragen der Ästhetik zugunsten eines auf gesellschaftliche Normierung ausgerichteten Moralverständnisses marginalisiert, und Fragen der Metaphysik wurden für obsolet erklärt.

In jüngerer Zeit bemühen sich einige Autoren um eine Reflexion der Ethik, die an der Kritik an einem einseitigen Rationalitätsbegriff ansetzt und das Konzept einer Ästhetik als impliziter Ethik und negativer Metaphysik verfolgt. Sie aktualisieren dabei Grundgedanken Adornos, die Habermas wegen ihres bewusstseinstheoretischen Hintergrunds und des Mangels an expliziter Rechenschaft über die eigenen normativen Grundlagen für gescheitert erklärte. Ausgehend von seiner Kritik der Kritischen Theorie wird sich das Seminar mit Ansätzen Albrecht Wellmers und einiger jüngerer Philosophen (Seel, Menke, Früchtl, Welsch) beschäftigen, um die Beziehung von Ethik, Ästhetik und Metaphysik im Anschluss an Adorno neu zu rekonstruieren.

Diese Lehrveranstaltung schließt an das Seminar zu Adornos Ästhetischer Theorie im vergangenen Semester an. Neue Teilnehmer/innen sollten Adorno, insbesondere die Ästhetische Theorie, kennen.

Scheinerwerb: schriftlich ausgearbeitetes Referat oder Hausarbeit.

Literatur: Adornos Ästhetische Theorie und die nachfolgend aufgeführten Texte von Jürgen Habermas sollten Sie vor Semesterbeginn lesen. Eine umfassendere Literaturliste findet sich zu Ferienbeginn im Seminarordner im Handapparat der Bibliothek, 2. OG.

Theodor W. Adorno: Ästhetische Theorie, Frankfurt/Main 1970 (bzw. eine spätere Auflage).

Burkhardt Lindner u. W. Martin Lüdke (Hrsg.): Materialien zur ästhetischen Theorie. Th. W. Adornos Konstruktion der Moderne. Frankfurt/M. 1979.

J. Habermas: Vom kulturräsonierenden zum kulturkonsumierenden Publikum, in: Ders. Strukturwandel der Öffentlichkeit (1962), Frankfurt/M. 1990, S. 248-266.

J. Habermas: Theodor W. Adorno. Ein philosophierender Intellektueller (1963), in: Ders. Philosophisch-politische Profile, Frankfurt 1987, S. 160-166.

ders: Urgeschichte der Subjektivität und verwilderte Selbstbehauptung (1969), in: ebd. S. 167-179.

J. Habermas, Theorie des kommunikativen Handelns Bd. 1, Frankfurt 1981, S. 453-534.

J. Habermas, Der philosophische Diskurs der Moderne. Zwölf Vorlesungen. Frankfurt 1988, S. 130-157.

Newen: A priori, analytisch, notwendig. Grundbegriffe der Philosophie bei Kant, Frege, Quine, Kripke u. a. Do 14-16, Burse, Raum X, Beginn: 14.04.

Im Hauptseminar sollen Grundbegriffe der modernen Philosophie systematisch entwickelt und diskutiert werden, und zwar so, dass der historische Ursprung der Debatte und die Gegenwartsdiskussionen deutlich werden. Apriorität soll anhand von kurzen Ausschnitten der Originalwerke zunächst bei Kant und dann auch bei Frege vorgestellt werden. Parallel mit dem Begriff von Apriorität wird auch der des Analytischen diskutiert. Schließlich wird der klassische Text von Quine ("Two dogmas of empiricism") gelesen, in dem er dafür argumentiert, dass die Unterscheidung von analytisch und synthetisch aufgegeben werden muss.

Im Anschluss an diese Kritik wird das neue Verständnis von Analytizität gemäß Kripke vorgestellt, dem gemäß der Inhalt einer Äußerung analytisch ist, wenn er a priori und notwendig ist. Kripkes Theoriebildung unterscheidet zunächst einmal anders als Kant a priori und notwendig, indem er dafür argumentiert, dass es einerseits Äußerungsinhalte gibt, die a priori und kontingent sind, und andererseits solche, die a posteriori und notwendig sind. Vor diesem Hintergrund verknüpft er Analytizität und Notwendigkeit miteinander.

In der neueren Diskussion steht der Begriff der Apriorität stark im Vordergrund, und es wird versucht zu klären, 1. was es genau heißt, dass eine Äußerung a priori ist und 2. auf welcher epistemischen Grundlage wir zu einem a priori Wissen gelangen können. Zur neuesten Diskussion werden ausgewählte Aufsätze aus dem Sammelband von Boghossian und Peacocke (2000) vorgestellt.

Für einen unbenoteten Schein ist ein Referat zu halten. Für einen benoteten Schein ist zusätzlich eine Hausarbeit (ca. 20 Seiten) zu verfassen. Abgabefrist für die Hausarbeiten ist der 30.09.2005.

Literatur:

Als Grundlage für das Seminar wird ein Reader zusammengestellt. Zum Einarbeiten empfehle ich die Stanford Encyclopädie für Philosophie im Netz, und zwar dort den Begriff "The analytic/synthetic distinction" unter http://plato.stanford.edu/ oder

Quine, Two dogmas of empiricism, (Wiederabdruck in: E. Margolis & S. Laurence (eds), 1999, Concepts. Core Readings, Cambridge MA: MIT Press, S. 153-169).

Kripke, S.A., Name und Notwendigkeit, Frankfurt: Suhrkamp stw.

Boghossian, P. & Peacocke, C. (Hg.), 2000, New Essays on the A priori, Oxford: Clarendon Press.

Scarano: Kant, Tugendlehre

Fr 10.15-12.30, Burse, Raum X, Beginn: 15.04.

In der Vorrede seiner 1785 erschienenen Grundlegung kündigt Kant an, eine "Metaphysik der Sitten" folgen zu lassen, zu der die frühere Schrift als eine Vorarbeit dienen sollte. Das zwölf Jahre später erschienene Werk mit diesem Titel besteht aus zwei Teilbänden, den Metaphysischen Anfangsgründen der Rechtslehre und den Metaphysischen Anfangsgründen der Tugendlehre. In dem Hauptseminar werden wir uns zunächst mit der Einleitung in das Gesamtwerk und dann mit dem zweiten Band befassen, der die Kantische Tugendlehre enthält.

Obwohl Kants Ethik zumeist mit Bezug auf die Grundlegung oder die Kritik der praktischen Vernunft behandelt wird, lohnt es sich, die selten beachtete Tugendlehre genauer unter die Lupe zu nehmen. Anhand der detailliert entwickelten Pflichtenlehre können viele Fragen, die in den früheren Schriften dunkel bleiben oder von Kant bewusst offen gelassen wurden, aus einer neuen Perspektive gestellt und erörtert werden. Was leistet der kategorische Imperativ? Wie funktioniert die Universalisierung? Wie lassen sich konkrete moralische Pflichten begründen, und wie viel Empirie ist für eine solche Begründung nötig? Welche Arten von Pflichten gibt es, und wodurch unterscheiden sie sich? Diesen Fragen werden wir im Seminar anhand einer gründlichen Lektüre und Diskussion des Kantischen Textes nachgehen.

Einen benoteten Schein erhält man durch den Vortrag eines Thesenpapiers und eine schriftliche Hausarbeit.

Textgrundlage:

Alle Ausgaben mit der Akademie-Paginierung, z. B. Immanuel Kant, Metaphysische Anfangsgründe der Tugendlehre, hrsg. v. Bernd Ludwig, Meiner, Hamburg 1990.

Schick: Die Theorie des Staates in Hegels Rechtsphilosophie

Do 12-14, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 14.04.

Im dritten Abschnitt des dritten Teils der 1820 erschienen Grundlinien der Philosophie des Rechts entwickelt Hegel seine Theorie des Staates, des inneren und des äußeren Staatsrechts. Was Hegel darin mit welchen Gründen vertritt, wollen wir uns in drei Hauptschritten erschließen: Erstens soll seine Konzeption von Sittlichkeit in Abgrenzung zum Abstrakten Recht und zur Moralität, d. h. der Leitbegriff des dritten Teils der Grundlinien, geklärt werden; zweitens werden wir die ersten beiden Formen sittlicher Gemeinschaft, mit dem Akzent auf der Theorie der bürgerlichen Gesellschaft, im Überblick betrachten um schließlich im dritten und ausführlichsten Teil die Staatstheorie selbst in eingehender Lektüre zu studieren.

Ein benoteter Schein kann durch ein mündliches Referat mit kurzer schriftlicher Ausarbeitung oder durch eine Hausarbeit erworben werden.

Text: G. W. F. Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts oder Naturrecht und Staatswissenschaft im Grundrisse, Werke Bd. 7, Frankfurt/M. (Suhrkamp) 1986. Ergänzend: G. W. F. Hegel: Über die wissenschaftlichen Behandlungsarten des Naturrechts (1802/1803), in: Werke Bd. 2, Frankfurt/M. (Suhrkamp) 1983; Manfred Riedel (Hg.): Materialien zu Hegels Rechtsphilosophie, 2 Bde., Frankfurt (Suhrkamp) 1975.

Schroeder-Heister/Xing: Gödel's ontological proof

Neueste Nachricht: Da der Tübingen-Aufenthalt von Prof. Xing kurzfristig verschoben werden mußte, fällt das angekündigte Seminar aus. Es wird voraussichtlich im Sommersemester 2006 stattfinden. Änderung!

Prof. Xing Taotao lehrt Philosophie (u. a. Logik und Religionsphilosophie) an der Universität Peking und ist im Sommersemester 2005 Gastprofessor an der Universität Tübingen. Das Seminar wird von Prof. Xing in englischer Sprache abgehalten. Thema ist die Variante des ontologischen Gottes-beweises, die der Logiker Kurt Gödel 1970 in einer Notiz verfasst hat und die sehr starke Resonanz gefunden hat. Gödel reiht sich mit seinen Überlegungen in formallogische Rekonstruktionen des ontologischen Arguments ein, die auf modallogische Konzepte zurückgreifen. Voraussetzungen für den Besuch des Seminars sind logische Grundkenntnisse (Logikschein). Obwohl das Seminar von Prof. Xing konzipiert wird, fungiere ich (P.S-H.) als Mitveranstalter und würde gegebenenfalls einen Seminarschein aufgrund eines Referats mit Ausarbeitung oder aufgrund einer schriftlichen Hausarbeit ausstellen. Bitte beachten Sie auch Ankündigungen des Seminars für Sinologie und Koreanistik zu anderen Veranstaltungen von Prof. Xing. Geplant ist insbesondere eine Veranstaltung mit dem (provisorischen) Titel: "Chinese Responses to the Proposal of a Global Ethic".

Scheinkriterien: Referat mit Ausarbeitung oder schriftliche Hausarbeit.

Literatur:

K. Gödel, Ontological Proof (mit Einleitung von R.M. Adams), in: K. Gödel, Collected Works, ed. S. Feferman et al., Vol. III, New York / Oxford 1995, 388-404 (Einleitung: 388-402, Gödels Notiz: 403-404).

W.K. Essler, E. Brendel, Grundzüge der Logik, Bd. II, Frankfurt 1993, Anhang IV: Gödels Gottesbeweis, 354-365.

Zenkert: H. Plessner: Die Stufen des Organischen und der Mensch Kompaktveranstaltung

5.04.-7.04. 2005, 10-18 Uhr, Burse, Schellingzimmer

Plessner sucht in seinem 1928 erschienenen Hauptwerk, dessen Wirkung durch Heideggers Sein und Zeit überschattet wurde, durch eine naturwissenschaftlich gestützte Naturphilosophie die Anthropologie als Fundamentaldisziplin der Philosophie zu begründen. Ausgehend von der Bestimmung des Menschen als eines Lebewesens, das durch die Distanz zu sich selbst ausgezeichnet ist, unternimmt Plessner den Versuch, die Verhältnisse von Körper und Seele, von Innenwelt und Außenwelt, von Person und Mitwelt und von Natur und Kultur auszuloten. Er berührt damit Fragestellungen von ungebrochener Aktualität.

Scheinerwerb: Hausarbeit.

Textausgabe: Plessner, Die Stufen des Organischen und der Mensch, in: Gesammelte Werke, Frankfurt/M. 1980, Bd. IV (Suhrkamp, erhältlich über die Wiss. Buchgesellschaft); oder Einzelaus-gabe Berlin 31975 (De Gruyter).

Lektüre-Schwerpunkte und Literatur nach Anmeldung bis zum 28.02.2005 über:

georg.zenkert@urz.uni-heidelberg.de

Zurück zum Seitenanfang

Zurück zur Startseite der Philosophischen Fakultät

Oberseminare

Frank/Hofmann: Gibt es begriffliche Qualia?

Mo 20-23, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 11.04.

Wir wollen in der Philosophie des Geistes Literatur zur Frage, was bewusste propositionale Einstellungen sind, studieren. Nach dem Ansatz, der im Zentrum stehen soll, sind bewusste propositionale Einstellungen solche, die eine eigene Phänomenologie, einen eigenen phänomenalen Charakter haben, so (ähnlich) wie Empfindungen (Schmerz, Wärmeempfindung etc.). Man spricht hier auch von sog. begrifflichen Qualia. Diese Position versuchen neuerdings Autoren wie T. Horgan, J. Tienson, C. Siewert und G. Soldati zu entwickeln, aber schon Husserl hat sie in gewissem Sinne vertreten. Ein Reader mit den Texten wird ab April zur Verfügung stehen.

Hesse/Simon: Franz Rosenzweig: Hegel und der Staat Kompaktveranstaltung

17.06-19.6.und 24.06.-26.06.2005

Vorbesprechung: Mo 6.06.2005, 15 Uhr, Melanchthonzimmer

Franz Rosenzweig gehört nicht zu den kanonischen Autoren eines gewöhnlichen Philosophiestudiums, obwohl er es war, der "Das Älteste Systemprogramm des deutschen Idealis-mus" für die Öffentlichkeit entdeckt und sogleich mit einem souveränen Kommentar versehen hat. Auch seine philosophische Doktorarbeit hat Rosenzweig über Hegel, und zwar die Rechtsphilo-sophie, geschrieben und acht Jahre nach der Promotion als zweibändiges Werk mit dem Titel "Hegel und der Staat" veröffentlicht.

Wir wollen uns in dem gewiss etwas experimentellen Oberseminar mit dem für Rosenzweigs Deutung der Rechtsphilosophie zentralen Kapitel mit der Überschrift "Preussen" auseinandersetzen und Rosenzweigs Hegel-Kritik prüfen. Dabei wollen wir das Augenmerk nicht zuletzt auf Rosenzweigs Selbstverständnis als eines deutsch-jüdischen Philosophen richten. Am Rande werden auch Probleme der Übersetzung im Allgemeinen und Besonderen zur Sprache kommen, denn Jules Simon Professor für Philosophie an der University of Texas (El Paso) ist gerade dabei, das Werk ins Englische zu übertragen.

Hegelkenntnisse und gute Englischkenntnisse sind überaus erwünscht.

Ein benoteter Schein kann durch eine Hausarbeit erworben werden.

Text: Franz Rosenzweig, Hegel und der Staat, Aalen 1982, insbesondere S. (II), 63-204.

Höffe: Neuerscheinungen zur Ethik und Vorstellung eigener Projekte Forschungskolloquium Termin nach Vereinbarung. (Teilnahme nur nach persönlicher Anmeldung.)

Keuth: Intellektuelle Hochstapelei. Zu den unbegrenzten Möglichkeiten der Hermeneutik und des Konstruktivismus Mi 9-12, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 13.04.

Der Aufsatz "Transgressing the Boundaries: Toward a Transformative Hermeneutics of Quantum Gravity" von Alan Sokal und Jean Bricmont erschien als Sonderheft der kulturwissenschaftlichen Zeitschrift Social Text. Die Herausgeber hatten nicht bemerkt, dass es sich um eine Satire auf Autoren wie Deleuze, Derrida, Lacan und Lyotard handelt, die versuchen, ihrem gebildeten Reden mit pseudowissenschaftlichen Thesen mehr Gewicht zu geben. Seit 1997 liegt die Auseinandersetzung mit solchen Autoren als Buch mit dem Titel Impostures intellectuelles (Éditions Odile Jacob, Paris, ISBN 2-7381-0503-3 Pick It! ) vor. 1999 erschien bei Beck die inzwischen vergriffene - aber im Seminar vorhandene Übersetzung mit dem etwas verharmlosenden Titel Eleganter Unsinn. Wie die Denker der Postmoderne die Wissenschaften mißbrauchen. Auch in Bereichen deutscher Philosophie und Geisteswissenschaften ist solche Hochstapelei verbreitet. Das Seminar wird sich nicht nur mit diesem Buch auseinandersetzen, sondern auch Parallelen ziehen.

Ein benoteter Schein kann aufgrund eines Referats erworben werden.

Koch, A. F. Probleme der Ersten Philosophie Doktorandenkolloquium

Di 20s.t.- 22.15, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 19.04.

Das Oberseminar soll Doktoranden die Möglichkeit geben, Themen im Zusammenhang mit ihren Projekten zur Diskussion zu stellen. Im übrigen werden wir uns mit der kritischen Rezeption eines Theorieangebots beschäftigen, das wohl für jedes philosophische Vorhaben fruchtbar gemacht werden kann: Wilfrid Sellars, Science and Metaphysics. Variations on Kantian Themes, London 1968.

Newen: Was sind Begriffe? Wahrnehmung, Sprache und Denken aus philosophischer und psychologischer Perspektive Do 9-12, Burse, Raum X, Beginn: 14.04.

Die Sonderstellung des Menschen in der Natur geht vor allem auf seine intellektuellen Fähigkeiten zurück. Dabei ist die Fähigkeit zentral, vom Einzelnen abzusehen und das Allgemeine zu erfassen. Allgemeine Merkmale, Bündel von Merkmalen oder Regeln erfassen wir auf der Basis von Begriffen. Begriffe sind das Werkzeug der Verallgemeinerung, und Begriffsbildung ist damit der Schlüssel für unsere Intelligenz. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Begriffe in der Philosophie schon in der Antike eine zentrale Rolle spielen: Platonische Ideen oder die Kategorien des Aristoteles sind letztlich unterschiedliche Formen, menschliche Begriffsbildung in eine philosophische Theorie einzubetten. Kants Erkenntnistheorie ist mit dem Diktum bekannt worden: "Begriffe ohne Anschauungen sind leer. Anschauungen ohne Begriffe sind blind." Somit stellen sich u. a. die folgenden systematischen Fragen an eine moderne Philosophie:

- Können wir wahrnehmen, ohne dass wir über Begriffe verfügen?

- Gibt es vorbegriffliche Erkenntnisse?

- Können wir mittels Begriffen denken, ohne dass wir über Sprache verfügen?

- Verfügen Tiere über Begriffe?

Neben diesen erkenntnistheoretischen Fragen lässt sich die ontologische Frage, was Begriffe sind, in zwei Teilfragen untergliedern: 1. Was ist die Natur der Begriffe bzw. welchen ontologischen Status haben Begriffe? und 2. Was ist die Struktur von Begriffen bzw. haben sie eine interne Struktur und wenn ja, welche?

Die Diskussion über den ontologischen Status von Begriffen war eine zentrale Debatte des Mittelalters, der Streit um den Status von Universalien. Analog zum Universalienstreit des Mittelalters lassen sich die Positionen des 20. Jahrhunderts in realistische, mentalistische und konstruktivistische Theorien der Begriffe aufteilen. Zur Struktur der Begriffe hat sich in der Psychologie die einflussreiche Prototypentheorie (E. Rosch) herausgebildet. Sie war die Antwort auf die Probleme der klassischen Begriffstheorie, der gemäß Begriffe durch Merkmale charakterisiert werden können, die notwendige und hinreichende Bedingungen für das Zutreffen des Begriffs anzugeben erlauben. In Absetzung von diesen beiden Theorien hat Fodor für eine Theorie der Begriffe argumentiert, der gemäß Begriffe überhaupt keine interne Struktur besitzen.

Für einen unbenoteten Schein ist ein Referat zu halten. Für einen benoteten Schein ist zusätzlich eine Hausarbeit (ca. 20 Seiten) zu verfassen. Abgabefrist für die Hausarbeiten ist der 30.09.2005.

Literatur:

1.) Zum Einlesen: Die Einleitung in:

E. Margolis & S. Laurence (eds.), 1999, Concepts. Core Readings, Cambridge MA: MIT Press. (Einleitung, S. 3-81.)

2.) Christopher Peacocke, 1992, Concepts. A study of concepts, Cambridge MA. MIT Press.

3.) Jerry A. Fodor, 1998, Concepts. Where cognitive science went wrong, Oxford: Clarendon Press.

4.) Jesse J. Prinz, 2002, Furnishing the Mind. Concepts and their perceptual basis, Cambridge MA: MIT Press.

Kolloquien

Kümmel: Gedächtnis und Erinnerung

Fr 18-20, Burse, Melanchthonzimmer, Beginn: 15.04.

Schroeder-Heister: Logik und Sprachtheorie

Termin und Ort nach Vereinbarung

Bitte Ankündigungen auf der homepage des Dozenten beachten.

Besprechung von Forschungsarbeiten sowie gelegentlich Gastvorträge. Interessierte können sich durch e-mail an den Dozenten (pshspam prevention@informatik.uni-tuebingen.de) in den Einladungsverteiler eintra-gen lassen.

Autonomes Seminar

Stange: Laurence BonJour: In Defense of Pure Reason

Mo 16-18, Burse, Schellingzimmer Änderung!, Beginn: 11.04.

Soll die Philosophie eine eigenständige Erkenntnisart (um nicht zu sagen "Wissenschaft") und nicht nur die Magd ehemals der Theologie, heute wohl eher der empirischen Wissenschaften sein, so hängt einiges, wenn nicht gar alles, davon ab, ob es so etwas wie ein apriorisches Wissen gibt, zu dem wir durch bloßes vernünftiges Denken gelangen können, d.h. ohne uns auf bestimmte Erfahrungen berufen zu müssen, das sich aber dennoch nicht in der Trivialität etwa der logischen Tautologien erschöpft. Unter dem Einfluss von Humes empiristischem Skeptizismus gegenüber Ansprüchen auf eine Einsicht aus reiner Vernunft hat Kant sich die Frage nach solchem Wissen in metaphysikkritischer, jedoch nicht -destruktiver Absicht bekanntlich als die Frage nach der Möglichkeit synthetischer Urteile a priori gestellt. Heute wirft Laurence BonJour sie im geistigen Klima eines inzwischen zur Vorherrschaft gekommenen Empirismus wieder auf als die Frage nach der Möglichkeit apriorischer Rechtfertigung von Wissensansprüchen. Vor allem in Auseinandersetzung mit Quine hat er dabei eine Kritik nicht mehr der reinen, sondern der "unreinen" Vernunft im Sinn. Wir wollen im Seminar sein Buch In Defense of Pure Reason lesen und diskutieren. Nach Wunsch oder Bedarf können weitere Texte hinzugezogen werden (z. B. Quines "Two Dogmas of Empiricism" oder Bruce Aunes "Against Moderate Rationalism").

Erwerb eines benoteten Proseminar-Scheins: schriftliche Hausarbeit (ca. 15 Seiten).

Text:

Laurence BonJour: In Defense of Pure Reason A Rationalist Account of A Priori Justification, Cambridge: Cambridge University Press, 1998.

Ab Mitte März wird eine Kopiervorlage im Apparat bereitliegen.

Arbeitskreise

Hoering: Lernprogramme (insbesondere für Logik)

Di 19-21, Burse, Computerpool, Beginn: 19.04.

Seit einiger Zeit gibt es ein Tutor-Programm zum Einüben des logischen Ableitens in Formalismen der Aussagen-, Prädikaten- und Modallogik, das im Rahmen dieses Arbeitskreises entwickelt worden ist. Dieses Programm wurde zunächst in Pascal für IBM-kompatible Rechner geschrieben; für seine Portierung auf andere Plattformen stellen wir Versionen in C++ her. Neue Mitglieder, die bereits Kenntnisse in diesen Sprachen besitzen oder stark motiviert sind, sich einzuarbeiten, sind herzlich willkommen.

Koch, D.: Hermeneutische Phänomenologie

Mi 12-14, Burse, Schellingzimmer, Beginn: 13.04.

Der Arbeitskreis "Hermeneutische Phänomenologie" geht auf eine Initiative von Studierenden zurück. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der hermeneutischen Phänomenologie, so wie sie sich in der ersten systematischen Ausarbeitung in Martin Heideggers "Sein und Zeit" darstellt, vor allem aber mit der Weiterentwicklung bzw. der Veränderung dieses philosophischen Ansatzes in der gereiften Periode der heideggerschen Philosophie dem sogenannten "Ereignis-Denken" von Mitte der dreißiger bis zu Beginn der siebziger Jahre.

Im Sommersemester beschäftigen wir uns mit Heideggers Abhandlung "Der Ursprung des Kunstwerks". Ein Schwerpunkt soll hierbei auf das Verhältnis von Welt und Erde gelegt werden. Textgrundlage ist die Reclam-Ausgabe. Die zwei Vorfassungen des "Kunstwerkaufsatzes" werden in einem Ordner im Seminarapparat als Kopiervorlage bereitgestellt. Der Arbeitskreis ist für alle an der Sache der hermeneutischen Phänomenologie interessierten und engagierten Studierenden offen.

Computer Pool

Das Philosophische Seminar teilt sich mit dem Kunsthistorischen Institut (KHI) und dem Institut für Erziehungswissenschaften (IFE) einen Computer-Pool. Dieser befindet sich im 2. Stock der Alten Burse, Raum 208. Einen Account kann bei Frau Ott, Raum 213, beantragt werden.

Cafete

Ihr seid herzlich eingeladen

Wenn die Müdigkeit zuschlägt, der Hunger den Magen quält, die Stimmbänder vertrocknen oder Ihr einfach nur ein paar entspannte Momente genießen wollt:

Komm in die Cafete und labe Dich an den Getränken oder nimm Dir eine Kleinigkeit zum Essen.

Du findest uns im 2. Stock der Burse.

PS.: Wir freuen uns über jeden neuen Helfer, der noch ein bisschen Zeit und Lust hat.

Der Fachschaftsrat

Der Fachschaftsrat der Philosophie ist die Vertretung aller Studierenden der Philosophie ("Fachschaft"). Er vertritt Deine Interessen in den Gremien der universitären Selbstverwaltung (so etwa im Fakultätsrat und in der Studienkommission). Als zentrale Aufgabe nehmen wir darüber hinaus die Betreuung der Anfänger/innen wahr und sorgen so nebenbei auch für ein kulturelles Angebot in der Burse.

Über unsere Arbeit informieren wir am Schwarzen Brett vor Raum X und im Internet (http://www.FS-Philo.De.VU). Wenn Du uns ansprechen willst oder gar Lust hast, mit uns zusammen die Uni mitzugestalten, dann komm einfach in unsere Sitzungen.

Wir treffen uns jeden Mittwoch ab 20 Uhr c.t. in der Cafete (oder auch mal im Fachschaftszimmer, Raum 308 b).