Philosophisches Seminar

Wintersemester 1995/96


Sprechstunden der Dozenten: siehe Aushang

Allgemeine Studienberatung: Fakultätsassistent Dietmar Koch
Mo 11-12.30; Do 10-12, Raum 214

Eventuelle Änderungen gegenüber dem Vorlesungskommentar werden aktuell angeschlagen!

Soweit nicht anders im Kommentar vermerkt, ist die Anmeldung zu den Veranstaltungen nicht erforderlich.


Vorlesungen

Bubner: Grundprobleme der Ästhetik

Di, Do 12-13; Hörsaal: s. Aushang; Beginn: 24.10.

Seit alters her stehen Kunst und Philosophie in Nachbarschaft. Platon hatte daraus ein Konkurrenzverhältnis abgeleitet, während der Deutsche Idealismus beide systematisch auf den Fluchtpunkt des Absoluten bezog. Die eigenständige Disziplin der Ästhetik entsteht allerdings erst im 18. Jahrhundert unter den Bedingungen der Reflexion auf das Geschmacksurteil. Man darf wohl sagen, daß die in der Moderne ständig wachsende Bedeutung der Ästhetik, wofür gerade das 20. Jahrhundert die deutlichsten Belege liefert, ein Epochensignum ist, das der Philosophie zu denken gibt. Die Vorlesung, die mit Hauptkategorien und leitenden Problemstellungen vertraut machen will, wird zugleich auch einen Blick auf die Theoriegeschichte werfen.

Figal: Formen des Verstehens. Zur Einführung in die hermeneutische Philosophie

Mi 16-18; Hörsaal: s. Aushang; Beginn: s. Aushang

Hermeneutisch ist eine Philosophie, die sich am Begriff des Verstehens orientiert, und das heißt: am Begriff eines sprachlich und geschichtlich gebundenen, perspektivischen Wissens. Mag diese Charakterisierung für eine erste Orientierung tauglich sein - was Verstehen ist, erweist sich doch erst, indem man seine verschiedenen Ausprägungen betrachtet. Das möchte ich in dieser Vorlesung unter besonderer Berücksichtigung von Politik und Kunst versuchen und so einführend die Grundlinien einer hermeneutischen Philosophie entwickeln.

Frank: Die Krise der Reinholdschen Elementarphilosophie und die Anfänge der philosophischen Frühromantik, I. Teil

Di 16-18; Hörsaal: s. Aushang; Beginn: s. Aushang

Carl Leonhard Reinhold, der erfolgreichste Popularisierer der kantischen Philosophie, entwickelte 1789 eine eigene (von Kant nicht ermutigte) 'Philosophie aus oberstem Prinzip'. Dies Prinzip sollte durch Evidenz bestehen und die Wahrheit aller Folge-Sätze sichern, die kraft ihrer logischen Beziehung zum Grundsatz ebenfalls einleuchten. An dieser Methode kamen Reinhold im Sommer 1792 Zweifel, an deren Ursprung nicht nur Schulzes "Aenensidemus", sondern vor allem Einwände seiner skeptischen Schüler standen (vor allem Johann Benjamin Erhard und sein Kreis sowie der aus Tübingen nach Jena gekommene Repetent Carl Immanuel Diez). In der Folge brach Reinhold (oder vielmehr: sein Schülerkreis) mit dem Konzept einer Grundsatz- Philosophie, die im Gegenzug von Fichte weitergeführt und radikalisiert, aber auch von ihren Opponenten (darunter dem alten Kant selbst) ebenso radikal bekämpft wurde.
Der Titel der Vorlesung könnte unprätentiöser auch heißen: 'Die Entwicklung des deutschen Idealismus von Kant bis Fichte'. Meine These ist aber, daß die Diskussion um die kantische Philosophie durch Kants unmittelbare Schüler und Nachfolger (von Maimon abgesehen) gar nicht in die Richtung eines (Fichteschen) absoluten Idealismus, sondern eines skeptischen Realismus geführt wurde (das 'Seyn' - im Sinne von Existenz - bleibt außer dem Bewußtsein). Zum Spektrum dieses Skeptizismus zähle ich neben einigen Beiträgen in Niethammers "Philosophischem Journal" vor allem die frühesten philosophischen Notizen Hölderlins (und seiner Freunde) sowie Friedrich von Hardenbergs und Friedrich Schlegels.
Die Vorlesung geht über zwei Semester. Im ersten Teil (WS 1995/96) nehme ich den Faden meiner Kant-Einführung (vom vergangenen SoSe 1995) auf und erzähle die Entwicklung nach, die von Kant über Jacobi, Maimon und Reinhold zur Entwicklung einer Grundsatz-Skepsis führte (Aenesidemus, der Erhard-Kreis, die Mitarbeiter des "Philosophischen Journals"). Im zweiten Teil (SS 1996) will ich zeigen, wie die frühromantische Spekulation diese Skepsis (gegen Fichte) verstärkte und vertiefte.

Geeignete Einführungen:
Frederick C. Beiser, The Fate of Reason. German Philosophy from Kant to Fichte, Harvard University Press 1987;
Dieter Henrich, Der Grund im Bewußtsein. Untersuchungen zu Hölderlins Denken (1794-1795), Stuttgart: Klett-Cotta 1992;
Marcelo R. Stamm, Die Reorganisation der Philosophie aus einem Prinzip, Stuttgart: Klett-Cotta (Herbst 1995);
Manfred Frank, Philosophische Grundlagen der Frühromantik, in: Athenäum. Jahrbuch für Romantik, 4. Jahrgang 1994, hg. von Ernst Behler, Jochen Hörisch und Günter Oesterle, Paderborn-München-Wien-Zürich 1994, 37-130.

Gölz: Sein und Nichts? - Wege und Irrwege der neueren Ontologie (Sartre, Heidegger; N. Hartmann, Jacoby)

Mo 16-18; Hörsaal: Alte Burse, Raum X; Beginn: 23.10.

Ontologie, die Lehre vom Sein und Seienden, gilt seit Aristoteles als philosophische Grundwissenschaft, als "erste Philosophie". Unklar blieb stets, inwieweit es sich bei der Ontologie um die Analyse der Bedeutung von fundamentalsten Grundbegriffen der Sprache (etwa der Sprache der Logik) handelt oder inwieweit ontologische Erkenntnis als Grundlage für tiefste metaphysische Erkenntnis (in bezug auf Letztes, Absolutes, Göttliches - vgl. Hegel) anzusehen sei.
In dieser Vorlesung sollen neben allgemeinen Begriffsklärungen wichtige ontologische Entwürfe dieses Jahrhunderts in ihren Grundzügen dargestellt und kritisch analysiert werden. Auf der einen Seite stehen Heidegger und Sartre, welche - sehr vereinfacht gesagt - ausgehend von menschlicher Seins- bzw. Existenzerfahrung über Sein und Nichtsein nachzudenken versuchten. Auf der anderen Seite stehen N. Hartmann und G. Jacoby, welche in ihren Theorien des "realen" bzw. "transzendenten" Seins - ebenfalls sehr vereinfacht gesagt - die seit Kant verbreitet herrschende Philosophie der Subjektivität vollständig überwinden wollten.

Zu Heidegger, Sartre, N. Hartmann vgl. Josef Speck (Hrsg.), Grundprobleme der großen Philosophen (UTB), Philosophie der Gegenwart V, Philosophie der Gegenwart VI;
zu G. Jacoby: Günther Jacoby, Allgemeine Ontologie der Wirklichkeit I, II, Tübingen 1993 (2.A.)

Höffe: Politische Philosophie - Rechtsphilosophie

Mi 11-13; Hörsaal: s. Aushang; Beginn: 25.10.

Die Vorlesung behandelt Grundbegriffe und Grundprobleme der Rechtsphilosophie sowie ihre wichtigsten historischen und aktuellen Positionen. Sie wendet sich besonders an Fortgeschrittene, ist aber auch für interessierte Anfänger geeignet.

Literatur:
O. Höffe: Politische Gerechtigkeit. Grundlegung einer kritischen Philosophie von Recht und Staat, Frankfurt a.M. 1987.

Keuth: Wissenschaftstheorie I

Do 10-12; Hörsaal: s. Aushang; Beginn: 26.10.

Die Vorlesung soll die Grenzen erfahrungswissenschaftlicher Erkenntnis zeigen. Untersucht werden: das Problem der Induktion und die deduktive Hypothesenprüfung, Erklärung, Prognose, die Prüfung von Beobachtungssätzen anhand von Sinneswahrnehmungen und im Zusammenhang damit der Positivismusstreit.

Schroeder-Heister: Logik I

Fr 11-13; Hörsaal: s. Aushang; Beginn: 20.10.

Die Logik gehört traditionell zum philosophischen Fächerkanon. Aufgrund ihrer Fortschritte seit G. Freges "Begriffsschrift" (1879) ist ihre Bedeutung für die Philosophie gewachsen. Unbestritten ist die Logik zentrale Grundlage der Philosophie der Mathematik und der Wissenschaftstheorie der Naturwissenschaften. Aber auch für das Studium vieler anderer Bereiche der Philosophie sind Logikkenntnisse unerläßlich. (Beispiel: Ohne zu wissen, was - nach traditioneller und moderner Meinung - ein logisch gültiger Schluß ist, läßt sich z.B. die Unterscheidung zwischen synthetischen und analytischen Urteilen und die moderne Diskussion darüber kaum verstehen und verfolgen.) Themengebiete der Vorlesung sind u.a.: Formalisierung von Argumenten, Logische Symbolik, Aussagenlogik, Logische Folgerung, Formale Systeme, Quantorenlogik, Syllogistik.
Ein qualifizierter Schein wird aufgrund einer Klausur am Semesterende vergeben. Die zur Vorlesung angebotenen Übungen sind nicht obligatorisch, werden aber zur Vertiefung des Stoffes empfohlen.

Schroeder-Heister/Hudelmaier: Logische Grundlagen der Künstlichen Intelligenz (mit Übungen)

Do 14-16; Hörsaal: s. Aushang; Beginn: s. Aushang

Dies ist eine Veranstaltung in der Informatik, die insbesondere die Theorie der logischen Programmierung behandelt. Interessierte Studierende der Philosophie mit Logikkenntnissen sind jedoch auch eingeladen. Programmierkenntnisse sind erwünscht.
Für weitere Informationen vgl. das ausführliche Vorlesungsverzeichnis der Fachschaft Informatik.

Wieland: Einführung in die Metaphysik

Mo 11-13, Mi 11-12; Hörsaal: s. Aushang; Beginn: 18.10.

Die Vorlesung gibt zunächst einen Einblick in die problematische Lage der Metaphysik und erläutert von dort aus an historischen Exemplaren verschiedene metaphysische Versuche in ihrer Reichweite und in ihren Grenzen. Diese Erläuterung stützt sich auf zentrale Texte der Geschichte der Metaphysik und ist zugleich um eine gewisse überblicksartige Orientierung bemüht. Literaturangaben in der Vorlesung.


Einführungsveranstaltung

Koch: Einführung in das Studium der Philosophie

Di 10-12; Alte Burse, Raum X; Beginn: 17.10.

Die Einführungsveranstaltung dient der umfassenden Grundorientierung im Philosophiestudium. Sie ist reserviert für Erst- und Zweitsemester im Fach Philosophie. Aufgabe der Veranstaltung ist es, Kenntnisse zum Studienablauf und zur Studienorganisation zu vermitteln, grundlegende Literatur bekannt zu machen, eine Anleitung zu wissenschaftlichem Arbeiten zu geben, vor allem jedoch in geschichtlich wie systematisch bedeutsame Grundprobleme philosophischen Denkens einzuführen. Dies geschieht anhand von Textauszügen zentraler philosophischer Werke von Parmenides bis Wittgenstein. (Die Textauszüge werden ausgegeben.)


Proseminare

Bubner: Amerikanische Ästhetik des 20. Jahrhunderts

Di 16-18; Alte Burse, Raum X; Beginn: 24.10.

Begleitend zur Vorlesung wird eine Anfängerübung veranstaltet. In einiger Distanz zu den viel betretenen Pfaden soll Aufmerksamkeit für Beiträge zur ästhetischen Diskussion geweckt werden, die von der besonderen Lage amerikanischer Theoriebildung ausgehen. Originell, aber wenig beachtet ist J. Deweys Analyse "ästhetischer Erfahrung", die schon früh auf dem Boden des Pragmatismus entstand. Der Sprachphilosoph N. Goodman hat eine besondere Zeichentheorie der Kunst entwickelt. Schließlich hat der Wissenschaftstheoretiker Danto in seiner Spätphase eine Wendung zur "Art World" unternommen. Drei Texte werden uns beschäftigen:

J. Dewey, Art as Experience (1934); dt. Kunst als Erfahrung, Frankfurt/M 1980.
Nelson Goodman, Languages of Art (1969); dt. Sprachen der Kunst, Frankfurt/M 1995.
Arthur C. Danto, The Transfiguration of the Commonplace (1981); dt. Die Verklärung des Gewöhnlichen, Frankfurt/M 1984.

Benotete Scheine nur aufgrund von Hausarbeiten.

Figal: Platon, Gorgias

Di 14-16; Alte Burse, Konferenzraum; Beginn: s. Aushang

Platons Dialog verhandelt das Verhältnis von Rhetorik und Philosophie und radikalisiert dies zu der Frage nach dem Verhältnis eines ruhelosen, machtgeprägten Lebens zu einer Lebensform, die an Einsicht und Beständigkeit orientiert ist. Dies alles wird markant an deutlich einander entgegengesetzten Positionen entwickelt. Der Dialog ist geeignet, in die Platonische Philosophie einzuführen und dabei besonders deren politische Aspekte zur Geltung zu bringen.

Ich empfehle, mit der Übersetzung Friedrich Schleiermachers zu arbeiten. Griechischkenntnisse sind keine Voraussetzung.

Frank: Ernst Tugendhat/Ursula Wolf, "Logisch-semantische Propädeutik"

Mi 18-20; Alte Burse, Konferenzraum; Beginn: s. Aushang

Diese nützliche und wegen ihres didaktischen Geschicks als Einführung für Anfänger(innen) geeignete Propädeutik wollen wir recht schulmäßig, über 14 Sitzungen verteilt, Kapitel für Kapitel diskutieren.
Teilnahmebedingung (=Qualifikation für den Erwerb eines Scheins) ist die vorherige (unterschriftliche) Verpflichtung zur Vorbereitung (auch in Gruppenarbeit) einer der 14 Sitzungen, deren Gliederung durch das Inhaltsverzeichnis des Bändchens vorgegeben ist. Die Eintragung kann jederzeit in meinem Sekretariat vorgenommen werden.

Literatur:
Ernst Tugendhat/Ursula Wolf, "Logisch-semantische Propädeutik", Stuttgart: Reclam 1983.

Gessmann: Heidegger, Sein und Zeit

Di 20-22; Alte Burse, Konferenzraum; Beginn: s. Aushang

"Sein und Zeit" wird gemeinhin als das Hauptwerk Martin Heideggers angesehen. Schon kurz nach seinem Erscheinen 1927 war vielen Zeitgenossen klar, daß hier ein neues Kapitel der Philosophie aufgeschlagen wurde. Daß man die Frage nach dem 'Sein' radikaler stellen mußte, als es die Tradition der Metaphysik bislang getan hatte, mochte noch in den Rahmen bekannter Überbietungsstrategien einzuorden sein. Daß man das Sein nun aber aus dem Horizont der 'Zeit' heraus denken sollte, war unerhört.
War die zeitgenössische Wirkung schon groß, so sind die Folgen fast unabsehbar. Um nur einige zu nennen: Theologen, allen voran Bultmann, ließen sich von einem neuen 'Ruf in den Glauben' inspirieren, Sartre wandelte die Seinsfrage zum Problem einer authentischen Existenz, Gadamer entwickelte aus dem Ansatz einer 'Hermeneutik der Faktizität' die Grundlinien einer philosophischen Hermeneutik.
In dem Kurs wird es darum gehen, einen soliden Zugang zu dem Werk zu eröffnen, und das heißt im besonderen, die Sprache Heideggers verstehen zu lernen, und mit der Sprache seine Konzeption von 'Sein' als eine Bestimmung von 'Sein und Zeit'.

Empfohlene Literatur:
Martin Heidegger: Sein und Zeit, Tübingen 1984.
Sekundärliteratur:
Günter Figal: Heidegger zur Einführung, Hamburg 1992.
H.-G. Gadamer: Heideggers Wege, in: ders.: Gesammelte Werke, Bd. 3, Tübingen 1987.
Otto Pöggeler (Hrsg.): Heidegger. Perspektiven zur Deutung seines Werks, Weinheim 1994.

Grundmann: Einführung in die Erkenntnistheorie II

Di 10-12; Alte Burse, Konferenzraum; Beginn: 17.10.

Fortsetzung aus dem SS 1995. Keine Neuaufnahmen.
Ein qualifizierter Schein kann durch zwei kurze Hausarbeiten während des Semesters erworben werden.

Grundmann/Merle: Willensfreiheit und Determinismus

Mi 10-12; Alte Burse, Raum X; Beginn: 18.10.

Das Problem der Kompatibilität von Willensfreiheit und Determinismus läßt sich anhand der folgenden drei miteinander unverträglichen Thesen veranschaulichen:
1. Jedes physikalische Ereignis hat eine physikalische Ursache. 1a. Jede physikalische Ursache hat selber eine physikalische Ursache. 2. Es gibt freie Willensentscheidungen, die Ursachen sind, ohne selbst Wirkungen zu sein.
3. Die freien Willensentscheidungen greifen durch die von ihnen verursachten Handlungen in die physikalische Wirklichkeit ein.
Alle drei Thesen scheinen wesentliche Bestandteile unseres Selbst- und Weltverständnisses zu sein. These 1 ist eine grundlegende Annahme der Naturwissenschaft. These 3 ermöglicht es allererst, Personen für Handlungen verantwortlich zu machen. Die in These 2 behauptete Willensfreiheit scheint eine unabdingbare Voraussetzung für Recht und Moral zu sein. Ob die Willensfreiheit so definiert werden muß wie in These 2, ist allerdings umstritten. Im Seminar werden wir verschiedene klassische und zeitgenössische Texte zum Thema Willensfreiheit und Determinismus behandeln. Der Schwerpunkt wird dabei auf Versuche gelegt, die Willensfreiheit so zu definieren, daß sich das o.g. Problem der Kompatibilität auflöst. Ein Reader mit den einschlägigen Texten kann zu Beginn des Semesters erworben werden. Bedingung für einen qualifizierten Schein: Hausarbeit.

Einführende Literatur:
U. Pothast, Die Unzulänglichkeit der Freiheitsbeweise, Frankfurt a.M. 1980 (Suhrkamp).
T. Honderich, Wie frei sind wir? Das Determinismus-Problem, übers. v. J. Schulte, Stuttgart 1995 (Reclam).

Höffe/Horn: Augustinus, De civitate dei

Mi 14.30-16.00; Alte Burse, Raum X; Beginn: 18.10.

Augustins De civitate dei ist für die Geschichte der Staatsphilosophie von erheblicher Bedeutung. Anders als Platon, Aristoteles und Cicero zieht Augustinus die Vorstellung grundsätzlich in Zweifel, Gerechtigkeit sei ein notwendiges Staatskonstituens; er setzt an ihre Stelle ein pragmatisches Konsenskriterium, wie es durchaus auch einer Räuberbande zukommt. Im Hintergrund steht seine Konzeption eines sich erst im Jenseits erfüllenden Gottesreiches; diese Konzeption eröffnet ihm die Möglichkeit eines bis dahin unbekannten politischen Realismus. Starke Wirkungen auf Mittelalter und Neuzeit üben seine Lehre von zwei miteinander rivalisierenden 'Reichen' aus, ferner der Entwurf einer Geschichtsphilosophie, die Idee eines universalen Friedens und seine Relativierung des naturrechtlichen Standpunkts. Im Seminar sind Lateinkenntnisse willkommen, werden aber nicht vorausgesetzt. Benotete Scheine werden aufgrund eines Referats und einer schriftlichen Hausarbeit vergeben.

Text:
Augustini de civitate dei libri XXII, ed. Dombart/Kalb, 2 Bde., Stuttgart 1993 (Teubneriana).
Aurelius Augustinus, Vom Gottesstaat, übers. von W. Thimme, 2 Bde., München 21985 (dtv. klassik).
(Anstelle dieser relativ teuren Ausgaben kann zu Semesterbeginn auch ein Reader erworben werden.)

Literatur:
U. Duchrow, Christenheit und Weltverantwortung. Traditionsgeschichte und systematische Struktur der Zweireichelehre, Stuttgart 21983.
W. Kamlah, Christentum und Geschichtlichkeit. Untersuchungen zur Entstehung des Christentums und zu Augustins "Bürgerschaft Gottes", Stuttgart/Köln 21951.
J.R. Markus, Saeculum. History and Society in the Theology of St. Augustine, Cambridge 21983.
J. van Oort, Jerusalem and Babylon. A study into Augustine's City of God, Leiden 1991.

Keuth: Texte zu Descartes Erkenntnisphilosophie

Do 14-16; Alte Burse, Raum X; Beginn: 19.10.

Texte: Descartes: (1) Die Prinzipien der Philosophie, Meiner PhB 28;
(2) Regeln zur Ausrichtung der Erkenntniskraft, Meiner PhB 262b;
(3) Discours de la Méthode (Von der Methode des richtigen Vernunftgebrauchs und der wissenschaftlichen Forschung), Meiner PhB 261.

In den "Regeln" entwirft Descartes ein frühes Programm einer Einheitswissenschaft, die ihre Aussagen aus intuitiv gewissen Sätzen ableitet. Dazu müssen komplexe Sätze auf einfache zurückgeführt werden, denen "einfache Naturen", ideale Gegenstände, entsprechen, die unmittelbar einsichtig sind. Im "Discours" schildert Descartes eine am Modell der Mathematik und der mathematischen Naturwissenschaften entwickelte Methode und wendet sie auf Fragen der Moral, der Metaphysik und sogar auf eine Theorie des Blutkreislaufs an. In den "Prinzipien" legt Descartes (seine) Prinzipien der menschlichen Erkenntnis und der körperlichen Dinge dar und belehrt uns über die sichtbare Welt und über die Erde. Die "Prinzipien" waren als umfassende Darstellung seiner Philosophie geplant, wurden aber nicht vollendet.
Zum Erwerb eines benoteten Scheines muß ein Referat angefertigt werden.

Merle: Bacon, Neues Organon und Neu-Atlantis

Di 16-18; Alte Burse, Konferenzraum; Beginn: 24.10.

Bacons (1561-1623) Neues Organon ist die erste Wissenschaftstheorie der Moderne. Er vertritt auch eine ihrer zwei Grundrichtungen. Im Gegensatz zu Descartes leistet bei Bacon die Erfahrung keine bloße Bestätigung einer naturwissenschaftlichen Theorie, sondern ermöglicht uns ständig neue Entdeckungen. Diese neuen Entdeckungen veranlassen zu neuen Prinzipien, die wiederum Hypothesen für neue Experimente, mithin für neue Entdeckungen sind. An die Stelle der aristotelischen Auffassung von Wissenschaft als bloßer Verknüpfung von Begriffen tritt eine scientia activa, in der das Experiment im Mittelpunkt steht. Denn die Natur ist für Bacon kein unveränderlicher Gegenstand, sondern ein Bestand von Möglichkeiten. Analog zu Gottes Schöpfung der Welt macht der Forscher diese Möglichkeiten wirklich. Dabei mißt sich die Wahrheit der wissenschaftlichen Theorien an ihrem Erfolg bzw. an ihrer Fruchtbarkeit. Die Wahrheit wird "Tochter der Zeit" und kann sich ändern. Doch wozu die Wissenschaft und diese Wahrheitstheorie? Bacons Auffassung der Wissenschaft liegt eine moralische Absicht zugrunde. Dank der schöpferischen Kraft der Wissenschaft kann die materielle Wohlfahrt aller Menschen gewährleistet werden, ohne daß wir eine zwangsbefugte Sozial- und Wirtschaftsordnung in Anspruch nehmen müssen. Das entsprechende Gesellschaftsmodell stellt Neu-Atlantis nicht in die Vergangenheit wie die Antike, sondern in die Zukunft bzw. in die Utopie; den Weg sieht er in der modernen Idee eines Fortschritts der Forschung. Mehr als jeder Denker der Moderne hat Bacon die tatsächliche Praxis der Naturwissenschaft beschrieben sowie deren Aufgabe der Gesellschaft gegenüber erörtert. Nun wird er auch heutzutage eben wegen seiner vermutlichen Umweltfeindlichkeit, Elitismus und moralischen Verantwortungslosigkeit kritisiert. Die Lektüre der zwei Werke soll auch diese Diskussion zu Wort kommen lassen. Benotete Scheine werden aufgrund eines Referats und einer schriftlichen Hausarbeit vergeben.

Textausgabe:
F. Bacon, Neues Organon, hg. v. W. Krohn, Hamburg 1990 (Meiner).
F. Bacon, Neu-Atlantis, hg. v. G. Bugge, hg. v. J. Klein, Stuttgart 21992 (Reclam).
Sekundärliteratur:
W. Krohn, Francis Bacon, München 1987 (Beck).
A. Quinton, Bacon, Oxford UP 21990.
E. Cassirer, Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit, Nachdr. Darmstadt 1974 (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 2. Bd., 4. Buch, 1. Kap.
O. Höffe, Moral als Preis der Moderne, Frankfurt a.M. 21993 (Suhrkamp), Kap. 4.

Mesch: Fichte, Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre

Di 18-20; Alte Burse, Raum X; Beginn: 17.10.

Fichte zählt zu den wenigen einflußreichen Denkern, mit denen man üblicherweise bereits fertig zu sein glaubt, bevor man sich wirklich auf sie eingelassen hat. Verantwortlich ist dafür wohl vor allem die außerordentlich wirksame Kritik Hegels an seinem Philosophieren aus Grundsätzen. Dies sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, wieviel der Idealismus im allgemeinen und Hegel im besonderen Fichte zu verdanken haben. Denn ungeachtet seiner Fixierung auf einen fragwürdigen Grundsatzgedanken dürfte ihm durch seine Inanspruchnahme von Identität und Differenz als Grundkategorien des Denkens gerade im Methodischen ein Durchbruch gelungen sein, der für die Entwicklung der idealistischen Dialektik richtungsweisend werden konnte. Es lohnt sich also durchaus, Fichte zu studieren. Als Textgrundlage schlage ich die Wissenschaftslehre von 1794 vor, die trotz Fichtes späterer Unzufriedenheit mit ihrer Darstellung als sein Hauptwerk gelten muß. Zur Einführung empfehle ich die Lektüre der einführenden Abhandlung Über den Begriff der Wissenschaftslehre von 1794.
Qualifikation: Hausarbeit.

Texte:
DeGruyter Bd. I.
Literatur:
Peter Rohs, J.G. Fichte, München 1991 (Beck: Große Denker).
Dieter Henrich, Fichtes ursprüngliche Einsicht, Frankfurt a.M. 1966.
Peter Baumanns, J.G. Fichte, Freiburg 1990.

Rapp: Aristoteles, Politik

Mo 18-20; Alte Burse, Raum X; Beginn: 23.10.

Aristoteles' Schrift über die Politik ist eines der Hauptwerke der politischen Philosophie in der Antike. Sie enthält neben der Auseinandersetzung mit politischen Entwürfen der Vorgänger im wesentlichen Abhandlungen zur Entstehung von Staaten, zur Unterscheidung verschiedener Herrschaftsformen, zur Hausverwaltung, zum Erwerbswesen, zur Definition des Bürgers und seiner Tugenden, zum Vergleich verschiedener Verfassungsarten, ihren jeweiligen Staatsorganen und ihren spezifischen Erhaltungs- und Umsturzbedingungen, zum Glück der Bürger als Staatsziel, zu den Kriterien des besten Staates sowie zur bürgerlichen Erziehung.
Griechischkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.
Benotete Scheine werden aufgrund eines Referats und einer schriftlichen Hausarbeit vergeben.

Textausgabe:
Übersetzungen der Aristotelischen Politik sind als Taschenbuch bei Reclam, Meiner und Rowohlt erhältlich, wovon besonders die letztere (DM 22,--) zu empfehlen ist.
Eine griechische Ausgabe liegt in der Reihe "Oxford Classical Texts" vor.

Sandkaulen: Schelling, Vom Ich als Princip der Philosophie (1795)

Di 18-20; Alte Burse, Konferenzraum; Beginn: 24.10.

Mit Kants Vernunftkritik ist die Philosophie keineswegs am Ende, behauptet der junge Schelling, in Wahrheit fängt das Philosophieren jetzt erst richtig an. Darin steckt nicht nur Übermut, sondern die bohrende und immer noch bewegende Frage nach Bedingungen des Wissens, die nicht in den Umkreis des Gerichtshofes der Vernunft selbst fallen, sondern unter dem Titel des absoluten Seins ihm stets schon vorausgesetzt sind. Die ebenso reizvolle wie komplizierte Ich-Schrift eröffnet damit die Problemkonstellation, durch die Schellings Denken in ständiger Revision der je versuchten Lösungen - jenseits eines orientierenden "Hauptwerks" also - bis zuletzt in Atem gehalten wird. Der Besuch des Seminars, das als Einführung in die Philosophie Schellings gedacht ist, setzt Grundkenntnisse Kants unbedingt voraus. Qualifikation: Stundenprotokoll und Hausarbeit.

Ausgabe:
Schelling, Ausgewählte Schriften, Band I (1794-1800), Suhrkamp stw.
Literatur:
Materialien zu Schellings philosophischen Anfängen, hg. v. M. Frank u. G. Kurz, stw 139.
Schelling. Einführung in seine Philosophie, hg. v. H.M. Baumgartner, 1975.
M. Boenke, Transformation des Realitätsbegriffs, 1990.
M. Frank, Eine Einführung in Schellings Philosophie, 1985.
R.-P. Horstmann, Die Grenzen der Vernunft, 1991.
B. Sandkaulen-Bock, Ausgang vom Unbedingten, 1990.
X. Tilliette, Schelling, Une philosophie en devenir, 1970.

Wimmer: Religionsphänomenologie

Kompaktkurs vom 9.10.-13.10.95; 9.15-12.30 Uhr und 15.15.-16.45 Uhr; Alte Burse, Konferenzraum

Im Zentrum dieses Kompaktseminars wird das grundlegende Werk zur Religionsphänomenologie von William James (The Varieties of Religous Experience, dt. von E. Herms: Die Vielfalt religiöser Erfahrung) stehen. Aber auch die klassischen Werke Rudolf Ottos (Das Heilige), Friedrich Heilers (Das Gebet) und Heinrich Scholz' (Religionsphilosophie) werden berücksichtigt. Für die Teilnahme ist die Anmeldung im Sekretariat bei Frau Ott erforderlich. Dort liegt eine Liste der Referatsthemen aus.
Qualifikation: Übernahme eines Referats.


Interpretationskurse

Dilcher: Kant, Kritik der reinen Vernunft II

Mo 14-16, Raum X, Beginn 16.10.

Fortsetzung vom SoSe.

Rapp: Aristoteles, Erste und Zweite Analytiken, Teil I

Mi 18-20; Alte Burse, Raum X; Beginn: 25.10.

Die Ersten Analytiken des Aristoteles formulieren eine Theorie des folgerichtigen Schließens, die sogenannte Syllogistik, die für die Entwicklung der Logik in den darauffolgenden zwei Jahrtausenden bestimmend wurde. Die Zweiten Analytiken enthalten die Wissenschaftstheorie des Aristoteles; ihr Grundbegriff ist der wissenschaftliche Beweis, in dem ein erklärungs- bedürftiger Satz der Einzelwissenschaften auf bestimmte, evidente und den Satz begründende Voraussetzungen zurückgeführt wird. In diesem Semester sollen die Zweiten Analytiken, im folgenden Seme- ster die Ersten Analytiken behandelt werden. Griechischkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.
Benotete Scheine werden aufgrund eines Referats und einer schriftlichen Hausarbeit vergeben.

Texte:
Aristoteles, Lehre vom Schluß oder Erste Analytik, bei Meiner, Philosophische Bibliothek.
Aristoteles, Lehre vom Beweis oder Zweite Analytik, bei Meiner, Philosophische Bibliothek.
Eine griechische Ausgabe beider Texte liegt in der Reihe "Oxford Classical Texts" vor.

Sandkaulen: Spinoza, Ethik II

Mi 16-18; Alte Burse, Konferenzraum; Beginn 25.10.

Fortsetzung vom SoSe '95. Keine Neuaufnahmen.

Soldati: Wittgenstein, Tractatus Logico-Philosophicus I

Do 18-20; Alte Burse, Raum X; Beginn: 19.10.

Wittgensteins Tractatus gilt als Grundstein der analytischen Philosophie. Im Kern des Werkes steht eine Theorie darüber, wie die Welt beschaffen ist und wie sie durch die Sprache dargestellt wird. Der Logik kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Mit ihr soll all das ausgedrückt werden, was sich überhaupt ausdrücken läßt. Der Rest soll sich zeigen, ohne daß man darüber sprechen kann. Der Tractatus mündet hiermit in die Mystik. Grundkenntnisse der Logik sind für ein Verständnis des Werkes mehr als vorteilhaft.
Im zweiten Teil des Interpretationskurses (im SoSe '96) werden wir Wittgensteins Spätwerk (Philosophische Untersuchungen) studieren.
Qualifikation: Hausarbeit.


Seminare

Braun: Marx, Frühe Schriften von der Dissertation bis zu den Ökonomisch- philosophischen Manuskripten (1844)

Kompaktseminar: 16.2.-18.2.1996; Fabri-Haus, Blaubeuren

Das Kompaktseminar hat Marxens frühe Schriften von der Dissertation bis zu den Pariser Manuskripten zum Thema. Es werden besprochen:
1. Die Dissertation über Epikur und Demokrit
2. Die Vorarbeiten zur Diss.
3. Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie
4. Zur Judenfrage
5. Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung
6. Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie
7. Pariser Manuskripte von 1844
Gegenstand sind Vorgeschichte und der erste Entwurf zum Hauptwerk, das zugleich Marxens Lebenswerk war: das Projekt einer Kritik der politischen Ökonomie. Der Fortschritt in der Begriffsbildung war um einen hohen Preis erkauft: die thematische Einschränkung. Marx beabsichtigte, die Philosophie zu kritisieren, um sie zu überschreiten. Das ist systematisch das Zentrum des Kompaktseminars.
Lernziel ist, aus dem Blickwinkel der definitiven Position einen Einblick in den systematischen Kern der frühen Schriften zu gewinnen.

Die mit Abstand beste Ausgabe ist die MEGA 2. Ausgabe (Marx/Engels Gesamtausgabe), insbesondere die zweifache Textgestaltung der Pariser Manuskripte. Da sie aber sehr teuer ist - ein Band kostet ca. 180 DM -, muß ich die Leseausgabe Marx/Engels, Werke zugrunde legen. Ich empfehle:
MEW, Ergänzungsbd. 1.
MEW, Bd. 1.
MEW, Bd. 2.
Hinweisen möchte ich auf folgende Bände der MEGA:
MEGA, I, 1 (Diss.).
MEGA, I, 2 (Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, Zur Judenfrage, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung, Ökonomisch- philosophische Manuskripte).
MEGA, IV, 1 (Exzerpte und Notizen. Vorarbeiten zur Diss.).

Bubner: Texte zur Modernitätsdiagnose

Do 16-18; Alte Burse, Raum X; Beginn: 26.10.

Ein roter Faden, der die neuzeitliche Philosophie durchzieht, betrifft die Diagnose der Modernität. Rousseau, Schiller, Hegel und Nietzsche stehen jeweils für eigentümliche Versuche in dieser Richtung. Die Sozialwissenschaften haben in unserem Jahrhundert auf breiter Front das Erbe aufgenommen und variiert. Gegenwärtig ist das philosophische Bedürfnis nach einer sowohl gründlichen wie auch aspektreichen Theorie der Moderne unvermindert dringend, wenngleich man nicht sagen kann, daß sich die Diskussion auf eine Deutung geeinigt hätte. Von einigen klassischen Positionen ausgehend, werden wir den heutigen Reflexionsstand erarbeiten.

Benotete Scheine nur aufgrund von Hausarbeiten oder Referaten.
Interessenten für Referate werden gebeten, sich frühzeitig mit mir in Verbindung zu setzen.

Literatur zur Orientierung:
Rousseau, Abhandlung über die Wissenschaften und die Künste (Erster Diskurs, 1750).
Schiller, Über die ästhetische Erziehung des Menschen (1795), vor allem Briefe 2-9.
Hegel, Phänomenologie des Geistes (1807), darin: Der sich entfremdete Geist - Die Bildung (VI B, vor allem Abschnitt Ia).
Heidegger, Die Zeit des Weltbildes (1938), in: Holzwege (=GA Bd. 5).
Horkheimer/Adorno, Dialektik der Aufklärung (1944) (=Horkheimer, Ges. Schriften Bd. 5).
Habermas, Die Moderne - ein unvollendetes Projekt (1980), in: Kleine politische Schriften I-IV (Frankfurt/M 1981).
Taylor, Ch., Das Unbehagen an der Moderne (stw).

Dilcher: Parmenides, Fragmente über das Sein

Fr 16-18, Konferenzraum, Beginn: 20.10.

Seitdem Platon ihn als "unseren Vater" bezeichnete, gilt Parmenides mit gewissem Recht als Begründer der Metaphysik und Ontologie. Ohne Zweifel bildet das parmenideische Seinsdenken (neben Heraklit) den Höhepunkt der vorsokratischen Gedankenentfaltung. Das Seminar soll dazu dienen, am parmenideischen Lehrgedicht die Eigenart des Anfangs der Philosophie zu verdeutlichen und die möglichen Stellungnahmen zu diskutieren. Wir werden versuchen, uns in schrittweiser Annäherung den Gedanken des Parmenides näher zu bringen, zunächst durch genaue Erschliessung des schwierigen (und nur fragmentarisch erhaltenen) Textes; dann durch Einbettung in den Kontext frühgriechischen Denkens sowie durch Betrachtung der weitreichenden Reaktionen auf das Seinsdenken.
Da sich viele Probleme nur am Originaltext adäquat diskutieren lassen, sind Griechischkenntnisse erwünscht, aber nicht Bedingung. Voraussetzung für einen benoteten Schein sind Referat und Hausarbeit.

Zweisprachige Textausgabe:
hg. von U. Hölscher (Suhrkamp), Frankfurt 1986.
Kommentare:
L. Taran, Parmenides, Princeton 1965.
A. Coxon, The Fragments of Parmenides, Assen 1986.
Ebenfalls heranzuziehen ist das Parmenides-Kapitel in: U. Hölscher, Anfängliches Fragen, Göttingen 1968.
Die immer noch maßgebliche (zweisprachige) Gesamtausgabe der Vorsokratiker ist:
H.Diels/W.Kranz, Die Fragmente der Vorsokratiker, 2 Bde., 61951/1952.
Preiswert und brauchbar: J. Mansfeld, Die Vorsokratiker, Stuttgart 1983.
Zur Einführung in die Vorsokratiker-Lektüre: Th. Buchheim, Die Vorsokratiker, München 1994.

Figal: M. Horkheimer, Th. W. Adorno: Dialektik der Aufklärung

Do 14-16; Alte Burse, Raum X; Beginn: s. Aushang

Die "Dialektik der Aufklärung" ist einer der großen vernunftkritischen Texte dieses Jahrhunderts, ein Grundbuch zugleich für das Verständnis der Philosophie seiner beiden Autoren. Nachdem das Buch inzwischen den Rang eines Klassikers bekommen hat und in der gegenwärtigen Variante der "Kritischen Theorie" eher mit Distanz betrachtet wird, mag es interessant sein, sich aufs neue mit ihm auseinanderzusetzen und möglichst unvorein- genommen nach den diagnostischen Stärken und Schwächen des Horkheimer/Adornoschen Denkens zu fragen.

Die beste Ausgabe der "Dialektik der Aufklärung" findet sich im Band 5 von Max Horkheimers "Gesammelten Schriften" (= Fischer Taschenbuch Nr. 7379). Weitere Literatur gebe ich zu Beginn des Semesters an.

Frank: Reinholds Fundamentalphilosophie und ihre Kritiker

Di 14-16; Alte Burse, Raum X; Beginn: s. Aushang

Durch die Forschungen des von Dieter Henrich geleiteten "Jena-Projekts" ist viel neues Licht auf die Anfänge des sog. Deutschen Idealismus gefallen. Seit mehreren Semestern habe ich darum regelmäßig Lehrveranstaltungen angeboten, die die neue Quellenlage zur Kenntnis bringen und zur gemeinsamen Aufarbeitung Anlaß geben wollen. Vorausgesetzt wird nur die gründliche Kenntnis wenigstens eines Grundtextes von Reinhold, z.B. des in Meiners Philosophischer Bibliothek (299) von Wolfgang H. Schrader 1978 hg. nachgedruckten Fundament*s* des philosophischen Wissens (1791) und von Gottlob Ernst Schulzes Aenesidemus oder über die Fundamente der von dem Herrn Professor Reinhold in Jena gelieferten Elementar-Philosophie. Nebst einer Verteidigung des Scepticismus gegen die Anmaßungen der Vernunftkritik, 1792 (von mir neu hg. und eingeleitet, ebenfalls in Meiners Philosophischer Bibliothek, Herbst 1995). Ich empfehle den Besuch der Vorlesung, die ich absichtlich parallel führe.
Die schwer zugänglichen Texte, vor allem Rezensionen und Briefwechsel, um Reinholds Elementarphilosophie werden in einem Reader rechtzeitig (spätestens im September) zur Verfügung stehen und in meinem Sekretariat (Zimmer 315) zu kaufen sein.
Teilnahmebedingung (=Qualifikation für den Erwerb eines Scheins) ist die vorherige (unterschriftliche) Verpflichtung zu Übernahme der Vorbereitung einer Sitzung (auch in Gruppenarbeit) anhand des Sitzungsplans, der dem Reader beiliegen wird.

Hägler: Das Problem historischer Erklärungen

Kompaktseminar: n.V., s. Aushang

Nach einer verbreiteten methodologischen Auffassung sind die Naturwissenschaften nomothetisch - sie streben die Entdeckung allgemeiner Naturgesetze an -, wogegen Geisteswissenschaften, speziell die Geschichts- wissenschaft ideographisch, d.h. auf die einfühlende Beschreibung des Besonderen und 'historisch Einmaligen' ausgerichtet seien; die den Geisteswissenschaften eigentümliche und einzig angemessene Methode sei die des Verstehens. Wenn man davon ausgeht, daß es keine speziellen historischen Verlaufsgesetze gibt, scheint diese Auffassung oder die 'narrative' Konzeption Dantos für die Historiographie zunächst einige Plausbilität zu besitzen.
Wir wollen uns im Kompaktseminar jedoch nicht nur auf die schon etwas angejahrte Kontroverse 'Verstehen oder Erklären' einlassen, sondern die Sache im zweiten Teil des Seminars anders anpacken: anhand ausgewählter Texte von Historikern wollen wir die Frage untersuchen, was durch die historiographische Darstellung am Verständnis der Vorgänge und an der Erklärung der Ereignisse gewonnen wird.
Das Seminarangebot wendet sich speziell an Studentinnen und Studenten, die Geschichte als Haupt- oder Nebenfach belegt haben. Das Kompaktseminar findet voraussichtlich Anfang Februar '96 statt; der Termin für die Vorbesprechung zu Semesterbeginn wird mit der Themenliste am Schwarzen Brett ausgehängt werden.

Höffe: Platon, Politeia (I)

Mi 16-18; Alte Burse, Raum X; Beginn: 25.10.

Das auf zwei Semester angelegte Hauptseminar will mittels einer vollständigen und sorgfältigen Lektüre in das zentrale Werk des 'mittleren' Platon einführen. Die wichtigsten Lehrstücke der Politeia - wie die Sophistenkritik, die Gerechtigkeits-, die Tugend- und die Seelenteilungslehre, die Staats- und Bildungskonzeption, die Gegenüberstellung von Meinen und Wissen, die Ideen- und die Prinzipientheorie, die Gleichnisse, der Dialektikbegriff sowie die Dichterkritik - werden dabei grundlegend diskutiert und in Auseinander- setzung mit den gegenwärtig vertretenen Forschungspositionen erörtert. In diesem Zusammenhang sollen auch Gastreferenten eingeladen werden. Das Seminar wendet sich an Teilnehmer, die zu einer intensiven Mitarbeit bereit sind. Griechischkenntnisse sind vorteilhaft, aber nicht Teilnahmebedingung. Als Textgrundlage ist nach wie vor Burnets Ausgabe bei den 'Oxford Classical Texts' zu empfehlen, als Übersetzung immer noch Schleiermacher (am besten in der revidierten Version der 'Wissenschaftlichen Buchgesellschaft'). Benotete Scheine werden aufgrund eines Referats und einer schriftlichen Hausarbeit vergeben.

Literatur:
J. Annas: An Introduction to Plato's Republic, Oxford 1981.
A Schubert: Platon. 'Der Staat', Paderborn u.a. 1995.
N.P. White: A Companion to Plato's Republic, Oxford 1979.

Keuth: Der logische Positivismus

Mi 14-16; Alte Burse, Konferenzraum; Beginn: 18.10.

"Logischer Positivismus", "Neopositivismus", "logischer Empirismus", "Neoempi- rismus" sind verschiedene Bezeichnungen für die Wissenschaftstheorie, die sich nach dem ersten Weltkrieg in Wien und Berlin herausbildete. Zusammen mit dem amerikanischen Pragmatismus hat sie auch die analytische Sprach- philosophie maßgeblich beeinflußt.
Das Seminar wird sich zum einen mit Originalbeiträgen beschäftigen, die als deutsche Zeitschriftenaufsätze vorliegen und teils in englischer Übersetzung gesammelt wurden (1). Teils wird es sich mit späteren Arbeiten damals Beteiligter beschäftigen (2), teils mit zeitgenössischen Stellungnahmen zum Neopositivismus (3).

Literatur:
(1) A.J. Ayer, Logical Positivism, New York 1966.
(2) R. Carnap, Scheinprobleme in der Philosophie, Ffm 1966.
(3) R. Haller, Neopositivismus. Eine historische Einführung in die Philosophie des Wiener Kreises, Darmstadt 1993;
(4) R. v. Mises, Positivism, New York 1951 (Übersetzung aus dem Deutschen).
(5) G. Bergmann, The Metaphysics of Logical Positivism, Madison 1967.
Zum Erwerb eines benoteten Scheines muß ein Referat angefertigt werden.

Klinger: Weibliche Kultur und Lebensphilosophie um die Jahrhundertwende (Simmel, Weber, Klages, Tönnies u.a.)

Kompaktseminar: n.V., s. Aushang

Kommentar s. Aushang.

Kümmel: Die Logik und das Paradox

Do 10-12; Alte Burse, Konferenzraum; Beginn: 19.10.

Die klassische Logik hat zum Paradox ein ambivalentes Verhältnis: Auf der einen Seite wird es als 'Unmögliches' bzw. 'Absurdes' abgetan, um das 'Sein' und den 'Sinn' zu retten, auf der anderen Seite aber eingesehen, daß Paradoxien (man denke an die berühmten Paradoxien des Altertums) selber logische Konstrukte sind und dem logischen Denken keineswegs nur äußerlich anhaften. Seit dem 19. Jahrhundert vollzieht sich ein Umschwung von der "Scheinwelt des Paradoxons" (Hughes/Brecht) zum Paradox der Wirklichkeit bzw. des Lebens selber. Das unentrinnbar gewordene Paradox wird damit auf neue Weise zur "Herausforderung des abendländischen Denkens" (Geyer/Hagenbüchle). Damit ist der Weg frei für eine Neubestimmung des gesamtlogischen Feldes, in dem formale Logik und Paradoxlogik (beide wurden in verschiedenen Kulturen mit unterschiedlicher Akzentuierung immer schon gepflegt) in ein komplex-komplementäres Verhältnis zueinander gesetzt werden müssen.

Als vorbereitende Lektüre wird empfohlen:
Patrick Hughes & George Brecht, Die Scheinwelt des Paradoxons. Braunschweig 1978.
Paul Geyer & Roland Hagenbüchle (Hrsg.), Das Paradox. Eine Herausforderung des abendländischen Denkens. Stauffenberg Verlag Tübingen 1992.
Wolfgang Ullrich, Grundrisse einer philosophischen Begriffsgeschichte von Ambiguität. In: Archiv für Begriffsgeschichte Bd. XXXII, Bouvier Verlag Bonn 1989, S. 121-169.
Jean-François Lyotard, Der Widerstreit. München 1987.
Manfred Geier, Ich lüge immer. In: Ästhetik im Widerstreit. Zum Werk von J.-Fr. Lyotard. Hrsg. v. W. Welsch & Chr. Pries, VCH Verlagsgesellschaft Weinheim 1991.

Maluschke: Recht und Moral

Do 18-20; Alte Burse, Raum 308; Beginn: 19.10.

Das Verhältnis von Recht und Moral ist äußerst komplex: weder die These der strikten Trennung beider Sphären noch die ihrer prästabilierten Harmonie lassen sich verteidigen. Sie sind getrennt und hängen doch irgendwie zusammen. Welches sind die trennenden und welches die sie verbindenden Elemente? Welches sind die spezifischen Funktionen der Moral und welches die des Rechts? In welcher Weise sind die beiden Normierungen, die rechtliche und die moralische, aufeinander bezogen? Diese Fragen sollen anhand einschlägiger Theorien erörtert werden.

Literatur (in Auswahl):
Brieskorn, Norbert: Rechtsphilosophie. Grundkurs Philosophie 14, S. 69-79, Kohlhammer, Stuttgart 1990.
Bubner, R., Cramer, K., Wiehl, R. (Hrsg.): Recht und Moral, in: Neue Hefte für Philosophie 17 (1979).
Geddert, Heinrich: Recht und Moral. Zum Sinn eines alten Problems, Berlin 1984 (Schriften zur Rechtstheorie 111).
Hart, H.L.A.: Recht und Moral, Göttingen 1971.
Ders.: Law, Liberty and Morality, Oxford 1963.
Jung, H., Müller-Dietz, H., Neumann, U. (Hrsg.): Recht und Moral, 1991.
Kaufmann, Arthur: Grundprobleme der Rechtsphilosophie, München 1984, S. 191-205.
Orsi, G., Seelmann, K., Smid, S, Steinvorth, U. (Hrsg.): Recht und Moral, in: Rechtsphilosophische Hefte 1 (1993).
Pawlowski, Hans-Martin: Die Aufgabe des Richters bei der Bestimmung des Verhältnisses von Recht, Sittlichkeit und Moral, in: ARSP L (1964), 503-519.

Mesch: Antike Philosophie der Zeit

Fr 16-18; Alte Burse, Raum X; Beginn: 20.10.

Wenn die gegenwärtige Philosophie weithin glaubt, sich in entscheidenden Punkten von ihrer metaphysischen Tradition verabschieden zu müssen, so liegt das nicht nur an der viel diskutierten Sprachgebundenheit unseres Denkens. Eine kaum geringere Rolle spielt die bis auf Kant zurückgehende Überzeugung, daß Metaphysik im traditionellen Sinne auch deshalb nicht möglich sein könne, weil unser Denken zeitgebunden und damit endlich sei. Wer die Triftigkeit dieser verbreiteten Überzeugung prüfen möchte, kommt nicht umhin, sich mit der Frage "Was ist Zeit?" auseinanderzusetzen. Als Ausgangspunkt bietet sich dafür vor allem die Lektüre zeittheoretischer Texte der Antike an, in denen die Frage in verschiedene Richtungen verfolgt, aber noch ohne metaphysikkritische Vorentscheidungen erörtert wird. Wir werden uns auf die traditionsbildenden Schriften von Platon (Timaios 37c-39e), Aristoteles (Physik IV, 10-14), Plotin (Enneade III, 7) und Augustinus (Confessiones XI) konzentrieren. Je nach Interesse sind aber auch Seitenblicke zu anderen Autoren wie Seneca, Sextus Empiricus oder Boethius möglich. Es bietet sich an, im wesentlichen chronologisch zu verfahren. Dennoch sollte man sich bereits zu Beginn des Semesters einen Überblick über die zumeist recht kurzen Texte verschafft haben. Qualifikation: Hausarbeit.

Literatur:
Werner Beierwaltes, Plotin über Ewigkeit und Zeit, Frankfurt a.M. 1967.
Gernot Böhme, Zeit und Zahl. Studien zur Zeittheorie bei Platon, Aristoteles, Leibniz und Kant, Frankfurt a.M. 1974.
J.F. Callahan, Four Views of Time in Ancient Philosophy, Cambridge Mass. 1948.
P.F. Conen, Die Zeittheorie des Aristoteles, München 1964.
Kurt Flasch, Was ist Zeit? Das XI. Buch der Confessiones, Frankfurt a.M. 1993.
Karen Gloy, Studien zur Platonischen Naturphilosophie im Timaios, Würzburg 1986.

Soldati: Mentale Repräsentationen

Fr 14-16; Alte Burse, Konferenzraum; Beginn: 20.10.

Nach einer weit verbreiteten Auffassung machen wir uns Bilder von Dingen in der Außenwelt. Diese Bilder werden "Ideen", "Begriffe" oder eben "mentale Repräsentationen" genannt. Ist die Metapher des Bildes wirklich angebracht? Wir wollen einige moderne Varianten der repräsentationellen Theorie betrachten und die Kritik daran untersuchen.

Die Mehrzahl der Texte, die wir lesen werden, befinden sich in:
Stich, S. & Warfield, T.: Mental Representation, Oxford: Blackwell 1994.
Qualifikation: Hausarbeit.

Schroeder-Heister: Bestätigung wissenschaftlicher Theorien

Fr 9-11; Alte Burse, Raum X; Beginn: 20.10.

Der Begriff der Bestätigung erfahrungswissenschaftlicher Theorien ist ein zentraler wissenschaftstheoretischer Begriff, der dem Theorienvergleich dient: Gut bestätigte Theorien wird man schlechter bestätigten Theorien vorziehen. An der Formulierung des Bestätigungsbegriffs läßt sich die fundamentale Kontroverse zwischen Carnapianern und Popperianern aufrollen. Dies soll im Seminar unternommen werden. Da die induktive Logik Carnaps ein Hauptthema sein wird, werden Logikkenntnisse (im Umfang von "Logik I") vorausgesetzt. Referatthemen können auch schon vorab vergeben werden (Tel. 294284 oder email psh@informatik.uni-tuebingen.de).

Wieland/Godmann/Schlieben-Lange: Sprache und Sprachtheorien im Mittelalter und der Renaissance

Mi 16-18; Raum: s. Aushang; Beginn: 25.10.

"Sprache" wird im mittelalterlichen Denken vor allem in drei großen Zusammenhängen thematisch: im Kontext der artes liberales (vor allem der Grammatik), im Kontext der Logik und in dem der Theologie. Gegenüber der weitgehend ungeschichtlichen Sprachtheorie der Scholastik bringen Humanismus und Renaissance die Bedeutsamkeit der historisch gewachsenen Sprache zur Geltung. - Diese Themen sollen an ausgewählten Beispielen in Referaten vorgestellt und erörtert werden.
Referatthemen sind frühzeitig (am Ende des Sommersemsters oder in den ersten Feriensprechstunden) mit einem der Seminarleiter abzusprechen. Qualifizierter Schein auf Grund einer Hausarbeit.

Literatur:
J. Pinborg, Die Entwicklung der Sprachtheorie im Mittelalter, Münster 1967.
M. Dascal, D. Gerhardus, K. Lorenz, G. Meggle (Hg.), Sprachphilosophie. Philosophy of Language. La philosophie du langage, Berlin - New York 1992 (mit einschlägigen Beiträgen zur Scholastik von W.L. Gombocz und zur Renaissance von G. Nuchelmans).
J. Hennigfeld, Geschichte der Sprachphilosophie I: Antike und Mittelalter, Berlin - New York 1994.

Wimmer: Moral- und religionsphilosophische Probleme in den Romanen Dostojewskis (Teil I)

Fr 9-13, 14-16; Vorbesprechung: 26.10.95, 16.15 Uhr, Alte Burse, Konferenzraum

Das Seminar ist auf zwei Semester angelegt. Es wird die Romane 'Der Idiot' (im WS 95/96), 'Schuld und Sühne' (neuer Übersetzungstitel 'Verbrechen und Strafe') sowie 'Die Dämonen' (im SoSe 96) behandeln. Um die eigene Vorbereitung auf das Seminar durch die Lektüre der angegebenen Werke sowohl während der vorausgehenden Semesterferien als auch noch innerhalb der Vorlesungszeit zu ermöglichen, wird das Seminar gegen Ende des jeweiligen Semesters ziemlich kompakt an fünf (im WS) bzw. an vier (im SoSe) Freitagen, jeweils von 9.15-12.30 Uhr und von 15.15-16.45 Uhr, stattfinden. Die vorgesehenen Freitage sind: 12.1., 19.1., 26.1. sowie 2.2. und 9.2.96 im WS und 21.6. und 28.6. sowie 5.7. und 12.7.96. Der Ort wird rechtzeitig am Schwarzen Brett bekanntgegeben.
Dem Seminar wird die Übersetzung von E.K. Rahsin zugrundegelegt, erschienen bei Piper (auch als Taschenbuch). Aber auch jede andere Übersetzung ist willkommen. Qualifikation: Referat oder Sitzungsprotokoll.

Wimmer: Wissenschaftstheorie und Ethik

Nach einer Einführung in die Grundlagen der Wissenschaftstheorie werden zunächst die beiden Haupttypen von Wissenschaftstheorie - die analytisch- deskriptive und die konstruktiv-normative - näher analysiert und in ihren Ansprüchen kritisch beurteilt, sodann das Problem der Begründung in Wissenschaft, Wissenschaftstheorie und Ethik behandelt, des weiteren der Umfang bestimmt, in dem Wissenschaften und Wissenschaftstheorien normengeleitet sind, und schließlich die Frage nach dem rationalen Fundament der Ethik gestellt.
Für einen qualifizierten Leistungsnachweis ist die Übernahme eines Referats oder einer Hausarbeit erforderlich.
Das Seminar findet 14-täglich, donnerstags vormittags (9.15-12.30 Uhr) in Raum X der Alten Burse statt. Folgende Termine sind vorgesehen: 26.10; 16. und 30.11.; 7. und 21.12.95; 11. und 25.1. sowie 8.2.96.

Oberseminare

Bubner

Oberseminar nach Vereinbarung

Figal: Oberseminar (für Doktoranden und Examenskandidaten): Hermeneutik des Bildes

Do 18-20; Alte Burse, Konferenzraum; Beginn: s. Aushang

Anders als die Frage nach dem Verstehen literarischer Texte ist die nach dem Verstehen bildender Kunst hermeneutisch nie zentral gewesen.
Nichtsdestoweniger gibt es eine Reihe interessanter Arbeiten, die sich mit der "Hermeneutik des Bildes" beschäftigen. Im Seminar soll eine Auswahl von ihnen präsentiert und diskutiert werden. Das Seminar ist nur für Fortgeschrittene gedacht. Persönliche Anmeldung ist erbeten.

Literatur: Gottfried Boehm (Hrsg.), Was ist ein Bild? München ( = Wilhelm Fink Verlag) 1994.

Frank: Oberseminar für DoktorandInnen: Diskussion von Neuerscheinungen in der analytischen Ontologie

Mi 20-22.30; Alte Burse, Konferenzraum; Beginn: s. Aushang

Höffe: Fragen der internationalen politischen Gerechtigkeit

Vorbesprechung: Mittwoch, 25.10.95, 13 Uhr
Termine: 17.11.95; 15.12.95; die weiteren Termine, der Ort und die Anfangszeiten werden noch bekanntgegeben.

Das Oberseminar beginnt mit einer Erörterung von Kants Schrift Zum ewigen Frieden, deren Lektüre Voraussetzung für die Seminarteilnahme ist (vgl. neuerdings den kooperativen Kommentar: O. Höffe (Hrsg.): Kant. Zum ewigen Frieden, Berlin 1995, Reihe 'Klassiker auslegen'). Im Anschluß daran diskutieren wir grundlegende Texte zur Theorie der internationalen Rechtsbeziehungen und internationaler Gerechtigkeitsfragen, u.a. von Bentham, Rawls, Beitz und Shue. Eine Literaturliste ist zu Semesterbeginn im Sekretariat (Zi 317) erhältlich. Benotete Scheine werden aufgrund eines Referats und einer schriftlichen Hausarbeit vergeben.

Keuth: Die konventionalistische Methodologie Hugo Dinglers

Mi 10-12; Alte Burse, Konferenzraum; Beginn: 18.10.

Der Konventionalismus Dinglers ähnelt dem Poincarés, insofern auch Dingler die Grundbegriffe und Prinzipien physikalischer Theorien als Konventionen betrachtet. Anders als Poincaré will Dingler jedoch seine Setzungen als die einzig möglichen operativ auszeichnen. An Dinglers Operationalismus knüpft auch der Erlanger Konstruktivismus an.

Texte:
Hugo Dingler, Aufsätze zur Methodik, Meiner PhB 403.
Die Ergreifung des Wirklichen, Ffm 1969, Suhrkamp Titel 6025.

Zum Erwerb eines benoteten Scheines muß ein Referat angefertigt werden.

Kümmel/Giel: Vorlesungen zur Ästhetik (Josef König)

Fr 18-20; Alte Burse, Raum 308; Beginn: 27.10.

Wimmer: DoktorandInnen-Seminar

n.V.

Kolloquien

Fahrenbach: Kolloquium nach Vereinbarung

Schroeder-Heister:Logik und Logikprogrammierung

n.V.

Übungen

Schroeder-Heister: Übung zur Vorlesung "Logik I"

n.V.