Philosophisches Seminar

Wintersemester 1997/98

Sprechstunden der Dozenten: Siehe Aushang!

Allgemeine Studienberatung: Fakultätsassistent Dietmar Koch
Mo 11-12.30; Do 10-12, Raum 214

Eventuelle Änderungen gegenüber dem Vorlesungskommentar werden aktuell angeschlagen!

Soweit nicht anders im Kommentar vermerkt, ist die Anmeldung zu den Veranstaltungen nicht erforderlich.

Semestertermine:
Beginn der Vorlesungen: 13. Oktober 1997
Ende der Vorlesungen: 14. Februar 1998

Vorlesungsfreie Tage:
1. November, 24. Dezember - 6. Januar

Freisemester:
Prof. Dr. Peter Schroeder-Heister
Prof. Dr. Georg Wieland

Freistellung:
Prof. Dr. Günther Maluschke

Einführungsabend für Studienanfänger:
13. Oktober 1997, 18.00 c.t., Alte Burse, Raum X

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Vorlesungen

Engels: Ethik und Wissenschaftstheorie der Biowissenschaften

Mo 9–11, Auf der Morgenstelle 1, Kleiner Botanischer Hörsaal (N11), Beginn: 13.10.

Die Vorlesung soll dazu dienen, in zentrale Problemstellungen der Ethik und der Wissenschaftstheorie der Biowissenschaften einzuführen. Im Vorlesungsteil über die Ethik der Biowissenschaften werden sowohl die ethischen Implikationen biologischer Theorien über den Menschen und seine Stellung in der Natur als auch Fragen der sog. angewandten Ethik behandelt. Im Teil über die Wissenschaftstheorie der Biowissenschaften wird die Klärung biologischer Grundbegriffe, die Struktur biologischer Erklärungen und Prognosen sowie die Positionsbestimmung der Biologie im Verhältnis zu anderen Naturwissenschaften im Vordergrund stehen.
Die Vorlesung richtet sich insbesondere an Studierende der Biologie und Philosophie.

Figal: Wille zur Macht - Übermensch - Ewige Wiederkunft des Gleichen: Lehren in Nietzsches Philosophie

Mi 16-18, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 15.10.

Obwohl ich mit dieser Vorlesung die Einführung in das Denken Nietzsches fortsetze, ist die Vorlesung in sich abgeschlossen und kann ohne Kenntnis der vorangegangenen beiden Vorlesungen gehört werden. Sie ist außerdem für Studienanfänger geeignet. Ich möchte die drei Gedanken darstellen und erläutern, mit denen die Philosophie Nietzsches oft identifiziert wird, und werde dabei besondere Aufmerksamkeit auf ihre Präsentation legen. Alle drei Gedanken werden nämlich zum ersten Mal in "Also sprach Zarathustra" artikuliert, jenem seltsamen Buch "für Alle und Keinen", in dem Nietzsche nicht in eigenem Namen spricht, sondern sich die Gestalt eines philosophischen Lehrers erfindet. So bietet die Erörterung der drei Gedanken auch Gelegenheit, nach dem Verhältnis von Philosophie und Literatur zu fragen.

Gölz: Philosophische Religions- und Theologiekritik bei Kant, Feuerbach, Nietzsche, Hans Albert ("Das Elend der Theologie") u.a.

Mo 16-18, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 13.10.

Die Philosophie, im Mittelalter vielfach als "Magd der Theologie" vereinnahmt, versteht sich in vielen ihrer bedeutendsten Vertreter als dezidierte Religions- sowie Theologiekritik, weil es zu ihrer Bestimmung, der Wahrheitssuche verpflichtet zu sein, gehört, nicht unhinterfragt zu lassen, was andere gern unhinterfragt gelassen hätten und was in der Regel lediglich infolge jahrtausendelanger Gewöhnung den Schein von Gültigkeit angenommen hat. In einer Zeit der Zunahme des Fundamentalismus, der Hochkonjunktur von pseudoreligiösen und pseudowissenschaftlichen Strömungen ist philosophische Kritik bzw. Aufklärung im Sinne Kants aktueller denn je.
In der Vorlesung wird zunächst Kants Kritik der reinen Vernunft als Metaphysik- und Theologiekritik, insbesondere die darin enthaltene Gottesbeweisanalyse, diskutiert, ebenso Kants Schriften zur Religionsphilosophie. Feuerbach (auch im Hinblick auf Marx' Religionskritik) sowie Nietzsche stehen als Beispiele für eine Kritik an einer Diskriminierung des Diesseitigen im Namen von (von Menschen selbst fabrizierten) Jenseitsvorstellungen und Hoffnungen. Im Anschluß an die Position des kritischen Rationalismus von Hans Albert werden schließlich in aller Vorsicht gegenwärtige theologische Lehren kritisch hinterfragt. Es wird dabei stets um die Frage gehen, inwiefern für Menschen mögliche Gedankengänge und ihnen zugängliche Erfahrungen überhaupt zur Verfügung stehen, um gewisse oft sehr gewagte Behauptungen zu stützen.

Höffe: Politische Philosophie: Rechts- und Staatsphilosophie

Do 10-12, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 16.10.

Die Vorlesung geht der Frage nach: Ist es gleichgültig, ob die Menschen ihr Zusammenleben rechtsförmig und die Rechtsform staatsförmig organisieren oder auf beides, Rechts- und Staatsform, verzichten? Sofern sich gute, vielleicht sogar moralische Gründe finden, stellt sich die Anschlußfrage, ob die Gründe auch für das Zusammenleben schon rechts- und staatsförmig organisierter Gesellschaften, also für die Koexistenz der Staaten, gelten. Die Vorlesung befaßt sich mit der Rechts- und Staatsphilosphie sowohl in einzelstaatlicher als auch zwischenstaatlicher, vielleicht sogar weltstaatlicher Perspektive.

Literatur :
Zur Vorbereitung: O. Höffe, Vernunft und Recht. Bausteine zu einem interkulturellen Rechtsdiskurs, Frankfurt/M. 1996 (stw 1270)
Nähere Literaturangaben in der Vorlesung.

Hoering: Logik

Do 14-16, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 16.10.

Ziel der von einem Tutorium mit Übungen begleiteten Vorlesung ist die Einführung in die Elemente der Sprachanalyse und des Aussagen- und Prädikatenkalküls. Am Ende des Semesters findet eine Klausur statt, deren erfolgreiches Bestehen Voraussetzung für den Erwerb des "Logikscheins" ist. Zum Einüben des Ableitens steht auch ein Logik-Tutor-Programm zur Verfügung, das auf PCs läuft. (Eine Übertragung auf andere Systeme ist geplant.)

Literatur : Hilbert-Ackermann: Grundzüge der theoretischen Logik, Berlin 11926 bis 61972
v. Savigny, E.: Grundkurs im logischen Schließen, München 1976
Quine, W.v.O.: Methods of Logic, New York, 31972

Keuth: Die Philosophie Karl Poppers I

Do 10-12, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 16.10.

In der Auseinandersetzung mit dem neoempiristischen oder neopositivistischen "Wiener Kreis" entwickelte Karl Popper seine Philosophie, den kritischen Rationalismus. Dessen Hauptwerk ist nach wie vor seine "Logik der Forschung" (1935). Darin entwickelt er eine Erkenntnistheorie der empirischen Wissenschaften. Sie erklärt die Fehlbarkeit allen Tatsachenwissens. Zahlreiche Autoren nahmen dazu Stellung. An seinen zentralen Thesen hielt er fest, doch in Einzelfragen hat er seine Meinung radikal geändert. Sein dreibändiges "Postscript to the Logic of Scientific Discovery", herausgegeben 1982/3 von W. W. Bartley III, zeigt den jüngsten Stand. Die Vorlesung dieses Semesters hat den größten Teil seiner Erkenntnistheorie zum Gegenstand, die Vorlesung II im SoSe 98 wird dieses Thema beenden und sich dann Poppers Drei-Welten-Lehre und seiner Sozialphilosophie zuwenden. Zur "Logik der Forschung" wird parallel ein Seminar angeboten.

Koch, A.F.: Einführung in philosophische Grundprobleme

Do 18-20, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 16.10.

In dieser Vorlesung sollen einige sachliche Grundprobleme der Philosophie in philosophie- geschichtlicher Perspektive diskutiert werden. Begonnen werden soll mit der Frage nach der Wahrheit: mit gegenwärtigen Ansätzen philosophischer Wahrheitstheorie und mit der Realismus- Antirealismus-Debatte der vergangenen Jahrzehnte. Daß die Frage nach der Wahrheit nicht nur heutige philosophische Debatten in Gang hält, sondern die Philosophie als solche in Gang gesetzt hat, soll sodann anhand der griechischen Ontologie gezeigt werden. Das veritative Sein verweist auf die Möglichkeit des Irrtums und auf die Bedeutung der skeptischen Urteilsenthaltung. Mit Blick auf Descartes und Kant soll daher drittens die Wahrheitsfrage mit der philosophischen Subjektivitätstheorie verbunden werden. Fragen objektiven Der-Fall-Seins und subjektiven Für- wahr-Haltens sind ihrerseits beziehbar auf die Probleme der Bezugnahme auf Einzeldinge. Dieser Zusammenhang soll viertens in Anlehnung an Hegels Darstellung der sinnlichen Gewißheit im ersten Kapitel der Phänomenologie des Geistes erklärt werden. Die Vorlesung richtet sich an Studierende aller Semester.

Schneider: Über Ethik und praktische Philosophie

Mo 11-13, Ort: siehe Aushang, Beginn: 20.10.

Die Vorlesung verfolgt das Ziel, ausgehend von der praktischen Philosophie des Aristoteles über Thomas von Aquin bis zu Kant, Typen moralphilosophischen Argumentierens darzustellen. Als Reflexion über menschliches Handeln, insofern dieses in der Differenz von Gut und Böse steht, ist Ethik oder allgemeiner, praktische Philosophie Ausdruck der zeitlichen Bedingtheit menschlicher Existenz. Aus dem Grund verfolgt die Vorlesung nicht nur ein historisches, sondern vor allem ein sachlich-systematisches Interesse.

Einführungsveranstaltung

Koch: Einführung in das Studium der Philosophie

Di 10c.t. - 12, Alte Burse, Raum X, Beginn: 14.10.

Die Einführungsveranstaltung dient der umfassenden Grundorientierung im Philosophie- studium. Sie ist reserviert für Erst- und Zweitsemester im Fach Philosophie. Aufgabe der Veranstaltung ist es, Kenntnisse zum Studienablauf und zur Studienorganisation zu vermitteln, grundlegende Literatur bekannt zu machen, eine Anleitung zum wissenschaftlichen Arbeiten zu geben, vor allem jedoch, in geschichtlich wie systematisch bedeutsame Grundprobleme philosophischen Denkens einzuführen. Dies geschieht anhand von Textauszügen zentraler philosophischer Werke von Parmenides bis Heidegger. (Die Textauszüge werden ausgegeben.)

Koch: Lektürekurs für Erstsemester: Platon, Symposion

Di 8.30s.t. - 10s.t., Alte Burse, Raum X, Beginn: 14.10.

Der Umgang mit philosophischen Schriften bedarf bestimmter "handwerklicher" Voraus- setzungen: Die Fähigkeit eines begrifflich genauen Lesens, das Vermögen, die spezifische Problemstellung eines Textes herauszupräparieren, die Beherrschung der charakteristischen Begrifflichkeit eines Autors, die Fähigkeit, die Differenz von Textauslegung und eigener Sachinterpretation zu beachten und anderes mehr. Der "Lektürekurs für Erstsemester" will über die Demonstration dieser Umgangsweisen hinaus zusammen mit Platons Dialog "Symposion" (Trinkgelage) auch in die Eigenart und in den Reichtum philosophischer Probleme und philosophischen Denkens einführen.
Platons "Symposion" handelt vom Eros, seinen mannigfachen Verständnisweisen und seinem Verhältnis zur Philosophie, vor allem zur Philosophie, wie sie Platon in der Gestalt des Sokrates auftreten läßt. Der Text eignet sich nicht nur zur Auseinandersetzung mit Grundgedanken Platons, sondern ist auch eine der faszinierendsten Schriften zur Frage des Philosophierens überhaupt. Die Veranstaltung ist ausschließlich für Erstsemester im Studienfach Philosophie. Griechischkenntnisse sind nicht vorausgesetzt.

Textausgaben : Platon: Trinkgelage, Insel Verlag, Frankfurt/M. 1986

Proseminare

Andreae: Einführung in die afrikanische Philosophie ( Autonomes Proseminar )

Mi 18-20, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 15.10.

Afrika ist immer noch der unbekannte dunkle Kontinent. Auch die Philosophie Afrikas ist ein "weißer" Fleck auf unserer Landkarte Afrikas. Die meisten europäischen Universitäten beschäftigen sich nicht mit der afrikanischen Philosophie. Der geringe Bekanntheitsgrad macht es erforderlich, immer noch mit der Frage zu beginnen: "Gibt es afrikanische Philosophie?" Das Angebot eines Einführungsseminars nimmt die Antwort natürlich vorweg. Ziel des Seminars ist es, in die Philosophieentwicklung eines im philosophischen Diskurs meist vernachlässigten Kontinents einzuführen. Es wird ein kurzer Abriß der Philosophiegeschichte gegeben, die grundlegenden Denkrichtungen werden vorgestellt und Themenschwerpunkte ausgewählter Philosophen diskutiert. Doch ein nur historischer Rückblick wird der afrikanischen Philosophie nicht gerecht, eine Beschäftigung mit modernen Texten und den jüngsten Entwicklungen wird breiten Raum einnehmen.
Der Erwerb eines Leistungsnachweises ist möglich (Referat), da Herr Wimmer seine Teilnahme zugesagt hat.

Literatur: Bücher und Artikel sind größtenteils in Tübingen nicht vorhanden. Für das Seminar wird ein Reader zusammengestellt, der zu Beginn erworben werden kann.
Für eine erste Annäherung an die Thematik empfehle ich:
* Kimmerle, Heinz (1991): Philosophie in Afrika - afrikanische Philosophie: Annäherung an einen intellektuellen Philosophiebegriff. Frankfurt/M., New York: Campus
* Nagel-Docekal, Herta; Wimmer, Franz (1992): Postkoloniales Philosophieren: Afrika. Wien, München: Oldenbourg Verlag

Figal: Texte zur philosophischen Hermeneutik

Di 14-16, Alte Burse, Raum X, Beginn: 14.10.

Hermeneutik ist ursprünglich die Kunst der Auslegung, des angemessenen Verstehens von Texten und auch mündlichen Äußerungen. Unter philosophischer Hermeneutik versteht man demgegenüber den Versuch, eine allgemeine Konzeption des Verstehens und Interpretierens zu entwickeln und von hier aus Aufschluß darüber zu erhalten, was Erkenntnis und Erfahrung eigentlich ist. Das Proseminar ist als Einführung in Positionen und Fragestellungen der philosophischen Hermeneutik in diesem Sinne gedacht. Dabei sollen ausgewählte Texte, u.a. von Friedrich Schleiermacher, Martin Heidegger und Hans-Georg Gadamer, möglichst genau gelesen werden. Die Texte werden als Fotokopien zur Verfügung gestellt.

Grundmann: Leibniz: Logik und Metaphysik

Di 10-12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 14.10.

Leibniz ist vor allem als Autor der Monadologie und Theodizee bekannt. Im Lichte dieser Schriften erscheint seine Metaphysik der "praestabilierten Harmonie fensterloser Monaden" und "der besten aller möglichen Welten" leicht als abenteuerlich spekulativ. Andererseits gilt Leibniz' Rationalismus erfahrungsunabhängiger Erkenntnis seit Kant als überholt. Erst zu Beginn dieses Jahrhunderts wurde (vor allem durch Couturat und Russell) erkannt, wie sehr Leibniz' Metaphysik durch seine logischen und sprachphilosophischen Auffassungen rational motiviert ist. Im Seminar werden wir uns vor allem mit dieser Seite seiner Philosophie und dem methodologischen Zusammenhang von Logik und Metaphysik beschäftigen. Daneben sollen Leibniz' metaphysische Positionen zur Identität, Substanz, Relation, Notwendigkeit und seine relationale Raum/Zeit-Konzeption diskutiert werden.
Das Seminar wendet sich vor allem an fortgeschrittene Anfänger(innen). Vorkenntnisse in der Geschichte der Metaphysik sind nicht erforderlich, jedoch nützlich. Textgrundlage werden verschiedene Schriften aus dem Nachlaß und die Abhandlung über die Metaphysik sein.

Höffe, Horn: Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten

Mi 16-18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 15.10.

Zusammen mit der Kritik der praktischen Vernunft bildet die Grundlegung das Zentrum der Kantischen Ethik. Kants Thema in der Grundlegung ist "die Aufsuchung und Festsetzung des obersten Prinzips der Moralität". Ohne Einschränkung gut ist für ihn "allein ein guter Wille" - womit gemeint ist, daß das menschliche Handeln nur dann im moralischen Sinn gut ist, wenn es sich nicht an empirischen Bestimmungsgründen, sondern ausschließlich an der "Pflicht" orientiert. Unter dieser Pflicht versteht Kant ein Gesetz der Vernunft, das dazu in der Lage sein soll, den Willen a priori zu bestimmen. Da Menschen zugleich Vernunft- und Naturwesen sind, da also ihr Handeln sowohl durch vernünftige als auch durch subjektive Motive bestimmt sein kann, ergibt sich für sie aus dem Vernunftgesetz der berühmte "kategorische Imperativ". Dessen verschiedene Formulierungen werden im Mittelpunkt des Proseminars stehen. Außerdem werden wir uns genauer mit Kants Lehre von der "Autonomie der Vernunft" im dritten Abschnitt der Grundlegung beschäftigen.
Benotete Scheine können durch eine Hausarbeit erworben werden.

Text : Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (alle Ausgaben).

Literatur :
* O. Höffe (Hrsg.), Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. Ein kooperativer Kommentar, Frankfurt/M. 21993.
* F. Kaulbach, Immanuel Kants "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten", Darmstadt 1988.

Hoering: Logik und Rhetorik, Aufklärung und Manipulation

Do 8-10, Alte Burse, Raum X, Beginn: 16.10.

Erkenntnis und Interesse verbinden sich in der Rhetorik in anderer Weise als in der Logik. Wenn es tatsächlich einem Autor gelingt, so zu schreiben, daß seine Sätze und Wörter "in das Bewußtsein einziehen, wie Gladiatoren in die Arena", dann steht uns nur dann die Rolle des Imperators zu, der letztlich den Kampf entscheidet, wenn wir dessen Regeln kennen und durchschauen. Aber auch im Falle weniger klar geschriebener Texte und für seine eigene Arbeit ist der ehrgeizige junge Philosoph gut beraten, wenn er nicht nur die Regeln der Logik kennt, sondern auch die Finten der Rhetorik zu analysieren und zu gebrauchen lernt.

Literatur :
* G. Ueding, Aufklärung über Rhetorik, Tübingen 1992
* R. Ulshöfer, Logik, Rhetorik, Argumentationslehre, Stuttgart
* F. Solmsen, Die Entwicklung der aristotelischen Logik und Rhetorik, Hildesheim 1985
* A. Oksenberg Rorty (Hrsg), Essays on Aristotle's Rhetoric, Berkeley 1996
* K. Petrus, Genese und Analyse, Logik Rhetorik und Hermeneutik im 17. u. 18. Jh., Berlin 1997
* H. Gomperz, Sophistik und Rhetorik, 1912, Nachdruck Darmstadt 1965
* A. Syndram, Rhetorik des Mythos, Diss. Aachen 1995

Keuth: Philosophie der Neuzeit

Do 14-16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 16.10.

Das Seminar beschäftigt sich mit den Grundgedanken einer Reihe von Philosophen, die die Entwicklung der Philosophie maßgeblich beeinflußt haben und/oder noch von aktueller Bedeutung sind. Es handelt sich um Comte, Mill, James, Peirce, Dewey, Mach, Tarski, Reichenbach, Kraft, Gödel, Neurath.
Zum Erwerb eines benoteten Scheines muß ein Referat angefertigt werden.

Literatur:
J. Speck (Hrsg.), "Grundprobleme der großen Philosophen, Philosophie der Neuzeit" V und VI. UTB 1623 bzw. 1654

Koch, A.F.: Aristoteles, Metaphysik Interpretationskurs II

Do 16-18, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 16.10.

In diesem zweiten Teil des Kurses wird die Interpretation der sog. Substanzbücher der Aristotelischen Metaphysik forgesetzt. Vorbehaltlich anderer Vereinbarungen mit den Teilnehmern im ersten Teil des Kurses werden wir insbesondere das Buch IX (Theta) behandeln.
Qualifizierter Schein: Hausarbeit (ggf. Ausarbeitung einer Stundenvorbereitung).

Mirbach: Sören Kierkegaard, Entweder - Oder

Fr 10-12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 17.10.

In Sören Kierkegaards unter dem Pseudonym "Victor Eremita" herausgegebenem, frühem Werk Entweder - Oder (1843) werden die menschlichen Existenzmöglichkeiten des Ästhetischen (Teil 1 mit den "Diapsalmata", einer Sammlung verschiedener psychologischer und ästhetischer Untersuchungen sowie dem "Tagebuch des Verführers") und des Ethischen (Teil 2 mit den Abhandlungen "Die ästhetische Gültigkeit der Ehe", "Das Gleichgewicht zwischen dem Ästhetischen und dem Ethischen in Herausarbeitung der Persönlichkeit") dialektisch auseinander entwickelt und gegenübergestellt. Zentrale Kategorien sind die Verzweiflung, die darin gegebene Möglichkeit des Sprungs von der ästhetischen zur ethischen Lebensanschauung, die im "Entweder - Oder" geforderte Selbstwahl sowie Schuld und Reue als Voraussetzung des Übergangs in die dritte, Ästhetisches und Ethisches in sich aufhebende Form der religiösen Existenz (auf die am Schluß des 2. Teils das "Ultimatum" und "Das Erbauliche, welches in dem Gedanken liegt, daß wir Gott gegenüber allezeit Unrecht haben" verweisen).
Der für einen Einstieg in die Philosophie Sören Kierkegaards sehr geeignete, ebenso umfangreiche wie wirkungsmächtige Text sollte bis zu Semesterbeginn bereits größtenteils gelesen sein.
Scheinerwerb: Schriftliche Ausarbeitung eines Sitzungsprotokolls oder Referats.

Text:
Sören Kierkegaard: Gesammelte Werke. Hg. von Emanuel Hirsch und Hayo Gerdes. Abt. 1: Entweder - Oder, Teil 1 (Bd. 1, 1985, Bd. 2, 1986); Abt. 2/3: Entweder - Oder, Teil 2 (Bd. 1, 1980, Bd. 2, 1980). Gütersloh (Gütersloher Taschenbücher Siebenstern 600-603)

Pinzani, Rinderle: Einführung in die politische Philosophie bei Rousseau und Kant

Fr 9-11, Alte Burse, Raum X, Beginn: 17.10.

In dem Proseminar sollen die Texte zweier Autoren interpretiert werden, die auch für das politische Denken der Gegenwart (Habermas, Rawls, Kommunitarismus-Debatte) von bleibender Aktualität sind. Einerseits interessiert uns dabei die ideengeschichtliche Einbettung von Rousseau und Kant in den Stand der Diskussion ihrer Zeit. Welche Einflüsse machen sich in ihren Ansätzen geltend? Auf welche Weise antworten sie auf diese Einflüsse? Wie hat Kant Anregungen von Rousseau aufgenommen und weiterverarbeitet? Andererseits sollen ihre Texte auch unter einer konsequent systematischen Fragestellung gelesen werden. Welche Gründe führen die beiden Autoren für die rechtliche Form des Zusammenlebens an? Wie stellen sie sich die institutionelle Konkretisierung dieser Rechtsform des Zusammenlebens vor? Welche Faktoren tragen bei ihnen zur Verwirklichung und Stabilisierung der Rechtsform des Zusammenlebens bei? Ziel des Proseminars ist eine Einführung in die politische Philosophie anhand der gemeinsamen Lektüre zweier ihrer klassischen Texte. Zur Ergänzung werden sowohl weitere Texte von Rousseau und Kant sowie einige ausgewählte Texte aus der gegenwärtigen Diskussion mit einbezogen.
Scheinerwerb: Hausarbeit

Texte:
Jean-Jacques Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag (reclam; kurz CS)
Immanuel Kant, Über den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis (Meiner, Philosophische Bibliothek; kurz GSP)

  1. Sitzung: Organisation, zu den Autoren und ihren Werken, systematische Einführung in die Aufgaben der politischen Philosophie
  2. Sitzung: Naturzustand und Gesellschaftsvertrag bei Rousseau, CS I, 1-6 (zur Ergänzung: Über den Ursprung der Ungleichheit ...)
  3. Sitzung: Der Souverän und der bürgerliche Stand, CS I, 7 - II, 5 (zur Ergänzung: Habermas, Volkssouveränität als Verfahren?)
  4. Sitzung: Regierungsformen, Begriff und Begründung der Demokratie, CS II, 6 - 12 (zur Ergänzung: Rawls über den Begriff des Gesetzes)
  5. Sitzung: Regierungsformen, Begriff und Begründung der Demokratie, CS III, 1 - 18 (zur Ergänzung: aus der zeitgenössischen Demokratie-Theorie: Habermas)
  6. Sitzung: Modi der Abstimmung, bürgerliche Religion, CS IV, 1 - 9 (zur Ergänzung: Kommunitarismus-Debatte)
  7. Sitzung: Praktische Vernunft und ursprünglicher Kontrakt bei Kant GSP, 1. Teil, 2. Teil, S. 20/21 (zur Ergänzung: Einleitung, Rechtslehre A, B, C, D, Begriff des Rechts)
  8. Sitzung: Der Staat und der bürgerliche Zustand, GSP, Teil 2, S. 20-29 (zur Ergänzung: Rechtslehre § 43 - 46; Rawls)
  9. Sitzung: Rechtmäßigkeit der öffentlichen Gesetze und Widerstandsrecht, GSP S. 20-29 (zur Ergänzung: Rechtslehre § 47; Rawls)
  10. Sitzung: Staatsformen und Gewaltenteilung, Rechtslehre §§ 48, 49 (zur Ergänzung: Zum ewigen Frieden, 1. Def. Artikel und Anmerkung)
  11. Sitzung: Völkerrecht, GSP, 3. Teil (zur Ergänzung: Zum ewigen Frieden, 2. und 3. Def. Artikel)
  12. Sitzung: Volkssouveränität und Menschenrechte. Abschlußdiskussion zum Spannungsverhältnis zwischen Rousseau und Kant in der gegenwärtigen Debatte (Einführung von Dr. Pinzani und Dr. Rinderle)

Jede Sitzung wird mit einem Kurzreferat (höchstens 20 Minuten) eingeleitet. Zum Scheinerwerb ist eine Hausarbeit (5-10 Seiten) bis spätestens zur letzten Sitzung einzureichen.

Quarch: Einführung in Platons Philosophie der Ideen

Mi 20-22, Alte Burse, Raum X, Beginn: 22.10.

Kaum ein anderer philosophischer Gedanke hat so nachhaltig die Geschichte des europäischen Geistes geprägt wie Platons Theorie der Ideen. Und kaum ein anderer philosophischer Gedanke ist im Zuge der Geistesgeschichte so häufig verzerrt, umgedeutet und weiterentwickelt worden. Wer heute Platon interpretieren möchte, steht deshalb vor der spannenden Aufgabe, hinter die Auslegungsgeschichte der Ideenphilosophie zurückzufragen, um in der unmittelbaren Beschäftigung mit Platons Dialogen den ursprünglichen Sinn der Ideenannahme zurückzugewinnen. Dabei kann man die aufregende Entdeckung machen, daß Platons metaphysische Grundannahme aus konkreten Lebensbezügen entwickelt ist und daher auch für die eigene Lebenspraxis wichtige Impulse geben kann. Die Beschäftigung mit Platons Ideenphilosophie hilft, ein lebensnahes und die herkömmlichen Denkgewohnheiten infragestellendes Philosophieren kennenzulernen und zu praktizieren. Dazu werden wir eine Auswahl wichtiger Textpassagen, vor allem aus den Dialogen Phaidon, Politeia und Parmenides, lesen. Die genaue Auswahl wird zu Seminarbeginn bekanntgegeben.
Das Proseminar richtet sich vor allem an Studentinnen und Studenten im Grundstudium. Es soll einen geradlinigen und spannenden Einstieg in die antike griechische Philosophie und damit zugleich in die Philosophie überhaupt vermitteln. Griechischkenntnisse sind nicht erforderlich.

Literatur:
Als Textgrundlage sind die entsprechenden Bände einer der gängigen mehrbändigen Platonausgaben zu empfehlen.
Am geeignetsten ist noch immer die zweisprachige Edition mit der Übersetzung von Friedrich Schleiermacher, die sowohl bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft als auch im Insel-Verlag vorliegt.
Die zu besprechenden Texte sind auch gesammelt zugänglich in:
Plato: Texte zur Ideenlehre, hg. v. Hans-Georg Gadamer, Klostermann Texte zur Philosophie, Frankfurt/M. 1978.

Zur Einführung in Platons Ideenphilosophie:
* Friedländer, P.: Platon, Bd. 1+2, 2. Aufl. Berlin 1954-1960
* Görgemann, H.: Platon, Heidelberg 1994
* Guthrie, W.K.C.: A History of Greek Philosophy, Vol. IV, V, Cambridge 1978
* Natorp, P.: Platons Ideenlehre, Hamburg 1994 (Nachdruck der 2. Aufl. von 1921)
* Ross, W. D.: Plato's Theorie of Ideas, 2. Aufl. Oxford 1952
* Wieland, W.: Platon und die Formen des Wissens, Göttingen 1982

Interpretationskurse

Rapp: Aristoteles, Nikomachische Ethik Interpretationskurs I

Di 18-20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 14.10.

Aristoteles' Schrift "Nikomachische Ethik" ist (neben Kants Schriften zur praktischen Philosophie) die wichtigste Quelle für die praktische Philosophie oder Ethik überhaupt. In zehn Büchern wird darin der Frage nachgegangen, worin das menschliche Glück besteht, was für Aristoteles keine rein theoretische Frage, sondern eine Frage mit durchaus praktischem Wert ist, weil man ein glückliches Leben - wie Aristoteles meint - in jedem Fall eher erreichen kann, wenn man sich zuvor Rechenschaft darüber abgelegt hat, was für ein derart gelungenes Leben im allgemeinen erforderlich ist.
Im einzelnen enthält die "Nikomachische Ethik" unter anderem Ausführungen zu folgenden Themen: das Glück als höchstes Strebensziel aller Menschen - Ziel und Methode einer praktischen Philosophie - die spezifischen Leistungen des Menschen und die Definition eines für den Menschen gelungenen Lebens - der Beitrag der Tugenden zum glücklichen Leben - Bestimmung der Tugenden als gefestigte, mit Entscheidung verbundene Haltungen - die Unterscheidung von Verstandes- und Charaktertugenden - die Bestimmung der einzelnen Charaktertugenden als einer Mitte zwischen zwei Arten der Verfehlung - Freiwilligkeit, Entscheidung, Zuschreibbarkeit von Handlungen - Gerechtigkeit - die verschiedenen Verstandestugenden - Willensschwäche - Lust, Wert der Lust für das glückliche Leben - Freundschaft, verschiedene Formen der Freundschaft - die Tauglichkeit verschiedener Lebensformen (die politische und die theoretische Lebensform) für das Glück. Dieser Kurs wendet sich besonders auch an Anfänger.

Teilnahmevoraussetzungen: keine - außer der Bereitschaft, ein Referat zu übernehmen. Griechischkenntnisse werden nicht erwartet.
Voraussetzung für den Erwerb eines Scheines: Referat und Hausarbeit ( oder Klausur).

Literatur:
Es gibt mehrere brauchbare deutsche Übersetzungen im Taschenbuchformat; besonders empfehlenswert ist:
Aristoteles - Nikomachische Ethik, übersetzt von O. Gigon, dtv, München, ca. 16,80 DM
Der griechische Originaltext ist in einer Edition von L. Bywater in der Sammlung "Oxford Classical Texts” erhältlich.
Zur Seminar-begleitenden Lektüre empfehlenswert ist die Aufsatzsammlung: O. Höffe (Hg.): Aristoteles, Nikomachische Ethik, Klassiker Auslegen, Bd. 2, Akademie Verlag, Berlin 1995, 29,80 DM

Rinderle: Sozialphilosophie von John Stuart Mill

Di 16 - 18, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 14.10.

Kommentar: siehe Aushang

Schick: Natürliche Arten

Mo 18-20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 13.10.

Individuen lassen sich als Elemente einer Klasse begreifen, wenn - aber nicht nur wenn - sie irgendeine Gemeinsamkeit aufweisen. Umgekehrt ist der Aufweis irgendeiner Gemeinsamkeit eine vielleicht notwendige, aber keine hinreichende Bedingung dafür, Individuen als Exemplare einer Art zu begreifen. Die Klasse aller gelben Dinge ist eine hinreichend bestimmte, intensional definierte Klasse - aber wir würden wenigstens zögern, in diesem Fall von einer Art von Dingen zu reden. Für die Zugehörigkeit zu einer Art scheint also eine objektivere Weise der Zusammengehörigkeit der Mitglieder dieser Art verlangt. Diesen Objektivitätsanspruch drückt das Attribut "natürlich" aus.
Im Seminar wollen wir der Frage nachgehen, worin solche Objektivitätsansprüche bestehen und ob sie sinnvoll erhoben werden können. Eine, wenn auch nicht die einzige Weise, Objektivitätsstandards für Klassifikationen ausfindig und plausibel zu machen, liegt im Rekurs auf die Gesamtähnlichkeit zwischen Individuen. Von entsprechenden Versuchen, den Begriff der Art durch Individuen-Ähnlichkeit zu erklären, werden wir im Seminar unseren Ausgangspunkt nehmen.
Scheinerwerb: Schriftliche Ausarbeitung eines Referats oder eines Sitzungsprotokolls.

Texte:

  1. Im Zentrum unserer Überlegungen wird ein Text von Willard Van Orman Quine stehen: Natürliche Arten, in: ders.: Ontologische Relativität und andere Schriften, Stuttgart (Reclam) 1975, S. 157-192.
  2. Ein Reader mit weiteren Texten (u.a. von John Stuart Mill, Rudolf Carnap und Nelson Goodman) kann in meinen Feriensprechstunden am 3. Sept. und 10. Okt. (13-15 Uhr) oder in der ersten Sitzung abgeholt werden.

Schick, Mirbach: Hegels Ästhetik Interpretationskurs I

Di 18-20, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 14.10.

Kunstwerke gelten für mehr als nur für den gelungenen Ausdruck subjektiver Empfindungen. Zugleich scheint aber das, was sie vermitteln, mit der besonderen Subjektität des Künstlers und des Rezipienten wesentlich verbunden zu sein. Diesem Rätsel ist Hegel in seiner Theorie der Kunst und des Kunstschönen (im Hauptteil seiner Vorlesungen über die Ästhetik) auf den Grund gegangen. Sie ist eingebettet in seine allgemeine Theorie des Schönen, als dessen Arten das Naturschöne und das Kunstschöne bestimmt werden.
Im ersten Teil des Kurses wollen wir 1. einige Grundbegriffe klären, die für das Verständnis von Hegels Ästhetik vorausgesetzt sind ("Idee" - "absoluter Geist"), 2. Hegels allgemeinen Begriff des Schönen und der spezifischen Differenz des Naturschönen verstehen und 3. dessen Verhältnis zu Ästhetik-Theorien des 18. und des beginnenden 19. Jahrhunderts bestimmen.
Scheinerwerb: Schriftliche Ausarbeitung eines Referats oder eines Sitzungsprotokolls.

Texte:

  1. Hegel: Vorlesungen über die Ästhetik, Einleitung und Erster Teil (Erstes Kapitel: "Begriff des Schönen überhaupt" und zweites Kapitel: "Das Naturschöne"); Ausgabe: G.W.F. Hegel: Werke in zwanzig Bänden, Bd. 13, Redaktion E. Moldenhauer und K.M. Michel, Frankfurt/M. 1970, S. 11- 202
  2. Hegel: Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (1830), Dritter Teil, Dritte Abteilung, §§ 553-563; Ausgabe: G.W.F. Hegel: Werke in zwanzig Bänden, Bd. 10, Redaktion E. Moldenhauer und K.M. Michel, Frankfurt/M. 1970

Schmidt: F.W.J. Schelling, Abhandlungen zur Erläuterung des Idealismus der Wissenschaftslehre

Fr 14-16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 17.10.

Schelling skizziert in diesem frühen Text von 1796/97 - auf dem Spuren von Fichtes Wissen- schaftslehre und in ständiger Auseinandersetzung mit Kant - ein System der Grundformen des Wissens, die entwickelt werden aus einer "Geschichte des Selbstbewußtseins". Damit stellt dieser Text einen wichtigen Schritt hin zu Schellings "System des transzendentalen Idealismus" (1800) dar. Im Seminar soll der Text kontinuierlich gelesen und interpretiert werden. Scheinerwerb: schriftliche Hausarbeit

Text : F.W.J. Schelling, Ausgewählte Schriften (hrsg. v. M. Frank), Bd. 1, Frankfurt/M. Suhrkamp 1995

Schneider: Hannah Arendt, Vita activa oder vom tätigen Leben

Mo 16-18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 20.10.

Hannah Arendt gehört zu den bedeutenden Denkerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr Buch Vita activa oder vom tätigen Leben darf als eines ihrer Hauptwerke angesehen werden. Wie der Titel sagt, geht es um das "tätige Leben" im Unterschied zum "kontemplativen" oder, mit Aristoteles, "theoretischen" Leben. Themen sind: philosophische Anthropologie, Öffentlichkeit und Privatheit, Individuum und Gesellschaft, das Handeln und Herstellen, die geschichtliche Voraussetzung des homo faber.
Ein qualifizierter Seminarschein kann aufgrund regelmäßiger Mitarbeit und einer schriftlichen Hausarbeit erworben werden.

Text : Hannah Arendt, Vita activa oder vom tätigen Leben, München (Piper-Verlag) 1960 u.ö.

Soldati: Einführung in die Ontologie

Do 18-20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 16.10.

Was sind Gegenstände, Eigenschaften, Relationen, Ereignisse, Zustände und Tatsachen? Worin unterscheiden sich abstrakte von konkreten Entitäten? Was sind Universalien? Worin besteht die nominalistische Kritik der Universalien? Gibt es Substanzen oder sind alle Gegenstände nur Bündel von Eigenschaften? Dies sind die Grundfragen der Ontologie, denen dieses einführende Seminar gewidmet ist. Dabei wird es auch um die Frage der Methode gehen: Wie stellt man fest, ob etwas ein Universal ist? Wie entscheidet man sich für oder gegen die Idee der Substanzen?
Bedingung für die Teilnahme an dem Proseminar ist die Übernahme eines Referats.
Qualifikation für einen Schein: Hausarbeit oder Klausur.

Zur Vorbereitung empfehle ich:
Armstrong, David 1989: Universals. An opinionated Introduction. London: Westview
Künne, Wolfgang 1980: Abstrakte Gegenstände. Frankfurt/M., Suhrkamp

Seminare

Braun: Kritische Theorie (Zeitschrift für Sozialforschung) Kompaktseminar

Fr 13.2. - So 15.2.1998, Fabri-Haus, Blaubeuren
Vorbesprechung: Di, 21.10., 15 Uhr, Raum 308

Die Zeitschrift für Sozialforschung gab Max Horkheimer von 1932 bis 1941 im Auftrag des Instituts für Sozialforschung heraus. Das Institut wurde zum Sprachrohr kritischer Emigrantinnen und Emigranten. Die Absicht des Kompaktseminars ist es, in das Konzept der Zeitschrift einzuführen und einen ebenso geschichtlichen wie systematischen Überblick über interdisziplinäre Formen der Kooperation zu geben: Philosophie, Soziologie, kritische Ökonomie, Sozialpsychologie, Ästhetisches. Einführen möchte ich mit dem Konzept der Sozialforschung in der Perspektive sozialistischer Neuordnung: Max Horkheimers Frankfurter Antrittsvorlesung von 1931 Zur Lage der Sozialphilosophie und die Aufgaben eines Instituts für Sozialforschung . Politisch war das Aktuellste die Faschismustheorie, die Autorinnen und Autoren breit diskutierten. Vertreten ist sie hier mit Herbert Marcuse. Im Zentrum steht dann Max Horkheimers berühmter Aufsatz von 1937 Traiditonelle und kritische Theorie . Hier entwirft er das Programm einer Kritischen Theorie - zuerst ein Tarnname für Marxismus angesichts der faschistischen Gewalt, später Ausdruck einer eigenständigen Bewegung, des weiteren das begleitende philosophische Pendant: Herbert Marcuses Philosophie und kritische Theorie (1937). Horkheimer, Fromm und Marcuse stehen für das kooperative Projekt Autorität und Familie ein. Weitere Arbeiten Marcuses von grundlegend philosophischer wie kulturpolitischer Art sollen besprochen werden. Erich Fromm verficht die analytische So- zialpsychologie. Auch Walter Benjamins Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit erschien in diesem Organ, nicht zu vergessen Theodor W. Adornos Beiträge zur Musik - hier das Beispiel Der Fetischcharakter der Musik und die Regression des Hörens . Zu meinem allergrößten Bedauern sind die 9 billigen Taschenbuchbände des dtv- Reprints der Zeitschrift für Sozialforschung vergriffen. Wir müssen auf die Editionen einzelner Autoren ausweichen.

Texte:
* Max Horkheimer, Gesammelte Schriften, hrsg. von Alfred Schmidt und Gunzelin Schmid-Noerr, Bd. 3: Schriften 1931-1936, hrsg. von G. Schmid-Noerr, Fischer Ffm 1988. (Zur Anschaffung empfohlen)
* ders., Gesammelte Schriften, a.a.O., Bd. 4: Schriften 1936-1941
* Herbert Marcuse, Aufsätze aus der Zeitschrift für Sozialforschung 1934-1941, Gesammelte Schriften, Bd. 3, Ffm 1979
*ders., Kultur und Gesellschaft 1, es 101, Ffm 1965, darin:
Vorwort - Der Kampf gegen den Liberalismus in der totalitären Staatsauffassung - Über den affirmativen Charakter der Kultur - Philosophie und kritische Theorie - Zur Kritik des Hedonismus

Zur Anschaffung empfohlen:
* Herbert Marcuse, Ideen zu einer kritischen Theorie der Gesellschaft, es 300, Ffm 1969, darin: Studie über Autorität und Familie
* Erich Fromm, Gesamtausgabe, hrsg. von Rainer Funk, DVA, 10 Bde, Stuttgart 1980, Bd. 1: Analytische Sozialpsychologie (Aufsätze in der Zeitschrift für Sozialforschung ), Bd. 3: Empirische Untersuchungen zum Gesellschafts-Charakter, a.a.O.
* ders., Analytische Sozialpsychologie und Gesellschaftstheorie, es 425, Ffm 1970, darin: Vorwort, Über die Methode und Aufgabe einer analytischen Sozialpsyschologie: Bemerkungen über Psychoanalyse und historischen Materialismus (1932)
* Walter Benjamin, Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Gesammelte Schriften, I. 2, hrsg. von Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser, stw, S. 431-508 u. S. 709-739
* Theodor W. Adorno, Über den Fetischcharakter der Musik und die Regression des Hörens (1938), in: Dissonanzen. Musik in der verwalteten Welt , Kleine Vandenhoek-Reihe Bd. 28/29, Göttingen 1956 u.ö. auch Rowohlt Taschenbuch, Reinbek/Hamburg 1958
* auch in: Gesammelte Schriften, hrsg. von Rolf Tiedemann, Bd. 14, Suhrkamp Ffm 1973, S. 14- 50

Literatur :
* Alfred Schmidt, Die Zeitschrift für Sozialforschung . Geschichte und gegenwärtige Bedeutung, in: Bd. I des dtv-Reprints, München 1980, S. 5-63; ferner in: Zur Idee der Kritischen Theorie, Elemente der Philosophie Max Horkheimers, Reihe Hanser 149, München 1974, Die Zeitschrift für Sozialforschung . Geschichte und gegenwärtige Bedeutung, S. 36-124
* Rolf Wiggershaus, Die Frankfurter Schule, Geschichte, theoretische Entwicklung, politische Bedeutung, Hanser München 1986, dtv 1988
* Martin Jay, The Dialectival Imagination. A History of the Francfort School and the Instituts für Sozialforschung 1923-1950, Fischer-Verlag Ffm 1976
* Helmut Dubiel, Wissenschaftsorganisation und politische Erfahrung. Studien zur frühen Kritischen Theorie, stw 258, Ffm 1978
* Eberhard Braun, Aufhebung der Philosophie. Karl Marx und die Folgen, J.B. Metzler Verlag Stuttgart/Weimar 1992, Zweiter Teil: Die Folgen, II. Kritische Theorie, S. 206-264

Engels: Naturschutzethik: naturwissenschaftliche und moralphilosophische Begründungen des Naturschutzes

gemeinsam mit Dipl.-Biol. Uta Eser und Dipl.-Biol. Thomas Potthast
Di 16-18, Auf der Morgenstelle 28, Geb. E, Hörsaal N12, Beginn: 14. 10.

Dieses Seminar ist speziell der Ethik des Naturschutzes, einem Teilbereich der Umweltethik, gewidmet. Folgende Fragen werden gestellt: Wie wird Naturschutz begründet? Welche Argumente gibt es, inwieweit sind diese stichhaltig, stehen verschiedene Argumente unvermittelt nebeneinander, ergänzen oder widersprechen sie sich? Nach den notwendigen Begriffsklärungen wird die Geschichte des Naturschutzes kurz behandelt, um zu einem besseren Verständnis der heutigen Diskussionen zu gelangen. Dabei geht es zunächst um grundsätzliche Fragen moralphilosophischer Begründungen des Naturschutzes (Stichwort: anthropozentrische und biozentrische Positionen). Danach werden Schutzkonzeptionen zu Kultur- bzw. Naturlandschaften diskutiert und abschließend zwei sehr unterschiedliche Fallbeispiele (Bekämpfung von Neophyten bzw. Schutz evolutiver Potentiale) analysiert.
Das Seminar ist für Studierende der Biologie und Philosophie im Hauptstudium vorgesehen. Literaturliste und Sitzungsplan können während der vorlesungsfreien Zeit im Büro des Lehrstuhls für Ethik in den Biowissenschaften, Sigwartstr. 20, nach tel. Vereinbarung abgeholt werden. Tel.: 07071/29 77191.
Bedingung für den Erwerb eines unbenoteten Leistungsnachweises ist ein Seminarvortrag zu einem der Themen, für einen benoteten Leistungsnachweis eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit.

Engels: Gesellschaft und Moral in biologischen Utopien

Do 14-16, Auf der Morgenstelle 28, Geb. E, Hörsaal N 13, Beginn: 16. 10.

Die Verbesserung der menschlichen Natur in körperlicher, geistiger, sozialer und moralischer Hinsicht gehört zu den ältesten Themenstellungen der Philosophie, der Geistes- und der Naturwissenschaften. Sowohl die Qualitätskriterien für eine inhaltliche Bestimmung von "Verbesserung" oder gar "Vervollkommnung" als auch die Vorstellungen über die Mittel ihrer Verwirklichung sind in hohem Maße kontextabhängig und weisen daher ein breites Variationsspektrum auf. Das biologische und medizinische Verständnis vom Menschen und der außermenschlichen Natur sowie die praktischen und technischen Möglichkeiten dieser Wissenschaften spielen bis heute eine entscheidende Rolle für die Konzeption von Menschen- und Gesellschaftsbildern. Ausgehend von einigen grundsätzlichen Überlegungen zum Charakter von Utopien und ihren vielfältigen Aspekten werden im Seminar, auf der Grundlage ausgewählter Texte aus verschiedenen Jahrhunderten, die Vorstellungen von Gesellschaft und Moral in biologischen Utopien untersucht. Die Literatur wird zu Beginn des Semesters bekanntgegeben. Bedingung für den Erwerb eines unbenoteten Leistungsnachweises ist ein Seminarvortrag zu einem der Themen, für einen benoteten Leistungsnachweis eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit.

Engels, Maier: Methodologie der Evolutionsbiologie

Kolloquium nach Vereinbarung; Vorbesprechung: siehe Aushang

Seit ihrer Entstehung im 19. Jahrhundert ist die Evolutionstheorie Gegenstand wissenschafts- theoretischer Überlegungen und Diskussionen gewesen. Dabei ging es nicht nur um die Klärung der Bedeutung ihrer zentralen Begriffe (Variation, natürliche Selektion, Fitness, Kampf ums Dasein usw.) und um die Beurteilung der naturwissenschaftlichen Grundlagen der von ihr angenommenen Mechanismen, sondern auch um die Bestimmung ihres logischen Status als solchem. Fragen, die sich in diesem Zusammenhang stellen, sind die, ob die Evolutionstheorie eine nachprüfbare wissenschaftliche Theorie sei, ein Paradigma im Sinne Kuhns, eine Tautologie ohne empirischen Gehalt usw.
Im Seminar werden wir uns auf Texte zur Wissenschaftstheorie bzw. Philosophie der Biologie konzentrieren, in welchen die Evolutionstheorie Gegenstand derartiger methodologischer Überlegungen ist. Dabei sollen diese Fragestellungen und die jeweiligen Ergebnisse auf die konkrete Forschungspraxis der Evolutionsbiologie bezogen werden, um auf diese Weise Theorie und Praxis miteinander zu vergleichen.
Bedingung für den Erwerb eines unbenoteten Leistungsnachweises ist ein Seminarvortrag zu einem der Themen, für einen benoteten Leistungsnachweis eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit.

Figal: Theodor W. Adorno, Ästhetische Theorie

Do 14-16, Alte Burse, Raum X, Beginn: 16.10.

Adornos nachgelassene "Ästhetische Theorie" (1970) gilt mit Recht als eines seiner philosophischen Hauptwerke und als einer der wichtigsten Beiträge zur neueren Kunstphilosophie. Das Buch ist nicht zuletzt darum interessant, weil es über die Schwierigkeiten von Kunst und Kunstphilosophie in der Moderne Rechenschaft zu geben versucht und zugleich konsequent für die moderne oder avantgardistische Kunst Partei ergreift. Dies, aber auch der Bezug der "Ästhetischen Theorie" auf die klassischen Positionen der philosophischen Ästhetik (Kant und Hegel), sollte Gegenstand der Arbeit im Seminar sein.

Grundmann: Erkenntnistheoretische Rechtfertigung

Mi 10-12, Alte Burse, Raum X, Beginn: 15.10.

Wenn in der Erkenntnistheorie das Problem der Rechtfertigung behandelt wird, dann geht es üblicherweise um Fragen wie: Welche generelle Struktur hat die Rechtfertigung unseres Wissens (Fundamentalismus oder Kohärenztheorie)? Gibt es überhaupt eine generelle Struktur der Rechtfertigung (Kontextualismus)? In welchem Umfang sind unsere Meinungen wirklich gerechtfertigt (Skeptizismus)? Dabei geht man oft ganz selbstverständlich von einem bestimmten Vorverständnis dessen aus, was epistemische Rechtfertigung ist. Im Seminar wollen wir diesen Begriff epistemologischer Rechtfertigung genauer untersuchen. Es wird also vorwiegend um metaepistemologische Fragen gehen. Wir werden uns dabei an der gegenwärtigen Diskussion der analytischen Erkenntnistheorie orientieren.
Im Zentrum des Seminars soll der fallibilistische Rechtfertigungsbegriff stehen, wonach eine Meinung auch dann gerechtfertigt sein kann, wenn sie falsch ist. Wir werden uns mit den folgenden Fragen beschäftigen: Ist Rechtfertigung normativ (Ethik der Meinungen)? Müssen rechtfertigende Meinungen dem Subjekt zugänglich sein (Internalismus - Externalismus)? In welchem Sinne muß die Rechtfertigung die Wahrheit wahrscheinlich machen? Welche Konsequenzen hat das Gettierproblem für den Rechtfertigungsbegriff? Gilt das Prinzip der Geschlossenheit unter logischer Implikation? Wir werden außerdem versuchen, die Konseqenzen dieser Analyse für die Erkenntnistheorie zu klären.

Literatur:
William Alston: Epistemic Justification , Ithaca/London 1989
Alvin Plantinga: Warrant: The Current Debate, Oxford 1993

Hägler: Kommunitarismus (MacIntyre und andere) Kompaktseminar

nach Vereinbarung - eine Vorbesprechung findet am Semesteranfang statt.

Kommentar zur Veranstaltung: siehe Aushang.

Höffe: Kant, Metaphysik der Sitten, Rechtslehre (mit zwei Symposien unter Beteiligung auswärtiger Referenten)

Fr 15.00-18.30, 14-täglich, Alte Burse, Raum X, Beginn: 17.10.

Im ersten Teil der Metaphysik der Sitten , den Metaphysischen Anfangsgründen der Rechtslehre , entwickelt Kant auf der Grundlage seiner neu konzipierten Moralphilosophie eine systematische Rechtstheorie. Er bestimmt den Begriff des Rechts, stellt ein oberstes Prinzip auf, begründet das Privatrecht (Eigentumstheorie) und das Öffentliche Recht in den drei Teilen von Staatsrecht, Völkerrecht und Weltbürgerrecht. - Im Rahmen des Seminars finden zu Kants Rechtslehre zwei eintägige internationale Symposien statt (12.12.97 und 6.2.98). Bloße Teilnehmer schreiben ein Protokoll; wer einen benoteten Schein erwerben will, hält ein Referat, das eine Woche vorher in zwei Exemplaren abgegeben und nach der betreffenden Sitzung schriftlich ausgearbeitet wird.

Textgrundlage :
Kant, Metaphysische Anfangsgründe der Rechtslehre
Themen- und Literaturliste schon jetzt im Sekretariat, Raum 317 erhältlich.

Hoering: Neuere Arbeiten zur Wissenschaftstheorie

Do 10-12, Alte Burse, Raum X, Beginn: 16.10.

In diesem Seminar wollen wir uns vor allem mit neueren Arbeiten aus der sogenannten "strukturalistischen Schule" der Wissenschaftschaftstheorie befassen, gegebenenfalls aber auch mit anderen wissenschaftstheoretischen Wünschen der Teilnehmer.

Literatur:
* W. Balzer, C.U. Moulines, Structuralist Theory of Science, Focal Issues and New Results, Berlin 1996
Balzer, Moulines, Sneed, An Architectonic for Science, Dordrecht 1987
C.U. Moulines, La sciencia: estrutura y desarrollo, Madrid 1993

Keuth: Karl Popper, Logik der Forschung

Mi 14-16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 15.10.

Karl Poppers "Logik der Forschung" ist wohl die bekannteste Einzelveröffentlichung zur Wissenschaftstheorie. Die erste Auflage 1935 hatte den Untertitel "Zur Erkenntnistheorie der modernen Naturwissenschaft", aber weil ihr Inhalt alle empirischen Wissenschaften betrifft, entfiel der Untertitel später. Mit Erkenntnistheorie meint man hierzulande meist Transzendentalphilosophie. Popper sieht die Nachfolge Kants anders. Wissenschaftstheorie ist das, was von der Erkenntnistheorie übrig bleibt, wenn man den Glauben an die transzendentalphilosophische Spekulation verloren hat. Das Seminar begleitet die zentralen Teile der Vorlesung "Die Philosophie Karl Poppers I".
Zum Erwerb eines benoteten Scheines muß ein Referat angefertigt werden.

Literatur:
* Karl R. Popper, "Logik der Forschung", Tübingen, z.B. 21966
* ders., "Realism and the Aim of Science" London 1983
* ders., "Vermutungen und Widerlegungen", Tübingen 1994

Klinger: Ästhetische Politik - Politische Ästhetik, Kompaktseminar

18.12. - 21.12.1997, Beginn: 10 Uhr, Alte Burse, Raum 211
Anmeldung im Sekretariat bei Frau Ott

Die Frage nach dem Verhältnis zwischen der Sphäre des Sozialen und Politischen und der ästhetischen Sphäre von Kunst und Medien gehört zu den problematischsten und interessantesten Themen der politischen Kultur im 20. Jahrhundert. Das Spektrum reicht von der Idee der Avantgarde, die in der Kunst den utopischen Vorschein gesellschaftlicher Befreiung gesehen hatte, über die Kritik an überkommenen Repräsentationsverhältnissen im Namen bestimmter sozialer Emanzipationsbewegungen (Proletariat, Frauen usw.), über die berüchtigte Surrogatfunktion des Ästhetischen im Dienste totalitärer Politik im Sinne einer "Ästhetisierung der Politik", bis hin zu den Versuchen einer Entdramatisierung des Verhältnisses von Kunst und Gesellschaft, die in der Gegenwart zu einer Distanzierung von den überkommenen Wahrheits- und Heilsansprüchen des Ästhetischen führen, wie sie mit der Tradition der Moderne verbunden waren. Ziel der Lehrveranstaltung ist es, einige Aspekte der vielfältigen und vielschichtigen Verhältnisbestimmungen von Kunst und Gesellschaft im Spannungsfeld zwischen Moderne und Postmoderne nachzuzeichnen.

Literaturhinweise:
* Walter Benjamin, Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. In: ders. * Gesammelte Schriften. Hrsg. v. Rolf Tiedemann/Hermann Schweppenhäuser, Frankfurt: Suhrkamp 1974, Bd. 1, 2
* Franz Dröge/Michael Müller, Die Macht der Schönheit. Avantgarde und Faschismus oder Die Geburt der Massenkultur. Hamburg: Europäische Verlagsanstalt 1995, Teil III, S. 171-211; Teil IV, S. 229-298
* Boris Groys, Gesamtkunstwerk Stalin. Die gespaltene Kultur in der Sowjetunion. München: Hanser 1988, S. 7-38
* Martha Rosler, Place Position, Power, Politics. In: The Subversive Imagination: Artists Society and Social Responsibility. Ed. by Carol Becker, New York/London: Routledge 1994, S. 55-76
* Silke Wenk/Sigrid Schade, Inzenierungen des Sehens: Kunst, Geschichte und Geschlechterdifferenz in den Kulturwissenschaften. Hrsg. v. Hadumont Bußmann/Renate Hof. Stuttgart: Kröner 1995, S. 340-407
* Martin Seel, Die Kunst der Entzweihung. Zum Begriff der ästhetischen Rationalität. Frankfurt: Suhrkamp 1985, Kap. I, S. 9-72, Kap. IVc, S. 325-333
Gianni Vattimo, Das Ende der Moderne. Stuttgart 1990. Teil II: Die Wahrheit der Kunst, S. 55- 119
* Stephen Davies (Ed.), Art and the Messages: Meaning, Morality and Society, University Park: Penn State Press 1997

Koch, A.F.: Die Hegelsche Begriffslogik (Teil I)

Di 16-18 , Alte Burse, Raum X, Beginn: 14.10.

Gegenstand des Seminars ist der erste Abschnitt - Die Subjektivität - der Hegelschen Begriffslogik. Wir werden in gemeinsamer Arbeit am Text versuchen, den doktrinalen und argumentativen Gehalt der Hegelschen Lehre vom Begriff im engen Sinn und vom Urteil, wenn die Zeit reicht, auch vom Schluß, zu erarbeiten. Das Seminar soll im Sommersemester fortgesetzt werden mit dem Ziel, auch den zweiten und dritten Abschnitt wenigstens selektiv zu behandeln.
Qualifizierter Schein: Hausarbeit.

Koch, A.F.: David Lewis (Materialismus und modaler Realismus)

Di 20-22, Alte Burse, Raum X, Beginn: 14.10.

Ziel des Seminars ist es, einen herausragenden Vertreter der gegenwärtigen analytischen Philosophie mit zwei seiner Grundthesen vorzustellen.
In der Philosophie des Geistes (Bewußtseinstheorie) lehrt David Lewis die Identität von Körper und Geist . Dies ist auch der Titel einer kleinen Aufsatzsammlung, die in deutscher Übersetzung 1989 in Frankfurt am Main erschienen ist (übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Andreas Kemmerling). Wir werden mit der Diskussion der drei Aufsätze dieser Sammlung beginnen: "Eine Argumentation für die Identitätstheorie" ("An Argument for the Identity Theory", in: Lewis, Philosophical Papers, Vol. I, New York und Oxford 1983), "Psychophysische und theoretische Gleichsetzungen" ("Psychophysical and Theoretical Identifications", in: Australasian Journal of Philosophy 50, 1972), "Verrückter Schmerz und Marsmenschenschmerz" ("Mad Pain and Martian Pain", in: Philosophical Papers, Vol. I , s.o.).
In der zweiten Semesterhälfte soll die These des modalen Realismus behandelt werden, wie David Lewis sie in seinem Buch On the Plurality of Worlds , Oxford und New York 1986, entwickelt und verteidigt hat. Aus Zeitgründen werden wir uns auf das erste und das dritte Kapitel des Buches beschränken müssen ("A Philosophers' Paradise" bzw. "Paradise on the Cheap?").
Qualifizierter Schein: Hausarbeit (ggf. Ausarbeitung einer Stundenvorbereitung)

Kümmel: Logik und Hermeneutik

Do 10-12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 16.10.

Logik und Hermeneutik haben sich noch nie bruchlos ineinander gefügt. Angesichts der anhaltenden Kontroversen und der Schwierigkeiten einer Prioritätensetzung sind zahlreiche Vermittlungsversuche zu erwarten, wobei sich auch die Tendenz zur gegenseitigen Vereinnahmung nicht vermeiden läßt und der Vorwurf einer Verkürzung des je eigenen Methodenverständnisses im Kontext der anderen Seite nicht ausbleiben kann.
Von logisch-empirischer Seite wird "Verstehen" an zwei Stellen konzediert: Einmal bei der Bildung von Gesetzeshypothesen über gegebene Daten, also als interpolierendes Teilstück der experimentellen Situation selbst, zum anderen bei der sich anschließenden Interpretation der Befunde und ihrer Übertragung auf einen weiteren, nicht selber wiederum standardisierbaren Anwendungsbereich. Die empirische Methode würde so gesehen das hermeneutische Verfahren einerseits umgreifen, es andererseits aber in den unscharf belassenen Randzonen als notwendiges Komplement erfordern.
Von hermeneutischer Seite her wird dagegen auf den komplexen geschichtlich-gesellschaftlichen Bezugsrahmen jeder wissenschaftlichen Theoriebildung abgehoben, wobei das streng methodisierte Verfahren des kontrollierten Experiments und die darauf bezogene hypothetisch- deduktive Rekonstruktion von Wissenszusammenhängen nur eine Form möglicher Erfahrung und Realitätskontrolle darstellt, die durch andere Zugriffsweisen (entsprechend der Trias Logik - Hermeneutik - Ideologiekritik) flankiert werden muß.
Dem Seminar werden eigene Arbeiten zum Thema zugrundegelegt, um die sonst uferlos werdende Diskussion auf einige wesentliche Punkte zu reduzieren.

Rapp: Aristoteles' "Physik"

Mi 18.30-20.00, Alte Burse, Raum X, Beginn: 15.10.

Unter "Physik" versteht Aristoteles die Wissenschaft, die die Dinge (anders als die Ontologie oder die Mathematik) betrachtet, insofern sie sich bewegen und veränderlich sind. Die unter dem Titel "Physik" überlieferte Schrift enthält verschiedene Abhandlungen des Aristoteles zu den wichtigsten "physikalischen" bzw. naturphilosophischen Grundbegriffen wie Veränderung/Bewegung, Entstehung, Ursache, Ort, Zeit, Leere, Unendliches, Kontinuum usw. Eine besondere Rolle kommt dabei auch der Auseinandersetzung mit Aristoteles' naturphilosophischen Vorläufern zu, weswegen die "Physik" nicht zuletzt als Quelle für die vorsokratische Philosophie von herausragender Bedeutung ist.
Nachdem Aristoteles in Buch I ausführlich die Zahl und Art der für eine Naturphilosophie erforderlichen Prinzipien sowie die Begriffe der Veränderung und Entstehung erörtert hat, gibt Buch II eine Auseinandersetzung mit dem Begriff der Natur, den verschiedenen Formen von Grund bzw. Ursache und dem Zufall, der Koinzidenz und der Notwendigkeit. Buch III und IV gehen auf Arten der Veränderung, auf die Unendlichkeit, den Ort, das Leere und die Zeit ein. Im Mittelpunkt von Buch V und VI stehen die Bewegungsprozesse (hierunter auch wichtige Beiträge für die Frage der Identität von Ereignissen und mithin auch von Handlungen), das Kontinuum und die Auseinandersetzung mit Zenons Bewegungsparadoxien. Die Bücher VII und VIII behandeln die Quellen der Bewegung und Veränderung und enden mit Argumenten zugunsten eines Unbewegten Bewegers.

Literatur:
Nicht gerade empfehlenswert, aber immerhin noch brauchbar ist die griechisch-deutsche Taschenbuchausgabe bei Meiner in 2 Bänden:
* Aristoteles: Physik, übersetzt von H.G. Zekl, Hamburg.
Wer lieber eine gute englische als eine mäßige deutsche Übersetzung verwendet, findet eine solche in:
* The Complete Works of Aristotle (revised Oxford edition, ed. by J. Barnes)
Ein wichtiger Kommentar stammt von H. Wagner und ist in der deutschen Aristoteles-Ausgabe (Akademie-Verlag, Berlin) erschienen; die dort zugrunde gelegte Übersetzung gilt jedoch im allgemeinen als nicht so leicht lesbar.
Sehr gute kommentierte Teilübersetzungen sind der Clarendon-Serie erschienen:
* W. Charlton, Aristotle's Physics Books I-II, Oxford 1980
* E. Hussey, Aristotle's Physics Books III-IV, Oxford, 1983
Zur Vorbereitung können gelesen werden:
* W. Wieland, Die aristotelische Physik, Göttingen, 3. Aufl. 1992 (anspruchsvoll)
* I. Craemer-Ruegenberg, Die Naturphilosophie des Aristoteles, Freiburg 1980 (einführend)

Soldati, Pafel: Regeldebatte

Fr 11-13, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 17.10.

"Es gibt keine Fakten, aus denen hervorgeht, daß jemand, wenn er einen Ausdruck auf bestimmte Dinge anwendet und auf andere nicht, einer bestimmten Regel folgt." Dieses sogenannte skeptische Paradox, das nach Kripke das Zentrum von Wittgensteins Philosophischen Untersuchungen bildet, stellt eine Herausforderung dar für den Gebrauch, den Linguisten, insb. in der generativen Grammatik, von dem Begriff der Regel machen: es scheint diesen Gebrauch in Frage zu stellen. So ist es nicht verwunderlich, daß Linguisten, wenn sie sich mit Kripke (1982) beschäftigen (wie Chomsky 1986, Grewendorf 1995), zu zeigen versuchen, daß sich überhaupt kein Paradox ergibt. Im Zentrum dieses Seminars steht die Konfrontation der Regel- auffassung insbesondere in der generativen Grammatik mit den Regelauffassungen von Wittgenstein und seinen Interpreten (Kripke, Baker/Haker).
Teilnahmevoraussetzung: Grundkenntnisse von Wittgensteins Philosophischen Untersuchungen und/oder Chomskys Sprachtheorie.
Qualifikation: schriftliche Hausarbeit

Literatur:
* G.P. Baker und P.M.S. Hacker (1984), Language, sense and nonsense, Oxford: Blackwell
* Paul A. Boghossian (1989), The rule-following considerations. Mind 98, 507-549
* Noam Chomsky (1986), Knowledge of language. Its nature, origin and use. New York: Praeger. Kap. 4
* Günther Grewendorf (1995), Sprache als Organ - Sprache als Lebensform. Frankfurt/M., Suhrkamp
* Saul A. Kripke (1982), Wittgenstein on rules and private language, Oxford: Blackwell. Deutsch: Wittgenstein über Regeln und Privatsprache. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1987
* Crispin Wright (1989), Wittgenstein's rule-following considerations and the central project of theoretical linguistics. In: Alexander George (ed.), Reflections on Chomsky , Oxford: Blackwell. 232-264

Wimmer: Die Religionsphilosophie der Kyoto-Schule

Mi 16-18, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 15.10.

Eine der bedeutendsten Strömungen der Philosophie in Japan wird von der von Kitaro Nishida begründeten Kyoto-Schule repräsentiert. Ihre zentralen Bemühungen galten über mehrere Philosophiegenerationen hinweg neben der Ausarbeitung einer Philosophie der Erfahrung vor allem der Religionsphilosophie. In ihr wird der Versuch unternommen, in der Zusammenführung und Vertiefung westlichen und östlichen Denkens den Weg zu einer transkulturellen Auffassung von Religion zu bahnen. Dieses Bestreben wird vor allem von Najime Tanabe , Keiji Nishitani und Shi zuteru Ueda verkörpert. Auf diese Autoren und ihre Arbeiten wird sich die besondere Aufmerksamkeit des Seminars richten. Zu seinem Beginn wird eine Literaturliste mit englischen und deutschen Übersetzungen dieser und anderer Religionsphilosophen der Kyoto-Schule verteilt, und ein Semesterapparat sowie ein Ordner mit Kopiervorlagen werden die im Seminar zu behandelnde Literatur enthalten.
Leistungsnachweis: ausgearbeitetes Referat oder Hausarbeit.

Wieland, Maarten, Hoenen: Via Antiqua und Via Moderna: Der Wegestreit an der Pariser Universität und den Universitäten des alten Reiches. Texte zur Universitätsgeschichte des ausgehenden Mittelalters

Mi 16-18, Ort: siehe Aushang, Beginn: 15.10.

Die intellektuelle Situation des ausgehenden Mittelalters war durch eine Kontroverse gekennzeichnet, die in vielen philosophischen und theologischen Texten und in dem Aufbau und der Organisation des universitären Unterrichts ihren Niederschlag gefunden hat: die Debatte zwischen der via antiqua und der via moderna. Es ging dabei hauptsächlich um 1. die Auswahl und Interpretation der an den Universitäten benutzten Texte und 2. die Beziehungen zwischen den verschiedenen Wissenschaften des Lehrprogramms, vor allem der Philosophie und der Theologie: Bilden beide eine Einheit oder haben sie je ihren eigenen modus procedendi? Über die Existenz eines Wegestreites lassen die vielen Dokumente der Universitäten keinen Zweifel bestehen. Schwieriger ist es jedoch, den genauen Hintergrund der Debatte zu verstehen. Das Seminar setzt sich deshalb zum Ziel, den Wegestreit durch die Lektüre und Interpretation von Universitätsdokumenten und philosophischen und theologischen Traktaten, die im Rahmen der Debatte entstanden sind, aus einer interdisziplinären Perspektive (Geschichte, Philosophie, Theologie) zu betrachten. So kann der Konflikt im Kontext der intellektuellen Kultur des späten Mittelalters gedeutet und seine Signifikanz für das Studienprogramm der Universitäten herausgestellt werden.
Es können qualifizierte Scheine für das Fach Philosophie erworben werden.

Oberseminare

Figal, Kemmann: Philosophische Rhetorik

Do 18-20, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 16.10.

Philosophie und Rhetorik gelten oft als unvereinbar. Aber schon Platon, auf den diese Überzeugung meist zurückgeführt wird, hat das Verhältnis beider differenzierter gesehen: So werden im "Phaidros" die rhetorischen oder wenigstens der Rhetorik analogen Möglichkeiten der Philosophie eigens bedacht und bestimmt. So läßt sich die Frage danach, was Rhetorik ist, als Grundfrage der Philosophie im Sinne einer Frage nach ihren eigenen Möglichkeiten begreifen. In der neueren Philosophie ist diese Frage vor allem von Nietzsche und Heidegger gestellt und erörtert worden. Ihre Konzeptionen sollen im Mittelpunkt der Seminararbeit stehen.
Teilnahmebedingung ist die Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit (Übernahme eines Referates) und die persönliche Anmeldung, tel. oder in meiner Sprechstunde.

Frank: Novalis - Philosophische Aufzeichnungen 1795-1797 II

Di 20-22, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 14.10.

Das Seminar, das mein DFG-Projekt zur Erforschung der philosophischen Anfänge der Früh- romantik fortsetzt, steht natürlich vor allem den Teilnehmer(inne)n der Vorgänger-Veran- staltung, aber auch all denen offen, die bereit sind, zu einer intensiven und textnahen `Konstellations'-Forschung neu hinzuzustoßen. Einen Stundenplan gibt es nicht. Scheine werden vergeben für die spontane Übernahme einer oder mehrerer Textvorbereitung(en) und deren nachträgliche schriftliche Ausarbeitung. Zur Vorbereitung der jeweiligen Sitzungen gehört ständig auch die Erkundung des `konstellatorischen' Kontexts: der von Novalis benutzten Schriften Fichtes, Reinholds, Schmids, Forbergs, Hoffbauers usw. Zur vorbereitenden Lektüre geeignet ist der Schlußteil meines Buches"Unendliche Annäherung". Anfänge der philosophischen Frühromantik , Frankfurt/M. 1997 (stw 1328).

Frank: Neueste Texte zur analytischen Bewußtseinstheorie (für Doktorand(inn)en)

Mi 20-22, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 15.10.

In gewohnter Tradition lesen wir neueste Texte zur analytischen Diskussion ums Thema Selbstbewußtsein. Welche das sein werden, wird von den Teilnehmer(inne)n kurzfristig entschieden.

Höffe: Oberseminar (Doktoranden-Kolloquium): Demokratietheorie - Diskussion von Forschungsprojekten

Fr 15-18.30, Alte Burse Raum X (voraussichtliche Termine: 14.11.97, 5.12.97, 16.1.98, 13.2.98)

Wir diskutieren klassische und zeitgenössische Theorien zu den moralischen Grundlagen der Demokratie. Außerdem werden eigene Forschungsprojekte vorgestellt.
Persönliche Anmeldung in der Sprechstunde von Prof. Höffe erforderlich.

Höffe, Jüngel, Vitzthum: Oberseminar (Kolloquium zur Politischen Philosophie) Kant, Zum ewigen Frieden

Di 18.30-20.00, 14-täglich, Evangelisches Stift, Beginn: 21.10.

Auf der Grundlage von Kants Schrift "Zum ewigen Frieden" diskutieren wir Fragen einer internationalen Rechts- und Friedensordnung. Persönliche Anmeldung in der Sprechstunde von einem der Seminarleiter erforderlich. Für schriftlich ausgearbeitete Referate und für Hausarbeiten kann ein benoteter Schein erworben werden.
Themenliste im Sekretariat, Raum 317

Textgrundlage : Kant, Zum ewigen Frieden
Literatur: O. Höffe (Hrsg.), I. Kant, Zum ewigen Frieden (= Klassiker Auslegen, Bd. 1), Berlin 1995

Keuth: Determinismus und/oder Freiheit

Mi 10-12 , Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 15.10.

Wenn alles gänzlich vorherbestimmt ist, gibt es kein freies Handeln; wenn alles zufällig ist, gibt es kein verantwortliches Handeln. Zwischen diesen Katastrophen wollen Ethik und Sozialphilosophie hindurchsteuern. Manche Autoren, so auch Popper, entwerfen dazu gewagte metaphysische Konstruktionen, andere suchen einen Ausweg durch Problemanalyse. Mangels deterministischer Hypothesen ist die probabilistische Kausalität auch ein Thema der empirischen Humanwissenschaften.
Zum Erwerb eines benoteten Scheines muß ein Referat angefertigt werden.

Literatur (vorläufig):
* Popper, "The Open Universe. An Argument for Indeterminism", Totowa 1982
* J. L. Mackie, "Ethik", Reclam 7680

Kümmel: Hermeneutische Philosophie (O.F. Bollnow)

Fr 18-20, Alte Burse, Raum 308, Beginn: 24.10.

Szlezák: Aristoteles, Metaphysik A

Do 18.15-20.30, Philologisches Seminar (Hegelbau), Konferenzzimmer, Beginn: 16.10.

Das erste Buch der `Metaphysik' genannten Sammlung von Schriften zur Ersten Philosophie soll in seiner Funktion als historische und zugleich sachliche Hinführung zur Problematik der ersten Prinzipien ( protai archaí ) gelesen werden. Ausgegangen wird vom griechischen Text (daher sind Griechischkenntnisse mindestens auf dem Niveau des Graecums Voraussetzung für die Teilnahme). Fragen der Struktur des Buches A sollen berücksichtigt werden, ebenso die seines Verhältnisses zu anderen Büchern der Sammlung (etwa zu Buch a). - Für den Erwerb eines benoteten Scheines ist ein schriftliches Referat oder eine Hausarbeit erforderlich.

Text :
* Aristotelis Metaphysica, ed. W. Jaeger, Oxford 1957 (Nachdrucke)
Kommentare:
* H. Bonitz, 1848
* W.D. Ross, 2 vols., (mit griech. Text), 1924 (Nachdruck)
* G. Reale, 3 Bde (mit Text u. ital. Übersetzung), 1993

Kolloquien

Colloquium philosophicum

siehe Aushang

Fahrenbach: Kolloquium

nach Vereinbarung

Wimmer: Doktorand(inn)en-Kolloquium

Mi 9.30-13, Ethikzentrum, Keplerstr. 17, Beginn: 15.10.

Arbeitskreis

Hoering: Automatisches Beweisen

Do 19-21, Alte Burse, Raum 208 (Computer-Pool), Beginn: 16.10.

Seit einiger Zeit gibt es ein Tutor-Programm zum Einüben des logischen Ableitens in Formalismen der Aussagen-, Prädikaten- und Modallogik, das im Rahmen dieses Arbeitskreises entwickelt worden ist. Dieses Programm wurde zunächst in Pascal für IBM-kompatible Rechner geschrieben; für seine Portierung auf andere Plattformen stellen wir Versionen in TCL/TK.
Neue Mitglieder, die bereits Kenntnisse in dieser Sprache besitzen, sind herzlich willkommen.