Philosophisches Seminar

Wintersemester 1998/99

prechstunden der Dozenten: Siehe Aushang!

Allgemeine Studienberatung: Fakultätsassistent Dietmar Koch
Mo 11-12.30; Do 10-12, Raum 214

Eventuelle Änderungen gegenüber dem Vorlesungskommentar werden aktuell angeschlagen!

Soweit nicht anders im Kommentar vermerkt, ist die Anmeldung zu den Veranstaltungen nicht erforderlich.

Semestertermine:
Beginn der Vorlesungen: 12. Oktober 1998
Ende der Vorlesungen: 13. Februar 1999

Vorlesungsfreie Tage:
1. November, 24. Dezember - 6. Januar

Freisemester:
Prof. Dr. Manfred Frank
Prof. Dr. Otfried Höffe
Prof. Dr. Reiner Wimmer

Freistellung:
Prof. Dr. Günther Maluschke

Einführungsabend für Studienanfänger:
12. Oktober 1998, 18 Uhr c.t., Alte Burse, Raum X

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Vorlesungen

Engels: Ethik und Wissenschaftstheorie der Biowissenschaften

Di 11 - 13, Auf der Morgenstelle 1, Großer Botanischer Hörsaal (N 10), Beginn: 13.10.

Durch die neuen biologischen und biomedizinischen Technologien sind zahlreiche Handlungsspielräume eröffnet worden, die uns vor eine Reihe ethischer Fragen stellen. Diese betreffen sowohl den Anfang als auch das Ende des menschlichen Lebens, aber auch die Eingriffsmöglichkeiten des Menschen in die genetische Ausstattung von Pflanzen und Tieren zwecks gezielter Herbeiführung bestimmter Resultate (transgene Pflanzen und Tiere, "grüne" und "rote Gentechnik"). Doch nicht alles, was technisch machbar ist, ist auch ethisch erlaubt oder wünschenswert. In der Vorlesung sollen mögliche ethische Argumentationsweisen im Umgang mit diesen Technologien vorgestellt werden. Ein zweiter Schwerpunkt sind wissenschaftstheoretische Themen. Was bedeuten die Begriffe "Erklärung" und "Prognose" in der Biologie? Welches sind spezifische Kennzeichen des Lebendigen in Abgrenzung von der nichtbelebten Natur? Was folgt aus der Darwinschen Evolutionstheorie für unser Verständnis des Verhältnisses von Mensch und übriger Natur?

Figal: Was ist Philosophie?

Mi 16 -18, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 14.10.

Anders als es bei den Wissenschaften der Fall ist, hat zur Philosophie immer das Erfordernis der Selbstklärung gehört: Jede systematische, ausgearbeitete Philosophie kann als Antwort auf die Frage, was Philosophie ist, verstanden werden. Doch sind diese Antworten nicht isoliert und beliebig, sondern voneinander abhängig, aufeinander bezogen; sie haben gemeinsame Züge, die Grundzüge von Philosophie überhaupt sind. In der Vorlesung möchte ich versuchen, solche Grundzüge herauszuarbeiten, und dabei werde ich mich vor allem auf Texte der griechischen Philosophie konzentrieren: Fragmente sogenannter Vorsokratiker und Passagen aus den Werken Platons und des Aristoteles werden im Zentrum stehen. Dabei interessieren mich nicht zuletzt die Konstellationen, innerhalb derer sich die geistige Tätigkeit namens "Philosophie" genauer fassen läßt: Philosophie und Religion, Philosophie und Dichtung, Philosophie und Politik.

Die Vorlesung ist auch für Anfänger geeignet.

Gölz: Das Bewußtseinsproblem (Geist-Körper-Problem) in der neueren Philosophie seit Descartes und in der gegenwärtigen Diskussion

Mo 16 - 18, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 19.10.

Das Wesen des Bewußtseins in dem hier verstandenen Sinne hat damit zu tun, daß ein irgendwie Seiendes in einem Subjekt-Objekt-Bezug und auch schon in ungegenständlicheren Vorformen desselben empfunden, gefühlt, erlebt und gedacht werden kann. In der gegenwärtigen Diskussion besteht die verbreitete Tendenz, alles in diesem Sinne Subjektive auf Objektives, Materielles, naturwissenschaftlich vollständig Begreifbares zu reduzieren. Die Vielfalt der hierbei vorgebrachten Argumente soll kritisch analysiert werden. Als erste Grundlage dient dabei der Sammelband: Thomas Metzinger (Hrsg.), Bewußtsein, Beiträge aus der Gegenwartsphilosophie, Paderborn: Schöningh 31996.

Zuvor soll gezeigt werden, inwiefern das Geist-Körper-Problem ein Schlüsselproblem für klassische philosophische Positionen darstellt (bei Descartes, Kant bzgl. des Freiheitsproblems, Heidegger u.v.a.).

Keuth: Wissenschaftstheorie I

Do 10 - 12, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 15.10.

Die Vorlesung soll die Grenzen erfahrungswissenschaftlicher Erkenntnis zeigen. Untersucht werden: das Problem der Induktion und die deduktive Hypothesenprüfung, Erklärung, Prognose und die Prüfung von Beobachtungssätzen anhand von Sinneswahrnehmungen.

Schroeder-Heister: Einführung in die Logik

Do 8 - 10, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 15.10.

Die Logik gehört traditionell zum philosophischen Fächerkanon. Augrund ihrer Fortschritte seit G. Freges "Begriffsschrift" (1879) ist ihre Bedeutung für die Philosophie gewachsen. Unbestritten ist die Logik zentrale Grundlage der Philosophie der Mathematik und der Wissenschaftstheorie der Naturwissenschaften. Aber auch für das Studium vieler anderer Bereiche der Philosophie sind Logikkenntnisse unerläßlich. (Beispiel: Ohne zu wissen, was - nach traditioneller und moderner Meinung - ein logisch gültiger Schluß ist, läßt sich z.B. die Unterscheidung zwischen synthetischen und analytischen Urteilen und die moderne Diskussion darüber kaum verstehen und verfolgen.)

Themengebiete der Vorlesung sind unter anderen: Formalisierung von Argumenten, logische Symbolik, Aussagenlogik, logische Folgerung, Tableaukalküle, Quantorenlogik, Syllogistik. Grundlage ist in wesentlichen Punkten das Skriptum meiner Vorlesung vom WS 1995/96, das hier (sowie weitere Materialien zur Vorlesung) abgerufen werden kann und das auch in meinem Semesterapparat ab sofort zum Kopieren bereitsteht. Weitere Literatur wird in der Vorlesung bekanntgegeben.

Vorbehaltlich der Bereitstellung von Tutorenmitteln gilt folgende Regelung zum Scheinerwerb: Die regelmäßige Teilnahme an einer Übungsgruppe ist obligatorisch. Der Schein wird vergeben aufgrund der Bearbeitung von Aufgabenblättern, die nach jeder Vorlesung ausgegeben werden.

Szlezák: Platons Politeia

Do 9 - 11, Philologisches Seminar, Kleiner Übungsraum, Beginn: 15.10.

Die Vorlesung geht vom griechischen Text der "Politeia" (J. Burnet, Oxford 1902) aus. Am Anfang steht die Analyse der literarischen Gestaltung des Dialogs. Es wird sich zeigen, daß Platon die Zielsetzung seiner Schrift in umsichtiger Weise aus der Dialogsituation heraus entwickelt. (Die Mißachtung der textimmanent gegebenen Zielsetzungen hat im 20. Jahrhundert zu fortwirkenden Mißverständnissen hinsichtlich der philosophischen Position Platons geführt.) Das richtige Verständnis der Struktur des Dialogs soll auch den Blick öffnen für die typisch platonische Verflechtung von politischer Philosophie, Anthropologie, Ethik und Metaphysik.

Wieland: Denken und Erkennen

Mo 11 - 13, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 19.10.

Die Vorlesung behandelt vor dem Hintergrund des klassischen Wissenschaftsbegriffs zunächst die Genese und Gestalt der neuzeitlichen Wissenschaft und in einem zweiten großen Abschnitt Grundprobleme der modernen Hermeneutik.

Literatur:

Baumgartner, H.M.: Wissenschaft, in: Krings, H., Baumgartner, H.M., Wild. C. (Hrsg.), Handbuch philosophischer Grundbegriffe, München 1974, 1740-1764.
Ströker, E:. Einführung in die Wissenschaftstheorie, Darmstadt 1987.
Albert, H.: Kritik der reinen Hermeneutik, Tübingen 1994.
Grondin, J.: Einführung in die philosophische Hermeneutik, Darmstadt 1991.



Übung zur Vorlesung

Schroeder-Heister: Übung zur Logik-Vorlesung

nach Vereinbarung


Einführungsveranstaltung

Koch, D.: Einführung in das Studium der Philosophie

Di 10 - 12 Uhr, Alte Burse, Raum X, Beginn: 14.10.

Die Einführungsveranstaltung dient der umfassenden Grundorientierung im Philosophiestudium. Sie ist reserviert für Erst- und Zweitsemester im Fach Philosophie.

Aufgabe der Veranstaltung ist es, Kenntnisse zum Studienablauf und zur Studienorganisation zu vermitteln, grundlegende Literatur bekannt zu machen, eine Anleitung zu wissenschaftlichem Arbeiten zu geben, vor allem jedoch in geschichtlich wie systematisch bedeutsame Grundprobleme und Grundbegrifflichkeiten philosophischen Denkens einzuführen. Dies geschieht anhand von Textauszügen zentraler philosophischer Werke von Parmenides bis Heidegger. (Die Textauszüge werden ausgegeben.)


Proseminare

Düwell: Grundpositionen in der Bioethik

Mi 18 - 20, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 14.10.

Themen der Bioethik finden bereits seit einiger Zeit ein großes öffentliches Interesse. Als Beispiel können die Diskussionen um Gen- und Biotechnologie, Hirntod und Organtransplantation, Klonen, Patentierung gentechnischer Entdeckungen können beispielhaft genannt werden. Die Forschungen in Biologie und Medizin beeinflussen in zunehmendem Maße die Lebenswelt der Menschen, das Mensch-Natur-Verhältnis und das menschliche Selbstverhältnis. Die technischen Eingriffsmöglichkeiten in die (menschliche und nicht-menschliche) Natur rufen moralische Fragen hervor, die Gegenstand bioethischer Diskussionen sind. In der bioethischen Literatur werden jedoch nicht nur konkrete, v.a. medizinethische Probleme diskutiert, sondern ebenso die Grundlagen unserer moralischen Urteile über den Umgang mit dem 'Leben' behandelt. Das Proseminar will in den Diskussionsstand in der Bioethik einführen, mit den wichtigsten Fragestellungen vertraut machen und besonders die moralphilosophischen Grundpositionen der bioethischen Literatur vorstellen. Insofern ist das Proseminar auch als Einstieg in die philosophische Ethik geeignet. Teilnahmebedingung ist die Bereitschaft, ein Referat zu übernehmen. Ein benoteter Schein kann durch die Ausarbeitung eines Referats erworben werden. Eine Themen- und Literaturliste wird in der ersten Sitzung verteilt.

Wer sich schon in den Semesterferien etwas einlesen möchte, kann sich etwa mit folgenden Aufsätzen beschäftigen:

Birnbacher, Dieter: Welche Ethik ist als Bioethik tauglich? In: Johann S. Ach/Andreas Gaidt (Hrsg.), Herausforderung der Bioethik, Stuttgart 1993, 45-67.
Callahan, Daniel: Art. "Bioethics". In: Warren T. Reich (Ed.), Encyclopedia of Bioethics, New York ²1995, 247-256.
Engelhardt, H. Tristram: Die Prinzipien der Bioethik. In: Hans-Martin Sass (Hrsg.), Medizin und Ethik, Stuttgart 1989, 96-117.
Nida-Rümelin, Julian: Theoretische und angewandte Ethik: Paradigmen, Begründungen, Bereiche. In: Ders. (Hrsg.), Angewandte Ethik. Die Bereichsethiken und ihre theoretische Fundierung. Ein Handbuch, Stuttgart 1996, 2-85.

Steigleder, Klaus: Die Abenteuer der Bioethik. Ein kritischer Vergleich der Ethikkonzeptionen H. Tristram Engelhardts und Peter Singers. In: Jean-Pierre Wils/Dietmar Mieth (Hrsg.), Ethik ohne Chance? Erkundungen im technologischen Zeitalter, Tübingen ²1991, 225-246.

Figal: Heidegger, Sein und Zeit - Interpretationskurs I

Di 14 - 16, Alte Burse, Raum X, Beginn: 13.10.

Heideggers Buch "Sein und Zeit" ist zweifellos eines der wichtigsten philosophischen Bücher dieses Jahrhunderts. Heidegger verbindet eine Reihe philosophischer Richtungen und Fragestellungen zu einem systematischen Ganzen, und er tut dies, indem er die Frage nach der Möglichkeit von Philosophie radikal und auf neue Weise stellt; sein Unternehmen ist modern in einem prägnanten Sinne, so daß es mannigfache Wirkung haben konnte: Sartre, Derrida, Foucault, Levinas, Gadamer, Habermas, Apel, Tugendhat - das sind nur einige, deren Philosophie ohne Heidegger unmöglich gewesen wäre. Und Heidegger spannt zugleich den Bogen zum Anfang der Philosophie bei Platon und Aristoteles zurück; sein Unternehmen sollte die Fragestellung der Philosophie an ihrem Anfang freilegen und so neu zugänglich machen.

Zwei Semester sind für die Beschäftigung mit Heideggers Buch eine gute, allerdings auch nicht zu lange Zeit. Es wird nötig sein, auszuwählen, bestimmte Schwerpunkte zu setzen, zumal mir die gründliche und sorfältige Lektüre wichtiger ist als der Umfang des bewältigten Pensums.

Die Teilnahme an dem Interpretationskurs ist an keine besonderen Voraussetzungen gebunden, er ist primär für Studierende im Grundstudium gedacht. Allerdings sollte man bereit sein, sich auf die Sache wirklich einzulassen und genügend Zeit für die begleitende Lektüre einplanen. Ohne gründliche Vorbereitung dürfte es im Laufe der Semesterwochen immer schwieriger werden, der Arbeit im Seminar zu folgen.

Zur vorbereitenden Lektüre empfehle ich außer "Sein und Zeit" (Separatausgabe im Verlag Max Niemeyer, Tübingen) mein Buch "Heidegger zur Einführung", Junius Verlag, Hamburg 21996.

Grundmann: Einführung in die Philosophie des Geistes

Di 10 - 12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 13.10.

Intentionalität gilt, zumindest seit Brentano, als das zentrale Merkmal geistiger Phänomene. Zustände mit intentionalem Gehalt (wie Gedanken, Meinungen, Wünsche und Wahrnehmungen) repräsentieren etwas, das der Fall sein kann oder nicht. Es ist derzeit zwar noch strittig, ob sich auch andere wichtige Merkmale des Geistigen, wie Empfindungsqualität oder Bewußtsein, auf Intentionalität zurückführen lassen. Wichtiger ist jedoch die Frage, wie sich die Eigenschaft der Intentionalität innerhalb unserer natürlichen, von der Physik beschreibbaren Welt erklären läßt. Das Proseminar wird die Teilnehmer mit verschiedenen Modellen einer solchen Erklärung vertraut machen. Im Vordergrund soll dabei das Modell des psychologischen Externalismus stehen (das vor allem durch Putnams, "Zwillingserde" bekannt geworden ist). Wir werden seine Kompatibilität mit anderen Eigenschaften des Geistigen (wie dessen kausaler Wirksamkeit und dem privilegierten Status von Selbstwissen) prüfen.

Auf ausdrücklichen Wunsch der Fachschaft und einer Initiative der Studierenden werde ich einen neuen Typ von Seminar ausprobieren, der sich an einem Standardeinführungsbuch zu diesem Thema orientiert und durch praktische Übungen in das Verfassen schriftlicher Arbeiten einführt. Leider ist die Textgrundlage nur auf Englisch verfügbar, so daß Englischkenntnisse Teilnahmevoraussetzung sind.

Benoteter Schein: mehrere, kleinere schriftliche Arbeiten während des Semesters und Abschlußklausur.

Literatur:

Textgrundlage:John Heil: The Nature of True Minds, Cambridge Studies in Philosophy 1992.
Vorbereitungsempfehlung:Peter Bieri: Analytische Philosophie des Geistes, Königstein/Ts. 1981.

Hofmann: Descartes, Meditationen über die Erste Philosophie

Do 18 - 20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 15.10.

Mit Descartes setzt die neuzeitliche Philosophie ein. Er gibt in der Philosophie des Geistes und der Erkenntnistheorie den Maßstab und Orientierungspunkt bis in die Gegenwart hinein vor.

Descartes fragt nach den Grundlagen unseres Wissens: Was rechtfertigt die Annahme, daß um mich herum eine materielle Außenwelt existiert? Zur Beantwortung dieser Frage entwickelt er die Methode des radikalen Zweifels. Er glaubt, als unbezweifelbaren Anker das Selbstwissen annehmen zu können, d.h. eine Art von Wissen über sich selbst und seine eigenen Vorstellungen. Der Gedanke 'Ich denke' (cogito) ist für ihn unbezweifelbar, und ebenfalls 'Ich existiere' (sum), welcher aus dem ersteren folgen soll: cogito ergo sum. Dieses Selbstwissen stellt für Descartes nun die Grundlage dar, von der aus das Wissen von der Außenwelt rekonstruiert werden soll. Descartes vertritt somit eine Art von erkenntnistheoretischem Fundamentalismus.

Die bestechend klaren Ausführungen Descartes' haben, ebenso wie sein cogito ergo sum, viele der nachfolgenden Denker herausgefordert, Selbstwissen und Außenweltwissen genauer zu analysieren. Wir wollen die in sich abgeschlossene Darstellung, die Descartes in den "Meditationen" von seinem Gedankengang gegeben hat, lesen und kritisch diskutieren.

Die Bereitschaft zur Übernahme eines Referats sollte selbstverständlich sein.

Benoteter Schein: Klausur oder Hausarbeit.

Literatur:

Descartes, R.: "Meditationen", Hamburg: Meiner.

Keul: Der Verstehensbegriff in den Geisteswissenschaften (Dilthey, Gadamer, Apel)

Do 18 - 20, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 15.10.

Dieses Proseminar versteht sich als eine Einführung in die Geisteswissenschaften, wenn es deren Schlüsselfrage: Was verstehen wir unter Verstehen? ins Zentrum rückt. Den Ausgang bildet dabei die Philosophie von W. Dilthey, dessen frühe Schrift Einleitung in die Geisteswissenschaften wir mit dem Spätwerk Der Aufbau der geschichtlichen Welt vergleichen wollen. Nach einem kurzen Zwischenschritt, der Diltheys Hermeneutik mit der Wissenschaftslehre von M. Weber unter dem Stichwort "Objektivität des Verstehens" durch alle Divergenzen hindurch in Beziehung setzt, werden wir uns dem Hauptwerk von H.-G. Gadamer, Wahrheit und Methode zuwenden, vor allem dem zweiten Teil mit seinen Grundzügen einer Theorie historischer Erfahrung. In einem letzten Schritt soll schließlich anhand von K.O. Apels Transformation der Philosophie die normative Wende in den Geisteswissenschaften von dem Begriff des Verstehens zu dem der Verständigung einsichtig gemacht werden und damit zugleich das Verhältnis von Hermeneutik und Ethik, das dem gesamten Seminar als Leitfaden dient. - Eine Lektüreliste und ein Seminarprogramm wird in der ersten Sitzung ausgeteilt.

Benoteteter Schein: aufgrund eines Referats oder einer Klausur

Keuth: Einführung in die Philosophie der Gegenwart

Do 14 - 16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 15.10.

Zu Beginn dieses Jahrhunderts führten die bisherigen Erträge der Philosophie, insbesondere des Idealismus und der Romantik, zu einer starken Ernüchterung. So fanden sich Autoren, die der Philosophie neue Aufgaben stellten. Manche übertrugen ihr die Analyse der wissenschaftlichen, andere die der natürlichen Sprache und wieder andere betrauten sie mit der Methodologie. Das Proseminar soll mit einigen der bedeutendsten modernen Philosophen bekannt machen, z.B. Carnap, Wittgenstein, Popper, Russell, Moore, Goodman, Quine, Austin, Ryle, Strawson.

Bedingung für einen benoteten Schein: Referat.

Literatur:

J. Speck: (Hrsg.), Grundprobleme der großen Philosophen, Philosophie der Gegenwart I und III. UTB 147 bzw. 463.

Koch, A.F.: Kant, Kritik der Urteilskraft - Interpretationskurs II

Di 16-18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 13.10.

Im zweiten Teil des Kurses werden wir zunächst die Deduktion der reinen ästhetischen Urteile bis § 40 behandeln und dann den Sprung zur Kritik der teleologischen Urteilskraft vollziehen (§§ 61 ff.).

Achtung: Der Kurs ist von Donnerstag auf Dienstag verlegt worden.

Benoteter Schein: jeweils eine Hausarbeit in jedem der beiden Semester.

Koch, D.: Lektürekurs für Erst- und Zweitsemester:: Platon, Symposion

Di 8.30 - 10, Alte Burse, Raum X, Beginn: 13.10.

In der ersten Sitzung findet eine Vorbesprechung statt.

Der Umgang mit philosophischen Schriften bedarf bestimmter "handwerklicher" Voraussetzungen: der Fähigkeit eines begrifflich genauen Lesens, dem Vermögen, die spezifische Problemstellung eines Textes herauszupräparieren, die Beherrschung der charakteristischen Begrifflichkeit eines Autors, zudem der steten Beachtung der Differenz von Textauslegung und eigener Sachinterpretation und anderes mehr.

Der Lektürekurs für Erst- und Zweitsemester will über die Demonstration dieser Umgangsweisen hinaus mittels Platons Dialog "Symposion" ("Trinkgelage") auch in die Eigenart und in den Reichtum philosophischer Probleme und philosophischen Denkens einführen.

Platons "Symposion" handelt vom Eros, seinen mannigfachen Verständnisweisen und seinem Verhältnis zur Philosophie, vor allem zur Philosophie, wie sie Platon in der Gestalt des Sokrates auftreten läßt. Der Text eignet sich nicht nur zur Auseinandersetzung mit Grundgedanken Platons, sondern ist auch eine der faszinierendsten Schriften zur Frage nach dem Sinn des Philosophierens.

Die Veranstaltung ist ausschließlich für Erst- und Zweitsemester im Studienfach Philosophie bestimmt, Studierende in einem höheren Fachsemester können keine Aufnahme finden. Griechischkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

Leistungsnachweise für einen unbenoteten Schein: Übernahme eines Literaturberichts, eines Protokolls oder die Erstellung einer Bibliographie zu Dialogen, die mit der Thematik des "Symposions" in Zusammenhang stehen (Umfang: 3 - 4 Seiten) etc.; eine Vorschlagsliste wird zu Beginn des Semesters ausgegeben.

Leistungsnachweis für einen benoteten Schein: Hausarbeit (Höchstumfang: 15 Seiten; Abgabetermin: bis 31. März 1999); eine Vorschlagsliste wird zu Beginn des Semesters ausgegeben.

Textgrundlage:

Platon: Trinkgelage, Frankfurt/M.: Insel-Verlag 1997 (2. Auflage; Taschenbuch).

Mirbach: Plotins Lehre vom Schönen

Fr 10 - 12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 16.10.

"Aber wie kann denn eine Ähnlichkeit der hiesigen schönen Dinge mit den jenseitigen bestehen? Und mögen sie auch, da es eine Ähnlichkeit gibt, irgendwie ähnlich sein - wieso kann aber das Irdische ebensowohl schön sein wie das Jenseitige? Das geschieht, so lehren wir, durch Teilhaben an der Idee."

Plotins Enneade I 6 "Über das Schöne", die wirkungsmächtigste seiner Schriften, eröffnet nicht nur einen Zugang zur plotinischen Metaphysik und Erkenntnislehre, sondern ist auch ein Schlüsseltext eines "ästhetischen Platonismus", der sich über die Rezeption Plotins im Mittelalter und der Renaissance bis ins 19. Jahrhundert verfolgen läßt.

Wir werden uns im Seminar Plotins Lehre vom Schönen im Hinblick auf drei thematische Schwerpunkte erarbeiten: 1) Vor dem Hintergrund der hierfür zentralen platonischen Dialoge Symposion, Phaidros und Phaidon, 2) im Kontext der Philosophie Plotins, 3) in ihrer Wirkungsgeschichte an ausgewählten Beispielen, wobei wir uns hauptsächlich auf die Rezeption der plotinischen Auffassung des Schönen bis hin zu Marsilio Ficino konzentrieren werden, nach Interessenlage der Seminarteilnehmer aber auch weiter (etwa bis zu Shaftesbury, Winckelmann, Goethe, Schelling) ausgreifen können.

Benoteter Schein: Schriftliche Ausarbeitung eines Sitzungsprotokolls oder Referats.

Texte:

Da außer den platonischen Dialogen die für uns relevanten Texte, vor allem diejenigen Plotins, derzeit in keiner erschwinglichen Ausgabe erhältlich sind, wird ein Textreader erstellt, der ab September in meiner Sprechstunde (s. Aushang) oder in der ersten Sitzung erworben werden kann.

Mirbach: Kierkegaard, Über den Begriff der Ironie - Kompaktseminar

Sa 30. - So 31.1., Sa 6. - So 7.2.1999, 9 - 12 und 14 - 18 Uhr, Alte Burse, Raum X

Anmeldung, Vorbesprechung und Referatthemen: 21. 10. 1998, 11 Uhr, Alte Burse, Raum 308

"Ebenso wie die Philosophie mit dem Zweifel, ebenso beginnt ein Leben, das menschenwürdig genannt werden kann, mit der Ironie."

Søren Kierkegaards 1840/41 entstandene Dissertation Über den Begriff der Ironie mit ständiger Rücksicht auf Sokrates, von ihm selbst - im Gesichtspunkt für meine Wirksamkeit als Schriftsteller - nicht zu seinen ästhetischen Schriften gezählt, ist auch in der Forschung eines der weniger beachteten Werke des dänischen Philosophen. Gleichwohl enthält sie, in Auseinandersetzung mit Xenophon und Platon, nicht nur eine differenzierte Darstellung der für Kierkegaards "maieutische Ethik" zentralen Figur des Sokrates und in diesem Zusammenhang eine kritische Diskussion des Ironiebegriffs der deutschen Romantik sowie Hegels Geschichte der Philosophie, sondern sie eröffnet auch einen ersten Zugang zu Kierkegaards Verständnis der "indirekten Mitteilung", die ihm zufolge die einzig mögliche Form ist, die in der Philosophie existentiell relevant gemacht werden kann.

Bereits vorhandene Kierkegaard-Kenntnisse seitens der Seminarteilnehmer sind willkommen, aber nicht Voraussetzung. Vielmehr ist das Seminar - über "Brücken" wie den platonischen Sokrates oder die Geschichte und Theorie des Ironiebegriffs - gerade für Anfänger als Einstieg in die Philosophie Søren Kierkegaards konzipiert.

Benoteter Schein: Schriftliche Ausarbeitung eines Sitzungsprotokolls oder Referats.

Text:

Søren Kierkegaard: Über den Begriff der Ironie mit ständiger Rücksicht auf Sokrates. Aus dem Dänischen übersetzt von Emanuel Hirsch. Unter Mitarbeit von Rose Hirsch. Gütersloh 31995 (GTB 624).


Quarch: Nikomachische Ethik - Interpretationskurs I

Mi 20 - 22, Alte Burse, Raum X, Beginn: 14.10.

Die Nikomachische Ethik des Aristoteles ist einer der grundlegenden Texte der abendländischen Moralphilosophie. Aristoteles entwickelt in den zehn Büchern dieser Schrift eine Theorie des guten Lebens, die - anders als die neuzeitliche Ethik - nicht auf die Ausarbeitung eines verpflichtenden Sollens ausgerichtet ist, sondern den Akzent auf die Aneignung eines praktischen Wissens zur Ausprägung eines gelungenen Lebens setzt. Darin führt Aristoteles wesentliche Impulse des Platonischen Denkens fort. Er unterscheidet sich von seinem Lehrer jedoch in seiner geistesgeschichtlich folgenschweren Abkoppelung der praktischen von der theoretischen Philosophie. Auch deshalb darf die Nikomachische Ethik als Meilenstein des abendländischen Denkens gelten. Ihr Reiz besteht gerade in ihrem Ort zwischen Platon und der Neuzeit. Diese Zwischenstellung hat die Nikomachische Ethik auch für zahlreiche neuzeitliche Denker attraktiv werden lassen. Ein Verständnis der aktuellen sozial- und politikphilosophischen Debatten in den USA und in Europa ist ohne die Kenntnis dieses Textes geradezu unmöglich.

Der Interpretationskurs strebt eine genaue Lektüre wichtiger Passagen des Aristotelischen Textes an. Im ersten Semester wird es um die Bücher I bis VI, im zweiten Teil um die Bücher VII bis X gehen. Griechischkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

Scheine können am Ende des 2. Semesters durch die erfolgreiche Teilnahme an einer Klausur erworben werden.

Textausgaben:

Aristoteles: Nikomachische Ethik, hg. von Günter Bien, Felix Meiner Verlag, Hamburg: (PhB 5), 41985.
Aristoteles: Nikomachische Ethik, übers. und kommentiert von Franz Dirlmeier, Darmstadt:WBG 61974.
Aristoteles: Die Nikomachische Ethik, übers. und hg. von Olof Gigon, München: dtv 61986.

Literatur:Literatur:
Barnes, Jonathan: Aristoteles. Eine Einführung, Stuttgart: Reclam 1992.
Barnes, Jonathan (Ed.): The Cambridge Companion to Aristole, Cambridge University Press 1995.
Guthrie, W.K.C.: Aristotle: an enconunter. History of Greek Philosophy, Vol. VI., Cambridge University Press 1990.
Höffe, Otfried (Hg.): Die Nikomachische Ethik. Klassiker auslegen, Bd. 2, Berlin: Akademie Verlag 1996.
Höffe, Otfried: Aristoteles, München: Beck Verlag 1996.
Ross, David: Aristotle. With a new introduction by John L. Ackrill. Routledge, London/New York 1995.

Rinderle: Das Problem der politischen Verpflichtung

Do 14 - 16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 15.10.

Das Problem der politischen Verpflichtung ist eines der zentralen Probleme der politischen Philosophie. Es handelt von den moralischen Ansprüchen, die wir an Individuen, nicht an Institutionen richten. Die Frage lautet: Gibt es für ein Individuum überhaupt gute Gründe, den Gesetzen eines Staates Folge zu leisten? Der Anarchist verneint die Existenz solcher Gründe, und wir werden uns dieser Herausforderung zu stellen haben. Denn wenn es sie gibt, welcher Art sind dann diese Gründe? Sprechen genuin moralische Gründe für den Gesetzesgehorsam? Oder können wir auf eine moralische Begründung der politischen Verpflichtung ganz verzichten? Ist es etwa nur das Eigeninteresse (z. B. die Furcht vor Strafe), das eine Gesetzesübertretung zu einer irrationalen Handlung macht? In diesem Seminar wollen wir die zwei wichtigsten moralischen Lösungen des Problems der politischen Verpflichtung unterscheiden lernen: Die Konsenstheorie (Locke) führt die politische Verpflichtung auf ein Versprechen des Individuums zurück, den Gesetzen eines Staats zu gehorchen. Eine Konzeption der Gerechtigkeit als Fairneß (Rawls) sieht dagegen den Vorteil, den das Individuum aus dem Fortbestand eines Systems der gesellschaftlichen Kooperation zieht, als moralischen Grund für politische Verpflichtungen an. Neben die Frage nach der Begründung tritt die Frage nach dem Inhalt und der Reichweite von politischen Verpflichtungen: Gibt es moralisch begründbare Grenzen des Gesetzesgehorsams? Gibt es deshalb ein Recht deshalb auf bürgerlichen Ungehorsam? Auf welche Weise stellt sich das Problem der politischen Verpflichtung in einer Demokratie? Welche politischen Pflichten hat der Bürger in einer Demokratie? In welchem Zusammenhang damit stehen Menschenrechte und -pflichten bzw. Bürgerrechte und -pflichten? Anhand der Lektüre von Klassikern wie Platon, Locke, Hume und Rawls wollen wir in diesem Seminar verschiedene Möglichkeiten kennenlernen und überprüfen, das Problem der politischen Verpflichtung aufzuwerfen und zu lösen.

Teilnahmevoraussetzung: Übernahme eines Referats.

Erwerb eines benoteten Scheines: Hausarbeit.

Literatur: Platon: Kriton; jeweils Auszüge aus: John Locke: Zwei Abhandlungen über die Regierung; David Hume: Über den ursprünglichen Vertrag; John Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit.
Einen ersten historischen und systematischen Überblick findet man in A. J. Simmons, Moral Principles and Political Obligations, 1979; das Problem der politischen Verpflichtung in der Demokratie behandelt Peter Singer, Democracy and Disobedience, 1973.

Schick: Theodor W. Adorno, Philosophische Terminologie

Di 14 - 16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 13.10.

Mit der "Philosophischen Terminologie" liegt kein von Adorno selbst veröffentlichtes oder zur Veröffentlichung bestimmtes Werk vor, sondern eine Aufzeichnung von Vorlesungen, die Adorno 1962/63 in Frankfurt gehalten hat. Sie werden von Adorno selbst als Einführung in doppeltem Sinn verstanden: Sie führen einmal in die Terminologie ein, zugleich aber in die Sache der Philosophie. Warum speziell in der Philosophie terminologische von sachlichen Fragen nicht gut zu separieren sind, gehört selbst zu den Themen des ersten Teils der Vorlesungen (Vorlesungen 1-18), in denen das Eigentümliche der Philosophie in Abgrenzung von Wissenschaft und Weltanschauung Gegenstand der Untersuchung wird. Der zweite Teil der Vorlesungen befaßt sich mit einigen allgegenwärtigen Begriffen wie den Paaren "Idealismus" - "Realismus", "Rationalismus" - "Empirismus", "Spiritualismus" - "Materialismus" (Vorlesungen 19-42) und schließlich mit Konzeptionen von "Idee" (Vorlesungen 44-46) - Begriffe, die Adorno aus dem Status des gängigen Schlagworts herausführt, indem er an historischen Fallstudien die argumentativ vermittelte Konstitution und Entwicklung von Begriff und Sache nachzeichnet. Zur Vertiefung werden wir ausgewählte Passagen von Adornos Referenzautoren - besonders Plato, Kant, Hegel, Marx - heranziehen.

Wie Adornos Vorlesung selbst wendet sich das Proseminar besonders an StudienanfängerInnen.

Benoteter Schein: Schriftliche Ausarbeitung eines Referats oder Hausarbeit.

Text: Theodor W. Adorno: Philosophische Terminologie. Zur Einleitung, in zwei Bänden, hrsg. v. Rudolf zur Lippe, Frankfurt a. M. 1973/74.

Schick: David Hume, Ein Traktat über die menschliche Natur - Interpretationskurs I

Di 18 - 20, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 13.10.

Hume stellt sein in drei Bücher - Über den Verstand (Buch I), Über die Affekte (Buch II), Über Moral (Buch III) - gegliedertes, 1739/40 erschienenes Erstlingswerk eingangs in den Rahmen eines ehrgeizigen Programms. Es geht um nicht weniger als eine "Lehre vom Menschen" als Grundlegung aller Wissenschaft überhaupt, und zwar um eine Lehre, die die "experimentale Methode" endlich auch in die Wissenschaft des Geistigen einführen soll. Am Ende des ersten Buches jedoch zieht Hume eine ernüchternde Zwischenbilanz: Statt einer gediegenen, empirisch erworbenen Grundlage scheint die Untersuchung der geistigen Vermögen eher deren "elenden Zustand", ihre "Schwäche" und "Gesetzlosigkeit" erbracht zu haben. Wie es von jener Ausgangserwartung zu diesem Ende kommt - nämlich von der Deflationierung von Vernunftwahrheiten (z.B. des Kausalprinzips) und Kategorien (z.B. der der Substanz), zur kritischen Reflexion auf die an deren Stelle tretenden psychologischen Mechanismen - wird in diesem Semester unser Thema sein.

Benoteter Schein: zwei der folgenden Leistungen: mündliches Referat, schriftliche Hausarbeit, Klausur.

Literatur: David Hume: Ein Traktat über die menschliche Natur (orig.: A Treatise of Human Nature), in zwei Bänden, übers., mit Anm. und Reg. versehen von Theodor Lipps, mit neuer Einführung hrsg. v. Reinhard Brandt, Hamburg 1989. (Speziell für dieses Semester: Band 1 [=Buch I. Über den Verstand]).
Ergänzend werden folgende Schriften Humes herangezogen: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand. (Orig.: Enquiries Concerning Human Understanding), übers. und hrsg. v. R. Richter: mit Einl., Anm. und der Beilage: David Hume: Mein Leben, hrsg. v. Jens Kulenkampff: Hamburg 1993 (2. Aufl.). - An Abstract of a Treatise of Human Nature. Mit Einl. hrsg. v. J.M. Keynes, P. Sraffa: Cambridge 1938, Reprint: Bristol 1990.

Schmidt, A.: Schellings Identitätsphilosophie

Di 12 - 14, Konferenzraum, Beginn: 13.10.

In seiner sog. Identitätsphilosophie wendet sich Schelling von der subjektzentrierten Transzendentalphilosophie Fichtes ab und entwickelt nach dem Vorbild Spinozas eine für die weitere Entwicklung des deutschen Idealismus entscheidende Einheitstheorie, die das Ganze des Seienden und des Wissens aus einem absoluten Prinzip zu begreifen versucht, das weder als Sein noch als Wissen, sondern als deren absolute 'Identität' oder 'Indifferenz' zu charakterisieren ist. Schelling entwickelt diese Theorie vor allem in den Texten 'Darstellung meines Systems der Philosophie' (1801) und 'Fernere Darstellungen aus dem System der Philosophie' (1802), die im Seminar in Auszügen gelesen werden sollen.

Benoteter Schein: schriftliche Hausarbeit

Text: F.W.J. Schelling: Ausgewählte Schriften, hrsg. v. Manfred Frank, Bd.2, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1985.

Schmidt, A.: Spinoza, Ethik - Interpretationskurs II

Fr 14 - 16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 16.10.

Im zweiten Teil des Interpretationskurses werden Spinozas Theorie des Geistes und die ethischen Folgerungen aus seiner Metaphysik im Zentrum stehen.

Benoteter Schein: Hausarbeit oder schriftliche Ausarbeitung eines Referats.

Text: Baruch de Spinoza: Die Ethik, Stuttgart: Reclam 1990.

Steinmann: Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten

Mo 18 - 20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 12.10.

Kant beabsichtigt in seiner Schrift die Begründung der Begriffe der Moral aus Prinzipien der Vernunft. Sein leitender Gedanke ist, daß die Verbindlichkeit der Moral nur dann gewährt bleibt, wenn ihre Gebote unbedingt-gesetzlich, d.h. vernunftgemäße Geltung haben. Dabei geht es nicht darum, neue Gebote aufzustellen, sondern darum, die Möglichkeiten und Bedingungen zu zeigen, unter denen dieser Geltungsanspruch überhaupt erhoben werden kann. Damit verbunden ist eine Handlungstheorie, die zeigt, wie vernunftgeleitetes, d.h. freies Handeln angesichts der Bedingung möglich ist, daß der Mensch den Naturgesetzen unterliegt. Dieser Neuansatz der Ethik hat geschichtlich als Einschnitt gewirkt und gilt für alle folgenden Beschäftigungen mit der Moral als Anknüpfungspunkt. Im Vordergrund des Seminars wird jedoch die genaue Rekonstruktion des Gedankenganges stehen.

Literatur wird im Seminar angegeben. Zur ersten Orientierung tauglich ist: O. Höffe, Kant, München 41996 (Beck'sche Reihe Denker).

Strobel: Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft

Di 18 - 20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 13.10.

"Die fröhliche Wissenschaft" ist ein Aphorismenbuch aus Nietzsches mittlerer Schaffenszeit, das auch zur Einführung in Nietzsches Denken gut geeignet ist. Wesentliche Elemente seiner Philosophie sind in der knappen Form des Aphorismus angesprochen; so kann der Zusammenhang zwischen Inhalt und künstlerischer Form von Nietzsches Denken analysiert werden. Besondere Schwerpunkte werden sein: die Perspektivität der Weltauslegung (Nietzsches Interpretationsbegriff), Nietzsches Ideal der Leichtigkeit, seine Kunst der Transfiguration, der Philosoph als Arzt der Kultur und die Philosophie der Bejahung. Die Architektonik der Aphorismenbücher, d.h. wie ihr Aufbau die Gestalt und die Konnotationen seiner Gedanken färbt, verdient, exemplarisch untersucht zu werden. Insofern ist dieses Proseminar auch für Germanisten interessant. Ziel des Proseminars ist es, Nietzsche lesen zu lernen. Die beste Vorbereitung ist eine gründliche Lektüre der "Fröhlichen Wissenschaft", insbesondere empfehle ich die Vorrede.

Ein benoteter Schein wird erworben durch ein schriftlich ausgearbeitetes Referat oder eine Hausarbeit.

Zur Einführung in Nietzsche: Gerhardt, Volker: Friedrich Nietzsche, München: Beck'sche Reihe Denker 1992, als Orientierung für Nietzsches Aphorismenstil kann mein Buch dienen: Strobel, Eva: Das "Pathos der Distanz": Nietzsches Entscheidung für den Aphorismenstil, Würzburg 1998, darin besonders S. 149-172.


Seminare

Braun: Verdinglichung (Georg Lukács: Geschichte und Klassenbewußtsein) - Kompaktseminar, Heinrich-Fabri-Haus, Auf dem Rucken 35, 89143 Blaubeuren, Tel.: 07344/4529

Fr 19.2., 15 Uhr - So. 21.2.1999, Vorbesprechung: Di 27.10.1998, 15 Uhr, Alte Burse, Raum 308

Die Theorie der Verdinglichung hat Geschichte und Klassenbewußtsein weltberühmt gemacht. "Freilich ist diese Allgemeinheit des Problems nur dann erreichbar, wenn die Problemstellung jene Weite und Tiefe erreicht, die sie in den Analysen von Marx selbst besitzt: wenn das Warenproblem nicht bloß als Einzelproblem, auch nicht bloß als Zentralproblem der einzelwissenschaftlich gefaßten Ökonomie, sondern als zentrales, strukturelles Problem der kapitalistischen Gesellschaft in allen ihren Lebensäußerungen erscheint. Erst in diesem Falle kann in der Struktur des Warenverhältnisses das Urbild aller Gegenständlichkeitsformen und aller ihnen entsprechenden Formen der Subjektivität in der bürgerlichen Gesellschaft aufgefunden werden." Mit dieser These hat das Buch Epoche gemacht. Der Autor hat Marx' Warenanalyse aus den engen Schranken eines ökonomischen Spezialproblems befreit und endlich zu dem gemacht, was sie ist: Er hat sie in den Rang des philosophischen Kernproblems gehoben und die 'Kritik der politischen Ökonomie' mit der Frage nach dem Ursprung des Verhältnisses von Denken und Sein verknüpft. Man vergegenwärtige sich das Ungeheuerliche des so lapidaren Satzes: "Aus der verdinglichten Struktur des Bewußtseins ist die moderne kritische Philosophie entstanden."

Thema des Kompaktseminars ist, die Theorie der Verdinglichung am Leitfaden von Geschichte und Klassenbewußtsein, systematisch wie historisch zu betrachten. Ist Lukács' Theorie der Verdinglichung auch heute noch aktuell?

Referate können als Grundlage der Debatten dienen.

Text:

Georg Lukács: Geschichte und Klassenbewußtsein. Studien über marxistische Dialektik, Neuwied/Berlin: Sammlung Luchterhand 1970 (Politische Aufsätze IV [1919 - 1922]).
Ferner:
Ders.: Geschichte und Klassenbewußtsein, in: Georg Lukács Werke, Bd. 2: Frühschriften II. Geschichte und Klassenbewußtsein (Publikationen 1919-1928 [nicht vollständig]), Neuwied/Berlin: Sammlung Luchterhand 1977.
Ders.: Taktik und Ethik. Politische Aufsätze I (1918-1920), hrsg. von Jörg Kammler und Frank Benseler: Neuwied/Berlin: Sammlung Luchterhand 1975.
Ders.: Revolution und Gegenrevolution. Politische Aufsätze II (1920 - 1921), a. a. O. 1976.
Ders.: Organisation und Illusion. Politische Aufsätze III (1921 - 1924), a. a. O. 1977.
Ders.: Demokratische Diktatur. Politische Aufsätze V (1925 - 1929), hrsg. von Frank Benseler, a. a. O. 1978.

Sammlungen zu Geschichte und Klassenbewußtsein :

Ernst Bloch: Aktualität und Utopie. Zu Lukács' Geschichte und Klassenbewußtsein, in: E.B., Philosophische Aufsätze zur objektiven Phantasie, Gesamtausgabe, Bd. 10, Frankfurt/M.: Suhrkamp 1969, S.598-620.
Furio Cerutti, Detlev Clausen, Hans-Jürgen Krahl, Oskar Negt, Alfred Schmidt: Geschichte und Klassenbewußtsein heute. Diskussion und Dokumentation, Amsterdam: Verlag de Munter 1971.
István Mészáros (Hrsg.): Aspekte von Geschichte und Klassenbewußtsein, mit Beiträgen von István Mészáros, E. J. Hobsbawm, Ralph Miliband, Tom Bottomore, Lucien Goldmann, Arnold Hauser, David Daiches, Anthony Thorlby, Rudolf Schlesinger, München: List Verlag 1972.
Georg Ahrweiler (Hrsg.): Betr.: Lukács, Dialektik zwischen Idealismus und Proletariat, mit Beiträgen von Wolfgang Abendroth, Jörg Kammler, Raphael de la Vega, Wulf D. Hund, Alfred A. Oppolzer, Silvia Mostar, Georg Ahrweiler, Klaus Maretzky, Frank Deppe, Seppo Toivainen, Köln: Pahl-Rugenstein 1978.
Gvozden Flego/Wolfdietrich Schmied-Kowarzik (Hrsg.): Georg Lukács - Ersehnte Totalität. Bd. I des Bloch-Lukács-Symposiums 1985 in Dubrovnik, Beiträge von Michael Grauer, Josef Haslinger, Tibor Hanak, Judith Marcus, Nadezda Cacinovic-Puhovski, Zoltan Tar, Marek Siemek, Lino Veljak, Furio Cerutti, Joseph Bien, Lee Congdon, Eberhard Braun, Laura Boella, Zarko Puhovski, Heinz Paetzold, Mihailo Markovic, Helmut Reinicke, Karsten Harries, Bochum: Germinal 1986.
Rüdiger Dannemann (Hrsg.): Jenseits der Polemiken. Beiträge zur Rekonstruktion seiner Philosophie von E. Feher, A. Heller, A. Honneth, M. Löwy, G. Markus, N. Tertullian, M. Vajda, Frankfurt/M.: Sendler 1986.
Auch in: Eberhard Braun: Ein Lokalpatriot der Kultur, in: E. B.: Grundrisse einer besseren Welt. Beiträge zur politischen Philosophie der Hoffnung, Mössingen/Talheim: Talheimer Verlag 1997, S. 226 - 23.

Bücher zu Geschichte und Klassenbewußtsein :

Jörg Kammler: Politische Theorie von Georg Lukács. Struktur und politischer Praxisbezug bis 1929, Neuwied/Berlin: Luchterhand 1974.
Eberhard Braun: Die historische Dialektik von Subjekt und Objekt: Georg Lukács, in: E. B. Aufhebung der Philosophie. Marx und die Folgen, Stuttgart/Weimar: Metzler 1992, S. 174-196.

Einführungen zu Georg Lukács:

Rüdiger Dannemann: Georg Lukács zur Einführung, Hamburg: Junius.
István Hermann: Georg Lukács. Sein Leben und Wirken, Köln/Graz: Verlag Hermann Böhlaus Nachf. 1985.

Biographie:

Eva Fekete, Eva Karadi: Georg Lukács. Leben in Bildern, Selbstzeugnissen und Dokumenten, Stuttgart: Metzler Verlag 1981.

Internationale Georg-Lukács-Gesellschaft e. V. Paderborn

Lukács Institut für Sozialwissenschaften e. V. Universität GHS Paderborn, Fachbereich Soziologie, Warburger Str. 100, Paderborn.
Frank Benseler, Werner Jung (Hrsg): Lukács 1996. Jahrbuch der Internationalen Georg-Lukács-Gesellschaft, Bern: Lang.

Engels/Mosbrugger/Reif: Evolutionäre Erkenntnistheorie

Do 16 - 19, Geologisches Institut, Sigwartstr. 10, Museum, Beginn: 15.10.

Die Evolutionäre Erkenntnistheorie (EE) erklärt unseren Erkenntnis- und Wahrnehmungsapparat sowie unsere kognitiven Fähigkeiten und Strukturen (Kategorien und Anschauungsformen) als ein Produkt der Evolution. Die zugrundeliegende Theorie ist die Darwinsche bzw. neodarwinistische Evolutionstheorie. Danach hat sich der Mensch einschließlich seiner kognitiven Ausstattung im Laufe einer langen Stammesgeschichte allmählich aus nichtmenschlichen Vorfahren entwickelt und auch erkenntnismäßig an die realen Gegebenheiten der Welt angepaßt. Die EE will auf diese Weise alte erkenntnistheoretische Probleme (Realismus versus Idealismus, Wahrheitsproblematik usw.) lösen. Im Seminar sollen die zentralen biologischen und philosophischen Ansprüche der EE unter Einbeziehung historischer Vorläufer im 19. Jh. aus evolutionsbiologischer und philosophischer Perspektive erarbeitet und kritisch diskutiert werden. Eine Literaturliste wird zu Beginn des Semesters ausgehändigt. Textquellen werden Artikel aus der Zeitschrift Biology & Philosophy sein. Zur Einführung wird empfohlen:

Eve-Marie Engels: Erkenntnis als Anpassung? Eine Studie zur Evolutionären Erkenntnistheorie. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1989 (Das Buch ist entgegen anderslautender Auskünfte nicht vergriffen!).

Bedingung für den Erwerb eines unbenoteten Leistungsnachweises ist ein Seminarvortrag zu einem der Themen, für einen benoteten Leitungsnachweis eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit.

Engels: Charles Darwin (2): Die Rezeption

Mo 9 - 12 Uhr, Alte Burse, Raum X, Beginn: 12.10.

Das Seminar ist eine Fortsetzung des im SS 1998 durchgeführten Seminars "Charles Darwin (1): Leben und Werk", dessen Besuch jedoch keine Teilnahmebedingung darstellt. Ziel ist es, mittels einer Untersuchung der Darwin-Rezeption im 19. Jahrhundert in verschiedenen Disziplinen und Ländern unter Berücksichtigung einer weitverzweigten Zeitschriftenliteratur disziplin- und länderspezifische Besonderheiten dieser Rezeption zu erarbeiten. Es finden sich teilweise diametral entgegengesetzte Weisen der Auslegung der Darwinschen Theorie. Welche Gründe gibt es hierfür? Abschließend erfolgt auch ein Blick auf die Rezeption in diesem Jahrhundert. Zur Einführung wird empfohlen:

Eve-Marie Engels: "Biologische Ideen von Evolution im 19. Jahrhundert und ihre Leitfunktionen" in: Eve-Marie Engels (Hg.): Die Rezeption von Evolutionstheorien im 19. Jahrhundert. Frankfurt: Suhrkamp 1995

Bedingung für den Erwerb eines unbenoteten Leistungsnachweis ist ein Seminarvortrag zu einem der Themen, für einen benoteten Leistungsnachweise eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit.

Figal: Platon, Sophistes

Do 16 - 18, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 15.10.

Der "Sophistes" ist einer der wichtigsten Platonischen Texte. Hier geht es mit der Frage, was ein Sophist eigentlich ist, um eine Selbstklärung der Philosophie, um die Herausarbeitung der dessen, was manchmal "Platons Ideendialektik" genannt wird. Damit eine solche Philosophie der Ideen in ihren Grundzügen hervortreten kann, setzt der Dialog sich ausführlich mit dem Denken des Parmenides, auch Heraklits auseinander.

Der "Sophistes" ist ein schwieriger Text, der sich nur in Grenzen erschließt, wenn man ihn nur in Übersetzung liest. Obwohl Griechischkenntnisse keine formelle Voraussetzung für die Teilnahme an dem Seminar sein können, sind sie sehr wünschenswert.

Zur vorbereitenden Lektüre empfehle ich außer dem Dialog zwei kürzere Arbeiten: Michael Frede, "Die Frage nach dem Seienden: Sophistes", in: Platon. Seine Dialoge in der Sicher neuer Forschungen, hrsg. von Theo Kobusch und Burkhard Mojsisch, Darmstadt 1996, 181-199. Außerdem: Hans-Georg Gadamer, "Dialektik ist nicht Sophistik. Theätet lernt das im 'Sophistes'", in: Gesammelte Werke 7, Tübingen 1991, 338-369.

Grundmann: Apriorische Rechtfertigung

Mi 10 - 12, Alte Burse, Raum X, Beginn: 14.10.

Daß es eine von der Erfahrung gänzlich unabhängige Rechtfertigung aus reiner Vernunft gibt, wird vom Empirismus vehement bestritten. Dennoch gibt es Zweifel daran, da_ empirisches Wissen autonom sei. So hat nicht zuletzt der Empirismus selbst gezeigt, daß sich die Prinzipien empirischer Wissenschaft (wie das Induktionsprinzip, der Kausalitätsbegriff usw.) offenbar nicht mehr empirisch rechtfertigen lassen; und das altbekannte Regreßproblem scheint sich letzten Endes auch nur im Rekurs auf ein apriorisches Fundament lösen zu lassen. Demnach könnte es empirisches Wissen nur geben, wenn es apriorisches Wissen gibt. So lautet jedenfalls die These des aufgeklärten Rationalismus. Der Empirismus hat andererseits selbst lange daran festgehalten, daß es apriorisches Wissen zumindest von (analytischen) Wahrheiten aufgrund von Bedeutung gebe. Erst in unserem Jahrhundert ist ein konsequenter Empirismus von Quine und Popper vertreten worden.

Im Seminar wollen wir diskutieren, ob ein konsequenter Empirismus (unabhängig von apriorischem Wissen) möglich ist. Außerdem soll der Begriff der apriorischen Rechtfertigung im Zusammenhang mit ihrer Grundlegungsfunktion für das empirische Wissen geklärt werden. Wir wollen insbesondere der Frage nachgehen, ob apriorische Rechtfertigung tatsächlich infallibel sein muß. Schließlich werden wir uns der Frage zuwenden, ob die Bedingungen apriorischer Rechtfertigung (analytisch oder synthetisch) erfüllbar sind. Grundlage wird die neue, aufsehenerregende Verteidigung des Apriori durch BonJour sein. Wir werden aber auch Texte von Kant, Quine, Burge und (möglicherweise) Apel/Kuhlmann lesen.

Benoteter Schein: Referat und Hausarbeit

Literatur:

Laurence BonJour: In Defense of Pure Reason, Cambridge Studies in Philosophy 1998.

Hägler: Neuere Ansätze in der Ethik - Kompaktseminar

11.02. - 14.02.1999

Kommentar zur Veranstaltung und Vorbesprechung: siehe Aushang.

Hesse: Leibniz, Theodizee

Mi 16 - 18, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn 14.10.

Wie die Wirklichkeit, in der wir leben, trotz unleugbarer Übel als "die beste aller möglichen Welten" zu erweisen ist, will Leibniz in seiner Theodizee unter Beweis stellen. Sie ist nicht nur das umfangreichste Werk, das er verfaßt hat, sondern auch im Vergleich mit anderen Texten dieses Autors vergleichsweise exoterisch. Daß die Theodizee "für uns nicht mehr recht genießbar" sei, glaubte indessen schon Hegel feststellen zu können. Einer teilweise etwas unübersichtlichen Weitschweifigkeit zum Trotz bietet der Text aber einen guten Zugang zur Philosophie Leibniz'. Wir wollen ihn uns im Seminar zunutze machen, um uns mit einigen seiner systematisch belangvollen Themen (vor allem: Determinimus und Freiheit, Kontingenz und Rationalität) vertraut zu machen. Die gemeinsame Interpretationsarbeit an besonders luziden Partien des Textes soll uns befähigen, Leibniz' Problemstellung wie -lösung auch im Lichte späterer Positionen (vor allem Kant, Hegel) zu diskutieren.

Benotete Scheine werden für schriftliche Hausarbeiten bzw. schriftlich ausgearbeitete Referate erteilt.

Text G.W. Leibniz, Theodizee, Meiner Verlag, Hamburg.

Hofmann: Sprachliche Bedeutung und mentaler Gehalt

Fr 14 - 16, Alte Burse, Raum X, Beginn: 16.10.

Das Verhältnis von Sprache und Geist gehört mit zu den spannendsten Themen in der Philosophie. Im Zeichen des linguistic turn war die vorherrschende Auffassung, daß sprachliche Bedeutung den Primat gegenüber geistigen Zuständen und deren Gehalt genießt. Man hat jedoch erkannt, daß sprachliche Bedeutung an vielen Punkten nicht ohne geistige Leistungen möglich ist (z.B. Wahrnehmungen bei Indexikalität), die mehr oder weniger sprachunabhängig sind. Jetzt stellt sich die Frage, wie sprachliche Bedeutung auf der Grundlage von geistigen Gehalten aufzufassen ist.

Ein wichtiger Vorschlag dazu stammt von Paul Grice. Die Bedeutung von Sätzen soll auf die Sprecher-Bedeutung zurückgeführt werden, und diese wiederum auf Intentionen, d.h. geistige Zustände mit dem Charakter von Absichten. Außerdem entwickelt Grice wichtige sprachpragmatische Begriffe, wie den der konversationalen Implikatur und den der Präsupposition. Wir wollen uns im Seminar die Gricesche Sprachtheorie erarbeiten und kritisch prüfen, wie weit sie tragen kann. Wir beginnen mit den grundlegenden Aufsätzen von Grice und ziehen dann später u.a. die sowohl konstruktiven wie auch kritischen Beiträge von Stephen Schiffer hinzu. Grundkenntnisse in Sprachphilosophie reichen als Voraussetzung völlig aus, und der formale Aufwand ist minimal. Bereitschaft zur Übernahme eines Referats wird vorausgesetzt.

Benoteter Schein: Klausur oder Hausarbeit.

Literatur:

Grice, Paul, "Studies in the Way of Words", Harvard University Press, Cambr. (Mass.) 1989.
Schiffer, Stephen, "Meaning", Clarendon Press, Oxford, 1972.
Schiffer, Stephen, "Remnants of Meaning", Kap. 9, MIT Press, Cambr. (Mass.) 1987.

Horn/Rapp: Thomas von Aquin, Handlungstheorie und Ethik. Ausgewählte Texte der Summa theologica I-II

Mi 14 - 16, Alte Burse, Raum X, Beginn: 14.10.

In Thomas' Ethik spielt die Konzeption eines "natürlichen Wollens" (inclinatio naturalis, appetitus naturalis), das zugleich als notwendiges Wollen aufgefaßt wird, eine bedeutende Rolle. Thomas behauptet in der Summa theologica zu Beginn der Prima Secundae, es gebe - analog zu den sogenannten ersten Verstandesprinzipien - erste Strebensprinzipien, d.h. Grundsätze, nach denen bestimmte Güter oder Zwecke um ihrer selbst willen verfolgt werden müssen (per se oder propter se). Diese sollen durch einen apriorischen Vernunftakt, die Synderesis, gesetzt, und in jedem Menschen notwendigerweise präsent sein. "Notwendig" im Sinn eines Prinzips ist nach Thomas' Darstellung das, was nicht vernünftig bestritten werden kann. Thomas entwickelt eine Theorie solcher erster praktischer Prinzipien in acht Schritten (S.th. I-II 1,1-8). Dazu gehören strebenstheoretische Basissätze wie Das menschliche Leben hat ein einziges, letztes Ziel (finis ultimus) (S.th. I-II 1,4) und Es kann nicht mehr als ein einziges letztes Ziel für menschliches Handeln geben (S.th. I-II 1,5). Im Anschluß an diese Strebenstheorie entwickelt Thomas eine Theorie des substantiellen bzw. akzidentellen Gut- und Schlechtseins von Handlungen. Wir werden beide Konzeptionen genauer in Augenschein nehmen, gelegentlich auf ihre Wurzeln bei Aristoteles und den Stoikern zurückgehen und vergleichsweise den Zusammenhang von Wille und Moralität, wie er bei Kant erscheint, heranziehen.

Text:
Die im Seminar zu behandelnden Texte werden in einem Reader zusammengestellt, der zu Semesterbeginn erworben werden kann; teilweise stützt sich der Reader auf R. Schönbergers Übersetzung der Quaestiones 18-21 in der Collegia-Reihe, Weinheim/New York 1990.

Literatur:

W. Kluxen, Philosophische Ethik bei Thomas von Aquin, Mainz 21980.
Th. Nisters, Akzidentien der Praxis, Thomas von Aquins Lehre von den Umständen menschlichen Handelns, Freiburg/München 1992.
Ch. Schröer, Praktische Vernunft bei Thomas von Aquin, Stuttgart 1995.
D. Westberg, Right Practical Reasoning. Aristotle, Action, and Prudence in Aquinas, Oxford 1994.

Jüngel: Das Gewissen - Was ist das?

Mi 18 - 20, Raum: siehe Aushang, Beginn: 14.10.

Das Seminar soll anhand einiger klassischer Texte die Frage zu beantworten versuchen, was das ist: ein Gewissen?

Keuth: Kritischer Rationalismus und Pragmatismus

Mi 14 -16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 14.10.

Charles Sanders Peirce, (einer) der Begründer des Pragmatismus, vertrat den Fallibilismus, der auch in Karl Poppers kritischem Rationalismus die zentrale Rolle spielt. Peirce wie Popper betrachten die Erkenntnis als ein Ergebnis sozialer Praxis. Sie ziehen aber unterschiedliche Konsequenzen daraus. So ist Popper Realist, meint also, die Sätze der Wissenschaften machten Aussagen über eine von uns unabhängige Realität, während Peirce die Realität als das definiert, was wahre Sätze besagen und wahre Sätze als jene, an die die Meinung der Forscher sich nach unbegrenzter Forschung angenähert haben würde. Im einzelnen werden behandelt: pragmatische Aspekte der Erkenntnissuche, äußere Einflüsse auf die Wissenschaft, die Beziehung zwischen Bewährung und Wahrheit, die Revidierbarkeit der Logik, die Sprachabhängigkeit der Erkenntnis, Realismus und Intentionalität, der Kontextualismus und seine Probleme.

Bedingung für einen benoteten Schein: Referat.

Literatur:

Volker Gadenne: (Hrsg.) "Kritischer Rationalismus und Pragmatismus", Amsterdam/Atlanta 1998.
John R. Wettersten: "The Roots of Critical Rationalism", Amsterdam/Atlanta 1992.

Klinger: Themen ästhetischer Theorie im 20. Jahrhundert: Das Verhältnis zwischen Ethik und Ästhetik - Kompaktseminar, Do 10.12., 10 Uhr - Sa 12.12.1998, Alte Burse, Raum 211

Anmeldung im Sekretariat: Frau Ott

Die Lehrveranstaltung knüpft thematisch an das Kompaktseminar vom WS 1997/98 an, insofern als wiederum die Frage nach dem Verhältnis zwischen Kunst und Gesellschaft im 20. Jahrhundert gestellt werden soll. Diese Frage betrifft grundsätzlich das Spannungsverhältnis zwischen der Autonomie (Zweckfreiheit) und der gesellschaftlichen Funktion (Zweckbeziehung) von Kunst. Im Mittelpunkt des geplanten Seminars steht diesmal das Verhältnis des Ästhetischen zu Fragen der Ethik, des Guten und des guten Lebens. Mit dem Prozeß der Moderne entwickelte sich im Zuge der Ausdifferenzierung der Sphäre der Kunst zu einem autonomen System eine grundsätzliche Opposition gegenüber der traditionellen Verbindung des Schönen mit dem Wahren und Guten. Im Namen der Freiheit der Kunst wurde jeder Bezug auf ethische und moralische Rücksichten verweigert. Vor dem Hintergrund der im Gesamtzusammenhang des Konzepts von Moderne und Modernisierung angelegten und sowohl in der Theorie als auch in der Praxis moderner Kunst verankerten Autonomieanspruchs kommt der Perspektivenwechsel überraschend, der sich neuerdings im Hinblick auf das Verhältnis zwischen Ethik und Ästhetik beobachten läßt. In den letzten Jahren ist die Frage nach einem Zusammenhang, einer Verbindung von Ethik und Ästhetik auf einmal aktuell geworden. Diese neue Diskussion kreist um die auf Foucault zurückgehende Idee einer neuen Lebenskunst, die darauf zielt, aus dem eigenen Leben ein Kunstwerk zu machen.

Die Lehrveranstaltung hat das Ziel, erstens die klassisch-moderne Autonomieposition zu skizzieren und zweitens Einblick in die aktuelle Debatte zu geben.

Literaturhinweise und Referatthemen:

Ethik und Ästhetik. Hrsg.: C. Wulf, D. Kamper, U. Gumbrecht: Berlin: Akademie Vlg. 1994. (Bes. die Einleitung der Herausgeber und der Aufsatz von Wolfgang Welsch).

Ethik und Ästhetik. Hrsg.: G. Gamm, G. Kimmerle. Tübingen: edition diskord 1990. (Bes. der Aufsatz von K. Günther).

M Nussbaum: "Finely Aware and Richly Responsible: Attention and the Moral Task of Literature." In: The Journal of Philosophy LXXXII, 1985. S. 516-529

W. Schmid: Auf der Suche nach einer neuen Lebenskunst. Die Frage nach dem Grund und die Neubegründung der Ethik bei Foucault. S. 280-304 (Ästhetik der Existenz).

R. Schustermann, Pragmatist Aesthetics: Living Beauty, Rethinking Art. Oxford: Blackwell 1992. Kapitel 9. Postmodern Ethics and the Art of Living. S. 236-261.

Koch, A.F.: Die Lehre vom Schluß in der Hegelschen Begriffslogik

Di 20-22, Alte Burse, Raum X, Beginn: 13.10.

Dies ist die Fortsetzung eines Seminars über das Urteilskapitel vom Sommer 1998. Wir werden dieses Mal das dritte Kapitel des ersten Abschnittes der Begriffslogik ('Der Schluß') behandeln. Neue Teilnehmer sind willkommen, sofern sie sich mit der schwierigen Materie anderweitig vertraut gemacht haben.

Teilnahmevoraussetzung ist die Bereitschaft zur Übernahme eines Protokolls oder einer Stundenvorbereitung.

Benoteter Schein: Hausarbeit.

Kümmel: Ethik ohne Allgemeines? Überlegungen zu den Grundlagen und zur Logik ethischer Geltung

Do 10 - 12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 15.10.

Daß die Ethik auf ein wie immer zu definierendes "Allgemeines" verpflichtet ist und der Bezugsrahmen "Selbsterhaltung" hierfür nicht genügt, und daß an den Menschen als Vernunftwesen appelliert werden muß, um ethische Verpflichtung zu erreichen, kann nicht in Abrede gestellt werden. Im öffentlichen Bereich geht das nicht ohne "moral reasoning" und d.h. nicht ohne begründende Argumente. Deren Wirksamkeit hängt aber nie nur vom moralischen Gewicht des "besseren Arguments" ab, sondern auch und mehr noch von der Logik der Begründung, die sich oft genug an ihren eigenen Aporien bricht. Man muß deshalb die Tragfähigkeit des ethischen Arguments auch von dessen formaler Struktur abhängig machen, ohne in jedem Fall auf ein fundamentum in re zurückgreifen zu können.

Solange der Bereich der Anwendung ethischer Grundsätze auf den Menschen qua Vernunftwesen beschränkt bleibt, hat man damit gleichwohl weniger Probleme, weil Vernunft so lange nur auf sich selber verpflichtet zu werden braucht. Muß aber - wie dies heute der Fall ist - der ethische Geltungsbereich ausgedehnt werden auf die andere, naturale Seite des Subjekts und darüber hinaus auf nichtmenschliche Bereiche, wie die Forderung nach einer Bio- bzw. einer Öko-Ethik dies signalisiert, so wird die Argumentation sehr viel schwieriger. Ist nämlich der Objektbereich moralischer Güter weiterreichend als der Subjektbereich zurechnungsfähiger Wesen, so stellt sich die Frage, ob und wie ein solcher Überstieg überhaupt mit rationalen Gründen gerechtfertigt werden kann, auch wenn er aus faktischen Gründen durchaus als notwendig eingesehen wird. Wie kann Vernunft sich auf etwas verpflichten, was sie nicht selber ist und, anders gesagt, moralische Verantwortung in globalen Dimensionen übernehmen? Und wenn neuzeitliche Vernunft sich für diesen Brückenschlag zwischen Selbstbewußtsein und Natur nicht mehr als zuständig empfindet, auf welchen Grundlagen kann dann ein der Natur moralisch verpflichtetes Bewußtsein und Verhalten aufgebaut werden? Genügt z.B. die Zuschreibung von Wert, um der Natur selber moralische Dignität zu geben? Genügt ihr Schutz als Rechtsgut? In welchem Sinne gehört Natur zum "guten Leben" unabdingbar dazu? Welcher Zugang ist erforderlich, um sie nicht nur als "Umwelt" zu betrachten, sondern als "Mitwelt" ansprechen zu können? Kommt man hierbei überhaupt ohne religiöse Begründungsfiguren aus, und welche Gestalt können diese heute annehmen? Das Thema einer "Naturethik" (vgl. dazu Angelika Krebs, Grundtexte der gegenwärtigen tier- und ökoethischen Diskussion. 1997. suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1262) soll indes nur als Beispiel dienen, um für die im Seminar angesprochene, auf das Formale zielende Begründungsproblematik einen konkreteren Ausgangspunkt zu haben.

Benoteter Schein: Hausarbeit.


Rapp: Aristoteles' Rhetorik

Mi 18.30 - 20.15, Alte Burse, Raum X, Beginn: 15.10.

Die Kontroverse zwischen Philosophie und Redekunst stellt eines der großen Themen der klassischen griechischen Philosophie dar. Aristoteles beließ es nicht bei einer Kritik an den zeitgenössischen Rhetoriklehrern, sondern verfasste eine eigene Schrift zur Rhetorik. Seiner Ansicht nach kann die Rhetorik auch aus Sicht des Philosophen nützlich sein - vorausgesetzt, sie lehrt nicht nur, wie man den Zuhörern schmeicheln oder sie von der Sache ablenken kann. Die Aufgabe der Rhetorik bestehe vielmehr darin, an jedem vorliegenden Gegenstand das jeweils Überzeugende aufzudecken. Bei der Entwicklung einer derart sachbezogenen Rhetorik bedient sich Aristoteles in zwei Teilbereichen der Philosophie: zum einen bei der Dialektik, welche zur Redekunst die formalen Aspekte einer Argumentationstheorie beisteuert, zum anderen bei der politischen Philosophie/Ethik, welche den Gegenstand aller öffentlichen Reden: das Gute, Nützliche, Gerechte und Lobenswerte behandelt. Auf diese Weise ergeben sich aus einer Lektüre der Rhetorik zahlreiche Verbindungen zu zentralen Gedanken des Aristotelischen Philosophierens.

Griechischkenntnisse werden nicht vorausgesetzt. Benotete Scheine werden aufgrund eines Referats und einer schriftlichen Hausarbeit vergeben.

Übersetzungen (lieferbar und preisgünstig):
Kennedy, G. A., Aristotle, On Rhetoric. A Theory of Civic Discourse, Newly Translated, with Introduction, Notes and Appendices, Oxford 1991.
Lawson-Tancred, H. C., Aristotle, The Art of Rhetoric, London 1991.
Sieveke, F.G., Aristoteles, Rhetorik, mit einer Bibliographie, Erläuterungen und einem Nachwort, München 1980, 31989.
Textausgaben:
Kassel, R., Aristotelis ars rhetorica ed. R. Kassel, Berlin 1976.
Ross, D., Aristotelis ars rhetorica recognovit brevique adnotatione critica instruxit W. D. Ross, Oxford 1959.
Literatur:
Furley, D. J./Nehamas, A. (Hg.), Aristotle's Rhetoric. Philosophical Essays, Princeton 1994.
Rorty, A. O. (Hg.), Essays on Aristotle's Rhetoric, Berkeley/Los Angeles/London 1996.

Rinderle: Jean-Jacques Rousseau, Vom Gesellschaftsvertrag

Di 16 18, Alte Burse, Konferenzraum X, Beginn: 13.10.

In diesem Seminar wollen wir versuchen, systematische Fragen aus der aktuellen demokratie-theoretischen Debatte mit Hilfe von Jean-Jacques Rousseaus "Vom Gesellschaftsvertrag” aufzuwerfen und vielleicht auch zu beantworten: Wie läßt sich politische Herrschaft legitimieren? Wie ist die Gleichheit zwischen den Menschen zu verstehen? Welches Freiheitsverständnis spiegelt Rousseaus Gesellschaftsvertrag wider? Wie ist das Verhältnis von Menschenrechten und Volkssouveränität, von personaler und politischer Autonomie zu bestimmen? Stellt die politische Repräsentation eine Veräußerung der politischen Autonomie dar? Zählt die Repräsentation zu den unumgänglichen Bedingungen der Ausübung politischer Herrschaft oder widerspricht sie der Idee der Volkssouveränität? Wie ist das Verhältnis von Exekutive und Legislative bei Rousseau zu denken? Welche ökonomischen Bedingungen fördern die Stabilität einer gerechten Republik? Welche ethischen oder moralischen Voraussetzungen sind für die Einführung und Stabilität der Republik beim Volk und bei den Repräsentanten erforderlich? Welche Rolle spielt die Gestalt des Gesetzgebers bei der Errichtung der Republik? Im Mittelpunkt des Seminars steht die Lektüre des Gesellschaftsvertrags. Daneben werden wir auch einen Blick in Rousseaus Abhandlung "Über den Ursprung der Ungleichheit unter den Menschen”, seinen Enzyklopädie-Artikel "Politische Ökonomie” und seine beiden Verfassungsentwürfe für Polen und Korsika werfen.

Teilnahmevoraussetzung: Übernahme eines Referats.

Erwerb eines benoteten Scheines: Hausarbeit.

Sekundärliteratur: wird in der ersten Sitzung angegeben.

Schroeder-Heister: Temporallogik

Mi 8 - 10, Raum: siehe Aushang, Beginn: 14.10.

Das Seminar richtet sich an Studierende der Informatik und ist auch auf deren Interessen zugeschnitten. Philosophie-Studierende, die die Vorlesung im laufenden Sommersemester über Modal- und Temporallogik gehört haben oder aus anderer Quelle über ein geeignetes Hintergrundwissen verfügen, sind jedoch gerne eingeladen.

Wahrscheinlich findet in der letzten Woche des Sommersemesters 1998 schon eine erste Vorbesprechung statt. Bitte prüfen Sie dies anhand des kommentierten Vorlesungsverzeichnisses der Informatik auf den entsprechenden Internet-Seiten nach.

Waibel: Der Begriff einer Philosophie als System in der Neuzeit (Wolf, Lambert, Kant, Fichte, Hegel)

Do 16 - 18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 15.10.

Richtet man einen Blick auf die Geschichte der Philosophie, so zeigt sich, daß der Begriff systematischer Philosophie erheblichen Schwankungen unterworfen ist. In strengerer Bedeutung wird er bald als Enzyklopädie, bald als Architektonik, bald als System mit einem ersten Prinzip, bald ohne dieses entwickelt. Mit ihm verbinden sich bloß ordnende oder begründende, hypothetische oder wahrheitslegitimierende Erkenntnisansprüche. Im Seminar soll im Durchgang durch die Systemkonzepte der wichtigsten klassischen Denker und im Blick auf die neuere Forschung in Grundzügen eine Typologie der Philosophie als System, ihrer Möglichkeiten und Grenzen, erarbeitet werden.

Benoteter Schein: Kurzreferat als Vorbereitung einer Sitzung und Hausarbeit (8 - 10 Seiten).

Literatur:

C. Wolf: Horae Subsecivae Marburgensis (1729): III. Differentia intellectus systematici et non systematici.
Ders., Philosophia rationalis sive Logica (1732): Discursus praeliminiaris de philosophia in genere; § 889.
Ders., Vernünftige Gedanken von Gott, der Welt und der Seele des Menschen, auch allen Dingen überhaupt (1751): §§ 132-163.
J.H. Lambert: Texte zur Systematologie und zur Theorie der wissenschaftlichen Erkenntnis, Hamburg (Meiner) 1988.
I. Kant: Kritik der reinen Vernunft (1781, 1787): "Die Architektonik der reinen Vernunft"(B 860 ff.).
Ders.: Kritik der Urteilskraft (1790): "Einleitung."
J.G. Fichte: Über den Begriff der Wissenschaftslehre oder der sogenannten Philosophie (1794).
G.W.F. Hegel: Differenz des Fichteschen und Schellingschen Systems der Philosophie (1801): "Mancherlei Formen, die bei dem jetzigen Philosophieren vorkommen."
G.W.F. Hegel: Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften (1830): §§ 1-18.

Forschungsliteratur:

Henrich. D. (Hrsg.): Ist systematische Philosophie möglich? (Hegel-Studien, Beiheft 17), Bonn 1977.
Kambartel, F.: "System" und "Begründung" als wissenschaftliche und philosophische Ordnungsbegriffe bei und vor Kant, in: Ders.: Theorie und Begründung. Studien zum Philosophie und Wissenschaftsverständnis, Frankfurt 1976, 28-45.
Lenk, H.: Systemtheorie. in: Speck, J., Handbuch wissenschaftstheoretischer Begriffe, Göttingen 1980, 615-621.
Lüthje, H.: Christian Wolffs Philosophiebegriff, in: Kant-Studien 30 (1925), 39-66.
Puntel, L.B.: Bemerkungen zur Problematik der "Definition" in der Philosophie am Beispiel des Systembegriffs bei Kant und Fichte, in: H. Nagl-Docekal: Überlieferung und Aufgabe. Festschrift für Erich Heintel zum 70. Geburtstag I, Wien 1982, 321-333.
Rescher, N.: Cognitive Systematization. A Systems-Theoretic Approach to a Coherentist Theory of Knowledge, Oxford 1979.Ritschl, O.: System und systematische Methode in der Geschichte des wissenschaftlichen Sprachgebrauchs und der philosophischen Methode, Bonn 1906.
Siegwart, G.: Einleitung zu: Johann Heinrich Lambert, Texte zur Systematologie und zur Theorie der wissenschaftlichen Erkenntnis, Hamburg 1988.
Stein, A. von der: Der Systembegriff in seiner geschichtlichen Entwicklung, in: System und Klassifikation in Wissenschaft und Dokumentation, hrsg. von A. Diemer, Meisenheim am Glan 1968, 1-13.



Oberseminare

Figal: Forschungsseminar für Doktoranden und Examenskandidaten - Kompaktseminar

16.10. - 18.10.1998, Blaubeuren

Teilnahme nur aufgrund persönlicher Einladung.

Figal, Moog-Grünewald: Das Neue - Zu einer Denkfigur der Moderne

Kompaktseminar in Blaubeuren

Termin und Ort der ersten Sitzung: 22.10., 20 s.t., Alte Burse, Konferenzraum.

Das Oberseminar soll einer zentralen Kategorie des neuzeitlichen und modernen Denkens gewidmet sind. Dabei interessieren uns Fragen wie die nach der Konstitution des "Neuen" in der frühen Neuzeit, nach den verschiedenen Ausprägungen der Kategorie in Kunst, Philosophie und Wissenschaftsgeschichte oder nach der Rolle, die die Kategorie für die Spannung von Modernitätsskepsis und Modernitätsbejahung gespielt hat.

Von den Teilnehmern wird die grundsätzliche Bereitschaft zu einem Referat erwartet. Teilnahmebedingung ist die persönliche Anmeldung in der Sprechstunde von Frau Prof. Dr. Moog-Grünewald oder von mir.

Keuth: Determinismus und/oder Freiheit

Mi 10 - 12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 14.10.

Wenn alles gänzlich vorherbestimmt ist, gibt es kein freies Handeln; wenn alles zufällig ist, gibt es kein verantwortliches Handeln. Zwischen diesen Katastrophen wollen Ethik und Sozialphilosophie hindurchsteuern. Das Seminar wird sich mit neueren Aufsätzen zu diesen Problemen auseinandersetzen. Als Einführung kann die Behandlung dieser Probleme in Mackies Buch "Ethik" dienen.

Bedingung für einen benoteten Schein: Referat.

Literatur (vorläufig):

J.L. Mackie, "Ethik", Reclam 7680


Kolloquien

Engels: Ausgewählte Problemstellungen der Bioethik - DoktorandInnenkolloquium

Zeit und Ort nach Vereinbarung

In diesem Kolloquium sollen laufende Dissertationsprojekte vorgestellt und diskutiert werden. Aber auch Magister-, Diplom- und KandidatInnen anderer Abschlüsse sowie interessierte StudentInnen sind herzlich willkommen.

Fahrenbach: Kolloquium

nach Vereinbarung

Kümmel: Hermeneutische Philosophie

Fr 18 -20, Alte Burse, Raum 308, Beginn: 23.10.

Schroeder-Heister: Logik und Sprachtheorie

nach Vereinbarung

Behandlung neuerer Forschungsarbeiten. Interessierte mögen sich per e-mail melden (schroeder-heister@uni-tuebingen.de) - sie erhalten dann jeweils Einladungen zu den Terminen.


Arbeitskreis

Hoering: Lernprogramme

Di 19 - 21, Alte Burse, Computer-Pool, Beginn: 13.10.

Seit einiger Zeit gibt es ein Tutor-Programm zum Einüben des logischen Ableitens in Formalismen der Aussagen-, Prädikaten- und Modallogik, das im Rahmen dieses Arbeitskreises entwickelt worden ist. Dieses Programm wurde zunächst in Pascal für IBM-kompatible Rechner geschrieben; für seine Portierung auf andere Plattformen stellen wir Versionen in TCL/TK her. Neue Mitglieder, die bereits Kenntnisse in diesen Sprachen besitzen, sind herzlich willkommen.