Philosophisches Seminar

Wintersemester 1999/2000

Eventuelle Änderungen gegenüber dem Vorlesungskommentar werden aktuell angeschlagen!

Soweit nicht anders im Kommentar vermerkt, ist die Anmeldung zu den Veranstaltungen nicht erforderlich.

Semestertermine:
Beginn der Vorlesungen: 18. Oktober 1999
Ende der Vorlesungen: 19. Februar 2000

<dl><dt>Vorlesungsfreie Tage:</dt></dl>

  • 1. November, 24. Dezember - 6. Januar

<dl><dt>Freisemester:</dt><dt> Prof. Dr. Eberhard Jüngel</dt></dl>

  • Prof. Dr. Georg Wieland

<dl><dt>Freistellung:</dt><dt> PD Dr. Heidrun Hesse</dt></dl>

  • Prof. Dr. Günther Maluschke


Einführungsabend für Studienanfänger:

25. Oktober 1999, 18 Uhr c.t., Alte Burse, Raum X


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Vorlesungen

Brachtendorf: Einführung in die Metaphysik
Mo 11-13, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 18.10.

Über zwei Jahrtausende hinweg galt die Metaphysik als Gipfel der Philosophie. Sie sollte Einsichten in die letzten Gründe und die allgemeinsten Strukturen der Wirklichkeit vermitteln. Im Gefolge der Vernunftkritik Kants geriet dieser Anspruch jedoch ins Wanken. "Metaphysik" verwandelte sich in ein negatives Schlagwort, und Metaphysikkritik wurde zu einem etablierten Thema der Philosophie.

Die Vorlesung gibt einen Einblick in Grundthemen und Hauptbegriffe und Methoden der Metaphysik (Sein, Seiendes, Wesen, Kategorie etc.). Darüber hinaus wird sie den wichtigsten Motiven der Metaphysikkritik nachgehen.

Literatur:
Arno Anzenbacher, Einführung in die Philosophie, Freiburg 1992.
Gottfried Martin, Einleitung in die allgemeine Metaphysik, Stuttgart 1965.
Emmerich Coreth, Grundriß der Metaphysik, Innsbruck 1994.

Engels: Ethik und Wissenschaftstheorie der Biowissenschaften
Di 11-13 Uhr, Auf der Morgenstelle 1, Kleiner Botanischer Hörsaal (N 11), Beginn: 19.10.

Durch die neuen biologischen und biomedizinischen Technologien sind zahlreiche Handlungsspielräume eröffnet worden, die uns vor eine Reihe ethischer Fragen stellen. Diese betreffen sowohl den Anfang als auch das Ende des menschlichen Lebens (Fortpflanzungs-, Intensiv- und Transplantationsmedizin), aber auch die Eingriffsmöglichkeiten in die genetische Ausstattung von Pflanzen und Tieren zwecks gezielter Herbeiführung bestimmter Resultate (transgene Pflanzen und Tiere, "grüne" und "rote Gentechnik") und in die des Menschen in therapeutischer Absicht. Doch nicht alles, was technisch machbar ist, ist auch ethisch erlaubt oder wünschenswert. In der Vorlesung sollen am Beispiel aktueller Fragestellungen (Embryonenforschung, Organzüchtung, Xenotransplantation, Klonen usw.) mögliche ethische Argumentationsweisen im Umgang mit diesen Technologien vorgestellt werden. In eine bioethische Beurteilung gehen jedoch immer auch naturphilosophische, philosophisch-anthropologische, wissenschaftstheoretische und wissenschaftshistorische Vorannahmen ein, die ebenfalls Gegenstand der Vorlesung sein werden.

Figal: Philosophie der Sprache
Mi 16-18, Hörsaal: Alte Physik, HS, Beginn: 3.11. (ausgefallene Termine werden nachgeholt.)

Sprache ist eines der zentralen Themen in der Philosophie des zwanzigsten Jahrhunderts, so daß es nicht abwegig scheint, diese insgesamt durch eine Hinwendung zur Sprache zu charakterisieren. Doch ist die Entdeckung des Themas "Sprache" in der neueren Philosophie genauer betrachtet eine Wiederentdeckung. Ursprünglich, in der klassischen griechischen Philosophie, hat sich die Frage, was Philosophie sei, nicht ohne eine Reflexion auf die Sprache beantworten lassen. Diesen Impuls des griechischen Denkens möchte ich nun für eine Erörterung der neueren Sprachphilosophie fruchtbar machen. Mich interessiert weniger die Frage, was verschiedene Philosophen zum Phänomen der Sprache zu sagen hatten, als vielmehr, welche Rolle die Erörterung der Sprache für eine Selbstklärung der Philosophie spielt. In diesem Zusammenhang möchte ich vier Konzeptionen vorstellen und diskutieren: die Konzeption Wittgensteins (wobei ich mich auf die späten "Philosophischen Untersuchungen" konzentrieren werde), die Konzeption Cassirers ("Philosophie der symbolischen Formen", Bd. I) sowie die Konzeptionen Heideggers ("Unterwegs zur Sprache") und Gadamers ("Wahrheit und Methode", Teil III). Die Vorlesung wird frei von besonderen Voraussetzungen gehalten, so daß sie auch als Einführung in die Frage nach dem Verhältnis von Philosophie und Sprache gehört werden kann.

Gölz: Kritik der reinen Vernunft:
Kants Erkenntnistheorie und Theologiekritik in ihrer Bedeutung für die gegenwärtige Diskussion
Mo 16-18, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 25.10.

Die Vorlesung bietet zunächst eine Darstellung und Interpretation des Inhalts bzw. des Gedankengangs der Kritik der reinen Vernunft. Bei dem Versuch, die Sache, welche Kant in seiner Begrifflichkeit und Terminologie intendierte, so herauszuarbeiten, wie sie sich in der Sicht von gegenwärtiger Wissenschaft und Philosophie darstellt, werden Schwächen in Kants Argumentationsweise sichtbar, aber ebenso die immense und bleibende Bedeutung dieses erstaunlichen Werks.

Höffe: Geschichte der Philosophie I: Antike und Mittelalter
Di 18-20, Hörsaal: Neue Aula, HS 6, Beginn: 26.10.

Die Vorlesung will einen Einblick und Überblick geben. Sie beginnt mit den griechischen Anfängen ("Vorsokratiker"), behandelt die "Kirchenväter der Philosophie": nach Sokrates/Platon und Aristoteles, geht sie auf die späteren Philosophen und Philosophenschulen ein, um über die Spätantike (z.B. Plotin und Augustinus) zum Früh-, Hoch- und Spätmittelalter zu kommen. In Exkursen werfen wir auch einen Blick auf Indien und China; und das islamische und das jüdische Denken sollen nicht ganz vergessen werden.

Nähere Literaturhinweise in der Vorlesung.

Für einen ersten Einblick:
O. Höffe (Hrsg.) Klassiker der Philosophie, Bd.I: Von den Vorsokratikern bis David Hume, München (Beck) 3-1994, (darin auch Werkausgaben, Hilfsmittel und Sekundärliteratur).

Keuth: Wissenschaftstheorie I
Do 10-12, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 28.10.

Die Vorlesung soll die Grenzen erfahrungswissenschaftlicher Erkenntnis zeigen. Untersucht werden: das Problem der Induktion und die deduktive Hypothesenprüfung, Erklärung, Prognose und die Prüfung von Beobachtungssätzen anhand von Sinneswahrnehmungen.

Schroeder-Heister: Einführung in die Logik
Do 8-10, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 21.10.

Die Logik gehört traditionell zum philosophischen Fächerkanon. Aufgrund ihrer Fortschritte seit G. Freges "Begriffsschrift" (1879) ist ihre Bedeutung für die Philosophie gewachsen. Unbestritten ist die Logik zentrale Grundlage der Philosophie der Mathematik und der Wissenschaftstheorie der Naturwissenschaften. Aber auch für das Studium vieler anderer Bereiche der Philosophie sind Logikkenntnisse unerläßlich. (Beispiel: Ohne zu wissen, was – nach traditioneller und moderner Meinung – ein logisch gültiger Schluß ist, läßt sich die Unterscheidung zwischen synthetischen und analytischen Urteilen und die moderne Diskussion darüber kaum verstehen und verfolgen.)

Themengebiete der Vorlesung sind unter anderen: Formalisierung von Argumenten, Logische Symbolik, Aussagenlogik, Logische Folgerung, Tableaukalküle, Quantorenlogik, Syllogistik. Grundlage ist in wesentlichen Punkten das Skriptum meiner Vorlesung vom WS 1995/96, das über die Philosophie-Internet-Seiten abgerufen werden kann. Die im WS 1998/99 verwendeten Übungsmaterialien können dort ebenfalls eingesehen werden. Weitere Literatur wird in der Vorlesung bekanntgegeben.

Zur Vorlesung finden ergänzende Übungen in Übungsgruppen statt (2 Wochenstunden). Die regelmäßige Teilnahme an einer Übungsgruppe ist obligatorisch. Der benotete Schein wird vergeben aufgrund der Bearbeitung von Aufgabenblättern, die nach jeder Vorlesung ausgegeben werden.

Skript und weitere Materialien zur Vorlesung
Übung zur Vorlesung

Schroeder-Heister: Übung zur Vorlesung
nach Vereinbarung

Einführungsveranstaltung

Koch, D.: Einführung in das Studium der Philosophie
Di 11-13 Uhr, Alte Burse, Raum X, Beginn: 19.10.

Die Einführungsveranstaltung dient der umfassenden Grundorientierung im Philosophiestudium. Sie ist reserviert für Erst- und Zweitsemester im Fach Philosophie.

Aufgabe der Veranstaltung ist es, Kenntnisse zum Studienablauf und zur Studienorganisation zu vermitteln, grundlegende Literatur bekannt zu machen, eine Anleitung zu wissenschaftlichem Arbeiten zu geben, vor allem jedoch in geschichtlich wie systematisch bedeutsame Grundprobleme und Grundbegrifflichkeiten philosophischen Denkens einzuführen. Dies geschieht anhand von Textauszügen zentraler philosophischer Werke von Parmenides bis Heidegger. (Die Textauszüge werden ausgegeben.)

Proseminare

Engels: Grundpositionen der Ethik
Mi 8-10 Uhr, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 20.10.

Die Ethik oder Moralphilosophie gehört zu den ältesten und wichtigsten philosophischen Disziplinen. Sie befaßt sich mit den grundlegenden Wertvoraussetzungen sowie mit den Normen und Prinzipien des moralisch richtigen Handelns und deren Begründbarkeit. Dabei gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher Ansätze, die nicht nur im akademischen Diskurs relevant sind, sondern häufig auch als implizite Voraussetzungen unser Denken und Handeln in Lebenswelt und Wissenschaft bestimmen. Am Beispiel ausgewählter Texte soll in die wichtigsten Positionen der Ethik eingeführt werden.

Bedingung für den Erwerb eines unbenoteten Leistungsnachweises ist ein Seminarvortrag, für den Erwerb eines benoteten Leistungsnachweises eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit.

Literatur:
Birnbacher, Dieter/Norbert Hoerster, Hrsg. (1997): Texte zur Ethik. 10. Aufl. München: dtv.
Höffe, Otfried, Hrsg. (1992): Lexikon der Ethik. 4. neubearb. Aufl. München: Beck.
Rippe, Klaus Peter/Peter Schaber, Hrsg. (1998): Tugendethik. Stuttgart: Reclam.

Figal: Platon, Menon
Di 14-16, Alte Burse, Raum X, Beginn: 2.11. (ausgefallene Termine werden nachgeholt)

Der Dialog "Menon" ist zur Einführung in die Platonische Philosophie außerordentlich gut geeignet. In ihm ist die Entwicklung von philosophischen Fragen am Beispiel der Frage nach der "Tugend" (aretê) besonders anschaulich vorgeführt. Die Arbeit des Proseminars sollte in einer gründlichen Lektüre des Dialogs bestehen. Ich empfehle zur Arbeit und Vorbereitung die Übersetzungen von Friedrich Schleiermacher. Es kann aber auch jede andere Übersetzung benutzt werden.

Grundmann: Wittgenstein – Interpretationskurs II
Di 10-12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 19.10

In diesem Semester werden wir die Philosophischen Untersuchungen und verwandte Schriften lesen.

Neuaufnahmen sind nicht möglich.

Höffe, Merle: Kants Geschichtsphilosophie
Mi 14-16, Alte Burse, Raum X, Beginn: 20.10.

Geschichtsphilosophie ist heute so gut wie ausgestorben; allenfalls gibt es noch eine Wissenschaftstheorie der Geschichtswissenschaften. Wir wollen einerseits eine weniger bekannte Seite Kants, eben sein Geschichtsdenken, studieren. Andererseits prüfen wir, ob eine Philosophie der Geschichte noch sinnvoll sein kann, nicht als naive Fortsetzung der "Zivilreligion der Aufklärung", des Fortschrittdenkens, vielleicht aber als eine aufgeklärte Variante: als Rechtsfortschritt in Richtung auf einen weltbürgerlichen Zustand, d.i. eine globale Rechts- und Friedensordnung.

Weil es zugleich einen Überblick über die verschiedenen Teile des Kantischen Systems geben wird, eignet sich das Proseminar auch gut für Anfänger. Für einen benoteten Schein ist ein Kurzreferat erforderlich, das zu einer Hausarbeit ausgearbeitet wird; bloße Teilnehmer schreiben ein Protokoll.

Ab Ende des Sommersemesters liegt eine Referatsliste vor.

Texte:
Idee zu einer Geschichte in weltbürgerlicher Absicht; Mutmaßlicher Anfang der Menschengeschichte; Zum ewigen Frieden, v.a. Erster Zusatz: Von der Garantie des ewigen Friedens. Evtl. auch: Der Streit der Fakultäten, 2. Abschnitt ...: Ob das menschliche Geschlecht im beständigen Fortschreiten zum Besseren sei.
Ausgaben: Akademie Textausgabe Bd. VIII, "Der Streit ...": Bd. VII Berlin (de Gruyter) 1968; oder in: Werke, hrsg. v. W. Weischedel, in sechs Bänden (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) bzw. in zwölf (Halb-)Bänden (Suhrkamp).
Zur Einführung in Kant:
O. Höffe, Immanuel Kant, München (Beck) 4-1996 (bes. Kap. 11).
Literatur:
K. Weyand: Kants Geschichtsphilosophie. Ihre Entwicklung und ihr Verhältnis zur Aufklärung, Köln 1963.
M. Riedel: Urteilskraft und Vernunft, Frankfurt a.M. 1989, Teil III.

Hofmann: Die Philosophie Bertrand Russells
Do 18-20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 28.10.

Bertrand Russell gehört zu den Schlüsselfiguren in der Philosophie des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Ansätze, die er zu verschiedensten Fragestellungen entworfen hat, bestimmen noch heute ganz maßgeblich Diskussionen in der Sprachphilosophie, der Philosophie des Geistes und der Metaphysik. Diese Bereiche hat Russell auf systematische Weise zu einem kohärenten Ganzen zusammenzufügen versucht, das durch Klarheit, Folgerichtigkeit und auch Anschaulichkeit besticht. Als Ergebnis seiner Bemühungen galt Russell (für eine lange Zeit wenigstens) die Position des ‚Logischen Atomismus‘.

Wir wollen uns in diesem Proseminar die Grundzüge von Russells Philosophie aneignen, die er in seiner Arbeit "Die Philosophie des Logischen Atomismus" bündig und systematisch vorgestellt hat. Russell entwickelt darin seine Position von Anfang an und erklärt seine Begrifflichkeit von Grund auf. Daher sind seine Überlegungen auch sehr gut für Anfänger(innen) zugänglich und verständlich. Russell erläutert u.a., was er unter Einzeldingen, Eigenschaften und Tatsachen versteht und wie man über sie sprechen kann. Er entwickelt dann eine dazu passende Erkenntnis-theorie. Dabei geht er von einem – zuerst ganz plausibel klingenden – empiristischen Skrupel aus: Erkenntnis besteht zunächst nur von dem, was in der Erfahrung gegeben ist. Was aber ist in der Erfahrung gegeben? Durch eine konsequente Analyse gelangt Russell hier nun zu der erstaunlichen Ansicht, daß es auf jeden Fall nicht die uns vertrauten Alltagsdinge wie Tische, Wachs oder Personen sind, sondern nur ein spärliches Destillat von sinnlichem Material, die sog. ‚Sinnesdaten‘. Dieses reicht aber leider nicht aus, um die Ansprüche der alltäglichen Erfahrung einzuholen, so daß schließlich nur eine radikale Revision unserer Sicht von der Welt und unserer Erfahrung von ihr übrigbleibt. Wir werden Russells Gedankengang nachzuvollziehen und kritisch zu beurteilen versuchen.

Das Proseminar richtet sich besonders an Neueinsteiger(innen) in der Philosophie. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Scheinerwerb: Klausur, schriftlich ausgearbeitetes Referat oder Hausarbeit für benotete Scheine.

Literatur:
Russell, Bertrand, "Philosophie des logischen Atomismus", in: Bertrand Russell: Die Philosophie des Logischen Atomismus, ausgewählt, übersetzt und eingeleitet von J. Sinnreich, München, Nymphenburger Verlagsbuchhandlung, 1976.
Englischer Originaltext:
Russell, Bertrand, "The Philosophy of Logical Atomism", in: Bertrand Russell, Logic and Knowledge, London, George Allen & Unwin Ltd., 1956.

Keuth: Wissenschaftlicher Humanismus. Zur Moral- und Rechtsphilosophie des logischen Empirismus
Do 14-16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 28.10.

Der logische Empirismus lehrt, daß alles Tatsachenwissen fehlbar ist, und kritisiert herkömmliche philosophische wie theologische Moralbegründungen. Die meisten seiner Anhänger halten eine kognitive Ethik für unmöglich. Darauf reagierte die Frankfurter Schule mit dem Schlagwort von der ‘positivistisch halbierten Rationalität’. Dabei wird gern übersehen, daß Mitglieder des ‘Wiener Kreises’ und des ‘Verein Ernst Mach’ nicht nur Metaethik trieben, sondern sich auch mit ethischen und politischen Problemen auseinandersetzten. Auch David Hume, der den klassischen Empirismus vollendete, hat über Ethik geschrieben. Im Zentrum des Seminars werden Aufsätze aus den Jahren 1927-1940 von Moritz Schlick, Rudolf Carnap, Karl Menger, Felix Kaufmann, Béla von Juhos, Walter Dubislav, Victor Kraft, Joergen Joergensen, Friedrich Waismann und Richard von Mises stehen.

Bedingung für einen benoteten Schein: Referat

Literatur:
Eric Hilgendorf, Hg., Wissenschaftlicher Humanismus. Texte zur Moral- und Rechtsphilosophie des frühen logischen Empirismus, Haufe Verlagsgruppe, Freiburg, Berlin, München 1998.
Viktor Kraft, Die Grundlagen der Erkenntnis und der Moral, Duncker & Humblot, Berlin 1968.
David Hume, Untersuchungen über die Prinzipien der Moral.

Koch, A.F.: Aristoteles, De Anima – Interpretationskurs II
Di 16-18, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 19.10.

In dem Interpretationskurs werden ausgewählte Passagen aus den drei Büchern der Aristotelischen Schrift "Über die Seele" interpretiert. Im ersten Teil des Kurses im vergangenen Sommersemester wurden die Bücher I und II auszugsweise behandelt; für den zweiten Teil sind nunmehr die Kapitel 1-8 des dritten Buches vorgesehen. Literatur zum Seminar findet sich im Handapparat in der Bibliothek. Teilnahmebedingung ist, wie gehabt, die Bereitschaft, ein Stundenprotokoll und ein Textreferat zu übernehmen. Benoteter Schein: jeweils eine Hausarbeit pro Semester (eine der beiden Hausarbeiten kann durch ein Referat plus Protokoll ersetzt werden).

Koch, D.: Fragmente der Vorsokratiker – Lektürekurs für Erst- und Zweitsemester
Di 9-11, Alte Burse, Raum X, Beginn: 19.10.
In der ersten Sitzung findet eine Vorbesprechung statt.

Der Umgang mit philosophischen Schriften bedarf bestimmter "handwerklicher" Voraussetzungen: Die Fähigkeit eines begrifflich genauen Lesens, das Vermögen, die spezifische Problemstellung eines Textes herauszupräparieren, die Beherrschung der charakteristischen Begrifflichkeit eines Autors, zudem die stete Beachtung der Differenz von Textauslegung und eigener Sachinterpretation und anderes mehr.

Der Lektürekurs für Erstsemester will über die Demonstration dieser Umgangsweisen hinaus anhand der überlieferten Fragmente von Parmenides, Heraklit, Anaximander und einiger Zeugnisse von pythagoreischen Denkern – im Blick auf den geschichtlichen Anfang des abendländischen Philosophierens – in die Eigenart und in den Reichtum philosophischer Probleme und philosophischen Denkens einführen.
Die Veranstaltung ist ausschließlich für Erst- und Zweitsemester im Studienfach Philosophie bestimmt, Studierende in einem höheren Fachsemester können keine Aufnahme finden. Griechischkenntnisse sind nicht vorausgesetzt

Leistungsnachweise für einen unbenoteten Schein: Übernahme eines Literaturberichts, eines Protokolls (Umfang jeweils 2 – 3 Seiten) oder die mündliche Einführung in eine Textpassage; eine Vorschlagsliste wird zu Beginn des Semesters ausgegeben.
Leistungsnachweis für einen benoteten Schein: Hausarbeit (Höchstumfang: 15 Seiten; Abgabetermin: bis 31.03.2000); eine Vorschlagsliste wird zu Beginn des Semesters ausgegeben.

Textgrundlage für das Seminar
Heraklit. Fragmente. Griechisch und deutsch. Hrsg. von Bruno Snell, München/Zürich 1989.
Parmenides. Text, Übersetzung, Einführung und Interpretation von Kurt Riezler. Frankfurt a.M.1970.
Die Vorsokratiker I. Griechisch und deutsch. Übersetzung von Jaap Mansfeld. Stuttgart 1983.

Merle, Pinzani: Theorien des gerechten Kriegs
Di 16-18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 19.10.

In der universalistischen Tradition des Naturrechts seit Cicero und Thomas v. Aquin wird die Gerechtigkeit immer als das Ideal eines dauerhaft friedlichen Zustands gedacht. Wenn aber Krieg oder Ungerechtigkeit in der Wirklichkeit herrscht, läßt sich ein solcher Zustand nicht immer auf einem friedlichen Weg erreichen. Dadurch wird der Krieg nicht nur gerechtfertigt, sondern zugleich auch normativen Beschränkungen unterworfen. Die zahlreichen Theorien des gerechten Kriegs setzen der Kriegserklärung und den im Kriege einzusetzenden Mitteln klare Grenzen und – spätestens seit Kant – Bedingungen für einen möglichst baldigen und gerechten Frieden. Noch heute wird die normative Reflexion über den Krieg - etwa bei Walzer, Rawls und Habermas - in demselben naturrechtlichen Rahmen geführt.

Ein Reader der einschlägigen Schriften wird zu Semesterbeginn erhältlich sein. Zum Erwerb eines benoteten Scheins sind ein kurzes Referat und eine Hausarbeit erforderlich.

Mirbach: Baumgarten, Aesthetica
Fr 10-12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 22.10.

Alexander Gottlieb Baumgarten (1714-1762) gilt als der Begründer der Ästhetik als eigenständiger wissenschaftlicher Disziplin in der Philosophie des 18. Jahrhunderts. In seiner unvollendet gebliebenen Aesthetica von 1750/58 bestimmt er die Schönheit als "perfectio phaenomenon", als denjenigen Aspekt der metaphysischen Vollkommenheit eines Seienden, der gerade nicht mit den ‘oberen’ Erkenntnisvermögen in der logischen Analyse, sondern nur mittels der – autonom gedachten – ‘unteren’, sinnlichen Erkenntnis faßbar ist. Baumgarten verbindet damit in seiner Ästhetik 1) eine metaphysisch begründete Lehre vom Schönen 2) mit einer Erkenntnistheorie, die einerseits den ‘Rationalismus’ Leibniz’ und Wolffs voraussetzt, andererseits auch Forderungen der ‘empiristischen’ Philosophie angelsächsischer Provenienz aufnimmt, und er verbindet dies 3) mit einer Kunsttheorie, indem er Ästhetik nicht nur als Wissenschaft der in jedem Menschen angelegten "ars pulchre cogitandi" ("der Kunst, schön zu denken), sondern auch als Wissenschaft der "ars pulchre proponendi" (der Kunst, schön darzustellen") betrachtet.
Im Seminar wollen wir uns im Rekurs auf Baumgartens Meditationes (1735) und die ‘Psychologia empirica’ in der Metaphysica (1739) mit einigen zentralen Abschnitten aus der – bis heute nur teilweise übersetzten – Aesthetica auseinandersetzen, wobei dies gleichzeitig sowohl die Möglichkeit eines ‘Einstiegs’ in die Probleme der philosophischen Ästhetik, als auch in die Philosophie des 18. Jahrhunderts bieten soll.

Benoteter Schein: Schriftliche Ausarbeitung eines Sitzungsprotokolls oder Referats oder Hausarbeit.

Text:
Alexander Gottlieb Baumgarten: Theoretische Ästhetik. Die grundlegenden Abschnitte aus der ‘Aesthetica’ (1750/58). Übersetzt und herausgegeben von Hans Rudolf Schweizer. Lateinisch - Deutsch. Hamburg: Meiner, 2. durchges. Auflage 1988 (Philosophische Bibliothek Bd. 355).

Rapp: Einführung in die Ontologie
Fr 10-12, Alte Burse, Raum X, Beginn: 22.10.

Kommentar zur Veranstaltung: siehe Aushang.

Schick: John Locke, Versuch über den menschlichen Verstand und Gottfried Wilhelm Leibniz, Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand – Interpretationskurs I
Di 18-20, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 19.10.

Leibniz’ 1701-1704 entstandene Nouveaux Essais folgen Schritt für Schritt dem Gang von Lockes 1690 erschienenem Essay Concerning Human Understanding, um anhand dieses Leitfadens Leibniz’ eigene Position vorzustellen und in kritischer Reflexion auf die Lockeschen Vorgaben zu begründen. Dank ihres symmetrisches Baues eignen sich beide Werke besonders gut dafür, in paralleler Lektüre Gemeinsamkeiten und Unterschiede empiristischer und rationalistischer Optionen verstehen und beurteilen zu lernen.
Eine grundlegende Differenz in beider Erkenntnistheorie tritt dabei schon im jeweils ersten Buch zutage: Während Locke die Annahme eingeborener, d.h. erfahrungsunabhängiger oder apriorischer Ideen und Prinzipien verwirft, sucht Leibniz diese nicht nur gegen Locke zu verteidigen, sondern auch als Implikation von Lockes eigener Position zu erweisen.

Neben dieser Grundlagendiskussion werden wir in diesem Semester in Auszügen das jeweils zweite Buch kennenlernen, worin Locke bzw. Leibniz nun bestimmte Grundideen ihrer Genese und ihrem Gehalt nach behandeln. Inhaltliche Schwerpunkte werden dabei die Ideen von Modus und Substanz, der Kraft, von Identität und Differenz und die Idee personaler Identität bilden.

Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

Benoteter Schein: Zwei der folgenden Leistungen: mündliches Referat, schriftliche Hausarbeit, Klausur.

Texte:
John Locke: Versuch über den menschlichen Verstand, Band I (Buch I und II), übersetzt von C. Winckler, 3. Auflage Hamburg (Meiner) 1981.
G.W. Leibniz: Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand (französisch und deutsch), G.W. Leibniz Philosophische Schriften Band 3.1, herausgegeben und übersetzt von Wolf von Engelhardt und Hans Heinz Holz, Frankfurt a. M. (Suhrkamp) 1996.

Schmidt: René Descartes, Meditationes de prima philosophia
Mi 12-14, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn:20.10

Descartes hat mit seinen Meditationen von 1641 einen Text vorgelegt, der bis heute die philosophische Reflexion immer wieder herausgefordert hat. Descartes nimmt in diesem Werk zunächst eine Haltung radikalen Zweifelns ein, macht dann aber geltend, daß selbst ein äußerster Skeptizismus nicht die fundamentale Wahrheit, daß ich denke und daß ich existiere, in Frage stellen kann: cogito ergo sum. Ausgehend von dieser Gewißheit versucht Descartes nun, zunächst die Existenz Gottes zu beweisen, dann das Wesen der Körper zu bestimmen und schließlich ihre Existenz zu beweisen. Auf der Basis dieser Argumente entwickelt Descartes eine dualistische Position, nach der Körper und Geist realiter voneinander unterschiedene Substanzen sind. Im Seminar soll dieser grundlegende Text kontinuierlich gelesen und interpretiert werden.

Scheinerwerb: Hausarbeit

Text:
René Descartes: Meditationes de prima philosophia, Hamburg: Meiner, 1977 (zweisprachig).

Schmidt: G.W.F. Hegel, Phänomenologie des Geistes – Interpretationskurs II
Fr 14-16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 22.10.

Im zweiten Teil des Interpretationskurses werden wir uns besonders mit dem Kapitel "Selbstbewußtsein" beschäftigen, das unter anderem Hegels berühmte Ausführungen zu ‘Herrschaft und Knechtschaft’ und zum ‘unglücklichen Bewußtsein’ enthält, sowie mit einer Auswahl späterer Passagen der Phänomenologie.

Scheinerwerb: für den gesamten Interpretationskurs zwei Leistungsnachweise durch Hausarbeit oder Referat.

Steinmann: Nietzsches Begriff des Willens zur Macht
Do 18-20, Alte Burse, Konferenzraum: 28.10.

Mit dem Begriff des Willens zur Macht stellt sich Nietzsche in die Tradition der Metaphysik, denn er verkörpert den Anspruch, den Gesamtbereich theoretischer und praktischer Philosophie von einem Grundprinzip aus neu zu durchdenken. Daraus folgt zum einen, daß man den Begriff auf verschiedenen Ebenen diskutieren muß, als ontologisches, naturphilosophisches und ethisches Prinzip. Zum anderen folgt daraus, daß man ihn methodisch als Prinzip der Philosophie selbst zu deuten hat, insofern die Theorie des Willens zur Macht ihrerseits als Ausdruck des Willens zur Macht – und das heißt unter anderem: als Interpretation – aufzufassen ist. Die metaphysische Dimension kann von Nietzsche so nur vor dem Hintergrund der kritischen Befragung dogmatischer Positionen eingenommen werden. Was in diesem Sinn die Rede von "Prinzipien" bedeutet, wird das Seminar zu klären haben.

Wir werden uns die verschiedenen Aspekte des Begriffs durch die gründliche Lektüre einzelner, weniger Textstellen erschließen. Die Textbasis bildet die Kritische Studienausgabe; also nicht das philologisch überholte Nachlaßkompilat mit dem Titel "Der Wille zur Macht". Zur Anschaffung auf jeden Fall empfohlen sind die Bände 4 (Also sprach Zarathustra) und 5 (Jenseits von Gut und Böse/Zur Genealogie der Moral). Weitere Textstellen werden im Seminar angegeben.

Benotete Scheine werden für schriftliche Hausarbeiten bzw. schriftlich ausgearbeitete Referate vergeben.

Text:
Friedrich Nietzsche, Sämtliche Werke, Kritische Studienausgabe. Hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari, München/Berlin/New York 21988.

Waibel: Kausalität, Hume oder Kant?
Do 16-18, Alte Burse, Konferenzraum; Beginn: 28.10.

Ein zentrales Problem moderner Erkenntnistheorie ist im Blick auf die Naturwissenschaften in der Bestimmung des Begriffs der Kausalität gegeben. Zwei grundsätzlich unterschiedene Paradigmen seiner Erklärung in der Neuzeit liegen in Humes skeptisch empiristischem und Kants kritisch apriorischem Ansatz vor. Im Seminar wollen wir die gegensätzlichen Standpunkte erarbeiten und nach ihrer möglichen Perspektive für die gegenwärtige Diskussion befragen.

Benoteter Schein: Kurzreferat als Vorbereitung einer Sitzung und Hausarbeit (10-15 Seiten).

Textgrundlage:
David Hume, Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand (Abschnitt III bis VIII).
Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft (vor allem Analogien der Erfahrung u.a. Textpassagen).
ders., Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik (ausgewählte Textpassagen).
Literatur zur Einführung:
Beck, Lewis W. 1982: Hume und Kant. Interpretation und Diskussion, Freiburg/München.
Höffe, Otfried 1996: Immanuel Kant, München.
Kulenkampff, Jens 1989: David Hume, München.
Mohr, Georg und Willaschek, Markus 1998: Immanuel Kant. Kritik der reinen Vernunft. Klassiker Auslegen, 17/18, Berlin.
Thöle, Bernhard 1991: Kant und das Problem der Gesetzmäßigkeit der Natur, Berlin.

Wimmer: Platon, Die frühen Dialoge – Interpretationskurs I
Do 8.30-12, 14-täglich, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 28.10.
Termine: 28.10., 04.11., 18.11., 02.12., 16.12., 13.01., 27.01., 10.02.

Im ersten Teil dieses Kurses zur Interpretaion des frühen Platon werden jene Schriften und Dialoge behandelt, die sich um den Tod des Sokrates bewegen: die Apologie des Sokrates sowie die Dialoge ‘Etyphron’, ‘Kriton’ und ‘Phaidon’.

Scheinvergabe: Klausur oder Prüfungsgespräch im WS 1999/2000, Hausarbeit im SS 2000.

Seminare

Brachtendorf/Löffler: Rationalität und Religion. Neuere Tendenzen der analytischen Religionsphilosophie - Kompaktseminar
Einführung und Vorbesprechung: 26.10.1999, 16.30-19 Uhr, Alte Burse, Raum 308, Termine: 20.01.- 21.01.2000, 16.30-19; 31.01.- 04.02.2000, 16.30-19 Uhr

Inhalt und Ziel: Nach den generell eher kritischen Anfragen der 40er bis 70er Jahre ist in jüngerer Zeit eine massive Renaissance religionsphilosophischer Fragestellungen innerhalb der analytischen Philosophie zu beobachten, wobei viele Autoren - auf verschiedensten Wegen - ausdrücklich versuchen, die eigentümliche Art der Rationalität religiöser Überzeugungen zu begründen bzw. zu verteidigen. Ziel des Seminars ist es, mit möglichst wenig an technischen Voraussetzungen einige dieser Ansätze kennenzulernen. Es soll dabei aber nicht nur um ein Stück jünster Philosophiegeschichte gehen, vielmehr sollen diese Ansätze kritisch auf ihre Tragfähigkeit für die Explikation der Rationalität religiöser Überzeugungen, sowie auf ihre Fruchtbarkeit für theologische Fragestellungen hin untersucht werden.

Art der Durchführung: Die TeilnehmerInnen halten Referate zu den in der erstens Sitzung verteilten Themen. Sollten mehr TeilnehmerInnen vorhanden sein als Referatszeitfenster, hält der Seminarleiter weitere Literaturgrundlagen zu den einzelnen Themenbereichen bereit; in diesem Fall werden thematisch ähnliche Beiträge möglichst in Form von Kurzreferaten vorgestellt. Grundsätzlich ist für einen benoteten Seminarschein Referat, mündliche Mitarbeit und schriftliche Fassung des Referats erforderlich. Wer aus Zeitgründen jedoch nicht zum mündlichen Vortrag kommt, dem soll dadurch kein Nachteil erwachsen.

Literatur: Zur allgemeinen Orientierung sind besonders nützlich:
Christoph Jäger (Hg.), Analytische Religionsphilosophie, Paderborn 1998.
John L. Mackie, Das Wunder des Theismus, Stuttgart 1985.
Otto Muck, Zur Logik der Rede von Gott, in ZKTh 89 (1967), 1-28 (abgedruckt auch in: ders., Rationalität und Weltanschauung. Innsbruck-Wien 1999, 14-44).
Ders., Philosophische Gotteslehre, Düsseldorf ²1990 (besonders Kap. 4).

Winfried Löffler lehrt am Institut für Christliche Philosophie der Universität Innsbruck. Er ist über e-mail erreichbar unter: Winfried.Loefflerspam prevention@uibk.ac.at.
Die Lehrveranstaltung wird über das SOCRATES-Programm der EU unterstützt.

Braun: Herbert Marcuse: Kritische Theorie der Gesellschaft – Kompaktseminar
Heinrich-Fabri-Haus, Auf dem Rucken 35, 89143 Blaubeuren, Tel.: 07344/4529
Vorbesprechung: 26.10.1999, 15 Uhr, Alte Burse, Raum 308, Termin: 04.02.- 06.02.2000

Herbert Marcuse war neben Alfred Pollock und Theodor W. Adorno einer der engsten Mitarbeiter des Instituts für Sozialforschung unter dem Direktorium Max Horkheimers. ‘Kritische Theorie’ – das war in den Dreißiger Jahren schlicht ein Tarnname für "Marxismus". In der Nachkriegszeit stieg sie auf zum Markenzeichen der "Frankfurter Schule": "die kritische Theorie der Gesellschaft" als Schibboleth menschlicher Emanzipation. Die Studentenrevolte der 68er-Zeit machte ihn zum Sprachrohr ihrer Forderungen. Er war der erste "Heidegger-Marxist", der ‘Sein und Zeit’, der Heideggers ingeniöses, indes antidemokratisches System-Projekt praktisch-revolutiönar demokratisierte. In den USA machte er sich für den SDS – "students for a democratic society" – stark.
Zwei Werke aus der amerikanischen Zeit kommen zur Sprache: die gesellschaftskritische Analyse Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft und die psychoanalytische Studie Triebstruktur und Gesellschaft. Ein philosophischer Beitrag zu Sigmund Freud.
Absicht des Wochenendseminars ist es, am Modell der beiden sich ergänzenden Werke Einblick in die kritische Philosophie Herbert Marcuses zu gewinnen: der Mensch ist ein Wesen, das zwei Dimensionen braucht; sein Wesen geht nicht auf in dem, was ist; wird er auf das Bestehende reduziert, so bringt er sich selbst um sein Bestes: das Versprechen auf Glück.

Referate haben die Funktion, die Debatten des Seminars in Form von Thesen zu beleben. Auch Hausarbeiten sind willkommen. Zwei Arten von Beiträgen kommen in Frage: zum einen wichtige Teile wie etwa in Der eindimensionale Mensch: ‘die eindimensionale Gesellschaft’, ‘das eindimensionale Denken’, ‘die Chancen der Alternativen’ und in Triebstruktur und Gesellschaft ‘der Ursprung des unterdrückten Individuums’, ‘Ursprung und Dialektik der Kultur’, ‘geschichtliche Einschränkung des repressiven Realitätsprinzips’, ‘utopische ästhetische Phantasien’ und anderes mehr und zum anderen kontrastierende Vergleiche Marcuses mit Heideggers Sein und Zeit, mit Wilhelm Dilthey, mit Hegel, mit Erich Fromm und anderen psychoanalytischen Theorien.

Text:
Herbert Marcuse: Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft, dtv München 1994, 2. Auflage 1998, DM 19,90.
Ders.: Triebstruktur und Gesellschaft. Ein philosophischer Beitrag zu Sigmund Freud, Bibliothek Suhrkamp Frankfurt/Main 1965, 17. Auflage 1995, DM 24,80.
Literatur:
Bücher:

Hauke Brunkhorst/Gertrud Koch: Herbert Marcuse zur Einführung, Junius Verlag Hamburg 1987.
Douglas Kellner: Herbert Marcuse and the Crisis of Marxism, MacMillan Êducation Ltd 1984.
Paul Mattick: Kritik an Herbert Marcuse. Der eindimensionale Mensch in der Klassengesellschaft, EVA Frankfurt/Main 1969.
Jóhann Páll Árnasson: Von Marcuse zu Marx, Luchterhand Verlag Neuwied u. Berlin 1971.
Eberhard Braun: ‘Aufhebung der Philosophie’. Marx und die Folgen, Metzler Verlag Stuttgart u. Weimar 1992, Zweiter Teil: Die Folgen, II.: Kritische Theorien, 2.: Philosophie und Kritische Theorie: Herbert Marcuse, S. 228-262.
Sammlungen:
Gvozden Flego/Wolfdietrich Schmied-Kowarzik (Hrsg.): Herbert Marcuse – Eros und Emanzipation. Marcuse-Symposion 1988 in Dubrovnik, Germinal Verlag Gießen 1989.

Engels: Was bedeutet "Risiko"? Beiträge zur interdisziplinären Risikoforschung
Do 16-18, Zentrum für Ethik in den Wissenschaften, Konferenzraum, Keplerstr. 17, oberste Etage links, Beginn: 28.10.

Der Begriff des Risikos nimmt einen zentralen Stellenwert in der Technikfolgenabschätzung und in den ethischen Diskussionen um neue Technologien ein. Dabei hat sich der Schwerpunkt der Debatten in den letzten Jahrzehnten von der Kernenergie zu den biomedizinischen Technologien (Bio- und Gentechnologie, Reproduktions- und Transplantationsmedizin) hin verlagert. Es wird befürchtet, daß mit diesen das Risiko irreversibler Schädigungen für die heute Lebenden und für zukünftige Generationen verbunden ist oder daß ihre Anwendung unser Natur- und Menschenbild auf negative Weise verändern wird. Häufig ist jedoch die tatsächliche Höhe der mit diesen Technologien verbundenen Risiken schwer quantifizierbar, da Erfahrungswerte fehlen. In die Risikoeinschätzung gehen daher die Momente der Unsicherheit und Ungewißheit mit ein. Außerdem beinhaltet jede Risikoeinschätzung immer eine individuell und sozial geprägte Bewertung, die von zahlreichen Faktoren abhängt. Inzwischen hat sich eine interdisziplinäre Risikoforschung etabliert, in der Risikobegriff und -beurteilung aus der Perspektive unterschiedlicher Disziplinen thematisiert werden und deren Ziel unter anderem darin besteht, die Lücke zwischen objektiver Bestimmbarkeit und subjektiver Wahrnehmung von Risiken zu schließen. Im Seminar werden ausgewählte Texte diskutiert.

Bedingung für den Erwerb eines unbenoteten Leistungsnachweises ist ein Seminarvortrag, für den Erwerb eines benoteten Leistungsnachweises eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit. Die Literatur wird zu Beginn des Semesters bekanntgegeben.

Zur Einführung wird empfohlen:
Gerhard Banse/Gotthard Bechmann (1998): Interdisziplinäre Risikoforschung. Eine Bibliographie. Opladen, Wiesbaden: Westdeutscher Verlag, Kap. 1, S. 7-70.

Figal: Gadamer, Wahrheit und Methode
Do 16-18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 4.11. (augefallene Termine werden nachgeholt)

Hans-Georg Gadamers philosophisches Hauptwerk ist zugleich eines der wichtigsten Bücher der europäischen Philosophie in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts. Die Konzeption, wie Gadamer sie hier entwickelt, ist weltweit von großer Wirkung gewesen. Gadamer hat die wissenschaftstheoretischen Überlegungen Diltheys und die daseinsanalytischen Bemerkungen Heideggers zur Hermeneutik in einem systematischen Zusammenhang ausgearbeitet und so erst dem Programm einer "philosophischen Hermeneutik" Kontur und Prominenz verschafft. Die Folge war, daß philosophische Hermeneutik, also eine am Begriff des Verstehens orientierte Philosophie, mehr oder weniger mit der Gadamerschen Konzeption identifiziert wurde. Allein das macht die Auseinandersetzung mit Gadamers Buch interessant. Nicht weniger interessant ist allerdings die Frage nach den Besonderheiten und Grenzen von Gadamers Entwurf. Durch ihre Beantwortung könnte man sich allgemein ein klareres Bild von den Möglichkeiten einer hermeneutischen Philosophie verschaffen.

Scheinvergabe: Hausarbeit.

Lektüre:
Die ersten beiden Bände von Gadamers "Gesammelten Werken", die auch als Studienausgabe erhältlich sind.

Frank/Grundmann: Begründung und Rechtfertigung in der analytischen Epistemologie II
Mi 18-20, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 20.10.

Nachdem wir uns im SS mit erkenntnistheoretischen Texten der Antike, der frühen Neuzeit und aus dem Umkreis des deutschen Idealismus beschäftigt haben, werden wir uns nun Positionen des 19. und 20. Jahrhunderts (vor allem der analytischen Erkenntnistheorie) zuwenden (u.A. Reid, Schlick, Neurath, Wittgenstein, Chisholm, BonJour us.). Im Mittelpunkt werden weiterhin das Regreßproblem der Rechtfertigung und Lösungstrategien stehen.

Neuaufnahmen sind nur nach vorheriger Anmeldung möglich.
Scheinbedingung: Referat und Hausarbeit.

Literatur: Zur systematischen Einführung empfehlen wir besonders:
J. Greco/E. Sosa, The Blackwell Guide to Epistemology, Oxford 1999 (besonders die Texte von Williams und BonJour).
L. BonJour, The Structure of Empirical Knowledge, Cambridge 1985.

Frank: Schleiermachers Dialektik (1822)
Di 14-16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 19.10.

Während Schleiermachers frühromantische Freunde, allen voran Friedrich Schlegel, hochfliegende Pläne und geniale Gedankenblitze hatten, sehen wir einzig Schleiermacher auf dem mühsamen Weg zu einem gediegenen und systemartig abgerundeten Werk über das Grundverfahren der Philosophie, das er (mit Platon, aber in Abgrenzung von Fichte, Hegel und allen Varietäten der 'Grundsatzphilosophie') ‘Dialektik’ nennt. Auch dieser Weg blieb – gut romantisch – unabgeschlossen, was zu Schleiermachers These paßt, daß auch über die Prinzipien des Wissens nur annähernde Einigung erzielt, Vollendung nicht erreicht, der Streit also nie beendet werden könne.

Als Textbasis schlage ich vor: Friedrich Schleiermachers Dialektik. Im Auftrage der Preußischen Akademie der Wissenschaften auf Grund bisher unveröffentlichten Materials hg. von Rudolf Odebrecht, Leipzig 1942 (nachgedruckt bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt; das Werk scheint vergriffen, so daß wir womöglich mit einer Kopie arbeiten müssen).

Basale (auch philologisch lehrreiche) Einführungen liefern die beiden von Andreas Arndt in Meiners "Philosophischer Bibliothek" (Nr. 386/7) veröffentlichten Handschriften zu den Dialektik-Vorlesungen von 1811 und 1815/15. Dort finden sich auch ausführliche, auf den neuen Stand gebrachte Bibliographien. Die ernsthafte Forschung beginnt eigentlich erst mit Falk Wagners Habilschrift von 1974; dies Datum empfehle ich bei der Auswahl der Sekundärliteratur als terminus a quo; sie ist dann nicht mehr unüberschaubar.

Scheine werden vergeben für die später schriftlich auszuarbeitende Präsentation eines Thesenpapiers zur Einführung in die jeweilige Sitzung.

Hägler: Willensfreiheit Kompaktseminar
Vorbesprechung: 28.10., 20 Uhr, Raum 308, Termin: siehe Aushang

Das alte Problem der Willensfreiheit mag eine Frage sein, die nicht lösbar ist und wenig mit dem zu tun hat, wofür Menschen zu allen Zeiten im Namen der Freiheit gekämpft haben. Gleichwohl gibt es kaum ein philosophisches Problem, das nicht nur Fachphilosophen mehr beunruhigt hätte als dieses. Doch vielleicht fürchten wir uns nur vor Gespenstern!
Dabei besteht typischerweise nicht einmal Einigkeit darüber, wie das Problem der Willensfreiheit angemessen zu formulieren ist und welche Konsequenzen aus der einen oder anderen Antwort drohen. Selbst elementare Fragen im Zusammenhang mit unserer Rede von "N.N. hätte anders handeln können", "N.N. hätte so handeln sollen" etc. sind umstritten. Was meinen wir eigentlich, wenn wir so reden? Sind moralische Normen und rechtliche Sanktionen sinnlos, falls die Deterministen recht hätten? Löst die Annahme von Zufall oder Kontingenz das Problem?

Wir wollen uns im Kompaktseminar um einen nüchternen Zugang zu diesem Fragenkomplex bemühen. Neben einer Literaturliste soll in der Vorbesprechung zu Semesterbeginn auch ein ‘Reader‘ mit klassischen Texten verteilt werden.
Teilnahmevoraussetzungen: die Bereitschaft, ein Referat zu übernehmen oder ein Thema vorzubereiten.
Scheine können durch ausgearbeitetes Referat oder Hausarbeiten erworben werden.

Literatur zur Einführung:
Nagel, Th., Was bedeutet das alles? Kap. 6.
Dennett, D.C., Ellenbogenfreiheit.
Watson (ed.), Free Will.

Höffe: Aristoteles, Politik
Mi 16-18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 20.10.

Aristoteles’ Politik ist ein Meisterwerk politischer Wissenschaft, das zu recht bis heute nicht bloß von Philosophen, Philologen und Althistorikern, sondern auch von Rechts- und Staatstheoretikern, Politikwissenschaftlern, selbst empirisch orientierten Sozialwissenschaftlern studiert wird.

Wir wollen uns möglichst den ganzen Text erarbeiten. Um durch andere Fachleute angeregt zu werden, findet im Rahmen des Seminars ein internationales Symposium zu Aristoteles' Politik statt. Griechisch-Kenntnisse sind willkommen, aber nicht obligatorisch.
Für einen benoteten Schein hält man ein Referat, das zu einer Hausarbeit ausgearbeitet wird; bloße Teilnehmer schreiben ein Protokoll. Ab Ende des Sommersemesters liegt eine Literatur- und Referatsliste vor.

Textgrundlage:
Aristoteles, Politik, übers. v. O. Gigon, Deutscher Taschenbuch Verlag 21973; Aristoteles, Politik, übers. v. F. Susemihl, Reinbek (bei Hamburg): Rowohlt 2-1994.
Zur Einführung in Aristoteles’ Denken:
O. Höffe., Aristoteles, München (Beck, 2-1999, bes. Teil IV).

Hofmann: Begriffe
Di 18-20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 19.10.

Wenn wir sprachliche Äußerungen verstehen, dann 'begreifen' wir etwas - wir erfassen ihren Sinn mittels Begriffen, über die wir verfügen. Was aber sind Begriffe? Zwei Charakteristika sind naheliegend: Erstens hat ein Begriff ein intentionales Objekt, nämlich das, von dem er ein Begriff ist, wie wir auch sagen. Ein Katzen-Begriff ist ein Begriff von Katzen, ein Begriff, der Katzen als intentionales Objekt hat, und ein Sokrates-Begriff ist ein Begriff von Sokrates, ein Begriff, der Sokrates als intentionales Objekts hat. Zweites weisen Begriffe bestimmte, von Begriff zu Begriff verschiedene Verbindungen zu Wahrnehmungen, anderen Begriffen und Verhaltensweisen auf. Sie haben eine begriffliche Rolle, wie man auch sagt. Eine Wahrnehmung von Katzen führt typischerweise zu perzeptuellen Meinungen, die den Katzen-Begriff involvieren, eine Wahrnehmung des Sokrates dagegen zu Meinungen, die den Sokrates-Begriff involvieren. Es stellt sich die Frage, wie der intentionale Aspekt und der Aspekt der begrifflichen Rolle zusammengehen können.

Wir wollen neuere Ansätze über Begriffe studieren, die auf verschiedene Weise eine Integration der beiden Aspekte von Begriffen erzielen wollen. Ein prominenter Ansatz ist der der epistemischen Fähigkeiten, nach dem über einen Begriff zu verfügen heißt, bestimmte epistemische Fähigkeiten zu besitzen (Peacocke). Einen anderen Ansatz stellt die repräsentationale Theorie dar (Dretske, Fodor, Stalnaker). Wir wollen vor allem diese beiden Ansätze anhand zentraler Texte ihrer Proponenten kennenlernen.

Scheinerwerb: Hausarbeit für benoteten Schein.

Literatur:
Die Texte werden zu Anfang des Semesters in einem Reader zusammengestellt, den man erwerben kann. Zur Vorbereitung eignet sich zum Beispiel:
Kap. 11 und 12 in: Jackson, F., Braddon-Mitchell, D., Philosophy of Mind and Cognition, Blackwell, 1996.
Kap. 1 "Philosophical Introduction: The Background Theory", in: Fodor, J., Concepts, Clarendon, 1998.

Horn: John Rawls, Politischer Liberalismus – Kompaktseminar
Vorbesprechung: 04.11.1999, 20 Uhr, Konferenzraum, Termin: 25.11.-27.11.1999

Rawls’ zweites Hauptwerk nach Eine Theorie der Gerechtigkeit (1971) nimmt am Modell von "Gerechtigkeit als Fairness" eine Reihe von Modifikationen vor. Rawls geht nunmehr vom "Faktum des Pluralismus" aus, legt sich also die Frage vor, wie eine gerechte Gesellschaft aus freien und gleichen Bürgern dauerhaft bestehen kann, wenn in ihr gegensätzliche religiöse, philosophische und moralische Weltbilder vertreten werden. Er entwickelt eine Gerechtigkeitskonzeption, derzufolge es eines "übergreifenden Konsensus" bedarf, der von allen "vernünftigen umfassenden Überzeugungen" mitgetragen wird. Irritierend wirkt dabei, daß die Kulanzpflicht, die Rawls seinen Bürgern auferlegt, nicht eigentlich mit philosophischen Mitteln begründet wird. Scheinbar zeichnet Rawls eher ein moralisch-politisches Ideal liberaler Bürgerlichkeit und eines angemessenen öffentlichen Vernunftgebrauchs, als daß er eine fundamentale philosophische Begründung vorlegen würde. Wir werden uns in dem Kompaktseminar zunächst die Grundzüge des Modells von 1971 verdeutlichen und sodann die Frage stellen, wieweit die Modifikationen in der Monographie von 1993 tatsächlich reichen. Was bedeutet z.B. Rawls’ Verzicht auf ein strategisch-rationales Wahlkalkül seiner Urzustandsteilnehmer und die Einführung "höherraniger Interessen"? Wie läßt sich seine Fragestellung verstehen, die neue Konzeption sei "politisch, nicht metaphysisch"? Handelt es sich um eine bloße Hermeneutik der Demokratie? Was meint Rawls, wenn er seinen Ansatz als einen "Konstuktivismus" kennzeichnet?

Scheinvergabe: Hausarbeit.

Text: John Rawls, Politischer Liberalismus, Frankfurt a.M. 1998 (engl. Political Liberalism¸New York 1993).
Literatur:
Hinsch, W. (Hrsg.), Zur Idee des politischen Liberalismus, Frankfurt a.M. 1997.
Höffe, O., Vernunft und Recht. Bausteine zu einem interkulturellen Rechtsdiskurs, Frankfurt a.M. 1996, Kap.6.1.
Kersting, W., John Rawls zur Einführung, Hamburg 1993.
Pogge, Th., John Rawls, München 1994 (Reihe DENKER).

Keuth: Karl Popper: Logik der Forschung
Mi 14-16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 20.10.

Karl Poppers "Logik der Forschung" ist wohl die bekannteste Einzelveröffentlichung zur Wissenschaftstheorie. Die erste Auflage 1935 hatte den Untertitel «Zur Erkenntnistheorie der modernen Naturwissenschaft», aber weil ihr Inhalt alle empirischen Wissenschaften betrifft, entfiel der Untertitel später. Mit Erkenntnistheorie meint man hierzulande meist Transzendentalphilosophie. Popper sieht die Nachfolge Kants anders. Wissenschaftstheorie ist das, was von der Erkenntnistheorie übrig bleibt, wenn man den Glauben an die transzendentalphilosophische Spekulation verloren hat.

Bedingung für einen benoteten Schein: Referat.

Literatur:
Karl R. Popper, Logik der Forschung, Tübingen, z.B.2.A.1966.
ders., Realism and the Aim of Science, London 1983.
ders., Vermutungen und Widerlegungen, Tübingen 1994.

Klinger: Themen ästhetischer Theorie im 20. Jahrhundert: Kunst zwischen Wahrheitsanspruch und Massenkultur – Kompaktseminar:
Termin: 16.12.-18.12.1999, 10 Uhr, Alte Burse, Raum 211
Anmeldung im Sekretariat bei Frau Ott.

Seit dem späten 18. Jahrhundert und besonders im Zusammenhang der Entstehung der philosophischen Ästhetik in den Systemen des Deutschen Idealismus und der Romantik wird Kunst als in einem besonderen Verhältnis zur Wahrheit stehend aufgefasst. Von diesem Verhältnis zur Wahrheit leitet sich eine Alterität (Andersartigkeit) von Kunst gegenüber der gesellschaftlichen Wirklichkeit her. Kunst soll in der Distanz zur Wirklichkeit deren Kritik ermöglichen und evtl. den utopischen Vorschein einer anderen Wirklichkeit eröffnen. Vielfach kritisiert und in verschiedenen Hinsichten modifiziert, bleibt diese Auffassung bis weit ins 20. Jahrhundert hinein prägend. Der Preis für die "Erhöhung" der Kunst zu einem privilegiertem Zugang zum Absoluten und/oder Anderen ist ein Auseinanderbrechen von hoher Kunst und Unterhaltung, von Eliten- und Massenkultur, von E- und U-Abteilung des Kulturbetriebs. Diese Spaltung begleitet und charakterisiert den Prozess der ästhetischen Moderne bereits seit seinen Anfängen. Nicht zuletzt in Reaktion auf den von Faschismus und Kapitalismus gleichermassen erzeugten trügerischen "schönen Schein" findet das Ressentiment gegen Kitsch und Kulturindustrie um die Mitte des 20. Jahrhunderts seinen Höhepunkt (Horkheimer/Adorno). Dagegen bahnt sich in den letzten Jahrzehnten ein grundlegender Perspektivenwechsel an. Diese jüngere Entwicklung steht in vielfältigen Zusammenhängen, wie z.B. der Entstehung neuer künstlerischer Ausdrucksmittel in der Folge neuer Technologien, der Demokratisierung von Kultur, der Entstehung der cultural studies, dem Niedergang des Modernismus, des Übergangs zur Postmoderne usw..

Leistungsnachweis: durch Referat oder Hausarbeit

Literatur:
Theodor W. Adorno/Max Horkheimer, Dialektik der Aufklärung (1944). Th.W. Adorno, Gesammelte Schriften. Bd. 3. Frankfurt: suhrkamp 1981. Kulturindustrie. Aufklärung als Massenbetrug. S. 141-191; Das Schema der Massenkultur. S. 299-335.
Theodor W. Adorno, Ästhetische Theorie. Gesammelte Schriften. Bd. 7. Frankfurt: suhrkamp 1970. Situation = S. 31-74; Das Kunstschöne: apparition, Vergeistigung, Anschaulichkeit = S. 122-154; Rätselcharakter, Wahrheitsgehalt, Metaphysik = S. 179-205.
Patrick Brantlinger/ James Naremore, (Eds.), Modernity and Mass Culture. Bloomington: Indiana University Press 1991.
Jim Collins, Uncommon Cultures: Popular Culture and Post-Modernism. New York, London: Routledge 1989.
Steven Connor, Aesthetics, Pleasure and Value. In Stephen Regan (Ed.), The Politics of Pleasure. Aesthetics and Cultural Theory. Buckingham: Open University Press 1992. S. 203-220.
Deborah Cook, The Culture Industry Revisited: Adorno on Mass Culture. Lanham: Rowman & Littlefield 1996.
Hans Georg Gadamer, Wahrheit und Methode. Tübingen: Mohr (Siebeck) 19723. Teil I: Freilegung der Wahrheitsfrage an der Erfahrung der Kunst. S. 1-161.
Andreas Huyssen, After the Great Divide: Modernism, Mass Culture, Postmodernism. Bloomington: Indiana University Press 1986. Teil 1, S. 3-62.
Hartmut Scheible, Wahrheit und Subjekt. Ästhetik im bürgerlichen Zeitalter. Reinbek: rowohlts enzyklopädie 1988.
Cathy Schwichtenberg (Ed.), The Madonna Connection. Representational Politics, Subcultural Identities, and Cultural Theory. Boulder: Westview Press 1993. Teil IV: The Political Economy of Postmodernism: Madonna as Star Commodity. S. 239-318.

Koch, A.F.: Hegel, Die Idee
Di 20-22, Alte Burse, Raum X, Beginn: 19.10.

Thema des Seminars ist der dritte Abschnitt der Hegelschen Begriffslogik: "Die Idee". Wir werden in genauer, von Referaten angeleiteter Lektüre den Text des ersten und möglichst auch des zweiten Kapitels ("Das Leben" bzw. "Das Erkennen") durchgehen. Bei Bedarf und Nachfrage kann das Seminar im Sommersemester mit der Behandlung des dritten und letzten Kapitels ("Die absolute Idee") fortgesetzt und zu einem natürlichen Abschluß gebracht werden. Für einen benoteten Schein ist eine schriftliche Hausarbeit anzufertigen.

Rapp: Aristoteles, De Anima
Mi 18-20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 20.10.

Kommentar zur Veranstaltung: siehe Aushang.

Schick: Kants "Kritik der reinen Vernunft" im Urteil Hegels
Mi 16-18, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 20.10.

"Die Kantische Philosophie kann am bestimmtesten so betrachtet werden, daß sie den Geist als Bewußtsein aufgefaßt hat und ganz nur Bestimmungen der Phänomenologie, nicht der Philosophie desselben enthält." (Enz. § 415) Dieses im Ton der Abschlußdiagnose vorgetragene Urteil Hegels wirft wenigstens drei Fragen auf: Was heißt es, den Geist als Bewußtsein zu fassen? Was ist eigentlich vorläufig oder gar falsch daran, ihn gerade so zu fassen? Und schließlich: Wird die Kritik der reinen Vernunft von dieser Diagnose tatsächlich erfaßt? Nicht zuletzt sind von einer Beantwortung dieser Fragen Aufschlüsse über das Projekt jener Wissenschaft der Logik selbst zu erwarten, die von Hegel immerhin als die konsequente Nachfolgertheorie transzendentaler Objektivitätsbegründung vorgestellt wird.

Zur Bearbeitung dieser Fragen werden wir uns zunächst an das Kant-Kapitel in Hegels Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie wenden, in dem Hegel Programm und Hauptthesen der Kritik der reinen Vernunft in systematischem Zusammenhang diskutiert; ergänzend werden wir neben Kants erster Kritik einschlägige Textstellen vor allem aus Hegels Enzyklopädie und seiner Wissenschaft der Logik heranziehen. Die vollständige Liste dieser ergänzenden Texte werde ich ab Mitte August im Handapparat zum Seminar bereitlegen.
Scheinerwerb: Referat oder Hausarbeit.

Haupttexte:
G.W.F. Hegel: Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie, 3. Teil, 3. Abschnitt, B. "Kant", in: Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Werke, Bd. 20, Redaktion Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel, Frankfurt a.M. 1986, S. 329-365 und 384-386.
G.W.F. Hegel: Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse, 1. Teil (Die Wissenschaft der Logik), Vorbegriff B.II ("Kritische Philosophie"), §§ 40-60.
Empfehlenswerte Begleitlektüre:
Dieter Henrich (Hg.): Kant oder Hegel? Über Formen der Begründung in der Philosophie. Veröffentlichungen der Internationalen Hegel-Vereinigung Bd. 12, Stuttgart 1981.

Schneider: Denken, Sprechen, Handeln
Mo 16-18, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 25.10.

Die Vorlesung Denken, Sprechen, Handeln befaßt sich mit erkenntnistheoretischen, sprachphilosophischen und handlungstheoretischen Problemen der Philosophiegeschichte. Beginnen werde ich mit Platon (Ideenlehre), fortsetzen mit Aristoteles (Intellektlehre) und enden mit verschiedenen Theorieentwürfen im lateinischen Mittelalter (Petrus Abailard, Thomas von Aquin, Johannes Duns Scotus, Wilhelm von Ockham u.a.). Moderne Problemfelder (z. B. die sprachanalytische Philosophie) werden auch besprochen. Die Vorlesung behandelt die Gebiete: Erkenntnistheorie, Sprachphilosophie, Logik, Metaphysik, Philosophiegeschichte. Die Vorlesung wendet sich ausdrücklich an Studienanfänger.

Literatur und Hilfen werden in der ersten Vorlesungsstunde bekannt gegeben. Voraussetzungen zum Besuch der Vorlesung bestehen keine. Es wird die Möglichkeit angeboten, ein Vorlesungskolloquium zu absolvieren.

Schroeder-Heister: Logik und visuelle Information
Mi 8-10, Alte Burse, Raum X, Beginn: 20.10.
Vorbesprechung mit Vergabe erster Seminarvorträge: 07.07., Wilhelm-Schickard-Institut für Informatik, Sand 13, Erdgeschoß, Raum 018.

Den meisten sind schon graphische Darstellungen logischer Zusammenhänge begegnet, seien es Kreisdiagramme zum besseren Verständnis in einführenden Logikkursen oder auf den Zeitungsrand gekritzelte Lösungen kleiner Logikrätsel. Daß aber solche Diagramme nicht nur bloße Hilfsmittel, sondern wichtiger Bestandteil menschlicher Problemlösungsstrategien sind, ist eine Einsicht neueren Datums, die sich zu diskutieren lohnt.
Wir wollen uns nach einer kurzen historischen Motivation des Themas hauptsächlich mit der Frage beschäftigen, was diagrammatische Repräsentationssysteme ausmacht und worin ihr Nutzen liegt, bzw. liegen kann. Vor dem dabei erarbeiteten Hintergrund können wir uns dann einigen bereits existierenden Systemen – sowohl formaler, als auch angewandter Natur – zuwenden, um so einen Einblick in die aktuelle Forschungslage zu bekommen.

Die Veranstaltung richtet sich neben Studierenden der Philosophie insbesondere an solche der Medieninformatik.
Benotete Scheine werden aufgrund von ausgearbeiteten Seminarvorträgen oder schriftlichen Hausarbeiten vergeben.

Literatur: Eine ausführliche Bibliographie ist im Netz abrufbar.

Szlezák: Platon, Politeia Buch 5-7
Di 18-20, Philologisches Seminar, Konferenzraum, Beginn: 19.10.

Der Aufbau der zentralen ‘metaphysischen’ Bücher der Politeia und ihre Funktion im Gesamtwerk sowie die Art der Dialogführung in Verbindung mit der expliziten und impliziten Charakterisierung der Gesprächspartner sollen in möglichst genauer Deskription erfaßt werden. Inhaltliche Schwerpunkte werden gesetzt beim Sinn der platonischen Utopie, bei der Vielfalt der Interpretationsansätze zu Sonnen-, Linien- und Höhlengleichnis sowie bei der Auswertung der Angaben Platons zur Dialektik als höchster philosophischer Disziplin.

Voraussetzung für die Teilnahme: Graecum sowie Zwischenprüfung in Philosophie oder Griechischer Philologie.

Scheinvergabe: Hausarbeit

Text:
J. Burnett, 1902.
Kommentar:
J. Adam, 2 Bde, Cambridge 1902.
O. Höffe (Hrsg.): Platon, Politeia (Kassiker Auslegen, Bd. 7), 1997.

Waibel: Kant, Kritik der reinen Vernunft: Transzendentale Dialektik
Mi 10-12, Alte Burse, Raum X, Beginn: 20.10.

Während Kants Beitrag zur Erkenntnistheorie in seinem Hauptwerk der "Kritik der reinen Vernunft" bis heute rezipiert und diskutiert wird, gilt dies nicht gleichermaßen für den Teil dieses Werks, den er mit "transzendentaler Dialektik" überschrieben hat. Für ein tieferes Verständnis der nachkantischen Philosophie, die sich vielfach auf diesen Kontext des kritischen Werks bezieht, aber auch im Interesse eines umfassenden Verständnisses von Kants Philosophie selbst ist sein Studium unerläßlich. An ausgewählten Textpassagen soll der Begriff transzendentaler Ideen, ihre bloß regulative statt konstitutive Geltung, die Konzeption der Paralogismen, der Antinomien und des Ideals der reinen Vernunft – Seelenlehre, Kosmologie und Gotteslehre in kritischer Perspektive – näher untersucht werden.

Benoteter Schein: Kurzreferat als Vorbereitung einer Sitzung und Hausarbeit (10-15 Seiten).

Literatur zur Einführung:
Höffe, Otfried 1996: Immanuel Kant, München.
Mohr, Georg und Willaschek, Markus 1998: Immanuel Kant. Kritik der reinen Vernunft, Bonn.
Wolff, Michael 1981: Der Begriff des Widerspruchs. Eine Studie zur Dialektik Kants und Hegels. Königstein/Ts.

Wimmer/Kühl/Düwell: Ethik und Recht
Fr 9.30-13, Ort: Neue Aula, Raum 239, Beginn: 22.10.
Termine: 22.10., 5.11., 19.11., 3.12., 17.12., 14.01., 28.01., 11.02.; Workshop 18.02., 19.02.

In einem ersten Teil (bis Weihnachten) behandelt das Seminar allgemeine Aspekte des Verhältnisses von Recht und Moral, wie z.B. den Begriff des Rechts und der Moral und die Art ihrer Geltung; Begründung rechtlicher Normen und ihre Durchsetzung; Anwendung rechtlicher und moralischer Normen. In einem zweiten Teil (nach Neujahr) sollen zwei konkrete Problemstellungen im Verhältnis von Recht und Moral debattiert werden: zunächst in den drei Doppelsitzungen (14.1., 28.01. und 11.02.) rechtliche und ethische Aspekte der Forschungsfreiheit, dann in einem ab-schließenden Workshop mit auswärtigen Referenten rechtliche und ethische Fragen des Natur- und Umweltschutzes. Das Seminar wird zusammen mit dem Juristen und Rechtsphilosophen Prof. Dr. Christian Kühl durchgeführt. Es werden nicht nur Studierende der Philosophie, sondern auch der Jurisprudenz teilnehmen.

Scheinvergabe: schriftlich ausgearbeitetes Referat oder Hausarbeit.

Oberseminare

Figal: Neuere Arbeiten zur hermeneutischen Philosophie – Kompaktseminar
Termin: 10.12.-12.12.1999, Heiligkreuztal

Das Oberseminar ist speziell für Doktoranden und Examenskandidaten gedacht.
Teilnahme nur aufgrund persönlicher Einladung.

Figal/Moog-Grünewald: Autobiographisches Schreiben und philosophische Selbstsorge - Kompaktseminar
Vorbesprechung: 09.11., 20 Uhr, Alte Burse, Konferenzraum. Termin: 20.1.-22.1.2000, Blaubeuren. Persönliche Anmeldung in einer meiner Sprechstunden.

Zum Wesen der Philosophie gehört Selbsterklärung. Seit es sie gibt, war die Philosophie immer auch Antwort auf die Frage, was sie ist. Allerdings bleibt die Antwort abstrakt, wenn sie nicht aus der lebendigen Vorstellung des Philosophierens geschöpft ist, und sie gewinnt Anschaulichkeit erst, wo sie am exemplarischen Leben des Philosophierenden dargestellt wird. Deshalb gehört das autobiographische Schreiben zur Philosophie, ja es kann als Modus par excellende der philosophisch begründeten Selbstsorge, der Epimeleia, gelten. Die unaufhebbbare Verschränkung von Selbstsorge und Schreiben ist prägnant in dem Begriff der ‘Ethopoiie’ zur Vorstellung gebracht und wird realisiert in einer Vielfalt von Darstellungsformen, für die exemplarisch Platon (Apologie und Phaidon), Marc Aurel, Boethius, Augustinus, Petrarca (Secretum), Montaigne, Rousseau, Nietzsche und Sartre einstehen.

Frank: Tyler Burge: Externalismus und Individualismus. Oberseminar für Doktorand(inn)en
Mi 20-22, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 20.10.

In der Perspektive auf eine einwöchige Einladung des Autors wollen wir seine wichtigsten Texte vorbereitend (wieder)lesen und miteinander durchdiskutieren. Welche das sein werden, wird in der ersten Sitzung durch eine (am Schluß des letzten Semesters) vorbereitete Absprache festgelegt.

Höffe: Neuerscheinungen zur antiken Philosophie und Vorstellung eigener Arbeiten: Doktorandenkolloquium
Do 15.30-19, Gästehaus der Universität, Lessingweg 3, voraussichtliche Termine: 4.11., 25.11., 16.12., 20.01., 10.2. (persönliche Anmeldung in der Sprechstunde)

Keuth: Zur Erkenntnistheorie von Helmholtz und Mach
Mi 10-12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 20.10.

Hermann Helmholtz und Ernst Mach zählen zu den bedeutendsten Naturwissenschaftlern des 19. Jhds. Beide beschäftigten sich im Rahmen der empiristischen Philosophie mit erkenntnistheoretischen Fragen. Die Schriften von Helmholtz zur Erkenntnistheorie wurden von Paul Hertz und Moritz Schlick herausgegeben und mit ausführlichen Erläuterungen versehen. Helmholtz zeigt, wie man Kantsche Gedanken aufnehmen kann, ohne in die Falle der Transzendentalphilosophie zu geraten. Dagegen lehnt Mach sich an Berkeley an. Sein Empiriokritizismus ist ein phänomenalistischer Positivismus. Er betrachtet die Gegenstände der Außenwelt als Komplexe von Empfindungen. Man muß diese Meinung nicht teilen, um Machs Analyse der Empfindungen und seine Thesen zu Raum und Zeit zu schätzen. Einstein verallgemeinerte den Machschen Grundgedanken.

Bedingung für einen benoteten Schein: Referat.

Literatur:
Hermann v. Helmholtz, Schriften zur Erkenntnistheorie. Herausgegeben und erläutert von Paul Hertz und Moritz Schlick, Springer, Wien/New York 1998; Nachdruck der 1. Aufl., Springer, Berlin 1921; Ernst Mach, Die Analyse der Empfindungen und das Verhältnis des Physischen zum Psychischen, Darmstadt 1985; Nachdruck der 9. Aufl. 1922.
Ernst Mach, Erkenntnis und Irrtum. Skizzen zur Psychologie der Forschung, Darmstadt 1968; Nachdruck der 5. Aufl. 1926.

Kolloquien

Fahrenbach: Kolloquium
nach Vereinbarung

Kümmel: Hermeneutische Philosophie
Fr 18-20, Alte Burse, Raum 308, Beginn: 22.10.

Schroeder-Heister: Logik und Sprachtheorie
Di 17-19, Sand 13, Raum 117, Beginn: 19.10.

Besprechung von Forschungsarbeiten. Außerdem finden die Gastvorträge der DFG-Forschergruppe "Logik in der Philosophie" in diesem Rahmen statt.
Interessierte, die regelmäßig entsprechende Einladungen erhalten möchten, mögen eine e-mail an kahlespam prevention@informatik.uni-tuebingen.de schicken.

Wimmer: Doktorand(innen)kolloquium
Do 14.30-18, 14-täglich, Ethikzentrum, Keplerstraße 17, Beginn: 28.10.

Arbeitskreise

Hoering: Lernprogramme (insbesondere für Logik)
Di 19-21, Alte Burse, Computer-Pool, Beginn: 19.10.

Seit einiger Zeit gibt es ein Tutor-Programm zum Einüben des logischen Ableitens in Formalismen der Aussagen-, Prädikaten- und Modallogik, das im Rahmen dieses Arbeitskreises entwickelt worden ist. Dieses Programm wurde zunächst in Pascal für IBM-kompatible Rechner geschrieben; für seine Portierung auf andere Plattformen stellen wir Versionen in TCL/TK her. Neue Mitglieder, die bereits Kenntnisse in diesen Sprachen besitzen, oder stark motiviert sind sich einzuarbeiten, sind herzlich willkommen.

Szlezák: Platon, Phaidon
Do 18.15-20.30, Theologicum, Liebermeisterstr. 12, Beginn: 21.10.

Im Rahmen der Veranstaltungen der Philipp-Melanchthon-Stifung wird Platons Phaidon gelesen und interpretiert. Zugrunde gelegt wird der griechische Text (Ausgabe von E.A. Duke, W.F. Hicken, W.S.M. Nicoll, D.B. Robinson, J.C.G. Strachan, 1995, Oxford Classical Texts). Die gemeinsame Lektüre hat das Ziel, zunächst die sprachlich-literarische Gestaltung des Dialogs zu würdigen, sodann die Bedeutung des Theorems von der Unsterblichkeit der Seele für die Philosophie Platons herauszuarbeiten. Die antimetaphysische Auslegung der Hypothesis-Methode (Robinson u.v.a.) soll mit der Auslegung des Phaidon als "Magna Charta der abendländischen Metaphysik" (G. Reale) konfrontiert werden.

Voraussetzung für die Teilnahme: Griechisch-Kenntnisse mindestens auf dem Niveau des Graecums.