Philosophisches Seminar

Wintersemester 2001/2002

Inhalt:

Sprechstunden der Dozenten

Allgemeine Studienberatung: Dietmar Koch, Seminarassistent

Di 10-12, Raum 214

Semestertermine:

Beginn der Vorlesungen: 15. 10.

Ende der Vorlesungen: 16. 02.

Freisemester: Prof. Dr. Manfred Frank, Prof. Dr. Herbert Keuth

Freistellung: PD Dr. Dimas Figueroa

Einführungsabend für Studienanfänger:
Mo 22. 10., 18 Uhr c.t., Alte Burse, Raum X

Vorlesungen

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Brachtendorf: Religionsphilosophie

Do 14-16, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 18. 10.

 

 

Religionsphilosophie zielt auf ein vernunftgeleitetes Verstehen der Religion, indem sie deren Sinn- und Geltungskriterien anzugeben versucht. Wie die Philosophie sich historisch gesehen aus der Religion heraus entwickelt hat, so bleibt sie mit den von ihr selbst entwickelten "letzten Gedanken" (Henrich) auf Religion beziehbar. Dies mag im Sinne einer philosophischen Religionskritik (Feuerbach, Nietzsche, Freud), einer Absorption der Religion in das Denken (Neuplatonismus, Hegel), oder einer wohlbestimmten Kooperation von Vernunft und Glaube (Augustinus, Thomas von Aquin) geschehen. Der vergleichsweise junge Begriff "Religionsphilosophie" meint zunächst eine Analyse, Begründung und Bewertung des religiösen Aktes, in dem der Mensch sich in Beziehung zum Göttlichen setzt. Gerade wo es um die Begründung der Religion geht, lassen sich die "alten" metaphysischen Fragen nach Existenz und Wesen Gottes aber von der denkenden Bemühung um Religion nicht abtrennen. In diesem Sinne führt die Vorlesung in Grundfragen sowie in klassische Positionen der Religionsphilosophie ein.

 

 

Vorbereitende Lektüre:

Grabner-Haider, A.: Kritische Religionsphilosophie. Europäische und Außereuropäische Kulturen. Graz 1993.

Schaeffler, R.: Religionsphilosophie. 2. Aufl. Freiburg/Br. 1997.

Schüßler, W. (Hrsg.): Religionsphilosophie. München 2000.

 

 

 

 

Engels: Ethik und Wissenschaftstheorie der Biowissenschaften

Di 11-13, Kleiner Botanischer Hörsaal (N 11), Beginn: 23. 10.

 

 

Kaum ein Thema beherrscht derzeit so stark die Diskussion in den Medien wie die ethischen Herausforderungen durch die moderne Medizin und Biologie mit ihren Technologien. Embryonale Stammzellforschung, "therapeutisches Klonen", Verpflanzung von Tiergeweben und -organen in den Menschen (Xenotransplantation) sind drei der umstrittensten und am kontrovers diskutiertesten Themen. Unser bioethisches Urteil ist jedoch auch in anderen Bereichen herausgefordert, wie die massenweise Vernichtung von Tieren im Zusammenhang mit der BSE-Krise und zur Regulierung des Fleischmarktes verdeutlicht hat. Die Vorlesung soll in einige der wichtigsten und gegenwärtig meistdiskutierten Gebiete der Bioethik einführen. Dabei werden vor allem Fragestellungen der biomedizinischen Ethik, der Tierethik und der ökologischen Ethik behandelt. Die biomedizinische Ethik befaßt sich derzeit vor allem mit den Herausforderungen durch die neuen biologischen und biomedizinischen Technologien, durch welche die dem Menschen ursprünglich von der Natur gesetzten Grenzen hinausgeschoben oder teilweise gar überwunden werden, so daß der Mensch nun selbst über ethisch wünschbare und vertretbare Grenzziehungen zu entscheiden hat. Kontexte sind hier u. a. die Fortpflanzungs-, Intensiv- und Transplantationsmedizin. In der Tierethik steht das Verhältnis des Menschen zum Tier im Vordergrund, wie es sich in verschiedenen Kontexten darstellt (Tiere in der Forschung, für die Ernährung, transgene Tiere für die Medikamentenproduktion, Haustiere). In der ökologischen Ethik wird das Verhältnis des Menschen zur nichtmenschlichen Natur diskutiert, insbesondere die Frage, mit welchen Argumenten sich Natur- und Umweltschutz am besten und überzeugendsten begründen lassen und wie sich bereits existierendes Naturschutz- und Umweltbewußtsein in die Tat umsetzen läßt. In eine bioethische Beurteilung gehen jedoch immer auch naturphilosophische, philosophisch-anthropologische, wissenschaftstheoretische u. a. Vorannahmen ein, die ebenfalls Gegenstand der Vorlesung sein werden.

 

 

 

 

Figal: Verhalten zu sich als Grundmotiv der Philosophie (Hegel, Kierkegaard, Nietzsche, Heidegger)

<dt>Mi 16-18, Hörsaal: Alte Physik, Beginn: 17. 10.</dt>

 

 

Der Gedanke, daß man sich in der Führung des Lebens zu diesem verhält und verhalten sollte, ist schon von Sokrates programmatisch formuliert worden. Für die neuere Philosophie ist er zum Grundgedanken geworden, so daß verschiedene Konzeptionen dieser Philosophie sich aufeinander beziehen und dadurch unterscheiden lassen, wie sie das Verhalten zu sich darstellen und erläutern. In der Vorlesung soll das zum Anlaß für eine systematische Erörterung des Verhaltens zu sich genommen werden. Zielpunkt ist dabei eine Klärung des vernünftigen Lebens in seiner Struktur und Seinsweise.

 

 

 

 

Heidelberger: Einführung in die Logik

Mi 10-12, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 17. 10.

 

 

Die Vorlesung bietet eine Einführung in die Aussagen- und Prädikatenlogik, nebst einem Ausblick in die induktive Logik. Es wird der Kalkül des natürlichen Schließens behandelt und viel Wert auf die Formalisierung von Argumentationen gelegt. Da zum Philosophieren das Begründen gehört und Begründen argumentativ geschieht, ist eine Reflexion auf Möglichkeiten und Grenzen des Argumentierens für die Philosophie unerläßlich. Es wird ein Skriptum im Netz bereitgestellt, das den Text von Hoyningen (s. u.) ergänzt. Wahrscheinlich findet ein die Veranstaltung begleitendes Tutorium statt.

Scheinerwerb durch bestandene Klausur am Semesterende.

 

 

Text (bitte anschaffen):

Hoyningen-Huene, Paul: Formale Logik. Eine philosophische Einführung, Stuttgart: Reclam 1998 (Nr. 9692).

 

 

 

 

Höffe: Kant, Kritik der reinen Vernunft

Di 10-12, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 16. 10.

 

 

Auf dem Höhepunkt der europäischen Aufklärung entfaltet Kant eine neue Art des Denkens, die kritische Transzendentalphilosophie. Sie hat bis heute eine nicht lediglich historische, sondern auch systematische Bedeutung. Die auf zwei Semester angelegte Vorlesung will in das neue transzendentale Denken einführen, in ihre erste Darstellung, die Kritik der reinen Vernunft. Sie befaßt sich zwar auch mit der berühmten transzendentalen Deduktion der Kategorien, legt aber ebenso Wert auf die transzendentale Ästhetik, die metaphysische Deduktion, die Grundsätze und die transzendentale Dialektik. Es geht um Fragen wie: Ist die Welt mathematisch verfaßt? Gibt es transzendentale Prinzipien für die Naturwissenschaft? Was sagt die Erkenntnistheorie zur Freiheit? Kants gesamtes Denken, nicht etwa nur die Schrift Zum ewigen Frieden, ist kosmopolitisch ausgerichtet. Die Vorlesung stellt sich auch der Frage, ob Kants kritische Transzendentalphilosophie ein Muster ist für die Philosophie im Zeitalter der Globalisierung.

In der Auseinandersetzung mit Kant lernt man, überhaupt zu philosophieren. Die Vorlesung wendet sich daher auch an Anfänger.

 

 

Zur Vorbereitung:

Kant, Immanuel: Kritik der reinen Vernunft. Vorreden zur 1. und 2. Auflage sowie die Einleitung.

 

 

Zur Einführung:

Höffe, Otfried: Kant. Leben Werk Wirkung. 5. Aufl. München 2000.

Höffe, Otfried: "Königliche Völker". Frankfurt a. M. 2001. Kap. 12: "Kritik der reinen Vernunft: Eine kosmopolitische Lektüre".

Weitere Literaturangaben zu Beginn und im Verlauf der Vorlesung.

 

 

 

 

Koch, A. F.: Einführung in die Philosophie II: Philosophische Semantik

Do 18-20, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 18. 10.

 

 

Mit dieser Vorlesung möchte ich eine mehrsemestrige Einführung in die Philosophie fortsetzen, die unter der Leitfrage nach der Möglichkeit und dem Inhalt einer Ersten Philosophie stehen soll. Historisch ist die Erste Philosophie als Frage nach dem Seienden als Seiendem, d. h. als Metaphysik (Aristoteles), als Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit synthetischer Urteile a priori, d. h. als Transzendentalphilosophie (Kant), als Frage nach der Wahrheit und Bedeutung von Sätzen, d. h. als philosophische Semantik (Frege, Russell, Wittgenstein), aufgetreten - um ihre wirkungsmächtigsten Ausformungen zu erwähnen.

Im gegenwärtigen Semester soll die philosophische Semantik erörtert werden, zunächst in einem kurzen historischen Aufriß (Frege, Russell, Wittgenstein, Carnap), dann ausführlich in der negativen und philosophiekritischen Form, die sie bei W. V. Quine erhalten hat (Kritik der intensionalen Semantik, Relativierung der Referenz und in gewissem Umfang auch der Wahrheit). Dabei soll Quine als konsequenter Naturalist gegen andere Formen des philosophischen Naturalismus verteidigt und als Kronzeugen wider willen gegen den Naturalismus als solchen gehört werden. Drittens soll der Gegensatz von semantischem Realismus und Antirealismus behandelt und viertens die folgerungstheoretische (inferentielle) Semantik von Carnaps Logischer Syntax über Wilfrid Sellars bis zu Robert Brandom dargestellt und kritisiert werden.

Im Handapparat der Seminarbibliothek wird ein Skriptum der Vorlesung zugänglich gemacht.

 

 

 

 

Schroeder-Heister: Nichtklassische Logiken

Mo 13-15, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 22. 10.

 

 

Es werden die Grundansätze verschiedener Logiksysteme vorgestellt, die von der üblichen klassischen zweiwertigen Logik abweichen. Unter anderem sollen behandelt werden: Mehrwertige Logiken, konstruktive Logiken, nichtmonotone Logiken, Relevanzlogiken, freie Logiken. Grundkenntnisse der klassischen zweiwertigen Logik werden vorausgesetzt. Die Vorlesung findet mit begleitenden zweistündigen Übungen statt. Aufgrund des erfolgreichen Besuchs der Übungen (schriftliche Bearbeitung von Übungsaufgaben!) wird ein Seminarschein ausgestellt.

 

 

 

Übungen zur Vorlesung: Nichtklassische Logiken

nach Vereinbarung

 

 

 

 

Wieland: Grundzüge philosophischer Ethik

Mo 11-13, Mi 11-12, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 17. 10.

 

 

Die Vorlesung gibt eine Einführung in Grundfragen der Ethik. Die wichtigsten ethischen Grundmodelle (Aristoteles/Thomas von Aquin, Utilitarismus, Kant) werden vorgestellt und diskutiert. Die Vorlesung zielt auf ein Modell, das den Aristotelischen und Kantischen Ansatz zu verbinden sucht. Sie ist also systematisch orientiert, ohne jedoch die geschichtlichen Gestalten ethischer Reflexion aus dem Auge zu lassen.

 

 

Literatur zur Einführung:

Schneider, J. H. J. (Hrsg.): Ethik Orientierungswissen? Würzburg 2000.

Honnefelder, L. und G. Krieger (Hrsg.): Philosophische Propädeutik. Band 2: Ethik. Paderborn 1996.

Schulz, W.: Grundprobleme der Ethik. Pfullingen 1989.

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Einführungsveranstaltung

D. Koch: Einführung in das Studium der Philosophie

Mo 10-12, Alte Burse, Raum X, Beginn: 15. 10.

Die Einführungsveranstaltung dient der umfassenden Grundorientierung im Philosophiestudium. Sie ist reserviert für Erst- und Zweitsemester im Fach Philosophie.

Aufgabe der Veranstaltung ist es, Kenntnisse zum Studienablauf und zur Studienorganisation zu vermitteln, grundlegende Literatur bekannt zu machen, eine Anleitung zu wissenschaftlichem Arbeiten zu geben, vor allem jedoch in geschichtlich wie systematisch bedeutsame Grundprobleme und Grundbegrifflichkeiten philosophischen Denkens einzuführen. Dies geschieht anhand von Textauszügen zentraler philosophischer Werke von Parmenides bis Heidegger. (Die Textauszüge werden ausgegeben.)

 

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Proseminare

Düwell: Einführung in die philosophische Ästhetik
(Veranstaltung des Interfakultären Zentrums für Ethik in den Wissenschaften)

 

Mo 18-20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 22. 10.

Seit der Antike spielt in der Philosophie die Reflexion auf die Kunst und das Schöne eine wichtige Rolle, seit dem 18. Jahrhundert bildet sich sogar eine eigene philosophische Disziplin heraus, die schon bald eine wichtige Stellung im Gesamt philosophischen Nachdenkens einnahm. Im 20. Jahrhundert schwankt die Einstellung zur philosophischen Ästhetik. Während einige Philosophen der Auffassung sind, daß die ganze Philosophie sich an der Ästhetik zu orientieren habe, bestreiten andere die Möglichkeit philosophischer Ästhetik überhaupt. Das Proseminar hat zum Ziel, in zentrale Begriffe und theoretische Konzepte aus der wechselvollen Geschichte der Ästhetik anhand ausgewählter Texte einzuführen. Es ist eine "Einführung" in die Ästhetik, die sich auch für Studienanfänger eignet. Für einen benoteten Schein ist ein Referat und eine schriftliche Ausarbeitung erforderlich.

 

 

Literatur zur Einführung:

Koppe, Franz (Hrsg.): Perspektiven der Kunstphilosophie. Texte und Diskussionen. Frankfurt a. M. 1991.

Scheer, Brigitte: Einführung in die philosophische Ästhetik. Darmstadt 1997.

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Düwell/Graumann/Rieß: Ethik in der Humangenetik Kompaktseminar
(Veranstaltung des Interfakultären Zentrums für Ethik in den Wissenschaften)

 

25.01.-27. 01., Verbindliche Vorbesprechung: 24. 10., 13.00 Uhr c.t.

Ort: Konferenzraum im Interfakultären Zentrum für Ethik in den Wissenschaften

Die neuen Techniken der Humangenetik werden derzeit in der Öffentlichkeit heftig diskutiert. Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms, die Präimplantationsdiagnostik, die Möglichkeiten der Gentherapie benennen nur einige Stichworte, um die sich die Diskussion bewegt. Diese Themengebiete werden seit längerer Zeit nicht nur in Biologie und Medizin behandelt, auch im Rahmen des ethischen Fachdiskurses hat sich eine eigene Diskussion herausgebildet. Für eine fundierte Beteiligung an der ethischen Diskussion um diese Themenfelder ist es erforderlich, sowohl die technischen Möglichkeiten zu kennen als auch über den ethischen Diskussionsstand informiert zu sein. Das Proseminar dient der Einführung in die verschiedenen Aspekte der Diskussion. Es ist bewußt als interdisziplinäre Veranstaltung aus philosophisch-ethischer und humangenetischer Perspektive konzipiert. Für einen benoteten Schein ist ein Referat und eine schriftliche Ausarbeitung erforderlich. Das Seminar orientiert sich an den Themen des Ethisch-Philosophischen Grundlagenstudiums (1.2: Lehrveranstaltung zu fach- bzw. berufsethischen Fragen).

 

 

Literatur zur Einführung:

Düwell, Marcus und Dietmar Mieth (Hrsg.): Ethik in der Humangenetik. Die neueren Entwicklungen der genetischen Frühdiagnostik aus ethischer Perspektive. 2. Aufl. Tübingen 2000.

Schmidtke, Jörg: Vererbung und Ererbtes: ein humangenetischer Ratgeber. Hamburg 1997.

 

 

 

 

Engels: Grundfragen der Ethik in den Biowissenschaften - Begleitseminar zur Vorlesung

Mi 8-10, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 24. 10.

 

 

Die Ethik in den Biowissenschaften (Bioethik) ist ein Bereich der anwendungsbezogenen Ethik. Ihre Problemstellungen entspringen der konkreten Forschungs- und Lebenspraxis, für die sie Orientierungs- und Entscheidungshilfen bereitstellen soll. Dies setzt die Identifikation und Analyse der Problemzusammenhänge voraus. Das Seminar soll anhand ausgewählter Texte in die wichtigsten Bereiche der Ethik in den Biowissenschaften einführen und dabei grundlegende Ansätze ethischen Argumentierens sowie die Fähigkeit zu eigenständiger ethischer Urteilsbildung vermitteln. Wir werden uns mit Fragestellungen der biomedizinischen Ethik, der Tierethik und der ökologischen Ethik beschäftigen. Das Seminar orientiert sich an den Themen des Ethisch-Philosophischen Grundlagenstudiums (1.2: Lehrveranstaltung zu fach- bzw. berufsethischen Fragen).

Bedingung für den Erwerb eines unbenoteten Leistungsnachweises ist ein Seminarvortrag mit Thesenpapier, für einen benoteten Leistungsnachweis eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit.

Die Literatur mit den zu behandelnden Texten wird in der ersten Seminarsitzung verteilt.

Als Einführung wird empfohlen: Eve-Marie Engels (Hrsg.): Biologie und Ethik. Stuttgart 1999.

 

 

 

 

Figal: Nietzsche, Also sprach Zarathustra

Do 16-18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 18. 10.

 

 

Nietzsches Zarathustra ist eine philosophische Dichtung, in der es um die Darstellung eines philosophischen Lehrers, seiner Möglichkeiten und Gefährdungen geht. Das Buch hat in der Wirkungsgeschichte Nietzsches eine bedeutende Rolle gespielt und kann, sofern man die Hauptfigur nicht mit dem Autor verwechselt, als eine Einführung in Nietzsches Denken gelesen werden. Während des Semesters werden ausgewählte Kapitel des Zarathustra sorgfältig gelesen und interpretiert.

Textgrundlage ist die Ausgabe des Zarathustra in der Kritischen Studienausgabe von Nietzsches Werken.

 

 

 

 

Gerber: Idealistische Geschichtsphilosophie: Kant, Fichte, Hegel

Fr 10-12, Alte Burse, Melanchthon-Zimmer (Raum 308), Beginn: 19. 10.

 

 

Die idealistische oder sogenannte klassische Geschichtsphilosophie von Kant bis Hegel kann als der Versuch betrachtet werden, die zuvor vor allem in Frankreich und Nordamerika entwickelten politischen Ideen und Ziele der Aufklärung philosophisch zu begründen und zu rechtfertigen. Die gemeinsame leitende Idee in den verschiedenen Konzeptionen ist die der stufenweisen Entwicklung von vernunftbestimmten Zuständen in der Geschichte hin zu einer Verwirklichung der Vernunft in einer bürgerlichen Gesellschaft und einer staatlichen Verfassung. Dabei wird Vernunft nicht, wie im Rationalismus, als abstrakt wirkendes Prinzip angesehen, sondern das vernunftbegabte Subjekt wird zum Träger und Vollstrecker eines "Weltplans"(Fichte).

Es gibt jedoch deutliche Unterschiede, was die theoretische Ausformulierung dieser gemeinsamen leitenden Idee angeht. So ist es Fichte, der den Gedanken einer Verwirklichung von Vernunft in Freiheit besonders betont; und hervorzuheben ist insbesondere die sehr viel größere Offenheit von Kants naturteleologischer Konzeption im Unterschied zu Hegels Geschichtsphilosophie, die Teil eines geschlossenen philosophischen Systems ist: Während für Kant die Entwicklung vernunftgemäßer politischer Verhältnisse eine Aufgabe und Hoffnung bleibt, ist das Wirken der Vernunft in der Weltgeschichte für Hegel schon zur Gewißheit geworden.

Im Seminar sollen folgende Texte gelesen und diskutiert werden: Von Kant die 'Ideen zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht', der zweite Abschnitt aus 'Der Streit der Fakultäten' und 'Über den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis'; von Fichte Auszüge aus 'Beiträge zur Berichtigung der Urteile des Publikums über die französische Revolution' und aus 'Die Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters'; von Hegel schließlich die Einleitung zu den 'Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte'.

Ein benoteter Schein kann aufgrund eines schriftlich ausgearbeiteten Referats oder einer Hausarbeit erworben werden.

 

 

Texte in:

Kant, Immanuel: Schriften zur Anthropologie, Geschichtsphilosophie, Politik und Pädagogik I. Werkausgabe Band XI. Frankfurt a. M. 1977 (stw 192).

Fichtes Werke: Herausgegeben von I. H. Fichte. Berlin 1971. Bde. VI und VII.

Hegel, G. W. F.: Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte. Werke Bd. 12. Frankfurt a. M. 1986 (stw 612).

 

 

Zur Einführung:

Angehrn, Emil: Geschichtsphilosophie. Stuttgart 1991.

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Grundmann: Was heißt es, frei zu sein?

Mi 10-12, Alte Burse, Raum X, Beginn: 17. 10.

 

 

Kommentar: siehe Aushang

 

 

Heidelberger: Grundprobleme der Wissenschaftsphilosophie

Do 9-11, Ort: siehe Aushang, Beginn: 18. 10.

 

 

Die Naturwissenschaften sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken und bestimmen viele Bereiche unserer Gesellschaft. Jeder von uns bekommt in seiner Ausbildung Grundzüge des wissenschaftlichen Weltbildes vermittelt. Weniger gut steht es aber mit dem Wissen und der Reflexion darüber, was Wissenschaft eigentlich ausmacht, wie sie so gut funktionieren kann, worauf ihre Geltung beruht und wo ihre Grenzen liegen. Um aus den Wissenschaften philosophische Folgerungen ableiten, sie aus philosophischer Sicht kritisieren oder ihre Anwendungen einer ethischen Bewertung unterziehen zu können, muß man erst ihre Eigenart begreifen. Es werden wichtige Probleme und Auffassungen der gegenwärtigen Wissenschaftsphilosophie behandelt, die zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den Wissenschaften notwendig sind.

Zu Beginn des Semesters wird ein Reader mit den zu behandelnden Texten zum Kopieren bereitgestellt.

Scheinerwerb durch Referat und Hausarbeit oder - nach Absprache mit den Teilnehmern - eine Klausur.

 

 

Einführende Literatur zur Vorbereitung:

Hacking, Ian: Einführung in die Philosophie der Naturwissenschaften. Stuttgart 1996.

Lambert, Karel und Gordon G. Brittan: Eine Einführung in die Wissenschaftsphilosophie. Berlin 1991.

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Höffe: Nietzsche, Zur Genealogie der Moral Interpretationskurs I

Mi 14-16, Alte Burse, Raum X, Beginn: 17. 10.

 

 

Der zweisemestrige Interpretationskurs ist einer Grundschrift der nachkantischen Moralphilosophie und der Moralkritik gewidmet.

Einen Teilnahmeschein erhält man für ein Protokoll, einen benoteten Schein für ein Referat und dessen schriftliche Ausarbeitung. Eine Literaturliste und das Programm sind ab Anfang September im Sekretariat (Zi. 317) erhältlich.

 

 

Textgrundlage:

Nietzsches Schrift Zur Genealogie der Moral, z. B. in der Kritischen Studienausgabe. Hrsg. von G. Colli und Mazzino Montinari. Band 5. Berlin 1988 (und spätere Auflagen).

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Hofmann: David Humes Empirismus

Do 18-20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 18. 10.

 

 

David Hume gehört zu den zentralen Figuren des (klassischen) Empirismus. Dieser Empirismus umfaßt einen Cluster verschiedener Thesen zur Erkenntnistheorie, Philosophie des Geistes und Ontologie. Im Kern steht dabei die erkenntnistheoretische Auffassung, daß all unsere Erkenntnis empirische Erkenntnis ist, d. h. eine Erkenntnis ist kraft Erfahrung - und nicht etwa kraft Vernunft. (Nach Hume gilt dabei lediglich Erkenntnis von begrifflichen Wahrheiten als Ausnahme.) Zu dieser erkenntnistheoretischen Auffassung gesellt sich bei Hume die Überzeugung, daß auch die Begriffe (oder 'Ideen', wie Hume sagt) 'aus der Erfahrung stammen', d. h. vom Geist aus Wahrnehmungen und Empfindungen über einen Vorgang der 'Abstraktion' gewonnen werden. Somit stellen die sinnlichen geistigen Zustände (Wahrnehmungen, Empfindungen) das Grundmaterial des menschlichen Geistes dar, auf dem alles andere aufbaut. Die Position des Empirismus, zu der der Rationalismus ('Es gibt apriorische Erkenntnis') den Gegenpol darstellt, ist philosophiegeschichtlich von herausragender Bedeutung und wurde im 20. Jahrhundert vor allem vom logischen Empirismus (Wiener Kreis) und von Quine weitergeführt und ist nach wie vor aktuell.

Wir wollen uns im Proseminar in Humes Empirismus einarbeiten, indem wir seine äußerst kompakte, klar und verständlich abgefaßte und scharfsinnige Schrift Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand (engl.: An Enquiry Concerning Human Understanding) lesen, deren Anschaffung ich empfehle, und ergänzend dazu noch einige wichtige Passagen aus Humes Abhandlung über die menschliche Natur (engl.: A Treatise of Human Nature) heranziehen. Dabei werden wir uns zugleich die wichtigsten Grundbegriffe der Erkenntnistheorie und Philosophie des Geistes erarbeiten, die zum Verständnis der von Hume behandelten Probleme und Phänomene notwendig sind. Gleichzeitig zur Interpretation von Humes Äußerungen wollen wir uns die Möglichkeiten und Grenzen des Empirismus systematisch mittels der Rekonstruktion von Argumenten und kritischer Diskussion erschließen. Hume ist in der Darstellung seiner Überlegungen und in der Schärfe seines Problembewußtseins spitze, ja fast unübertroffen. Daher eignet sich das Proseminar auch sehr gut für Anfänger(innen) in der Philosophie.

Scheinvergabe: schriftlich ausgearbeitetes Referat oder mündliches Referat plus schriftliche Hausarbeit für benoteten Schein.

 

 

Literatur:

Hume, David: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand. 12. Aufl. Hamburg 1993.

Hume, David: Ein Traktat über die menschliche Natur. 2 Bde. 2., durchges. Aufl. Hamburg 1989.

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Koch, A. F.: Platon, Parmenides Interpretationskurs II

Do 16-18, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 25. 10.

 

 

Im zweiten Teil dieses Interpretationskurses wollen wir im wesentlichen den zweiten Teil des Platonischen Dialogs Parmenides (137c-166c) lesen, der zu Recht als überaus schwierig gilt. Es werden hier antinomische Schlußfolgerungen zunächst aus der Voraussetzung: "Eins ist" bzw. "Das Eine ist", dann aus der gegenteiligen Voraussetzung: "Eins (bzw. das Eine) ist nicht", gezogen.

Als Textgrundlage empfiehlt sich eine griechisch-deutsche Ausgabe, etwa die des Reclam Verlags oder die der Philosophischen Bibliothek des Meiner Verlags oder diejenige in: Platon, Werke, Band 5, hrsg. von Gunther Eigler (Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt). In der Seminarbibliothek ist ein Handapparat mit Forschungsliteratur eingerichtet worden.

Teilnahmevoraussetzung: Teilnahme an Teil I des Kurses, Bereitschaft zur Übernahme von Stundenprotokollen und Kurzreferaten. Erwünscht (aber nicht vorausgesetzt) sind Griechischkenntnisse.

Scheinerwerb: eine Hausarbeit pro Semester.

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Koch, D.: Lektürekurs für Erst- und Zweitsemester: Platon, Symposion

Di 18-20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 16. 10. (In der ersten Sitzung findet eine Vorbesprechung statt.)

 

 

Der Umgang mit philosophischen Schriften bedarf bestimmter "hand-werklicher" Voraussetzungen: Die Fähigkeit eines begrifflich genauen Lesens, das Vermögen, die spezifische Problemstellung eines Textes herauszupräparieren, die Beherrschung der charakteristischen Begrifflichkeit eines Autors, zudem die stete Beachtung der Differenz von Textauslegung und eigener Sachinterpretation und anderes mehr.

Der Lektürekurs für Erst- und Zweitsemester will über die Demonstration dieser Umgangsweisen hinaus zusammen mit Platons Dialog Symposion auch in die Eigenart und in den Reichtum philosophischer Probleme und philosophischen Denkens einführen.

Platons Symposion handelt vom Eros, seinen mannigfachen Verständnisweisen und seinem Verhältnis zur Philosophie, vor allem zur Philosophie, wie sie Platon in der Gestalt des Sokrates auftreten läßt. Der Dialog eignet sich nicht nur zur Auseinandersetzung mit Grundgedanken Platons, sondern er ist auch einer der faszinierendsten Schriften zur Frage nach dem Sinn des Philosophierens.

Die Veranstaltung ist ausschließlich für Erst- und Zweitsemester im Studienfach Philosophie bestimmt. Griechischkenntnisse sind nicht vorausgesetzt.

Leistungsnachweise für einen unbenoteten Schein: Übernahme eines Protokolls (Umfang: 2-3 Seiten) oder die mündliche Einführung in eine Textstelle. Eine Vorschlagsliste wird zu Beginn des Semesters ausgegeben.

Leistungsnachweis für einen benoteten Schein: Hausarbeit (Höchstumfang: 15 Seiten; Abgabetermin: bis 31. März 2002). Eine Vorschlagsliste wird zu Beginn des Semesters ausgegeben.

 

 

Textgrundlage:

Platon: Trinkgelage. Frankfurt a. M: Insel Verlag 1997 (2. Auflage, Taschenbuch).

 

 

 

 

Koch, D.: Martin Heidegger, Sein und Zeit Interpretationskurs I

Mi 18-20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 17. 10. (In der ersten Sitzung findet eine Vorbesprechung statt.)

 

 

Martin Heideggers Sein und Zeit ist eines der Schlüsselwerke der Philosophie des 20. Jahrhunderts. Im Zentrum unserer Auseinandersetzung wird Heideggers verwandelnde Aufnahme der "alten" abendländischen Frage nach dem Sein stehen (Was ist überhaupt Sein und wie gibt es Sein?). Dieser Neuansatz geschieht auf dem Boden eines durch Endlichkeit bestimmten Verstehens und Auslegens von Sein: Wie steht unsere seinsverstehende Endlichkeit mit der Zeitlichkeit von "Sein im Ganzen" zusammen, wenn es dieses Sein überhaupt nur im Verstehen und Auslegen des einzelnen Daseins "gibt"? Bei der versuchten Antwort auf diese Frage wird sich ein ungeheurer Reichtum an Wesensphänomenen und -bezügen erschließen. Eine Annäherung an die Grundproblematik von "Sein und Zeit" setzt jedoch voraus, daß wir erst einmal unabhängig davon unser Vorverständnis dahingehend klären müssen, was denn überhaupt mit dem scheinbar nichtssagenden Ausdruck "Sein" gemeint sein kann.

Scheinerwerb: eine Hausarbeit pro Semester (Umfang: 10 bis 15 Seiten à 2000 Anschläge). Bitte beachten Sie, daß in einem Interpretationskurs nur benotete Scheine erworben werden können.

Eine Vorschlagsliste für Hausarbeitsthemen wird ausgegeben.

 

 

Textgrundlage:

Heidegger, Martin: Sein und Zeit (Einzelausgabe; Niemeyer Verlag, Tübingen; beliebige Auflage).

 

 

 

 

Merle: Kant, Kritik der Urteilskraft Interpretationskurs I

Di 16-18, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn 16. 10.

 

 

Kants Kritik der Urteilskraft erhebt den Anspruch, die Einheit des Systems der reinen Vernunft darzustellen, die in der Kritik der reinen Vernunft und in der Kritik der praktischen Vernunft nur behauptet wurde. Das Prinzip, das dabei die Reflexion der Urteilskraft leitet, ist die Zweckmäßigkeit der Natur. Die Rolle der Urteilskraft als eines reflexiven "Verbindungsmittels" der Moralphilosophie und der theoretischen Philosophie ist aber selber eine doppelte: als ästhetische Urteilskraft bezieht die Urteilskraft die Zweckmäßigkeit der Natur auf das Moralische in uns (das Gefühl des Schönen ist ein Symbol des Sittengesetzes und das Gefühl des Erhabenen verweist auf den Widerstand der Pflicht gegen die Neigungen); als teleologische Urteilskraft bezieht sie sich auf den Zusammenhang der Dinge der Natur miteinander. Schon im frühen deutschen Idealismus und in der Romantik wurde die dritte Kritik als Kants Hauptwerk bzw. als die Erschließung eines neuen philosophischen Themenbereichs und als gleichzeitig in ihrem Einheitsanspruch unausreichend wahrgenommen.

Wir werden uns in diesem Semester mit der Kritik der ästhetischen Urteilskraft (Teil I) befassen, sodann im Sommersemester 2002 mit der Kritik der teleologischen Urteilskraft (Teil II).

Für einen benoteten Schein sind ein Kurzreferat und eine Hausarbeit erforderlich.

 

 

Texte:

Kant, I.: Kritik der Urteilskraft.

Ausgaben: Akademie Ausgabe Bd. V. oder K. Vorländer (Hrsg.). Hamburg: Meiner Verlag.

 

 

Zur Einführung in Kant:

Höffe, O.: Immanuel Kant. München: C. H. Beck Verlag.

 

 

Literatur:

Frank, M. und V. Zanetti: Einführender Kommentar zu Kants "Ästhetischen Schriften". Frankfurt a. M. 2001.

Guyer, P.: Kant and the claims of taste. Cambridge, Mass. 1979.

Guyer, P.: Kant and the Experience of Freedom. Cambridge, Mass. 1993.

Kohler, G.: Geschmacksurteil und ästhetische Erfahrung. Berlin/New York 1980.

Zammito, J. H.: The Genesis of Kants Critique of Judgement. Chicago 1992.

 

 

 

 

 

Misselhorn: Thomas Nagel, Grundfragen der Philosophie

Di 10-12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 16. 10.

 

 

Gibt es eine objektive Realität und wie ist sie beschaffen? Können wir sie erkennen? Was zeichnet Subjektivität aus? Haben wir einen freien Willen? Was sind Werte? Worin besteht der Sinn des Lebens? Wie sollen wir uns gegenüber dem Tod verhalten?

Das sind nur einige der Fragen, mit denen sich Thomas Nagel (derzeitig Professor an der New York University) beschäftigt hat. Der Autor bietet daher die Möglichkeit, Grundprobleme fast aller philosophischen Disziplinen kennenzulernen. Dabei stellt sich zwischen diesen Fragen ein Zusammenhang ein, ein fundamentales Bild der Welt, das Nagels Denken leitet. Das erlaubt uns, ein breites Spektrum philosophischer Fragen anzusprechen und in ihrer systematischen Verknüpfung zu begreifen. Ausgehen werden wir dabei von Nagels wohl bekanntestem Buch The View from Nowhere, dessen Lektüre durch weitere Texte ergänzt werden soll. Aufgrund seines Überblickscharakters ist das Seminar besonders für Studierende der ersten Semester geeignet.

Benoteter Schein: Kurzreferat zur Vorbereitung einer Sitzung und Hausarbeit (10-15 Seiten).

 

 

 

Text:

Nagel, Thomas: The View from Nowhere. Oxford 1986. (Dt.: Der Blick von Nirgendwo. Frankfurt a. M. 1992)

 

 

Literatur:

Für den allerersten Einstieg:

Nagel, Thomas: What Does It All Mean? A Very Short Introduction to Philosophy. Oxford 1986. (Dt.: Was bedeutet das alles? Eine ganz kurze Einführung in die Philosophie. Stuttgart 1990.)

 

 

Informationen zur Person und weitere Literatur:

http://www.nyu.edu/gsas/dept/philo/faculty/nagel

 

 

 

 

Misselhorn: Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften

Fr 10-12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 19. 10.

 

 

Wenn Philosophie, wie Hegel sagt, ihre Zeit in Gedanken gefaßt ist, dann ist Musils Romanfragment Der Mann ohne Eigenschaften sicher auch als ein Stück Philosophie zu betrachten. Das Werk thematisiert wichtige philosophische Fragen wie das Verhältnis von Möglichkeit und Wirklichkeit, Verstand und Gefühl, Ethik und Ästhetik und die richtige Gesellschaftsordnung und bietet zugleich ein Panorama der geistigen und sozialen Strömungen der Zeit, die im Ersten Weltkrieg kulminierte. Eng damit verknüpft sind existentielle Fragestellungen nach der Liebe, dem Glauben, dem Tod, dem Bösen ... Doch nicht nur auf inhaltlicher, auch auf formaler Ebene bietet der Roman Anlaß zur philosophischen Reflexion, beispielsweise darüber, wie sich die Philosophie zu den Wissenschaften und vor allem zur Literatur verhält. Zur Beleuchtung einiger dieser Fragestellungen und um den geistigen Kontext des Romans besser zu verstehen, werden wir uns gegebenenfalls auch mit anderen Autoren und philosophischen Richtungen beschäftigen.

Scheinvergabe: Hausarbeit oder schriftlich ausgearbeitetes Referat.

Teilnahmevoraussetzung: Da es nicht möglich ist, die gesamte Textmasse im Seminar zu lesen, wird die Lektüre des autorisierten Teils des Romans (Bd. I und II/1) vorausgesetzt. Tip: Frühzeitig anfangen!

 

 

 

 

Scarano: Gerechtigkeit: Eine Einführung in die politische Philosophie

Do 10-12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 18. 10.

 

 

"Die Gerechtigkeit ist die oberste Tugend politischer Institutionen [...] noch so gut arbeitende Gesetze und Institutionen müssen abgeschafft werden, wenn sie ungerecht sind." Mit diesen Worten beginnt John Rawls seine einflußreiche "Theorie der Gerechtigkeit". Demnach bildet die "Gerechtigkeit" den normativen Grundbegriff der politischen Philosophie. Aus einer solchen Perspektive liegt die Aufgabe der politischen Ethik hauptsächlich darin, die richtige Gerechtigkeitskonzeption zu formulieren und sie gegenüber anderen Konzeptionen argumentativ zu verteidigen.

Dieser Gedanke ist für viele der heute in der politischen Philosophie Arbeitenden selbstverständlich. Jedoch war dies nicht immer so. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist er immer wieder in Frage gestellt worden, etwa durch die marxistische Gesellschaftstheorie, den Rechtspositivismus, bestimmte Versionen des Utilitarismus, später auch durch die Kommunitaristen oder die feministische Philosophie. Zugleich gibt es die unterschiedlichsten Verteidiger der Gerechtigkeitsperspektive. Wir werden in dem Proseminar klassische Texte dieser Debatte diskutieren und uns dadurch einen Zugang zu den neueren Strömungen der politischen Philosophie verschaffen.

Einen benoteten Schein erhält man durch ein Thesenpapier und eine schriftliche Hausarbeit. Zu Beginn des Semesters ist ein Reader mit den Texten erhältlich.

 

 

Zur Vorbereitung:

Kymlicka, Will: Politische Philosophie heute. Eine Einführung, Frankfurt/New York 1996.

 

 

 

 

Schick: Bertrand Russells theoretische Philosophie Interpretationskurs II

Di 18-20, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 16. 10.

 

 

Nachdem wir im ersten Teil dieses Kurses logische, prädikationstheoretische und semantische Grundpositionen des frühen Russell erarbeitet haben, soll nun im zweiten Teil die reife Fassung des Logischen Atomismus im Zentrum stehen. Eine systematische und ausführliche Darstellung dieser Position hat Russell in der Schrift Die Philosophie des Logischen Atomismus vorgelegt, die auf eine Vorlesung von 1918 zurückgeht. Darüber hinaus ist geplant, einen Blick auf Russells spätere Modifikationen seiner Position und auf kritische Würdigungen des Logischen Atomismus durch andere Autoren zu werfen.

Benoteter Schein: Ein Schein für den ganzen Kurs kann a) durch ein mündliches Referat mit kurzer schriftlicher Ausarbeitung und eine Hausarbeit oder b) durch zwei Referate erworben werden.

 

 

Literatur:

Russell, Bertrand: Die Philosophie des Logischen Atomismus. In: Ders.: Die Philosophie des Logischen Atomismus. Aufsätze zur Logik und Erkenntnistheorie 1908-1918. Üb. von J. Sinnreich. München 1976/79.

Ab Mitte September ist eine Kopiervorlage mit ergänzenden Texten im Handapparat verfügbar.

 

 

 

 

Schiemann: Geschichte, Natur und Gesellschaft bei Jean-Jacques Rousseau

Mi 14-16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 17. 10.

 

 

Am Leitfaden der drei Zentralbegriffe gibt das Seminar eine Einführung in die Philosophie Rousseaus. Außerdem wird nach der Aktualität des von Rousseau herausgearbeiteten Gegensatzes von Natur und Gesellschaft gefragt. Zur Lektüre sind in deutscher Übersetzung Auszüge vorgesehen aus dem "Ersten Diskurs" (Discours sur cette question: La rétablissement des sciences et des arts a-t-il contribué à épurer les murs? [1750]) dem "Zweiten Diskurs" (Discours sur l'origine et les fondements de l'inégalité parmi les hommes [1755]), dem "Gesellschaftsvertrag" (Du contrat social; ou, principes du droit politique [1762]) und dem "Emile" (Émile ou de l'éducation [1762]). Als einführende Sekundärliteratur ist Maximilian Forschner, Rousseau (Freiburg/München 1977) geeignet. Scheinvergabe: Referat und Hausarbeit.

 

 

 

 

Schmidt: Über den Begriff der Zeit

Mi 12-14, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 17. 10.

 

 

Was ist Zeit? "Wenn mich niemand danach fragt, weiß ich es; will ich einem Fragenden es erklären, weiß ich es nicht", sagt Augustinus. So obskur die Frage nach dem Wesen der Zeit auch sein mag, so ist sie dennoch eine der zentralen Fragen der Metaphysik. In diesem Proseminar soll in die Problematik eingeführt werden. Wir werden uns zunächst einige ältere klassische Texte zum Thema ansehen (Aristoteles, Augustinus ...), um uns dann der zeitgenössischen Diskussion zuzuwenden. Wir werden unter anderem Fragen wie die folgenden behandeln: Ist die Zeit etwas Reales? Gibt es so etwas wie tempushaltige Tatsachen ('tensed facts')? Gehört das fließende Jetzt zur Realität selbst? Kann es eine leere Zeit geben, ohne Veränderung im Universum? Sind zeitliche Relationen durch kausale Relationen definierbar? Welche topologischen Eigenschaften hat die Zeit? Haben Urteile über die Zukunft einen bestimmten Wahrheitswert? Ist Gottes Wissen über die Zukunft kompatibel mit menschlicher Freiheit?

Scheinerwerb: schriftliche Hausarbeit oder Referat.

 

 

Literatur:

Le Poidevin, Robin und Murray MacBeath (Hrsg.): The Philosophy of Time. Oxford/New York 1993.

(Weitere Texte werden in Kopien zur Verfügung gestellt.)

 

 

 

 

Schmidt: Descartes, Meditationes de prima philosophia Interpretationskurs II

Fr 14-16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 19. 10.

 

 

Wir werden in diesem Semester unsere Lektüre der Meditationen und der Einwände und Erwiderungen fortsetzen. Im Zentrum stehen Descartes ideentheoretischer und ontologischer Gottesbeweis, der Zirkelvorwurf gegen Descartes Versuch, die Möglichkeit des Wissens durch einen Gottesbeweis zu fundieren, seine Theorie des Irrtums und der Freiheit, der Beweis der Existenz der Außenwelt, die genauere Bestimmung des Verhältnisses von Körper und Geist sowie Descartes Theorie der Geschaffenheit ewiger Wahrheiten. Wenn die Zeit reicht, könnten wir auch noch einen Blick auf die Grundlagen der cartesianischen Physik werfen.

Scheinerwerb: Je eine Hausarbeit oder ein Referat pro Semester.

 

 

Text:

Descartes, René: Meditationes de prima philosophia. Hamburg 1977 (zweisprachig).

Descartes, René: Meditationen über die Grundlagen der Philosophie. Hamburg 1994 (dt. Übersetzung, mit den Einwänden und Erwiderungen).

 

 

 

 

Steinmann: Edmund Husserl, Ideen zu einer reinen Phänomenologie Interpretationskurs II

Do 18-20, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 18. 10.

 

 

Die von Edmund Husserl begründete Phänomenologie versteht sich als Versuch einer radikalen Neufundierung der Philosophie. Sie basiert auf einer Analyse des Bewußtseins in seinen konstitutiven Funktionen für Erkenntnis und Weltbezug. Dabei wird der Anspruch erhoben, das Bewußtsein erstmals in seiner Eigenart und in seiner Unterschiedenheit von allem in Raum und Zeit Seienden beschrieben zu haben. In den Ideen wird dieser Ansatz programmatisch entwickelt und kann so in seinen einzelnen Aspekten nachvollzogen werden.

Der Kurs setzt die Lektüre des Werkes fort. Der Neueinstieg ist nach Rücksprache möglich.

Benoteter Schein für den gesamten Kurs: Hausarbeit und Referat mit kurzer schriftlicher Ausarbeitung oder zwei Hausarbeiten.

 

 

 

 

Wesche: Kierkegaard, Krankheit zum Tode

Mi 12-14, Alte Burse, Raum X, Beginn: 17. 10.

 

 

Die Philosophie Søren Kierkegaards soll unter den Gesichtspunkten behandelt werden, die für den modernen Verzicht einer Selbstverständigung bestimmend sind. Eine Selbstverständigung hat auf der Grundlage des Zusammenspiels von Erfahrung und Denken zu erfolgen, im Ausgang der Betrachtung des Mißlingens von Leben und im Horizont des Spannungsverhältnisses von Theologie und Philosophie.

Textgrundlage ist der erste Abschnitt der Krankheit zum Tode in den verschiedenen erhältlichen Übersetzungen.

 

 

 

 

Wiesing: Hans Jonas: Technik, Medizin und Ethik

Do 14-16, Alte Burse, Raum X, Beginn: 25. 10.

 

 

Im Proseminar wird eingangs versucht, die Verantwortungsethik von Hans Jonas darzustellen. Anschließend sei "die Anwendung des 'Prinzips Verantwortung'" auf die Medizin erforscht. Thematisch geht es dabei neben allgemeinen Erläuterungen zur Wissenschaft und dem Problem der Wertfreiheit um Jonas Ausführungen zur Gentechnologie, Hirntod, ärztlicher Verantwortung und Sterbehilfe. Das Proseminar bietet von daher die Gelegenheit, die Verantwortungsethik von Hans Jonas in einem ersten Überblick kennenzulernen. Aufgrund der thematischen Breite im zweiten Teil des Proseminars kann es auch als eine Einführung in die medizinische Ethik dienen freilich unter einer ganz bestimmten Perspektive. Das Proseminar ist auch für Anfänger geeignet.

Scheinvergabe: schriftliches Referat.

 

 

Literatur:

Jonas, Hans: Das Prinzip Verantwortung. Frankfurt a. M. 1981.

Jonas, Hans: Technik, Medizin und Ethik. Praxis des Prinzips Verantwortung. Frankfurt a. M. 1987.

 

 

 

 

Wimmer: Platon: Politeia Interpretationskurs I

Do 8.30-10, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 18. 10.

 

 

Die Politeia wird für Platons bedeutendstes Werk gehalten. In seinem Zentrum stehen die Begriffe des Gerechten und des Guten. Sie werden in ihrer Bedeutsamkeit sowohl für die Lebensführung des einzelnen als auch für die Leitung des Staates entfaltet.

Der auf zwei Semester angelegte Interpretationskurs sucht zunächst mit dem Text selbst vertraut zu machen, dann aber auch mit einigen der prominentesten Deutungen.

Leistungsnachweis: Referat und Hausarbeit.

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Seminare

Braun: Was können wir wissen von einem Schriftsteller? (Jean-Paul Sartre: Der Idiot der Familie) Kompaktseminar

22.-24. 2., Heinrich-Fabri-Haus, Auf dem Rucken 35, 89143 Blaubeuren, Tel.: 07344/4529

Vorbesprechung: Di 23. 10., 14 Uhr c.t., Melanchthon-Zimmer (Raum 308)

 

 

"Was kann man heute von einem Menschen wissen?" Das ist Jean-Paul Sartres Kardinalproblem, beginnend mit dem großen Werk Das Sein und das Nichts, dem neuen Anlauf Kritik der dialektischen Vernunft und endend mit der letzten, ebenso voluminösen wie ingeniösen Probe am Einzelfall des Begründers des modernen Romans im 19. Jahrhundert: Gustave Flaubert. Der Idiot der Familie ist die ausgefeilteste, dickleibigste, detailreichste Interpretation, die je einem modernen Schriftsteller widerfuhr.

Ziel des Seminars ist, einen Überblick über die Inhalte und die Komposition des Werks zu vermitteln. Das Seminar soll in eine philosophische und zugleich ästhetische Einschätzung dieses gigantomanischen Fragments einmünden. Die Referent/Innen können mit der Wahl der Themen bestimmen, welche Gehalte zur Sprache kommen. Referate sind erwünscht. Sie können die Debatte beleben, aber auch Hausarbeiten sind willkommen.

Man kann die Themen in zwei Gruppen einteilen:

Speziell Ästhetisches aus dem Idiot der Familie, wie etwa zu einzelnen Werken Flauberts Éducation sentimentale, Madame Bovary, Probleme wie etwa das philosophische Konzept der "existentiellen Psychoanalyse", Flauberts Frauenhaß, Sartres Thesen zur androgynen Kunst, Flauberts Neurose-Kunst, das nicht ganz einfache Geflecht struktureller anthropologischer Begründung und historischer Gesellschaftskritik im Idiot der Familie, Sartres ästhetisches Konzept einer "Kunst für das Leben", Sartres Deutung Flauberts in der Rolle des Idioten der Familie und anderes mehr.

Vergleich des Idioten der Familie mit anderen Autoren wie etwa zu Simone de Beauvoir, Georg Lukács Geschichte und Klassenbewußtsein, Zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins, zur Kritischen Theorie (Adorno, Horkheimer, Marcuse), zum orthodoxen Marxismus-Leninismus, zu Husserls Phänomenologie, zu Heideggers Sein und Zeit, zu Marx, zu Hegel und anderes.

 

 

Texte:

Original:

Sartre, Jean-Paul: L´Idiot de la famille. Gustave Flaubert de 1821 à 1857, Éditions Gallimard Paris 1971-1973.

Tome 1: Première partie: La constitution

Tome 2: Deuxième partie: La personalisation 1. Deuxième partie: La personalisation 2

Tome 3: Troisième partie: Elbenhon ou la dernière spirale

Tome 4: Quatrième partie: Névrose obiective et subiective

Éditions Gallimard Paris

Deutsche Übersetzung:

Gesammelte Werke:

Sartre, Jean-Paul: Der Idiot der Familie. Gustave Flaubert 1821-1857. Übers. von Traugott König: Gesammelte Werke. In Zusammenarbeit mit dem Autor und Arlette Elkaim-Sartre. Hrsgg. von Traugott König: Schriften zur Literatur. Bd. 5-8. Hamburg 1986.

Der Idiot der Familie I: I. Die Konstitution, Chronologie von Gustave Flaubert 1821-1880, Register der zitierten Werke Gustave Flauberts.

Der Idiot der Familie II: II. Die Personalisation, Chronologie von Gustave Flaubert 1821-1880, Register der zitierten Werke Gustave Flauberts.

Der Idiot der Familie III: III. Elbenhon oder Die letzte Spirale, Chronologie von Gustave Flaubert 1821-1880, Register der zitierten Werke Gustave Flauberts.

Der Idiot der Familie IV: IV. Objektive und subjektive Neurose, Chronologie von Gustave Flaubert 1821-1880, Register der zitierten Werke Gustave Flauberts.

 

 

Literatur:

Sammelbände:

König, Traugott (Hrsg.): Sartres Flaubert lesen. Essays zu 'Der Idiot der Familie'. Hamburg 1980. Darin: Traugott König: Von der Neurose zur Absoluten Kunst. Hauke Brunkhorst: Wie man sich zu dem macht, der man ist. Gertrud Koch: Zwitter-Schwestern. Weiblichkeitswahn und Frauenhaß. Jean-Paul Sartres Thesen von der androgynen Kunst. Klaus Dörner: Die Wiedergeburt der Psychiatrie aus der Philosophie in Sartres 'Flaubert' und die Kritik an Sartre daraus. Manfred Frank: Das Individuum in der Rolle des Idioten. Die hermeneutische Rezeption des 'Flaubert'. Reinhold R. Grimm: 'Der Idiot der Familie' als Herausforderung der Literaturgeschichtsschreibung. Dolf Oehler: Zum gesellschaftlichen Standort der Neurose-Kunst. Sartres 'Idiot der Familie' und Flauberts 'Éducation sentimentale': Versuch einer vergleichenden Lektüre. Bibliographie.

König, Traugott (Hrsg.): Sartre. Ein Kongreß. Hamburg 1988.

 

 

Monographien:

Mayer, Hans: Anmerkungen zu Sartre. Pfullingen 1972.

Biemel, Walter: Jean-Paul Sartre in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Hamburg 1980.

Mann, Erika und Johannes Ehrhardt: Sartre, SOAK-Einführungen. Hannover 1980

 

 

Biographie:

Cohen-Solal, Annie: Sartre 1905-1980. Aus dem Französischen von Eva Groepler. Frankfurt a. M./Wien 1990.

(Original: Sartre 1905-1980. Éditions Gallimard Paris 1985.)

 

Engels/Clausen: 'Therapeutisches Klonen' auf dem Prüfstand der Ethik und Biomedizin - Kompaktseminar

Vorbesprechung: Do 25. 10., 14.00 Uhr c.t., Sigwartstraße 20, 1. Etage

Seminartermine: 23. und 24. 11., 30. 11. und 1. 12., jeweils ganztägig. Ort wird in der Vorbesprechung bekannt gegeben.

 

 

Mit kaum einem Schlagwort werden so große Hoffnungen in die zukünftige Behandelbarkeit bisher unheilbarer Krankheiten verknüpft wie mit dem 'Therapeutischen Klonen'.

Diese Kompaktveranstaltung soll neben dem Einblick in die naturwissenschaftliche Methode und einer kritischen Überprüfung der Begrifflichkeit vor allem die gängigen ethischen Argumente aufzeigen und auf ihre Stichhaltigkeit hin untersuchen. Da ein zentraler Schritt dieser hypothetischen Therapie in der Gewinnung von Stammzellen aus einem geklonten Embryo im Frühstadium seiner Entwicklung (ca. 5 Tage) besteht, der dabei zerstört wird, soll den Fragen um den Schutz und den Status des menschlichen Embryos besonderes Gewicht beigemessen werden.

Außerdem sollen Alternativen thematisiert werden, mit denen möglicherweise das gleiche Ziel erreicht werden kann, ohne in die ethischen Unwägbarkeiten am Beginn des menschlichen Lebens verwickelt zu werden. Dabei ist in erster Linie an die Verwendung adulter Stammzellen gedacht, aber auch an die direkte Transdifferenzierung somatischer Zellen in das zur Therapie benötigte Gewebe.

Bedingung für den Erwerb eines unbenoteten Leistungsnachweises ist ein Seminarvortrag mit Thesenpapier, für einen benoteten Leistungsnachweis eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit.

Zur Möglichkeit der Vorbereitung wird eine Literaturliste in der vorlesungsfreien Zeit (ab Anfang August) am Lehrstuhl für Ethik in den Biowissenschaften, Sigwartstraße 20, ausliegen.

 

 

 

 

Engels/Mosbrugger/Reif: Kulturevolution bei Mensch und Tier

Do 16-19, Geologisches Institut, Museum, Sigwartstr. 10; Beginn: 25. 10.

 

 

Die Klärung der Beziehungen zwischen der Evolution der Organismen einschließlich der des Menschen und der Kulturgeschichte stellt für die Vertreter/innen unterschiedlichster Disziplinen seit jeher eine große Herausforderung dar. Folgt die Kulturgeschichte des Menschen denselben Mustern wie die biogenetische Evolution, so daß wir sie als eine Kulturevolution bezeichnen können, oder haben wir uns mittels der Kultur und ihrer Eigendynamik von den Fesseln blinder Evolutionsprozesse befreit? Ein Versuch, die Brücke zwischen biologischer und kultureller Evolution zu schlagen, ist mit Richard Dawkins Einführung des Konzepts der "Meme" als Analogiebildung zu Genen gemacht worden. Meme werden definiert als Einheiten der kulturellen "Vererbung" oder der Imitation. Beispiele hierfür sind Melodien, Gedanken, Ideen, Bräuche, kurzum alles, dessen Weitervermittlung auf der Basis von Lernen, Imitation und Tradition statt auf der direkten Vererbung von Genen erfolgt und einen Überlebenswert hat. Die Fähigkeit zur Kulturentwicklung ist jedoch genetisch bedingt und hat einen Anpassungswert. In dieser weiten Bedeutung ist der Begriff der Kultur auch auf Tiere anwendbar (J. T. Bonner). Auch Tiere verfügen über die Fähigkeit der Weitergabe von Information durch den Vorgang von Lehren und Lernen. Im Seminar soll anhand ausgewählter Texte die Frage untersucht werden, ob und inwieweit eine Naturalisierung und Biologisierung kultureller Phänomene eine tragfähige Grundlage zum Verständnis menschlicher Kultur bildet. Umgekehrt soll untersucht werden, welche Deutungsmöglichkeiten tierlichen Verhaltens sich durch die Anwendung des Memkonzeptes auf Tiere eröffnen.

Bedingung für den Erwerb eines unbenoteten Leistungsnachweises ist ein Seminarvortrag mit Thesenpapier, für einen benoteten Leistungsnachweis eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit.

 

 

Als Einführung wird empfohlen:

Bonner, John Tyler: Kultur-Evolution bei Tieren. Berlin/Hamburg: Parey 1983.

Blackmore, Susan: The Meme Machine. Oxford: Oxford University Press 1999.

OHear, A.: Beyond Evolution, Human Nature and the Limits of Evolutionary Explanations. Oxford: Oxford University Press 1997.

 

 

 

 

Figal: Aristoteles, Metaphysik, die "Substanzbücher" Z, H,

Di 14-16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 16. 10.

 

 

Die als Bücher 7 bis 9 (Z, H, ) der Aristotelischen Metaphysik gezählten Abhandlungen zählen zu den wichtigsten Texten der Philosophie überhaupt. Hier erörtert Aristoteles den zentralen Begriff seiner Wissenschaft vom Seienden als Seienden, den Begriff der ousia, und entwickelt damit die Voraussetzungen für jede spätere Ontologie. Die genannten Texte sind schwierig und erfordern eingehende und genaue Lektüre.

Als Text empfehle ich die zweisprachige, in der "Philosophischen Bibliothek" des Meiner-Verlags erschienene Ausgabe. Weitere Literatur gebe ich zu Beginn des Semesters bekannt.

 

 

 

 

Gerber: Donald Davidson und Michael Dummett über Bedeutung und Wahrheit

Mi 14-16, Alte Burse, Melanchthon-Zimmer (Raum 308), Beginn: 17. 10.

 

 

Die Namen von Donald Davidson und Michael Dummett stehen in der zeitgenössischen Sprachphilosophie für eine Position, bei der sprachliche Bedeutung unter Verwendung des Begriffs der Wahrheit erklärt wird. Zugleich sind Davidson und Dummett die beiden klassischen Bezugspunkte in der Auseinandersetzung zwischen semantischem Realismus und semantischem Antirealismus.

Den Ausgangspunkt von Davidsons Konzeption bildet die Einsicht, daß die Lernbarkeit einer Sprache eng mit ihrer Kompositionalität zusammenhängt; d. h., weil die Sprache eine systematische Struktur aufweist, sind wir in der Lage, aufgrund der Kenntnis einer endlichen Anzahl von Wörtern potentiell unendlich viele Sätze zu verstehen. Eine Theorie der Bedeutung, so Davidson, muß diese systematische Strukturiertheit der Sprache erfassen können. Und dies kann sie dann, wenn sie die Form einer rekursiven Wahrheitstheorie annimmt, wie Alfred Tarski sie entworfen hat. Danach besteht die Theorie aus einer endlichen Anzahl von Bedeutungsaxiomen und Kompositionsregeln, so daß in der Theorie für jeden beliebigen Satz einer natürlichen Sprache ein sogenannter T-Satz abgeleitet werden kann, der die Wahrheitsbedingungen (und damit die Bedeutung) des Satzes angibt.

Michael Dummett kritisiert an dieser Konzeption, daß sie den von ihm selbst formulierten Anspruch, wonach eine Theorie der Bedeutung eine Theorie des Verstehens sein sollte, nicht einlösen kann. Sie kann es deshalb nicht, weil sie einen realistischen Wahrheitsbegriff unterstellt; d. h., sie unterstellt, daß eine Aussage entweder wahr oder falsch ist, unabhängig davon, ob wir ihre Wahrheit oder Falschheit erkennen können. Und mit einem solchen Wahrheitsbegriff, so Dummett, können wir die Probleme des sprachlichen Verstehens nicht lösen. Sein Vorschlag lautet deshalb, daß Bedeutung nicht auf Wahrheitsbedingungen, sondern auf Verifikationsbedingungen zurückgeführt werden kann.

Ein benoteter Schein kann aufgrund eines schriftlich ausgearbeiteten Referats oder einer Hausarbeit erworben werden.

 

 

Literatur:

Davidson, Donald: Inquiries into Truth and Interpretation. Oxford 1984.

Davidson, Donald: The Structure and Content of Truth. In: Journal of Philosophy 87 (1990). S. 279-328.

Dummett, Michael: Truth and other Enigmas. London 1978.

Dummett, Michael: The Seas of Language. Oxford 1993.

Tarski, Alfred: Die semantische Konzeption der Wahrheit und die Grundlagen der Semantik. In: Skirbekk und Gunnar (Hrsg.): Wahrheitstheorien Frankfurt a. M. 1977. S. 140-188.

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Hägler: Des Kaisers neue Kleider: Zur Kritik der postmodernen Denker Kompaktseminar

Termin und Kommentar werden zu Beginn des Semesters am Schwarzen Brett ausgehängt.

 

 

 

 

Heidelberger: Neuere wissenschaftsphilosophische Literatur

Mi 18-20, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 17. 10.

 

 

Das Seminar will ein Forum für die wissenschaftsphilosophische und interdisziplinäre Diskussion bieten. Die Themen werden zu Beginn des Semesters gemeinsam mit den Teilnehmern abgesprochen. Gedacht ist für das WS u. a. daran, sich mit neuerer Literatur der evolutionären Psychologie auseinanderzusetzen. Aber andere Vorschläge sind ebenso willkommen. Das Seminar ist auch für Studierende anderer Fächer offen, die sich für die Philosophie der Wissenschaften interessieren. Interessenten werden zu frühzeitiger Kontaktaufnahme ermuntert: michael.heidelbergerspam prevention@uni-tuebingen.de

 

 

 

 

Höffe: Ausgewählte Literatur zu Kants "Kritik der reinen Vernunft" I

Mi 16-18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 17. 10.

 

 

In dem auf zwei Semester angelegten Hauptseminar werden neuere Publikationen zur theoretischen Philosophie Kants, insbesondere zur Kritik der reinen Vernunft, diskutiert.

Einen Teilnahmeschein erhält man für ein Protokoll, einen benoteten Schein für ein Referat und dessen schriftliche Ausarbeitung. Eine Literaturliste und das Programm sind ab Anfang September im Sekretariat (Zi. 317) erhältlich.

 

 

 

 

Hofmann: Kausalität und Zeit

Mi 10-12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 17. 10.

 

 

Die Zeit ist - im Unterschied zum Raum - eindimensional und gerichtet. Sie hat eine ausgezeichnete Richtung. Wie kann diese Richtung erklärt werden? Nach Auffassung mancher Theoretiker bietet die Kausalität hier einen entscheidenden Ansatzpunkt: Die Richtung der Zeit ist notwendigerweise von der Richtung der Kausalität bestimmt. Kann es dann aber Rückwärts-Verursachung, ewige Wiederkehr und Zeitreisen geben?

Es ist offen, was die Relata der Kausalbeziehung sind. Ereignisse oder Tatsachen? Für Tatsachen spricht, daß die Kausalität einen 'Qua-Charakter' aufweist: Der Apfel fällt nicht nur nicht weit vom Stamm, sondern er fällt so, weil er eine bestimmte Eigenschaft hat - eine bestimmte Masse. Wenn Tatsachen andere Tatsachen verursachen, fragt es sich, in welcher Weise die Zeit in die Tatsachen eingeht. Denn Tatsachen verursachen einander in ganz bestimmten Zeitabständen. Enthalten Tatsachen Zeiten als Konstituenten? Oder sind sie in der Zeit 'lokalisiert'?

Betrachten wir schließlich Veränderung. Eine Veränderung liegt vor, wenn sich die Tatsachen ändern. Bedeutet das, daß Tatsachen in der Zeit entstehen und vergehen? Hier stellt sich die - noch schwierigere - Frage, wie Existenz und Zeit zueinander stehen.

 

Diese und andere Grundfragen zu Kausalität und Zeit wollen wir im Seminar systematisch behandeln. Sie sind nicht nur für sich und um ihrer selbst willen interessant. Denn es hat sich inzwischen gezeigt, wie mir scheint, daß viele andere Fragen in der Erkenntnistheorie und Philosophie des Geistes, aber auch in der Handlungstheorie, an entscheidenden Stellen von Annahmen über die Natur von Kausalität und Zeit abhängen. Z. B. ist Donald Davidsons Philosophie des Geistes und Handlungstheorie nicht ohne seine Ereignisontologie und rein extensionale Kausalitätstheorie zu denken. Eine gründliche Auseinandersetzung mit Kausalität und Zeit ist daher letztlich unvermeidlich und natürlich ohnehin wünschenswert. Dazu werden wir hauptsächlich Passagen aus Tooleys Causation: A Realist Approach und aus Mellors The Facts of Causation studieren und ergänzend eventuell noch einige neuere Aufsätze.

Ein Reader mit allen Seminartexten kann ab 1. Oktober bei mir erworben werden (s. Aushang ab 1. Oktober). Ein Blick in die Aufsatzsammlung von Le Poidevin und MacBeath (1993) zur Annäherung an das Thema Zeit wäre zu empfehlen.

Scheinerwerb: benoteter Schein für schriftliche Hausarbeit.

 

 

Literatur:

Tooley, Michael: Causation: A Realist Approach. Oxford, OUP 1987.

Mellor, D. H.: The Facts of Causation. London, Routledge 1995.

Le Poidevin, R., und M. MacBeath (Hrsg.): The Philosophy of Time. Oxford Readings in Philosophy. Oxford, OUP 1993.

 

 

 

 

Klinger: Themen ästhetischer Theorie im 20. Jahrhundert: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit Kompaktseminar

13. 12.-15. 12., 10 Uhr, Alte Burse, Raum 211 Voranmeldung bei Frau Ott

 

 

"Um 1900 hatte die technische Reproduktion einen Standard erreicht, auf dem sie die Gesamtheit der überkommenen Kunstwerke zu ihrem Objekt zu machen und deren Wirkung den tiefsten Veränderungen zu unterwerfen begann", schreibt Walter Benjamin rückblickend im Jahr 1936. Worin diese "tiefsten Veränderungen" bestehen und das Ausmaß, das sie annehmen, ist im späteren Verlauf des 20. Jahrhunderts deutlicher geworden, als aus Benjamins Distanz von nur einer Generation gegenüber der Jahrhundertwende. Dennoch bilden Benjamins Reflexionen nach wie vor einen vor allem in philosophischer Hinsicht wichtigen Ausgangspunkt, um Art und Umfang dieser Veränderungen dem Verstehen zugänglich werden zu lassen. Dabei geht es nicht nur um die Definition von Kunst, sondern darüber hinaus um das Verhältnis von Kunst und Gesellschaft und schließlich um den Bestand der symbolischen Ordnung des Abendlandes.

Von Benjamins Analysen in seinem Aufsatz "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" ausgehend sollen folgende Fragen im Mittelpunkt des Seminars stehen:

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- Technologische Innovation und alte Kunst: die Auratisierung der großen Meisterwerke und die Idee des Archivs

- Die Entstehung eines modernitätsförmigen ästhetischen Idioms in Übereinstimmung und Widerspruch zur neuen Technologie

- Die Entstehung neuer künstlerischer Ausdrucksmedien (Photographie, Film usw.)

- Die Autonomie der Kunst und ihr Verhältnis zur Massenkultur

- Der Ort der Kunst in der Gesellschaft

- Die Revolutionierung des Verständnisses von Raum und Zeit

- Leistungsnachweis: durch Referat und/oder Hausarbeit.

 

 

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Text:

Benjamin, Walter: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. In: Ders.: Gesammelte Schriften. Bd. I. 2. Hrsg. v. Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1974.

 

 

 

Zur weiteren Lektüre empfohlen:

Aigner, Carl, Hubertus von Amelunxen und Walter Smerling: Tomorrow For Ever: Architektur, Zeit, Photographie. Köln: Dumont 1999.

Barthes, Roland: Der entgegenkommende und der stumpfe Sinn. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1990. Teil I, 1: Das Bild. S. 11-66.

Belting, Hans: Das unsichtbare Meisterwerk. Die modernen Mythen der Kunst. München: Beck 1998.

Flusser, Vilém: Ins Universum der technischen Bilder, 1996.

Francastel, Pierre: Art et technique aux XIXe et XXe siècles. Paris: Gallimard 1988 (engl. Übersetzung: Cambridge: MIT Press 2000).

Giddens, Anthony: The Consequences of Modernity. Stanford University Press 1990 (dt. Übers.: Konsequenzen der Moderne. Frankfurt: Suhrkamp 1995).

Hiebel, Hans: Media. Tabelle zur Geschichte der Medien-Technik. In: Theo Elm und Hans Hiebel (Hrsg.): Medien und Maschinen. Literatur im technischen Zeitalter. Freiburg: Rombach 1991. S. 186-224.

Lindner, Burkhardt: Benjamins Aurakonzeption: Anthropologie und Technik, Bild und Text. In: Uwe Steiner (Hrsg.): Walter Benjamin 1892-1940. Zum 100. Geburtstag. Bern: Peter Lang 1992. S. 217-248.

McQuire, Scott: Visions of Modernity: Representation, Memory, Time and Space in the Age of the Cinema. London: SAGE 1997.

Pfeiffer, Helmut: Ästhetisches Bewußtsein und imaginäres Museum. Funktionen der Kunst und Wandel des Gesellschaftsbegriffs. In: Helmut Pfeiffer, Hans Robert Jauß und Francoise Gaillard (Hrsg.): Art social und art industriel - Funktionen der Kunst im Zeitalter des Industrialismus. München: Fink 1987. S. 78-103.

 

 

 

 

Koch, A. F.: Fichte, Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre II

Di 16-18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 16. 10.

 

 

Es sollen ausgewählte Abschnitte des zweiten Teils ("Grundlage des theoretischen Wissens") sowie der dritte Teil ("Grundlage der Wissenschaft des Praktischen") der Fichteschen Wissenschaftslehre von 1794/95 besprochen werden. Das Seminar setzt ein Seminar über den ersten Teil der Wissenschaftslehre ("Grundsätze") vom Sommersemester fort. Neue Teilnehmer sind willkommen, sofern sie mit der Materie bereits unabhängig vertraut sind.

Der Text liegt in verschiedenen, leicht zugänglichen Ausgaben vor (z. B. in der Philosophischen Bibliothek des Meiner Verlags). In der Seminarbibliothek ist ein kleiner Handapparat mit Forschungsliteratur eingerichtet worden.

Scheinerwerb: Hausarbeit.

 

 

 

 

Koch, A. F.: Neueste analytische Literatur

Di 20-22, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 16. 10.

 

 

Im Hauptstudium sollte u. a. die Fähigkeit erworben werden, die Fachliteratur mit Verständnis zu lesen. Was jedoch die analytische Literatur betrifft, so sind nicht nur und nicht vornehmlich der fremden Sprache wegen (die meisten Texte kommen aus dem englischen Sprachraum) Defizite leider auch an der sonst so glänzenden Universität Tübingen zu konstatieren. Dem will das Seminar abhelfen. Es sollen Aufsätze analytischer Provenienz zu verschiedenen Themen, die frisch von der Presse kommen, gelesen und diskutiert werden. Um die Textauswahl unabhängig von meinen eigenen theoretischen Interessen zu machen und der Möglichkeit von Überraschungen Raum zu geben, schlage ich für den Anfang vor, schlicht den Editoren des Journal of Philosophy zu folgen und die Lektüre bzw. Diskussion in einem der diesjährigen Hefte des Journal, was immer sein Inhalt sein mag, zu beginnen. Die Aufsätze im Journal of Philosophy sind im allgemeinen gehaltreich und subtil, keine leichte Lektüre. Meine Rolle als Seminarleiter wird zu guten Teilen darin bestehen, Lesehilfen und Hintergrundinformationen zu geben.

Scheinerwerb: Hausarbeit.

 

 

 

 

Merle: Kants Geschichtsphilosophie

Di 20-22, Alte Burse, Raum X, Beginn 16. 10.

 

 

Geschichtsphilosophie ist heute so gut wie ausgestorben; allenfalls gibt es noch eine Wissenschaftstheorie der Geschichtswissenschaften. Wir wollen einerseits eine weniger bekannte Seite Kants, eben sein Geschichtsdenken, studieren. Andererseits prüfen wir, ob eine Philosophie der Geschichte noch sinnvoll sein kann, nicht als naive Fortsetzung der "Zivilreligion der Aufklärung", des Fortschrittdenkens, vielleicht aber als eine aufgeklärte Variante: als Rechtsfortschritt in Richtung auf einen weltbürgerlichen Zustand, d. i. eine globale Rechts- und Friedensordnung.

Weil es zugleich einen Überblick über die verschiedenen Teile des Kantischen Systems geben wird, eignet sich das Proseminar auch gut für Anfänger. Für einen benoteten Schein sind ein Kurzreferat und eine Hausarbeit erforderlich.

Ab Ende des Sommersemesters liegt eine Referatsliste vor.

 

 

Texte:

Kant, Immanuel: Idee zu einer Geschichte in weltbürgerlicher Absicht; Mutmaßlicher Anfang der Menschengeschichte; Zum ewigen Frieden, v.a. Erster Zusatz: Von der Garantie des ewigen Friedens; Der Streit der Fakultäten, 2. Abschnitt: Ob das menschliche Geschlecht im beständigen Fortschreiten zum Besseren sei.

Ausgaben: Akademie Textausgabe Bd. VIII, "Der Streit der Fakultäten": Bd. VII. Berlin (de Gruyter) 1968. Oder in: Werke. Hrsg. v. W. Weischedel, in sechs Bänden (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) bzw. in zwölf (Halb-)Bänden (Suhrkamp).

 

 

Zur Einführung in Kant:

Höffe, O.: Immanuel Kant. 4. Aufl. München 1996 (bes. Kap. 11).

 

 

Literatur:

Weyand, K.: Kants Geschichtsphilosophie. Ihre Entwicklung und ihr Verhältnis zur Aufklärung. Köln 1963.

Riedel, M.: Urteilskraft und Vernunft. Frankfurt a. M. 1989. Teil III.

 

 

 

 

Scarano: Handlungen, Motive, Gründe

Fr 11-13, Alte Burse, Raum X, Beginn: 19. 10.

 

 

Was sind Handlungen? Worin unterscheiden sie sich von anderen Formen menschlichen Verhaltens? Was sind Gründe von Handlungen? Und wie ist der Zusammenhang zwischen Handlungsgründen und Handlungsmotiven zu verstehen? Dies sind Grundfragen der philosophischen Handlungstheorie, die nicht zu unterschätzende Auswirkungen sowohl für die theoretische als auch für die praktische Philosophie haben. Beispielsweise hängen davon im Bereich der theoretischen Philosophie die Lösungsmöglichkeiten des Leib-Seele-Problems ab; und im Bereich der praktischen Philosophie gibt es sehr enge Verbindungen zur Theorie der Rationalität und zur Moraltheorie.

Ein Schwerpunkt des Hauptseminars wird die Debatte zwischen dem sogenannten "Internalismus" und dem "Externalismus" bilden. Während die erste Position einen sehr engen Zusammenhang zwischen Handlungsgründen und Motiven annimmt, wird dieser von der zweiten bestritten. Bevor wir in diese Debatte richtig einsteigen können, ist es jedoch wichtig, sich die Grundfragen der Handlungstheorie anhand einer ausgearbeiteten Theorie zu vergegenwärtigen. Die Handlungstheorie von Donald Davidson ist dafür in besonderer Weise geeignet. Auf einer solchen Grundlage lassen sich dann die in der Internalismus-Externalismus-Debatte vorgetragenen Argumente besser nachvollziehen und beurteilen. Dazu lesen und diskutieren wir in der zweiten Hälfte des Semesters Texte von Bernard Williams, Thomas Nagel, Harry Frankfurt, Christine Korsgaard und Jay Wallace.

Einen benoteten Schein erhält man durch ein Thesenpapier und eine schriftliche Hausarbeit. Zu Beginn des Semesters ist ein Reader mit den Texten erhältlich.

Zur Einführung:

Gosepath, Stefan: Praktische Rationalität. Eine Problemübersicht. In: Ders. (Hrsg.): Motive, Gründe, Zwecke. Theorien praktischer Rationalität. Frankfurt a. M. 1999. S. 7-53.

 

 

 

 

Schick: G. W. F. Hegels Vorlesungen über die Beweise vom Dasein Gottes

Di 12-14, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 16. 10.

 

 

In dieser 1829 ergänzend zu seinem Logik-Kolleg gehaltenen Vorlesungsreihe behandelt Hegel die drei Versionen von Gottesbeweisen, den kosmologischen, den teleologischen und den ontologischen Beweis. Die Wahl dieses Themas war schon zu Hegels Zeiten nicht mehr selbstverständlich. Daß Gott zum Gegenstand eines theoretischen Beweises gemacht werden könnte, schien spätestens durch Kants Argumente in der Dialektik der Kritik der reinen Vernunft negativ entschieden. Hegels Vorlesungsreihe ist nicht zuletzt deshalb von bleibendem Interesse, weil sie sich solchen, das Verhältnis von theoretischer Vernunft und religiösem Inhalt betreffenden Bedenken ausdrücklich stellt und das Verhältnis von Glauben und Wissen und die Natur des beweisenden Erkennens selbst eingehend betrachtet. Die bislang eher wenig gelesenen Vorlesungen von 1829 sind darum ein lohnendes Thema sowohl für alle religionsphilosophisch als auch für alle an Erkenntnistheorie im allgemeinen und an Hegels Logik im besonderen Interessierten.

Benoteter Schein: Ein schriftlich ausgearbeitetes Referat oder eine Hausarbeit.

 

 

Texte:

Hegel, G. W. F.: Vorlesungen über die Beweise vom Dasein Gottes. In: Ders.: Vorlesungen über die Philosophie der Religion II (= Hegel. Werke Bd. 17. Frankfurt a. M. 1986).

Für Exkurse in Hegels Logik: G. W. F. Hegel: Wissenschaft der Logik I und II (= Hegel. Werke Bd. 5 und 6).

 

 

 

 

Schiemann: Aristoteles: Physik, Buch B

Mi 20-22, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 17. 10.

 

 

Wie kaum ein anderer philosophischer Text ist das zweite Buch der Physik des Aristoteles repräsentativ für eine der Hauptlinien im europäischen Denken über Natur. Sie zeichnet sich durch eine Entgegensetzung von Natur und Technik aus, die von Aristoteles in eigentümlicher Verschränkung mit den Individuationsprinzipien Stoff und Form sowie seiner Lehre von den Ursachen begründet wird. Das Textseminar geht den verschiedenen Elementen der Grundlegung nach und betrachtet sie im Zusammenhang der aristotelischen Naturphilosophie.

Scheinvergabe: Referat und Hausarbeit.

 

 

Textgrundlage:

Aristoteles: Physik. Vorlesung über die Natur. Übers. und hrsg. v. Hans Günter Zekl. Erster Halbband. Hamburg 1988.

 

 

 

 

Schneider: Ewigkeit der Welt? Bonaventura, Thomas v. Aquin, Boethius

Mo 16-18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 22. 10.

 

 

Das Problem der Ewigkeit der Welt ist ein altes Problem philosophischen Denkens; es reicht von Platon und Aristoteles bis hin zu Kants Antinomien der reinen Vernunft. Im lateinischen Mittelalter wird unter dem Titel "Ewigkeit der Welt" das Verhältnis von Philosophie und Theologie erörtert. Das Seminar widmet sich vor allem den Diskussionen über die Ewigkeit der Welt im lateinischen Mittelalter.

 

 

Ein qualifizierter Seminarschein kann auf Grund regelmäßiger Teilnahme und Mitarbeit und einer Hausarbeit erworben werden.

 

 

Textgrundlage:

Über die Ewigkeit der Welt. Texte von Bonaventura, Thomas von Aquin, Boethius von Dacien. Mit einer Einleitung von R. Schönberger. Übersetzung und Anmerkungen von P. Nickl. Frankfurt a. M. 2000.

 

 

 

 

Schroeder-Heister: Formallogische Rekonstruktion des ontologischen Gottesbeweises

Mi 12-14, Raum: siehe Aushang bzw. Internet-Ankündigungen der Fakultät für Informatik, Beginn: 17. 10.

 

 

Der ontologische Gottesbeweis Anselms von Canterbury und seine Interpretationen und Neufassungen haben eine wichtige Rolle in verschiedenartigsten philosophischen Debatten gespielt. Hierzu gehören z. B. solche, die das Wesen von "Existenz" zum Gegenstand haben (Kant, Frege). In neuerer Zeit hat es eine Reihe von Versuchen gegeben, diesen (vermeintlichen?) Beweis mit formallogischen Mitteln zu rekonstruieren, unter anderem von Kurt Gödel. Im Seminar sollen einige solcher Versuche näher betrachtet werden. Voraussetzung sind Logikkenntnisse, insbesondere zur Modallogik.

 

 

 

 

Wimmer: Männliche Moral weibliche Moral?

Do 10-12, Alte Burse, Raum X, Beginn: 18. 10.

 

 

Spätestens seit Carol Gilligans These von der philosophischen Ethik als androzentrischem Unternehmen, das die spezifisch weiblichen Einstellungen und Verhaltensweisen ignoriere, muß sich die Ethik verstärkt um ihre Selbstauflösung bemühen. Das Seminar versucht, über eine feministische Kritik der Ethik die grundlegenden Probleme heutigen Miteinanderlebens zu artikulieren: Gleichheit und Differenz in psychischer, sozialer und kultureller Hinsicht.

Leistungsnachweis: Referat oder Hausarbeit.

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Oberseminare

 

Figal: Neuere Forschungen zur hermeneutischen Philosophie Kompaktveranstaltung

Für Doktoranden und Examenskandidaten. Die Teilnahme ist nur nach Rücksprache möglich.

 

 

 

 

Höffe: Neuerscheinungen zur Transzendentalphilosophie und Vorstellung eigener Projekte Oberseminar/Doktorandenkolloquium

Do 15-19, Termine und Ort werden noch bekannt gegeben.

Sprechstunde: Mi 18-19, Raum 320

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Kolloquien

 

Fahrenbach: Kolloquium

nach Vereinbarung

 

 

 

 

Kümmel: Logik des Orts

Fr 18-20, Alte Burse, Melanchthon-Zimmer (Raum 308), Beginn: 26. 10.

 

 

 

 

Schroeder-Heister: Logik und Sprachtheorie

Mi 18-20, Raum und Beginn: nach Vereinbarung

 

 

Besprechung neuerer wissenschaftlicher Arbeiten sowie Gastvorträge. Es ergehen Einladungen. Interessierte mögen sich per E-Mail an kahlespam prevention@informatik.uni-tuebingen.de wenden und um Aufnahme in den Verteiler bitten.

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Arbeitskreise

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Hoering: Lernprogramm (insbesondere für Logik)

Di 19-21, Alte Burse, Computerpool, Beginn: nach Vereinbarung

 

 

Seit einiger Zeit gibt es ein Tutor-Programm zum Einüben des logischen Ableitens in Formalismen der Aussagen-, Prädikaten- und Modallogik, das im Rahmen dieses Arbeitskreises entwickelt worden ist. Dieses Programm wurde zunächst in Pascal für IBM-kompatible Rechner geschrieben; für seine Portierung auf andere Plattformen stellen wir Versionen in TCL/TK her. Neue Mitglieder, die bereits Kenntnisse in diesen Sprachen besitzen oder stark motiviert sind, sich einzuarbeiten, sind herzlich willkommen.

 

 

 

 

Wimmer: Zur Philosophie Simone Weils

Mi 16-18, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 17. 10.

 

 

Simone Weil (geboren 1909, gestorben 1943) ist eine der bedeutendsten französischen Philosophinnen des 20. Jahrhunderts. In Frankreich, Großbritannien und Nordamerika wird sie intensiv diskutiert, in Deutschland ist sie als Philosophin weitgehend unbekannt. Dem will der Arbeitskreis abhelfen. Er soll über mehrere Semester laufen und mit Weils Werk vertraut machen.

Leistungsnachweis: Hausarbeit.

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