Philosophisches Seminar

Wintersemester 2002/2003

Inhalt:

Allgemeine Studienberatung: Dietmar Koch, Seminarassistent, Di 10-12, Raum 214

Soweit nicht anders im Kommentar vermerkt, ist die Anmeldung zu den Veranstaltungen nicht erforderlich.

Die Teilnahme an Proseminaren von Studierenden, die die Zwischenprüfung bereits abgelegt haben, bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Seminarleiters.

Semestertermine:

Freisemester: Prof. Dr. Michael Heidelberger, Prof. Dr. Anton Friedrich Koch, Prof. Dr. Peter Schroeder-Heister

Freistellung: PD Dr. Johannes Brachtendorf, PD Dr. Dimas Figueroa, PD Dr. Heidrun Hesse, Prof. Dr. Günther Maluschke

Einführungsabend für Studienanfänger:
Mo 14.10., 18 Uhr c.t., Alte Burse, Raum X

Vorlesungen

Engels: Ethik und Wissenschaftstheorie der Biowissenschaften

Di 10-12, Kleiner Botanischer Hörsaal (N 11), Beginn: 22.10.

Große ethische Herausforderungen kommen heute durch die moderne Medizin und Biologie mit ihren Technologien auf uns zu. Embryonale Stammzellforschung, "therapeutisches Klonen", Verpflanzung von Tiergeweben und -organen in den Menschen (Xenotransplantation), die Sammlung, Speicherung und Nutzung biologischer Materialien vom Menschen (Biobanken) und die Pharmakogenetik sind einige der wichtigsten Themen in diesem Zusammenhang. Unser bioethisches Urteil ist jedoch auch in anderen Bereichen herausgefordert, wie die massenweise Vernichtung von Tieren im Zusammenhang mit Skandalen in der Landwirtschaft verdeutlicht. Die Vorlesung soll in einige der wichtigsten und gegenwärtig meistdiskutierten Gebiete der Bioethik einführen. Dabei werden vor allem Fragestellungen der biomedizinischen Ethik, der Tierethik und der ökologischen Ethik behandelt. Die biomedizinische Ethik befasst sich derzeit vor allem mit den Herausforderungen durch die neuen biologischen und biomedizinischen Technologien, durch welche die dem Menschen ursprünglich von der Natur gesetzten Grenzen hinausgeschoben oder teilweise gar überwunden werden, so dass der Mensch nun selbst über ethisch wünschbare und vertretbare Grenzziehungen zu entscheiden hat. In der Tierethik steht das Verhältnis des Menschen zum Tier im Vordergrund, wie es sich in verschiedenen Kontexten darstellt (Tiere in der Forschung, für die Ernährung, transgene Tiere für die Medikamentenproduktion, Haustiere). In der ökologischen Ethik im weiteren Sinne stehen Fragen des Natur- und Umweltschutzes im Vordergrund. In eine bioethische Beurteilung gehen jedoch immer auch naturphilosophische, philosophisch-anthropologische, wissenschaftstheoretische u.a. Vorannahmen ein, die ebenfalls Gegenstand der Vorlesung sein werden.

Falk: Einführung in die analytische Philosophie

Mo 11-13, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 14.10.

Dargestellt werden die wichtigsten Positionen aus der Entwicklung der analytischen Philosophie (etwa Frege, Russell, Wittgenstein, Quine, Davidson) mit dem Ziel, die entsprechenden Sachprobleme herauszuarbeiten und mit der relevanten Begrifflichkeit vertraut zu machen. Eine Einführung in die zentralen Themen der gegenwärtigen Diskussion soll sich daran anschließen.

Frank: Neostrukturalismus und Sprachanalyse. Derrida und Tugendhat als Kritiker Husserls

Di 16-18, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 15.10.

Die Fachschaft Philosophie hat studentische Sorgen gesammelt, dass nach Herrn Figals Wegberufung die Forschungsschwerpunkte "Phänomenologie, Hermeneutik und Ästhetik" im Lehrangebot zu kurz kommen könnten. Ich konzentriere darum die meinen auf diese Gegenstände.

Am Beispiel Derridas und Tugendhats soll jeweils die Leistungsfähigkeit der neostrukturalistischen und der sprachanalytischen Hermeneutik getestet werden. Auf unterschiedliche Weise, aber mit nicht völlig unvergleichlichem Ergebnis rücken sie der phänomenologischen Bewusstseinsphilosophie zu Leibe, um ihr Sprachvergessenheit nachzuweisen und das Defizit jeweils eigentümlich zu korrigieren. Beide beziehen sich dabei auf die Logischen Untersuchungen Husserls.

Ich stütze mich vor allem auf die folgenden Basistexte:

Edmund Husserl, Logische Untersuchungen, zweite Auflage Tübingen: Niemeyer, 1913 (Neudruck 1980 oder andere Ausgabe, z. B. die bei Meiner erschienene).

Jacques Derrida, La voix et le phénoméne. Introduction au problème du signe dans la phénoménologie de Husserl, Paris 1967 (PUF, Zweitauflage 1972) (Deutsche Übersetzung durch Jochen Hörisch in der edition suhrkamp).

Ernst Tugendhat, Vorlesungen zur Einführung in die sprachanalytische Philosophie, Frankfurt/Main 1976 (stw 45, bes. die Vorlesungen 9-11).

Zur Vorbereitung geeignet:

Manfred Frank, Was ist Neostrukturalismus?, Frankfurt/Main 1983 (edition suhrkamp 1203), 3. Teil.

Höffe: Kant, Kritik der reinen Vernunft III: Philosophische Theologie und Methodenlehre

Do 10-12, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 17.10.

Auf dem Höhepunkt der europäischen Aufklärung entfaltet Kant eine neue Art des Denkens, die kritische Transzendentalphilosophie. Sie hat bis heute eine nicht lediglich historische, sondern auch systematische Bedeutung. Die auf drei Semester angelegte Vorlesung führt in das neue transzendentale Denken ein, in dessen erste und maßgebliche Darstellung, die Kritik der reinen Vernunft. Im Wintersemester werden behandelt: "Dialektik", 3. Hauptstück, und die "Methodenlehre". Zu Beginn werden die wichtigsten Gedanken der beiden vorangehenden Semester zusammengefaßt. Man kann deshalb auch neu "einsteigen".

Zur Einführung: O. Höffe: Kant. Leben-Werk-Wirkung, München 52000, Teil II.

Weitere Literaturangaben zu Beginn und im Verlauf der Vorlesung.

Keuth: Wissenschaftstheorie

Do 10-12, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 17.10.

Die Vorlesung soll die Grenzen erfahrungswissenschaftlicher Erkenntnis zeigen. Untersucht werden: das Problem der Induktion und die deduktive Hypothesenprüfung, Erklärung, Prognose, die Prüfung von Beobachtungssätzen anhand von Sinneswahrnehmungen, Wahrheitstheorien und das Problem der Annäherung an die Wahrheit, die Bewährung von Theorien, das Determinismus-Indeterminismus Problem.

Schneider: Metaphysik und Metaphysikkritik

Mo 10-12, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 21.10.

Die Vorlesung verfolgt das Ziel, in metaphysisches Denken einzuführen. Sie richtet sich an die Studierenden der Philosophie im Grundstudium und der Theologie, für die sie verpflichtend ist. Wie es die Philosophie nicht gibt, so gibt es auch nicht die Metaphysik. Der bestimmte Artikel benennt nur die philosophische Disziplin: Metaphysik. Diese liegt aber stets in einer Vielfalt metaphysischer Entwürfe vor; und wenn man Philosophie und Philosophieren als kritische Reflexion über das Seinsganze verstehen darf, dann gehört selbstverständlich auch die Metaphysikkritik zu diesen Überlegungen. Metaphysik ist also eine nur ihrem Anspruch nach. Die erste Aufgabe wird sein, auf die in das Zentrum des Philosophierens führende Frage "Was ist das: Metaphysik?" eine Antwort zu finden. Eine weitere, mit dieser eng verbundene Aufgabe ist die Frage nach der Möglichkeit von Metaphysik. Neben dem systematischen Interesse, das ich an diesen Fragestellungen habe, wird Philosophiehistorisches zur Sprache kommen: Es ist Metaphysik in ihrem "ersten Anfang" bei Platon und Aristoteles, in ihrem "zweiten Anfang" bei Thomas von Aquin und Johannes Duns Scotus und in ihren neuzeitlichen und gegenwärtigen Transformationen, Entwürfen und Interpretationen aufzusuchen. Die Vorlesung will derart einen Überblick über verschiedene Ansätze und Entwürfe von Metaphysik und ihrer Kritik bieten und so in eine philosophische Disziplin einführen. Jedoch gilt es, angesichts der Vorläufigkeit und Fragmentarität solchen Überblicks, das Ganze im Auge zu behalten. Literatur wird in der ersten Vorlesungsstunde bekannt gegeben.

Szlezák: Platon: Seele, Eros, Dialektik im Phaidros und verwandten Texten

Do 9-11, Hörsaal: Hegelbau, Philologisches Seminar, Konferenzzimmer, Beginn: 17.10.

Der Dialog Phaidros wird allgemein bewundert als literarisches Meisterwerk, oft aber auch kritisiert wegen des vermeintlich kunstlosen Auseinanderfallens in zwei nach Inhalt, Stil und Stimmung sehr ungleiche Teile. Die Vorlesung möchte die selbst für Platon ganz ungewöhnliche Komplexität und Subtilität der Verknüpfung der Themen und Motive in diesem Dialog aufweisen und so zu einer angemessenen literarischen und philosophischen Würdigung kommen. Auch wenn der Phaidros durchaus aus sich selbst heraus verständlich ist, werden gleichwohl zu allen großen Themen (außer den im Titel genannten auch Rhetorik und Schriftkritik) die relevanten Paralleltexte herangezogen werden (aus dem Lysis, dem Symposion, der Politeia, dem Timaios, dem Siebten Brief), wodurch die am Text eines einzigen Dialogs voranschreitende Vorlesung doch so etwas wie eine Vorlesung zum ganzen Platon (unter Weglassung nur weniger Systemteile) werden wird.

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Einführungsveranstaltung

Koch, D.: Einführung in das Studium der Philosophie

Mo 10-12, Alte Burse, Raum X, Beginn: 14.10.

Die Einführungsveranstaltung dient der umfassenden Grundorientierung im Philosophiestudium. Sie ist reserviert für Erst- und Zweitsemester im Fach Philosophie.

Aufgabe der Veranstaltung ist es, Kenntnisse zum Studienablauf und zur Studienorganisation zu vermitteln, grundlegende Literatur bekannt zu machen, eine Anleitung zu wissenschaftlichem Arbeiten zu geben, vor allem jedoch in geschichtlich wie systematisch bedeutsame Grundprobleme und Grundbegrifflichkeiten philosophischen Denkens einzuführen. Dies geschieht anhand von Textauszügen zentraler philosophischer Werke von Parmenides bis Heidegger. (Die Text-auszüge werden ausgegeben.)

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Proseminare

Aschenberg: Philosophie und Nationalsozialismus

(Fachdidaktisches Proseminar für Studierende des Lehramtsstudiengangs Philosophie/Ethik)

Mo 8-10, Alte Burse, Raum X, Beginn: 14.10.

Die Lehrveranstaltung kann je nach Interessen der Teilnehmer sehr unterschiedliche Aspekte der komplexen Thematik in den Blick nehmen, beispielsweise die folgenden: (1) Philosophische Deutung/Reflexion des NS, insbes. von Lager und Shoah (z.B. bei Adorno, Agamben, Anders, Arendt, Cassirer, Heidegger, Jaspers, Levinas, Litt, Popper); (2) Nationalsozialistische Philosophie (falls/soweit es das gibt); (3) Universitätsphilosophie unter Bedingungen des NS und die Rolle einzelner Philosophieprofessoren (u.a.: Kollaboration, Opportunismus, Nichtanpassung, Emigration etc.); (4) Philosophie-Politik: institutionelle und personale Kontinuitäten der deutschen Philosophie von der Weimarer Republik über den NS bis zur Bundesrepublik (z.B. Heidegger, Rothacker, Gehlen, Gadamer, Ritter); und weitere Aspekte nach Wünschen der Teilnehmer.

Das Proseminar dient zugleich der Einführung in Fragen der Fachdidaktik, und zwar: (1) weil es exemplarisch die für Philosophieunterricht und Begriff der Philosophie bedeutsamen Fragen der Integrität von Philosophierenden (Modellfall: Sokrates!) und der Kontextbindung philosophischer Positionen betrifft; (2) weil in ihm Verfahren der didaktisch-methodischen Vermittlung des Erörterten mitbedacht werden sollen; (3) weil derartige Verfahrensmöglichkeiten in der Seminararbeit selbst praktiziert und erprobt werden können.

Bedingungen für den Erwerb eines qualifizierten Scheins: (1) regelmäßige Teilnahme; (2) eine mündliche Präsentation, z.B. ein Kurzreferat; (3) eine schriftliche Hausarbeit.

Literaturhinweise:

G. Agamben: Quel che resta di Auschwitz. Larchivio e il testimonio. Torino 1998.

Id.: Homo sacer. Die souveräne Macht und das nackte Leben. Frankfurt am Main 2002 (ital. Original, Torino 1995).

D. Diner (Hg.): Zivilisationsbruch. Denken nach Auschwitz. Frankfurt am Main 1988.

E.L. Fackenheim: Holocaust and Weltanschauung. Philosophical Reflections on Why They Did It. In: Holocaust and Genocide Studies 3 (1988), 197-208.

W.F. Haug (Hg.): Deutsche Philosophen 1933. Hamburg 1989.

I. Korotin (Hg.): "Die besten Geister der Nation". Philosophie und Nationalsozialismus. Wien 1994.

T. Laugstien: Philosophieverhältnisse im deutschen Faschismus. Hamburg 1990.

G. Leaman: Heidegger im Kontext. Gesamtüberblick über das NS-Engagement der Universitätsphilosophen. Hamburg/Berlin 1993.

M. Leske: Philosophen im "Dritten Reich". Studie zu Hochschul- und Philosophiebetrieb im faschistischen Deutschland. Berlin 1990.

E. Levinas: Quelques réflexions sur la philosophie de lhitlérisme. Paris 1997 (zuerst in: Esprit 26 [1934], 199-208).

A. Margalit & G. Motzkin: Die Einzigartigkeit des Holocaust. Deutsche Zeitschrift für Philosophie 45 (1997), 3-18.

Philosophie, revue trimestrielle, numéro 67: La philosophie devant la Shoah. Paris 2000 (mit Beiträgen u.a. von P. Ricur).

C. Schorcht: Philosophie an bayerischen Universitäten 1933-1945. Erlangen 1990.

C. Tilitzki: Die deutsche Universitätsphilosophie in der Weimarer Republik und im Dritten Reich. 2 Bde. Berlin 2002.

E. Traverso: Auschwitz denken. Hamburg 2000 (frz. Original: LHistoire déchirée, Paris 1997).

Widerspruch. Münchner Zeitschrift für Philosophie. Heft 13, 1987, und Heft 18, 1990.

R. Wolin: Heideggers Children: Philosophy, National Socialism, and German-Jewish Identity. Princeton 2001.

G. Wolters: Der 'Führer' und seine Denker. Zur Philosophie des 'Dritten Reiches'. In: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 47 (1999), 223-51.

B. Zehnpfennig: Hitlers "Mein Kampf". Eine Interpretation. München 2000.

Dietrich: Einführung in die Angewandte Ethik (für Studierende aller Fächer)

Do 10-12, Alte Burse, Raum X, Beginn: 17.10.

Während sich die Allgemeine Ethik auf die Klärung, Prüfung und Begründung der ethischen Grundlagen konzentriert, geht es der Angewandten Ethik vorrangig um die ethische Reflexion konkreter Handlungskonflikte. Hierfür hat sie sich mittlerweile in verschiedene Teilbereiche wie z. B. die Medizin- und Bioethik, die Medienethik oder die Naturethik ausdifferenziert, in denen häufig die Weiterentwicklungen in Wissenschaft und Technik Auslöser ethischer Debatten sind.

Das Seminar richtet sich an Studierende aller Fächer und führt in einem interdisziplinären Rahmen in die grundlegenden Begriffe und Argumentationsweisen der Angewandten Ethik ein. Das Ziel ist es, anhand von Beispielen aus den Natur-, Sozial- und Literaturwissenschaften

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1.2., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu fach- bzw. berufsethischen Fragen erworben werden (EPG 2).

Voraussetzungen: Vorkenntnisse zur Allgemeinen Ethik sind erwünscht, aber nicht Bedingung.

Benoteter Schein: Aktive Mitarbeit und Abschlussklausur oder Hausarbeit.

Literatur zur Einführung:

Nida-Rümelin, Julian (1996): Theoretische und angewandte Ethik: Paradigmen, Begründungen, Bereiche. In: Ders. (Hg.) (1996): Angewandte Ethik. Die Bereichsethiken und ihre theoretische Fundierung. Ein Handbuch. Stuttgart: Kröner. S. 2-85.

Engels: Einführung in die Wissenschaftstheorie der Biologie

Di 16-18 Uhr, Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW), Konferenzraum, Keplerstr. 17, 3. Etage, Beginn: 22.10.

In diesem Seminar soll anhand konkreter Beispiele in einige wichtige Fragestellungen der Wissenschaftstheorie der Biologie eingeführt werden. Anhand ausgewählter Texte wird zum einen der Status der Biologie im Vergleich mit anderen Naturwissenschaften diskutiert ist die Biologie eine "autonome Wissenschaft", oder ist sie reduzierbar auf Physik und Chemie? , zum anderen werden Einzelfragen aus verschiedenen biologischen Disziplinen und Bereichen wie der Evolutionstheorie, der Genetik, der Verhaltensforschung usw. bearbeitet.

Die Bedingung für den Erwerb eines unbenoteten Leistungsnachweises ist neben regelmäßiger Teilnahme ein Seminarvortrag mit Thesenpapier, für einen benoteten Leistungsnachweis eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit.

Eine Liste der im Seminar zu behandelnden Literatur wird zu Beginn des Semesters verteilt.

Falk: Hegel: Phänomenologie des Geistes

Mo 14-16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 14.10.

Im Zentrum der Lektüre von Hegels erstem Hauptwerk soll die Methodendiskussion in der "Ein-leitung" stehen sowie der Abschnitt über das "Bewußtsein".

Scheinvergabe aufgrund einer Hausarbeit.

Literatur:

Fulda, Hans Friedrich/Henrich, Dieter (Hg.): Materialien zu Hegels "Phänomenologie des Geistes", Frankfurt/Main 1979.

Geiger: Platon: Gorgias

Mo 16-18, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn 14.10.

In keinem anderen Platonischen Dialog ist die Konfrontation zwischen Sokrates und seinen Gesprächspartnern so hart wie im Gorgias. In drei aufeinanderfolgenden Gesprächen wird eine radikale Kritik der Rhetorik formuliert. Aber diese Kritik ist immer nur ein Ausgangspunkt, um auch eine ganze Reihe anderer damit verknüpfter Themen zu erörtern. Es geht dementsprechend um das Verhältnis von Rhetorik und Macht, um den Unterschied von Demagogie und Politik, um Fragen der Moral, um den Zusammenhang von Gerechtigkeit und Glück und vieles andere mehr. Weil die Rhetorik schließlich auch einen Kontrapunkt zum Platonischen Projekt darstellt, alle Themen im Dialog zu erörtern, ist Sokrates hier durch den Widerstand seiner Gesprächsteilnehmer viel stärker als sonst gezwungen, seine Wahl der Dialogform zu rechtfertigen. Neben der Fülle an interessanten Themen bietet sich der Gorgias also auch an, um nachzuvollziehen, was Platon eigentlich unter einem dialektischen Gespräch versteht.

Einen benoteten Schein erhält man durch eine schriftliche Hausarbeit.

Literatur:

Wir lesen den Dialog in der Übersetzung von Schleiermacher, die in einer Reihe von Ausgaben erhältlich ist.

Hofmann: Einführung in die Philosophie des Aristoteles

Do 18-20, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 24.10.

Aristoteles ist von überragender Bedeutung für die Philosophie des Abendlandes. Er hat nicht nur als einer der ersten systematische Schriften zu einer Vielzahl von philosophischen Themen hinterlassen, sondern auch viele originelle und bis heute aktuelle Positionen in den philosophischen Diskurs eingebracht. Seine Philosophie ist außerdem besonders gut dazu geeignet, Überblick über Themen und Positionen in der Philosophie zu schaffen, und sie besticht durch einen (vergleichsweise) hohen Grad an Klarheit. Daher lohnt es sich schon für Anfänger(innen) in der Philosophie, mit Aristoteles vertraut zu werden. Wir wollen im Proseminar einige zentrale Passagen aus der Physik, der Metaphysik und der Nikomachischen Ethik lesen und diskutieren, die von Wolfgang Wieland in einem Reclam-Band zusammengestellt worden sind (s.u.) und die in besonders prägnanter Weise die Aristotelische Denkweise zum Ausdruck bringen. Der Schwerpunkt soll darauf liegen, die wichtigsten Begriffe, Ideen und Thesen kennenzulernen und einen Überblick zu bekommen. Das Proseminar ist für Anfänger(innen) geeignet.

Scheinvergabe: schriftlich ausgearbeitetes Referat oder schriftliche Hausarbeit für benoteten Schein.

Literatur:

Wieland, W.: Antike. Geschichte der Philosophie in Text und Darstellung, Band 1. Reclam 1978.

Höffe, O.: Aristoteles. München: Beck 1996.

Keul: Einführung in die philosophische Ethik. Wissenschaft und Menschenwürde

Mo 14-16, Alte Burse, Raum X, Beginn: 21.10.

Die philosophische Ethik ist Ausdruck einer gesellschaftlichen Krisensituation. Dann nämlich, wenn die überkommen Weisheiten, eingelebten Verhaltensweisen und die lebensweltlichen Üblichkeiten in ihrem Selbstverständnis erschüttert sind und die Berufung auf politische oder religiöse Autoritäten ihre Plausibilität eingebüßt haben, wird die Idee einer sinnvollen menschlichen Lebensführung überhaupt erst zu einem eigenständigen Problem. "Was soll ich tun?" lautet denn auch eine der Schlüsselfragen philosophischer Ethik.

In diesem Proseminar, das ausdrücklich einen einführenden Charakter wahren will, sollen drei freilich wirkungsmächtige Positionen der Ethik behandelt werden: die Nikomachische Ethik von Aristoteles, Kants Metaphysik der Sitten und die Ethik des Diskurses von J. Habermas. Gemeinsam werden wir Auszüge aus diesen Werken lesen und diskutieren, um anhand der Frage nach dem Glück, nach Menschenwürde und Autonomie und nicht zuletzt nach Versöhnung und Verständigung einige Brüche, aber auch Kontinuitäten im praktischen Diskurs zu verstehen. Weil aber der wissenschaftlich-technische Fortschritt auch die Signatur der gegenwärtig gesellschaftlichen Krise gründlich verändert, sollen im letzten Teil dieser Veranstaltung die erarbeiteten Prinzipien exemplarisch an einigen ausgesuchten Problemfeldern von Wissenschaft und Ethik angewandt werden.

Benoteter Schein: Mitarbeit und Abschlussklausur.

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1.1., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu ethisch-philosophischen Fragen erworben werden (EPG 1).

Keuth: David Hume: "Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand"

Do 14-16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 24.10.

Humes Traktat über die menschliche Natur bildet den Abschluß des klassischen Empirismus. Die daraus entstandene Kurzfassung Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand enthält die empiristische Erkenntnistheorie. Sie soll Gegenstand des Seminars sein. Neben diesem Text, mit einigen Ergänzungen aus dem Traktat, werden wir Kommentare zu Hume besprechen.

Literatur:

David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand, Hamburg: Meiner 1984, PhB 35.

David Hume: Ein Traktat über die menschliche Natur, Buch I: Über denVerstand, Buch II und III: Über die Affekte, Über Moral, Hamburg: Meiner 1989/1978, PhB 283a,b.

Jens Kulenkampff, (Hg.): David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand, Akademie, Berlin 1997, Klassiker auslegen Bd. 8.

E. Topitsch, G. Streminger, Hume, Darmstadt 1981.

Bedingung für einen benoteten Schein: Referat.

Koch, D.: Platon, Phaidon Lektürekurs für Erst- und Zweitsemester

Di 18-20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 15.10. (in der ersten Sitzung findet eine Vorbesprechung statt).

Der Umgang mit philosophischen Schriften bedarf bestimmter "handwerklicher" Voraussetzungen: Die Fähigkeit eines begrifflich genauen Lesens, das Vermögen, die spezifische Problemstellung eines Textes herauszupräparieren, die Beherrschung der charakteristischen Begrifflichkeit eines Autors, zudem die stete Beachtung der Differenz von Textauslegung und eigener Sachinterpretation und anderes mehr.

Der Lektürekurs will über die Demonstration dieser Umgangsweisen hinaus zusammen mit Platons Dialog "Phaidon" auch in die Eigenart und in den Reichtum philosophischer Probleme und philosophischen Denkens einführen.

Platons "Phaidon" handelt von einem Kernstück abendländischen Philosophierens, der Entfaltung dessen, was "Ideen" sind. Diese Entfaltung geschieht durch Sokrates unmittelbar vor seinem eigenen Tod und führt damit sogleich vor die Frage nach dem Zusammenhang von Seele und Idee bzw. vor die Frage nach der Sterblichkeit bzw. Unsterblichkeit der Seele. Der Dialog eignet sich nicht nur zur Auseinandersetzung mit Grundgedanken Platons, sondern er ist auch einer der eindrücklichsten Schriften zur Frage nach dem Sinn des Philosophierens angesichts des Todes.

Die Veranstaltung ist ausschließlich für Erst-und Zweitsemester im Studienfach Philosophie bestimmt. Griechischkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

Leistungsnachweise für einen unbenoteten Schein: Übernahme eines Protokolls (Umfang: 2-3 Seiten) oder die mündliche Einführung in eine Textstelle. Eine Vorschlagsliste wird zu Beginn des Semesters ausgegeben.

Leistungsnachweis für einen benoteten Schein: Hausarbeit (Höchstumfang: 15 Seiten; Abgabetermin: bis 30. April 2003). Eine Vorschlagsliste wird zu Beginn des Semesters ausgegeben.

Textgrundlage:

Platon, Phaidon (Griechisch-Deutsch), Hamburg: Meiner Verlag 1991.

Koch, D.: Martin Heidegger: Der Ursprung des Kunstwerkes (Interpretationskurs I)

Do 16-18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 17.10.

(In der ersten Sitzung findet eine Vorbesprechung statt.)

Martin Heideggers "Der Ursprung des Kunstwerkes" ist eine der wichtigsten Abhandlungen zur Kunst in der Philosophie des vergangenen Jahrhunderts. Dem Entwurf der Kunst als dem "Ins-Werk-Setzen der Wahrheit" näherzukommen und damit zugleich das Verhältnis von Philosophie und Kunst im Kontext der Wahrheitsfrage zu bestimmen, wird Hauptaufgabe der Veranstaltung sein. Wir werden uns dabei nicht allein auf die Schrift "Der Ursprung des Kunstwerkes" in der 1960 im Reclam-Verlag veröffentlichten Fassung beschränken, sondern auch eine Vorfassung (veröffentlicht in den Heidegger-Studien 1989) mitheranziehen, sowie im Laufe des Seminars weitere Abhandlungen Heideggers zur Kunst (wie zum Beispiel "Die Kunst und der Raum", "Bemerkungen zu Kunst Plastik Raum", "Die Herkunft der Kunst und die Bestimmung des Denkens").

Scheinerwerb: eine Hausarbeit pro Semester (Umfang: 10 bis 15 Seiten à 2000 Anschläge). Bitte beachten Sie, daß in einem Interpretationskurs nur benotete Scheine erworben werden können.

Eine Vorschlagsliste für Hausarbeitsthemen wird ausgegeben.

Textgrundlage: Martin Heidegger, Der Ursprung des Kunstwerkes. Stuttgart: Reclam-Verlag 1995 (oder später).

Mirbach: Gottfried Wilhelm Leibniz: Schriften zur Metaphysik Interpretationskurs I

Fr 10-12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 18.10.

Im Mittelpunkt des zweisemestrigen Interpretationskurses werden Leibniz erster systematischer Entwurf seiner Philosophie, die Metaphysische Abhandlung (1786), und seine Monadologie in der ausgearbeiteten Fassung von 1714 stehen.

In genauer Textanalyse wollen wir vor allem Leibniz Begriff der individuellen Substanz (Monade) erarbeiten, werden uns dabei aber auch weitere logische, erkenntnistheoretische, ontologische und ontotheologische Problemstellungen seiner Philosophie erschließen können, wie etwa die Bedeutung der beiden principia catholica (der Sätze vom ausgeschlossenen Widerspruch und des zureichenden Grundes), die Perzeptionenlehre, der Begriff der prästabilierten Harmonie und die Lehre von Gottes Wahl der besten aller möglichen Welten.

Zum besseren Verständnis der Metaphysischen Abhandlung und der Monadologie soll die Textgrundlage für den Interpretationskurs zumindest durch folgende kleine Schriften ergänzt werden: Betrachtungen über die Erkenntnis, die Wahrheit und die Ideen (1684), Über die Verbesserung der ersten Philosophie und den Begriff der Substanz (1694) und Neues System der Natur (1695). Zur weiteren Erläuterung einzelner Fragestellungen werden außerdem zentrale Passagen aus Leibniz umfangreichem Briefwechsel heranzuziehen sein.

Texte:

G. W. Leibniz: Metaphysische Abhandlung, Franz.-Dt, hg. von Herbert Herring, Hamburg: Meiner, 2. durchges.Aufl. 1991 (Philosophische Bibliothek, 260).

G. W. Leibniz: Monadologie, Franz.-Dt., hg. von Hartmut Hecht, Stuttgart: Reclam, 1998 (Universal-Bibliothek Nr. 7853).

G. W. Leibniz: Fünf Schriften zur Logik und Metaphysik, hg. von Herbert Herring, Stuttgart: Reclam 1966 (Universal-Bibliothek Nr. 1898).

Misselhorn: Vernünftiger Pluralismus oder Kampf der Kulturen?

Di 10-12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 15.10.

Der weltanschauliche Pluralismus ist ein Faktum der modernen Welt. Nicht nur die Bürger liberal-demokratischer Staaten mit multikulturell geprägter Lebenswelt sehen sich religiösen und moralischen Auffassungen ausgesetzt, die mit ihren eigenen unvereinbar sind. Durch die Globalisierung sind auch die Bürger vermeintlich weltanschaulich homogener Gesellschaften mit anderen Wertüberzeugungen konfrontiert. Das führt zu Problemen bei der Lösung von nationalen und internationalen Konflikten. Problematisch am Bestehen dieses moralischen Dissenses ist, dass es bislang keine Aussicht gibt, ihn zugunsten einer bestimmten Sichtweise aufzulösen. Eine moralische Theorie, die dieses Faktum negiert, scheint daher der Realität nicht angemessen zu sein. Andererseits kann der Anspruch auf intersubjektiv verbindliche moralische Normen nicht aufgegeben werden, will man nicht bloße Gewalt als Grundlage des Zusammenlebens ansehen. Wir wollen daher der Frage nachgehen, ob der Pluralismus in letzter Konsequenz zu einer moral-destruktiven Form des Relativismus führt, der eine vernünftige und moralische Lösung von Wertekonflikten unmöglich macht. Dann wäre der "Kampf der Kulturen" (Huntington) nach dem Prinzip des Stärkeren unvermeidlich. Die Alternative dazu ist die Konzeption eines "vernünftigen Pluralismus" (Rawls), der es trotz der weltanschaulichen Differenzen für möglich hält, eine gemeinsame Wertebasis im Bereich des Politischen zu finden.

Scheinvergabe: Vorbereitung einer Sitzung und Hausarbeit.

Zu Beginn des Semesters ist ein Reader mit den Texten erhältlich.

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1.1., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu ethisch philosophischen Grundfragen erworben werden (EPG 1).

Müller-Koch: Allgemeine Einführung in die Ethik, mit Diskussion von Beispielen aus der Medizinethik

Mo 10-12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 14.10.

Die wichtigsten theoretischen Ansätze in der Ethik sollen in diesem Proseminar unter dem Aspekt der Kontroverse zwischen Universalismus und Relativismus behandelt werden. Die universalistischen Ansätze zeichnen sich durch die These aus, dass es höchste moralische Prinzipien gibt, aus denen sich moralische Gebote und Verbote und Werturteile ableiten lassen sollen. Die praktische Philosophie Immanuel Kants, der Utilitarismus und die Diskursethik werden hier u.a. zu diskutieren sein. Die relativistischen Theorien in der Ethik lehnen allgemeine, universal gültige Prinzipien, die Handlungsnormen bestimmen sollen, ab. Vertreter dieses Ansatzes sind etwa Gilbert Harman und Richard Rorty. Auch theoretische Ansätze, die weder unter den Universalismus noch unter den Relativismus fallen, werden in diesem Seminar erörtert (etwa die Strebensethik). Am Ende des Seminars sollen die theoretischen Ansätze auf konkrete Beispiele umstrittener Entscheidungen aus dem Bereich der Medizinethik angewendet werden. Damit soll untersucht werden, ob und wie auf philosophisch-ethischer Grundlage praktische Entscheidungen getroffen werden können.

Voraussetzung für den Erwerb eines Scheins: Kurzreferat und Hausarbeit.

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1.1., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu ethisch-philosophischen Grundfragen erworben werden (EPG 1).

Literatur:

Kant, Immanuel: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten.

Höffe, Otfried: Einführung in die utilitaristische Ethik, Tübingen 1992.

Habermas, Jürgen: Theorie des kommunikativen Handelns, Frankfurt/Main 1981.

Harman, Gilbert: The Nature of Morality, New York 1977.

Rorty, Richard: Putnam and the Relativist Menace. In: Journal of Philosophy 90 (1993), S. 443-461.

Spaemann, Robert/Löw, Reinhard: Die Frage Wozu? München 1985.

Rinderle: Werte. Eine Einführung in die philosophische Ethik (Kompaktveranstaltung)

7.02.-9.02.2003, Alte Burse, Raum: siehe Aushang.

Vorbesprechung: Fr, 15.11. 2002, 16 Uhr, Alte Burse, Melanchthonzimmer (308).

Anhand der gemeinsamen Lektüre einiger klassischer Texte von Aristoteles, Epikur, Thomas Hobbes, Immanuel Kant, John Stuart Mill, John Rawls und Thomas Nagel sollen einige grundlegende Fragen aus der philosophischen Ethik diskutiert werden: Was sind Werte? Welche Werte gibt es? Wie lassen sich Werte begründen? Welche Argumentationsformen gibt es in der Ethik? Gibt es einen höchsten Wert, dem sich alle anderen Werte unterordnen? Oder gibt es eine irreduzible Pluralität von Werten? Wie kann man mit Wertkonflikten umgehen? Lassen sich Werte vermitteln? Welche Probleme wirft eine Werteerziehung in der Schule auf?

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1.1., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu ethisch-philosophischen Grundfragen erworben werden (EPG 1).

Einen Schein erhält man durch die Übernahme eines Kurzreferats und die Anfertigung eines kurzen Essays im Anschluß an das Seminar.

Literatur:

zur antiken Ethik: Aristoteles, Nikomachische Ethik, Buch I und X.

Epikur: "Brief an Menoikeus"; in: ders., Briefe, Sprüche, Werkfragmente, Stuttgart: Reclam 1980.

Zur neuzeitlichen Ethik: Thomas Hobbes, Leviathan, I. 13.

Immanuel Kant, Was ist Aufklärung?

John Stuart Mill, Über die Freiheit, Drittes Kapitel: Über die Individualität, Stuttgart: Reclam 1974.

Mill, John Stuart, Utilitarismus, 2. Kapitel: Was heißt Utilitarismus? Stuttgart: Reclam 1976.

Zur aktuellen Diskussion: John Rawls, Eine Theorie der Gerechtigkeit, Kapitel 4: Gleiche Freiheit für alle, Frankfurt a. M.. Suhrkamp 1975.

Thomas Nagel: "The Fragmentation of Value"; in: ders., Mortal Questions, Cambridge: University Press 1979.

Für eine erste Orientierung im Bereich der Ethik eignen sich:

Otfried Höffe, Ethik und Politik, Grundmodelle und -probleme der praktischen Philosophie, Frankfurt: Suhrkamp 1979.

Friedo Ricken, Allgemeine Ethik, 3. Aufl., Berlin 1998.

Robert Spaemann, Moralische Grundbegriffe, München: Beck 1991.

Tugendhat, Ernst, Vorlesungen über Ethik, Frankfurt: Suhrkamp 1993.

Scarano: Universalisierung in der Ethik

Mo 18-20, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 14.10.

Eine Ethik, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügen will, ist eine Theorie, die nicht nur moralische Urteile formuliert, sondern diese auch zu begründen versucht. Viele moralische Urteile können mit Hilfe von moralischen Prinzipien begründet werden. Aber wie sieht es mit diesen Prinzipien selbst aus? Mit welcher Methode lassen sie sich rechtfertigen? Spätestens seit den moraltheoretischen Schriften von Immanuel Kant lautet eine der wichtigsten Antworten auf diese Frage, daß sich genau solche Handlungsprinzipien rechtfertigen lassen, die universalisierbar sind. Aber was heißt dies genau? Strittig ist schon der Gegenstand eines solchen Verfahrens. Sind es Maximen, Interessen, gesellschaftliche Normen oder die eigenen Überzeugungen, die in einen solchen Test eingehen? Und kann ein solches formales Verfahren überhaupt zu eindeutigen Ergebnissen führen?

Diese Fragen werden wir uns in dem Proseminar stellen und auf der Grundlage ausgewählter Texte von Kant, Hare, Mackie, Habermas, Rawls und anderen diskutieren.

Einen benoteten Schein erhält man durch ein Thesenpapier und eine schriftliche Hausarbeit. Zu Beginn des Semesters ist ein Reader mit den Texten erhältlich.

Schick: Johann Gottlieb Fichte: System der Sittenlehre (1798) Interpretationskurs II

Mo 12-14, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 14.10.

Im zweiten Teil unseres Interpretationskurses werden wir uns mit dem zweiten Hauptstück und ausgewählten Passagen des dritten Hauptstücks von Fichtes erster Sittenlehre auseinandersetzen. Als thematische Schwerpunkte sind bisher vorgesehen: Welche theoretischen Implikationen hat die Idee moralischer Selbstgesetzgebung für die Welt, in der wir handeln und uns selbst als handelnde Subjekte? Wie verhalten sich Natur und Freiheit im moralischen Subjekt? Warum verhalten wir uns nicht immer, wie wir sollen, oder: Was ist der Ursprung des Bösen? In Auszügen werden wir auch Fichtes materiale Pflichtenlehre, die die Sittenlehre beschließt, betrachten. Die nähere Auswahl in diesem Feld wird zu Semesterbeginn von allen am Seminar Beteiligten gemeinsam getroffen.

Benoteter Schein (für den ganzen Interpretationskurs): Zwei mündliche Referate oder ein mündliches Referat und eine schriftliche Hausarbeit.

Text:

Johann Gottlieb Fichte: Das System der Sittenlehre nach den Prinzipien der Wissenschaftslehre (1798), Einleitung von H. Verweyen, Hamburg 1995.

Sekundärliteratur zur Einführung: Peter Rohs: Johann Gottlieb Fichte, München 1991.

Schick: Saul Kripke: Name und Notwendigkeit

Di 12-14, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 15.10.

In dieser 1972 in Buchform veröffentlichten Vortragsreihe verbindet Saul Kripke Themen, die man vielleicht nicht auf den ersten Blick als zusammenhängend betrachten würde: Zum einen stellt er eine Theorie zur Semantik von Eigennamen für Individuen und Arten vor, die um die These der starren Bezeichnung zentriert ist. Sie besagt: Wer oder was Träger eines Eigennamens ist, richtet sich nicht danach, variiert also auch nicht damit, wer oder was als einziger eine bestimmte Beschreibung erfüllt. Zum anderen entwickelt Kripke ein Plädoyer für die ebenso altehrwürdige wie umstrittene Unterscheidung zwischen dem, was einem Gegenstand notwendig eigen ist, und dem, was ihm zufällig zukommt. In genauer Lektüre werden wir sowohl den einzelnen thematischen Strängen (die mit den beiden genannten nicht erschöpft sind) als auch den Verbindungslinien nachgehen, die hier, wie es scheint, von einer Spezialfrage für Sprachtheoretiker zu grundlegenden metaphysischen Positionen führen.

Das Buch liegt in deutscher Übersetzung vor und ist eingängig und klar geschrieben. Soweit Kripke auf vorangehende Diskussionen Bezug nimmt, wird diese Vorgeschichte im Seminar eigens vorgestellt werden. Damit sind für die Teilnahme keine spezifischen Vorkenntnisse vorausgesetzt.

Benoteter Schein: Mündliches Referat (mit kurzer schriftlicher Ausarbeitung) oder Hausarbeit.

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1.1., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu ethisch-philosophishen Grundfragen erworben werden (EPG 1).

Text:

Saul A. Kripke: Name und Notwendigkeit, übersetzt von Ursula Wolf, Frankfurt a. M. 1981.

(Original: Naming and Necessity, erstveröffentlicht in: G. Harman/D. Davidson [Hg.]: Semantics of Natural Language, Dordrecht/Boston 1972).

 

Schiemann: Einführung in die Naturphilosophie Interpretationskurs II

Fr 12-14, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 18.10.

Nur wenige Begriffe nehmen in der europäischen Philosophiegeschichte eine so zentrale Stellung ein wie der Begriff der Natur. Als Leitidee philosophischer Systeme, Grundbegriff unterschiedlicher Naturphilosophien, Gegenstand zahlreicher theoretischer Kontroversen und Objekt wissenschaftlicher Untersuchungen ist der Begriff in beachtlicher Bedeutungsmannigfaltigkeit aufgetreten. Seit dem letzen Jahrhundert haben dann vor allem zwei Motive der Naturphilosophie zur erneuten Aktualität verholfen: Die stürmische Entwicklung der naturwissenschaftlichen Erkenntnis und die Entstehung der lebensbedrohenden Umweltproblematik. So sehr neue Dimensionen der Naturthematik schon das philosophische Interesse beschäftigen, so unverkennbar ist, daß die Ursprünge heutiger Naturvorstellungen bis weit in die Vergangenheit der europäischen Philosophiegeschichte zurückreichen.

Das zweisemestrige Seminar führt in herausgehobene Traditionslinien der Naturphilosophie an Hand von ausgewählten Schlüsseltexten ein.

Scheinvergabe: Zwei Referate und Hausarbeiten.

Textgrundlage: G. Schiemann (Hg.), Was ist Natur? Klassische Texte zur Naturphilosophie. München: Deutscher Taschenbuchverlag 1996.

Schmidt: Transzendentale Argumente

Mi 12-14, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 16.10.

Transzendentale Argumente sind antiskeptische Argumente, bei denen von einem Sachverhalt ausgegangen wird, den auch der Skeptiker nicht bestreiten wird, und die zeigen sollen, daß als notwendige Bedingung der Möglichkeit dieses Sachverhalts etwas angenommen werden muß, dessen Realität der Skeptiker eigentlich bestreiten möchte. Dieser Argumentationstypus wurde 1959 (in Anlehnung an Kant, aber ohne dessen Idealismus zu übernehmen) von Peter F. Strawson in die analytische Philosophie eingeführt. 1968 kritisierte Barry Stroud jedoch derartige Argumente und löste damit eine intensive Diskussion über Wert und Reichweite transzendentaler Argumente aus. Im ersten Teil des Seminars werden wir uns mit verschiedenen Beiträgen zu dieser Diskussion beschäftigen. Im zweiten Teil des Seminars werfen wir einen Blick auf sog. transzendentalpragmatische Argumente (K.O. Apel, W. Kuhlmann), die ihren Ausgangspunkt bei der, wie es heißt, unhintergehbaren Argumentationssituation des Sprechers nehmen. Eine genaue Lektüreliste wird in der ersten Stunde verteilt.

Scheinerwerb: Hausarbeit oder Referat.

Sprechstunde: Fr. 16-17 Uhr, Zi. 307.

Schmidt: Kant, Kritik der reinen Vernunft Interpretationskurs II

Fr 14-16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 18.10.

Im zweiten Teil dieses Interpretationskurses werden wir uns, nach der Lektüre der transzendentalen Deduktion in der Version der A-Auflage, mit der Analytik der Grundsätze beschäftigen, in der Kant unter anderem seine Theorien der Kausalität und der Modalitäten entwickelt. Danach beginnen wir mit der transzendentalen Dialektik. Besonderes Augenmerk soll dabei auf das Paralogismus-Kapitel gerichtet werden, in dem sich Kant mit den Fehlschlüssen der rationalen Psychologie beschäftigt, die der Seele Substantialität, Einfachheit und Unsterblichkeit zuschreibt.

Text: Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, Hamburg: Meiner, 1998 (oder eine andere der gängigen Ausgaben).

Scheinerwerb: je eine Hausarbeit oder ein Referat pro Semester.

Wieckowski/Schroeder-Heister: Einführung in die Logik

Do 8-10, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 17.10.

Zweistündige Übungen dazu nach Vereinbarung.

Das Konstruieren und Auswerten von Argumenten ist für die Tätigkeit des Philosophierens kennzeichnend. Da sich die Logik unter anderem mit der Untersuchung des Unterschieds zwischen gültigen und ungültigen Argumentformen befasst, ist sie für die Philosophie von Bedeutung.

In dem Proseminar sollen Kenntnisse der Grundbegriffe, Methoden und Resultate der Aussagen- und der Prädikatenlogik vermittelt werden. Unter anderen werden folgende Themen behandelt: logische Folgerung, formale Sprache, Formalisierung von Argumenten, Wahrheitsfunktionen, expressive Vollständigkeit, Tableauverfahren, Gültigkeit und Vollständigkeit.

Literaturhinweise werden in der ersten Sitzung gegeben. Hingewiesen sei bereits jetzt auf das Skript der Vorlesung, die P. Schroeder-Heister im WS 1995/96 gehalten hat; dieser Text kann über die Internet-Seiten der Philosophie abgerufen werden.

Bedingungen für den Scheinerwerb sind die regelmäßige Teilnahme an einer Übungsgruppe sowie die Bearbeitung von Aufgabenblättern, die am Ende jedes Proseminars vergeben werden.

Wimmer: Einführung in die Allgemeine Ethik

Mi 16-18, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 16.10.

Die Einführung wird die Grundlagen der philosophischen Ethik bereitstellen. Im Mittelpunkt werden die Eigenart moralischer Urteile und die Möglichkeit ihrer Begründung stehen. Veranschaulicht werden die gewonnenen Erkenntnisse an konkreten moralischen Fragestellungen, z.B. der sozialen Gerechtigkeit. Den Erörterungen im Seminar zugrunde gelegt werden Auszüge aus den beiden folgenden Taschenbüchern:

Friedo Ricken: Allgemeine Ethik (Grundkurs Philosophie Bd. 4, Urban-Tb. 348), Stuttgart/Berlin/Köln: Kohlhammer, 3. Aufl., 1998.

Konrad Ott: Moralbegründungen zur Einführung, Hamburg: Junius 2001.

Leistungsnachweis: Klausur.

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1.1., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu ethisch-philosophischen Grundfragen erworben werden (EPG 1).

Zanetti: Gleichheit oder Gerechtigkeit

Fr 14.00-17.00, 14täglich, Alte Burse, Raum X, Beginn: 18.10.

Seit Erscheinen von John Rawls' Theory of Justice ist die politische Gegenwartsphilosophie darüber einig, Gerechtigkeit als Schaffung gleicher Lebensaussichten für alle zu definieren. Gleichheit ist dabei ein zentrales Merkmal der Gerechtigkeit, sei es als Gleichheit der Grundgüter, der Ressourcen oder Gleichheit von Chancen zur Erlangung von Wohlergehen je nach Auffassung. In den letzten Jahren ist vermehrt Kritik an diesen egalitaristischen Prämissen laut geworden. Der Egalitarismus, sagen die Kritiker, hat inhumane Züge (diejenigen, die an ihrem Elend schuld sind, haben keinen Gerechtigkeitsanspruch auf Unterstützung); er unterschätze die Komplexität der verschiedenen Kulturen und sei nicht realisierbar. Wichtiger als Gleichheit sei die Garantie von menschenwürdigen Lebensbedingungen für alle. Wenn ein Mensch unter Hunger leide, sei ihm zu helfen, weil Hunger ein Leiden sei, und nicht, weil es anderen besser gehe als ihm.

In diesem Proseminar werden wir zunächst die Begriffe klären und Alternativpositionen zu egalitaristischen Gerechtigkeitsauffassungen kennenlernen. In einem zweiten Schritt werden wir uns mit einer konkreten Frage beschäftigen, nämlich, ob die neuen Paradigmen eine gerechtere Anerkennung informeller Arbeit ermöglichen, die u. a. Frauen mehr soziale Chancen bietet.

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1.1., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu ethisch-philosophischen Grundfragen erworben werden (EPG 1).

Scheine werden vergeben für die schriftliche Ausarbeitung einer Stundenvorbereitung.

Zwei Bücher werden als Grundlage des Proseminars benützt:

Angelika Krebs (Hrsg.), Gleichheit oder Gerechtigkeit, Frankfurt/Main 2000.

Angelika Krebs, Arbeit und Liebe, Suhrkamp 2001.

Weitere Literatur wird in der ersten Sitzung genannt.

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Seminare

Braun: Michel Foucault: Überwachen und Strafen Kompaktveranstaltung

Fr, 7.02.-9.02.2003, Heinrich-Fabri-Haus, Auf dem Rucken 35, 89143 Blaubeuren, Tel.: 07344/4529.

Vorbesprechung: 22.10., 14 Uhr, Melanchthonzimmer (Raum 308).

Überwachen und Strafen: das Buch hat die Ursprungsgeschichte der modernen Strafanstalten zum Thema für Philosophinnen und Philosophen ein abgelegener Gegenstand, der Abhub der normalen Wirklichkeit, das Ausgegrenzte.

Gelernter Psychologe, der er war, beginnt Foucault mit zwei Fallgeschichten. Die öffentliche Vierteilung des Vatermörders Damiens ist ein blutrünstiges Schlachtfest unter dem frenetischen Beifall des Volks um 1755. Fünfundsiebzig Jahre danach die Französische Revolution hatte die bürgerliche Gesellschaft inzwischen etabliert verfasst Léon Faucher ein "Reglement für das Haus der jungen Gefangenen in Paris", das den Tagesablauf vom Aufstehen bis zur Nachtruhe Frühstück, Mittag-, Abendessen, Arbeit und Arbeitszeit usf. peinlich genau festschreibt: eine totale Institution, aus dem es kein Entrinnen gibt außer Ausbruch, der schrecklich geahndet wird: Isolation. Was hat sich verändert? Sicherlich, die körperliche Folter ist verschwunden, aber die Herrschaft hat sich erheblich gesteigert. Die Strafe verwandelt sich in totale Herrschaft der abstrakten Zeit. Nietzsches Wille zur Macht, die Kasernierung der Straffälligen, wird manifest. In der Kasernierungspraxis der Überwachten enthüllt sich, wie intolerant totalitär die Gesellschaft mit Straftätern umspringt: totales Überwachen der Ausgestoßenen durch Kasernieren und Isolieren. An Haftanstalten lässt sich ablesen, wie viel Macht die Gesellschaft über die Einzelnen ausübt.

Aufgabe des Seminars ist es, den epochalen Wechsel in der Ausübung der Macht festzustellen und auf ihre gesellschaftlichen Ursachen zurückzuführen.

Referate sind erwünscht. Sie können die Debatte beleben. Auch Hausarbeiten sind möglich. Referatthemen können sein:

Immanente Themen: Folter die antiquierte Form des Strafens, die Bestrafung als totale Herrschaft über die Zeit, die Disziplin, das Gefängnis, Foucaults Theorie der Macht.

Themen des Vergleichs: Foucaults Theorie der Strafe und Theorien des Strafrechts, der Einfluss Nietzsches, der Einfluss Heideggers, Foucault und die Psychoanalyse, das gebrochene Verhältnis zum Marxismus, Foucault und der Strukturalismus.

Literatur:

Ausgaben:

Deutsche Übersetzung:

Michel Foucault: Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses, stw 2271 Frankfurt/Main 1994, 11,40 EURO.

Original:

Michel Foucault: Surveiller et punir. Naissance de la prison, Paris: nrf Éditions Gallimard 1975.

Literatur zu Foucault:

Thomas Schäfer: Reflektierte Vernunft. Michel Foucaults philosophisches Projekt einer antitotalitären Macht- und Wahrheitskritik, Frankfurt/Main 1995.

Monika Leppelt: Foucaults Anstöße für eine kritische Kriminologie, Münster/Hamburg 1995.

Paul Veyne: Foucault: Die Revolutionierung der Geschichte, Frankfurt/Main: es 1992.

Robert Dreyfus, Hubert L.: Michel Foucault. Jenseits von Strukturalismus und Hermeneutik, 2. Auflage, Weinheim 1994.

Aufsatzsammlung Michel Foucault. Eine Geschichte der Wahrheit, mit Bibliographie der Hauptwerke von Michel Foucaults, München: Raben Verlag 1987.

Didier Eribon: Michel Foucault. Eine Biographie, Frankfurt/Main: stw 1995.

Ders.: Michel Foucault und seine Zeitgenossen, München 1998.

Hinrich Fink-Eitel: Foucault zur Einführung, Hamburg: SOAK 1989.

Engels/Herms: Ethische Probleme des Umgangs mit extrakorporalen Embryonen

Mo 18-21, Theologicum, Liebermeisterstr. 12, Beginn: 14.10.

In den Debatten um die Forschung an embryonalen Stammzellen vertreten Befürworter der Forschung manchmal die These, dass der extrakorporale Embryo (Embryo in vitro) einen anderen, schwächeren moralischen Status habe als der Embryo im Mutterleib (Embryo in vivo), da er außerhalb des Mutterleibes keine Chance zur Weiterentwicklung habe. Dies gelte um so mehr für überzählige Embryonen. Im Seminar soll ein breites Spektrum von Positionen zum moralischen Status des Embryos unter besonderer Berücksichtigung des extrakorporalen Embryos aus biologischer, philosophischer und theologischer Sicht diskutiert werden. Dies soll auch am Beispiel unterschiedlicher Kontexte, in denen diese Frage relevant wird (Stammzellforschung, Präimplantationsdiagnose), geschehen. Dabei soll auch der Frage nachgegangen werden, ob das Konzept "Status des Embryos" überhaupt sachgemäß ist. Unabhängig von der Statusfrage sollen abschließend auch mögliche Folgen verschiedener Umgangsweisen mit Embryonen in den Blick genommen werden.

Für Studierende der Philosophie, Biologie und des EPG 2-Studiums ist die Bedingungen für den Erwerb eines unbenoteten Leistungsnachweises neben regelmäßiger Teilnahme ein Seminarvortrag mit Thesenpapier, für einen benoteten Leistungsnachweis eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit.

Eine Liste der im Seminar zu behandelnden Literatur wird zu Beginn des Semesters verteilt.

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1.2., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu fach- bzw. berufs-ethischen Fragen erworben werden (EPG 2).

Falk: Kant: Kritik der Urteilskraft

Di 10-12, Alte Burse, Raum X, Beginn: 15.10.

Kants dritte Kritik ist in doppelter Hinsicht von besonderem Interesse: zum Einen handelt es sich (bei der Kritik der ästhetischen Urteilskraft) um einen der bedeutendsten Beiträge zur ästhetischen Theorie, zum Anderen steht das Verhältnis von theoretischer und praktischer Philosophie im Zentrum (nicht zuletzt in den beiden Fassungen der Einleitung).

Scheinvergabe aufgrund einer Hausarbeit.

Literatur:

Allison, Henry: Kants Theory of Taste, Cambridge 2001.

Frank, Manfred/Zanetti, Véronique (Hg.): Immanuel Kant, Schriften zur Ästhetik und Naturphilosophie, Frankfurt am Main 1996.

Guyer, Paul: Kant and the Claims of Taste, Cambridge/London 1979.

Frank: Wagners Ästhetik des Musikdramas mit einer Anwendung auf den Ring des Nibelungen

Di 14-16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 15.10.

Durch die theoretischen Entwürfe der Dresdener und besonders der Züricher Zeit hat Wagner sich einen Zugang gebahnt zu dem großen ästhetischen Entwurf, als den er Dichtung und Komposition des "Bühnenfestspiels" Der Ring des Nibelungen verstanden wissen wollte. Das Seminar ist auf zwei Semester angelegt. Vertrautheit mit der neumythologischen Diskussion der Frühromantik und musikologische Kenntnisse sind willkommen. Die eigentliche Durchinterpretation des Ring soll ins Sommersemester 2003 fallen.

Da verrückterweise Wagners Schriften, Dichtungen und Briefe im Buchhandel in einer brauchbaren, leidlich vollständigen oder gar erschwinglichen Edition nicht erhältlich sind (und die Kritische Ausgabe noch ganz fragmentarisch ist), wird rechtzeitig ein Reader erstellt sein, der bei der verbindlichen Anmeldung in meinem Sekretariat zu kaufen sein wird (wann er fertig ist, wird durch Aushang an meiner Tür mitgeteilt). Ich bitte um Anmeldung zur Teilnahme (in meiner Sprechstunde), um die Teilnehmerzahl übersichtlich zu halten.

Der Reader wird vor allem Kopien aus den folgenden Ausgaben enthalten:

Richard Wagner, Sämtliche Schriften und Dichtungen, Leipzig o. J., [1878, vielfach nachgedruckt, auch als "Volksausgabe", z. B 1911]: Breitkopf & Härtel.

Otto Strobel, Richard Wagner. Skizzen und Entwürfe zur Ring-Dichtung, München 1930.

Richard Wagner, Sämtliche Briefe, hg. von Gertrud Strobel und Werner Wolf, bisher 3 Bde., Leipzig 1967, 1970 und 1976.

Richard Wagner, Sämtliche Werke, in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, München hg. von Karl Dahlhaus, Mainz: B. Schott's Söhne (unvollständig). Daraus besonders Band 29,1: Dokumente zur Entstehungsgeschichte des Bühnenfestspiels der Ring des Nibelungen, hg. von Werner Breig und Hartmut Fladt.

Eine erschwingliche Partitur des Ring ist zugänglich in der Edition Ernst Eulenburg Ltd. (London/ Mainz/New York/Tokyo/Zürich).

Benoteter Schein: Schriftliche Ausarbeitung einer Stundenvorbereitung.

Zur Einführung geeignet:

Carl Dahlhaus, Richard Wagners Musikdramen, Velber 1971.

(Eine ausführliche Literaturliste wird rechtzeitig erstellt und steht dann im Handapparat.)

Geiger: Aristoteles: Politik

Di 16-18, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 15.10.

Warum leben Menschen überhaupt in Staaten? Warum gibt es so viele verschiedene Staatsformen? Wodurch genau unterscheiden sich diese Verfassungen? Sind diese Verfassungen einfach nur anders oder auch besser und schlechter? Gibt es eine beste Verfassung? Oder gibt es unter verschiedenen Umständen auch verschiedene beste, gewissermaßen bestmögliche Verfassungen? Gibt es auch eine schlechteste Verfassung? Aus welchem Grund verändern sich Verfassungen? Wie kann man Verfassungen erhalten und wie kann man sie einrichten? Was ist überhaupt eine Verfassung? Wer soll Bürger sein in einer Verfassung? Und was genau ist ein Bürger? Auf all diese Fragen und auf viele andere mehr gibt Aristoteles in seiner Politik Antworten, die diesen Text zu einem der wichtigsten Texte in der Geschichte der politischen Philosophie gemacht haben.

Einen benoteten Schein erhält man durch eine schriftliche Hausarbeit.

Textgrundlage:

Aristoteles: Politik, übers. von Franz Susemihl, neu hrsg. von W. Kullmann, Reinbek 1994.

Gerber: Handlungserklärungen Kompaktveranstaltung

10.01.-12.01.2003, Alte Burse, Raum: siehe Aushang.

Vorbesprechung: Do 12.12.2002, 18 Uhr, Alte Burse, Melanchthonzimmer (308).

Die zeitgenössische Handlungstheorie ist geprägt von inzwischen sehr vielfältigen und differenzierten Diskussionen, die vor allem um zwei Fragekomplexe kreisen: (i) Was ist eigentlich eine Handlung, das heißt, was unterscheidet eine Handlung von einem bloßen Verhalten? (ii) Wie können Handlungen adäquat erklärt werden? Dass beide Fragekomplexe nicht streng voneinander getrennt werden können, wird dann einsichtig, wenn man bedenkt, dass sowohl bei der Frage der Handlungsbeschreibung oder Individuierung von Handlungen als auch bei der Frage der Handlungserklärung die Bezugnahme auf die mentalen Zustände, die einer Handlung vorausgehen oder diese begleiten, eine zentrale Rolle spielten.

Wir werden uns im Seminar auf das Problem der Handlungserklärungen konzentrieren. Auch hier kann man wiederum zwei Diskussionsstränge voneinander unterscheiden: Zum einen geht es um die Frage, welche mentalen Zustände als handlungserklärend gelten können. Sind es Intentionen, also Handlungsabsichten im eigentlichen Sinne, oder sind es Verbindungen aus Überzeugungen und Wünschen? In welchem Zusammenhang stehen Handlungsintentionen mit anderen mentalen Zuständen und welche Rolle spielt dieser Zusammenhang bei der Handlungserklärung? Ein anderer Problembereich, der die handlungstheoretischen Diskussionen von Anfang an geprägt hat, betrifft die Frage, ob Handlungserklärungen eine kausale Struktur haben. Sind intentionale Erklärungen Kausalerklärungen?

Einer der einflussreichsten Autoren, der zu diesen Fragen Stellung bezogen hat, ist Donald Davidson. Im Seminar sollen Texte gelesen werden, die nach Davidsons Veröffentlichungen und teilweise in Auseinandersetzung mit ihm formuliert wurden. Ich denke dabei unter anderem an Michael Bratman, Gilbert Harman, Myles Brand, Alfred R. Mele und Carl Ginet. Ein Reader wird spätestens zur Vorbesprechung am 12.12. vorliegen.

Ein benoteter Schein kann aufgrund eines Referates beziehungsweise einer Stundenvorbereitung und einer Hausarbeit erworben werden.

Literatur:

A. Beckermann (Hg.): Analytische Handlungstheorie, Bd. 2, Handlungserklärungen, Frankfurt/Main 1985.

A.R. Mele (Hg.): The Philosophy of Action, Oxford 1997.

G. Holmström-Hintikka/R. Tuomela (Hg.): Contemporary Action Theory, vol. 1, Individual Action, Dordrecht 1997.

Hägler: Realismus Kompaktveranstaltung

Termin: voraussichtlich letzter Donnerstag im Semester. Termin und Raum: siehe Aushang.

Der logische Positivismus hielt die Fragen nach der Realität der Außenwelt und der Existenz des Fremdpsychischen für typische Scheinprobleme der Metaphysik (Rudolf Carnap). Der Realismusstreit ging indessen munter weiter: G.E.Moore verteidigte den Common Sense, Karl Popper bekannte sich zum metaphysischen Realismus und Hilary Putnam wandelte sich von einem naiven zu einem internen Realisten. In jüngster Zeit scheinen die anti-realistischen und relativistischen Position Konjuntur zu haben (Goodman, Rorty).

Wir wollen uns im Kompaktseminar mit einigen älteren und neueren Texten zur Realismus-Debatte aueinandersetzen. Voraussetzung für die Teilnahme: Die Bereitschaft, einen Text vorzubereiten oder ein Referat zu übernehmen. Benotete Scheine können durch Referate oder Hausarbeiten erworben werden.

Themen für Referate werden durch Aushang bekanntgegeben.

Höffe: Kants "Kritik der reinen Vernunft" III: Methodenlehre

Mi 14.30-16.45, Alte Burse, Raum X, Beginn: 16.10.

In dem auf drei Semester angelegten Hauptseminar werden Kants Schrift sowie neuere Publikationen zur theoretischen Philosophie Kants diskutiert.

Einen Teilnahmeschein erhält man für ein Protokoll, einen benoteten Schein für ein Referat und dessen schriftliche Ausarbeitung.

Hofmann: Abstrakte Gegenstände

Di 14-16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 15.10.

Was sind abstrakte Gegenstände und wie können wir etwas von ihnen erkennen? Als Kandidaten für abstrakte Gegenstände gelten im allgemeinen: Zahlen, Mengen, evtl. Universalien und Sachverhalte. Diese Entitäten zeichnen sich dadurch aus, dass sie prima facie nicht in Raum und Zeit anzutreffen sind. Wir wollen einige prominente Ansätze zur Frage, was abstrakte Gegenstände sind, kennenlernen und dann einen dieser Ansätze, der sie als Universalien versteht, genauer studieren. Eine Theorie der Universalien, nach der nicht nur die (fundamentalen) physikalischen Eigenschaften wie z.B. Masse und Ladung, sondern auch Zahlen und Mengen Universalien sind, besticht durch ihre Einheitlichkeit. Wir wollen prüfen, wie weit eine solche Theorie plausibel ist und durch Argumente unterstützt werden kann. Dabei werden wir in einige Bereiche der Philosophie der Mathematik geraten.

Zur Vorbereitung empfehle ich, etwas aus den unten angegebenen Schriften zu studieren, die wir teilweise auch im Seminar behandeln werden.

Scheinvergabe: schriftliche Hausarbeit für benoteten Schein.

Literatur:

Bigelow, J.: The Reality of Numbers. Oxford: Clarendon 1988.

Bigelow, J., Pargetter, R.: Science and Necessity, CUP 1990.

Künne, W.: Abstrakte Gegenstände: Semantik und Ontologie, Frankfurt/Main: Suhrkamp 1983.

Keuth: Popper: "Logik der Forschung"

Mi 14-16, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn:16.10.

Rudolf Carnap zählte Poppers Logik der Forschung schon im Erscheinungsjahr 1935 "zu den wichtigsten gegenwärtigen Arbeiten auf dem Gebiet der Wissenschaftslogik", denn sie überwindet den "Absolutismus der Ursätze" (den Glauben, daß bestimmte Beobachtungssätze gewiß sind). Heute darf man die Logik der Forschung zu den wichtigsten wissenschaftstheoretischen Arbeiten des 20. Jhd. zählen. Sie überwindet auch den Absolutismus einer Erkenntnistheorie in der Form der Transzendentalphilosophie. (Popper sieht die Nachfolge Kants anders: Wissenschaftstheorie ist das, was von der Erkenntnistheorie übrig bleibt, wenn man den Glauben an notwendig wahre Resultate transzendental-philosophischer Spekulation verloren hat.)

Literatur:

Karl Popper, Logik der Forschung, Tübingen.

Karl Popper, Realism and the Aim of Science, London 1983 (Wird voraussichtlich auch in deutscher Fassung vorliegen).

Karl Popper, Vermutungen und Widerlegungen, Tübingen 1994.

Bedingung für einen benoteten Schein: Referat

Klinger: Subjekt Selbst Identität Individuum: Moderne und postmoderne Subjekttheorien Kompaktseminar

19.12.-21.12.2002, 10 Uhr, Alte Burse, Raum 211 Voranmeldung bei Frau Ott.

Die Erläuterung zur Veranstaltung liegt als Kopiervorlage bei der Aufsicht.

Scarano: Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten

Fr 10.15-12.30, Alte Burse, Raum X, Beginn: 18.10.

In dem dreistündigen Hauptseminar werden wir diesen Grundtext der modernen Moralphilosophie analysieren und uns dabei vor allem die unklaren und umstrittenen Textpassagen vornehmen. Wir werden schrittweise versuchen, die Argumentationsstruktur freizulegen, und auch die neueste Sekundärliteratur einbeziehen. Vorkenntnisse sind willkommen.

Einen benoteten Schein erhält man durch den Vortrag eines Thesenpapiers und eine schriftliche Hausarbeit.

Textgrundlage:

Alle Ausgaben mit der Akademie-Paginierung, z.B. die Neuedition von Kraft/Schönecker, die 1999 bei Meiner erschienen ist.

Schiemann: Entdecken, Erfinden und Begründen in den Wissenschaften

Fr 16-18, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 18.10.

Mit den modernen Wissenschaften ist die Unterscheidung zwischen Entdecken und Begründen hervorgetreten. Eine wirkungsreiche Formulierung stammt von Hans Reichenbach, der die entdeckende Praxis der Wissenschaften der rekonstruierenden Begründung ihrer Resultate gegenüberstellte. Das Seminar untersucht, wie weit diese Unterscheidung historisch zurückreicht, diskutiert einige der wichtigsten für und gegen sie vorgebrachten Argumente und fragt nach ihrer Aktualität, vor allem im Hinblick auf die Natur- und Technikwissenschaften. In welchem Maß sind heute entdeckende und begründende Tätigkeiten, so sie sich identifizieren lassen, voneinander abgrenzbar? In welcher Beziehung würde zu ihnen das Erfinden stehen, das nichts entdeckt, sondern entwirft und zugleich begründet, indem es einer Methode folgt und seine Gegenstände in systematische Kontexte stellt?

Literatur:

Thomas Nickles (ed.): Scientific discovery, logic and rationality (Boston Studies in the Philosophy of Science), Dordrecht 1980.

Thomas Nickles: Philosophy of Science and History of Science, in: Osiris. A Research Journal devoted to the History of Science and its Cultural Influences 10 (1995), 139-163.

Schneider: Anselm von Canterbury und der ontologische Gottesbeweis

Mo 16-18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 21.10.

Anselm von Canterbury, der "Vater der Scholastik", legt in seinen beiden Schriften: Monologion und Proslogion den seit Kant sogenannten "ontologischen Gottesbeweis" dar, der sogleich Kritik hervorgerufen hat: bei Gaunilo, Thomas v. Aquin und nicht zuletzt bei I. Kant. Er hat aber auch Nachfolger gefunden: R. Descartes und G. W. F. Hegel. Das Seminar verfolgt das Ziel, aufgrund eingehender Interpretation der genannten Anselmischen Schriften das Pro und Contra eines möglichen Beweises des Daseins Gottes abzuwägen. Insofern steht es im Horizont einer nach Platon und Aristoteles Neubegründung der Metaphysik, aber auch ihrer Kritik.

Das Seminar richtet sich an die Studierenden der Philosophie und besonders der Theologie. Ein qualifizierter Seminarschein kann aufgrund regelmäßiger und aktiver Mitarbeit und einer Hausarbeit erworben werden.

Textgrundlage:

Anselm von Canterbury, Monologion, lat.-dt. v. F. S. Schmitt O.S.B., Stuttgart/Bad Cannstatt 1964.

Anselm von Canterbury, Proslogion, lat.-dt. v. F. S. Schmitt O.S.B., Stuttgart/Bad Cannstatt 1962.

(Anselm von Canterbury), Kann Gottes Nicht-Sein gedacht werden?. Die Kontroverse zwischen Anselm von Canterbury und Gaunilo von Marmoutiers, lat.-dt., übersetzt, erläutert und hg. v. B. Mojsisch. Mit einer Einleitung v. K. Flasch, Mainz 1989.

Wiesing: Die Moralisierung der menschlichen Natur

Do 14-16, Alte Burse, Raum X, Beginn: 24.10.

Durch Technologie ist es dem Menschen möglich geworden bzw. wird es ihm alsbald möglich werden, gezielt in seine eigene biologische Natur einzugreifen und sie zu verändern. Es stellt sich die Frage, ob er das tun soll und anhand welcher Kriterien diese Frage zu beantworten wäre. Hierbei gilt es insbesondere, zu klären, welcher moralische Status der menschlichen Natur zukommt.

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1.2., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu fach- bzw. berufsethischen Fragen erworben werden (EPG 2).

Benoteter Schein: Aktive Teilnahme und Referat.

Vorbereitende Lektüre:

Jürgen Habermas, Die Zukunft der menschlichen Natur. Auf dem Wege zur liberalen Eugenik? Suhrkamp 2001.

Weitere Literatur in der Vorbesprechung.

Wimmer: Platons Prinzipienlehre

Do 8.30-10.00, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 17.10.

Zu Beginn wird die Lektüre von Platons Timaios stehen als einer der Brennpunkte der spekula-tiven Philosophie Platons. In diesem Dialog entwickelt Platon die Prinzipien seiner Naturlehre und Kosmologie: Der Demiurg gestaltet die Welt als Abbild einer vollkommenen Idee; die Welt selbst besteht aus den vier Elementen in der Form regelmäßiger Polyeder; sie ist die beste aller möglichen Welten ein unvergängliches, beseeltes, vernunftbegabtes Lebewesen. Im zweiten Teil des Seminars werden die Grundvorstellungen der sogenannten Tübinger Schule zur Prinzipienlehre Platons skizziert und in ein Verhältnis zur Deutung des Timaios gesetzt. Auszüge aus diesbezüglichen Texten werden in einem Ordner gesammelt zu Beginn des Semesters in den Semesterapparat eingestellt.

Leistungsnachweis: Referat mit schriftlicher Ausarbeitung oder Hausarbeit.

Wimmer: Die Vielfalt der religiösen Erfahrung

Do 10.30-12.00, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 17.10.

Vor gut hundert Jahren hielt William James die Gifford-Lectures an der Universität zu Edinburgh über The Varieties of Religious Experience. Auf Grund des Reichtums der gebotenen Phänomenologie des Religiösen und der Pointiertheit ihrer philosophischen Analyse sind James Vorträge zu den wenigen bedeutenden philosophischen Religionslehren der Moderne zu rechnen.

Der Lektüre der Vorträge im Seminar wird die neuere Übersetzung von E. Herms und C. Stahlhut zu grunde gelegt, die unter dem Titel Die Vielfalt religiöser Erfahrung. Eine Studie über die mensch-liche Natur 1997 im Insel-Verlag erschien (Insel-Tb. Nr. 1784). Als Einführung in den heutigen religiösen Kontext und als Anregung zu möglichen Problematisierungen der Erörterungen von James werden im Seminar die in Wien im Jahre 2000 gehaltenen Vorlesungen von Charles Taylor dienen, die unter dem Titel Die Formen des Religiösen in der Gegenwart im Suhrkamp-Verlag erschienen sind (Suhrkamp Tb. Wissenschaft Nr. 1568).

Leistungsnachweis: Diskussionseinführung mit anschließender schriftlicher Ausarbeitung oder Hausarbeit.

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Oberseminare

Falk: Neuere Literatur zur analytischen Philosophie des Geistes

Di 16-18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 15.10.

Für die ersten Sitzungen schlage ich als Thema John McDowells "Mind and World", Cambridge/London 1994 (auch in deutscher Übersetzung erhältlich) vor, danach John Perry; "Knowledge, Possibility and Consciousnes", Cambridge/London 2001.

In der verbleibenden Zeit könnte man entweder die Diskussion der Qualia-Problematik weiter vertiefen (etwa anhand von Joseph Levine: "Purple Haze. The Puzzle of Consciousness", Oxford 2001, oder Barry Stroud: "The Quest for Reality. Subjectivism and the Metaphysics of Colour", Oxford 2000) oder den Beitrag von Quassim Cassam zur Selbstbewußtseinsdebatte (Self and World, Oxford 1997) behandeln.

Frank: Michael Tyes repräsentationalistische Theorie des Bewusstseins Oberseminar für Doktoranden und Doktorandinnen

Mo 20-22, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 21.10.

Wir setzen die Diskussion des Sommersemesters fort, gestützt vor allem auf die bekannten drei Texte:

Ten Problems of Consciousness. A Representational Theory of the Phenomenal Mind, Cambridge, Massachusetts und London, 1995 (Taschenbuch 1996).

Consciousness, Color, and Content, Cambridge, Massachusetts und London, 2002.

Representationalism and the Transparenxy of Experience, in: Noûs, Vol. XXXVI, Nr. 1, 2002, S. 137-151.

Michael Tye, der in der Woche vom 3.02.2003 an zur Diskussion mit uns kommt, hat versprochen, weitere ungedruckte Texte gleichzeitig zur Verfügung zu stellen.

Höffe/Jüngel/Graf Vitzthum: Moral und Religion bei Kant. Ausgewählte Texte aus der "Kritik der reinen Vernunft" und der Religionsschrift

Mi 18-20, 14täglich, Ort: siehe Aushang, Beginn: 30.10. (Persönliche Anmeldung bei einem der Seminarleiter.)

Höffe: Neuerscheinungen zur Transzendentalphilosophie und Vorstellung eigener Projekte Doktorandenkolloquium

Termine und Ort: siehe Aushang. Sprechstunde: Mi 18-19, Raum 320.

Es werden eigene Projekte der Teilnehmer vorgestellt und neue Literatur zur Erkenntnistheorie und Tranzendentalphilosophie diskutiert. Neuteilnahme nur nach Rücksprache in der Sprechstunde möglich.

Keuth: Ernst Mach: "Erkenntnis und Irrtum"/"Analyse der Empfindungen"

Mi 10-12, Alte Burse, Konferenzraum, Beginn: 16.10.

Ernst Mach ist der wichtigste Vertreter des Empiriokritizismus und ein bedeutender Vorläufer des neoempiristischen Wiener Kreises. Seine Erkenntnistheorie orientiert sich an der Sinnesphysiologie und der Psychologie. Nach seiner Elementenlehre besteht aller Erfahrungsinhalt letztlich aus Elementen (Farben, Tönen, usw.) und ihren Zusammenhängen, ja die Welt besteht aus Elementen, die in verschiedenen Komplexen als physisch oder als psychisch erscheinen (Neutraler Monismus).

Literatur:

Ernst Mach, Erkenntnis und Irrtum. Skizzen zur Psychologie der Forschung, Leipzig 1905, Nachdruck der 5. Aufl. 1926, Darmstadt 1968.

Ernst Mach, Die Analyse der Empfindungen und das Verhältnis des Physischen zum Psychischen, 1886, Nachdruck der 9. Aufl. 1922, Darmstadt 1985.

Bedingung für einen benoteten Schein: Referat.

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Kolloquien

Engels: Kolloquium für Examenskandidat(inn)en und Doktorand(inn)en Kompaktveranstaltung

2 x 2 Tage, Vorbesprechung: Do 17.10., Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW), Keplerstr. 17, Konferenzraum 3. Etage.

Dieses Kolloquium bietet Studierenden der Philosophie und Biologie die Möglichkeit, ihre geplanten und laufenden Arbeiten vorzustellen und zu diskutieren. Gäste sind herzlich willkommen.

Fahrenbach: Kolloquium

nach Vereinbarung

Kümmel: Gedächtnis und Erinnerung

Fr 18-20, Alte Burse, Melanchthonzimmer (Raum 308), Beginn: 25.10.

Szlezák: Platon, Symposion

Do 18.15-20.30, Theologicum, Liebermeisterstr. 12, Beginn: 17.10.

Neben dem Phaidon enthält das Symposion das literarisch intensivste und wirkungsvollste Sokrates-Porträt. Es gilt daher, zunächst das hier gezeichnete "Bild des Dialektikers" adäquat zu erfassen. Von hier aus gelangen wir, über Platons Eros-Philosophie, zu seinem Philosophiebegriff, der zwar schon immer primär aus dem Sympsion hergeleitet, aber gleichwohl oft gänzlich mißverstanden wurde. Der Text wird, bevor die Sachfragen diskutiert werden, von den Teilnehmern mit möglichst großer Präzision übersetzt werden: Voraussetzung für die Teilnahme ist daher die Kenntnis des Griechischen (mindestens auf dem Niveau des Graecums) sowie die Bereitschaft zu intensiver Vorbereitung von Stunde zu Stunde.

Wimmer: Doktoranden/Doktorandinnen-Kolloquium

Termin und Ort: nach Vereinbarung

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Arbeitskreise

Hoering: Lernprogramme (insbesondere für Logik)

Di 19-21, Alte Burse, Computerpool, Beginn: 22.10.

Seit einiger Zeit gibt es ein Tutor-Programm zum Einüben des logischen Ableitens in Formalismen der Aussagen-, Prädikaten- und Modallogik, das im Rahmen dieses Arbeitskreises entwickelt worden ist. Dieses Programm wurde zunächst in Pascal für IBM-kompatible Rechner geschrieben; für seine Portierung auf andere Plattformen stellen wir Versionen in C++ mit Hilfe von UML her. Neue Mitglieder, die bereits Kenntnisse in diesen Sprachen besitzen oder stark motiviert sind, sich einzuarbeiten, sind herzlich willkommen.

Koch, D. Hermeneutische Phänomenologie

Mi 12-14 Uhr, Alte Burse, Melanchthonzimmer, (308) Beginn: 16.10.

Der Arbeitskreis "Hermeneutische Phänomenologie" geht auf eine Initiative von Studierenden zurück. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der hermeneutischen Phänomenologie, so wie sie sich in der ersten systematischen Ausarbeitung in Martin Heideggers "Sein und Zeit" darstellt, vor allem aber mit der Weiterentwicklung bzw. der Veränderung dieses philosophischen Ansatzes in der gereiften Periode der heideggerschen Philosophie dem sogenannten "Ereignis-Denken" von Mitte der dreißiger bis zu Beginn der siebziger Jahre. Im Wintersemester beschäftigen wir uns mit den fünf Freiburger Vorträgen aus dem Jahr 1957 "Grundsätze des Denkens" (Gesamtausgabe Bd. 79, S. 81-176). Diese Vorträge stellen zugleich eine ausgezeichnete Einführung in das Ereignis-Denken dar.

Der Arbeitskreis ist für alle an der Sache der hermeneutischen Phänomenologie interessierten und engagierten Studierenden offen.