Philosophisches Seminar

Wintersemester 2003/2004

Inhalt:

Allgemeine Studienberatung: Dietmar Koch, Seminarassistent, Di 10-12, Raum 214

Soweit nicht anders im Kommentar vermerkt, ist die Anmeldung zu den Veranstaltungen nicht erforderlich.

Die Teilnahme an Proseminaren von Studierenden, die die Zwischenprüfung bereits abgelegt haben, bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Seminarleiters.

Semestertermine:

Forschungssemester: Prof. Dr. Thomas Szlezák, Prof. Dr. Reiner Wimmer

Freistellung: PD Dr. Dimas Figueroa, Prof. Dr. Rudolf-Peter Hägler, Prof. Dr. Günther Maluschke

Einführungsabend für Studienanfänger:
Mo 14.10., 18 Uhr c.t., Alte Burse, Raum X

Vorlesungen

Engels: Ethik und Wissenschaftstheorie der Biowissenschaften Di 10-12, Kleiner Botanischer Hörsaal, N 11, Auf der Morgenstelle 1, Beginn: 14.10.

Die Vorlesung soll in einige der wichtigsten und gegenwärtig meistdiskutierten Gebiete der Bioethik einführen. Die Bioethik ist ein Hauptgebiet der interdisziplinären, anwendungsbezogenen Ethik und hat die Aufgabe, eine normative Verständigung über Spielräume und Grenzen menschlichen Handelns im Umgang mit der lebendigen Natur einschließlich der Natur des Menschen herbeizuführen. Bioethische Fragen betreffen uns alle, sie stellen sich in unserem Alltag im Umgang mit dem Lebendigen, bei unserer Ernährung, vor allem aber auch in Wissenschaft und Technik. In der Vorlesung werden vor allem Fragestellungen der biomedizinischen Ethik, der Tierethik und der ökologischen Ethik behandelt. Die biomedizinische Ethik befasst sich derzeit vor allem mit den Herausforderungen durch die neuen biologischen und biomedizinischen Technologien und Diagnosemöglichkeiten in der Anwendung auf den Menschen. Stichworte sind hier die embryonale Stammzellforschung, die genetische Diagnostik, das reproduktive und sog. therapeutische Klonen, die Verpflanzung von Tiergeweben und -organen in den Menschen (Xenotransplantation), die Sammlung, Speicherung und Nutzung menschlicher Körpersubstanzen und der damit verknüpften Informationen (Biobanken) usw. In der Tierethik steht das Verhältnis des Menschen zum Tier im Vordergrund, wie es sich in verschiedenen Kontexten darstellt (Tiere in der Forschung, für die Ernährung, transgene Tiere für die Medikamentenproduktion, Haustiere). In der ökologischen Ethik im weiteren Sinne werden Fragen des Natur- und Umweltschutzes behandelt. In eine bioethische Beurteilung gehen immer auch naturphilosophische, philosophisch-anthropologische, wissenschaftstheoretische u. a. Vorannahmen ein, die ebenfalls Gegenstand der Vorlesung sein werden.

Heidelberger: Das Leib-Seele-Problem: Eine Einführung Di 10-12, Hörsaal: siehe Aushang zu Beginn des Semesters, Beginn: 14.10.

Die Vorlesung möchte eine kompakte Einführung in die gegenwärtige Philosophie des Geistes bieten, die besonderes Augenmerk auf wissenschaftsphilosophische Aspekte des Problems wirft und interdisziplinäre Bezüge berücksichtigt. Sie setzt keine philosophische Vorbildung voraus und ist für Hörer aller Fakultäten geeignet. Ich möchte u. a. die Möglichkeiten und Grenzen des sogenannten &quotPsychophysischen Parallelismus&quot ausloten.

Einführende Literatur zur Vorbereitung: Es gibt mehrere gute Einführungen zur Philosophie des Geistes, z. B.: John Heil, Philosophy of Mind. London: Routledge, 1998. Zur Geschichte informiert: M. Heidelberger, &quotWie das Leib-Seele Problem in den Logischen Empirismus kam&quot, Phänomenales Bewusstsein - Rückkehr der Identitätstheorie?, hrsg. Michael Pauen &amp Achim Stephan, Paderborn: Mentis 2002, 40-72.

Höffe: Rechts- und Staatsphilosophie Do 10-12, Hörsaal: siehe Aushang zu Beginn des Semesters, Beginn: 16.10.

Die Vorlesung führt zunächst in die Grundbegriffe Recht und Staat sowie das normative Leitprinzip Gerechtigkeit ein. Sie wendet sich dann der Frage zu: Ist es sinnvoll, daß die Menschen ihr Zusammenleben rechtsförmig und die Rechtsform staatsförmig organisieren, oder können sie auf beides, Rechts- und Staatsform, verzichten? Sofern sich gute, vielleicht sogar moralische Gründe gegen den Verzicht finden lassen, stellen sich einige Anschlußfragen. Nach welchen Kriterien ist ein Rechts- und Staatswesen gerecht? Gelten die Gründe, die zugunsten von Staaten sprechen, auch für die Koexistenz der Staaten? Die Vorlesung befaßt sich also mit der einzelstaatlichen, der zwischenstaatlichen und der weltstaatlichen Perspektive. Schließlich stellt sie sich der Frage, ob es zusätzlich zu (gerechten) Institutionen auch Bürgertugenden, sowohl Staats- als auch Weltbürgertugenden, braucht.

Zur Vorbereitung: O. Höffe: Demokratie im Zeitalter der Globalisierung, München 1999, 2002. Weitere Literaturangaben in der Vorlesung.

Keuth: Wissenschaftstheorie Do 10-12, Hörsaal: siehe Aushang zu Beginn des Semesters, Beginn: 16.10.

Die Vorlesung soll die Grenzen erfahrungswissenschaftlicher Erkenntnis zeigen. Untersucht werden: das Problem der Induktion, die deduktive Hypothesenprüfung, Erklärung, Prognose, die Prüfung von Beobachtungssätzen anhand von Sinneswahrnehmungen, Wahrheitstheorien und das Problem der Annäherung an die Wahrheit, die Bewährung von Theorien, das Determinismus-Indeterminismus Problem.

Koch, A. F.: Kant, Kritik der reinen Vernunft Do 18-20, Neue Aula, Hörsaal: siehe Aushang, Beginn: 23.10.

Mit dieser Vorlesung möchte ich eine mehrsemestrige Einführung in die Philosophie fortsetzen, die unter der Leitfrage nach der Möglichkeit und dem Inhalt einer Ersten Philosophie steht. Im gegenwärtigen Semester soll die Kantische Transzendentalphilosophie erörtert werden, wobei das Hauptinteresse auf der transzendentalen Ästhetik, der transzendentalen Deduktion der reinen Verstandesbegriffe und den Analogien der Erfahrung liegen soll. Die transzendentale Dialektik wird eher kursorisch behandelt werden. Im Handapparat der Seminarbibliothek wird ein Skriptum der Vorlesung zugänglich gemacht.

Schick: Vom kritischen zum objektiven Idealismus Do 12-14, Alte Burse, Raum X, Beginn: 16.10.

In dieser Vorlesung sollen die argumentativen Hauptlinien, die von Kants drei Kritiken zu Hegels System des (von ihm selbst so genannten) objektiven Idealismus führen, nachgezeichnet und hinsichtlich ihrer Überzeugungskraft erwogen werden. Die Rekonstruktion wird zwei Schwerpunkte haben: Zum einen wird es um das Verhältnis zwischen transzendentaler Rechtfertigung der Kategorien und Hegels Programm der Wissenschaft der Logik gehen, die der Kantischen Begrenzung kategorialer Erkenntnis auf Erscheinung den - auf den ersten Blick überraschenden - neuen Sinn einer immanenten Kritik und Weiterentwicklung der Kategorien selbst gibt. Zum anderen sollen auf dem Gebiet der praktischen Philosophie die Gründe verfolgt werden, die vom Konzept einer reinen Vernunft, die für sich selbst praktisch ist, zu Hegels Theorie des &quotobjektiven Geistes&quot führen. Nicht zuletzt wird zu fragen sein, wie die Grundsatzentscheidungen im theoretischen und im praktischen Feld zusammenhängen. Die Vorlesung ist für Studierende aller Semester gedacht und setzt keine ausgebreiteten Vorkenntnisse der zu behandelnden Texte voraus.

Schneider: Einführung in die praktische Philosophie Mo 10-12, Hörsaal: siehe Aushang zu Beginn des Semesters, Beginn: 20.10.

Die Vorlesung: Einführung in die Praktische Philosophie richtet sich an Anfänger des Philosophiestudiums und an Theologen, für die sie im übrigen zur Pflichtveranstaltung im Grundstudium gehört. Man hat sich inzwischen angewöhnt, die Philosophische Ethik von der sog. Applied Ethics, der Anwendungsbezogenen Ethik, zu unterscheiden. Bereits eine solche Unterscheidung zu treffen, ist ein Problem, das in den Kompetenzbereich der Philosophie gehört. Meine Vorlesung thematisiert in erster Linie die Grundlagenbezogene Seite der Praktischen Philosophie, auf deren Anwendungsseite wird nur in Beispielen Bezug genommen. Die Vorlesung hat also zum Thema: Ansätze und Theorieentwürfe der Praktischen Philosophie - ich möchte fast sagen: in Geschichte und Gegenwart. Es geht in ihr ausdrücklich um die Grundlagen der Praktischen Philosophie. Es werden in dem Sinn vor allem Aristoteles und I. Kant vorgestellt; freilich auch neuere Entwürfe, beispielsweise: J. St. Mill und der Utilitarismus, J. Rawls, Theorie der Gerechtigkeit, A. MacIntyre, Der Verlust der Tugend und anderes mehr.

Zur ersten Orientierung: Georg Wieland, Ethik als praktische Wissenschaft, in: L. Honnefelder/G. Krieger (Ed. ), Philosophische Propädeutik, Bd. 2 Ethik, Paderborn/München/Wien/Zürich 1996, 9-70.

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Einführungsveranstaltung

Koch, D.: Einführung in das Studium der Philosophie Mo 10-12, Alte Burse, Raum X, Beginn: 13.10.

Die Einführungsveranstaltung dient der umfassenden Grundorientierung im Philosophiestudium. Sie ist reserviert für Erst- und Zweitsemester im Fach Philosophie. Aufgabe der Veranstaltung ist es, Kenntnisse zum Studienablauf und zur Studienorganisation zu vermitteln, grundlegende Literatur bekannt zu machen, eine Anleitung zu wissenschaftlichem Arbeiten zu geben (Tutorium), vor allem jedoch in geschichtlich wie systematisch bedeutsame Grundprobleme und Grundbegrifflichkeiten philosophischen Denkens einzuführen. Dies geschieht anhand von Textauszügen zentraler philosophischer Werke von Parmenides bis Heidegger. (Die Textauszüge werden ausgegeben. )

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Proseminare

Aschenberg: Tierethik - theoretische Ansätze und didaktische Perspektiven (Fachdidaktisches Proseminar für Studierende des Lehramtsstudiengangs Philosophie/Ethik und andere an der Thematik Interessierte. ) Mo 8-10, Alte Burse, Raum X, Beginn: 13.10.

Die Lehrveranstaltung dient der systematischen und historischen Einführung in Fragen der Tierethik. Sie vermittelt einen Überblick über deren wichtigste Ansätze und Probleme. Zugleich soll sie didaktische Perspektiven der Thematik im Gymnasialunterricht deutlich machen: Die Thematik betrifft mehrere Einheiten des Ethik-Lehrplans in BW und Möglichkeiten des sog. fächerverbindenden Unterrichts.

Bedingungen für einen qualifizierten Schein: (1) regelmäßige Teilnahme, (2) eine mündliche Präsentation, z. B. ein Referat, (3) eine schriftliche Hausarbeit.

Literatur: Zur ersten Orientierung empfehle ich einen neuen Überblicksartikel, z. B.: Heike Baranzke: "Tierethik&quot, in: M. Düwell et al. (Hg. ): Handbuch Ethik, Stuttgart/Weimar 2002, 282-286 (mit weiterer Literatur).

Dietrich: Einführung in die Angewandte Ethik (EPG 2) Mi 14-16, Verfügungsgebäude Wilhelmstr. 19, Seminarraum 1. 01, Beginn: 15.10.

Während sich die Allgemeine Ethik auf die Klärung, Prüfung und Begründung der ethischen Grundlagen konzentriert, geht es der Angewandten Ethik vorrangig um die ethische Reflexion konkreter Handlungskonflikte. Hierfür hat sie sich mittlerweile in verschiedene Teilbereiche wie z. B. die Medizin- und Bioethik, die Medienethik oder die Naturethik ausdifferenziert, in denen häufig die Weiterentwicklungen in Wissenschaft und Technik Auslöser ethischer Debatten sind. Das Seminar führt in einem interdisziplinären Rahmen in die grundlegenden Begrifflichkeiten und Argumentationsweisen der Angewandten Ethik ein. Das Ziel ist es, anhand von Beispielen aus den Natur-, Sozial- und Literaturwissenschaften

Die Dozentin wird sich bemühen, hierzu Gastreferent(inn)en aus verschiedenen Wissenschaften einzuladen. Voraussetzungen: Vorkenntnisse zur Allgemeinen Ethik (z. B. einschlägiger Fachschein oder EPG 1) sind dringend erwünscht, aber nicht Bedingung. Benoteter Schein: Aktive Mitarbeit und Hausarbeit (Fachschein) oder Klausur (EPG 2).

Literatur zur Einführung: Nida-Rümelin, Julian (1996): Theoretische und angewandte Ethik: Paradigmen, Begründungen, Bereiche. In: Ders. (Hg. ) (1996): Angewandte Ethik. Die Bereichsethiken und ihre theoretische Fundierung. Ein Handbuch. Stuttgart: Kröner. S. 2-85.

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1. 2., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu fach- bzw. berufsethischen Fragen erworben werden (EPG 2).

Engels: Grundlagen der Bioethik (EPG 2) Mi 10-12, Verfügungsgebäude Wilhelmstraße 19, Seminarraum, Beginn: 15.10.

Die Bioethik ist ein Hauptgebiet der interdisziplinären, anwendungsbezogenen Ethik und hat die Aufgabe, eine normative Verständigung über Spielräume und Grenzen menschlichen Handelns im Umgang mit der lebendigen Natur einschließlich der Natur des Menschen herbeizuführen. Die Bioethik hat sich seit ihrer Entstehung vor gut dreißig Jahren in verschiedene Bereichsethiken (biomedizinische Ethik, Tierethik, Naturethik, ökologische Ethik u. a. ) ausdifferenziert. Da der Anlass für ihre Entstehung die Lösung konkreter Probleme war und der Anwendungsbezug der Bioethik nach wie vor im Vordergrund steht, ist vielfach der Eindruck entstanden, dass sich Bioethik in der Angabe von &quotHandlungsrezepten&quot erschöpft. Eine Reflexion auf die theoretischen Grundlagen der Bioethik selbst ist dabei häufig in den Hintergrund getreten. Ziel des Seminars ist es, ein differenziertes Bild der Bioethik als eigenständiger Disziplin zu vermitteln. Es soll erarbeitet werden, welche theoretischen Grundlagen und Dimensionen der Urteilsbildung sowohl in der Bioethik generell als auch in einzelnen Bereichsethiken die Voraussetzung für ein fundiertes ethisches Urteil bilden. Die Bedingung für den Erwerb eines unbenoteten Leistungsnachweises ist neben regelmäßiger Teilnahme ein Seminarvortrag mit Thesenpapier, für einen benoteten Leistungsnachweis eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit. Ein Seminarplan mit der zu behandelnden Literatur wird zu Beginn des Semesters verteilt.

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1. 2., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu fach- bzw. berufsethischen Fragen erworben werden (EPG 2).

Frank: Kants Kritik der Urteilskraft - Interpretationskurs I Di 14-16, Alte Burse, Raum X, Beginn: 14.10.

Dem obligatorischen Veranstaltungstyp entsprechend soll der klassische Text - gemäß seiner Einteilung in ästhetische und teleologische (reflektierende) Urteilskraft - während zweier Semester textnah gelesen und interpretiert werden. Den besten Textstand (und einen ausführlichen Kommentar) bietet die dreibändige Suhrkamp-Ausgabe von Immanuels Kants Schriften zur Ästhetik und Naturphilosophie, stw 1517.

Geiger: Francis Bacon, Neues Organon Di 10-12, Alte Burse, Raum X, Beginn: 14.10.

Neben Descartes könnte man den Beginn der theoretischen Philosophie der Neuzeit auch bei Francis Bacon ansetzen. Inspiriert vom selben entschiedenen Antiaristotelismus arbeitet auch Bacon am Programm einer Neubegründung der Wissenschaften. Anders als bei Descartes werden die Fundamente der neuen Wissenschaft allerdings nicht im denkenden Subjekt verortet, sondern in einer verbesserten Theorie der Forschung (die er als kooperatives und generationenübergreifendes Projekt auffaßt), des gezielten Experimentierens und der induktiven Methode. Als Propädeutik zu dieser Methodologie entwickelt Bacon mit seiner sog. &quotIdolenlehre&quot außerdem eine umfassende und differenzierte Kritik verschiedener Arten von Vorurteilen, die den freien Gang der Forschung bisher verhindert haben. Das &quotNeue Organon&quot ist bei Meiner in einer zweisprachigen Ausgabe erhältlich. Einen benoteten Schein erhält man für ein Kurzreferat und eine schriftliche Hausarbeit.

Heidelberger: Einführung in die Logik mit Übungen Do 10-12, Alte Burse, Raum X, Beginn: 16.10.

Das Seminar, das als Vorlesung abläuft, bietet eine Einführung in die Aussagen- und Prädikatenlogik, nebst einem Ausblick in die induktive Logik. Es wird der Kalkül des natürlichen Schliessens behandelt und viel Wert auf die Formalisierung von Argumentationen gelegt. Da zum Philosophieren das Begründen gehört und Begründen argumentativ geschieht, ist eine Reflexion auf Möglichkeiten und Grenzen des Argumentierens für die Philosophie unerlässlich. Es wird ein Skriptum im Netz bereitgestellt, das den Text von Hoyningen (s. u. ) ergänzt. Es findet ein die Veranstaltung begleitendes Tutorium statt. Scheinerwerb: zwei bestandene Klausuren. Text: (bitte anschaffen): Paul Hoyningen-Huene, Formale Logik. Eine philosophische Einführung, Stuttgart: Reclam 1998 (UB Nr. 9692) 8, 10 Euro.

Keul: Wissenschaft und Menschenwürde. Einführung in die philosophische Ethik (EPG I) Kompaktveranstaltung 17. -19. 02. 2004, 9. 30-17. 00 Uhr Vorbesprechung: 16. 10., 13 Uhr, Alte Burse, Melanchthonzimmer

Im Zentrum dieser Veranstaltung, die sich an Studierende aller Fächer wendet, steht die ebenso schwierige wie wichtige Frage nach dem Verhältnis von Wissenschaft, Verantwortung und Menschenwürde. Schwierig ist sie, da das traditionelle Selbstverständnis der unterschiedlichen Wissenskulturen im Namen der jeweilig reklamierten Autonomie auf eine strikte Scheidung der Bereiche beharrt; wichtig aber, weil die Wissenschaften in der wissenschaftlich-technischen Zivilisation keineswegs mehr unangefochten als Garant des Fortschritts dienen, sondern mehr denn je ein Machtpotential bereitstellen, das, wie alle Macht, immer auch missbraucht werden kann. Zudem lässt sich der Bezug von Wissenschaft und Ethik keiner einzelnen etablierten Disziplin zurechnen und sperrt sich vor allem einer Hierarchisierung der Wissensbereiche. So verlangt das Spannungsverhältnis zwischen wissenschaftlicher Rationalität und praktischer Verantwortung nach vernünftigen ethischen Maßgaben eigener Art. Ausgehend von der philosophischen Tradition, namentlich von Aristoteles und Kant, werden wir im ersten Teil dieses Seminars auch Texte zeitgenössischer Positionen zu dem Verhältnis von Wissenschaft und Menschenwürde, vor allem von J. Habermas und O. Höffe, gemeinsam lesen und diskutieren. Im zweiten Teil dieser Veranstaltung sollen dann grundlegende Positionen der angewandten Ethik zum Zuge kommen, in denen die erarbeiteten Kriterien der Moral auf die unterschiedlichen Bereiche des Sozialen und der Wirtschaft, der Politik und der Ökologie appliziert und zugleich getestet werden, so dass das Seminar nicht zuletzt auch einen Beitrag zur moralisch-ethischen Urteilsbildung leisten will. Benoteter Schein: Mitarbeit und Abschlussklausur.

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1. 1., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu ethisch-philosophischen Grundfragen erworben werden (EPG 1).

Keuth: David Hume über Moral und Religion Do 14-16, Alte Burse, Schellingzimmer, Beginn: 23.10.

In &quotDialoge über natürliche Religion&quot behandelt Hume die verschiedenen Formen der Gottesbeweise und das Theodizee-Problem. Zur Kritik der jeweiligen Argumente setzt er seine empiristische Erkenntnistheorie ein, in deren Grundgedanken er hier ganz nebenbei einführt. Seine &quotUntersuchung über die Prinzipien der Moral&quot lehnt sich an den dritten Band des &quotTraktat über die menschliche Natur&quot an. Hier entwirft er eine pragmatische Ethik, in der die Sympathie die grundlegende Emotion ist. Weil der klassische Utilitarismus Benthams und Mills hier anknüpft, spielen seine Argumente noch heute eine wichtige Rolle. Literatur: David Hume, Dialoge über natürliche Religion, Reclam UB 7692. David Hume, Eine Untersuchung über die Prinzipien der Moral, Reclam UB 8231. Ein benoteter Schein kann aufgrund eines Referats erworben werden.

Koch, A. F.: Platon, Der Staat - Interpretationskurs I Di 16-18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 14.10.

In diesem zweisemestrigen Kurs sollen ausgewählte Passagen aus Platons Politeia gelesen und interpretiert werden, einem Werk, das an grundlegender Bedeutung für die Philosophie in allen ihren Teildisziplinen unübertroffen ist. Zur vorbereitenden Lektüre sei empfohlen: Platon. Politeia, hg. von Otfried Höffe, Berlin 1997 (in der Reihe &quotKlassiker Auslegen&quot). In der Seminarbibliothek wird ein Handapparat mit Forschungsliteratur eingerichtet. Für den Scheinerwerb sind aktive Mitarbeit (Bereitschaft zur Übernahme eines Stundenprotokolls) und eine Hausarbeit pro Semester erforderlich, von denen eine durch ein Referat ersetzt werden kann.

Koch, A. F.: Wittgenstein, Logisch-philosophische Abhandlung - Interpretationskurs II Do 16-18, Alte Burse, Schellingzimmer, Beginn: 23.10.

In der Philosophiegeschichte ist die Erste Philosophie in verschiedenen Formen aufgetreten, als Frage nach dem Seienden als Seiendem, d. h. als Metaphysik (Aristoteles), als Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit synthetischer Urteile a priori, d. h. als Transzendentalphilosophie (Kant), zuletzt als Frage nach der Wahrheit und Bedeutung von Sätzen, d. h. als philosophische Semantik (Frege, Russell, Wittgenstein). Wittgenstein hat in seiner Frühphilosophie den semantischen Ansatz in reiner Form durchzuführen, d. h. Bedeutung und Wahrheit ohne Rekurs auf bewußtseins- oder erkenntnistheoretische Begriffe theoretisch zu fassen versucht. Eine Konsequenz dieses Ansatzes war die ungewöhnliche Tatsachen-Ontologie, für die der Tractatus bekannt ist. Zwar hat Wittgenstein später die Trennung des Semantischen von unseren kognitiven Aktivitäten als einen Irrtum revoziert. Aber seine Logisch-philosophische Abhandlung verdient nach wie vor unser Interesse als die klassische nichtkognitive Theorie der Wahrheit und der Bedeutung. Wir werden diese Theorie im zweiten Semester des Interpretationskurses durch Interpretation des Textes der Abhandlung weiter nachzuzeichnen und kritisch zu würdigen versuchen. In der Seminarbibliothek wurde ein kleiner Handapparat mit Forschungsliteratur eingerichtet. Für den Scheinerwerb sind aktive Mitarbeit (Bereitschaft zur Übernahme eines Stundenprotokolls) und eine Hausarbeit pro Semester erforderlich, von denen eine durch ein Referat ersetzt werden kann.

Koch, D.: Platon, Phaidros - Lektürekurs für Erst- und Zweitsemester Di 18-20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 14.10. (In der ersten Sitzung findet eine Vorbesprechung statt. )

Der Umgang mit philosophischen Schriften bedarf bestimmter »handwerklicher« Voraussetzungen: Die Fähigkeit eines begrifflich genauen Lesens, das Vermögen, die spezifische Problemstellung eines Textes herauszupräparieren, die Beherrschung der charakteristischen Begrifflichkeit eines Autors, zudem die stete Beachtung der Differenz von Textauslegung und eigener Sachinterpretation und anderes mehr. Der Lektürekurs für Erst- und Zweitsemester will über die Demonstration dieser Umgangsweisen hinaus zugleich eine Einführung in die Bewegung philosophischen Denkens selbst sein. Dies soll in Auseinandersetzung mit Platons Dialog »Phaidros« geschehen. Der »Phaidros« handelt - wie auch sein Schwesterdialog »Symposion« - vom göttlichen Eros und seinem Verhältnis zur Philosophie, vor allem zur Philosophie, wie sie Platon in Gestalt des Sokrates auftreten läßt. Der Text eignet sich nicht nur zur Auseinandersetzung mit Grundgedanken Platons, sondern ist auch einer der faszinierendsten Schriften zur Frage nach der Herkunft und dem Sinn des Philosophierens überhaupt. Die Veranstaltung ist ausschließlich für Erst-und Zweitsemester im Studienfach Philosophie bestimmt. Griechischkenntnisse sind nicht vorausgesetzt. Leistungsnachweis für einen unbenoteten Schein: Übernahme eines Protokolls (Umfang 2 - 3 Seiten) Leistungsnachweis für einen benoteten Schein: Hausarbeit (Höchstumfang: 15 Seiten à 2000 Anschläge; Abgabetermin: bis 30. April 2004); eine Vorschlagsliste zu Hausarbeitsthemen wird zu Beginn des Semesters ausgegeben. Textgrundlage: Platon: Phaidros. Nach der Übersetzung von Kurt Hildebrandt. Stuttgart 1994 oder nachfolgende Auflagen (Reclam).

Koch, D.: Martin Heidegger, Die Frage nach der Technik - Interpretationskurs I Do 18-20, Alte Burse, Raum X, Beginn: 16.10. (In der ersten Sitzung findet eine Vorbesprechung statt. )

In diesem Interpretationskurs beschäftigen wir uns mit einer von Martin Heideggers Schlüsselschriften »Die Frage nach der Technik« sowie mit anderen Arbeiten, die in sachlicher Nähe zu dieser Thematik stehen. Die Frage nach dem Wesen der Technik wird von Heidegger im Horizont eines technisch-funktionalen Welt-Verständnisses bzw. In-der-Welt-Seins behandelt, so wie es sich im europäischen Denken mit Beginn der frühen Neuzeit explizit entwickelte und dann seit Beginn des 20. Jahrhunderts explosionsartig die Verhältnisse des Menschen zu sich, zur Natur sowie zu seiner gewesenen und zukünftigen Geschichte in allen gesellschaftlichen und politischen Bezügen global bestimmt. Wir fragen in Auseinandersetzung mit Heideggers Schrift nach den seinsgeschichtlichen Voraussetzungen der modernen Entfremdung des Menschen gegenüber sich und seinem In-der-Welt-Sein (z. B. das Selbstverständnis des Menschen als defizitäres Produkt im Vergleich zu seinen eigenen technischen Produkten), und das heißt wir fragen nach der Herkunft und nach der genauen Bestimmung der herrschenden Auslegungsweise, nachdem alles, was »ist«, zunehmend nur noch als funktionaler Bestand gedeutet und behandelt wird, der zugleich einem zunehmenden Beschleunigungs- und Ersetzungsprozeß unterliegt, in dem kein Raum für das Eigengewicht und Eigenwesen des Menschen und der Dinge bleibt. Zu Beginn des Seminars wird eine Einführung in das Verhältnis von Verstehen, Auslegen und Handeln im Denken Heideggers gegeben. Scheinerwerb: eine Hausarbeit pro Semester (Umfang: 10 bis 15 Seiten à 2000 Anschläge). Eine Vorschlagsliste von Hausarbeitsthemen wird zu Beginn ausgegeben. Bitte beachten Sie, daß in einem Interpretationskurs nur benotete Scheine erworben werden können.

Textgrundlage zu Beginn: Martin Heidegger: Die Frage nach der Technik, in: Die Technik und die Kehre (10. Auflage, Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2002). Als zusätzliche, auch vorbereitende Lektüre: Martin Heidegger: Gelassenheit (Vortrag 1955), in: Gelassenheit. Verlag G. Neske, Stuttgart 2001 (12. Auflage).

Loewe: Einführung in die politische Ethik - Kompaktveranstaltung (EPG 1) Vorbesprechung: 29.10.2003, 10 Uhr, Alte Burse, Melanchthonzimmer 16.01. -18.01.2003, Beginn: 16.01., 10 Uhr, Alte Burse, Raum 211

Der politischen Philosophie geht es um die Frage nach der Legitimität öffentlicher Institutionen und um unser Handeln, das durch diese Institutionen wesentlich mitbestimmt ist. Da es bei dieser Frage immer auch um eine Bewertung unter moralischen Gesichtspunkten geht, besteht eines der Ziele der politischen Philosophie in der Ausarbeitung einer &quotpolitischen Ethik&quot, also einer Theorie, die für solche Bewertung die Kriterien formuliert und zu begründen versucht. In der Tradition des politischen Liberalismus wird die Frage nach diesen Kriterien zumeist mit Hilfe einer Theorie der Gerechtigkeit beantwortet. Worin Gerechtigkeit genau besteht, wird zwischen den verschiedenen Theorienansätzen jedoch sehr kontrovers diskutiert. Das Ziel des Proseminars besteht darin, anhand von Grundfragen der politischen Ethik eine allgemeine Einführung in die ethische Reflexion zu geben. Im Mittelpunkt des Seminars stehen Texte von John Stuart Mill und John Rawls (Reader mit ausgewählten Texten). Mit Hilfe dieser Texte werden wir zwei wichtige Theorieströmungen der heutigen Debatte kennenlernen und diskutieren, einerseits den Utilitarismus und andererseits die sogenannten &quotVertragstheorien&quot des Politischen. Das Seminar ist für Studierende aller Fakultäten geeignet. Scheinerwerb: Hausarbeit oder Referat.

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1. 1., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu ethisch-philosophischen Grundfragen erworben werden (EPG 1).

Misselhorn: Philosophisch argumentieren lernen Di 10-12, Alte Burse, Schellingzimmer, Beginn: 14.10.

Im Unterschied zu den themenzentrierten Proseminaren soll es in dieser Veranstaltung einmal vorrangig um die explizite Auseinandersetzung mit den Formen philosophischer Argumentation gehen. Dabei werden wir einerseits Texte über das Problem der philosophischen Argumentation lesen und andererseits in praktischen Übungen versuchen, die Argumente anderer PhilosophInnen zu analysieren sowie selbst philosophisch zu argumentieren und die Art und Weise unserer Argumentation zu reflektieren und zu verbessern. Das leistet auch Hilfestellung beim Strukturieren von Referaten und Verfassen von Hausarbeiten. Das Seminar richtet sich daher besonders an Studierende der ersten beiden Semester.

Literatur: Rosenberg, J. F.: The Practice of Philosophy. A Handbook for Beginners, New Jersey 1984 (deutsche Übersetzung: Philosophieren. Ein Handbuch für Anfänger, Frankfurt a. M. 1989).

Misselhorn: Einführung in die Ästhetik Do 10-12, Alte Burse, Schellingzimmer, Beginn: 16.10.

Die philosophische Ästhetik wird zumeist als Theorie des Schönen und der Kunst aufgefasst. Überlegungen zu diesen Themen finden sich in der Philosophie seit der Antike. Als eigenständige philosophische Disziplin entsteht die Ästhetik jedoch erst im 18. Jahrhundert im Zuge der Kritik an einem als zu einseitig empfundenen rationalistischen Erkenntnisbegriff. Damit setzte eine Entwicklung ein, die ihren Höhepunkt in kunstphilosophischen Ansätzen fand, die der ästhetischen Erfahrung sogar den Vorrang vor der argumentativen Begründung gaben. An diesem Punkt wird eine gewisse Spannung im Verhältnis von Kunst und Philosophie deutlich sichtbar. Die Kunst ist nicht nur ein Gegenstand philosophischer Reflexion, sondern sie steht in einem latent kritischen Verhältnis zu ihr. Aus diesem Grund beschäftigt sich eine Einführung in die Ästhetik nicht nur mit einer philosophischen Spezialdisziplin, sondern sie kann einen kritischen Beitrag zur Standortbestimmung der Philosophie leisten. Die Veranstaltung ist für Erstsemester geeignet. Benoteter Schein: Referat und Hausarbeit.

Literatur: Wichtige Texte finden sich in der Textsammlung &quotTheorien der Kunst&quot, hg. von Dieter Henrich und Wolfgang Iser, Frankfurt a. M. 1992 (suhrkamp tb wissenschaft). Weitere Literatur wird zu Beginn des Semesters im Seminarapparat bereitgestellt.

Zur Einführung: Gethmann-Siefert, A.: Einführung in die Ästhetik, München 1995. Scheer, B.: Einführung in die philosophische Ästhetik, Darmstadt 1997. Schmücker, R.: Was ist Kunst? Eine Grundlegung, München 1998.

Müller-Koch: Einführung in die Ethik, mit Diskussionen aktueller Beispiele (EPG 1) Di 9-11, Verfügungsgebäude, Wilhelmstr. 19, Seminarraum 1. 01, Beginn: 14.10.

In diesem Proseminar werden wir wichtige theoretische Ansätze der Ethik erörtern, etwa die deontologische Ethik, die Strebensethik, die utilitaristische Ethik, u. a. Dabei werden Texte verschiedener Autoren im systematischen Zusammenhang behandelt. Die unterschiedlichen theoretischen Ansätze sollen dann auf konkrete aktuelle Beispiele angewandt werden. Ziel des Seminars ist es, einen Überblick über die theoretischen Ansätze der Ethik zu gewinnen, Argumentationsweisen in ethischen Diskussionen kennen zu lernen und schließlich zu lernen, aktuelle ethische Fragestellungen erschließen und einschätzen zu können. Das Seminar richtet sich an Studierende aller Fächer; es ist keine Voranmeldung notwendig. Literatur wird zu Beginn des Seminars angegeben. Scheinerwerb: Klausur bzw. Hausarbeit.

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1. 1., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu ethisch-philosophischen Grundfragen erworben werden (EPG 1).

Pinzani: Hannah Arendt, Politik als Lebensform - Kompaktseminar Vorbesprechung: 13. 10. 2003, 10 Uhr, Alte Burse, Melanchthonzimmer 10. -11. 01. 2003 und 24. -25. 01. 2004

Das Seminar wird eine Einführung in Arendts Denken anbieten. Als Grundlage werden dabei Vita Activa sowie Macht und Gewalt gelten. Dargestellt wird in beiden Werken Arendts Projekt einer zu derjenigen der Moderne alternativen Auffassung von Politik, vom politischen Leben, von Macht und vom menschlichen Handeln. Tragweite, Grenze und mögliche Auswirkungen dieses Projekts sollen dabei erörtert werden. Die Übernahme eines Referats ist Bedingung für den Erwerb eines unbenoteten Scheins, die Verfassung einer Hausarbeit für den Erwerb eines benoteten Scheins.

Rinderle: Werte. Eine Einführung in die philosophische Ethik - Kompaktveranstaltung (EPG 1) Vorbesprechung: 12.12.2003, 13 Uhr, Alte Burse, Melanchthonzimmer 16.01. - 18.01 2004, Beginn: 13 Uhr, Alte Burse, Melanchthonzimmer

Anhand der gemeinsamen Lektüre klassischer und zeitgenössischer Texte von Aristoteles, Epikur, Immanuel Kant, John Stuart Mill, Thomas Nagel und Bernard Williams sollen einige grundlegende Fragen aus der philosophischen Ethik diskutiert werden: Was sind Werte? Welche Werte gibt es? Wie lassen sich Werte begründen? Gibt es einen höchsten Wert, dem sich alle anderen Werte unterordnen? Oder gibt es eine irreduzible Pluralität von Werten? Wie kann man mit Wertkonflikten umgehen? Lassen sich Werte vermitteln oder lernen? Welche Probleme wirft die Werteerziehung in der Schule auf? Die Schwerpunkte der Seminardiskussion werden in der Vorbesprechung je nach den Interessen der Seminarteilnehmer festgelegt. Einen Schein erhält man durch die Übernahme eines Referats und die Anfertigung eines kurzen Essays im Anschluß an das Seminar.

Literatur: wird in der ersten Sitzung angegeben; für eine erste Orientierung im Bereich der Ethik eignen sich: Otfried Höffe, Ethik und Politik, Frankfurt a. M. 1979. Friedo Ricken, Allgemeine Ethik, 3. Aufl., Berlin 1998. Robert Spaemann, Moralische Grundbegriffe, München 1991. Ernst Tugendhat, Vorlesungen über Ethik, Frankfurt a. M. 1993.

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1. 1., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu ethisch-philosophischen Grundfragen erworben werden (EPG 1).

Scarano: Willensschwäche Fr 10-12, Alte Burse, Raum X, Beginn: 17.10.

Das Phänomen Willensschwäche ist wohl jedem bekannt. Es gibt Situationen, in denen wir nicht das tun, was wir eigentlich tun wollen. Wir handeln gegen unseren eigenen Willen. Dennoch läßt sich in einem solchen Fall kaum sagen, daß wir nicht freiwillig handeln. Die Handlung entspringt unserem eigenen Entschluß, sonst wäre es ja keine Handlung, sondern eine bloße Körperbewegung. Können wir also überhaupt gegen unseren eigenen Willen handeln? Um dieses auf den ersten Blick paradoxe Phänomen genauer analysieren zu können, sind Grundbe-griffe der philosophischen Handlungstheorie nötig. Was sind Handlungen? Was sind Gründe von Handlungen? Und wie ist der Zusammenhang zwischen Handlungsgründen und Handlungsmotiven zu verstehen? Solche handlungstheoretische Grundfragen haben nicht zu unterschätzende Auswirkungen sowohl für die theoretische als auch für die praktische Philosophie. Das Thema Willensschwäche eignet sich damit bestens, um einen Einblick in die neueren systematischen Debatten zur philosophischen Handlungstheorie zu gewinnen. In dem Proseminar, das auch für Anfänger geeignet ist, wollen wir dies durch die gemeinsame Lektüre und Diskussion neuerer Texte zu diesem Thema erreichen. Zu Beginn des Semesters ist ein Reader mit den Texten erhältlich. Einen benoteten Schein erhält man durch ein Thesenpapier und eine schriftliche Hausarbeit.

Schick: René Descartes, Meditationen über die Erste Philosophie Di 12-14, Alte Burse, Schellingzimmer, Beginn: 14.10.

Descartes' Meditationen gehören zu den ersten Texten der neuzeitlichen Philosophie, in denen Metaphysik und Wissenschaft subjektivitätstheoretisch grundgelegt werden. Daß ich denke, wird zunächst als Grenze des sinnvoll Bezweifelbaren freigelegt, um auf dieser Grundlage die Existenz Gottes und einer körperlichen Außenwelt zu beweisen. Zu den Haupterträgen der ganzen Argumentation des Buches gehört ebenso der berühmte Cartesische Substanzendualismus, d. i. die These, dass der Geist vom Körper real und substantiell unterschieden sei. Wir wollen die Argumentation Schritt für Schritt und unter Aufnahme der von Descartes selbst initiierten zeitgenössischen Diskussion (&quotEinwände und Erwiderungen&quot) studieren. Dank der durchgehend klaren Formulierung der Argumentation eignet sich der Text gut zum Einstieg in das Studium der Philosophie. Scheinerwerb: Referat oder Hausarbeit.

Text: René Descartes: Meditationen über die Grundlagen der Philosophie mit den sämtlichen Einwänden und Erwiderungen, Nachdruck Hamburg 1994. - Oder: René Descartes: Meditationes de prima philosophia, lateinisch-deutsch, Hamburg (Meiner) 3. Aufl 1992 (ohne Einwände und Erwiderungen).

Schiemann: Werner Heisenberg: Philosophische und kulturelle Relevanz der modernen Physik Mi 16-18, Alte Burse, Schellingzimmer, Beginn: 15.10.

Werner Heisenberg gehört zu den bedeutendsten Physikern des 20. Jahrhunderts. Er hat maßgeblich zur mathematischen Formulierung und naturphilosophischen Interpretation der Quantenmechanik beigetragen. In zahlreichen Vorträgen hat er sich darüber hinaus mit der Wissenschaftsgeschichte, Wissenschaftstheorie und Naturphilosophie der Physik sowie mit dem Verhältnis von Naturwissenschaft und Kultur befaßt. Das Seminar führt in das Denken Heisenbergs ein, stellt relevante philosophische Probleme der Physik vor und diskutiert auch die Bedeutung der Verstrickungen Heisenbergs in das Atomprogramm des nationalsozialistischen Deutschlands. Scheinerwerb: Hausarbeit.

Literatur: Werner Heisenberg, Der Teil und das Ganze. Gespräche im Umkreis der Atomphysik. Zürich 1969. Ders., Das Naturbild der heutigen Physik. Hamburg 1955. Wandlungen in den Grundlagen der Naturwissenschaften (10 Vorträge). Stuttgart 1959. Ders., Physik und Philosophie. Berlin 1959. Ders., Schritte über Grenzen. Gesammelte Reden und Aufsätze. München/Zürich 1984. Ders., Ordnung der Wirklichkeit. Zürich/München 1989. D. C. Cassidy, Werner Heisenberg. Leben und Werk. Heidelberg usw. (dt. Üb. v.: Uncertainty. The life and science of W. H. 1992).

Schmidt: Spinoza: Ethik - Interpretationskurs II Fr 14-16, Alte Burse, Schellingzimmer, Beginn: 17.10.

Wir werden dieses Semester unsere Lektüre der Ethik fortsetzen. Im zweiten Buch, das im Seminar besonders ausführlich behandelt werden soll, entwickelt Spinoza eine Theorie des Geistes, basierend auf der Idee, daß der menschliche Geist Teil des unendlichen Verstandes Gottes ist. Der dritte Teil des Buches ist einer Theorie der Emotionen gewidmet, aus der im vierten Teil eine Tugendlehre und im fünften Teil eine Heilslehre, zentriert um den Begriff des amor Dei intellectualis, entwickelt wird. Scheinerwerb: je eine Hausarbeit oder ein Referat pro Semester.

Text: Benedictus de Spinoza: Die Ethik, lateinisch und deutsch, übers. v. Jakob Stern, Stuttgart: Reclam 1990 (oder eine andere zweisprachige Ausgabe).

Schröder: Einführung in die philosophische Ethik: Was ist ein moralisches Argument? (EPG 1) Do 18-20, Alte Burse, Melanchthonzimmer, Beginn: 16.10.

Ethik, als Reflexionstheorie der Moral(en), erarbeitet und prüft Begründungen für moralische Urteile. Entlang der Frage nach der Überzeugungskraft moralischer Urteile wird sie genauerhin zur kritischen Theorie moralischer Argumentation: sie reflektiert auf die formalen und inhaltlichen Voraussetzungen allgemein zustimmbarer Handlungsregeln und Werturteile. Eine Einführung in solche Reflexion ist das Ziel des Seminars. Thematisch wird ein Dreischritt vorgesehen: Nach einer Klärung von Moral-Kriterien (1) soll eine Verständigung über Rationalitäts- und Zustimmbarkeitskriterien des Geltungsanspruchs moralischer Sätze folgen (2); als Transfer-Moment bildet dann eine gemeinsame Diskussion exemplarischer politisch-ethischer Fragestellungen im Seminar den Abschluss (3). Scheinerwerb: Hausarbeit. Textgrundlagen werden im Laufe des Semesters bereitgestellt.

Literatur: E. Tugendhat: Vorlesungen über Ethik, 2. Aufl., Frankfurt a. M. 1994. O. Höffe: Lexikon der Ethik, 6. Aufl., München 2002.

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1. 1., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu ethisch-philosophischen Grundfragen erworben werden (EPG 1).

Waibel: Hegels Raum-Zeit-Theorie in der Auseinandersetzung mit Kant, Leibniz und Aristoteles Di 12-14, Alte Burse, Raum X, Beginn: 14.10.

Hegel hat sich zu keiner Zeit so intensiv mit den Begriffen von Raum und Zeit beschäftigt, wie in der Phase der Ausarbeitung seines Systems in Jena (1801-1807). Mit Kant geht er von der Idealität von Raum und Zeit aus. Über Kant hinaus richtet sich sein Bestreben insbesondere darauf, den Zusammenhang von Raum und Zeit in mehreren Konzeptionen bald im naturphilosophischen, bald im geistphilosophischen Kontext begrifflich zu fassen, um in der Enzyklopädie von 1830 (§ 257) schließlich zu behaupten: »Die Wahrheit des Raumes ist die Zeit, so wird der Raum zur Zeit; wir gehen nicht so subjektiv zur Zeit über, sondern der Raum selbst geht über. In der Vorstellung ist Raum und Zeit weit auseinander, da haben wir Raum und dann auch Zeit; dieses &quotAuch&quot bekämpft die Philosophie. « Wir werden im Seminar die wechselnden Konzeptionen Hegels bis hin zur Fassung in der Enzyklopädie prüfen und dabei die für Hegel systematisch maßgeblichen Raum-Zeit-Theorien Kants, Leibniz' und Aristoteles berücksichtigen. Voraussetzung für benoteten Schein: Kurzreferat und schriftliche Hausarbeit (15 Seiten)

Literatur: G. W. F. Hegel: Dissertatio Philosophica de Orbitis Planetarum. Philosophische Erörterung über die Planetenbahnen. Übersetzt, eingeleitet und kommentiert von Wolfgang Neuser. Weinheim: Acta humaniora d. VCH, 1986. G. W. F. Hegel: Jenaer Systementwürfe I: Das System der speculativen Philosophie. Hrsg. von Klaus Düsing und Heinz Kimmerle. Hamburg: Meiner 1986 (Fragment 18, 19, 20). G. W. F. Hegel: Jenaer Systementwürfe II: Logik, Metaphysik, Naturphilosophie. Hrsg. von Rolf-Peter Horstmann. Hamburg: Meiner 1982 (S. 191-218). G. W. F. Hegel: Jenaer Systementwürfe III: Naturphilosophie und Philosophie des Geistes. Hrsg. von Rolf-Peter Horstmann. Hamburg: Meiner 1987 (S. 3-21). G. W. F. Hegel: Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften (1830). Frankfurt: Suhrkamp 1986, §§ 254-261. I. Kant: Kritik der reinen Vernunft (A: 1781 und B: 1787). Hamburg: Meiner 1976, Transzendentale Ästhetik (A 19-49, B 33-73). G. W. Leibniz: Die Streitschriften zwischen Leibniz und Clarke 1715-1716. In: G. W. Leibniz: die Philosophischen Schriften. Hrsg. von C. J. Gerhardt, 7. Bd. Berlin: Weidmannsche Buchhandlung 1890, 347-440. Aristoteles: Physik. Hamburg: Meiner 1995, Buch IV.

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Seminare

Braun: Hegel: Phänomenologie des Geistes - Kompaktveranstaltung 6. 02. -8. 02. 2004, Heinrich-Fabri-Haus, Auf dem Rucken 35, 89143 Blaubeuren, Tel.: 07344/4529. Vorbesprechung: 28. 10. 2003, 14 Uhr, Melanchthonzimmer (Raum 308).

Hegels Phänomenologie des Geistes, &quotder Weg des natürlichen Bewusstseins, das zum wahren Wissen dringt&quot, ist die ausführlichste, die ausgedehnteste, kurz die beste Einleitung in die Philosophie in deutscher Sprache, die wir haben. Das ist der außerordentliche Rang des Buchs. Das Werk kann man bezeichnen als den Bildungsroman, der in die klare und deutliche Sprache des Begriffs gebracht ist, eine Bildungsgeschichte des Bewusstseins und seiner Welt, des Geistes. Die Phänomenologie des Geistes ist Hegels lebendigstes, farbigstes, metaphernreichstes Werk. Dem Buch ist anzumerken: der Verfasser ist noch auf Entdeckungsreise, er beabsichtigte ursprünglich, das ganze System zu veröffentlichen. Aber der Teufel saß im Detail. Der Erste Teil sollte die Philosophie einleiten, der Zweite das ganze absolute System darstellen. Hegel mußte in Bücher aufgliedern. Die Einleitung, die mehr und mehr anschwoll, wurde zu einem selbständigen Buch, zuerst betitelt: Wissenschaft der Erfahrung des Bewusstseins, dann Wissenschaft der Phänomenologie des Geistes, bis schliesslich die Phänomenologie des Geistes daraus wurde. Die Phänomenologie des Geistes selbst hat zwei Teile, Gestalten des Bewusstseins und des Geistes, und entsprechend zwei Subjekte: Bewusstsein (als Bewusstsein, Selbstbewusstsein, Vernunft) und Geist (als Bewusstsein - Sittlichkeit, seiner selbst entfremdeter Geist - die absolute Freiheit und der Schrecken [die revolutionäre Schreckensherrschaft der Jakobiner], die Moralität -, Geist als Selbstbewusstsein - Religion - und Geist als Vernunft, das absolute Wissen der Philosophie, worin Denken und Sein dasselbe sind). So sieht die Grundstruktur dieses voluminösen, sperrigen Werks aus. Die Phänomenologie des Geistes ein sperriges, schwieriges, schwer zugängliches Werk. Gemeinsame Lektüre kann weiterhelfen. Teilnehmerinnen und Teilnehmer können lernen, an Hand intensiver akribischer Lektüre en détail das ganze Werk selbständig weiterzulesen. Hilfe zur Selbsthilfe könnte das didaktische Konzept genannt werden. Wir nehmen uns die Einleitung vor mit dem vorgreifenden Überblick über Gegenstand und Methode des Werks. Referate zu speziellen Problemen der Einleitung sind erwünscht. Sie können die Debatte beleben.

Themen könnten sein:

Text: Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Phänomenologie des Geistes. Neu hrsg. von Hans-Friedrich Wessels und Heinrich Clairmont. Mit einer Einleitung von Wolfgang Bonsiepen, Philosophische Bibliothek Meiner, Felix Meiner Verlag Hamburg 1988, Preis Euro 14, 80. (Die Einleitung informiert ausgezeichnet. Zur vorbereitenden Lektüre des schwierigen Werks empfohlen. ) Die teure historisch-kritische Ausgabe: Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Phänomenologie des Geistes. Hrsgg. von Wolfgang Bonsiepen u. Reinhard Heede, in: Hegel: Gesammelte Werke. In Verbindung mit der DFG hrsg. von der Rheinisch-Westfälischen Akademie der Wissenschaften, Bd. 9, Felix Meiner Verlag, Hamburg 1880 (mit Beilagen, Vorarbeiten und editorischem Bericht). (Sehr lesenswerter editorischer Bericht. ) Literatur zur Phänomenologie des Geistes Materialien zu Hegels Phänomenologie des Geistes, hrsg. von Friedrich Fulda u. Dieter Henrich, Frankfurt/Main 1973 (stw 9). Martin Heidegger: Erläuterung der Einleitung zu Hegels Phänomenologie des Geistes (1942), in: Bd. 68: Martin Heidegger: Gesamtausgabe, III. Abt.: Unveröffentlichte Abhandlungen, Vorträge - Gedachtes, Abhandlungen 1938/39 und 1942, hrsg. von Ingrid Schüßler, Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt a. M 1993, S. 65 - 148. Ernst Bloch: Subjekt - Objekt. Erläuterungen zu Hegel. Erweiterte Ausgabe, Gesamtausgabe, Bd. 8, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 1962. Georg Lukács: Der junge Hegel. Über die Beziehungen von Dialektik und Ökonomie, Georg Lukács, Werke, Bd. 8, Luchterhand Verlag, Neuwied u. Berlin 1968. Jean Hyppolite: Genèse et Structure de la Ph´noménologie de l´Esprit de Hegel, 2 Vols, Éditions Montaigne, Paris 1946.

Engels: Wissenschaftstheoretische und ethische Aspekte des Umgangs mit genetischer Informa- tion (EPG 2) Di 16-18, Verfügungsgebäude Wilhelmstraße 19, Seminarraum, Beginn: 14.10.

Der Umgang mit &quotgenetischer Information&quot spielt sowohl in theoretischer als auch in praktischer Hinsicht eine immer größere Rolle. Wie wir Gene verstehen und welche Bedeutung wir ihnen für unser Alltagsleben, in Wissenschaft und Technik beimessen, kann bedeutende Konsequenzen für unser menschliches Selbstverständnis und unser Naturverständnis sowie unseren Umgang untereinander und mit anderen Lebewesen haben. Nach klassischer molekularbiologischer Auffassung wird unter der genetischen Information eines Organismus im Allgemeinen das in der DNA materialisierte &quotgenetische Programm&quot eines Organismus verstanden, in dem sowohl die art- und individualspezifische Struktur oder Gestalt dieses Organismus als auch die Reihenfolge und Struktur der einzelnen Entwicklungsschritte zur Realisation dieser Gestalt vorweggenommen sind. Dieses Genkonzept wurde jedoch im Laufe der vergangenen Jahrzehnte zunehmend durch die Molekularbiologie selbst hinterfragt und mit einer neuen Sichtweise von der Struktur und Funktionsweise des Genoms konfrontiert, die auch als &quotsystemtheoretische&quot Deutung bezeichnet werden kann und im Einklang mit Grundauffassungen der Entwicklungsbiologie steht. Danach liegt die Information für den Aufbau eines Organismus nicht in seinem Genom allein, sondern sie entwickelt sich ontogenetisch aus der Beziehung zwischen den Genen und ihrem organismischen Kontext. Welche Konsequenzen hat dies z. B. für das Verständnis des moralischen Status des Embryos in seinen verschiedenen Entwicklungsstadien? Ziel dieses Seminars ist es, am Beispiel der wichtigsten wissenschaftsgeschichtlichen Stationen auf der Grundlage ausgewählter Texte zu erarbeiten, was jeweils unter einem Gen bzw. genetischer Information verstanden wird, mit welchen wissenschaftstheoretischen Implikationen diese Sichtweisen für unser Verständnis vom Organismus verbunden sind und welche ethisch relevanten Auswirkungen dies wiederum für unser Selbstverständnis und unser Verständnis des Lebendigen hat. Die Bedingung für den Erwerb eines unbenoteten Leistungsnachweises ist neben regelmäßiger Teilnahme ein Seminarvortrag mit Thesenpapier, für einen benoteten Leistungsnachweis eine zusätzliche schriftliche Hausarbeit. Ein Seminarplan mit der zu behandelnden Literatur wird zu Beginn des Semesters verteilt.

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1. 2., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu fach- bzw. berufsethischen Fragen erworben werden (EPG 2).

Frank: Salomon Maimon - zwischen Kant und Fichte Di 16-18, Alte Burse, Schellingzimmer, Beginn: 14.10.

Der Philosoph mit der unglaublichsten Biographie war der eigentliche Mittler zwischen Kants Kritizismus und dem Deutschen Idealismus. Kant, dem Maimons Releibnizianisierungs-Tendenz der Transzendentalphilosophie ungelegen kam, sagt nach der Lektüre von Maimons Versuch über die Transcendentalphilosophie (1789), &quotdass nicht allein niemand von meinen Gegnern mich und die Hauptfrage so wohl verstanden, sondern nur wenige zu dergleichen tiefen Untersuchungen soviel Scharfsinn besitzen möchten, als Hr. Maymon&quot (Brief an Marcus Herz vom 26. May 1789). Und Fichte schreibt an Reinhold, den dies Urteil kränken musste, weil er sich selbst für den entscheidenden Fortführer Kants verstand: &quotGegen Maimons Talent ist meine Achtung grenzenlos; ich glaube fest, und bin erbötig es zu erweisen, daß durch ihn sogar die ganze Kantische Philosophie, so wie sie durchgängig, und auch von Ihnen verstanden worden ist, von Grund auf umgestoßen ist. Das alles hat er getan, ohne daß es jemand merkt und indes man von seiner Höhe auf ihn herabsieht. Ich denke, die künftigen Jahrhundert werden unserer bitterlich spotten&quot (Brief vom März/April 1795). Als Einstieg ins Kant-Gedächtnisjahr 2004 scheint die Lektüre von Maimons Erstling besonders geeignet und aufschlussreich. Maimons Vortrag seiner philosophischen Position ist schwierig und unübersichtlich. Ordentliche Kenntnisse Humes, der theoretischen Philosophie Kants sind unerlässlich, Vertrautheit mit Fichtes philosophischen Anfängen ist hilfreich. Scheine werden vergeben für die schriftliche Ausarbeitung einer thesenblattgestützten Stunden-Einführung.

Ein Nachdruck von Maimons Gesammelten Werken liegt vor als Reprint der Originaldrucke (hg. von Valerio Verra, Hildesheim: Olms, 6 Bde., 1965-76). Für uns von Interesse sind neben dem oben genannten Werk (Bd. 2) der Versuch einer neuen Logik oder Theorie des Denkens (1794, Bd. 5). Die Ausgabe ist im Seminar vorhanden. Vielleicht müsste ein Reader erstellt werden. (Anmeldungen in der Sprechstunde!) Äußerst lesenswert ist Salomon Maimons Lebensgeschichte. Von ihm selbst erzählt und hg. von Karl Philipp Moritz, neu hg. von Zwi Batscha, Frankfurt/M.: Insel, 1984 (und anderswo).

Zur Einführung geeignet sind: a) der I. Teil meiner Unendlichen Annäherung?. Die Anfänge der philosophischen Frühromantik, Frankfurt/M.: Suhrkamp 1998 (stw 1328). b) Achim Engstlers Untersuchungen zum Idealismus Salomon Maimons, Stuttgart: Frommann-Holzboog, 1990. c) Frederick C. Beiser's The Fate of Reason. German Philosophy from Kant to Fichte, Harvard University Press, 1987, chap. 10.

Geiger/Scarano: Aristoteles, Nikomachische Ethik Mo 16-19, Alte Burse, Schellingzimmer, Beginn: 20.10.

Die &quotNikomachische Ethik&quot ist einer der bedeutendsten Texte der Moralphilosophie. Neben den Methoden und den Genauigkeitsansprüchen der praktischen Philosophie werden wir uns zentral mit der Aristotelischen Glückskonzeption, dem Begriff der Tugend (der Unterscheidung von Charakter- und Verstandestugenden), sowie auch der Handlungskonzeption und den damit zusammenhängenden Themen der Entscheidung, der Freiwilligkeit und der Willensschwäche beschäftigen. Wir werden den Text in der Übersetzung von Olof Gigon (dtv) lesen. Einen benoteten Schein erhält man für ein Thesenpapier und eine schriftliche Hausarbeit

Heidelberger: Neuere Literatur zum Leib-Seele-Problem Di 14-16, Alte Burse, Schellingzimmer, Beginn: 14.10.

In den letzten dreißig Jahren hat die Literatur zum Leib-Seele-Problem unübersehbare Ausmaße angenommen. Das Seminar will sich besonders den wissenschaftstheoretisch und interdisziplinär relevanten Aspekten des Körper-Geist-Problems widmen. Die Themen werden zu Beginn des Semesters gemeinsam mit den Teilnehmern abgesprochen. Interessenten, auch aus anderen Fächern, werden zu frühzeitiger Kontaktaufnahme und Äußerung ihrer Wünsche ermuntert: michael.heidelbergerspam prevention@uni-tuebingen.de.

Scheinerwerb: Referat und Hausarbeit.

Einführende Literatur zur Vorbereitung: Eine gute Übersicht für Fortgeschrittene bietet The Blackwell Guide to Philosophy of Mind, ed. by Stephen P. Stich &amp Ted A. Warfield. Oxford: Blackwell, 2003.

Hesse: Rationalitätskonzeptionen Mo 15-18, 14täglich, Alte Burse, Melanchthonzimmer, Beginn: 13.10.

Seit ihren Anfängen versteht die philosophische Tradition den Menschen als ein zoon logon echon bzw. animal rationale. Bereits das antike Verständnis des logos, das neuzeitliche Prinzip des zureichenden Grundes und das Verhältnis von Verstand und Vernunft, wie es im Deutschen Idealismus begriffen wurde, lassen sich aus der Perspektive der Gegenwart als Rationalitätskonzeptionen auffassen. Indessen wird der Terminus &quotRationalität&quot erst im 20. Jahrhundert zu einem Leitbegriff des Philosophierens. Spätestens seit Max Webers Rede vom okzidentalen Prozeß gesellschaftlicher Rationalisierung verbindet sich das gängige Verständnis von &quotRationalität&quot zudem in besonderer Weise mit dem methodischen Vorgehen und Fortschreiten der empirischen Naturwissenschaften und den Erfolgen instrumentellen Handelns. Ob und in welcher Weise auch Handlungszwecke, Maßstäbe guten Lebens und moralische Normen rational bestimmbar sind, ist dagegen bis heute strittig. Das Seminar will nicht nur Gelegenheit zu diesem Streit geben, sondern prinzipiell nach den Voraussetzungen und Grenzen der Rationalitätskonzeptionen fragen, die heute zur Debatte stehen. Zu diesem Zweck sollen einige einschlägige Aufsätze aus unterschiedlichen Traditionssträngen (u. a. Hermeneutik, Analytische Philosophie, Kritische Theorie, Sozialwissenschaften) gemeinsam interpretiert und diskutiert werden. Ein qualifizierter Schein kann durch eine schriftliche Hausarbeit, mündliche Prüfung oder eine Klausur erworben werden.

Literaturauswahl: Baumgartner, Hans Michael: Wandlungen des Vernunftbegriffs in der Geschichte des europäischen Denkens. In: Leo Schaffczyk (Hg. ), Rationalität. Ihre Entwicklung und Grenzen. Freiburg/Breisgau 1989, S. 167-2o3. Mittelstraß, Jürgen: Forschung, Begründung, Rekonstruktion. Wege aus dem Begründungsstreit. In: Herbert Schnädelbach, Rationalität, Frankfurt/M. 1984, S. 117-140. Schnädelbach, Herbert: Rationalitätstypen. In: Herbert Schnädelbach, Philosophie in der modernen Kultur, S. 256-281. Hempel, Carl: Rationales Handeln. In. Georg Meggle, Analytische Handlungstheorie Bd. I, Frankfurt/Main 1977, S. 388-414. Davidson, Donald: Rational Animals. In: Dialectica 36 (1982), S. 317-327. Putnam, Hilary: Why reason can't be naturalized. In: Hilary Putnam, Realism and Reason, Cambridge 1983, S. 229-247. Habermas, Jürgen: Sprechakttheoretische Erläuterungen zum Begriff der kommunikativen Rationalität. In: Jürgen Habermas, Wahrheit und Rechtfertigung. Philosophische Aufsätze. Frankfurt/Main 1999, S. 102-137. Gadamer, Hans-Georg: Theorie, Technik, Praxis. In: Hans-Georg Gadamer, Kleine Schriften IV, Tübingen 1977, S. 173-194. Heidegger, Martin: Der Satz vom Grund (Vortrag). In: Martin Heidegger, Der Satz vom Grund, Pfullingen 1971, S. 191-211. Levi-Strauss, Claude: Die Wissenschaft vom Konkreten. In. Claude Lévi-Strauss, Das wilde Denken, Frankfurt/Main 1973, S. 11-48. Luhmann, Niklas: Europäische Rationalität. In: Niklas Luhmann, Beobachtungen der Moderne, Opladen 1992, S. 51-91.

Höffe/Schröder: Philosophische Modelle der Politik: Aristoteles, Machiavelli, Hobbes, Kant, Luhmann, Rawls (EPG 2) Mi 15. 15-17. 30, Alte Burse, Raum X, Beginn: 15.10. Die Philosophie der Politik untersucht die Natur des Politischen und Prinzipien seiner Gestaltung. Das Seminar untersucht Höhepunkte der Theoriebildung seit der Antike: Aristoteles, Machiavelli, Hobbes, Kant, Luhmann und Rawls; am Ende auch Politikbegriffe der Politikwissenschaften. Ein benoteter Schein wird für die Übernahme eines Referats und dessen Ausarbeitung zu einer Hausarbeit erworben. Bloße Teilnehmer übernehmen ein Protokoll. Das Programm mit einer Übersicht über Referatsthemen und eine Literaturliste sind ab Ende des Sommersemesters im Sekretariat erhältlich (Zi. 317).

In dieser Veranstaltung kann ein Leistungsnachweis für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium nach Anlage C, 1. 2., WPO für das Lehramt an Gymnasien, zu fach- bzw. berufsethischen Fragen erworben werden (EPG 2).

Hofmann: Rationalität Do 18-20, Alte Burse, Schellingzimmer, Beginn: 16.10.

Rationalität spielt für unser Selbstverständnis eine große Rolle (wenngleich es in der Realität oft an Rationalität zu mangeln scheint - warum eigentlich? ... ). Was aber zeichnet eine rationale Person aus? Was macht ihre Meinungen rational? Was macht ihre Handlungen rational? Wir wollen uns im Seminar vor allem damit beschäftigen, einen Überblick zu bekommen und verschiedene Begriffe und Arten von Rationalität zu unterscheiden. Denn es scheint, als würde mit dem Ausdruck rational? keineswegs immer dasselbe bezeichnet werden. Benoteter Schein: Schriftliche Hausarbeit. Zur Einführung empfehle ich die Lektüre von Audi (2001) und Searle (2003).

Literatur: R. Audi, The Architecture of Reason, Oxford University Press, 2001. J. Searle, Rationality in Action, MIT Press, 2003.

Kehrer: Entstehung, Geschichte und Hauptlehren der christlichen Religion Do 16-18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 23.10.

Für Sudierende des Staatsexamensstudiums &quotPhilosophie/Ethik&quot zum Erwerb des Hauptseminarscheins &quotHauptlehren des Christentums&quot. Die christliche Religion hat in ihrer Geschichte und geographischen Verbreitung vielfältige Veränderungen erfahren, die auch Auswirkungen auf die sog. Hauptlehren hatten und haben. Eine sachgemäße Darstellung dieser Hauptlehren ist nur möglich, wenn die diachronische Perspektive berücksichtigt wird. Das Seminar wird deshalb die wesentlichen Phasen der Geschichte der christlichen Religion religionshistorisch behandeln und die jeweils vorherrschenden Hauptlehren herausarbeiten, wobei ein Schwerpunkt auf ethische Fragestellungen gelegt wird. Ohne das östliche und das orientalische Christentum gänzlich zu vernachlässigen, werden doch die okzidentalen Entwicklungen im Vordergrund stehen, wobei die Neuzeit und insbesondere das 19. und 20. Jahrhundert wiederum den breitesten Raum einnehmen werden. Die Behandlung der Themen ist explizit religionswissenschaftlich und hält sich gleichermaßen von Polemik und Apologetik fern. Deshalb sind die religiösen bzw. a-religiösen Überzeugungen der Teilnehmer (unter Einschluß des Dozenten) irrelevant. Die Themen für jede Sitzung (Referate und Literatur) werden bis Ende September durch Aushang bekannt gegeben. Scheinerwerb: Schriftlich ausgearbeitetes Referat oder Hausarbeit.

Literatur: Carl Andresen, Adolf Martin Ritter: Geschichte des Christentums I, Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer 1993. Carl Andresen, Adolf Martin Ritter: Geschichte des Christentums II, Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer 1995. Hans-Walter Krumwiede: Geschichte des Christentums III, Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer 1987. Brian Wilson: Christentum, Freiburg: Herder 1999.

Keuth: Carnap: Philosophie der Naturwissenschaft Mi 14-16, Alte Burse, Schellingzimmer, Beginn: 15.10.

Rudolf Carnap war einer der bedeutendsten Logiker und Wissenschaftstheoretiker des 20. Jahrhunderts. Aus einer Reihe von Seminaren, die er unter dem Titel &quotPhilosophical Foundations of Physics&quot oder &quotConcepts, Theories and Methods of the Physical Sciences&quot anbot, entstand ein Buch mit dem Titel &quotPhilosophical Foundations of Physics&quot, herausgegeben 1966 von Martin Gardiner. Seit 1995 ist es als Dover-Taschenbuch unter dem Titel &quotAn Introduction to the Philosophy of Science&quot (ISBN 0-486-28318-6 Pick It! ) verfügbar. Die deutsche Übersetzung &quotDie philosophischen Grundlagen der Physik&quot ist vergriffen, aber im Seminar vorhanden. Dieses Buch wird den Kern des Seminars bilden. Es ist in sechs Kapitel gegliedert: 1: Gesetze, Erklärungen und Wahrscheinlichkeiten, 2. Messung und quantitative Sprache, 3. Die Struktur des Raumes, 4. Kausalität und Determinismus, 5. Theoretische Gesetze und theoretische Begriffe, und 6. Jenseits des Determinismus. Es bietet bei geringem formalem Aufwand eine hervorragende Einführung in die Methodologie der empirischen Wissenschaften. Ein benoteter Schein kann aufgrund eines Referats erworben werden.

Klinger: Ungleichheit in den Dimensionen Klasse, Rasse und Geschlecht Kompaktveranstaltung 18. 12. -20. 12. 2003, 10 Uhr, Alte Burse, Raum 211 - Voranmeldung bei Frau Ott-Haug.

Die Schere sozialer Ungleichheiten öffnet sich in den letzten Jahren auf globalem Maßstab immer weiter. Diese Ungleichheiten haben neue Ursachen und neue Formen, aber sie knüpfen an alten Mustern an: sie folgen den Differenzlinien von Klasse, Rasse/Ethnizität und Geschlecht. Ziel des Seminars ist es, diese drei viel zitierten, aber immer noch zu wenig verstandenen Begriffe vor dem Horizont verschiedener philosophischer Gerechtigkeits- und Gleichheitstheorien zu analysieren.

Erster Literaturhinweis: Myra Marx Ferree/Judith Lorber/Beth Hess (Eds. ), Revisioning Gender. Walnut Creek: Altamira Press 2000. Die Aufsätze von N. Glenn (S. 3-43), Jaon Acker (S. 44-69).

Koch, A. F.: Hegel, Wesenslogik II: Der Grund. Die Erscheinung Di 20-22, Alte Burse, Schellingzimmer, Beginn: 14.10.

Dieses Hauptseminar ist das zweite in einer Reihe von drei Seminaren, in denen Hegels Lehre vom Wesen, also das mittlere der drei Bücher der Wissenschaft der Logik, behandelt werden soll. Die Seminare sind so konzipiert, daß jedes auch für sich besucht werden kann. Eine gewisse Vertrautheit mit der idealistischen Philosophie (Kant, Fichte, Hegel) ist sicher nützlich, soll aber keine Teilnahmevoraussetzung sein. - In der Seminarbibliothek wird ein kleiner Handapparat mit Forschungsliteratur eingerichtet. Scheinerwerb: Hausarbeit.

Rinderle: Musikästhetik - Kompaktveranstaltung Vorbesprechung: 12. Dezember, 15 Uhr, Melanchthonzimmer 25. - 27.01.2004, Beginn: 25.01., 15 Uhr, Melanchthonzimmer.

Im Seminar sollen anhand der gemeinsamen Lektüre des Buchs &quotThe Aesthetics of Music&quot von Roger Scruton u. a. folgende systematische Themen aus der aktuellen Philosophie der Musik diskutiert werden: Was sind Geräusche? Und worin besteht der Unterschied von Geräuschen und musikalisch gehaltvollen Tönen? Eignet sich Musik zur Repräsentation von Sachverhalten? Auf welche Weise kann Musik Gefühle ausdrücken? Ist Musik eine Sprache? Was heißt es, Musik zu verstehen? Welcher Stellenwert kommt der Musik in der gegenwärtigen Kultur zu?

Teilnahmevoraussetzungen: Grundkenntnisse in der Philosophie der Kunst und in der Musiktheorie, Übernahme eines Referats. Scheinvergabe: Hausarbeit

Schick: Der Essentialismus in Antike und Neuzeit Di 18-20, Alte Burse, Schellingzimmer, Beginn: 14.10.

Nach dem heute üblichen Verständnis ist der Essentialismus durch die These definiert, dass man sinnvoll zwischen notwendigen und zufälligen Bestimmungen eines Gegenstands unterscheiden kann, wobei die notwendigen Bestimmungen und nicht die in trivialer Weise zukommenden erschöpft sein sollen. Nach einem ersten systematischen Überblick wollen wir im Seminar an historischen Exempeln die Hauptvarianten dieser Unterscheidung, Angebote zu ihrer Begründung, aber auch Varianten der im Lauf der Philosophiegeschichte immer wieder geäußerten Kritik an ihr studieren. Relativ breiten Raum soll dabei der &quotStammvater&quot des Essentialismus, Aristoteles, erhalten, bei dem sich Reflexionen zur Kritik wie zur Begründung und zur Durchführung der Unterscheidung finden. Eine Kopiervorlage mit ausgewählten Texten wird in der zweiten Septemberhälfte im Handapparat zur Verfügung gestellt. Scheinerwerb: Mündliches Referat mit kurzer schriftlicher Ausarbeitung oder Hausarbeit.

Schiemann/Potthast: Hans Jonas: Theorie und Praxis des Prinzips Verantwortung Mi 18-20, Alte Burse, Schellingzimmer, Beginn: 15.10.

Hans Jonas' Hauptwerk &quotDas Prinzip Verantwortung&quot gehört zu den einflußreichsten moralphilosophischen Büchern der letzten 25 Jahre, dessen Bedeutung für die naturethische Debatte noch immer kaum überschätzt werden kann. Die Kritik an den lebensvernichtenden Möglichkeiten der technologischen Zivilisation führt Jonas zur Begründung einer ethischen Neuorientierung, die eine absolute Pflicht zur Natur- und Menschheitsbewahrung ins Zentrum stellt. Das Lektüreseminar fragt nach den naturphilosophischen Grundlagen von Jonas' Prinzip Verantwortung, der Aktualität von Jonas' Zivilisationskritik, der Legitimität seiner Verantwortungsethik und ihrer praktischen Relevanz für die gegenwärtige Bio- und Medizinethik sowie. Neben ausgewählten Abschnitten aus &quotDas Prinzip Verantwortung&quot werden einzelne Texte aus &quotOrganismus und Freiheit&quot sowie &quotTechnik, Medizin und Ethik&quot herangezogen. Scheinerwerb: Hausearbeit. Literatur: Hans Jonas: Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt/M., Suhrkamp 1979 ff.; Hans Jonas: Technik, Medizin und Ethik. Praxis des Prinzips Verantwortung. Frankfurt/M., Suhrkamp 1987 ff.; Hans Jonas: Organismus und Freiheit. Ansätze zu einer philosophischen Biologie, Göttingen, Vandenhoeck &amp Ruprecht 1973; Zur Einführung mit weiteren Literaturangaben: Micha H. Werner: Hans Jonas' Das Prinzip Verantwortung, in: K. Steigleder und M. Düwell, Bioethik. Frankfurt/M., Suhrkamp 2003.

Schmidt: Theorien des Selbstbewußtseins Mi 12-14, Alte Burse, Raum X, Beginn: 15.10.

Ziel des Seminars ist es, in neuere Theorien des Selbstbewußtseins einzuführen. Dabei wird es u. a. um folgende Fragen gehen: Wie erlangen wir Wissen von uns selbst? Ist dieses Wissen in irgendeiner Hinsicht irrtumsimmun oder besitzt es zumindest eine besondere epistemische Autorität? Wie ist die Semantik des indexikalischen Ausdrucks ich? zu verstehen? Welche Rolle spielt der eigene Körper in unserem Wissen von unseren Gedanken und Erfahrungen? Die meisten der zu behandelnden Texte sind enthalten in: M. Frank (Hrsg. ), Analytische Theorien des Selbstbewußtseins, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1994 (stw 1151). Eine genaue Lektüreliste wird in der ersten Stunde verteilt. Scheinerwerb: Hausarbeit oder Referat

Schneider: Platon: Sophistes und Martin Heidegger Mo 16-18, Alte Burse, Raum X, Beginn: 20.10.

Platons Sophistes ist ganz gewiß einer der schwierigen Texte in der Geschichte der Philosophie. Nicht ohne Grund hat Martin Heidegger eine seiner ausführlichsten Vorlesungen der Interpretation dieses Textes gewidmet. Das Seminar verfolgt zwei Ziele: Zum einen möchte es den Platonischen Text nahebringen; zum anderen aber der eingehenden Interpretation die Auslegung von Martin Heidegger zur Seite stellen. Das Seminar führt so in zwei Perspektiven ein: in die der Philosophie Platons; und zugleich in die philosophische Perspektive, die wie keine andere die Moderne geprägt hat: in die von Martin Heidegger. Ein qualifizierter Seminarschein kann aufgrund der regelmäßigen Teilnahme und aktiven Mitarbeit (Referat, Protokoll und dgl. ) und einer Hausarbeit erworben werden. Kenntnisse des Griechischen sind wünschenswert, werden jedoch nicht vorausgesetzt.

Textgrundlage: Platon: Sophistes, in: Werke in acht Bänden, griech. und deutsch, ed. G. Eigler, Darmstadt 1990, Bd. 6 oder: Platon: Sophistes, in: Sämtliche Werke in zehn Bänden, griech. und dt., nach der Übersetzung Friedrich Schleiermachers, ergänzt durch Übersetzungen v. Franz Susemihl u. a., ed. Karlheinz Hülser, Frankfurt a. M. 1991, Bd. VII.
Martin Heidegger, Platon: Sophistes, in: Gesamtausgabe II. Abteilung: Vorlesungen 1919-1944, Bd. 19, hrsg. I. Schüßler, Frankfurt a. M. 1992.

Schroeder-Heister: Formale Sprachen und Berechenbarkeit (mit Übungen nach Vereinbarung) Di 17-19, Do 16-18, Hörsaalzentrum Morgenstelle, Beginn: 14.10.

Die Theorie der Formalen Sprachen und der Berechenbarkeit ist ein zentrales Thema der Logik. In der Theorie der Formalen Sprachen wird in allgemeiner Form das syntaktische Operieren mit Zeichenketten formalisiert, insbesondere unter Heranziehung von Automatenmodellen und Grammatiken. In der Theorie der Berechenbarkeit wird der abstrakte Begriff des Rechnens modelliert. Beide Themen sind nicht nur für die Philosophie der Mathematik fundamental, sondern stellen auch einen Hintergrund dar für Bereiche wie die Philosophie des Geistes, wo ja häufig Denktätigkeiten mit Rechenprozeduren in Beziehung gesetzt werden. Bei der Veranstaltung handelt es sich um eine 4-stündige Grundvorlesung mit 2-stündigen Übungen, die ich im Rahmen meiner Lehrtätigkeit in der Informatik abhalte. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Thematik für die theoretische Philosophie sollen Studierende der Philosophie die Möglichkeit haben, diese Vorlesung zu besuchen und durch Besuch von Tutorien und die Bearbeitung von Übungsaufgaben einen Seminarschein im Fach Philosophie zu erwerben.

Die Veranstaltung ist zeitaufwendig und anspruchsvoll und unterstellt einen gewissen Sinn für das Hantieren mit Symbolen und damit mathematisches Interesse. Obwohl ein vorheriger Besuch der Logik-Vorlesung in der Philosophie nützlich ist, werden keine spezifischen Logik-Kenntnisse vorausgesetzt. Eine Orientierung über den Inhalt der Vorlesung liefert mein gleichnamiges Skriptum, das von der Netzseite http://www-ls.informatik.uni-tuebingen.de/psh/lehre/materialien.html heruntergeladen werden kann.

Abhängig von der Teilnehmerzahl soll eine Übungsgruppe für Philosophie-Studierende reserviert werden. Die Schein-Vergabe und Benotung basiert auf zu bearbeitenden Übungsaufgaben. Da das Angebot für Philosophie-Studierende nur dann realisiert werden kann, wenn die Teilnehmerzahl ausreichend ist, bitte ich um Anmeldung per e-mail an mich: pshspam prevention@informatik.uni-tuebingen.de.

Das Angebot richtet sich nicht an Studierende, die in ihrem Studiengang Philosophie mit Informatik kombinieren, da für diese die Veranstaltung im Rahmen des Informatik-Studiums obligatorisch ist.

Weitere Informationen werden auf meiner Netzseite bekanntgegeben.

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Oberseminare

Frank/Hofmann: Bewusstsein Mo 20-22, Alte Burse, Schellingzimmer, Beginn: 13.10.

Das bisherige Doktorand(innen)-Kolloquium von Manfred Frank soll als Oberseminar fortgesetzt werden und ist offen für alle gut vorgebildeten Interessent(inn)en, die sich mit Themen der Philosophy of Mind beschäftigen möchten. Berücksichtigt werden sollen neben neuesten analytischen Ansätzen auch klassische Texte der neukantianisch-phänomenologischen und zeitgleichen angelsächsischen Philosophie zum Thema Bewusstsein?, an dem eine Teilnehmer-Mehrheit des alten Doktorand(inn)en-Kolloquiums festhalten möchte (Brentano, Natorp, Husserl, Schmalenbach, Sartre, W. James, Russell). Zwei Anthologien scheinen als Grundlage geeignet: Manfred Frank (Hg. ), Selbstbewußtseinstheorien von Fichte bis Sartre, Frankfurt/M.: Suhrkamp 1991 (stw 964). Quentin Smith and Aleksandar Jokic, Consciousness. New Philosophical Perspectives, Oxford: Clarendon Press 2002.

Höffe: Oberseminar: Doktorandenkolloquium Termine und Ort werden noch bekanntgegeben.

Es werden eigene Projekte vorgestellt und neue Literatur zur politischen Philosophie diskutiert. Neuteilnahme nur nach Rücksprache in der Sprechstunde möglich.

Keuth: Kim: Philosophie des Geistes Mi 10-12, Alte Burse, Schellingzimmer, Beginn: 15.10.

Seit den 70er Jahren boomt die Philosophie des Geistes. Kim will zeigen, wie philosophische Arbeiten zur Natur des Geistes und naturwissenschaftliche Arbeiten &quotHand in Hand gehen&quot. Das Seminar gilt der Frage, was sie denn in den Händen halten. Jaegwon Kim, Philosophie des Geistes, Springer, Wien 1996 (bei Jokers für 9. 95 Euro) Ein benoteter Schein kann aufgrund eines Referats erworben werden.

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Kolloquien

Engels: Kolloquium für ExamenskandidatInnen, DoktorandInnen, Postdocs Blockveranstaltung, 2x2 tägig, Vorbesprechung: Mo 20. 10., 10-12 Uhr, Seminarraum Verfügungsgebäude Wilhelmstraße 19. Dieses Kolloquium bietet Studierenden der Philosophie und Biologie sowie Postdocs die Möglichkeit, ihre geplanten und laufenden Arbeiten (Examens- Magister- Diplomarbeiten, Dissertationen, Postdoc-Projekte) vorzustellen und zu diskutieren. Gäste sind herzlich willkommen.

Sprechstunden im WS 2003/04: Mo. 10-12 Uhr, Lehrstuhl für Ethik in den Biowissenschaften, Wilhelmstraße 19, Raum 0. 33, Anmeldung bei Frau Mustafa Raum 0. 31.

Fahrenbach: Kolloquium nach Vereinbarung.

Kümmel: Kolloquium Fr 18-20, Alte Burse, Melanchthonzimmer (Raum 308), Beginn: 17.10.

Schroeder-Heister: Logik und Sprachtheorie Zeit und Ort nach Vereinbarung.

Besprechung von neuerer Literatur, Vorstellung von Examensarbeiten sowie gelegentlich Gastvorträge. Interessierte mögen sich per e-mail an arndtspam prevention@informatik.uni-tuebingen.de in den Einladungsverteiler aufnehmen lassen. Für weitere Informationen vgl. die homepage http://www-ls.informatik.uni-tuebingen.de/psh

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Arbeitskreise

Hoering: Lernprogramme (insbesondere für Logik) Di 19-21, Alte Burse, Computerpool, Beginn: 14.10.

Seit einiger Zeit gibt es ein Tutor-Programm zum Einüben des logischen Ableitens in Formalismen der Aussagen-, Prädikaten- und Modallogik, das im Rahmen dieses Arbeitskreises entwickelt worden ist. Dieses Programm wurde zunächst in Pascal für SMULLYANs Baum-Kalkül und IBM-kompatible Rechner geschrieben. Für seine Anpassung an den Kalkül des natürlichen Schließens, wie ihn Prof. Heidelberger in seiner Vorlesung verwendet und die Portierung auf andere Plattformen, stellen wir Versionen in C++ und Java mit Hilfe von UML her. Neue Mitglieder, die bereits Kenntnisse in diesen Sprachen besitzen oder stark motiviert sind, sich einzuarbeiten, sind herzlich willkommen.

Koch, D.: Hermeneutische Phänomenologie Mi 12-14 Uhr, Alte Burse, Schellingzimmer, Beginn: 15.10.

Der Arbeitskreis »Hermeneutische Phänomenologie« geht auf eine Initiative von Studierenden zurück. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der hermeneutischen Phänomenologie, so wie sie sich in der ersten systematischen Ausarbeitung in Martin Heideggers »Sein und Zeit« darstellt, vor allem aber mit der Weiterentwicklung bzw. der Veränderung dieses philosophischen Ansatzes in der gereiften Periode der Heideggerschen Philosophie - dem sogenannten »Ereignis-Denken« - von Mitte der dreißiger bis zu Beginn der siebziger Jahre. Im Wintersemester beschäftigen wir uns mit dem Phänomen der Welt und dem In-der-Welt-Sein in »Sein und Zeit« und der Entwicklung dieses Begriffs in den darauffolgenden Jahren bis einschließlich der großen Vorlesung »Die Grundbegriffe der Metaphysik. Welt - Endlichkeit - Einsamkeit« vom Wintersemester 1929/30. Die Textgrundlage - mit Ausnahme der Passagen von »Sein und Zeit« - ist in einem Reader zusammengefaßt, der bei mir (Zimmer 214) abgeholt werden kann. Der Arbeitskreis ist für alle an der Sache der hermeneutischen Phänomenologie interessierten und engagierten Studierenden offen.

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Autonomes Seminar

Dinger: Ernst Bloch, Geist der Utopie - Autonomes Seminar Do 12-14, Alte Burse, Schellingzimmer, Beginn: 16.10.

&quotEs lebe die praktische Vernunft&quot - Blochs legendärer Schlachtruf verortete die Philosophie, dorthin, wo sie seines Erachtens hingehörte, in den Dienst der Gesellschaft. Das frühe Hauptwerk Blochs, erste Fassung 1918, entstand in der Atmosphäre des zusammenbrechenden Kaiserreiches und der russischen Revolution. Das Buch entfaltet eine &quotrevolutionäre Gnosis&quot, so Bloch, des noch Un-Möglichen, des Gärenden, zu wahrer Wirklichkeit Drängenden. In der zweiten von Bloch selbst entrümpelten Fassung, die wir zum Gegenstand des Seminars machen wollen, verdichtet sich diese zur zornigen Faust des &quotPropheten&quot. Ganz im Zentrum steht nun, entfacht durch eine expressionistische Wortfontäne, die Philosophie der Musik, entsprechend seines Anspruches, ein ästhetischer Denker zu sein. Seine Kritik an der Lebensphilosophie, des Neukantianismus, des Neumystizismus und einiger früher Phänomenologen flossen größtenteils in die Schrift &quotDurch die Wüste&quot ein. Dadurch, dass er sein Werk von der Kritik an seinen belanglosen und dürftigen Kollegen entlastet, enthält die zweite Fassung bereits die im &quotPrinzip Hoffnung&quot entfalteten Gedanken in nuce. So eignet es sich nicht nur als Einstieg in die Blochsche Philosophie, sondern geriert sich als erster komprimierter Gesamtentwurf. Das Werk richtet sich nicht nur an Philosophen, sondern auch an interessierte Politologen, Soziologen und Ästheten aller Klassen. Der Scheinerwerb (nur für Philosophen) ist durch die Patenschaft Prof. Brauns gewährleistet. Scheinkriterium: Hausarbeit.

Text: Ernst Bloch: Geist der Utopie, zweite Fassung, Werkausgabe Bd. 3, Frankfurt a. M. 1985, stw 552.

Literatur zur Einführung: Peter Zudeick: Der Hintern des Teufels, Bühl-Moos 1985.