Philosophische Fakultät

Nachrichtenarchiv

20.07.2015

Rhetorik zwischen den Kulturen

Mehr als 350 Wissenschaftler treffen sich zum Internationalen Rhetorik-Kongress an der Universität Tübingen

Griechenland macht derzeit mit Staatsschulden und dem Kampf um Reformen Schlagzeilen. Ein internationaler Rhetorik-Kongress an der Universität Tübingen erinnert daran, dass Griechenland auch die Wiege der abendländischen Beredsamkeit ist. Die Glanzleistungen eines Martin Luther King oder Nelson Mandela sind undenkbar ohne die Marktplätze der attischen Städte, auf denen um politische Mehrheiten gerungen wurde. Die Beobachtung dieser rednerischen Praxis führte zur Ausbildung einer rhetorischen Theorie, auf die sich Wissenschaftler bis heute berufen. Gleichzeitig haben die Kommunikationskulturen in anderen Erdteilen alternative Rhetorik-Konzepte hervorgebracht, die nicht zwingend von Wettstreit, Entscheidungsnot und Öffentlichkeit geprägt sind.

Dieses breite Spektrum verschiedener Rhetorik-Konzepte wird bei der Tagung „Rhetorik zwischen den Kulturen“ vom 28. bis 31. Juli 2015 an der Universität Tübingen diskutiert. Mehr als 350 Spezialistinnen und Spezialisten zur Geschichte der Rhetorik aus über 30 Ländern werden im Audimax (Neue Aula, Geschwister Scholl Platz) und im Brechtbau (Wilhelmstr. 50, 72074 Tübingen) erwartet. Die 20. Konferenz der Internationalen Gesellschaft für die Geschichte der Rhetorik (ISHR) ist zu Gast am einzigen rhetorischen Institut Deutschlands, dem 1967 von Walter Jens gegründeten Seminar für Allgemeine Rhetorik. Die Vorträge sind in deutscher, englischer, französischer, spanischer und italienischer Sprache. Interessierte können sich bis 19. Juli unter http://www.ishr-conference.org/general_registration.php anmelden. Kosten: 100 bis 250 Euro.

Mehr als 300 Vorträge präsentieren das Thema Rhetorik und Kultur von der Antike bis zur Gegenwart, so etwa zur biblischen, arabischen, byzantinischen, afrikanischen, chinesischen, koreanischen, indischen, indigenen lateinamerikanischen, feministischen und musikalischen Rhetorik. Die Konferenz bietet nicht nur einen Einblick in die Vielfalt der Rhetorikbegriffe, sondern lädt dazu ein, das eigene Rhetorikverständnis vor dem Hintergrund dieser Alternativen zu überdenken – ohne die abendländische Rhetoriktradition aus dem Blick zu verlieren.

Programm und Infos zu einzelnen Beiträgen unter: http://www.ishr-conference.org/general_program.php

Sprecher der Plenarvorträge sind Prof. Dr. Karlheinz Töchterle, Klassischer Philologe und ehemaliger österreichischer Wissenschaftsminister, Prof. Yameng Liu, Rhetorik-Professor in Fuzhou, China, Prof. Margaret E. Mullett OBE; Byzantinistin in Washington und Prof. Michael J. Edwards, Gräzist in London, siehe auch http://www.ishr-conference.org/general_program_speakers.php

Ausstellung zur Tübinger Rhetorik

Im Bonatzbau der Universitätsbibliothek (Wilhelmstr. 32) ist zudem unter dem Titel „500 Years – Continuing Rhetoric in Tübingen“ vom 28. Juli bis 14. August 2015 eine Ausstellung zur Geschichte der Rhetorik an der Universität Tübingen zu sehen. Sie wurde von Rhetorik-Studierenden im Rahmen eines Praxisseminars erarbeitet. Unter Leitung von Professor Joachim Knape und Professor Dietmar Till präsentieren Studierende wichtige Dokumente und Bücher der Tübinger Rhetorikgeschichte.

Kontakt:

Dr. Anne Ulrich

Universität Tübingen

Seminar für Allgemeine Rhetorik

Philosophische Fakultät

Telefon: +49 7071 29-78523

anne.ulrich[at]uni-tuebingen.de

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