Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft

Bianca Raffaela Hepp: „Wir sind als Deutsche nach Deutschland gekommen“ - Identität und Erinnerungskultur bei den „Sathmarer Schwaben“ und „Kaukasusdeutschen“ in der dritten Generation (Arbeitstitel)

Erstbetreuer: Prof. Dr. Reinhard Johler

Ob aus Kasachstan oder aus Rumänien – in Baden-Württemberg leben viele Menschen, die seit den 1970er Jahren aus der ehemaligen Sowjetunion, genauer: aus Kasachstan und Rumänien, hierher migrierten. Einige pflegen eine „russlanddeutsche“, „kaukasusdeutsche“ oder „rumäniendeutsche“ Identität, andere nicht. Ihre Migrations-, Integrations- und Diskriminierungserfahrungen prägten sie bis in die jüngste Generation hinein, was sich in ihren Eigen- und Fremdbezeichnungen auswirkt. Sie bilden teils internationale Netzwerke und pflegen verschiedene Formen der Erinnerungskultur, unter anderem (zeitweise) Re- bzw. Transmigration. Der generationelle Wandel führt hier in jüngster Zeit zu neuen Entwicklungen wie beispielsweise Generationenkonflikten, die untersucht werden sollten. Dies soll mittels biografischer Einzelinterviews geschehen.

Das Feld wird sich hierbei zunächst auf Angehörige der „Sathmarer Schwaben“ aus Rumänien und Angehörige der „Kaukaususdeutschen“ aus Kasachstan bzw. Georgien beschränken. Sie organisieren sich in verschiedenen Landsmannschaften und Vereinen, feiern gemeinsam und tauschen Erinnerungen aus. Diese Netzwerke sollen genutzt werden, um neue Interviewpartner kennen zu lernen.

Ziel ist es, aktuelle Tendenzen und neue Entwicklungen der Remigration, Assimilation, kulturellen Adaption und Zugehörigkeitshaltungen zu bestimmten Gruppenidentitäten aufzuzeigen. Konkretere Ziele werden sich in den nächsten Monaten entwickeln, da die Forschungsarbeit sich noch im Anfangsstadium befindet. Die Arbeit soll sich zwar auch mit den ersten beiden Generationen beschäftigen, die im Ausland aufgewachsen sind und teilweise einen Großteil ihres Lebens außerhalb Deutschlands verbracht haben, ihr Fokus soll aber auf den Nachkommen liegen, die heute etwa 15-35 Jahre alt sind und Rumänien oder Russland nur aus Erzählungen kennen, aber eventuell kennenlernen wollen, Interesse gewinnen, selbst an die Orte der Kindheit ihrer Eltern oder Großeltern reisen, Rumänisch oder Russisch lernen und eventuell eine rumäniendeutsche, russlanddeutsche, deutschrumänische, deutschrussische oder ganz andere Identität für sich finden – oder aber „alles Rumänische“ bzw. „alles Russische“ ablehnen.

Kurzvita

Geboren 1990 in Karlsruhe. Studierte Südslawistik und Südosteuropastudien in Jena. Während des Studiums Tutorin in südslawischer Literaturwissenschaft und wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Rumänistik. Seit 2019 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ludwig-Uhland-Institut der Universität Tübingen.

Kontakt

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